Fuck you, bodyshaming: Lektion in Selbstliebe

Die Geschichte, die ich erzählen möchte, geht so: Vor gut drei Jahren saß ich vor einem sehr hell erleuchteten Spiegel, in der Erwartung, für einen Fernsehauftritt geschminkt zu werden. Die dafür zuständige Maskenbildnerin trat neben mich, musterte mein Gesicht und sagte dann: „Na, bei Ihnen muss man ja ganz schön kleistern.“ Ich lächelte höflich gegen meine Irritation an, folgte mit meinen Blicken den Kreisen, die sie mit ihren Fingern in die Luft zeichnete, und hörte als nächstes den Satz: „Aber mutig, dass Sie sich trotzdem vor die Kamera trauen.“

Zwar war ich geistesgegenwärtig genug, um zu erwidern: „Ich gehe so ja auch auf die Straße“, aber der Satz fiel bedeutungsleer in eine Lücke, die sich in meinem Gehirn auftat. Wovon redete die Frau? Während sie also munter kleisterte, fragte ich schüchtern, was sie mit ihrer Bemerkung genau gemeint hatte. Sie hielt inne, offenbar überwältigt von so viel Begriffsstutzigkeit. „Na, Ihre Pigmentflecken!“ Ich betrachtete mein Gesicht wie mit neuen Augen im Spiegel. Pigmentflecken. Ah! Das mussten die ulkigen Verfärbungen sein, die sich ein, zwei Jahre zuvor zum ersten Mal in mein Gesicht geschlichen hatten.

Dunkel erinnerte ich mich an den spanischen Sommer, der mich, anders als seine Vorgänger, nicht gleichmäßig gebräunt, sondern eher zufällig betupft hatte. Klar hatte mich das irritiert, allerdings kannte ich diese Entwicklung schon von meiner kleinen Schwester und hatte ihr so keine weitere Bedeutung beigemessen. Der Körper verändert sich eben, die Haut sowieso, und mir lag es nach einer kurzen aber heftigen Phase mit extremen Hautunreinheiten ein paar Jahre zuvor ehrlich gesagt fern, mir darüber je wieder Sorgen zu machen. Andererseits, war das vielleicht eine totale Verweigerungshaltung? Gab es ein Problem, das ich beharrlich ignorierte?

Hallo, ich heiße Mara und ich möchte über Pigmentflecken reden.

Hallo, ich heiße Mara und ich möchte über Pigmentflecken reden.

Ich brachte den Auftritt gut über die Bühne, die Unterhaltung in der Maske aber blieb mir im Gedächtnis. Die Dame hatte mir empfohlen, mir die Haut abhobeln zu lassen, was sich eher fies anhörte. Aber als ich ein paar Tage später ohnehin bei meinem Hautarzt war, fragte ich ihn nach den Flecken – und was man dagegen tun könne. Seine wie stets pragmatische Antwort lautete: „Nichts.“ Da sei viel Zeug auf dem Markt, mit dem die Hersteller einen Haufen Geld verdienten. „Aber das ist im Prinzip alles Quatsch.“ Er riet mir, im Gesicht Sonnenschutz mit besonders hohem Lichtfaktor zu nutzen. „Und wenn es Sie partout stört, bleiben sie eben aus der Sonne.“ Damit hätte das Thema eigentlich wieder erledigt sein können. Eigentlich…

Erst grämen, dann cremen
„Wie findest du das denn, mit den Pigmentflecken?“, fragte ich meine kleine Schwester bei unserem nächsten Treffen. Die schnaubte und rollte mit den Augen. „Beschissen, aber was soll ich machen? Die sind halt da.“ „Hast du mal versucht, was dagegen zu machen?“ „Ja, aber das bringt alles nichts.“ Ich befühlte mit den Fingern vorsichtig die Haut in meinem Gesicht, als ob die kleinen, verfärbten Stellen spürbar wären. Aber da war kein Widerstand, den meine Finger brechen mussten, kein Hubbel, nichts, was die Bewegung aufhielt. Und doch hatte sich seit der achtlosen Bemerkung der Maskenbildnerin etwas daran verändert, wie ich mich selbst im Spiegel betrachtete, wie ein leises Bedauern darüber, was mit mir und meinem Gesicht passiert war.

