Wortpiratin rot-weiß: Blick zurück nach vorn

Am Mittwoch geht die närrische 33. Folge von Wortpiratin rot-weiß bei der Allgemeinen Zeitung online. Diese Arbeit bleibt für mich etwas ganz Besonderes, aus vielerlei Hinsicht. Zum einen habe ich die wunderbare Chance, immer wieder Dinge über meinen Verein zu lernen. Ich kann mich mit anderen, denen der FSV Mainz 05 ähnlich am Herzen liegt wie mir, zusammensetzen, in Erinnerung an die alten Zeigen schwelgen, aktuelle Entwicklungen besprechen und einen Austausch führen, der anders in der Art zumindest deutlich schwieriger wäre. Und mir wächst dieser Verein, selbst nach einem schwierigen Jahr wie dem letzten, mit jedem dieser Gespräche ein bisschen mehr ans Herz. Weil ich das Privileg habe, immer neue Menschen zu treffen, die ihn lieben und leben. Das ist wirklich wunderschön und dafür bin ich sehr dankbar.

Für die letzte Kolumne war mein Gesprächspartner Dimo Wache. Von ihm kann man sich wirklich nur wünschen, dass sein Weg ihn irgendwann zu den 05ern zurückführen wird, egal in welcher Position. So ein geerdeter, sympathischer, guter Typ wäre bei den Mainzern genau richtig.

Die neue 05-Videokolumne ist über den Dächern von Mainz mit Detlev Höhne entstanden, dem Vorsitzenden des ersten Aufsichtsrates von Mainz 05. Die Outtakes gibt’s wie immer vorab, die Kolumne dann ab dem 30. August auf der Homepage und den sozialen Profilen der AZ.

Anika Landsteiner: Gehen, um zu bleiben

Gehen, um zu bleiben

Über die Autorin und Bloggerin Anika Landsteiner bin ich gestolpert, weil Christoph Kessel alias Meenzer on Tour ihr Buch Gehen, um zu bleiben auf seinem Instagram-Profil vorgestellt hat.

Am 22. September kommt Anika nun in den Heimathafen. Aktuell lese ich ihr Buch und werde vor ihrem Auftritt für den Wiesbadener Kurier mit ihr darüber sprechen. Ich bin schon sehr gespannt.

Gegnerbetrachtung: Mainz 05 beim VfB Stuttgart

Neu im Blog: die Gegnerbetrachtung. Vor den Auswärtsspielen des 1. FSV Mainz 05 spreche ich künftig mit Journalisten, Podcastern und Bloggern darüber, was die 05er in der Fremde erwartet. Den Auftakt machen Andreas und Sebastian, die im Blog Vertikalpass – vor allem, aber nicht nur – über den VfB Stuttgart bloggen.

Das Duo hinter dem Blog: Andreas und Sebastian. (Foto: Ute Lochner)

Das Duo hinter dem Blog: Andreas und Sebastian. (Foto: Ute Lochner)

Hallo ihr beiden! Bevor wir uns über die Begegnung zwischen Mainz 05 und dem VfB Stuttgart und die beiden Vereine generell unterhalten: Was macht ihr zwei denn, wenn ihr gerade nicht über Fußball bloggt? Und wie habt ihr euch – zum Bloggen – zusammengefunden?
Andreas: Wir arbeiten gemeinsam in einer Werbeagentur und kennen uns schon ewig. Wir haben zusammen ein Managerspiel entwickelt, mit zwei weiteren Mitstreitern drei iPhone Fußball-Apps gemacht und seit 2014 bloggen wir unter vertikalpass.de. Irgendwie sind wir wie Delling & Netzer: Ein eingespieltes Team, jeder weiß, was der andere denkt und uns verbindet die Vorliebe für zweitklassige Witze. Ich bin ein hoffnungsloser Romantiker und Sebastian bringt mich mit seinem Pragmatismus immer wieder auf den Boden der Realität zurück.

