Ein Großer verlässt die 05-Bühne

Als in der VIP-Loge der OPEL-Arena vor einigen Wochen die neue Fanabteilung vorgestellt wurde, da saßen in den Reihen der Zuhörer auch Harald Strutz und Peter Arens. Strutz, der die Planung der damals noch zu gründenden Abteilung seitens des Vereins begleitet und mitgetragen hatte, sprach an dem Abend einige Worte zu den anwesenden Fans.

Arens nickte dem alten Weggefährten aufmunternd zu, als der sich aufmachte zur Bühne. Und empfing ihn mit einem Lächeln, als er auf den Platz neben ihm zurückkehrte. Wie ein altes Ehepaar wirkten die beiden dabei. Der eine, dem die zärtliche Liebe der Fans bis ans Ende seiner und aller Tage gewiss ist. Der andere, der so viel davon in so kurzer Zeit verspielt hat. Und unwillkürlich fragte man sich da, wie die beiden wohl in den letzten Wochen über all diese Themen miteinander gesprochen haben. Was mag der eine dem anderen geraten, wie ihn unterstützt haben. Wie hat all das, was geschehen ist, auf Strutz und Arens als Team gewirkt? Und kurz fragte man sich da bange, ob es sein könnte, dass auch Peter Arens… Aber nein, undenkbar.

Heute nun ist dieser leise Verdacht am Ende der 05-Pressekonferenz leider bestätigt worden: Peter Arens wird in wenigen Wochen seine Arbeit in der Führung des Vereins beenden. Das ist ein wirklich trauriger Tag für den Verein. Peter Arens ist emotional nicht zu ersetzen. Er wird unglaublich fehlen. Und es ist schade, dass die letzte Heimpartie der Saison bereits gespielt ist und so keine Möglichkeit besteht, ihm zum Saisonende noch den großen Abschied zu geben, den er verdient hatte. Das allerdings macht den Zeitpunkt der Bekanntgabe wieder: typisch Peter Arens. Dank, der nicht in Worte zu fassen ist, möge ihn begleiten.

Lieber Peter Arens, Sie werden sehr fehlen.

Viel mehr als Fußball: Zwei neue 05-Videokolumnen

Tu Gutes und sprich nicht darüber
CSR, diese drei Buchstaben stehen für „Corporate Social Responsibility“. Dabei geht es, so viel lässt die Übersetzung erahnen, um Unternehmensverantwortung, mehr noch: „Was gibt man als Unternehmen an die Gesellschaft weiter durch sein Handeln“, erklärt 05-Bereichsleiterin Stefanie Reuter. Darüber dann möglichst viel zu reden, scheint zunächst naheliegend, aber: „Gerade bei Mainz 05 hilft e.V. ist es uns oft wichtiger, sensible Themen auch so zu behandeln, abseits der Öffentlichkeit.“ – Für die Videokolumne habe ich mit Stefanie Reuter über die Arbeit neben dem Sport beim FSV gesprochen.
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Nicht auf illegale Fackeln reduzieren
Man dürfe die positive Arbeit der Fanszenen wegen bestehender Probleme nicht einfach unter den Tisch fallen lassen oder als selbstverständlich begreifen: „Was da an Support passiert, wie viele Kilometer die Fans jedes Wochenende zurücklegen und was sie an sozialer Arbeit leisten, das ist einfach stark.“ Deshalb sei es bei allen Schwierigkeiten wichtig, in und mit der Szene im Dialog zu bleiben und alle Fans in die Arbeit der neuen Abteilung einzubinden – und wer sollte das besser wissen als einer, der selbst seit 20 Jahren für den Verein lebt. – Einer wie Alex Schulz also, den ich für die Kolumne getroffen habe.
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Rasenfunk: 31. Spieltag

Sorry, Mergim! (Foto: Rasenfunk)

„Ungemütlich wird es für so manchen Verein mit jedem Spieltag, den es weniger zu spielen gibt in dieser Saison. Eine Phalanx aus Hamburg, Wolfsburg und Mainz steht mit 33 Pünktchen hinten drin und hofft sich rauskämpfen zu können – oder rauszustürmen? Augsburg und Leverkusen wollen nicht abrutschen und Ingolstadt pubertiert ein bisschen rum.“ – So beschreibt Max Ost die aktuelle Tabellensitation. Mit ihm und Karsten Jahn habe ich im wunderbaren Rasenfunk über den 31. Spieltag philosophiert.

Hat Spaß gemacht, danke für die Einladung!

100 Herzkasper für unser Ziel

Da hast du ein so entscheidendes Spiel vor der Brust und weißt, du wirst es im Familienblock erleben. Ein bisschen gemein ist das schon, trotz wunderbarem Anlass: der Zauberneffe, die Zaubernichte und die beste kleine Schwester von allen sind zu Besuch. Die beiden Dötze hatten das Glück, bei der Übernachtung des KidsClubs im Pentahotel am Vorabend dabei zu sein. Dort wurde den 50 fußballverliebten Kindern eine Videobotschaft von Danny Latza und Fabian Frei eingespielt, von der die Zaubernichte den zentralen Satz behielt: „Die brauchen uns morgen im Stadion, um zu gewinnen.“

Wie wichtig die Fans bei der Partie gegen Hertha BSC waren, signalisierte der Verein unter anderem durch die Verteilaktion der #Mainzbleibt1-Shirts, und da die bereits frühzeitig am Stadion verteilt wurden, war die Hütte auch relativ früh ziemlich gut besucht. Dass letztlich doch wieder ein paar Plätze frei blieben, fiel tatsächlich überhaupt nicht ins Gewicht, weil alle, die da waren, von Anfang an zeigten, dass sie begriffen hatten, worum es ging.