Ein paar Tage später goss ich das Wort, das mich neuerdings verfolgte, mit Bedacht ins Netz – und erstarrte. Das Thema wurde dort behandelt wie eine schwerwiegende Krankheit. Ich stieß auf Foren voller Frauen, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen wollten, die sich seit Monaten und Jahren grämten und cremten, eine Tube nach der anderen, teuer im Ausland bestellt, alles, um den Teufel aus ihrem Gesicht zu verjagen. Die Tübchen in den USA und in China bestellten, weil dort härtere, schärfere Substanzen erlaubt waren, um das, wovon sie sich so gezeichnet fühlten, aus ihrer Haut auszuradieren, sie dabei aber eigentlich nur zerstörten.

Die Vorher-Nachher-Bilder zeigten hübsche Frauen, deren Haut auf dem zweiten Foto fast wie verbrannt erschien, die dabei aber Hoffnung in den Augen trugen, den Feind zu besiegen. Frauen, die nicht mehr als einen Hauch von Flecken oder Verfärbung im Gesicht trugen, denen man aber weißgemacht hatte, sie seien entstellt, hässlich und kaum mehr vorzeigbar. Ehrlich verzweifelte und traurige Frauen, denen man ein Problem eingeredet hatte, weil sie einer scheinbaren Norm nicht entsprachen und weil man hoffte, so verunsichert Geld mit ihnen verdienen zu können.

Die unerkannte Schwangerschaft
Rückblickend frage ich mich, wieso ich nicht spätestens da die Stimme der Maskenbildnerin aus meinem Ohr geschüttelt und das ärgerliche Thema zu den Akten gelegt habe. Aber manchmal sind wir Menschen eben irrational, knüpft eine dumme Bemerkung, achtlos dahingesagt, an die eigene Geschichte an, weckt alte Geister, und lässt uns entsprechend nicht mehr los. In mir jedenfalls war eine Verunsicherung, die mich einfach nicht loslassen wollte, die ich weiter zu beruhigen versuchte, der ich etwas entgegensetzen musste. Nur: was? Wenn ich weder beim Hautarzt noch online Hilfe finden konnte, blieb eigentlich nur noch die Zunft der Apotheker. Also ging ich in die Apotheke, um mich beraten zu lassen. Mit leiser Stimme fragte ich, was man mir gegen Pigmentflecken empfehlen könne – und geriet direkt an die richtige Person.

„Oh, die sind ganz schrecklich bei Ihnen, das sehe ich schon!“, erklärte die Frau und fragte, ob die Schandflecken ein Relikt meiner Schwangerschaft seien. Äh. Nö. Wie? Ich lernte, es sind (klar!) die Hormone, deren harscher Pinsel für die Flecken verantwortlich ist, weshalb meine Gegenüber ihren ältesten Sprössling dafür verantwortlich machte. „Aber sie haben es nicht bemerkt?“ „Öh?“ „Die Schwangerschaft?“ Ja davon liest man ja dauernd: Frauen, die sich jahrelang fragen, wer der traurig aussehende kleine Bub ist, der morgens bei ihnen am Frühstückstisch sitzt, weil sie ihre Schwangerschaft nicht bemerkt haben… „Ich war nie schwanger.“ „Ach, auch kein Abbruch oder Abgang?“ „Nein.“ Sie griff mitfühlend nach meiner Hand, was mich einen Schritt zurückweichen ließ. „Das ist dann ja noch schlimmer.“ Ich verstand nicht, wieso ich, ohne es zu wollen, gerade offenbar alles immer noch schlimmer machte. „So eine komplett sinnlose Laune der Natur.“ Hatte die Frau ernsthaft Tränen in den Augen? Und bebte ihre Stimme?