Der VfB ist nach einem Jahr #nurzuGast in der 2. Liga tatsächlich zurück in Liga eins. Hättet ihr damit vor der letzten Saison ernsthaft gerechnet, oder war das eher Wunschdenken?
Sebastian: #nurzugast war natürlich ein Motto, das eigentlich nur nach hinten losgehen konnte. Fakt ist aber, dass der VfB mit dem hohen Etat zum Aufstieg verdammt war. Das wussten Verantwortliche und Fans gleichermaßen. Der Aufstieg ist einfach eine Pflichtaufgabe, wenn man über den besten Kader der Liga verfügt. Alles andere wäre eine herbe Enttäuschung gewesen. Und ein zweiter Anlauf wäre sicherlich nicht einfacher geworden.

Was sind die Stärken des Teams, die im Aufstiegskampf den entscheidenden Unterschied gemacht haben? Sich den direkten Wiederaufstieg vorzunehmen, ist das eine – den auch zu schaffen das andere. Die Fans aus Braunschweig oder Fürth können ein Lied davon singen…
Sebastian: Die Basis war sicherlich das stabile taktische Gerüst, das Hannes Wolf dem Team verpasst hat. Auf dieser Basis kam dann die individuelle Klasse zu tragen: Gleich sechs Spieler mit zehn oder mehr Scorerpunkten belegen das genauso wie die 25 Tore von Simon Terodde.

Vor der Saison gab es bei euch ein „Managerbeben“, wie ihr zur Situation mit einem schön boulevardesken Augenzwinkern im Blog schreibt. Sportvorstand Jan Schindelmeister musste nach nur einem Jahr seinen Hut nehmen, für ihn kam Michael Reschke. Wie bewertet ihr die Entscheidung mit ein bisschen Abstand?
Andreas: Der VfB hat Jan Schindelmeiser viel zu verdanken, nicht zuletzt die Verpflichtung von Hannes Wolf. Aber es hat nicht gestimmt zwischen Präsident Wolfgang Dietrich und Schindelmeiser. Da sind zwei Egos aufeinandergetroffen, das kennt man aus Tierfilmen, wenn zwei Nashörner aufeinander zu rennen. Die Rolle Dietrichs wird recht kritisch gesehen, die Frankfurter Rundschau schrieb dazu: „Kenner bescheinigen Dietrich, freundlich formuliert, ein kerniges Machtbewusstsein.“ Darum ging’s wohl, um Mitsprache und Kompetenzen im sportlichen Bereich. Dietrich hat mit der Entlassung ein Zeichen gesetzt: „Beim VfB gibt es nur einen Chef, und das bin ich.“ Zur Verpflichtung von Reschke hat mir gleich ein Bayern-Fan gratuliert. Reschkes Ruf ist exzellent, in wieweit er in der ersten Reihe funktioniert, wird sich zeigen. Mal schauen, wie gut seine Spürnase ist, was man so hört, soll unser jüngster Transfer Santiago Ascacibar (Argentinien, 20 Jahre, defensives Mittelfeld) ein Knaller sein.

Ein Platz an der Sonne. Manchmal. (Foto: Vertikalpass)

Ein Platz an der Sonne. Manchmal. (Foto: Vertikalpass)

Mit Badstuber, Durm (wenn, denn) und Aogo ist der VfB auch ein bisschen Auffangbecken einstiger Hoffnungsträger geworden. Was erwartet ihr euch von diesen Spielern?
Sebastian: Schwierig. Denn die Erwartungshaltung ist riesig. Holger Badstuber soll neben Baumgartl der Seniorchef in der Innenverteidigung werden und Erik Durm die Ideallösung auf der rechten Abwehrseite sein. Ob die beiden diesen Erwartungen gerecht werden können? Und vor allem: Wie oft? Ich habe da meine Zweifel wegen der langen Verletzungshistorie, hoffe aber natürlich, dass alle drei so dermaßen einschlagen, dass Jogi Löw sie mit zur WM mitnehmen muss.
Andreas: Bei den von der Erfahrung her sicher sinnvollen Verpflichtungen befürchte ich, dass sie womöglich die Entwicklung von Benjamin Pavard behindern. Er ist für mich im Moment der beste Innenverteidiger. Aber da Badstuber und Durm noch Matchpraxis fehlt, hoffe ich, dass sich Pavard in den ersten Spielen zeigt!

