Gegnerbetrachtung: Mainz 05 bei Mönchengladbach

Neu im Blog: die Gegnerbetrachtung. Vor den Auswärtsspielen des 1. FSV Mainz 05 spreche ich künftig mit Journalisten, Podcastern und Bloggern darüber, was die 05er in der Fremde erwartet. Diesmal beantworten Christoph und Manuel, deren Herz für Borussia Mönchengladbach schlägt und die über ihren Verein bloggen und podcasten, meine Fragen.

Manuel ist Fohlenfan durch und durch... (Foto: privat)

Manuel ist Fohlenfan durch und durch… (Foto: privat)

Hallo Manuel und Christoph. Ihr schreibt und quasselt für den Halbangst-Blog und den Podcast vollraute. Erzählt doch erstmal ein bisschen was zu den beiden Formaten.
C: Halbangst ist so ein bisschen aus dem Frust über Fanjournalismus entstanden. Ein Kumpel von mir – wie ich für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk am Mikro – und ich haben überlegt, ob wir einen gemeinsamen Blog starten. Sehr kritisch, sehr meinungsfreudig. Da er Fortuna-Düsseldorf-Fan ist und ich Gladbacher, haben wir dann so eine Mix-Sache draus gemacht, die zum einen durchaus gut ankam und zum anderen auch hier und da mal polarisiert hat. Inzwischen sind wir schon fast die alten Herren der Bloggerszene am Niederrhein, aber es läuft immer noch ganz gut – auch, weil sich Leute wie Manuel relativ schnell uns angeschlossen haben.
M: Dazu podcaste ich im vollraute-Team. Wir senden seit 2013 und sind mittlerweile sechs Leute, die regelmäßig mitwirken. Hier geht es um einen reinen Gladbach-Podcast, in dem wir – aus TV- oder Stadionperspektive – die Spiele und Taktik analysieren, über den Verein und das Umfeld diskutieren und auch Gäste einladen. Vom Gründer Sascha bis zu mir sind wir alle seit vielen Jahren vom Format Podcast als Medium überzeugt, das nun ja auch vielerorten den Fußball erfasst hat. Jüngst hat die Borussia einen Podcast in ihr vereinseigenes Medienangebot aufgenommen.

Manuel, du lebst in Großbritannien, euer Podcast erscheint auch auf Englisch. Wie hält man den Kontakt zum Herzensverein, gerade über das rein sportliche hinaus, wenn so viele Kilometer zwischen einem selbst und dem Stadion liegen? Wie viele Spiele im Jahr gönnst du dir?
In den vorherigen Jahren habe ich mir eine Handvoll Spiele pro Saison gegönnt. Das ist aus privaten und beruflichen Gründen in den letzten zwölf Monaten leider nicht mehr so möglich gewesen. Ich habe als ehemaliger Mönchengladbacher aber natürlich noch einige Kontakte, um über das Sportliche hinaus die Stimmung im Klub und Umfeld mitzuverfolgen.

Immer nah dran: Team vollraute bei der Arbeit. (Foto: privat)

Immer nah dran: Team vollraute bei der Arbeit. (Foto: privat)

Und noch eine persönliche Frage: Wie seid ihr beiden zu Fohlenfans geworden? Welche Ära und Spieler haben euch besonders geprägt?
C: Ich bin erst mit zehn zur Borussia gekommen – 1990. Ich fand Fußball erst blöd, dann aber habe ich Deutschland gegen Holland bei der WM gesehen und dachte: Aha, das ist also dieser Fußball. Dann ging es schnell, ich stamme ja auch aus Gladbach: Stadionbesuch, erste Dauerkarte für die Nordkurve mit 14 Jahren (würde ich meinem Sohn nie erlauben), Auswärtstouren ab 16, inzwischen Dauerkarte im Sitzplatzbereich. Ganz klassischer Weg. Was mich so ein bisschen stolz macht, sind die Umstände, in denen ich Fan geworden bin. Die Borussia war Anfang der 90er eher ein Abstiegskandidat. Dann kam Stefan Effenberg und auch so etwas wie ein bisschen Erfolg. Das alles auf dem Bökelberg. Nachhaltig war es nicht – irgendwann ging es in die 2. Liga. Insofern fühlt sich das schon ganz gut an, keiner der typischen 70er-Jahre-Hurra-Fans zu sein. Das erdet massiv, auch in Zeiten wie diesen, in denen die Borussia eher zum größeren Kapital der Liga gehört.
M: Als Mönchengladbacher war das in die Wiege gelegt, ich bin 1987 zum ersten Mal mit meinem Vater ins Stadion. Von daher war es ähnlich wie bei Christoph – viele Abstiegskampf-Jahre, Dauerkarte und viele Auswärtsfahrten, eine Hochzeit mit Effenberg, Dahlin und Andersson, und wieder nach unten. Besonders geprägt haben mich schon so Leute wie Hans-Jörg Criens, Joachim Stadler, besagte Pokalsieger-Elf um Effenberg, aber auch ein Marcel Ketelaer oder Arie van Lent.

Kommen wir zur aktuellen Situation der Borussia. Ihr steht mit 17 Zählern punktgleich mit Schalke 04, die aber das bessere Torverhältnis haben, auf dem 6. Rang. Hättet ihr das vor dieser Saison als Platzierung für den 10. Spieltag gekauft?
M: Wie es jetzt rein tabellarisch aussieht, ist es voll okay. Champions League ist nur machbar, wenn es die Liga hergibt – oder es eine Saison am oberen Limit wird, wie in den Vorjahren. Momentan ist diese Mannschaft extrem schwer einzuschätzen. Eine Leistungsstreuung, wie ich sie selten erlebt habe. Aber Platz 6, Europapokal, ist in Gladbach immer ein Grund zu feiern.
C: Es wäre okay. Ich bin da etwas härter drauf als Manuel. Ich halte die Borussia vom spielerischen Potential her für einen Champions-League-Aspiranten. Wenn man sich die Tiefe des Kaders anschaut, ist das für einen Verein, der nicht europäisch spielt, massiv. Daher würde ich eher einer vergebenen Chance nachtrauern, als mich freuen. Es klingt absurd: Auch, wenn Leverkusen mit dem 1:5 deutlich war – das hättest du gewinnen müssen. Frankfurt zu Hause und Augsburg sind eigentlich ebenfalls drei Punkte wert gewesen. Eigentlich müsste die Borussia bei 25 Punkten stehen. Das wäre keine Sensation.

Bayern, Leipzig und Dortmund, so scheint es, werden die ersten drei Plätze sowieso (wieder) unter sich ausmachen. Beginnt der Angriff aller anderen Teams künftig erst mit Platz 4?
M: Das ist leider ein hausgemachtes Problem dieser wohl merkwürdigsten aller Top-Ligen, in der einerseits der gerechte-Verteilungsgedanke und der Vereinsstatus sehr ausgeprägt ist, anderseits diese ganzen Ausnahmen gemacht werden und wurden. Man muss realistisch sein und sagen, dass für den Rest eine Meisterschaftswahrscheinlichkeit im Promille-Bereich liegt. Höchstens.