Wie bescheuert man sein kann
Ich floh. Aus der Apotheke, aus dem Thema, aus der aufgezwungenen Not. Eine Apotheke weiter griff ich beherzt ins Regal (immerhin hatte ich mich ja online informiert), kaufte hautfreundliche Sonnencreme mit LSF 50 und ein Serum, das die Bildung neuer Pigmentflecken verhindern sollte. Ich verließ den Rest des Sommers die Wohnung niemals, ohne zuvor Sunlotion benutzt zu haben, tupfte das Serum und hielt mich stärker als sonst aus der Sonne. So richtig glücklich machte mich nichts davon – und eine wie auch immer geartete Verbesserung meines Hautbildes konnte ich auch nicht feststellen. Was ich aber feststellen konnte, war, dass die Sonne mir fehlte. Und irgendwann später, als ich zufällig Bilder jenes Sommers betrachtete, in denen die Pigmentflecken zum ersten Mal aufgetaucht waren – und auf denen ich einfach nur glücklich aussah–, dass ich echt komplett und vollkommen die Schnauze voll hatte.

Der aktuelle Urlaub hat mich mal wieder völlig verunstaltet. Es ist ein Trauerspiel...

Der aktuelle Urlaub hat mich mal wieder völlig verunstaltet. Es ist ein Trauerspiel…

Ich hatte die Schnauze voll davon, mir von wildfremden Menschen erzählen zu lassen, wie ich auszusehen und wofür ich mich zu schämen hatte. Davon, Geld auszugeben für Produkte, die nachweislich nichts veränderten. Und ich hatte die Schnauze ganz besonders voll davon, mit Ende dreißig durch eine einzige, dumme Bemerkung in die Gedankenfalle getappt zu sein, die mich an jenem Abend erwischt hatte, und auf diesen Unsinn tatsächlich zu hören. Wie saublöd war ich eigentlich? Klar, ich konnte mir die Gründe dafür herleiten, aber ich wollte sie nicht mehr gelten und mich vor allem nicht von ihnen dominieren lassen. Ich wollte aber auch nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sondern ich wollte diese Geschichte erzählen.

Fuck you, bodyshaming
Weil es an jedem verdammten Tag passiert, das kleine Mädchen, junge Frauen, ältere Damen, Kids, Chicks, Teenager, Girls und Women durch flapsige Bemerkungen, doofe Sprüche und vermeintlich wohlwollende Kommentare angegriffen werden. Weil wir, die Frauen, auf einem gewissen Level ein Leben lang angreifbar bleiben für und von Teile(n) einer Gesellschaft, die von uns und unseren Körpern das Unmögliche verlangen. Die uns in Vorstellungen und Förmchen pressen und uns erklären, was schön ist und annehmbar, woran wir arbeiten müssen und was wir so lassen dürfen, wie es ist.

Weil es immer noch gesellschaftlich akzeptabel ist, Frauen zu allererst nach ihrem Aussehen zu beurteilen. Weil es für die permanente Herabsetzung von (zumeist weiblichen) Körpern sogar ein Wort gibt: Bodyshaming. Weil viele von uns diese Werturteile internalisiert haben, wir nach etwas streben, einem altersunabhängigen Ideal, das es einfach nicht gibt, es sei denn, man hat den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als sich der Pflege seines Körpers zu widmen. Weil wir viel zu oft unsere Wertigkeit davon ableiten, als läge die in unserem Spiegelbild. Bullshit!

Wir sind großartig!
Wir sind so viel mehr als unsere Körper und deren Tagesform. Wir sind Frauen. Wir sind Töchter, Schwestern, Geliebte. Wir sind beste Freundinnen, Mütter, Ehefrauen. Wir sind Entdeckerinnen, Poetinnen, Schultern zum Ausweinen. Wir sind groß und wir sind klein, blond und brünett, mutig und verunsichert. Wir sind strahlend, abgearbeitet, kreativ, einfallsreich. Wir sind Erzieherinnen, Leuchtturmwärterinnen und Hirnchirurginnen, Aktivistinnen, Seelentröster, Nervensägen. Wir sind laut und wir sind leise, wir können alles alleine und brauchen Hilfe. Wir sind stark und wir sind anlehnungsbedürftig, wir sind Mechanikerinnen und Moderatorinnen, unendlich traurig und unfassbar glücklich.