Mich hat die Verpflichtung von Zieler extrem überrascht, weil Langerak – für mein Gefühl – ein Spieler war, der sich extrem mit dem Verein identifiziert und doch auch erstligatauglich ist. Wieso hat man das in der VfB-Führungsetage anders gesehen?
Andreas: Mitch ist ein klassischer und erstklassiger Linienkeeper. Strafraumbeherrschung und Spieleröffnung sind nicht seine Stärken. Langerak ist in Stuttgart sehr beliebt und wird hier für immer der „Aufstiegstorhüter“ sein. Zieler ist vielleicht einen Tick besser, aber diese Baustelle hätte man meiner Meinung nach nicht unbedingt aufmachen müssen.

Was empfindet ihr eigentlich, wenn ihr Kevin Großkreutz im Darmstadt-Trikot seht?
Andreas: Ich freue mich, dass er wieder Fußball spielt. Und er passt perfekt nach Darmstadt. Wir drücken ihm die Daumen.

Im Pokal hat sich der VfB um ein Haar ziemlich blamiert, dann aber doch noch die Kurve zur zweiten Runde gekratzt. Was hakt noch in der Mannschaft und auf dem Platz?
Sebastian: Der Ausfall von Emiliano Insua konnte nicht kompensiert werden. Der Gute hat in zwei Spielzeiten genau ein einziges Spiel verpasst und ist der Fixpunkt im Stuttgarter Spiel. Ersetzt wurde er durch Burnic, der auf der ihm fremden Position ein Totalausfall war. Davon abgesehen neige ich dazu, dem traditionellen VfB-Schlendrian die Schuld zu geben. Als Bundesligist muss man gegen einen Viertligisten anders auftreten. Verletzungsprobleme hin, Abstimmungsschwierigkeiten her.

Das erste Bundesligaspiel in der Geschichte der 05er führte nach Stuttgart. Die Partie ging mit 4:2 an den VfB, am Ende der Saison landete Stuttgart auf Platz fünf, Mainz wurde Elfter. Nun tritt Mainz als etablierter Bundesligist beim Aufsteiger an – trotzdem scheint Stuttgart die Favoritenrolle inne zu haben. Was für ein Spiel erwartet ihr von eurer Mannschaft?
Andreas: Ich weiß nicht, ob der VfB der Favorit ist. Wir erwarten eine wacklige Abwehr, ein nicht unbedingt gefestigtes defensives Mittelfeld und zwei Tore von Simon Terodde. Im Ernst: Die Mannschaft ist noch nicht vollständig, Hannes Wolf muss auch aufgrund von Verletzungen und späten Transfers improvisieren. Eine Prognose abzugeben, ist schwierig, der VfB ist im Moment unberechenbar. Durch die Verwerfungen rund um die Personalie Schindelmeiser ist ein bisschen Euphorie und Vorfreude verloren gegangen. Unter dem Motto „Alle in Weiß“ zieht allerdings vor dem Spiel wieder die mittlerweile legendäre „Karawane Cannstatt“ durch die Stadt und wird für ordentlich Stimmung sorgen. Es kann also sehr laut werden und das gibt der Mannschaft vielleicht einen Schub. Ich korrigiere mich also: Wir erwarten drei Tore von Terodde.

Das erste Saisonspiel hat der VfB auswärts gegen Berlin verloren. Wie sehr steht man jetzt vor der zweiten Partie bereits unter Druck? Zumal ja die Erwartungen intern und von außen sicher andere sind als die an einen Aufsteiger, der nicht klassisch in der 1. Liga gesehen wird?
Sebastian: Nur die größten Optimisten hatten erwartet, dass der VfB in Berlin etwas mitnehmen kann. Aber klar, ein Heimspiel gegen Mainz muss nach dem Selbstverständnis der Verantwortlichen und der Fans gewonnen werden. Dennoch dürfte der Druck in Mainz noch größer sein. Zwei Niederlagen gegen die zwei Aufsteiger sind nicht wirklich gut für die Stimmung in der Länderspielpause. Für den VfB heißen die nächsten Gegner nach der Pause Schalke, Wolfsburg und M’gladbach. Einfacher wird es also auch nicht.