Der Bökelberg ist Vergangenheit, die Gladbacher spielen heute im Borussia-Park. (Foto: Meenzer on Tour)

Der Bökelberg ist Vergangenheit, die Gladbacher spielen heute im Borussia-Park. (Foto: Meenzer on Tour)

Auf ein 1:5 daheim gegen Leverkusen folgte zuletzt der Pokalsieg im Derby gegen Fortuna Düsseldorf und ein 3:1 gegen Hoffenheim. Woher kommen diese doch krassen Ausschläge?
C: Ich habe die Truppe mal Mentalitätsplüschtier genannt. Psychologisch ist sie oft nicht besonders robust. Da wird schnell der Kopf gesenkt. In Hoffenheim hast du gesehen, was passiert, wenn die Mannschaft das Grübelnde ablegt. Aber auch da musst du eigentlich mehr Tore machen. Ist schon bezeichnend, wenn einer wie Hazard bei den Torschüssen unter den Top Fünf der Liga ist, bei den Torjägern aber kilometerweit entfernt von diesen. Daher, ich glaube, es ist Kopfsache. Und ich finde das nicht ganz unwichtig – so ist die Borussia nämlich ein Club, der dieses unsägliche Bayern-Leipzig-Dortmund-Konzert durchbrechen kann.
M: Ja, irgendwo zwischen Plüschtieren und Hartplatz-Gezocke ist das Kopfproblem anzusiedeln. Ich glaube, dass das Auftreten einer Mannschaft ganz wesentlich von ein, zwei Spielern beeinflusst wird. Und momentan scheint es ein Kader zu sein, der den gepflegten Ball mag und eher nett unterwegs ist. Das ist dann teilweise ein gefundenes Fressen in dieser Alles-raushauen-Ära der Bundesliga. Dazu kommt ein Mix aus Etablierten und Jungen/Neuen, der (noch) kein balanciertes Korsett wie in den Favre-Jahren gebildet hat.

Die Redaktion der 11 Freunde hat kürzlich auch mal aufgedröselt, wieso Gladbach in dieser Saison so wankelmütig ist. Ein Problem sehen sie darin, dass ihr immer nur eine gute Hälfte schafft, positiv bewerten sie euren Ballbesitz. Stimmt ihr den Analysen zu?
C: Naja, Hoffenheim war insgesamt gut, Bremen ebenso, Hannover passte vom Willen, selbst das Spiel in Düsseldorf war konstant vom Level her. Außerdem: Die Statistiken sagen jetzt nicht unbedingt, dass die Borussia so viel Ballbesitz hat. Unter Favre war das teilweise ein Vielfaches. Aber nun gut, die 11 Freunde. Wenn wir die alten Herren der Blogszene sind, dann reden wir hier über die Opas der alternativen Fußballszene. (Das sage ich übrigens mit einem großen Augenzwinkern.)
M: Ich weiß nicht, ob das eher eine Nacherzählung oder wirklich Analyse ist. Ballbesitz ist sicherlich in dieser Liga ein Zeichen, aktiv etwas für das Fan-Auge zu tun. Allerdings: In der Rückrunde unter Hecking waren die besten Spiele die mit weniger Ballbesitz als der Gegner. Ich glaube, dass es oft ein Problem der letzten Konsequenz in der Abwehr ist und zu großer Abstände, wenn das Spiel hektischer wird. Offensiv fehlt oftmals die Tiefe des Raumes am 16er, wie ihn ein Arango oder ein Xhaka bespielen konnten. Da hat ein ähnlich veranlagter Spieler wie Grifo gegen Hoffenheim direkt den Unterschied gemacht.

Wie schlimm treffen euch die aktuellen Verletzungen? Kramer und Bobadilla beispielsweise sind ja Spieler, mit denen Hecking natürlich geplant hatte. Seid ihr nicht gut genug besetzt?
C: Kramer ist halt der Spieler mit der meiner Meinung nach wichtigen Antreibermentalität. Fußballerisch ist er genauso wichtig, auch wenn es bei ihm oft sehr unrund ausschaut. Bobadilla ist für mich immer noch ein Transfer, den ich zu verstehen versuche. Zu den Geschichten aus seiner ersten Zeit sage ich mal nix – nur so viel: Der muss schon arg geläutert sein, um jetzt zu passen. Insofern habe ich keine Sorge um das Team, wenn er ausfällt. Ich glaube auch nicht, dass er von Hecking als so wichtig erachtet wird. Zumindest nicht für die Startelf.
M: Kramer ist immens wichtig für die Stabilität und Seriosität neben den jungen Wilden wie Cuisance oder Benes, was man zum Beispiel in der zweiten Hälfte gegen Leverkusen gesehen hat. Dazu fehlt die Option Tobias Strobl mit Kreuzbandriss. Insgesamt gibt es im Mittelfeld aber schon viele Optionen, so dass es Meckern auf hohem Niveau ist. Bobadilla ordne ich in die Kategorie Macht nochmal Lärm vorne-Einwechselspieler ein.

Der verletzte Jonas Hofmann ist den 05-Fans in bester Erinnerung geblieben. (Foto: Meenzer on Tour)

Der verletzte Jonas Hofmann ist den 05-Fans in bester Erinnerung geblieben. (Foto: Meenzer on Tour)

Nun fällt auch noch der in Mainz bestens bekannte Jonas Hofmann für den Rest der Hinrunde aus. Wie soll der Trainer das kompensieren? Welche Reaktion erwartet ihr euch vom Team?
C: Das mit Hofmann ist schon Scheiße. Klar lässt der mit seinem Sachverwalter-Fußball viel liegen. Allerdings: Im Angriff ist er oft der Ruhepol, der mal einen Ball halten kann und stabil ist. Zwar nie die ganz große Nummer, aber schon ein wichtiger Faktor in der Truppe. So ein Element – wenn auch ein eher langweiliges – fehlt jetzt schon ein wenig.
M: Wenn Hofmann ein Eisvogel vorm Tor wäre, wäre der halt auch nie bei uns gelandet. Er kann aber auch das Vorbereitende, was mir damals bei ihm in seiner Mainzer Zeit gut gefallen hatte. Sein Ausfall ist nicht gut gerade im Hinblick auf die oben erwähnten Verletzten und den von Christoph beschriebenen Ruhepol-Einfluss.

