Leseglück im LUUPS

Die Tage werden kürzer, die Nächte kühler und inzwischen lässt sich der nahende Herbst nicht mehr leugnen. Der Sommer war viel zu schnell vorbei – aber ist er das nicht immer? Doch zum Glück hat der Herbst seine wunderbaren Seiten. Dazu gehört definitiv, sich wieder häufiger mit einem Buch auf der Couch einzukuscheln und an trägen Sonntagen mit dem Autor gemeinsam zwischen den Zeilen auf Reisen zu gehen.

#lesenliebenlauschen (Fotos: Helen Reddington)

#lesenliebenlauschen (Fotos: Helen Reddington)

Auch der Literaturbetrieb erwacht so langsam aus seinem Sommerschlaf, gerade die kommende Frankfurter Buchmesse wirft bereits ihre Schatten voraus. Und natürlich locken im Herbst wieder mehr und mehr Lesungen an die unterschiedlichsten Orte. Ich hatte am vergangenen Samstag das große Vergnügen, im Mainzer LUUPS Shop aus meinen „111 Gründen, an die große Liebe zu glauben“ zu lesen. Das war auch deswegen besonders schön, weil es die erste Lesung war, die dort überhaupt stattgefunden hat.

Alles ist erleuchtet (Foto: Alexander Kather)

Alles ist erleuchtet (Foto: Alexander Kather)

Neben dem Buch hatte ich eine Handvoll Lieblingslieder mitgebracht, die darin eine Rolle spielen, die wunderbaren LUUPSer wiederum hatten für Brezeln, Spundekäs und leckere Weine aus der Weinraumwohnung gesorgt. Insgesamt war es ein supernetter Abend, und bei einem Glas Wein und netten Gesprächen wurden bereits neue Pläne ausgeheckt. To be continued.

Nachgefragt bei… Frank Nussbücker

Was treibt Menschen eigentlich an, ihre Freizeit in Blogs, Podcasts und ähnliches mehr zu stecken, statt sie in der Hängematte zu verbringen? Oder von der anderen Seite betrachtet, wieso machen sie ihr Hobby nicht zum Beruf? Künftig kommen hier in der Rubrik Nachgefragt bei… regelmäßig Menschen zu Wort, deren Projekte mir auf der täglichen Reise durchs Netz aufgefallen sind. Im fünften Teil spreche ich mit Autor und Herausgeber Frank Nussbücker.

Hallo Frank, du gibst mit deinem Kollegen Andreas B. Vornehm seit 2007 zweimal jährlich die Literaturzeitschrift STORYATELLA heraus. Wie kam es dazu?
Ich schrieb seit vielen Jahren Shortstorys, die weder in die U- noch in die E-Schiene passen wollten. Für erstere zu literarisch, für zweitere zu wenig Grass-like. Durch meinen Autoren-Freund & Kollegen Stefan Strehler geriet ich an eine Berliner Lesebühne, deren Autorinnen und Autoren um Andreas B. Vornehm es genauso ging. Ich wurde Stammleser, Mitglied – und irgendwann sagte ich mir: Ich finde es toll, was ihr so schreibt, lasst uns doch mal eine Publikation angehen.

Frank Nussbücker (Foto: privat)

Frank Nussbücker (Foto: privat)

Wie seid ihr eigentlich auf den Namen gekommen? Ein bisschen klingt der ja nach Storyteller. Oder nach Stracciatella! So oder so sind die Assoziationen positiv.
Letzteres freut mich erst mal sehr, liebe Mara! … Zusammen mit meinem Mitherausgeber & Freund Andreas B. Vornehm sowie Oliver Bauer, unserer grauen Eminenz, saßen wir zusammen, um unserem „Baby“ einen Namen zu geben. Der sollte mit dem zu tun haben, was wir machen. Die Amerikaner haben für eben das die schöne Berufsbezeichnung: Storyteller. Nun sind wir alles keine Amerikaner, und die direkte deutsche Übersetzung klingt leider zu sehr nach den Gebrüdern Grimm: Geschichtenerzähler. Genau darum geht es aber bei STORYATELLA: ums Geschichten erzählen! Und das eben nicht gemäß dem kabarettistischen 0815-Standard von „Lustig, lustig, Trallalla“, den ein jeder von den Berliner Lesebühnen kennt, die in anderen Bundesländern ihre Nachahmer gefunden haben. Ebenso wenig auf dem Niveau des elitären Olymp der literarischen Hochkultur, deren Vertreter nur zu gern das ehemalige Land der Dichter & Denker mit dem oberstädtischen Sandkasten der intelligenzgepushten Profilneurotiker verwechseln, in dem ohnehin nicht jeder mitspielen darf. Wir erzählen Geschichten, ganz im amerikanischen Sinne, deren Bandbreite von „Dick & Doof“ bis zu „Sie wissen nicht, was sie tun“ reicht. Tragödie, Komödie, Pulp, Lovestory, Satire, Science Fiction & der ganze Rest: Alles kein Problem, solange es gut geschrieben und intelligent ist und auch die Unterhaltung nicht zu kurz kommt. Und so kamen wir auf den quasi Kunstnamen STORYATELLA, (der in seiner Betonung bitte italienisch auszusprechen ist, wie Mortadella oder Stracciatella), bevor wir uns womöglich Der Geschichtenerzähler oder Potsdamer Platzhirsch oder Enigma-g oder Die skandalöhsen Märchenonkelz oder Testin’ Testosteron oder VOX VULGO DEI oder Leuchtschrift, Dreckschleuder, Doppelpackschreiber oder Der schreibende Bono Bo nennen wollten!

