Kinotipp: Kedi. | Die Liebe steckt in allen Dingen

Es war der Schriftsteller Ernest Hemingway, der einst sagte: „One cat just leads to another.“ Oder genauer: schrieb, in einem Brief an seine erste Frau Hadley Richardson. Das berühmt gewordene Zitat setzte der Dichter, der zu jener Zeit mit seiner dritten Frau Martha Gellhorn und elf Katzen auf einer kubanischen Finca lebte, in den Zeilen an Hadley folgendermaßen fort: „The place is so damned big, it doesn’t really seem as though there were many cats (until you see them all moving like a mass migration at feeding time).“

Obwohl Hemingway diese Worte natürlich schrieb, lange bevor der Film „Kedi. Von Katzen und Menschen“ entstanden ist, wirken sie doch beinahe wie eine Zitat aus der wunderbaren Dokumentation, die seit dem 8. August in deutschen Kinos zu sehen ist. Schließlich gehören die streunenden Katzen Istanbuls so selbstverständlich zum Bild der Stadt, dass sie manchmal gar nicht weiter auffallen. Dann wieder machen sie mit Nachdruck auf sich aufmerksam, sei es durch ihr Verhalten oder das Auftreten im Pulk, scheinen plötzlich überall zu sein und es ist unmöglich, sich ihrem sanften Charme zu entziehen.

Insgesamt drehten die Filmemacher um die aus Istanbul stammende Regisseurin Ceyda Torun und den in der Pfalz aufgewachsenen Kameramann Charlie Wuppermann drei Monate lang, 200 Stunden Material kamen dabei am Ende zusammen. Daraus entstanden ist eine bildstarke Dokumentation, die zwar mit ihrer zärtlichen Betrachtung der Vierbeiner sicher in erster Linie Katzenliebhaber anspricht, die aber neben der Liebeserklärung an die streunenden Tiger auch eine an die großartige Stadt Istanbul und ihre stolzen Menschen ist.

Sari

Gedreht wurde mit 19 Tieren, von denen am Ende sieben als Hauptfiguren im Film zu sehen sind. Der Film folgt den Katzen auf ihren Wegen durch die verschiedenen Viertel Istanbuls und porträtiert dabei auch die Menschen, bei denen die Katzen sich niedergelassen haben. Gerade diese behutsam eingefangenen Begegnungen zwischen Zweibeiner und Vierbeiner sind es, die „Kedi“ (türkisch: Katze) so besonders machen, ihm ihren Zauber verleiht.

Da ist die junge Frau, die davon erzählt, wie die Mutterschaft ihre Katze verändert hat. Sarı liegt nun nicht mehr faul in der Sonne, sondern widmet ihre Tage der Aufgabe, Futter für den Nachwuchs zu organisieren. Zwischendurch schaut sie bei ihren Menschen herein, lässt sich streicheln und scheint schnurrend Kraft zu tanken für die nächsten Raubzüge. Und wenn die junge Türkin die Katze krault und dabei erzählt, wie wichtig Sarı ihre Freiheit sei, scheint sie damit auch ein wenig sich selbst zu meinen.

Bengü

Da ist Bengü, die getigerte Katze, die auf das Schnalzen ihres einen Menschen erst reagiert, wenn der andere sie mit der Bürste fertig verwöhnt hat. Die Katzendame Psikopat, die eifersüchtig über ihr Viertel und ihren Ehekater wacht. Der kleine Kater Deniz, der in einer Markthalle lebt und sich, trotz festem Futterplatz, dort geschickt sein Fressen räubert. Da ist der Restaurantbesitzer, der mit seinem Viereiner beim Tierarzt anschreiben lässt. Und der ältere Mann, der von seinem Nervenzusammenbruch erzählt, und wie ihm das Leben erst zurückgeschenkt wurde, als er begann, sich um die Katzen der Stadt zu kümmern.