Der populärste Gladbacher Neuzugang ist sicher Matthias Ginter vom BVB. Er hat bislang alle Ligaspiele über 90 Minuten absolviert und zwei Tore geschossen. Wie zufrieden seid ihr ganz grundsätzlich mit den Sommertransfers und wie speziell mit der Ginter-Verpflichtung?
C: Es gab halt keinen Besseren für die Position. Und bei uns ist – aus meiner Sicht – das größte Innenverteidiger-Talent Europas, Andreas Christensen, gegangen. Da musste der Verein einen Topper holen. Und da ist Ginter schon okay. Hat zwar seine Böcke, ist aber sonst sehr stabil und wächst so langsam in die Führungsrolle rein. Hat mir in Hoffenheim zum ersten Mal so richtig gut mit seinen Ansagen an die Vorderleute gefallen. Auch mit seiner Ruhe – wobei das interessant war – da hat Hecking ihn ins defensive Mittelfeld gestellt. Das sah zeitweise besser aus, als in der Innenverteidigung.
M: In Sachen Ginter sehe ich in der Tat alles genauso wie Christoph. Zu den Sommerzugängen muss ich sagen, dass ich Zakaria unfassbar gut finde. Der ist zwei Schritte weiter, als angenommen. Unglaubliche(r) Radius, Passsicherheit und Physis. Wenn der Schweizer so weitermacht, geht Zakaria in drei Jahren für jenseits einen sehr hohen achtstelligen Betrag zu einem Weltklub, soweit lehne ich mich aus dem Fenster.

In der Außenbetrachtung wirkt bei Gladbach immer noch die letzte Saison nach: Ich vermisse Lucien Favre. Dieter Hecking wirkt aus der Entfernung wie einer, der keine große emotionale Bindung zum jeweiligen Verein darstellt. Tue ich ihm Unrecht? Welches Standing hat Hecking in der Gladbacher Fanszene?
C: Favre war eine Liebeserklärung an den Fußballnerd. Da sollten wir ehrlich sein, so einen kriegst Du nicht alle Jahre. Und da ich Schubert für das komplette Gegenteil hielt (klar, hin und wieder ist Fast-Food ja okay, aber immer – näääh), ist Hecking für mich eine Wohltat. Er ist verlässlich.
M: Ich glaube schon, dass Gladbach Hecking sehr am Herzen liegt. Favre war einfach diese Melange aus Kauz und verschmitzter Intelligenz, die die Gladbacher so mögen, weil es sie an den gern erzählten cooler Underdog gegen bösen Großstadtklub-Mythos der 70er gegen die Bayern erinnert.

Und wie beurteilt ihr Heckings Arbeit?
C: Ich bin zufrieden. Er vercoacht sich zwar hier und da – wie gegen Leverkusen, da hätte er umstellen müssen, Raffael rausnehmen, den jungen Cuisance von der Sechs nach vorne beordern und Hofmann dafür ins Defensive Mittelfeld stellen sollen. Heiko Herrlich von Leverkusen hatte gesehen, dass da die Schwäche der Borussia lag und ging auf diese beiden Spieler ins starke Pressing. Beide haben die drei schnellen Gegentreffer eingeleitet. Das hätte man in der Halbzeit sehen können. Aber – und das mag ich an Hecking – er reagiert auf solche Fehler und findet in den nächsten Spielen Lösungen. Meiner Meinung nach ist er nicht so konservativ, wie viele denken.
M: Das ist schon alles okay so, gerade, wenn man die Tabelle ansieht. Die nun schwächere Heimbilanz, traditionell Gladbachs Stärke, kostet ihm in gewisser Weise sicherlich Ansehen. Er ist weder hyperaktiv noch erzkonservativ, beharrend, aber auch Fehler einsehend – vielleicht ist es für viele deswegen schwer, ein Profil zu erkennen, an dem sie sich reiben oder laben können.

Christoph liebt Fußball und Eishockey und ist oft im Stadion anzutreffen. (Foto: privat)

Christoph liebt Fußball und Eishockey und ist oft im Stadion anzutreffen. (Foto: privat)

Beim Auswärtsspiel in Hoffenheim zeigten Gladbach-Fans neben einer genehmigten Choreo ein Spruchband, das Dietmar Hopp als Fußballmörder beleidigt. Gladbach entschuldigte sich, Hoffenheim stellte Strafanzeige. Was empfindet man als Gladbacher in der Situation?
C: Ich bin auch Eishockey-Fan bei der DEG und weiß, was Hopp in Mannheim macht. Das ist so verkehrt nicht. Und auch wir Gladbacher haben von den Hoffenheimern profitiert, indem wir den einen oder anderen Spieler von der TSG bekommen haben (Hofmann, Johnson, Grifo). Klar, mag ich diesen Dorfklub nicht, er ist ein Kunstprodukt, das Stadion liegt in der absoluten Pampa – dagegen ist der Borussia-Park sowas wie der Broadway. Aber diese Proteste gegen Hopp: Mir ist das inzwischen zu 2007.
M: Absolut albern und peinlich. Die Strukturen des DFB und das Durchwinken solcher Modelle gilt es zu kritisieren. Dazu kommt, dass solche unkreativen und stillosen Entgleisungen wieder einmal genau den Law-and-Order-Typen, denen eine aktive oder wie auch immer genannte Fanszene ein Dorn im Auge ist, helfen. Und ist es dieses Rumgepöbel, was dann gestenreich als Fussballkultur verteidigt werden muss? Ein Eigentor.

Ich bin sehr für die kreative Auseinandersetzung mit Retortenclubs und selbst überzeugte Fußballromantikerin. Solche Aktionen ärgern mich aber, weil mit der Begrifflichkeit Grenzen überschritten werden. Damit spielen diese Leute, wie Manuel schon andeutet, jenen in die Hände, die alle Fußballfans als randalierende Idioten abstempeln wollen. Wie können die anderen Fans dagegenhalten?
C: Wie du sagst: kreativ sein, lustig sein, sein Vokabular im Blick haben. Aber spielen wir es nicht zu hoch: Zum Fußball gehört auch, dass Fanaktionen mal nicht geschmackssicher sind. Und diese Konstrukte wie RB Leipzig zugelassen hat ja der DFB. Ich finde, wir sollten uns viel mehr auf die Doppelmoral, die Kommerzialisierung und die Gier des DFB konzentrieren, anstatt uns an Symptomen wie Hoffenheim, Bayern, Wolfsburg oder Leipzig abzuarbeiten.
M: Da bin ich ganz eurer Meinung. Es geht anders, was den Stil angeht, und die wahren Probleme sind eine Etage höher zu finden.

Am Samstag spielt Mainz nun in Gladbach. Nach den Schwankungen zuletzt müssten wir euch aus dem eigenen Stadion kegeln. Was macht euch Hoffnung darauf, dass sich eure Mannschaft zweimal in Folge gut präsentiert?
C: Ich glaube, es wird knapp aber spielerisch klar. Ich bin da auch ohne den Blick auf Vergangenes skeptisch. Und wann habt ihr uns schon mal aus dem Stadion gekegelt. (Jaja, ich kenne die furchtbaren Auftritte der Gladbacher am alten Bruchweg.)
M: Es wird ein zähes Abwarten in der Mainzer Hälfte mit unserem erwähnten Ballbesitz. Letztlich bewegt sich Gladbach – und ein Stückweit auch Mainz – in der Klasse der Tagesform-Teams, wo Kleinigkeiten zu klaren Geschichten anwachsen. Das wird in der Nachberichterstattung oft verklärt. Im Gladbacher Falle hätten wir bei nahezu identischem Spielverlauf gegen Hannover fast nicht 2-1 gewonnen, sondern verloren, und bei beiden Klatschen gegen den BVvB (1-6) und Leverkusen (1-5) auch ohne Wunder 2-0 führen können.