Der Mann für den SWAG. (Foto: Vertikalpass)

Der Mann für den SWAG. (Foto: Vertikalpass)

In der Sommerpause wechselte Alexandru Maxim von Stuttgart nach Mainz. Und das, obwohl er im Saisonfinale einer der Leistungsträger war. Wie überrascht wart ihr?
Sebastian: Sehr! Weniger, weil Alexandru Maxim wechselte. Eher, dass er für kleines Geld zu einem direkten Konkurrenten ging. Auch mit etwas zeitlichem Abstand und mit viel Sympathie war das sicherlich nicht der smarteste Move von Jan Schindelmeiser. Die Fan-Meinung zu Maxim war stets zwiegespalten: Auf der einen Seite hatte er es unter keinem der zahlreichen Trainer in Stuttgart zur unangefochtenen Stammkraft geschafft. Auf der anderen Seite war er einer dieser Spieler, von denen man sich etwas Besonderes erhoffen konnte. Wie zum Beispiel sein Tor aus 40 Metern in Bielefeld. Außerdem hatte er große Verdienste am hohen SWAG-Niveau in Stuttgart!
Andreas: Nicht zuletzt wegen des ikonischen Bildes, das ihn zeigt, wie er auf dem Dach der Trainerbank mit den Fans den Aufstieg feiert, wird er in Stuttgart als Rockstar in Erinnerung bleiben.

Worauf können wir uns in Sachen Maxim beim FSV freuen? Welche Fehler muss der Rumäne noch abstellen, um sich dauerhaft einen Platz in einer Bundesligastartelf zu sichern?
Andreas: Maxim macht auf dem Platz einen auf dicke Hose: hier ein Übersteiger, dort ein Arschwackler, da ein lockerer Außenrist-Pass. Ihr werdet hervorragende Standards und Eckbälle auf Kniehöhe sehen, geniale Vertikalpässe und Situationen, in denen er mit seiner Verspieltheit den Ball verliert. Bei ihm weiß man nie, was kommt. Teilweise schwanken seine Leistungen sogar innerhalb eines Spiels. Hannes Wolf sagte, Maxim sei schon zufrieden, wenn er im Spiel ein, zwei hervorragende Szenen hat. Das war ihm zu wenig und wenn das so bleibt, wird das Eurem Trainer Sandro Schwarz auch zu wenig sein.

Welches Saisonfazit würdet ihr nach dem 34. Spieltag gerne über euren Verein schreiben?
„Der VfB Stuttgart beendet die Saison mit dem gleichen Trainer, mit dem er sie begonnen hat. Zum ersten Mal seit fünf Jahren.“

Danke euch für das Gespräch!

Kinotipp: Kedi. | Die Liebe steckt in allen Dingen

Es war der Schriftsteller Ernest Hemingway, der einst sagte: „One cat just leads to another.“ Oder genauer: schrieb, in einem Brief an seine erste Frau Hadley Richardson. Das berühmt gewordene Zitat setzte der Dichter, der zu jener Zeit mit seiner dritten Frau Martha Gellhorn und elf Katzen auf einer kubanischen Finca lebte, in den Zeilen an Hadley folgendermaßen fort: „The place is so damned big, it doesn’t really seem as though there were many cats (until you see them all moving like a mass migration at feeding time).“

Obwohl Hemingway diese Worte natürlich schrieb, lange bevor der Film „Kedi. Von Katzen und Menschen“ entstanden ist, wirken sie doch beinahe wie eine Zitat aus der wunderbaren Dokumentation, die seit dem 8. August in deutschen Kinos zu sehen ist. Schließlich gehören die streunenden Katzen Istanbuls so selbstverständlich zum Bild der Stadt, dass sie manchmal gar nicht weiter auffallen. Dann wieder machen sie mit Nachdruck auf sich aufmerksam, sei es durch ihr Verhalten oder das Auftreten im Pulk, scheinen plötzlich überall zu sein und es ist unmöglich, sich ihrem sanften Charme zu entziehen.

Insgesamt drehten die Filmemacher um die aus Istanbul stammende Regisseurin Ceyda Torun und den in der Pfalz aufgewachsenen Kameramann Charlie Wuppermann drei Monate lang, 200 Stunden Material kamen dabei am Ende zusammen. Daraus entstanden ist eine bildstarke Dokumentation, die zwar mit ihrer zärtlichen Betrachtung der Vierbeiner sicher in erster Linie Katzenliebhaber anspricht, die aber neben der Liebeserklärung an die streunenden Tiger auch eine an die großartige Stadt Istanbul und ihre stolzen Menschen ist.