Die Filmemacher begegnen ihren Helden, ob tierisch oder menschlich, mit Respekt, Sympathie und Wärme. So öffnen sich Katzen und Menschen gleichermaßen, erzählen mit Worten oder schnurrend ihre Lebensläufe nach und lassen die Kamera dabei ganz nah an sich heran. Die Bilder und Geschichten, die sich dabei entfalten, sind beinahe träumerisch, aufgespannt vor der wunderschönen Leinwand, die Istanbul im Hintergrund aus Farbe und Licht zeichnet.

Deniz

Die Liebe steckt in allen Dingen, das ist die Botschaft dieses Films, der seine Protagonisten und die Stätte ihrer Geschichte so zärtlich porträtiert, das man ihm daraus in einem Punkt auch einen Vorwurf machen muss: Die gezeigten Tiere mögen liebevolle Begleiter haben, aber viele Tiere, gerade in Großstädten, leben im Elend. Die Kastration von Straßenkatzen und generell Streunern ist ein enorm wichtiger Baustein zum Tierschutz und es hätte dem Film gutgetan, nicht nur auf positive Emotionen zu setzen, sondern dieses wichtige Thema anzusprechen.

Es gibt keinen vernünftigen Grund, sich eine Katze zu halten. Sie kosten Geld, haaren alles voll, zerkratzen das Sofa und tun und lassen ausschließlich, was sie wollen. Es gibt aber auch keinen vernünftigen Grund, zu hoffen, zu glauben oder zu lieben. Hoffnungen zerplatzen, Glaube wird erschüttert, Liebe bricht uns das Herz. Das ist die eine Seite. Aber Hoffnung flüstert unseren Herzen Mut ein. Glaube gibt uns Kraft. Liebe bringt unser Herz zum Tanzen. Leben besteht aus so viel mehr als dem Offensichtlichen, den vermeintlich wichtigen Dingen oder dem geraden Weg. Es besteht aus Momenten, aus Begegnungen, aus kleinen Oasen des Glücks.

Katzen sind mit dem Verstand nicht zu begreifen, und genau das macht sie so wunderbar. Sie sind faszinierend, eigensinnig, liebevoll, mitfühlend, störrisch, anhänglich und großartig. Sie sind wie du und ich, haben ihren eigenen Charakter, ihren eigenen Kopf sowieso und ein Leben ohne Katzen ist, frei nach Loriot, möglich, aber sinnlos. „Eine Katze, die zu deinen Füßen miaut und zu dir nach oben schaut, ist das Leben, das dich anlächelt“, heißt es in Kedi. Dieses Lächeln fängt der Film über 79 Minuten ein – und bringt damit die Leinwand zum Leuchten.

Filmplakat zu Kedi. Von Katzen und Menschen. (Fotos: Kedi)

Filmplakat zu Kedi. Von Katzen und Menschen. (Fotos: Kedi)

„Kedi. Von Katzen und Menschen“
Türkei, USA 2016, 79 Minuten
Regie: Ceyda Torun
Kamera: Charlie Wuppermann
Schnitt: Mo Stoebe
Musik: Kira Fontana

Reverend Dabeler in Mainz: Liebe, Musik und Tränen

„Es ist immer noch ein bisschen komisch auf der Bühne, ohne Almut.“ Der Satz fällt in den Raum und schmerzt alle, die er trifft. Ein wenig unbeholfen steht Reverend Dabeler da im schummerigen Licht der Dorett Bar, das lange Ende seines Gürtels baumelt ihm zwischen den Beinen. Und für einen Moment ist dieses Bild fast zu viel, zu nah, zu persönlich: Eben weil er ohne Almut Klotz dort oben steht. Um ihre gemeinsamen Lieder zu singen. Alleine, denn seine Frau ist ja tot. Gestorben im August 2013, kurz bevor das famose zweite Album der beiden, „Lass die Lady rein“, veröffentlicht wurde. Doch dann beginnt Christian Dabeler zu singen, und die Befangenheit im Publikum, die Unsicherheit – wohin den Blick, wohin die Hände – löst sich auf in seinem Lied: Keine Zeit.

Ein Reverend im Auftrag der Liebe.

Ein Reverend im Auftrag der Liebe.