Mainzer Fans beim Auswärtsspiel in Gladbach im Dezember 2016. (Foto: Meenzer on Tour)

Mainzer Fans beim Auswärtsspiel in Gladbach im Dezember 2016. (Foto: Meenzer on Tour)

Wie nehmt ihr die Mainzer bislang in dieser Saison wahr? Was für ein Spiel erwartet ihr von den Schwarz-Jungs?
C: Schwierig zu beurteilen. Ich war erstaunt, dass die Kölner euch 17 Millionen für Córdoba gegeben haben. Aber das habt ihr ja eher in die Breite gesteckt. Zumindest ist Mainz keine Truppe der bekannten Spieler (mal abgesehen von René Adler, aber der ist ja verletzt). So auf die Ergebnisse geschaut ist das doch bisher okay. Daher: Ist ein Gegner, den ich durchaus als unangenehm wahrnehme.
M: Mir ist in Mainz mit den Schmidt-Jahren zuletzt die klare spielerische Idee abhandengekommen, und so richtig sehe ich das auch noch nicht unter Schwarz. Muto, de Blasis oder Öztunali sind aber Spieler, die typischerweise gegen Gladbach aufblühen und dann ein Riesenspiel ablegen. Auswärts sind die Leistungen auch eher schwer einzuschätzen – gegen Bayern und S04 ging einfach nicht mehr, aber beispielsweise das Wolfsburg-Spiel hätten die 05er ja gut und gerne auch noch gewinnen können. Enges Ding, wie so oft.

Wo werden die beiden Teams in der Tabelle stehen, wenn wir uns in der Rückrunde erneut begegnen?
C: Die Borussia wird dann hoffentlich schon auf die 40-Punkte-Marke zusteuern oder sie längst überschritten haben. Also ich gehe vom oberen Drittel aus. Mainz sehe ich dann auf dem elften Platz. Dass Ihr in den Abstiegskampf reintrudeln werdet, glaube ich nicht.
M: So ähnlich sollte oder wird das laufen.

Vielen Dank für das Gespräch!

|| Mit großem Dank an Christoph Kessel für die zur Verfügung gestellten Fotos. ||

Leseliebe: Wir Wochenendrebellen

Wenn es um das Internet geht, ist gerne mal von so genannten Blasen die Rede. Damit ist gemeint, dass jeder von uns sich online in einem bestimmten eigenen Umfeld – der Blase – bewegt. In erster Linie sind die thematisch gebunden, in zweiter Linie ergeben sich daraus natürlich Kontakte, die mit der Zeit oft bedeutsamer werden als die Themen, aus denen sie ursprünglich entstanden sind. So wird das Netz tatsächlich zu einem sozialen Ort, an dem man bei jedem Besuch Menschen wiedertrifft, denen man sich längst verbunden fühlt.

In meiner Blase ist – speziell auf Twitter – Fußball eines der beherrschenden Themen. Dabei spielt es interessanterweise gar keine Rolle, welchem Verein die Menschen, denen ich unter den Flügeln des blauen Birdys begegne, die Treue halten. Man versteht einander auch dann, wenn das beim Kontakt im Stadion vermutlich ganz anders gelaufen wäre. Fast könnte man sagen, Twitter versaue den natürlichen Abneigungstrieb gegnerischer Fans – aber nur fast.

Jason und Mirco. (Pressefoto: Sabrina Nagel)

Jason und Mirco. (Pressefoto: Sabrina Nagel)

An diesem speziellen Ort nun, der Menschen so zusammenbringt, dass ihre Vereinsfarben im Grunde keine Rolle spielen im geteilten Moment, hat es (in meiner digitalen Blase) ein Junge zu gewisser Berühmtheit gebracht, dessen Wunsch diesem Twitter-Prinzip quasi gegenläufig ist: Jason möchte herausfinden, zu welchem Fußballverein er gehört.

Diese Entscheidung kann Jason aber nicht aus dem Bauch heraus treffen, er muss dafür im Vorfeld gewissermaßen Daten erheben, weshalb er seinem Papsi nach dem eher zufälligen ersten gemeinsamen Stadionbesuch das beherzte Versprechen abgenommen hat, mit ihm „alle Stadien zu befahren und alle Vereine zu besuchen, die notwendig sind, bis er Fan eines oder besser seines Vereins“ wird. Über diese Fußballreisen von Vater und Sohn bloggt Mirco von Juterczenka, alias Papsi, seit 2011 im Blog Wochenendrebell, der 2017 in der Kategorie „Kultur und Unterhaltung“ mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde.

„Krieg im Kopf: Oft habe ich alle möglichen Dinge im Kopf. Diese rasenden Gedanken überfordern mich.“

„Krieg im Kopf: Oft habe ich alle möglichen Dinge im Kopf. Diese rasenden Gedanken überfordern mich.“

Wer schon einmal in dem wunderbaren Blog gestöbert hat, weiß, dass es noch einen bisher unerwähnten Aspekt zu den Reisen von Jason und seinem Vater gibt: Der heute 12-Jährige ist Asperger-Autist. Das ist für die Geschichte der beiden einerseits ganz ohne Belang und andererseits unglaublich bedeutsam. Ohne Belang, weil Jasons Autismus „keinesfalls ein Grund (ist), in den Mitleidsmodus zu verfallen“, wie Mirco sachlich feststellt. Und: „Jegliche Form von Betroffenheit ist fehl am Platz. Wir haben den besten Sohn der Welt.“ Bedeutsam ist diese Tatsache, weil Jason auf den Fußballreisen permanent mit Dingen konfrontiert wird, die ihm aufgrund seines Asperger furchtbar zuwider sind – laute Umgebungen, unerwartete Situationen, Menschenmengen, Kinder –, er sie aber im Kontext seiner Vereinssuche und als Faktor dieser Reisen akzeptiert und darüber auch ein Stück weit lernt, damit umzugehen.

Entwicklungsstörung. Ein häufig verwendeter Fachbegriff vermeintlicher Autismus-Experten, der nicht nur meine Frau und mich ratlos zurücklässt. Wir sehen da nichts Störendes in seiner Entwicklung.