Ihr nennt die STORYATELLA ein Berliner Kurzgeschichtenheft, der Untertitel lautet „Das Leben schreibt das Beste – aber nicht alles!“ Worauf achtet ihr bei der Auswahl der Storys und welche Geschichten passen nicht ins Heft?
Die Storys kommen aus dem prallen Leben, sind aber von diesem nicht 1:1 „abgeschrieben“, sondern eben literarisch verdichtet. Ich mag am liebsten Storys, die mich gnadenlos mitnehmen an die Orte und in die Welten, an und in denen sie spielen. Wobei ich kein Freund von Thriller & Co bin, deren tiefster Sinn darin besteht, möglichst „thrillig“ zu sein. Ich will die Liebe zum Leben darin spüren können, und sei die Welt, in der sie spielen, noch so brutal oder trostlos. Kurzum: Wir suchen Texte, bei denen wir sagen: „Whow!“

Liest eure Zeitschrift sich eigentlich tatsächlich in Berlin besonders gut? Ist sie nur für Berliner? Oder soll ihr Name eher einen Berliner Charakter ausdrücken?
Sämtliche STORYATELLA-AutorInnen der ersten Stunde lebten in Berlin, als sie zu STORYATELLA-AutorInnen wurden. Maggy Bartscher, eine unserer großartigsten Autorinnen, zog irgendwann ins Ruhrgebiet – und schrieb weiter für uns. Leider verstarb sie vor zwei Jahren, um Jahrzehnte zu früh… Im Moment lebt einer unserer Stamm-Autoren im Hohen Fläming, ein andere in meiner Geburtsstadt Jena… Es kommt so, wie es kommt. Das Wichtigste ist die Story, und die soll bitte, bitte aus dem Leben kommen. Das ist im Bauch einer Großstadt wie Berlin natürlich besonders prall, aber das ist nicht der Punkt. Sorry für die Wiederholung: Die Story muss mich umhauen. Andreas, meine Liebe, Oliver und etliche von uns leben in Berlin – der Stadt, die wir lieben. Aber das ist unsere Sache…

Wie kommen die Texte in der Regel ins Magazin: Sprecht ihr gezielt Kollegen an oder erreichen euch die Geschichten von ganz alleine?
Sofern ich irgend kann, gehe ich auch auf Lesungen, auf denen ich nicht selbst lese. Höre ich da oder auf unserer Lesebühne eine Story, die mich umhaut, gehe ich sofort hin und sage: „Whow, das hat mich umgehauen! Ich gebe eine Kurzgeschichtenzeitschrift heraus, hier ist ‘ne Karte mit unserer Webseite. Wenn Du Lust drauf hast, würde ich diese Story gern in unserer nächsten Ausgabe abdrucken!“ Mittlerweile bekomme ich viele „unverlangt eingesandte“ Beiträge, mitunter bereits gedruckte Romane oder Gedichtsammlungen… Und manchmal auch eine Story, bei der es mir so geht wie ich gerade eben erzählte…

Welche Tipps habt ihr für Autoren, die nun überlegen, mal etwas von sich zu schicken?
Besorgt Euch eine STORYATELLA – und schaut, ob ihr da drin mal zu lesen sein wollt.