Wir sind offen und wir sind verschlossen, wir sind verliebt und wir werden geliebt, wir fliegen irgendwann zum Mars und wir waten durchs Meer, wir sind alles, was wir sein möchten und noch viel mehr, wir ziehen uns zurück und wir wachsen über uns hinaus. Und nichts davon verändert sich durch die Flecken auf unserer Haut oder die Kilos auf unseren Hüften, auch nicht durch die Dellen unserer Schenkel oder die ersten grauen Haare. Unsere Körper sind das Haus, in dem wir wohnen, das mit uns wächst und sich entwickelt. Wir sind schön, von innen und von außen, genau so, wie wir beschließen zu sein, wie das Leben uns prägt und wir uns ihm zeigen.

Es heißt, die Haut sei das Spiegelbild unserer Seele. Jedes Jahr, wenn der Sommer kommt, zeichnet meine Seele einen Teil ihrer Geheimnisse mit sanftem Pinsel in mein Gesicht. Die Flecken, die unter ihrer Hand entstehen, sehen aus wie Wolken, wie Kontinente, wie Sandburgen. Sie verraten, wo ich schon gewesen bin und wo mein Leben mich noch hintragen wird. Und wenn der Sommer vorbei ist, baut meine Seele ihre Leinwände ab, verpackt sie bis zum nächsten Jahr, wenn sie erneut darauf zu zeichnen beginnt. Es sind Seelenlandschaften, die für eine kurze Zeit des Jahres auch auf meiner Oberfläche zu sehen sind. Ich finde sie wunderschön.

Ich danke der Acadamy

Die beiden Bloggerinnen von Stadt, Land, Mama haben kürzlich zur fabelhaften Blogparade #arschcooleSuperfrauen aufgerufen. Blogparaden lachen mich meistens eine Weile an, weil ich dabei viele schöne Ideen entdecke, dann setzen sie mich kurz unter Druck, weil ich nicht dazu komme, mir Zeit dafür zu nehmen – im dritten Schritt vergesse ich sie wieder. Die hier hat mich aber nicht losgelassen, weil ich finde, es ist eine wunderschöne Idee: Frauen lassen andere Frauen in ihrem Leben wissen, warum sie so großartig sind und was sie der anderen bedeuten. Das tun wir zwar hoffentlich auch im echten Leben hin und wieder, und doch: Es ist schön, sich dafür bewusst Zeit zu nehmen, es auszuformulieren. Ich möchte gerne 3×3 #arschcooleSuperfrauen würdigen.

Aufruf zur Blogparade (Screenshot)

Aufruf zur Blogparade (Screenshot)

3x Familie
Würde ich einen tragen, ich zöge jeden Tag den Hut vor meiner kleinen Schwester. Wir beide haben uns eine komplizierte Kindheit lang miteinander vertraut gemacht, als Teenager stets ein sorgsames Auge aufeinander gehabt und sind uns später, als erwachsene Frauen, richtig nahe geworden. Das alleine ist schon ein großes Glück. Und zu erleben, wie die kleine Große alle Baustellen ihres Lebens, alle schönen und stressigen Aufgaben, alle Lieben, all jene, die an ihren Nerven zerren, alles Trösten, Erklären, Behüten und Unterstützen wuppt, lässt mein Herz leuchten in tiefer Liebe zu dieser wunderbaren Frau. Ihr Mut, immer etwas Neues auszuprobieren, ihr Wille, sich im Job zu verändern, ihre Kraft, die Familie zu tragen, machen mich stolz und froh; noch mehr, weil ich weiß, welche Kämpfe sie schon ausfechten musste. Ich bin dem Leben unfassbar dankbar, dass es sie zu meiner Schwester gemacht hat.

