Unterwäsche: Sexy ist, was drinsteckt

Es soll ja Menschen geben, die ganz grundsätzlich etwas gegen Werbung haben – zu dieser Gattung gehöre ich nicht. Ich mag Werbung sogar, zumindest dann, wenn sie mich neugierig macht auf ein Produkt, witzig ist oder intelligent. Leider trifft all das viel zu selten zu. Ganz im Gegenteil ist Werbung oft weder besonders witzig noch intelligent. Ein besonders blödes Beispiel habe ich kürzlich in der Wiesbadener Innenstadt entdeckt, wo auf dem Schaufenster eines Unterwäscheladens diese Botschaft zu lesen ist:

Wer Discount-Wäsche kauft,
fühlt sich auch nur discount-sexy.
Hochwertige Lingerie von Mey.
DoN’t Go WiTh LeSs.

Sexy ist, was drinsteckt!

Ich frage mich ernsthaft, auf welche Zielgruppe das abzielen soll, denn Frauen, die ein positives Verhältnis zu ihrem Körper haben, können es definitiv nicht sein. Wir wissen nämlich, dass es keine Frage der Unterwäsche ist, ob wir sexy sind oder nicht: Sexy ist vielmehr das, was in der Wäsche drinsteckt. BH und Höschen sind lediglich Dekoration.

Wie viel Geld frau für diese Dekoration ausgibt, dürfte mal mehr, mal weniger freiwillig sein. Werbung für Unterwäsche zu machen, die darauf abzielt, dass Frauen in günstigen Dessous sich schlecht fühlen, und dann zu erwarten, aus diesem schlechten Gefühl heraus sollten sie nun ausgerechnet zu jener Marke greifen, die ihnen dieses ungute Gefühl überhaupt erst vermittelt hat, halte ich allerdings für ausgesprochen schwachsinnig.

Welche Wäsche könnte die Frau tragen, die diesen Spruch liest?

Sie trägt hochwertige Wäsche, weil sie es sich leisten kann.
Sie trägt hochwertige Wäsche, weil sie sich ab und zu ein teures Teil gönnt.
Sie trägt keine hochwertige Wäsche, weil sie sich noch nie groß darum geschert hat.
Sie trägt keine hochwertige Wäsche, weil sie sich das nicht leisten kann.
Sie hat keine Ahnung, was die Wäsche gekostet hat, die sie aktuell trägt, weil es ihr egal ist.

Frauen, die gerne Geld für teure(re) Wäsche ausgeben, dürften sich von dem Spruch wohl kaum animiert fühlen, künftig bei Mey zu shoppen. Wer sich schöne Dessous vom Munde abspart erst recht nicht, denn diesen Frauen wurde ja gerade vermittelt, meist seien sie bloß discount-sexy. Frauen, die sich keine teure Unterwäsche leisten können, werden komplett unnötig herabgesetzt durch die Werbung. Und wer sich wenig bis gar nicht darum schert, was Unterwäsche kostet und ob sie nun vermeintlich sexy ist oder nicht, dürfte sich ebenso wenig angesprochen fühlen. Sprich, mir fällt keine Frau ein, die das liest und denkt: Wow, wie cool, ich kaufe meine Wäsche künftig nur noch bei den sympathischen Leuten von Mey.

Es ist ein absoluter Irrglaube, davon auszugehen, wir Frauen bräuchten eine ganz bestimmte Unterwäsche, spezielles Parfum, edlen Schmuck oder wasauchimmer, um besonders sexy zu sein. Wir brauchen dafür auch keine Bikinifigur, keinen Instagram-Filter und keine Schminke. Wir sind das ganz von alleine, liebe Werbeindustrie. Klar, an manchen Tagen empfinden wir das stärker, an anderen weniger, manchmal erkennen wir es erst im Blick unseres Herzmenschen und ab und an nehmen wir es gar nicht wahr. Dann haben wir vielleicht Lust, uns bei einem Schaumbad daran zu erinnern, indem wir uns Zeit für uns und unseren Körper nehmen – oder vielleicht tatsächlich mal wieder neue Unterwäsche shoppen. Aber sicher nicht (mehr) bei Mey.