Cover

Irgendwo habe ich gelesen, ihr wollt mit eurem Magazin auch anschreiben gegen das Einerlei der Berliner Lesebühnen. Seht ihr deren Entwicklung kritisch?
Nee. Es gibt in Berlin ein paar Lesebühnen, die seit vielen Jahren sehr erfolgreich sind. Die Surfpoeten, Reformbühne Heim & Welt, Liebe statt Drogen, Chaussee der Enthusiasten… Zumeist sehr starke Performance! Wir sind ein wenig literarischer und weniger Comedy, was ich keinerlei wertend meine, sondern janz sachlich. Ich war mal Schauspieler, und das lasse ich bei meinen Vorträgen gern mal kieken, aber das ist nicht das typische unserer Auftritte. Unsere jährliche Premiere im ZEBRANO-Theater, dem vielleicht steilsten kleinen Theater der Welt, ist stets – zumindest von unserem Anspruch her – eine jute Show, aber auch die ist eher literarisch, denn in Richtung Comedy. Ich war mal bei der Reformbühne Heim & Welt als Gast eingeladen. Zusammen mit Ivo Lotion, einem Barden, der regelmäßig auf den juten, alten Lesebühnen zu hören ist. Seine Songs gefielen mir derart, dass ich ihn spontan fragte, ob er nicht bei unserer nächsten Premiere auftreten will. Wollte er. Kurzum: Da gibt’s keine Kluft. Was mich eher nervt, sind die zahllosen Nachahmer jener wirklich erstklassigen Lesebühnen. Das endet dann oft in reichlich sinnloser Schenkelklopf-Dallerei, aber viel kann ich dazu nicht sagen, da ich an einem solchen Abend nicht allzu lange zu den Gästen gehöre… Ach ja, den Ahne, einen der Alt-Stars der Berliner Vorlese-Szene, hab ich sehr gern, obgleich er in Sachen Berliner Fußball die Weinroten verehrt und ich Unioner bin, aber das ist schon wieder ‘ne andere Story…

Die STORYATELLA erscheint im eigens dafür gegründeten Storyapulpa Verlag. Wie viel Pulp steckt in euren Geschichten?
Lies selbst – und sag es mir, ok? Ganz ehrlich, ich bin kein Freund von Genre-Klischees jedweder Art. Aber, liebe Mara, dein Urteil würde mich wirklich sehr interessieren.

Ein eigener Verlag bedeutet auch ein Investment. Wie finanziert ihr die STORYATELLA? Welche Rolle spielen Werbeanzeigen, und verdient ihr mit dem Magazin Geld?
Klar verdiene ich mit STORYATELLA Geld. Etwa 100 Euro im Jahr ;-) Aber darum geht’s bei diesem ehrenamtlichen Halbtag-Herzensjob auch nicht. Ich bin stolz und glücklich, dass wir in Kürze Ausgabe 14 an den Start bringen. Und das nach einmaliger Investition von 1.000 Euro aus meiner Tasche. Seitdem trägt sich unser Baby selbst, wie das so schön heißt. Diejenigen, die bei uns eine Werbung schalten, sind allesamt Leute mit halbwegs laufenden Geschäften, die uns damit unterstützen wollen – und sich zudem freuen, wenn die neue Ausgabe in ihrem Briefkasten liegt. Eigentlich sind das viel eher Sponsoren als Werbepartner.

Finanzierbarkeit ist im Literaturbetrieb ohnehin ein schwieriges Thema. An dem Heft arbeiten neben dir und deinem Mitherausgeber auch Grafiker und Lektoren. Sind das bezahlte Angestellte – oder muss ein gelegentliche Freibier reichen?
Alle, die an STORYATELLA mitarbeiten, tun dies aus ihrem Herzen heraus. So halte ich es, und genau so hält es Andreas, der die Grafik verantwortet und sich um die Bildenden KünstlerInnen kümmert. Meine Liebe, Anke Nussbücker – wir lernten uns übrigens 1999 auf einem Seminar für Prosa-Autoren kennen – ackert auch unheimlich mit, dass die jeweils neue Ausgabe erscheint. Ebenso unsere bis heute graue, aber ungemein lebenshungrige Eminenz Oliver Bauer, Katrin Schulz – und janz, janz dolle unser ebenfalls ehrenamtlich arbeitender Lektor T.A. Wegberg. Der veröffentlicht einen Roman nach dem anderen, sein neuester kommt zusammen mit meinem neuen Buch über die Fans des 1. FC Union Berlin im Herbst bei Schwarzkopf & Schwarzkopf raus. Dazu übersetzt er, arbeitet ehrenamtlich bei einem Krisendienst für Jugendliche in akuter Not – kurzum, der bräuchte seinen „Job“ hier nicht wirklich. Er ist dabei, weil er längst ein STORYATELLer ist und mit seinen Geschichten gehörig dafür sorgt, dass die Qualitätsmesslatte der von uns abgedruckten Storys recht hoch ist. Ein unglaublich feinfühliger Lektor, Kollege & Freund, einfach nicht zu bezahlen, genau wie alle, die bei uns mitmachen.