Als meine große Schwester Kind war, gab es noch keinen Gedanken an mich und als ich Kind war, hatte sie als wütende Teenagerin, die sich um ihren Vater betrogen fühlte, wenig Interesse an dessen neuer Familie. Erst als ich älter wurde und sie erwachsen war schafften wir es, uns das zu erobern: einander Schwestern zu sein. Ich lernte eine Frau kennen, die zwei meiner Herzmenschen in vielem ähnelte: meinem Vater und meiner kleinen Schwester. Eine Mutter, die ihren Kindern auf eine unaufgeregte, versichernde Art und Weise Wurzeln und Flügel gab, die mich alleine beim Zusehen glücklich machte. Einen Menschen, der nach Jahren als Familienmittelpunkt mutig und entschlossen in einen Job zurückkehrte, der sich verändert hatte und sie vor neue Aufgaben stellte. Vor allem aber eine Schwester, die ich um nichts in der Welt missen wollen würde.

Wäre das Herz meiner künftigen Schwiegermama ein Ort, so würde ich mich dort öfter und gerne aufhalten. Zu wissen, dass ich einen Platz darin habe, ist ein schönes, warmes Gefühl. Sie in meinem Leben zu haben und zu meiner Familie zählen zu dürfen, das ist einer der beiden wunderbarsten Nebeneffekte meiner Liebe zu ihrem Sohn (der zweite ist eine #sehrcooleTeenagerin, aus der mal eine #arschcooleSuperfrau werden wird). Je älter ich werde, umso zögerlicher lasse ich mich ein auf Menschen, umso länger dauert es, zu vertrauen. Es sei denn, man bekommt es so verdammt einfach gemacht. Ihre Art, ganz selbstverständlich und ohne große Worte für die Menschen da zu sein, die sie liebt, ist ein Geschenk und in ihrem Einsatz für ihre Familie ist sie ein echtes Vorbild.

Familie: We belong together. (Foto: WP)

Familie: We belong together. (Foto: WP)

3xFreundschaft
Auch wenn ich dir wünschen würde, du müsstest das nicht immer wieder tun, gehört es zu deinen schönsten Eigenschaften, wie du an dir zweifelst. Weil darin der ehrliche Wunsch liegt, eine noch sorgsamere Mutter, eine noch liebendere Frau und eine noch bessere Journalistin zu sein. Das wäre alles gar nicht nötig, denn du bist so schon verdammt perfekt. Trotzdem kann ich nicht anders, als deinen Herzenswunsch, immer ein Stück über dich hinauszuwachsen, zu bewundern. Diesen unbändigen Willen, der dir auch in Situationen bleibt, in denen die Kraft eigentlich schon ausgegangen ist. Als deine Freundin möchte ich dich in den Momenten gern daran erinnern, nach dir zu schauen, mit deinen Kräften zu haushalten, etwas davon für dich selbst aufzusparen. Auch das lernst du, zum Glück, dir Zeit für dich zu nehmen, sorgsam mit dir zu sein und für dich da. Und ich hoffe, du weißt: Ich bin das ganz sicher – immer und für den Rest unserer Leben, Herzzwerg.

Für dich wurde der Hashtag #arschcooleSuperfrau erfunden. Als wir uns im Studium getroffen haben, hätte ich nie geahnt, wohin die gemeinsame Reise uns führen würde. Seither haben wir so viel erlebt – Schönes genossen, Fuckmist überwunden, uns geliebt, gestritten, genervt, versöhnt, zusammen gelacht und einander in die Ärmel geweint –, dass es zu den wenigen Gewissheiten meines Herzens gehört: Wir werden uns nie verlieren. Du hast eine Wirkung, die dir selbst nicht bewusst ist, erfüllst einen Raum, sobald du ihn betrittst. Du lebst eine totale Bedingungslosigkeit, sei es im Einsatz für den Job oder dem Umgang mit deiner Wurzelfamilie, hast dich in der Rolle als Mutter gestreckt und gefunden. Du kennst mich in und auswendig und bis immer noch hier, hörst zu, unterstützt, kritisierst offen und verbiegst dich nicht. Du einzigartige Prinzessin.