Es ist ein Song von der ersten Platte, obwohl eigentlich die zweite angekündigt war. Ganz gleich. Die plötzlich doch unaufgeregte Art und Weise, wie der Reverend Worte und Töne mit dem Mikrofon über den dunklen Raum ergießt, lässt kein Herz unberührt. Und er singt nicht nur, sondern erzählt auch die Geschichten zu ihren Platten, wie vor Sommerlied: „Es war der letzte Song, den wir aufgenommen haben.“ Er habe dabei schon so ein komisches Gefühl gehabt. Die Stimme, belegt. „Wir lassen uns treiben / wie die Blätter im Wind / doch bald / lässt der Sommer / uns allein.“ So viel Gefühl erschöpft Künstler und Zuhörer gleichermaßen. Nach zwei Liedern ist fürs Erste schon wieder Schluss.

Immerhin, im Mittelpunkt des Abends soll ein Text ganz ohne Musik stehen: Almut Klotz hat ein Buch hinterlassen, unfertig, aber mit dem Wunsch, es möge veröffentlicht werden. Über ihre Liebe zu Christian Dabeler, „Fotzenfenderschweine“ heißt es, und wer dieses seltsame Wortungetüm verstehen will, der sollte ihre ungewöhnliche Liebeserklärung kaufen. Dabei aber wissen, man muss das aushalten können, die absolute Offenheit, in der Klotz auch die Unzulänglichkeiten ihres Liebsten, die eigenen Unsicherheiten und die Schwierigkeiten auf dem Weg zueinander in Worte kleidet. Liebe ist Arbeit und Liebe ist wunderschön, Liebe tut weh und lässt uns alles aushalten. Beides beschreibt Almut Klotz eindrücklich.

Andenken, in Worte gegossen.

Andenken, in Worte gegossen.

Aus diesem Buch liest Rev. Dabeler nicht selbst, sondern hat die Hamburger Künstlerin Frau Kraushaar dabei, mit der seine Frau Almut sich gut verstand. Die eine liest ein wenig so, wie die andere geschrieben hat, und irgendwie macht es das stimmig. Und doch ist es auch ein Warten durch die Texte hindurch, auf mehr Lieder, die kommen, zum Glück.

Es geht weiter mit der zweiten Platte und „Tausendschön“, über einen, der im Grunde seines Wesens ein schmutziger Charakter ist, aber: „Im Grunde meines Wesens fand ich’s sehr, sehr schön. Im Grunde wäre es wohl, das Beste gewesen, wir hätten uns nie geseh’n.“ Das schöne Gefühl, diese Zeilen schreiben Liebende, wenn sie wissen, natürlich wäre es nicht das Beste gewesen, augenzwinkernd. Es sei, erzählt der Reverend, ohnehin seltsam, so ohne Almut nach Mainz zurückzukehren: Im hiesigen Ventil Verlag veröffentlichte das Paar zwei Bücher, hier sind sie häufiger gewesen. Und singt: „Erinnerst du dich noch?“ (Liebeslied).

Make some noise. (Fotos: WP)

Make some noise. (Fotos: WP)

Man möchte nicht auftauchen aus der wohligen Blase, die der Abend wie ein Schaumbad um seine Gäste gebildet hat – und zum Glück singt und erzählt der Reverend immer noch ein wenig weiter. Schließlich auch einen Song, der auf dem Album ganz seiner Frau gehört: „Oh, wann kommst du?“ Und wie vielen Liedern an diesem Abend gibt er auch diesem einen neuen Dreh, einen anderen Ton und es steckt so nicht nur ihr Andenken darin, sondern ebenso ein Aufbruch, eine Hoffnung auf das, was kommt.

Eben diese tröstliche Verbindung steckt auch in der Zugabe, als Christian Dabeler zunächst das Pink Floyd-Cover „Wish you were here“ in der deutschen Version ihrer ersten Platte „Menschen an sich“ spielt, wobei die Wehmut nochmals hart um sich greift. Dann aber endet er diesen Auftritt mit der launigen Bemerkung, Almut, die Cover nie wirklich mochte, sei vielleicht auch einiges erspart geblieben: Meatloaf zum Beispiel. Spricht’s, und verabschiedet sich mit der „Rocky Horror Picture Show“. Der Abend war alles andere als das. It was a night to remember.