Deine Brötchen verdienst du als Autor und Biografieschreiber. Was reizt dich daran, die Lebensgeschichten anderer Menschen aufzuschreiben?
Schon immer interessierte ich mich für die Lebensgeschichten anderer Leute. Das fing an, als mir meine Oma dereinst in unseren Dämmerstündchen Geschichten aus ihrem Leben erzählte. Seit vielen Jahren ist das Aufschreiben eben solcher Geschichten einerseits Broterwerb, andererseits Erholung von meiner eigenen literarischen Arbeit. Ich muss hier keinen Stoff generieren, sondern selbigen vielmehr in die Form bringen, in der er am besten den Weg zu seinen Lesern findet. Zudem kann ich hier ein wenig meiner zweiten großen Liebe nachgehen: Ich war viele Jahre Schauspieler und liebte es, mich in die jeweilige Rolle einzufühlen, wie das dereinst der olle Stanislawski nannte. Eben das muss ich tun, um als Ghostwriter im Ton eines Anderen schreiben zu können, sprich: Das Buch schreiben, welcher es geschrieben hätte, wenn er das könnte…

Andreas B. Vornehm (Foto Paul Pape)

Andreas B. Vornehm (Foto Paul Pape)

Über Andreas B. Vornehm war mal zu lesen, er schreibe an der längsten hard-boiled Kurz-Kulturanthropologie-SMS der Welt. Ist er inzwischen fertig geworden?
Nein. Die ist derart lang, ich glaube, im Moment steckt er mitten in Band LMXII… Aber im Ernst: Kaum einer beobachtet sich selbst und seine Umwelt derart scharf und dennoch mit Liebe, wie er. Für mich ist Andreas B. Vornehm seit vielen Jahren der beste Schriftsteller dieser Welt, den ich persönlich kenne.

Gelegentlich veranstaltet ihr auch gemeinsame Lesungen. Wie ist das Feedback der Gäste?
Unsere Premieren verlassen viele Leute mit ‘nem Lächeln in den Augen. Ein steileres Feedback kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen …

Für alle, die jetzt neugierig geworden sind: Wann erscheint die nächste Storyatella – und wo kann man sie kaufen?
Premiere ist am 24. Oktober. STORYATELLA bekommst Du auf unseren Lesungen und über unsere Webseite. Bis vor zwei Jahren versorgte ich noch einige Berliner Buchläden, auf Kommission, dafür fehlt mir mittlerweile – leider – die Zeit. Ich bin ja glücklich, dass ich, dass wir STORYATELLA Jahr für Jahr immer wieder an den Start und unter die Leute bringen. STORYATELLA ist unser literarisches Piratenboot, das sich einen feuchten Kehricht um gängige Konventionen, um U- E- und sonstwelche angeblichen literarischen Gattungen schert. STORYATELLA lebt von der Liebe derer, die es produzieren und unserer LeserInnengemeinde. Wir sind keine geschlossene Gesellschaft …

Vielen Dank für das Gespräch!

Im sechsten Teil von Nachgefragt bei… spreche ich mit Martin über den Wochenendrebell. Ihr habt ein großartiges Projekt, über das ihr mit mir reden wollt? Dann schreibt mir doch eine Mail.

Nachgefragt bei… der Genussliga

Was treibt Menschen eigentlich an, ihre Freizeit in Blogs, Podcasts und ähnliches mehr zu stecken, statt sie in der Hängematte zu verbringen? Oder von der anderen Seite betrachtet, wieso machen sie ihr Hobby nicht zum Beruf? Künftig kommen hier in der Rubrik Nachgefragt bei… regelmäßig Menschen zu Wort, deren Projekte mir auf der täglichen Reise durchs Netz aufgefallen sind. Im vierten Teil spreche ich mit den passionierten Bloggerinnen Fenna Williams, Leila Emami und Tanja Jerzembeck.