Du hast dich einst aufgemacht in ein fremdes Land, obwohl das bedeutete, Entfernung zu packen zwischen dich und alles, was dir bis dahin vertraut war. Du bist diesen Schritt damals gegangen, obwohl du wusstest, deine Arbeit hat viel mit Sprache zu tun und nun würde es eine fremde sein, in der du ihr nachgehst. Du bist deinem Herzen gefolgt, ohne deinen Verstand auszuschalten, warst neugierig, furchtlos und zielstrebig, das bist du immer. Du hast dir ein Leben aufgebaut, eine Familie, einen Job, und würde ich dich im Bezug zu den Dingen deines Lebens zeichnen, wärst du immer ihr Mittelpunkt. Der ruhige Pol, von dem alles ausgeht, mit dem alles verknüpft ist, der Leben gibt und Liebe schenkt, mit zärtlicher Ernsthaftigkeit. Danke für deine Freundschaft, Tessy.

Dare to be inspired. (Foto: Marieke Stern)

Dare to be inspired. (Foto: Marieke Stern)

3xInspiration
Manche Menschen kennt man intensiver über den Job als über das Privatleben, man weiß von ihnen Dinge aus berufenen Mündern oder der Berichterstattung, man liest ihre Worte, wenn sie in Blogs, Artikeln oder Redemanuskripten niedergeschrieben sind. Es wäre sicher vermessen, zu behaupten, man kenne sie, vielmehr ist es so, dass man sich ein Bild macht von ihnen, das nur einen Teilaspekt zeigt. Trotzdem können sie Vorbilder sein, Ansporn und Inspiration. Ich danke meiner wundervollen Kollegin Alex Eisen für Feedback, Ratschläge, Austausch und Zusammenarbeit. Ich verneige mich frohen Herzens vor der nimmermüden Nina George, deren Engagement und Arbeit für alle Menschen der schreibenden Zunft mir Respekt und Dankbarkeit abverlangt. Und ich grüße herzlich die zauberhafte Bettina Apelt, mit der mich mehr als ein Jahrzehnt Onlinefreundschaft verbindet, die wir eines schönen Tages definitiv auch ins Offlineleben verlagern werden.

Und ich herze abschließend all diese sowie die vielen weiteren #arschcoolen Superfrauen in meinem Leben: Ihr seid die besten.

Basteltipp: Adventskalender

Ich bin ein großer Fan von Adventskalendern und mag besonders jene Ausführungen, an denen die Präsente ganz klassisch hängen. Vor einigen Jahren habe ich zum Verschenken eine Tanne gekauft und diese mit 24 Nikolaussocken dekoriert. Eigentlich mochte ich diesen Kalender, in die Socken passten jedoch größenmäßig weder CDs noch DVDs, weswegen ich im Jahr darauf neu überlegte.

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Als Basis dieses neuen gebastelten Adventskalenders diente mir ein Komplement-Aufhänger von IKEA. In den 27 Kringeln lassen sich normalerweise Krawatten oder Schals sortieren, ich trennte die untersten drei Kreise ab, um auf adventliche 24 zu kommen. Anschließend dekorierte ich den Aufhänger mit einer Tannengirlande und Kugeln weihnachtlich.

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Besonders praktisch am Komplement ist der Kleiderhaken, mit dem sich der Kalender an jede Tür hängen lässt. Da mein Kalender für mehrere Personen sein sollte, schnitt ich mit Plätzchenformen verschiedenfarbige Kartonfiguren aus, die jeweils klar machen, wer an diesem Tag dran ist: Grüne Schneemänner stehen für eine Person, orangefarbene Sterne für eine andere. Außerdem besorgte ich unterschiedliche Sorten von Geschenkpapier – und verpackte alle Türchen für eine Person in der jeweils selben Farbe.

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Bei den Ideen für die kleine Präsente hinter den Kringeltürchen sind natürlich keinerlei Grenzen gesetzt. Man kann sowohl wertigere Überraschungen wie Bücher oder CDs darin verstecken, die vielleicht sogar das große Weihnachtsgeschenk ersetzen, oder kleine Präsente wie Schokolade, Gutscheine und Pröbchen darin verpacken.