Sari

Gedreht wurde mit 19 Tieren, von denen am Ende sieben als Hauptfiguren im Film zu sehen sind. Der Film folgt den Katzen auf ihren Wegen durch die verschiedenen Viertel Istanbuls und porträtiert dabei auch die Menschen, bei denen die Katzen sich niedergelassen haben. Gerade diese behutsam eingefangenen Begegnungen zwischen Zweibeiner und Vierbeiner sind es, die „Kedi“ (türkisch: Katze) so besonders machen, ihm ihren Zauber verleiht.

Da ist die junge Frau, die davon erzählt, wie die Mutterschaft ihre Katze verändert hat. Sarı liegt nun nicht mehr faul in der Sonne, sondern widmet ihre Tage der Aufgabe, Futter für den Nachwuchs zu organisieren. Zwischendurch schaut sie bei ihren Menschen herein, lässt sich streicheln und scheint schnurrend Kraft zu tanken für die nächsten Raubzüge. Und wenn die junge Türkin die Katze krault und dabei erzählt, wie wichtig Sarı ihre Freiheit sei, scheint sie damit auch ein wenig sich selbst zu meinen.

Bengü

Da ist Bengü, die getigerte Katze, die auf das Schnalzen ihres einen Menschen erst reagiert, wenn der andere sie mit der Bürste fertig verwöhnt hat. Die Katzendame Psikopat, die eifersüchtig über ihr Viertel und ihren Ehekater wacht. Der kleine Kater Deniz, der in einer Markthalle lebt und sich, trotz festem Futterplatz, dort geschickt sein Fressen räubert. Da ist der Restaurantbesitzer, der mit seinem Viereiner beim Tierarzt anschreiben lässt. Und der ältere Mann, der von seinem Nervenzusammenbruch erzählt, und wie ihm das Leben erst zurückgeschenkt wurde, als er begann, sich um die Katzen der Stadt zu kümmern.

Die Filmemacher begegnen ihren Helden, ob tierisch oder menschlich, mit Respekt, Sympathie und Wärme. So öffnen sich Katzen und Menschen gleichermaßen, erzählen mit Worten oder schnurrend ihre Lebensläufe nach und lassen die Kamera dabei ganz nah an sich heran. Die Bilder und Geschichten, die sich dabei entfalten, sind beinahe träumerisch, aufgespannt vor der wunderschönen Leinwand, die Istanbul im Hintergrund aus Farbe und Licht zeichnet.

Deniz

Die Liebe steckt in allen Dingen, das ist die Botschaft dieses Films, der seine Protagonisten und die Stätte ihrer Geschichte so zärtlich porträtiert, das man ihm daraus in einem Punkt auch einen Vorwurf machen muss: Die gezeigten Tiere mögen liebevolle Begleiter haben, aber viele Tiere, gerade in Großstädten, leben im Elend. Die Kastration von Straßenkatzen und generell Streunern ist ein enorm wichtiger Baustein zum Tierschutz und es hätte dem Film gutgetan, nicht nur auf positive Emotionen zu setzen, sondern dieses wichtige Thema anzusprechen.

Es gibt keinen vernünftigen Grund, sich eine Katze zu halten. Sie kosten Geld, haaren alles voll, zerkratzen das Sofa und tun und lassen ausschließlich, was sie wollen. Es gibt aber auch keinen vernünftigen Grund, zu hoffen, zu glauben oder zu lieben. Hoffnungen zerplatzen, Glaube wird erschüttert, Liebe bricht uns das Herz. Das ist die eine Seite. Aber Hoffnung flüstert unseren Herzen Mut ein. Glaube gibt uns Kraft. Liebe bringt unser Herz zum Tanzen. Leben besteht aus so viel mehr als dem Offensichtlichen, den vermeintlich wichtigen Dingen oder dem geraden Weg. Es besteht aus Momenten, aus Begegnungen, aus kleinen Oasen des Glücks.