Hallo liebe Fenna, Rheina und Zazie! Ihr betreibt den Blog mit dem schönen Namen Genussliga. Für alle, die dort noch nicht vorbeigesurft sind: Was sind eure Themen? Und wie habt ihr drei euch (dafür) gefunden?
Das Thema der Genussliga lässt sich mit einem Satz ausdrücken: „Alles, was das Leben schöner macht.“ Wir wollen mit unserem Blog bewusst einen Trend gegen die Negativmeldungen setzen, die uns täglich in den Medien um die Ohren gehauen werden. Wir sind der Meinung, dass das Leben so viel Schönes zu bieten hat, und dass der Blick darauf uns alle glücklicher macht. Um das Schöne auch in den kleinen Dingen wahrzunehmen, muss man manchmal einen Schritt zurücktreten oder kurz anhalten. Das ist, worum es uns geht. Die Idee zum diesem Blog hatte Fenna. Dafür suchte sie Mitstreiterinnen, und wie man diese Begegnung auch immer nennen mag, Zufall oder Fügung, wir waren zur Stelle. Schon bei unserem ersten Treffen war klar: „Yes, we can!“ Doch zunächst musste ein Name gefunden werden. Ein Gedankenblitz von Zazies fantastischstem Ehemann von allen bescherte uns den Namen „Genussliga“. Danach ging alles sehr schnell und wir legten vier Monate nach unserem ersten Treffen schon mit den Blogeinträgen los.

Drei, die sich gesucht und gefunden haben. (Foto: Sarah MacDonald)

Drei, die sich gesucht und gefunden haben. (Foto: Sarah MacDonald)

Das Liga in Genussliga steht für Leben ist Genuss des Augenblicks, in eurem Blog legt ihr einen großen Schwerpunkt auf Entschleunigung. Wieso ist euch dieses Thema so wichtig?
In einer Achterbahn ist die Schönheit einer Landschaft schwerer zu erkennen als in einem Riesenrad. Unsere Sinne brauchen etwas Zeit, um Dinge in ihren verschiedenen Facetten wahrnehmen zu können. Das ist unsere menschliche Natur. Aber die Schnelligkeit kann man ebenso genießen, sonst würden nicht so viele Leute Achterbahn fahren. Doch auch für diesen Genuss gilt, dass man sich dafür öffnet und die Eindrücke in Ruhe auf sich wirken lässt. Es geht uns also nicht darum, die modernen Errungenschaften in Frage zu stellen, die es uns ermöglichen, schneller zu agieren. Wir benutzen ja selbst das Internet, das an Schnelligkeit kaum noch zu überbieten ist. Das ist für uns Genuss pur, in Sekunden unsere Leser zu erreichen.

Woran, glaubt ihr, liegt es, dass viele Menschen sich heute immer schwerer damit tun, zu entspannen – und auch mal bewusst ruhige Momente für sich selbst einzuplanen?
Vielleicht denken viele nicht daran, dass es zum Entspannen nicht mehr braucht, als eine Bank oder einen Stuhl, wenige Minuten des Innehaltens, des Alleinseins und des Hörens auf den Rhythmus seines Herzens. Einfach mal Durchatmen ohne Tamtam und Trallala. Uns werden ja gerne großartige Events zum Entspannen angeboten, die aber manchmal finanziell oder zeitlich nicht „abzuarbeiten“ sind. Das erzeugt Druck und das schlechte Gefühl, man wäre wieder mal beim Entspannen nicht dabei gewesen. Wir wollen mit der Genussliga zeigen, dass das Entspannen auch vor der Haustür stattfinden kann.

Wie entspannt ihr selbst?
Rheina: Ich wandere. Da ich einen Hund mit außerordentlichem Bewegungsdrang habe, laufe ich täglich durch die Weinberge und setze mich zwischendurch zwei Minuten auf eine Bank und atme tief durch. Danach sind die Batterien wieder voll.
Fenna: Ich gehe spazieren, reise, leite Gruppen – und dann komme ich nach Hause und bin zufrieden und schreibe darüber. Nichts entspannt mich mehr, als schreiben. Und wenn dann noch meine Katzen als (sch)Musen dabei sind: Genuss.
Zazie: Ich koche und freue mich dabei auf das Essen mit meinem Mann oder mit Freunden und die gemeinsamen Gespräche. Gemüse schnippeln, an Kräutern schnuppern, in Saucen rühren und dabei ein bisschen vom Kochwein naschen – perfekt!