Auch die kleine Tanne mit den Weihnachtssocken leistet mir übrigens nach wie vor gute Dienste als Kalender, den ich immer mal wieder an eine andere mir nahestehende Person verschenke.

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They call it glückstrunken

Es ist schon eine nette Geschichte, dass wir auf Facebook tagtäglich an die Geburtstage unserer Kontakte erinnert werden. Das sehe sogar ich so, die ich seit Jahrzehnten einen handschriftlichen Geburtstagskalender pflege, denn nicht jeder neue Bekannte oder Kollege hat es da eben schon hineingeschafft. Ich mache das wirklich gerne, den Festtagskindern einen Gruß zu hinterlassen oder auch mal zu schmökern, welche Nachrichten andere Leute verfassen. „Alles Gute, lass dich feiern!“ – „Danke, habe ich gemacht!“, diese Dialoge eben. Klar, wo alle Welt mitlesen kann geht man nicht ins Detail der Lebenssituationen, ist aber doch auch gar nicht nötig. Mich haben diese Grußbotschaften in den vergangenen Jahren immer sehr gefreut.

Gestern im Laufe des Tages bekam ich ein paar Nachrichten aufs Handy, die sinngemäß besagten: „Da man dir auf Facebook nicht gratulieren kann, auf diesem Wege alles Gute“, dazu einige Worte zum „Wie geht es dir? – So geht es mir…“ Gelesen, gewundert, Haken dran, am Geburtstag bleibe ich bewusst offline. Heute morgen dann die Feststellung, dass meine Pinnwand auf Facebook für Einträge gesperrt ist. Ich weiß nicht, woran das liegt, kann mich nicht erinnern, etwas geändert zu haben und inzwischen ist sie auch wieder offen. Aber am gestrigen Ehrentag mussten alle, die hier landeten, um mir zu gratulieren, leider feststellen: geschlossen. Das war überhaupt keine Absicht.

Wie passend: Kurz vorm Geburtstag hat ein lieber Freund im Urlaub „meinen“ Strand gefunden.

Wie passend: Kurz vorm Geburtstag hat ein lieber Freund im Urlaub „meinen“ Strand gefunden.

Daraus hat sich aber etwas ergeben, worüber ich kurz diese Zeilen verfassen wollte, nämlich eine wahre Flut von wunderbaren, wortreichen, sehr persönlichen Nachrichten über alle Kanäle und in sämtlichen Postfächern, die ich bislang nur angelesen habe, auf deren ungestörten Genuss in den kommenden Tagen ich mich aber wirklich freue. So viele liebe Worte, gedankenreiche Zeilen und wohlformulierte Wünsche, dass ich echt total überwältigt davon bin. Dafür von Herzen DANKE, euch allen, die ihr sie verfasst habt – und ein wenig Facebook, fürs versehentliche Verschließen meiner Pinnwand. Ich werde, versprochen, auf alle Nachrichten noch antworten.

Ansonsten war es im Online-Leben mein erster „Twitter-Geburtstag“, mit vielen lustigen und lieben Wünschen in diesem von mir sehr geschätzten Teil des Netzuniversums. Und offline? Haben meine Herzmenschen mir einen wunderschönen Tag bereitet! Ich weiß mit 38 endlich, wie gut homemade Popcorn schmeckt, hatte kuschelige Momente mit unseren Tigern und einen fabelhaften Abend in einer eindeutigen Lieblingskneipe meiner neuen Heimatstadt, in der ich wirklich angekommen bin. Heute fühle mich kein bisschen verkatert, dafür aber fast ein wenig besoffen vor lauter Glück, bin gerührt, nicht geschüttelt, und unfassbar dankbar, euch allen und diesem Leben: DANKE.

