05-Liebe (6) | (Fußball ist…) Gut gegen Heimweh

Wenn ich an Mainz 05 denke, dann denke ich an meine Kindheit. Wie ich im alten Bruchwegstadion auf rotsandiger Tribüne stehe. Dort Spieler wie Charly Mähn gegen Eintracht Bad Kreuznach oder Hassia Bingen anfeuere und mich auf die heiße Brotworscht in der Pause freue. Auch an spätere Zweitligazeiten, als ein gewisser Wolfgang Frank taktisches Neuland beschreitet und – was ich damals noch nicht weiß – den Grundstein für eine Dimension legen sollte, die ich nie für möglich gehalten hätte, vielleicht höchstens mal davon geträumt habe.

Ronald und Stend

Machen wir einen mittelgroßen Zeitsprung ins Jahr 2007. Ich bewege mich damals erstmals von meiner rheinland-pfälzischen Heimat weg nach Osthessen. Nach Hessen? Hessen? Hier sind an Autos überall diese roten Adler befestigt. Und dazwischen steht ein noch nicht angemeldetes Mainzer Auto mit 05-Aufkleber. Und da kommt schon einer und sagt anerkennend zu mir: „Endlich mol en gescheite Club.“ Muss wohl en Offenbacher sein, denk ich mir.

Recht schnell merke ich, wie weit Mainz 05 weg ist. Ich hänge immer noch am Verein. Ich gehe immer noch hin. Jetzt vielleicht sogar noch mehr als vorher. Ich war nie permanent dort, aber immer wieder. Um Höhen und Tiefen mitzubekommen. Der Verein hat sich verändert. Er ist moderner geworden. Wenn ich jetzt hingehe, sehe ich viel Neues. Und mache auch viel Neues. Mit 49 Jahren fange ich an, auswärts mitzufahren.

Eintracht im Pokal

Auswärts? Habe ich früher nie gemacht. Himmel, ich bin heutzutage „bekloppter“ als früher. Und warum? Weil mir jedes Mal, wenn ich jetzt hinfahre, der Club auch ein Stück Mainz zurückbringt, das ich am Ende des Tages mit nach Osthessen nehme. Die Schulterklopfer von Leuten, die ich mit Namen oder auch ohne kenne, sind geblieben. Man kennt sich. Auch das unterscheidet Mainz von vielen anderen. Und deshalb liebe ich Mainz noch immer. Vielleicht sogar mehr als früher….

[Text und Bilder: Ronald Willms]

05-Liebe (3) | Dann kommt die Flut: Liebesgeschichten

Das hier ist für alle, die FÜR etwas sind – nämlich unsere 05er –, und die das auch zeigen möchten. Lasst uns das Netz mit ganz viel Liebe für den Verein fluten. Lasst uns laut sein gegen die negative Stimmung. Lasst uns wieder fest zusammenstehen. #05liebe

31.08.2012 (Spätzünder!) Mainz gegen Greuther Fürth. Felix Klaus trifft für unseren Gegner, die am Ende glücklich gewinnen. Stimmung top, Stadion top (leider nicht der Bruchweg), Jenny fand’s toll und war seitdem in Love mit ihrem Fußballsportverein. #05liebe
[Jenny]

Ich weiß leider nicht mehr, welches Spiel das war, aber Kloppo kam nach dem Spiel unter der alten Haupttribüne raus und hatte das Schiri-Trikot an und die gelbe-rote Karte in der Hand. Insta #05Liebe und ein bisschen Kloppo-Liebe auch…
[AjnorRethcotrebuär]

Kloppo-Abschied auf dem Theaterplatz: Letztes Bruchwegspiel gegen St. Pauli und deren Verabschiedung in die 2. Liga. Wir haben vom King-Park-Center zugehört. Sowas kann nur #Mainz05… #05liebe
[Queen_Lisl]

Yes, it's love. (Foto: Micha Fink)

Yes, it’s love. (Foto: Micha Fink)

Es ist 15.15 Uhr, samstags, Du stehst am Bruchweg kurz vor der Eingangskontrolle und die Meute im Stadion singt schon den Rosenmontag. Gänsehaut pur.
[Nope]

Mein erstes Stadion-Spiel war erst 01/02 gegen Fürth. Vorletzter Spieltag, den Aufstieg vor Augen. Am Mainzer Bahnhof angekommen stellte ich fest, dass ich meine Eintrittskarte vergessen hatte. Enttäuscht dennoch zum Stadion – und auf dem Weg verkaufte einer seine zum EK-Preis. #05liebe
[RuudF]