Unter dem Titel „Wir Wochenendrebellen“ haben Vater und Sohn nun ein Buch über ihre Reisen geschrieben, das bei Benevento Publishing, einer Marke der Red Bull Media House GmbH, erschienen ist. In Sachen Vermarktung passieren da, so ist zumindest mein Gefühl, gleich mehrere Katastrophen auf einmal: Fußballfans könnten sich aus gutem Grund davon abschrecken lassen, etwas in die Hand zu nehmen, was unter der Flagge von Red Bull läuft. Menschen, die mit Fußball nichts am Hut haben, könnten annehmen, ein Buch, das diesen Sport vermeintlich in den Mittelpunkt stellt, könne für sie ohne Belang sein. Grundsätzlich könnte man auch eine Art Betroffenheitslektüre vermuten, die nur für Eltern interessant ist, die ebenfalls ein Kind mit Asperger-Autismus haben. All diese Ansätze liegen völlig daneben und ich kann nur jedem offenen, interessierten Menschen raten, das Buch zu lesen.

„Andere Menschen sind sehr komisch. Deswegen habe ich beschlossen, mich auf mich zu konzentrieren.“

„Andere Menschen sind sehr komisch. Deswegen habe ich beschlossen, mich auf mich zu konzentrieren.“

„Wir Wochenendrebellen“ stellt letztlich weder den Fußball noch Jasons Behinderung in den Vordergrund, sondern entwirft seine Erzählung lediglich vor der Kulisse eines Fußballfeldes. Der Sport dient quasi als die Leinwand, auf der von Juterczenka mit rohen, nahen und voller Liebe geführten Strichen die Geschichte seiner Familie zeichnet, zu der seine Frau, Sohn Jason, dessen kleine Schwester und in zweiter Instanz die Großeltern der Kinder gehören. Und diese Liebe, so kitschig das klingen mag, ist der Grund, warum das Buch so wahnsinnig lesenswert geworden ist. Es mag einem als naives Gutmenschentum ausgelegt werden in Zeiten wie diesen, wenn man Liebe und Verständnis, Respekt und Einfühlungsvermögen als Antworten gibt auf die Fragen, wie wir als Gesellschaft vorankommen können. Das Buch zeigt aber, was passiert, wenn man sich von genau diesen Werten leiten lässt und wenn man sie in seiner Familie lebt.

Meine Frau und ich sind es gewöhnt, eher als schwache, unfähige und freakige Eltern wahrgenommen zu werden.

Mirco von Juterczenka beschreibt eindrücklich, wie die Diagnose ihn und seine Frau aus der Bahn geworfen hat, ihnen aber auch etwas gab, woran sie sich halten konnten. Wobei ihre Hoffnung auf Orientierung zunächst nicht erfüllt wurde, im Gegenteil musste die Familie sich ihren Weg mit dieser Entwicklungsstörung nicht nur Schritt für Schritt selbst erarbeiten, sondern sich auch an Kritik aus dem Umfeld und von Fremden gewöhnen, der von ihnen gewählte Umgang mit ihrem Kind sei zu weich und nachgiebig. „Es zieht sich vermutlich wie ein roter Faden durch die Erziehung unseres Sohnes, dass wir ihm Rücksichtnahme beibringen möchten, indem wir rücksichtslos mit Teilen der Gesellschaft umgehen.“

„Es ist manchmal Behinderung und manchmal Behilflichkeit.“

„Es ist manchmal Behinderung und manchmal Behilflichkeit.“

Jasons Autismus fordert letztlich zwar niemanden mehr als den Jungen selbst, doch während er ihn längst als ebenso behindernd wie behilflich einstuft, treiben seine damit verbundenen Ausraster den Eltern mal die Schamesröte in die Wangen und sie dann in den Wahnsinn, von den gängigen Reaktionen Umstehender ganz zu schweigen. „Selten wurde uns so etwas wie Verständnis, hinnehmendes Mitleid oder völlige persönliche Ausgeglichenheit vonseiten der uns umgebenden Mitmenschen entgegengebracht“, konstatiert Juterczenka trocken. Und doch lautet sein Fazit: „Mein Sohn leidet nicht unter Autismus. Autisten leiden nicht unter Autismus. Sie sind es nur leid, dass ständig über sie und nicht mit ihnen gesprochen wird. Autisten leiden lediglich unter dem rücksichtslosen Umgang ihres Umfeldes mit ihnen.“ Was letztlich die Frage aufwirft, in welcher Gesellschaft wir eigentlich leben wollen und was wir alle dazu beitragen können, dass der menschliche Umgang miteinander nicht sofort hakt, wenn unser Gegenüber gewisse Erwartungen und Konventionen nicht erfüllt, erfüllen kann.

Grundsätzlich halte ich die Erwartungshaltung an Autisten, sie müssen doch wenigstens irgendein außergewöhnliches Kunststückchen vollbringen können, für sehr anstrengend.

„Wir Wochenendrebellen“ ist ein kluges, ein aufrichtiges, ein liebevolles und empathisches Buch geworden. Es ist nachdenklich und ziemlich witzig, es ist fordernd, überraschend und erzählerisch im besten Sinne unterhaltsam. Kurz und knapp, dieses Buch ist ein Spiegelbild seiner Autoren (und der beiden starken Frauen, die ihnen die Freiheit für ihre Reisen geben). Sie sollten es wirklich unbedingt lesen.

Mirco von Juterczenka mit
Jason (Einleitung & Glossar)

„Wir Wochenendrebellen
Ein ganz besonderer Junge und sein Vater
auf Stadiontour durch Europa“
Benevento Publishing
ISBN 978-3-7109-0017-4
Hardcover, 20 Euro

Wochenendrebellen_Credits_Sabrina_Nagel_www.siesah.de_15

Gegnerbetrachtung: Mainz 05 beim FC Schalke 04

Neu im Blog: die Gegnerbetrachtung. Vor den Auswärtsspielen des 1. FSV Mainz 05 spreche ich künftig mit Journalisten, Podcastern und Bloggern darüber, was die 05er in der Fremde erwartet. Diesmal beantwortet mir Hassan Talib Haji, der den FC Schalke 04 seit vielen Jahren sehr intensiv begleitet, meine Fragen.

Hallo Hassan, schön, dass du dir Zeit für mich nimmst. Du betreibst im Netz das News- und Entertainmentportal hassanscorner TV. Erzähl doch ein bisschen was zu dem Angebot.
Hallo Mara. Ja, das ist mein Newsblog. Wir filtern dort Nachrichten zum FC Schalke 04 aus der Presse, schreiben Kommentare zu bestimmten Themen und veröffentlichen exklusive Interviews, wie zum Beispiel das mit Christian Heidel kurz nach seinem Amtsantritt oder vor ein paar Wochen das Gespräch mit Guido Burgstaller. Ich bin froh, mit einem tollen Team zusammenzuarbeiten zu dürfen, es macht wirklich Spaß. Im Moment haben wir eine kleine Auszeit, aber es geht bald weiter.

Hassan Talib Haji im Gespräch mit Christian Heidel. (Foto: Uwe Bassenhoff)

Hassan Talib Haji im Gespräch mit Christian Heidel. (Foto: Uwe Bassenhoff)

Du bist in Kenia geboren und mit deiner Mutter nach Deutschland gekommen, als sie sich in einen deutschen Fabrikarbeiter verliebte. Was bedeutet Heimat für dich? Und welche Rolle spielt der Fußball/das Stadion für deinen Heimatbegriff?
Ich bin in meinem Leben schon viel herumgekommen und habe mich überall sehr wohl gefühlt. Seit 2012 lebe und arbeite ich in Gelsenkirchen. Als Mitglied und Fan des S04 ist nun Gelsenkirchen meine Heimat geworden. Die Menschen hier sind fabelhaft.