Abschied von Leonard Cohen

Leonard Cohen ist tot und damit ist ein Tag gekommen, vor dem ich mich immer gefürchtet habe. Ich weiß, dass seine Musik und Worte uns bleiben und bin unglaublich dankbar dafür. Trotzdem trifft mich sein Tod und ich empfinde Trauer und Verlust, wie sie so sonst für den Abschied von Menschen reserviert sind, die ich persönlich kenne. Immerhin, einmal hatte ich das große Glück, ihn live zu sehen, und die Ehre, darüber schreiben zu dürfen: Wiesbaden, September 2010.

Leonard Cohen

Cohen verzaubert Wiesbaden

Es ist beinahe elf Uhr, als Leonard Cohen die Bühne vor dem Kurhaus für eine erneute Zugabe betritt. „I tried to leave you, I don’t deny“, haucht der Altmeister der musikalischen Poesie mit kratziger Stimme ins Mikrofon – und die knapp Zehntausend, die ihn eben nicht gehen lassen wollen, lachen; sind beinahe selig, dass er noch immer da ist: Tänzelnden Schrittes zurückkehrt in den Kreis seiner Musiker. Er zieht den Hut, verneigt sich tief vor seinem Publikum und stimmt einen weiteren Song an – dieser tatsächlich sein letzter; doch nur für heute: „Until we meet again“, verabschiedet sich Cohen – bis wir uns wieder treffen. Während er endgültig von der Bühne geht, wird der Nachthimmel über der Kurstadt von einem Feuerwerk erhellt: Ein perfekter Moment – nicht der einzige an diesem Abend.

Es ist kurz nach sieben, als Leonard Cohen das Konzert mit „Dance me to the end of love“ eröffnet. Er wirkt beinahe selbstvergessen, wie er sich so mit gesenktem Blick, die Hände stets nah vor seinem Gesicht, rückwärts zur Musik über die Bühne bewegt. Auf zwei großen Bildschirmen wird jede Bewegung des 75-Jährigen übertragen, der sein Publikum als „dear friends“ anspricht, sich aufrichtig bedankt, für das herzliche Willkommen, und mit jedem Wort, jeder Bewegung große Bescheidenheit ausstrahlt.

Hinterm Nassauer Hof geht langsam die Sonne unter, am Himmel zeigen sich Farbspiele, wie sie nur in diesen wenigen Tagen zwischen Sommerende und Herbstanfang vorkommen. Rosa und orange hängen die Wolken wie süße Berge von Zuckerwatte über dem Bowling Green, Cohen singt „Bird on the wire“ – und just in diesem Moment kreisen unter lautem Geschrei Vögel über dem Park: Als fühlte sich nicht nur jedes zaghaft schlagende Herz im Publikum angesprochen von den Liedern des kanadischen Poeten, seiner magischen Ausstrahlung, sondern jedes Wesen, das atmet und lebt.

Who by fire“, singt Cohen, „who by sunshine, who by nighttime“, während der Tag langsam in die Nacht übergeht und seine Stimme auf dem Klang einer Harfe durch die Reihen schwebt. Es sind exzellente Musiker, mit denen der singende Dichter auf Tour ist – darunter Sharon Robinson, die etliche Songs mit ihm geschrieben hat. Kurz vor der Pause, zu den hymnischen Klängen von „Anthem“, stellt er sie dem Publikum vor, teilt den Applaus – doch was wirkt wie ein Konzertende ist zum Glück erst die Halbzeit.

Ein Abend wie dieser sei ein seltenes Ereignis, während die Welt immer weiter im Chaos versinke, philosophiert der Liedermacher, der sich immer wieder für die „freundliche Aufmerksamkeit für unsere Songs“ bedankt. Zum zweiten Teil kehrt er mit Sonnebrille auf die vom Dunkel umgebene Bühne zurück, eröffnet mit der persönlichen Ballade „Tower of song“ und erntet jubelnden Applaus für die Textzeile, „I was born with the gift of a golden voice“.