Zurück zu eurem Blog: Habt ihr einen festen Veröffentlichungsrhythmus? Wie organisiert ihr euch in eurer Arbeit und wie läuft die Suche nach Themen und Protagonisten ab?
Wir veröffentlichen normalerweise freitags und wenn wir viel in der Pipeline haben auch dienstags. Wir haben vor langer Zeit mal eine Liste mit Ideen gemacht, die jede von uns bearbeiten wollte, die aber irgendwie nie kürzer zu werden scheint, weil uns immer wieder Neues einfällt und begegnet, worüber es sich zu bloggen lohnt. Besonders schön ist dabei: Wir können alles, was wir erlebt haben, auf diese Weise noch einmal Revue passieren lassen und alles ein zweites Mal erleben. Unser Blog fühlt sich manchmal an, wie ein Tagebuch voller Ideen, die wir von der jeweils anderen aufgreifen können.

Logo Genussliga

Einige eurer Texte erscheinen als zweite Version auch in englischer Sprache. Was ist die Idee dahinter?
Wir haben sehr viele Leser außerhalb Deutschlands, einige davon können Deutsch, andere nicht. Besonders bei Gastautoren aus anderen Ländern möchten wir auch deren Freunden und Anhängern die Möglichkeit geben, den Artikel oder das Interview zu genießen. Wir haben zwei professionelle Übersetzerinnen (in England und Schottland), die mit ungeheurem Engagement für uns arbeiten und auch schon selber Artikel geschrieben haben. Das ist ein großes Glück – und eröffnet uns die Chance, öfter einmal Artikel zweisprachig einzustellen.

Eine wichtige Frage für viele Blogger ist, wie sie mit ihrer Arbeit Geld verdienen können. Inwiefern beschäftigt ihr euch mit diesem Thema?
Dieses Thema ist sehr wichtig, denn schließlich müssen auch wir unsere Rechnungen bezahlen. Unser Ziel ist, durch gute, interessante Themen und Texte eine große Leserschaft zu begeistern und somit unsere Arbeit durch Sponsoring, Werbung, usw. finanzieren zu können.

Ihr unterstützt die Organisation NATUREFUND beim Erhalt von Streuobstwiesen. Könnt ihr erklären, wie das genau funktioniert?
Auf unserer Seite ist in der rechten Sidebar ein fester Platz für Naturefund. Wir suchen immer ein spezielles Projekt heraus, das wir selbst unterstützen und von dem wir hoffen, dass es auch für unsere Leser interessant ist. Im Moment sind das die Streuobstwiesen in Südhessen, die besonders viele Bienen und Kleingetier anziehen und die dringend als grüne Lunge für die umliegenden Städte des Rhein-Main-Gebietes gebraucht werden. Um dieses Projekt zu unterstützen, kann man direkt auf den Link klicken – und spenden. Oder man vertieft sich in all die anderen, interessanten Projekte der Organisation und hilft auf andere Art, die Umwelt zu retten.

Umgekehrt wird die Genussliga von der BT Touristik unterstützt. Wie läuft diese Zusammenarbeit ab?
BT Touristik ist ein Reiseveranstalter, mit dem Fenna als Reiseleiterin seit mehr als zehn Jahren Gruppenreisen in möglichst umweltschonender Weise durchführt. Wer über den Link in unserer Sidebar auf die Seiten dieses Veranstalters zugreift und dann bucht, beschert uns eine Provision.

Für euren Blog schreiben hin und wieder auch Gastautoren. Wie wählt ihr die aus und wie motiviert ihr sie, bei euch mitzumachen?
Da muss man eigentlich niemanden motivieren, denn vielen Autoren gefällt die Genussliga so gut, dass sie aus eigenem Antrieb dabei sein wollen. Außerdem hat Fenna die Gabe, viele für unsere Sache zu begeistern.

Die Katz'; weiß, was die Welt zusammenhält. (Foto: privat)

Die Katz‘ weiß, was die Welt zusammenhält. (Foto: privat)

Was motiviert euch eigentlich selbst, neben euren Berufen so viel Zeit in ein Projekt wie die Genussliga zu stecken? Und an welchem Punkt würdet ihr den Blog einstellen?
Es ist unglaublich bereichernd, Genussliga-Artikel zu schreiben. Man bekommt mit der Zeit einen anderen Blick auf die Welt, wird selbst viel friedvoller und entspannter. Klingt vielleicht etwas kitschig, aber es ist so. Außerdem macht die Zusammenarbeit sehr, sehr viel Spaß! Wenn wir mal eine Woche nichts voneinander hören, dann werden wir schon unruhig. Den Blog würden wir vielleicht einstellen, wenn die Zusammenarbeit zwischen uns nicht mehr funktionieren würde. Aber ehrlich gesagt können wir uns nicht vorstellen, wie es dazu kommen könnte.