Die perfekte Choreo zum richtigen Zeitpunkt.

Und Gottseidank zeigte das auch die Mannschaft auf dem Platz mit Nachdruck. Und mit dem Wissen ums Ergebnis interessieren mich die liegengelassenen Chancen ehrlich gesagt schon wenige Stunden nach dem Abpfiff überhaupt nicht mehr, obwohl ich im Stadion einige Male fast in meine Klatschpappe gebissen hätte (Familienblock, sag ich doch) vor lauter Schreck – und mit der Zeit auch ein bisschen aus Frust. Der kommt schon mal auf, wenn jemand in der Reihe hinter dir mit Blick auf Muto sagt, der Chinese treffe nicht mehr, seit er nach England ausgeliehen war. Ich meine, unter welchem Stein leben solche Menschen?

Insofern sind einige Fans auf der Hintertortribüne auch erstmal eher erschrocken, als Daniel Brosinski auf dem Weg zu einer Ecke die Arme hochgerissen hat, um sie zu animieren, alles zu geben. Schon eine ganz neue Erfahrung, ein Spiel aus dieser Perspektive zu erleben. Großartig allerdings, die wunderbare Choreographie auf der Stehplatztribüne mal live sehen zu können – und der Zauberneffe war natürlich verliebt in den Blick auf die Fahnen.

Brosi übrigens hätte ich heute am liebsten geklont, weil er mit derartigem Biss unterwegs war. Andererseits aber gar nicht nötig, weil er sich durch sein Tempo quasi schon selbst verdoppelt hat. Dazu ein Dreck fressender Donati, der sich wild in jeden Ball warf, eine Innenverteidigung aus Hack und Bell, die so grimmig auf die Gegner ging, dass die bisweilen echt beeindruckt schienen, vorne Muto und Cordoba, die ackerten als gäbe es kein Morgen, dann Jairo, Quaison, Latza und Frei, die an ihrer Einstellung nie einen Zweifel ließen. Und ein Jannik Huth, der dieses Erstligaspiel mit einem Mut bestritt, als hätte er in seinem Leben nie etwas anderes getan.

Klar, man möchte die Jungs schon auch ein bisschen schütteln und sie mit dem Krächzen, was vor diesem Spiel noch die eigene Stimme war fragen: Wieso erst jetzt? Andererseits, was soll’s – wenn das Team diese Leistung und Einstellung beibehält, dann stehen die Chancen sehr gut, dass wir dem Abstieg entkommen, schon allein, weil sich das Abstiegsgespenst nicht in die Näher dieser 05-Kämpfer traut. Ich würde mich mit denen jedenfalls nicht anlegen wollen.

Geil, geiler, Danny-Latza-Tore.

Und wie geil ist denn bitte Danny Latza, einfach so dieses Tor reinzuballern?* Was war das für ein wunderbarer Moment. Klingt arrogant und natürlich war das Spiel anschließend aber mal sowas von überhaupt nicht durch, trotzdem hatte ich ab dieser Gefühlsexplosion auf dem Rasen und auf den Rängen keinen Zweifel daran, dass die Buben sich das heute auf keinen Fall nehmen lassen. Nichts als Liebe für diese wilde Entschlossenheit.

So schön, so echt, so groß und so Mainz hat es sich lange nicht mehr angefühlt, hier im Stadion zu sein. Das war nicht einfach nur irgendein Sieg, das war nach diesen fiesen letzten Wochen, nach den Zweifeln und der Angst, nach der Entscheidung unserer Vereinsführung und diesem spürbaren Zusammenrücken der Stadt einfach eine perfekt choreografierte Gemeinschaftsleistung von allen, die dabei waren. Das war die besondere Mainzer Geschlossenheit, die zuletzt so gefehlt hat. Das war einfach geil. Bitte mehr davon: 100% Einsatz für UNSER Ziel.

*Edit: Okay, nach Sicht der Fernsehbilder war vielleicht doch Brooks beteiligt. Auch egal. Den Kopf muss Latza erstmal so treffen…

Videokolumne: Der Rocker will in den Aufsichtsrat

„Wenn jetzt gefragt wird, wer wird der neue 05-Präsident, stelle ich die Gegenfrage: Brauchen wir das? Ich glaube nicht“, erklärt Sven Hieronymus beim Dreh zur AZ-Videokolumne rund um den FSV Mainz 05 auf seiner Terasse in Bodenheim. Einer, den er sich als Repräsentanten dennoch gut vorstellen könnte, sei der aktuelle Mainzer OB Michael Ebling, sagt der Rocker vom Hocker.

Aus der Riege ehemaliger Spieler schlägt er spontan Marco Rose vor – und kommt, wie immer beim Gedanken an die alten Helden, sofort wieder ins Schwärmen. „Ach, das waren noch Zeiten damals. Unvergessen, wie ich Christof Babatz mit Ramazotti unter den Tisch gesoffen habe und der dann anschließend in die Hecke vorm Favorite Hotel gekotzt hat.“ Vielleicht, erklärt er augenzwinkernd, fehle das dem heutigen Spieler-Fan-Verhältnis:

„Früher hat man es ja miterlebt, wie die sich besoffen haben. Wenn am nächsten Tag gespielt wurde, hat man besonders angefeuert, weil man wusste, die armen Kerle haben einen dicken Kopf.
Denn den hatte man selbst auch.“

(Quelle: Allgemeine Zeitung)