Katzen sind mit dem Verstand nicht zu begreifen, und genau das macht sie so wunderbar. Sie sind faszinierend, eigensinnig, liebevoll, mitfühlend, störrisch, anhänglich und großartig. Sie sind wie du und ich, haben ihren eigenen Charakter, ihren eigenen Kopf sowieso und ein Leben ohne Katzen ist, frei nach Loriot, möglich, aber sinnlos. „Eine Katze, die zu deinen Füßen miaut und zu dir nach oben schaut, ist das Leben, das dich anlächelt“, heißt es in Kedi. Dieses Lächeln fängt der Film über 79 Minuten ein – und bringt damit die Leinwand zum Leuchten.

Filmplakat zu Kedi. Von Katzen und Menschen. (Fotos: Kedi)

Filmplakat zu Kedi. Von Katzen und Menschen. (Fotos: Kedi)

„Kedi. Von Katzen und Menschen“
Türkei, USA 2016, 79 Minuten
Regie: Ceyda Torun
Kamera: Charlie Wuppermann
Schnitt: Mo Stoebe
Musik: Kira Fontana

CrowdFANding: Alle für eins – das 05-Fanhaus

Auf dem Gelände des „Alten Rohrlagers“ am Eingang zur Stadt entsteht seit Anfang des Jahres ein Fanhaus für alle 05er. Ein Ort soll das werden, erklärt Thomas Beckmann, Leiter des ausführenden Fanprojekts Mainz, an dem Menschen, die sich dem Verein verbunden fühlen, zusammenkommen können, sich austauschen, Gleichgesinnte treffen. Das allein ist schon eine großartige Geschichte. Besonders wird das Projekt außerdem, weil es nicht nur für, sondern auch von 05ern verwirklicht wird. Seit Wochen helfen Fans und Aktive bei den Arbeiten: „Über 20 Tonnen Putz wurden von den Wänden geholt, Deckenverkleidungen entfernt und alte Sanitärbereiche entkernt“, beschreiben die Verantwortlichen den Arbeitsfortschritt.

Hier entsteht etwas Großes: ein Fanhaus für alle 05er.

Hier entsteht etwas Großes: ein Fanhaus für alle 05er.

Für die Sanierung muss das Fanprojekt selbst aufkommen. „Wir sprechen hier von 400.000 Euro“, erklärt Beckmann. Mainz 05 unterstützt das unabhängige Fanprojekt bei seinem Vorhaben, auch der Förderverein plant einige Aktionen. Und dann gibt es da noch dieses crowdFANding. Bitte was? Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach: Weil nicht jeder Fan körperlich oder zeitlich in der Lage oder willens ist, tagelang Putz von Wänden zu klopfen, sind die Macher hinter dem Projekt kreativ geworden. Es soll sich schließlich niemand schlecht fühlen müssen, weil er zu diesem fabelhaften Vorhaben nicht aktiv etwas beisteuern kann.

Deswegen läuft seit dem 13. August eine ganz besondere Spendenaktion. Über die Homepage des speziellen Fundings kann jeder 05er (und natürlich alle anderen Sport- oder Mainz-Begeisterten) für das Fanhaus spenden. Und wenn beispielsweise jeder, der beim letzten Heimspiel war, den Mindestbetrag von fünf Euro zahlt, sind die benötigten 100.000 Euro bereits weit übertroffen. Vom Rest wird dann, so vermute ich, bei der Fanhaus-Eröffnung Freibier fließen. Wer mehr als fünf Euro spendet, erhält als Dankeschön Postkarten, Zollstöcke, eine Sitzschale der Bruchwegtribüne undundund. Ihr seht, es wäre fast schon peinlich, da nicht mitzumachen. Weswegen es sich Stefan Bell und Nikolče Noveski natürlich nicht nehmen lassen haben, als Schirmherren zu fungieren.

Am 13. August wurde der Startknopf für crowdFANding gedrückt. (Foto: Fanhaus für Mainz)

Am 13. August wurde der Startknopf für crowdFANding gedrückt. (Foto: Fanhaus für Mainz)

Weitere Infos zur Kampagne gibt es auf der Homepage, im heutigen Artikel der AZ und auch in meiner Kolumne im Heimspiel am Wochenende werde ich mich den Hintergründen sowie dem nebenher beabsichtigten Weltrekord nochmals widmen.

Spendet, Nullfünfer, spendet!