Apropos Berufe, erzählt doch mal, was ihr macht, wenn ihr nicht gerade bloggt oder Rezepte für eure Rubrik Speis & Trank ausprobiert.
Rheina: Ich bin Autorin und schreibe für mein Leben gerne. Krimis, Thriller, Theaterstücke, Märchen. Seit zwei Jahren habe ich mich auf das Humorgenre verlegt, was mir sehr viel Freude macht und eine Herausforderung bedeutet. Eine Comedy-Crime-Serie mit meinen Genussliga-Kolleginnen ist in Arbeit. Weiterhin arbeite ich an einer Liebeskomödie und veranstalte Krimiwanderungen im Mittelrheintal. Meine andere Leidenschaft ist es, Schreibkurse zu geben für Leute, die das Schreiben gerne zu ihrem Hobby machen wollen oder ihre Kreativität entfalten möchten. Hier erfahrt ihr alles über mich.
Fenna: Ich bin auch Autorin und schreibe alles vom Drehbuch über Roman, Krimi bis hin zur Kurzgeschichte. Ich veröffentliche unter dem Namen Fenna Williams, bin aber auch die erste Hälfte im Autorenduo Auerbach & Keller. Damit mir die Schreibtischtätigkeit nicht zu einsam wird, organisiere und führe ich Gruppenreisen. Außerdem halte ich Seminare über meine Leidenschaften: Shakespeare und Whisky. Wer mehr über mich wissen möchte findet das hier.
Zazie: Ich bin Werbetexterin, Konzeptionerin und Redakteurin – und seit einiger Zeit auch Autorin. Im Oktober erscheint meine zweite Kurzgeschichte, mit Rheina und Fenna arbeite ich an der Krimi-Serie, die Rheina schon nannte, und natürlich habe ich, wie sich das gehört, einen unvollendeten Roman in der Schublade liegen. Ich arbeite in meinem eigenen Atelier für Text, dass ihr euch hier oder bei Facebook anschauen könnt.

Zum Schluss noch eine Bitte: Beschreibt euch reihum mit je einem Satz, also Fenna Rheina, Rheina Zazie und Zazie Fenna.
Rheina ist personifizierte Lebensfreude und versteht es die ihr gegebene Zeit genau so zu nutzen, wie ich es gerne täte, (aber so langsam von ihr lerne).
Zazie entgeht kein Fehler, sie schreibt auf den Punkt und ich liebe ihren Humor und ihren eleganten Schreibstil.
Fenna ist klug, belesen und amüsant und unheimlich motivierend, sie versteht es, Begeisterung zu wecken und die Menschen mitzureißen.

Vielen Dank für eure Zeit!

Im fünften Teil von Nachgefragt bei… spreche ich mit Frank Nussbücker vom Literaturmagazin STORYATELLA. Ihr habt ein großartiges Projekt, über das ihr gerne mit mir sprechen wollt? Dann schreibt mir einfach eine Mail.

Danke, ihr Löwen! Danke, Halle!

Innerhalb von nur vier Tagen hatte ich die schöne Gelegenheit, gleich zwei Mal aus meinem Buch „111 Gründe, an die große Liebe zu glauben“ vorzulesen. Zunächst letzten Samstag im Rathaus Mainz-Gonsenheim, dessen Barocksaal Wolfgang Wolfi Klein mit viel Liebe zum Detail in einen gemütlichen Veranstaltungsraum inklusive Bar umgestaltet hatte. Wie schon bei der Buchpräsentation im Hugendubel Anfang Juni, war es auch an diesem Wochenende unfassbar heiß. Glücklicherweise galt das nicht für den Barocksaal, dessen dicke Mauern für angenehme Kühle sorgten. Außerdem flitze das Team meines Fußballwohnzimmers Zum Löwen zwischen Theke und Lesung hin und her und versorgte alle mit frischen Getränken.

Angenehme Atmosphäre im Barocksaal. (Foto: Wolfgang Klein)

Angenehme Atmosphäre im Barocksaal. (Foto: Wolfgang Klein)

Ich weiß künftig auch, wen ich anrufe, wenn mir nachts um drei auf der Autobahn der Reifen platzt: Wer bei über 40 Grad den Balkon verlässt, um sich von mir vorlesen zu lassen, auf den kann man sich echt verlassen. Im Ernst, es war ein wirklich schöner Abend. Nach der Lesung haben wir im Löwen noch in gemütlicher, privater Runde das Spiel der Fußballdamen um Platz 3 geschaut und mir bleibt nur zu sagen: Lieben Dank meinen wunderbaren Gästen und natürlich ganz besonders Wolfi! Ich komme gerne wieder.