30.11.2001 – Mainz vs. Duisburg. Mein Onkel gab mir seine Dauerkarte, die er für einen Handyvertrag, den er bei Media Markt abgeschlossen hat, dazubekam. Mainz liegt 3:1 zurück, geht 4:3 in Führung ehe Vroni eine Legendäre Mittelfeldvorlage zum Gegner gab – da war’s passiert. #05liebe
[Arthur Spooner]

Fühle mich einsam. Friere im Frühling. Fürchte mich. Faste für mehr Fitness. Fange ein neues Leben an, vermisse mein altes. Fliehe vor alldem. Fasse mir ans Herz, feiere Fußball: „Faust hoch.“ Für den Verein, für Emotionen, für friedlichen Fight, für #05liebe, die uns erfüllt.
[Susi Weiland mit Y]

05-Liebe (2) | Heile, heile Gänsje

Das hier ist für alle, die FÜR etwas sind – nämlich unsere 05er –, und die das auch zeigen möchten. Lasst uns das Netz mit ganz viel Liebe für den Verein fluten. Lasst uns laut sein gegen die negative Stimmung. Lasst uns wieder fest zusammenstehen. #05liebe

Neulich begegnete mir der Begriff Resilienz. Er bezeichnet die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und gestärkt aus diesen hervorzugehen. Das Sprichwort „Was dich nicht umbringt, macht dich stärker“ bringt das Prinzip auf den Punkt. Man kann sich aber auch die Geschichte von Mainz anschauen, um zu verstehen, was Resilienz bedeutet. Unsere Stadt wurde belagert, besetzt, zerbombt, die Mainzer hatten Kriege, Pest und Hochwasser zu ertragen, sogar der Dom brannte vor seiner Einweihung ab.

Man weiß in dieser Stadt wie in kaum einer anderen, dass trotz aller Tragödien das Leben weitergeht, dass es wieder gut wird, dass auch morgen und übermorgen Rhein und Wein fließen werden, dass Mainz Mainz bleibt wie’s singt und lacht. Dieses Lebensgefühl findet seinen Ausdruck in der Fastnacht – und es spiegelt sich wider in Mainz 05.

Jürgen Klopp war 2003 schon lange genug in Mainz, um das verinnerlicht zu haben, als er nach dem erneut knapp verpassten Aufstieg seine legendäre Rede auf dem Theaterbalkon hielt: „Wenn man zweimal, dreimal, viermal hin­gefal­len ist, dann gibt es keine bessere Stadt als diese hier, um immer wieder auf­zuste­hen.“ Und genau das taten die Mainzer.

Eine Saison später wurde der Traum von der Bundesliga wahr. Drei Jahre lang durfte der FSV dort spielen, sogar europäisch, ehe es wieder nach unten ging. „Wir kommen wieder, keine Frage“, versprach Kloppo nach dem Abstieg vom Rasen des Bruchwegstadions. Und wieder sollte er Recht behalten, wenn auch die Rückkehr ins Oberhaus erst nach seinem eigenen Abgang gelang.

Gaensje

Seitdem hat der Verein zuvor Undenkbares erlebt und geleistet, Spieler entwickelt und für viel Geld weiterverkauft, Trainern zum Durchbruch verholfen, ein neues Stadion bezogen, in der Europa League gespielt und bis zum 21. Spieltag der Saison 2017/18 nie wieder auf einem Abstiegsplatz gestanden. Aus Mainz 05 ist ein etablierter Bundesligist geworden, der – mit zwar immer noch bescheidenen Mitteln – auf der großen Fußballbühne mitspielt. So weit, so bekannt.

Aber zurück zum Thema Resilienz. Der Zusammenhang, in dem mir das Wort erschien, war ein Artikel über das Phänomen der in Deutschland stärker als in vielen anderen Ländern verbreiteten Angst vor der Zukunft. Nun ist die „German angst“ kein neues Phänomen, aber dass ausgerechnet in Zeiten, in denen es einem Großteil der Deutschen im Vergleich zu den allermeisten anderen Menschen auf der Erde verhältnismäßig gut geht, die Angst vor sozialem Abstieg, Klimawandel, vor Terror und Glyphosat hierzulande besonders ausgeprägt ist, lässt einen stutzen.