Deine erste Station in Deutschland war Kleve. Wie bist du mit Schalke 04 in Berührung gekommen? Und war es eine Liebe auf den ersten Blick?
Ja, das ist richtig. Mein Stiefvater, Freunde und Bekannte waren und sind Schalke-Fans. Sie nahmen mich mal zu einem Spiel ins Parkstadion mit – das ist mittlerweile 30 Jahre her. Es war für mich als kleiner Junge ein großes Erlebnis. Ich wollte anschließend immer wieder nach Gelsenkirchen, um die Spiele zu sehen. Das hat zwar nicht oft geklappt, aber dennoch war ich sofort vom Schalke-Virus infiziert. Und das ist bis heute so geblieben.

Es wird gerne behauptet: „Politik ist Politik und Sport ist Sport“. Ich glaube, gerade Fußball ist sehr politisch und Stadien sind ein Spiegel der Gesellschaft. Wie beurteilst du persönlich die integrative Rolle des Themas Fußball?
Der Fußball ist ein Volkssport und großer Teil der Gesellschaft, der sich politischen Einflüssen nicht entziehen kann. Gerade mit der immensen Kraft, die dieser Sport durch seine bunte Vielfalt und Aufmerksamkeit hat, sollte er auch weiterhin eine Art Sprachrohr sein. Dies sieht man ja beispielsweise an den ganzen Anti-Rassismus-Kampagnen. Zu sagen, Politik habe im Fußball nichts verloren, ist meiner Meinung nach fehl am Platz.

Für Mainzer bleibt das ungewohnt: Christian Heidel in Blauweiß. (Foto: Torsten Mannek)

Für Mainzer bleibt das ungewohnt: Christian Heidel in Blauweiß. (Foto: Torsten Mannek)

Schalke 04 hat geschafft, wovon andere nur träumen können: Christian Heidel aus Mainz wegzulocken. Wie beurteilst du euren Königstransfer nach den ersten 1,5 Jahren?
Ich bin von Christian Heidels Arbeit bislang absolut überzeugt. Er hat zwar mit Ex-Trainer Markus Weinzierl gleich danebengegriffen, so was passiert aber. Besonders auf Schalke. Ich weiß, dass Vieles von dem, was Christian auf Schalke macht, noch nicht allzu spektakulär in die Öffentlichkeit kam. Ich hatte das Glück und das Vergnügen, mit ihm kurz nach seiner Amtsaufnahme über zwei Stunden lang zu sprechen. Christian hat mir dabei sehr viele Dinge genannt, die er verändern möchte – und genau erklärt, wieso das nötig ist. Was genau das alles ist, kann ich hier aber leider nicht preisgeben, da dieses Gespräch in einem vertrauensvollen Rahmen stattfand. Doch die Begeisterung und die Tatenkraft waren direkt spürbar. Christian wird diesen wilden Verein in eine neue Ära führen. Daran glaube ich.

Wie schätzt du den Sportvorstand Heidel, wie den Menschen Christian ein?
Den Menschen Heidel kann ich nicht beurteilen, das würde ich mir auch nicht anmaßen. Christian kam in unseren Gesprächen aber stets freundlich rüber und er antwortet glücklicherweise auch, wenn ich ihn mal anschreibe und Fragen stelle. Ich schätze ihn als Sportvorstand allerdings auch so ein, dass er keine Scheu hat, knallhart seine Entscheidungen durchzuziehen. Was mir besonders imponiert, ist seine Öffentlichkeitsarbeit. Auf Schalke werden schließlich die kleinsten Themen sehr groß gemacht. Er moderiert dies aber souverän.

Schalke-Kapitän Benedikt Höwedes ist von Bord gegangen. (Foto: Torsten Mannek)

Schalke-Kapitän Benedikt Höwedes ist von Bord gegangen. (Foto: Torsten Mannek)

In Mainz war der „Don“ bekannt für seine Fannähe. In Gelsenkirchen stelle ich mir das ein Stück weit schwieriger vor, weil einfach die schiere Menge an Fans so viel größer ist. Wie empfindest du seine Präsenz und seinen Umgang mit den Fans?
Christian hat kürzlich einen Fehler gemacht. Im Zuge des Wechsels von Benedikt Höwedes hätte er mit der aktiven Szene von sich aus das Gespräch suchen sollen. Bene ist schließlich ein sehr verdienter Spieler des Klubs. Ich glaube, wenn er vorher mit den Ultras gesprochen hätte, wäre es nicht zu den Plakaten in der Nordkurve gekommen, auf denen er unter anderem als Identifikationsschänder bezeichnet wurde. Selbstverständlich ist er nicht in der Pflicht, nach jeder Entscheidung eines Spielers oder des Vereins das Gespräch zu suchen, aber in diesem speziellen Fall wäre es angebracht gewesen. Schlussendlich wurde es ja nachgeholt, was mich sehr freute.

Du sprichst es gerade an: Zu Beginn der Saison hat euer langjähriger Kapitän Benedikt Höwedes den Verein verlassen, nachdem er dieses Amtes enthoben worden war. Zunächst: Verstehst du die Entscheidung eures Trainers?
Ich kann diese Entscheidung nachvollziehen. Bene hat sich vielleicht mit den Jahren als Kapitän abgenutzt und viele haben sich oft hinter ihm versteckt. Das merkte man besonders nach verlorenen Spielen.

Wie beurteilst du Höwedes’ Abgang menschlich? Hat das die Fanseele sehr tief getroffen? Und fernab aller Emotionen, wie sehr trifft euch sein Wechsel sportlich?
Dieser Wechsel, auch wenn er vorerst nur auf Leihbasis geschah, war zunächst mal ein Paukenschlag. Bene ist ja schließlich ein Schalker Junge und hier groß geworden. Natürlich ist so ein Abgang im ersten Moment schmerzvoll. Schlussendlich war es aber seine Entscheidung. Er wollte sich nicht dem Konkurrenzkampf stellen, da er von Trainer Domenico Tedesco keine Stammplatzgarantie bekam. Tedescos Handeln empfand ich als völlig richtig. Sportlich gesehen scheint es so zu sein, dass Benes Transfer zu Juventus Turin keine Auswirkung auf die Mannschaft hatte. Schalke steht gut da und die Stimmung im Team ist prächtig.

Der Mann für eine neue Ära? 04-Trainer Domenico Tedesco. (Foto: Torsten Mannek)

Der Mann für eine neue Ära? 04-Trainer Domenico Tedesco. (Foto: Torsten Mannek)

Hat Heidels Ansehen mit dem Abgang von Höwedes gelitten?
Ich glaube nicht. Es hängt aber oft auch an gewissen Faktoren. Wäre unsere Abwehrleistung katastrophal, würden viele Schalker lauthals nach Bene schreien und Christian wäre der große Buhmann.