Am Mittwoch ging es dann auf nach Halle an der Saale, um abends in der Stadtbibliothek zu lesen. Wenn man durch Halle bummelt, drängt sich der Eindruck auf, dass dort noch keine Entscheidung gefallen ist darüber, ob man die Stadt komplett sanieren oder lieber verrotten lassen soll. Es gibt wirklich wunderschöne Ecken, die auch ganz offensichtlich für viel Geld saniert oder in Stand gehalten werden, aber auch etliche Bauwerke, die einfach so vor sich hinzugammeln scheinen.

Nette Gespräche in Halle. (Fotos: Alexander Pfeiffer)

Nette Gespräche in Halle. (Fotos: Alexander Pfeiffer)

Für die Lesung hatte das Team um Josephine Borth mit eigens entworfenen Plakaten getrommelt. Mit der Schließung der Ausleihe wurden die Bücherregale aus einem Raum im Erdgeschoss einfach rausgerollt und dieser bestuhlt. Wie schon bei der Lesung im Rathaus habe ich die Passagen aus dem Buch mit Musik vom Band begleitet und es gab eine kleine Pause. In der hat sich eine Frau aus dem Publikum als Kanadierin vorgestellt, die der Liebe wegen in Halle lebt und ganz begeistert war, dass auch Leonard Cohens Musik im Buch eine Rolle spielt. Insgesamt war es ein wahnsinnig netter Abend mit einem sehr aufmerksamen Publikum – und das ist tatsächlich das Schönste bei einer Lesung.

Absolut lohnend ist in Halle auch ein Besuch des Beatles Museums, in dem man locker zwei Stunden damit zubringen kann, die Geschichte der Fab Four nachzuerleben. Sehr wohlgefühlt haben wir uns außerdem in der Kleinen Ulrichstraße, in der es nur so wimmelt vor netten Restaurants, gemütlichen Cafés und kleinen Kneipen. Darauf ein Hasseröder!

Setlist Gonsenheim
Tilman Rossmy – Feld der Liebe
The Walkabouts – Live: The Movie
Steve Earle – Every Part Of Me
Nick Cave And The Bad Seeds – (Are You) The One That I’ve Been Waiting For
Boy – Army

Setlist Halle

Tilman Rossmy – Feld der Liebe
Lou Reed – Perfect Day
Steve Earle – Every Part Of Me
Ramones – I Want You Around
Boy – Army

And The Winner Is …

Buchgeschenke! (Grafik: BSL)

Buchgeschenke! (Grafik: BSL)

Es ist gar nicht so einfach, etwas zu verschenken – wenn man sich zwischen mehreren Menschen, die einen Wunsch äußern, entscheiden soll. Am liebsten hätte ich wirklich allen Bücher geschickt, weil ich mich über die schönen Kommentare so gefreut habe. Also musste letztlich das Los entscheiden, zu wem sich das Exemplar meiner „111 Gründe, an die große Liebe zu glauben“ auf die Reise macht, das ich im Rahmen von Blogger schenken Lesefreude vergebe – und die Gewinnerin ist:

Laura!

Um das Buch zu bekommen, maile mir bitte bis Donnerstag, 7. Mai, deine Postadresse an flaschenpost@wortpiratin.de, dann bekommst du es in den darauffolgenden Tagen signiert geschickt. Wenn ich bis dahin nichts von dir gehört habe, entscheidet das Los erneut. Für alle anderen: Ich starte im Laufe des Mais eine Leserunde bei Lovelybooks. Wenn ihr Lust habt, das Buch dort zu besprechen (im Vorfeld werden dafür einige Exemplare verlost), schickt mir gerne ebenfalls eure Mailadressen – dann sage ich euch Bescheid, wenn es losgeht.

Wer nicht warten mag, und das Buch gerne sofort selbst lesen oder weiterverschenken möchte, kann es beispielsweise direkt beim Verlag kaufen, bei mir signiert bestellen (ebenfalls per Mail, plus 1 Euro Buchversand) oder ihr macht euch einfach auf in die Buchhandlung eures Vertrauens. Und wer erstmal noch etwas darüber erfahren möchte, wie ich mich der Liebe im Buch nähere: Hier und hier verrate ich ein bisschen etwas darüber.

Gewinne! Gewinne! Gewinne!

Gewinne! Gewinne! Gewinne!

Danke fürs Mitmachen und Glückwunsch an die Gewinnerin!