Unterwäsche: Sexy ist, was drinsteckt

Es soll ja Menschen geben, die ganz grundsätzlich etwas gegen Werbung haben – zu dieser Gattung gehöre ich nicht. Ich mag Werbung sogar, zumindest dann, wenn sie mich neugierig macht auf ein Produkt, witzig ist oder intelligent. Leider trifft all das viel zu selten zu. Ganz im Gegenteil ist Werbung oft weder besonders witzig noch intelligent. Ein besonders blödes Beispiel habe ich kürzlich in der Wiesbadener Innenstadt entdeckt, wo auf dem Schaufenster eines Unterwäscheladens diese Botschaft zu lesen ist:

Wer Discount-Wäsche kauft,
fühlt sich auch nur discount-sexy.
Hochwertige Lingerie von Mey.
DoN’t Go WiTh LeSs.

Sexy ist, was drinsteckt!

Ich frage mich ernsthaft, auf welche Zielgruppe das abzielen soll, denn Frauen, die ein positives Verhältnis zu ihrem Körper haben, können es definitiv nicht sein. Wir wissen nämlich, dass es keine Frage der Unterwäsche ist, ob wir sexy sind oder nicht: Sexy ist vielmehr das, was in der Wäsche drinsteckt. BH und Höschen sind lediglich Dekoration.

Wie viel Geld frau für diese Dekoration ausgibt, dürfte mal mehr, mal weniger freiwillig sein. Werbung für Unterwäsche zu machen, die darauf abzielt, dass Frauen in günstigen Dessous sich schlecht fühlen, und dann zu erwarten, aus diesem schlechten Gefühl heraus sollten sie nun ausgerechnet zu jener Marke greifen, die ihnen dieses ungute Gefühl überhaupt erst vermittelt hat, halte ich allerdings für ausgesprochen schwachsinnig.

Welche Wäsche könnte die Frau tragen, die diesen Spruch liest?

Sie trägt hochwertige Wäsche, weil sie es sich leisten kann.
Sie trägt hochwertige Wäsche, weil sie sich ab und zu ein teures Teil gönnt.
Sie trägt keine hochwertige Wäsche, weil sie sich noch nie groß darum geschert hat.
Sie trägt keine hochwertige Wäsche, weil sie sich das nicht leisten kann.
Sie hat keine Ahnung, was die Wäsche gekostet hat, die sie aktuell trägt, weil es ihr egal ist.

Frauen, die gerne Geld für teure(re) Wäsche ausgeben, dürften sich von dem Spruch wohl kaum animiert fühlen, künftig bei Mey zu shoppen. Wer sich schöne Dessous vom Munde abspart erst recht nicht, denn diesen Frauen wurde ja gerade vermittelt, meist seien sie bloß discount-sexy. Frauen, die sich keine teure Unterwäsche leisten können, werden komplett unnötig herabgesetzt durch die Werbung. Und wer sich wenig bis gar nicht darum schert, was Unterwäsche kostet und ob sie nun vermeintlich sexy ist oder nicht, dürfte sich ebenso wenig angesprochen fühlen. Sprich, mir fällt keine Frau ein, die das liest und denkt: Wow, wie cool, ich kaufe meine Wäsche künftig nur noch bei den sympathischen Leuten von Mey.

Es ist ein absoluter Irrglaube, davon auszugehen, wir Frauen bräuchten eine ganz bestimmte Unterwäsche, spezielles Parfum, edlen Schmuck oder wasauchimmer, um besonders sexy zu sein. Wir brauchen dafür auch keine Bikinifigur, keinen Instagram-Filter und keine Schminke. Wir sind das ganz von alleine, liebe Werbeindustrie. Klar, an manchen Tagen empfinden wir das stärker, an anderen weniger, manchmal erkennen wir es erst im Blick unseres Herzmenschen und ab und an nehmen wir es gar nicht wahr. Dann haben wir vielleicht Lust, uns bei einem Schaumbad daran zu erinnern, indem wir uns Zeit für uns und unseren Körper nehmen – oder vielleicht tatsächlich mal wieder neue Unterwäsche shoppen. Aber sicher nicht (mehr) bei Mey.

Wie seht ihr das, Mädels?
#sexyistwasdrinsteckt