Wie seht ihr das, Mädels?
#sexyistwasdrinsteckt

DKMS: Ruben will leben

Seit vielen Jahren bin ich bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei DKMS registriert, deren Arbeit mir ein großes Anliegen ist. Es gibt viele Arten von Übel in der Welt, gegen die wir machtlos sind, die DKMS aber ist eine Möglichkeit, aktiv zu sein gegen den Krebs. Wer sich hier registrieren lässt, schenkt Menschen Hoffnung, die mit einer schrecklichen Diagnose konfrontiert werden. Wie oft hört oder liest man von einem Krebstod und verspürt schreckliche Ohnmacht im Angesicht dieser Krankheit? Die DKMS hilft Menschen gegen diese Ohnmacht, indem sie passende Spender sucht. Und um sich registrieren zu lassen, genügt ein Wattestäbchen. Deshalb: Bitte unterstützt die Arbeit der DKMS durch eine Registrierung oder eine Spende.

Vor ein paar Jahren ist meine Überzeugung in Sachen DKMS noch etwas persönlicher geworden: Die Tochter einer Freundin, die ich in meinem Highschooljahr in den USA kennengelernt habe, kämpft gegen den wiederkehrenden Krebs. Zuletzt wurde für sie tatsächlich hier in Deutschland eine Stammzellenspenderin gefunden. Die Arbeit der DKMS überwindet Grenzen, auch das macht Hoffnung. Sie findet aber auch genau vor unseren Haustüren statt, vor meiner eigenen aktuell, um einen Spender für den kleinen Ruben zu finden, der im März zwei Jahre alt wird.

Ruben will leben

Ruben hat seit seiner Geburt geschwollene Lymphknoten am Hinterkopf. Seit Dezember 2014 wissen seine Eltern, Ruben leidet an akuter lymphatischer Leukämie, einer Form, die bei kleinen Kindern schwer zu behandeln ist. Der Kleine musste schon viele schmerzhafte Eingriffe über sich ergehen lassen. Nun suchen seine Eltern, die lange im rheinhessischen Oppenheim gelebt haben, dort nach einem passenden Spender für ihren Sohn. Momentan geht es Ruben sehr schlecht: Seine Bauchspeicheldrüse ist so entzündet, dass er künstlich ernährt werden muss. Seine Eltern bitten:

„Lasst euch typisieren! Jeder von euch kann die Chance erhöhen, dass unser Sohn einen passenden Spender findet. Mit eurer Teilnahme schenkt ihr die Hoffnung auf ein zweites Leben. Jedem, der an der Aktion teilnimmt, danken wir von ganzem Herzen.“

Am Sonntag, 21. Februar, findet von 11 bis 16 Uhr eine Typisierungsaktion An der Festwiese 2 in Oppenheim statt. Mark Zenke, der zum zehnköpfigen Organisationsteam gehört, das eng mit der DKMS zusammenarbeitet, schreibt: „Ruben – wie auch jedes andere Kind – hat es verdient, diese Chance auf den passenden Spender zu haben. Die Chance auf Leben.“

Wie bei jeder Typisierungsaktion lebt auch die für Ruben davon, dass so viele Menschen wie möglich davon erfahren. Deswegen teile ich sie gerne weiter, verbunden mit der Bitte: Notiert euch den Termin, teilt ihn über die sozialen Netzwerke und lasst euch registrieren. Es kostet so wenig, Hoffnung zu geben.

Danke.

Willkommen! Blogger schreiben für Flüchtlinge

Unter anderem um ein Zeichen zu setzen gegen die Pegidioten dieses Landes, haben Nico Lumma, Karla Paul, Stevan Paul und Paul Huizing im Sommer die Aktion Blogger für Flüchtlinge ins Leben gerufen. Versehen mit dem gleichnamigen Hashtag sind in den folgenden Wochen sehr viele Texte veröffentlicht worden, in denen sich Menschen mit Flucht, Vertreibung und unserer veränderten Welt auseinandersetzen.

