Top Flop: The Bling Ring

Die Geschichte
Zwischen dem Herbst 2008 und dem Sommer 2009 bricht eine Bande von Teenagern in die Villen etlicher Hollywoodstars und Celebrities ein. Obwohl die Gruppe auf ihren Beutezügen massenhaft Klamotten, Schmuck und Geld klaut, dauert es lange, bis sie tatsächlich auffliegt. Bis dahin sollen die Teenager allein in das Haus von Paris Hilton fünfmal eingestiegen sein – um in deren Kleiderschrank zu „shoppen“ und in ihrer Partylounge zu feiern. Doch es sind die freigegebenen Überwachungsvideos von Hollywoodsternchen Audrina Patridge und der sich von Entzug zu Skandal zum nächsten Entzug schleppenden Lindsay Lohan, die schließlich den Stein der Geschichte ins Rollen bringen, an deren Ende die Festnahme der Jugendlichen steht. Für ihre ausgedehnten Diebeszüge müssen diese teils für mehrere Monate oder sogar Jahre ins Gefängnis, einige von ihnen kommen allerdings lediglich mit Bewährungsstrafen

Shoppen ohne Preisschild in der schönen Glitzerwelt der Promis.

Shoppen ohne Preisschild in der schönen Glitzerwelt der Promis.

Reality bites
Basierend auf wahren Begebenheiten also ist aus der Geschichte der raubenden Jugendlichen der Film „The Bling Ring“ entstanden, angelehnt an den Namen, den die Presse der Bande einstmals verpasst hat. Während deren mutmaßliche Anführerin Rachel Lee den sensationsdurstigen Reportern bis heute keine ihrer Fragen beantworten will, haben vor allem Alexis Neiers und Nick Prugo (einziger Junge innerhalb der Clique) die Öffentlichkeit nach ihren Festnahmen fast gesucht – und, klar: gefunden. Bis heute bloggt Neiers über ihr Leben, beide haben zudem Vanity Fair-Journalistin Nancy Jo Sales Rede und Antwort gestanden für einen Artikel, über den auch der Film den Einstieg in die Geschichte findet. Bleibt die Frage offen, ob die Erzählung über den gelangweilten Nachwuchs im Windschatten der US-Glamourmetropole ein Thema ist, aus dem sich ein Film machen lässt, der etwas anderes bietet als eine schillernde Oberfläche? Mutmaßlich schon, zumindest, da Sophia Coppola ihre Finger als Regisseurin im Spiel hat, der berührende Momentaufnahmen jenseits des schönen Scheins bekannterweise beinahe mühelos von der Hand zu gehen scheinen.

Der Film
Aber manchmal irrt man sich auch einfach; oder lässt sich blenden von der Macht der Gewohnheit. Ja – Sophia Coppola hat mit Filmen wie ihrem Frühwerk „The Virgin Suicides“ oder zuletzt „Somewhere“ bewiesen, dass sie Figuren Mehrdimensionalität verleihen kann, ohne dabei moralinsauer zu werden, sie Geschichten zu Herzen gehend erzählen kann, ohne sich im Pathos zu verlieren – und dass sie auch die oberen Zehntausend zu porträtieren in der Lage ist, ohne lediglich Glitter abzubilden. Doch in „The Bling Ring“ gelingt der Regisseurin all das zuvor schon Gezeigte leider kein bisschen… Der Film ergötzt sich an seiner eigenen Optik, feiert die Lichter der nächtlichen Stadt, den Glamour und Glitzer der Villen, in denen die Jugendlichen einsteigen. Er stachelt diese Kids an in ihrer Leichtigkeit; ist es überhaupt noch Einbrechen, wenn die doofen Promis irgendwo rund um ihre Villen immer eine Balkontür offen lassen, oder – wie Paris Hilton – sogar den Schlüssel unter der Fußmatte deponieren? Er verliert sich in endlosen Wiederholungen, die reichlich nervig daher kommen. Er ergötzt sich an den perfekt gestylten jugendlichen Körpern seiner Darsteller, die abends – per Slow Motion in Szene gesetzt – ihre eigene Coolness zu wummernden Beats in den angesagten Clubs der Stadt feiern: Mein Gott, sind wir cool! Sind wir sexy! Und sind wir kaputt, aber das macht uns ja nur umso mehr sexy!

Erst, wer richtig kaputt ist, ist auch richtig sexy. (Fotos: Verleih)

Erst, wer richtig kaputt ist, ist auch richtig sexy. (Fotos: Verleih)

Die Reaktionen
Nachdem Coppolas neues Werk auf den Filmfestspielen in Cannes zunächst gemischte Reaktionen hervorgerufen hat, bemühten sich Kritiker anschließend zu beteuern, der Tiefgang, den man von der Regisseurin gewohnt sei, spreche natürlich auch aus diesem Film – man müsse sich nur ein bisschen darum bemühen, ihn zu entdecken. Bullshit: Wäre der Film nicht von Coppola, sondern von irgendeinem Erstling, niemand könnte etwas, das auch nur ganz entfernt mit Tiefgang verwandt ist, darin erkennen. Vielmehr scheint es, als ob die Damen und Herren Kritiker nicht damit klarkommen, dass die junge Dame diesmal einen derart belanglosen, oberflächlichen Glitzerstreifen abgeliefert hat – das ist in der Tat auch sehr bedauerlich.

The Bling Ring
Buch: Sophia Coppola, Nancy Jo Sales
Regie: Sophia Coppola
Darsteller: Katie Chang, Emma Watson, Israel Broussard
90 Minuten, USA/UK/Frankreich/Deutschland/Japan, FSK: 12

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