Well my friends are gone and my hair is grey
I ache in the places where I used to play.

Längst spielt es keine Rolle mehr, wie nah oder fern der Bühne man sitzt, weil alles erfüllt ist von seiner Musik, den zarten Weisheiten dieses klugen Poeten. Und als Cohen schließlich mit ruhiger, klarer Stimme, auf den Knien, sein unbeschreibliches „Hallelujah“ anstimmt, da ist es, als rücke die ganze Stadt unter seiner Musik zusammen.

Ein großer Künstler – und ein wahrhaft unvergesslicher Konzertabend.

My coffee tastes of tears today. How are we supposed to live in a world without Leonard Cohen? His music has been my shelter and light in the darkest of hours. Thank you, for so much more than I’ll ever be able to find the words for. I am grieving a true companion.

Wer Cohens Stimme, seinen Witz und seine klugen Gedanken gerne ein wenig hören möchte an diesem Tag, dem empfehle ich dieses Audio aus The New Yorker. Es ist sein letztes Interview.

Komm, wir geh’n ins Neustadt-Kino

Am Donnerstag, 10. November, startet in Mainz Das Neustadtkino. Dahinter verbirgt sich eine Kinoreihe an einigen besonders schönen Plätzen der Mainzer Neustadt. Los geht’s – wie könnte es auch anders sein – im LUUPS, frei nach dem Motto, liebe deine Stadt, liebe die Neustadt, liebe diese Filme. Ich habe mit den Machern darüber gesprochen, was sie antreibt und welche Träume sie zum Thema Kino haben.

Im November startet in Mainz Das Neustadtkino als Veranstaltungsreihe. Was genau wird da passieren?
Feli: Da werden wir Filme an ungewöhnlichen Orten zeigen – also an Orten, die nicht unbedingt für Filmabende bekannt sind. Man kann da einfach hinkommen und wird von einem Film überrascht, der zur Location passt und besonders dann Spaß macht, wenn man ihn gemeinsam guckt. Manche Locations tragen auch auf ihre Weise zum Abend bei. In der Weinraumwohnung etwa werden wir passend zum Film Wein trinken… und im Klotz & Quer kann man etwas basteln, wozu der Film einen vielleicht inspiriert hat…

Das Team hinter dem Neustadtkino: Felicitas Pommerening, Mark Pommerening, Hanno Schmidt und Nadine Daschmann.

Das Team hinter dem Neustadtkino: Felicitas Pommerening, Mark Pommerening, Hanno Schmidt und Nadine Daschmann.

Wer sind die Menschen hinter der Idee dieses Wanderkinos? Und wie seid ihr zueinander gekommen?
Hanno: Wir sind vier Freunde… Beruflich machen wir alle etwas anderes. Aber wir haben ehrenamtlich schon andere Dinge gemeinsam gestemmt und als die Idee des Neustadtkinos im Raum stand, fanden wir es alle gleichermaßen cool und haben gedacht: Das müssen wir probieren!

Wie seid ihr bei der Wahl der Locations vorgegangen, was war euch wichtig?
Nadine: Sie sollten auf jeden Fall in der Neustadt sein und auch einen gewissen Bekanntheitsgrad haben. Wenn wir die Reihe wiederholen sollten, können wir uns auch Locations vorstellen, die normalerweise gar nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind, also in diesem Sinne vielen unbekannt wären. Aber für die erste Reihe wollten wir lieber erstmal dort sein, wo die Leute, die wir ansprechen wollen, sowieso ein- und ausgehen.

Welche technischen Voraussetzungen muss ein Inhaber erfüllen, der euch gerne einladen möchte?
Mark: Die Technik bringen wir mit, wenn sie nicht vorhanden ist. Daran würde es nicht scheitern. Wir freuen uns generell über Anfragen!