Die WAZ schreibt zu einem Interview mit Christian Heidel, Schalke habe die Personalkosten um 40 Prozent gesenkt. Nötig und richtig? Nötig, aber zu schnell? Fehlentscheidung?
Das ist für mich eine notwendige Maßnahme gewesen und als ich den Artikel in der WAZ las, sagte ich mir nur: ‚Endlich!‘ Das Preis-Leistungs-Verhältnis wurde nach den fetten Jahren im Europapokal endlich angepasst. Aufgrund der hohen Verbindlichkeiten, die durch den Umbau des Vereinsgeländes um weitere 95 Millionen Euro steigen, war das ein zwingend nötiger Schritt.

Wie schwierig wird es deiner Meinung nach sein, Leon Goretzka zu halten? Zumal es in seinem Interesse sein muss, zur WM 2018 zu fahren – und internationale Spiele dabei helfen könnten, seine Position bei Löw zu verbessern?
Ich glaube Leon. Er sagte ja, dass er noch keine Entscheidung getroffen hat. Er kann hier auf Schalke zu einer echten Führungsperson heranreifen. Ich hoffe sehr, dass er verlängert und noch ein paare Jahre für den S04 die Stiefel schnürt. Und wenn er wechselt, ist es halt so. Welche Entscheidung er auch treffen mag, ich wünsche ihm, dass er sich damit wohlfühlt und sie sich als völlig richtig herausstellt. Was seine Position in der Nationalelf angeht, hat er die doch bereits sicher. Joachim Löw schwärmt von ihm in höchsten Tönen. Wenn er sein Leistungsniveau hält, braucht er sich keine Sorgen um eine WM-Teilnahme zu machen.

Schalke gilt als einer der Trainer-Schleudersitze in der Bundesliga. Wie schätzt du die letzten beiden Entscheidungen diesbezüglich ein, also unter Heidel zunächst mit einem neuen Mann – Markus Weinzierl – zu starten, diesen dann aber nach der Saison zu entlassen?
Meiner Meinung nach musste Christian das Kapitel mit André Breitenreiter beenden, da er aufgrund seines Umgangs mit Mitarbeitern im Verein kaum noch Fürsprecher hatte. Markus Weinzierl war zu haben und es klang eigentlich recht vielversprechend. Doch so, wie man es vernehmen konnte, brachte Weinzierl Teile des Teams gegen sich auf und schaffte Gräben, die darin gipfelten, dass er von einem Spieler öffentlich beleidigt wurde. Dazu kam, dass man keine spielerische Linie auf dem Feld sah, keine Handschrift, keinerlei Konzept. Das wollte Heidel aber, um mit einem Trainer nachhaltig arbeiten zu können. Zwangsläufig war eine Trennung in Anbetracht der Gesamtsituation unvermeidbar – und die richtige Entscheidung.

Was läuft aktuell unter Domenico Tedesco besser als letzte Saison unter Weinzierl? Wie beurteilst du die sportliche und taktische Entwicklung des Teams und wo siehst du noch Verbesserungsbedarf?
Bislang darf man durchaus zufrieden sein. Man hört über Tedesco sehr viel Positives aus dem Verein. Er spricht sämtliche Fremdsprachen, was für die Kommunikation mit der Mannschaft ein großes Plus ist. Ich muss aber auch sagen, dass mich die ganzen Trainerentlassungen in den letzten Jahren skeptisch gemacht haben. Tedesco ist erst seit kurzer Zeit hier. Deshalb halte ich mich mit Bewertungen noch zurück.

Tedesco spricht viele Sprachen. Spricht er auch S04? (Foto: Torsten Mannek)

Tedesco spricht viele Sprachen. Spricht er auch S04? (Foto: Torsten Mannek)

Vor dem letzten Spieltag lautete eure Bilanz: 3 Siege, 3 Niederlagen, 1 Unentschieden. Nun habt ihr auswärts in Berlin gewonnen. Wie ist die Stimmung um den Verein? Und wie zufrieden bist du selbst mit der bisherigen Saison?
Es geht schlechter, wie wir letztes Jahr erlebt haben. Der Start war völlig in Ordnung. Wichtig war mir persönlich, dass wir direkt vom Start weg bei der Musik dabei sind – und das sind wir. Dementsprechend ist auch die Stimmung.

Ist für euch in dieser Saison nicht jedes Spiel ein Endspiel? Eine weitere Saison ohne internationale Platzierung kann sich der Verein ja kaum leisten.
Sicherlich lastet immer ein gewisser Druck auf Schalke. Ein Klub dieser Größe gehört eigentlich in den Europapokal. Da der Verein bereits die Halbjahresbilanz veröffentlichte und für das gesamte Geschäftsjahr von einem Verlust von 14 Millionen Euro ausgeht, wäre eine Teilhabe an den Geldtöpfen der UEFA natürlich wichtig. Auch für die Attraktivität bei Spielertransfers. Ein weiteres Verfehlen der internationalen Plätze würde den Planungen von Christian Heidel ganz sicher nicht zugute kommen.

Auf was müssen sich die Mainzer am Freitagabend taktisch einstellen? Wie breit ist die Brust der Spieler auf dem aktuell 6. Tabellenplatz?
In den Heimspielen tritt Schalke 04 immer mit breiter Brust auf. Sie werden vermutlich viel Ballbesitz haben und versuchen, ein frühes Tor zu erzielen. Zudem ist es Freitagabend, Flutlicht, volles Stadion. Mainz darf sich auf eine bis in die Haarspitzen motivierte Mannschaft freuen. Ich denke, das wird ein großer Kampf beider Teams.

Was erwartest du umgekehrt von den Mainzern? Welche Rolle können sie deiner Meinung nach unter Sandro Schwarz in der aktuellen Bundesligasaison spielen?
Im Spiel auf Schalke werden sie wohl versuchen früh zu attackieren, um unsere Abwehr in Verlegenheit zu bringen, den Spielaufbau zu stören und Fehler zu provozieren. Davon ist wohl auszugehen. Ich denke, ein einstelliger Tabellenplatz ist für Mainz drin. Mit etwas Glück vielleicht sogar mehr.

Was ist dein Tipp für das Spiel am Freitag?
Ich tippe auf ein 2:0 für die Königsblauen.

Wird Christian Heidel seine Amtszeit auf Schalke ausschöpfen? Oder gar verlängern? Und kommt er danach als Alterspräsident zurück nach Mainz?
Schwierig zu beurteilen. Frag mich aber gerne in ein bis zwei Jahren noch mal, Mara.

Mache ich und: vielen Dank für das Gespräch!