Daraus hat sich die Idee entwickelt, einige der Beiträge auch als eBook zu veröffentlichen, dessen Erlöse komplett der Aktion zugute kommen. In meinem Text Geschichte ohne Heimat hatte ich mich Anfang September mit der Flucht meiner Urgroßmutter auseinandergesetzt, und was diese unter anderem für das Leben meines Großvaters bedeutet hat. Als die Herausgeber des eBooks angefragt haben, ob sie diesen für ihr Projekt verwenden dürfen, habe ich gerne zugestimmt. Das fertige Buch ist ab heute online erhältlich. Weitere Informationen finden sich hier.

Wilkommen! (Logo: Tollabea)

Wilkommen! (Logo: Tollabea)

Das Ende der Ambivalenz

Mein Verhältnis zur Berufsgruppe der Kassiererinnen an Supermarktkassen ist gespalten. Einerseits stelle ich mir deren Arbeitsalltag unglaublich stressig vor (und habe diesen als Oberstufenschülerin zwei Jahre im Nebenjob auch genau so empfunden), so dass sie mein Mitgefühl haben, wenn etliche der Kunden unwirsch, patzig oder offenkundig übellaunig an ihnen vorbei flanieren. Auf der anderen Seite habe ich es oft genug erlebt, wie Vertreter der Kassenklingerzunft sich über ungeschickte Kunden bei den nachfolgenden lustig machen, auf EC-Karten reagieren, als seien diese eine persönliche Beleidigung – oder ältere Leute barsch zur Eile antreiben, wenn die das passenden Münzzeug nicht schnell genug aus ihrem kleinen, abgegriffenen Portemonnaie hervorzaubern. Im Endergebnis bleibt also die Ambivalenz.

Ein Obst ist ein Obst ist ein Obst. Ist es? (Foto: WP)

Ein Obst ist ein Obst ist ein Obst. Ist es? (Foto: WP)

Und doch gibt es Situationen, in denen die Sympathie ganz klar auf eine Seite des trägen Kassenlaufbandes fällt, so wie diese: In einem kleinen Supermarkt herrscht Hochbetrieb, vermutlich ist dieser der Mittagspausenzeit geschuldet. Die Verkäuferin zieht mit fliegenden Händen die Waren übers Band und kassiert jeden der Kunden in freundlichem Ton ab. Den einen oder anderen scheint sie zu kennen, man verabschiedet sich in nettem Plauderton. Als gerade ein Kassiervorgang abgeschlossen ist, tritt eine Kundin, die bereits bezahlt hatte, erneut heran und beginnt umstandslos, laut und anklagend zu blaffen:

„Sie haben mich beschissen!“
„Wie meinen Sie das?“
„Sie haben mir zwei Äpfel abkassiert!“
„Ja. Und?“
„Ich habe nur einen gekauft!“
Wütend lässt die Kundin die kleine, durchsichtige Tüte mit dem Apfel vor dem Gesicht der Kassiererin baumeln und hebt sie anschließend so in die Höhe, dass alle anderen Kunden sie begutachten mögen.
„Sehen Sie das? Nur ein Apfel!“
Die Verkäuferin runzelt die Stirn, überlegt und sagt:
„Das tut mir leid. Ich weiß aber doch, dass ich zweimal einen Apfel in der Hand hatte. Ich habe sie nacheinander gewogen, der eine hatte knapp, der andere gut 200 Gramm.“
Die Kundin baumelt mit der Tüte so nah vor dem Kopf der Frau, dass diese sie gegen die Stirn bekommt.
„Nur! Ein! Apfel.“
Die halbe Warteschlange war bereits nervös zusammengezuckt, als die Tüte mit dem Kopf der Kassiererin kollidierte, doch die bleibt ganz ruhig, lässt sich den Apfel und den Kassenbon aushändigen und wiegt das Obst.
„Genau, 230 Gramm, das steht hier auch so auf dem Bon“, murmelt sie zu sich. Dann, zu der Kundin: „Haben sie sonst noch Obst gekauft?“
„Ja, eine Nektarine.“
Die Verkäuferin geht den Kassenbon durch, die Erkenntnis lässt ihr Stirnrunzeln aufklaren.
„Sehen Sie, die Nektarine ist gar nicht auf dem Bon, ich habe sie versehentlich für einen zweiten Apfel gehalten.“ Und, entschuldigend: „Das ist mir diese Woche schon mal passiert.“
Die Kundin bleibt ungerührt: „Trotzdem hatte ich nur einen Apfel. Sie haben mich beschissen.“