Bislang habt ihr nicht verraten, welche Filme ihr zeigen werdet… Lüftet ihr das Geheimnis vielleicht jetzt? Und haben die Zuschauer darauf künftig auch Einfluss?
Feli: Nein, das Geheimnis werden wir tatsächlich erst am Abend selbst lüften… Aber wir werden mit ein wenig Vorlauf Flyer in den Locations auslegen, auf denen man nachlesen kann, in welche Richtung der jeweilige Film geht. Und dann darf wild geraten werden! Zuschauer mitbestimmen zu lassen, fänden wir großartig, aber dazu müssten wir dann vermutlich einen anderen Rahmen organisieren. Ein Schritt nach dem anderen, würde ich sagen!

Worauf müsst ihr als Veranstalter eigentlich achten, um Filme öffentlich vorführen zu dürfen?
Hanno: Zu allererst müssen wir natürlich die Aufführungsrechte erwerben. Und dann gibt es bestimmte Vorschriften, an die wir uns halten müssen. Das ist gar nicht so einfach… Wir geben uns Mühe alles richtig zu machen, aber als Laie schüttelt man nicht so ohne Weiteres aus dem Ärmel, was da nun alles dazugehört – und Profis sind wir nun einmal nicht. Wir hoffen, dass wir nichts übersehen haben!

Kino ist wie Eis, es geht immer.

Kino ist wie Eis, es geht immer.

Ihr steckt viel Zeit und Liebe in das Projekt, von der Homepage bis zur eigentlichen Veranstaltung. Was für Ideen habt ihr, um auf den Kosten nicht sitzenzubleiben bzw. ab wann hofft ihr, mit dem Neustadtkino vielleicht auch Geld zu verdienen?
Mark: Im Moment ist das eine nicht-gewerbliche Veranstaltung. Wir bitten aber an den Abenden um eine Kostenbeteiligung. Damit wollen wir kein Plus machen, aber natürlich gerne minimieren, wie sehr wir „auf den Kosten sitzenbleiben“.

Tatortsonntage im Haddocks, Quizabende im Irish Pub, Kinoabende in der Neustadt – was glaubt ihr, woher kommt der Trend, ein Stück Privatheit im öffentlichen Raum auszuleben?
Feli: Also ich habe es schon immer geliebt, mit anderen Menschen Filme zu gucken und direkt im Anschluss über den Film zu reden, einen Film also gemeinsam zu erleben. Wenn wir damit jetzt im Trend liegen, umso besser! Aber daran haben wir gar nicht gedacht. Wir sind nur unserer eigenen Leidenschaft gefolgt.

Steckt hinter der Idee zum Neustadtkino auch der Traum, irgendwann ein tatsächliches Kino zu führen?
Hanno: Ja, schon. Aber im Moment steht das noch in den Sternen.

Neben den Abendterminen gibt es eine Familienvorführung. Ist das auch als eine spielerische Art und Weise zu sehen, um Kinder an die große Leinwand heranzuführen?
Nadine: Das haben wir uns dabei nicht auf die Fahnen geschrieben… Aber tatsächlich gehören wir jetzt nicht unbedingt zu den Eltern, die finden, Kinder sollten so lange wie möglich aus den Kinos rausgehalten werden. Wir finden Filme einfach toll und sehen nicht, dass man Kinder davor schützen müsste. Und wenn Familien sich jetzt mit uns erstmal wohler fühlen, und dadurch dann auch in andere Kinos gehen, freuen wir uns!

Apropos Familie: Ihr seid alle Eltern, alle berufstätig, und du, Feli, steckst auch noch hinter der Plattform Ich-Erzähler.de, die kürzlich den Mainzer Story-Slam ins Leben gerufen hat… und jetzt macht ihr noch das Neustadtkino. Wie schafft ihr das?
Feli: Also, Ich-Erzähler.de und auch das Neustadtkino, das sind ja so Herzensprojekte. Das ist ein bisschen wie mit Nachtisch, den man irgendwie doch noch essen kann, obwohl man von der Hauptspeise schon fix und fertig ist. Aber natürlich geht alles nur im Rahmen. Deswegen gibt es erstmal nur sechs Vorstellungen vom Neustadtkino – und dann eine kleine Pause. Aber wir würden uns riesig freuen, wenn es im nächsten Jahr weitergeht! Das hängt jetzt natürlich auch davon ab, wie die Abende laufen und wie die Sache überhaupt ankommt. Aber momentan sind wir zuversichtlich. Der bisherige Zuspruch war schon ziemlich überwältigend.