Einige Soziologen erklären das damit, dass die Resilienz der deutschen Gesellschaft schon lange nicht mehr auf die Probe gestellt wurde. Der letzte Hungerwinter, der letzte Krieg, die Hyperinflation, das alles ist ein Menschenleben her. Das Land ist wohlhabend geworden, auch hier und da ein bisschen träge. Man muss schon lange nicht mehr zusammenrücken, um zu überleben, Individualität steht höher im Kurs als die Gemeinschaft, Risse tun sich auf im Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält.

Und hier musste ich an die Situation von Mainz 05 denken: Die großen Dramen liegen lange zurück, im schnelllebigen Fußballgeschäft fast eine Ewigkeit. Kein Spieler von damals steht mehr auf dem Platz und auch der eine oder andere Fan hat sich längst neuen Lebensinhalten zugewandt.

Nur wenige scheinen noch zu wissen, welcher Anstrengung es bedarf, unseren Verein in die Bundesliga zu bringen und dort zu halten. Dass dazu alle – Spieler, Trainer, Verein, Fans – zusammenstehen müssen. Dass krisenfreie Jahre nicht normal sind, sondern Ergebnis einer außergewöhnlichen Leistung. Und dass Teil davon zu sein der geilste Grund überhaupt ist, ins Stadion zu gehen. Sandro Schwarz beschwor es vor dem Spiel gegen Stuttgart: „Es gilt, die Dinge gemeinsam anzugehen – und Spaß dabei zu haben.“ Und er hat Recht!

Wahrscheinlich reicht es dann noch in dieser Saison zum Klassenerhalt. Und wenn am Ende mal wieder der Umweg über die 2. Liga genommen werden muss? Was bitte soll uns daran schrecken? Wir sind Mainzer! Einer der großen Fastnachter dieser Stadt hat es einst gesungen: „Heile, heile Gänsje / Es is bald widder gut.“

[Text und Foto: Oli Heil]

05-Liebe (1) | Couldn’t be much more from the heart

Das hier ist für alle, die FÜR etwas sind – nämlich unsere 05er –, und die das auch zeigen möchten. Lasst uns das Netz mit ganz viel Liebe für den Verein fluten. Lasst uns laut sein gegen die negative Stimmung. Lasst uns wieder fest zusammenstehen. #05liebe

Du bangst, zitterst, hoffst, freust, ärgerst, lobst, zweifelst, schimpfst, kritisierst, jubelst und rückst zusammen! Du bist 05er! Das ist Mainz! Das ist unsere 05er Familie! Immer!
[Micha Fink]

Queen Lisl: Weil's einfach so ist!

Queen Lisl: Weil’s einfach so ist!

Als Mainz 05-Fan und Grundschullehrer in der osthessischen Provinz vergeht bei mir fast kein Tag, an dem ich für die Schülerinnen, Schüler und Eltern nicht als Freund von Rot-Weiß erkennbar bin: An irgendeinem Kleidungsstück wird schon immer das Mainz-Logo zu sehen sein. Und spätestens bei den Einträgen in die BVB- oder Bayern München-Freundebücher der Mainstream-Dritt-und-Viertklässler mache ich mir erst recht einen Spaß daraus, Werbung für Mainz zu machen.

Was ich dabei meistens erlebe ist, dass die Fußball-Jungs es dann nicht etwa auf Konfrontation anlegen, sondern mir immer wieder sagen: „Mainz – das geht voll in Ordnung. Die sind ja auch ein netter Verein.“ Und mit einem High-Five gebe ich dann gerne fröhlich zu verstehen, dass mich solch eine Aussage freut. Und das ist doch auch das ganz große Pfund, mit dem Mainz 05 immer wieder wuchern sollte: Wir werden als nette, sympathische Truppe wahrgenommen, in der der Spaß am Sport und die Identifikation mit einer Mannschaft eben doch noch mehr im Mittelpunkt steht.

Gerade jetzt – kurz nach dem Schließen des Transferfensters – fällt doch auf, dass eine Spieleridentifikation bei den großen Vereinen extrem schwierig ist. Diese wahnsinnig rasante Fluktuation der Stars wird den Fußball irgendwann noch ganz kaputt machen. Und genau das ist in Mainz eben noch ein bisschen anders, zum Glück! Und weil die Fans in Mainz extrem viel Sinn für Humor haben und sympathisch rüberkommen, wünschen sich sicherlich auch viele Fans der großen Mannschaften, dass Mainz auch weiterhin ein fester Bestandteil der Bundesliga bleibt!
[Stefan Kasper]