Niemand in der Schlange meutert ob der andauernden Verzögerung, alle beobachten fasziniert das Schauspiel an der Kasse. Die Kassiererin bittet höflich darum, die Nektarine ausgehändigt zu bekommen. Die Kundin drückt ihr das Obst gereizt in die Hand. Beim Wiegen bestätigt sich der Verdacht der Kassiererin: Die Nektarine wiegt 190 Gramm, genau so viel, wie für den vermeintlichen zweiten Apfel auf dem Bon steht. Die Kundin keift:
„Bringen Sie das wieder in Ordnung.“
Die Kassiererin zögert für eine Sekunde und ab diesem Moment ist dem einen oder anderen in der Warteschlange bereits klar, was gleich passieren wird. Ein Flüstern und Kichern entsteht zwischen fremden Menschen, die im Verlaufe dieses kleinen Schauspiels alle schnell und klar Position bezogen haben.
Mit geübten Handgriffen storniert die Kassiererin den berechneten Apfel, wiegt anschließend nochmals die Nektarine nach, tippt deren Preis ein und sagt ohne einen Anflug von Häme in ruhigem Ton zu der Kundin:
„Das macht dann 12 Cent, bitte.“

Die Kundin, der etwa in derselben Sekunde, in der die Kassiererin Luft holte, um ihre offene Forderung zu formulieren dämmert, dass die Nektarinen eventuell teurer sein könnten als die Äpfel, schnappt sich ihre Nektarine aus der Hand der Kassiererin und blafft abschließend in Richtung der wartenden Kunden: „Da geht es mir ums Prinzip.“

Na, dann.

Der Facebook-Kalender

Es gibt auf Facebook ein paar Phänomene, die sich regelmäßig wiederholen. Dazu gehört unter anderem das Prinzip Bewegung-Empörung-Gegenbewegung, bei dem am ersten Tag ein Thema überraschend aufpoppt, das am zweiten von der ersten Gegnerwelle plump niedergeschrieben und am dritten wiederum von den vermeintlich spitzfindigeren Kritikern ironisch kommentiert oder fundiert besprochen wird. Beispiel? Tag 1: Wohooo, wir kippen uns alle Wasser über den Kopf, für den guten Zweck. Tag 2: Orrr, wie mich diese Wassereimer-Kipper nerven, Alter! Tag 3: Wir zeigen gesellschaftsrelevante Alternativen zur Ice-Bucket-Challenge.

Wie viel Uhr ist es? Februar. (Foto: WP)

Wie viel Uhr ist es? Februar. (Foto: WP)

Was sich allerdings besonders schön beobachten lässt, sind die an den Jahreszeiten orientierten Themen. Sollte man also jemals in die Situation kommen, rein gar nicht mehr zu wissen, in welchem Monat des Jahres man sich befindet (vielleicht nach einem längeren Koma …), hilft ein Blick ins soziale Netzwerk, um das ganz eindeutig feststellen zu können:

Januar
Schnee! Wo kommt der denn her? Damit konnte ja keiner rechnen! Straßenchaos.

Februar
Man, ist das kalt da draußen. Und dunkel! Eklig, dieser Winter.

März
Die Schokohasen werden ja nach Ostern eingeschmolzen. Da machen die Nikoläuse draus. Echt!

April
Jetzt ist das Jahr auch schon bald wieder zur Hälfte rum.

Mai
Wo bleibt eigentlich der Sommer?

Juni
Also, der Sommer fällt dieses Jahr wohl aus …

Juli
Oh Gott, ist das heiß. Wie soll man denn da arbeiten?

August
Diese! Hitze! ist! nicht! auszuhalten!!!

September
Eben war noch Sommer, jetzt schon überall Nikoläuse. Pervers.

Oktober
Diese Typen mit dem Laubbläser, irgendwann schubse ich einen um.

November
Mir ist kalt. Es ist dunkel. Die Straßen sind glatt.

Dezember
Also, weiße Weihnachten können wir wohl mal wieder vergessen …

Januar
Schnee! Wo kommt der denn her? Das konnte ja keiner ahnen! Straßenchaos.

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