Danke für das Gespräch.

Das Neustadtkino
10. November: Premiere im LUUPS-Shop
17. November: Wein-Abend mit Film in der Weinraumwohnung
24. November: Dänischer Filmabend im hygge
1. Dezember: Gucken und Basteln im Klotz und Quer
4. Dezember: Familiennachmittag mit Kinderfilm im Neustadtzentrum
8. Dezember: Abschlussfilm mit Partylaune im Nelly’s

STIJL: Ein Festival der Kreativität

Mainz ist kreatijv – besonders am 22. und 23. Oktober. Dann feiert der StijlMarkt sein 15. Jubiläum und kehrt dafür an seine Wurzeln in Mainz-Mombach zurück, wo einst auf dem Gelände der Alten Wagonfabrik begann, was inzwischen bundesweit organisiert wird: eine Messe ganz im Zeichen der Kreativität. Im Vorfeld habe ich mit Jacqueline Koss vom Organisationsteam darüber gesprochen, auf welche Neuheiten und altbewährten Lieblinge sich die Besucher freuen dürfen.

Neue Heimat für den Stijl-Markt.

Neue Heimat für den Stijl-Markt.

Wie ist eigentlich der Name der Messe ursprünglich mal entstanden?
Das war ein kleines lustiges Gedankenspiel unserer Gründer: Stijl kommt aus dem Holländischen und bedeutet „Stil“, außerdem war „de Stijl“ eine niederländische Künstlervereinigung aus dem frühen 20. Jahrhundert. Wir kommen allerdings nicht aus den Niederlanden und sprechen auch kein holländisch… (lacht) Aber es sieht einfach sehr schön aus, was für gelernte Designer wichtig ist, lässt einen kurz stocken und darüber nachdenken, und es hebt sich von anderen ab.

Ihr feiert im Oktober in Mainz euer 15. Jubiläum. Wenn du für uns zurückschaust auf die Entwicklung der Messe, was sind die Highlights?
Ich bin erst seit einem Jahr mit dabei, darum ist das schwierig für mich. Ich würde sagen, es ist generell ein Hij-Light, dass wir nun schon zum 15. Mal in Mainz mit dem StijlMarkt vor Ort sind, viele unserer Besucher wirklich regelmäßig immer wieder kommen und nicht müde werden, wir es also schaffen, ihnen immer wieder Neues zu zeigen und uns zu wandeln – und sie dadurch immer wieder neu zu begeistern!

Geografisch kehrt der Markt zum Jubiläum an seinen Ursprung zurück. Welche Vorteile bietet die Halle 45?
Größenmäßige auf jeden Fall: Wir haben etwa 1.300 Quadratmeter mehr als im Postlager für die Jungdesigner und Kreativen zur Verfügung, insgesamt 4.800 Quadratmeter. Dadurch haben wir 150 Aussteller, etwa 20 mehr als bislang. Man könnte meinen, bei der Fläche gehen noch einige mehr, aber die Dosierung ist sehr genau gewählt, schließlich sollen sich die Aussteller nicht gegenseitig Konkurrenz machen. Wir konnten diesmal die Gänge deutlich breiter gestalten und mehrere Flächen zum Verweilen einbringen. Außerdem hat die Halle mit ihren Baukränen einfach einen wunderbaren Charme!

Mittendrin statt nur dabei.

Mittendrin statt nur dabei.

Daran anknüpfend, was ist neu an der Messe in diesem Jahr?
Da haben wir uns für unsere 15. Auflage natürlich eine Menge ausgedacht, schließlich soll dieses Jubiläum etwas ganz Besonderes werden
• „Wijtblick“-Aussichtsplattform: Stijl-Besuchern auf vier Metern Höhe entspannt einen 360-Grad-Überblick über alle Hingucker und Stationen auf der Stijl verschaffen
• „Wijndorf“ präsentiert vom Wein-Startup GEILE WEINE und der Mainzer Weinraumwohnung: auf 150 Quadratmetern junge Weine von jungen Winzern hautnah ganz unkompliziert entdecken, kosten und genießen
• alle nicht Weintrinker kommen bei Markus Pasel und seinem „Braurad“ auf ihre Kosten
Kolorat-Workshop: hier können die Besucher sich an neue Farbkombinationen herantrauen, Profis in Aktion erleben und sich Dank eines Gewinnspiels Farbträume für Zuhause erfüllen
• Minigolf Court mit Indomigo: Minigolf geht auch Indoor – auf dem StjilMarkt gibt’s satte Action und Hole-in-One-Gefahr…
CAMper Photobooth – bitte nett lächeln: mehr als nur eine kleine Fotoecke ist der Retro-Wohnwagen mit modernstem Kameraequipment für schnelle Porträts zum Mitnehmen
Olson & Hekmati Testcenter: die Mainzer Longboardmanufaktur lässt sich für das Stijl-Jubiläum nicht lumpen und hat jede Menge hochwertige, handgemachte Boards zum Testen im Gepäck

Und was sind altbewährte Highlights?
Natürlich unser FoodCourt – da freu ich mich jetzt schon auf meine Mittagspause – mit dem Newcomer Kleine Pause und auch Neustadtfood oder Arnauld’s Cult-Tour. Außerdem die Aufteilung des Marktes in Anziehen, Wohnen, Genießen, das ist einfach altbewährt und macht Spaß. Outfittechnisch kann man sich wirklich von den Socken bis zur Mütze bei uns ausstatten. Im Bereich „Wohnen“ haben wir tolle Aussteller, die besondere Produkte für zu Hause dabeihaben – von Papeterie und Kalendern und Büchern bis hin zu Lampen, Kleinmöbeln und Deko ist alles dabei. Und ich mag besonders den Bereich „Genießen“, weil man sich dort wirklich durchprobieren kann und die leckersten Sachen entdeckt, vom frisch selbstgebrauten Bier in kleinen Mengen, bis hin zu Gewürzen, Tees, Backmischungen, oder auch Likören.

Neue Ideen fürs Zuhause. (Fotos: Veranstalter)

Schicke Ideen fürs Zuhause. (Fotos: Veranstalter)

Das Thema DIY boomt seit einigen Jahren schwer. Welche Rolle spielt es auf der Messe?
Unsere Besucher können auf dem Markt die Kreativen hinter den Labels kennen lernen, das sind genau die, die auch mal klein angefangen haben. Sie hatten eine Idee und haben die umgesetzt, jetzt führen sie ihre eigenen Labels. Wir sprechen Besucher an, die Interesse an diesem kreativen Vorgehen haben und da auch gerne mal selbst Hand anlegen. Darum, und weil wir aktiv mit unseren Besuchern umgehen möchten, also mehr sind als nur ein Einkaufsladen, soll man sich eben auch selbst hinsetzen können und die Möglichkeit haben, etwas zu fertigen. Sei es bei DaWanda oder aber bei Klotz&Quer – wir freuen uns auf die Kreativität auf unserem Markt, die mit unseren Besuchern noch verstärkt werden kann.

Worauf freust du dich persönlich diesmal besonders?
Endlich eine Plattform mitten auf dem Markt zu haben, von der aus man den vollen Überblick hat. Das wird bestimmt eine fabelhafte Aussicht! Und als Organisatorin freut man sich einfach auf den Markt als Ganzes, dass es eine erfolgreiche Veranstaltung wird, von der die Besucher mit einem Lächeln wieder heimgehen, weil wir ihnen auch zu unserem 15. Jubiläum wieder etwas Neues zeigen konnten!

Danke für das Gespräch und viel Erfolg mit dem Jubiläum!

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