Hemingway: One cat just leads to another

Dem Autor Charles Dickens wird der Ausspruch zugeschrieben: „What greater gift than the love of a cat!“ Über die Schriftstellerin Patricia Highsmith heißt es: „She was very happy among cats. They gave her a closeness that she could not bear in the long-term from people. She needed cats for her psychological balance.“ Und wie beschrieb es der unvergleichliche Ernest Hemingway? „A cat has absolute emotional honesty: human beings, for one reason or another, may hide their feelings, but a cat does not.“

Wie viele ihrer Kollegen waren die drei Autoren erklärte Katzenmenschen und teilten das Leben mit den schnurrenden Vierbeinern. Besonders für Hemingway, aber auch für Highsmith spuckt die Internetsuche zahlreiche Fotos aus, die diese Liebe zeigen, wobei Hemingways Gefährten („One cat just leads to another“) offenbar grenzenlose Freiheiten genossen: Sie sitzen beim Essen genauso selbstverständlich neben seinem Teller, wie sie ihm während der Arbeit über den Schreibtisch spazieren.

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Da wir bei unserer Geburt nach einem komplizierten, streng geheimen System unabänderlich in Katzen- und Hundemenschen unterteilt werden, erscheint es aussichtslos, die Faszination zu beschreiben, die von den sanftohrigen Tigern ausgeht: Die einen wissen ohnehin darum und die anderen werden kaum zu belehren sein. Fest steht, wer einmal in einer hoffnungslos stressigen oder herzlos traurigen Situation eine schnurrende Katze zu einer warmen Kugel in seinem Schoß eingerollt hatte, sich dem Gefühl hingebend, das ihr gleichmäßiges, sonores Brummen auszulösen vermag, dem feinen Vibrieren, das von dem sanften, selbstzufriedenen Fellknäuel ausgeht, wird den Tigern zwangsläufig verfallen: Eine zufriedene Katze ist der Inbegriff von ausgeglichener Ruhe und ihre zärtlichen Hingabe zu jenen Menschen, die sie sich erwählt, hat birgt ein Vertrauen, das grenzenlos ist und über jeden Zweifel erhaben.

Hemingway und Luminara

Katzen sind treu und klug, haben einen eigenen Kopf und einen unbestechlichen Charakter. Sie sind Individualisten, die ihre Freiheit lieben und sich nicht vorschreiben lassen, zu wem sie gehören; auch nicht davon, wo ein gefüllter Futternapf auf sie wartet. Ihre Zuneigung ist ehrlich und geht keine Umwege. Genauso selbstverständlich, wie sie die Gesellschaft anderer suchen und genießen, schaffen sie sich andererseits Freiräume, in die sie sich vor zu viel Nähe flüchten wie in eine schützende Höhle. Sie sind die bestmöglichen Gefährten – und besser, als mit einer Katze zu leben, ist es womöglich nur, sein Leben mit zwei Katzen zu teilen.

Hinweis Buch

Gegnerbetrachtung: Mainz 05 beim VfL Wolfsburg

Neu im Blog: die Gegnerbetrachtung. Vor den Auswärtsspielen des 1. FSV Mainz 05 spreche ich künftig mit Journalisten, Podcastern und Bloggern darüber, was die 05er in der Fremde erwartet. Diesmal spreche ich mit Rebecca, die unter anderem neu den feministischen, fußballverliebten, cinephilen, lauten, politischen, offenen Podcast Reichlich Randale betreibt – und die ihr Herz an den VfL Wolfsburg verloren hat.

VfL-Fan Rebecca. (Foto: Dennis Fuisz)

VfL-Fan Rebecca. (Foto: Dennis Fuisz)

Liebe Becci, du lebst in Potsdam, kommst aber aus dem niedersächsischen Bleckede. Reicht das als Entschuldigung aus, wieso du Fan des VfL Wolfsburg geworden bist? Nein, ganz im Ernst: Wann und wie ist deine Liebe zu den Wölfen entbrannt?
Haha, die Klassikerfrage gleich zum Einstieg. Mein Vater (ein alter HSV-Fan, der das auch auf meinen Bruder übertragen hat) behauptet ja bis heute scherzhaft, es sei ein „Akt der Abnabelung“ gewesen, aber an die Theorie glaube ich nicht so richtig. Dafür viel mehr daran, dass man sich seinen Verein nicht aussucht – der Verein sucht dich aus. So war es nämlich auch bei mir. Als ich um die EM 1992 herum mit fünf Jahren angefangen habe, mich für Fußball zu interessieren, fand ich die Bayern gut, rund um Mehmet Scholl und Lothar Matthäus, deren Fußball mich damals faszinierte. Dann stellt man irgendwann fest, dass das mit den Bayern so eine Sache ist… und in die Phase fiel die Aufstiegssaison vom VfL (1996/1997). Da nahm ich den Verein das erste Mal wahr – und es war um mich geschehen. Ich sag immer „Ich habe es gespürt“, auch wenn ich eigentlich gar kein esoterischer Typ bin. Aber es war einfach ein Match. In der Rückschau kann ich wohl auch nicht bestreiten, dass die räumliche Nähe ebenfalls eine Rolle gespielt haben muss. Es ist schon schön, wenn man weniger als zwei Stunden Anfahrtsweg ins Stadion hat.

(Natürlich stand das Interview an dieser Stelle kurz vor dem Aufbruch. Mainz-Fans erinnern sich mit Grauen an jene VfL-Aufstiegssaison… Aber man ist ja Profi genug! *räusper)

Wie sehr nervt dich eigentlich das bei vielen Fans immer noch sehr schlechte Image eures Vereins? Und wie reagiert dein grün-weißes Herz auf den häufigen Spott? Ich kann ja gar nicht damit umgehen, wenn jemand auf meinem Verein rumhackt…
Das schlechte Image selbst nervt nicht gar nicht so sehr – auch wenn ich es persönlich natürlich nicht so richtig nachvollziehen kann; aber wir sind es nicht anders gewohnt, und ich weiß es ja besser. Der Spott und die ewige Reduzierung auf ein und dieselbe Sache, nämlich die Tatsache, dass VW am VfL beteiligt ist, sind auf die Dauer viel nervtötender. Fundierte Kritik am Spielsystem, an der Leistung auf’m Platz, an der Vereinsführung, an der Einstellung einiger Spieler in der Vergangenheit – da bin ich die Letzte, die sagen würde: „Lass das!“ Da können wir ja letztlich nur profitieren und das kritisiere ich auch selbst. Und natürlich darf man Vereine unsympathisch finden, ist bei mir ja auch so.
Wenn aber Leute immer und immer wieder die gleichen Sätze fallen lassen – sowas wie „So viel Kohle, wie ihr in den letzten Jahren raushaut, das ist doch pure Hybris und geht nur dank VW“ – ohne mal gegenzuchecken, dass die Transferbilanz zwei Jahre hintereinander positiv war, oder wenn von einem „reinen Plastikverein“ die Rede ist, der ja „gar keine richtigen Fans hat“ – da bin ich schnell auf 180, rante auf Twitter oder muss auch schon mal weinen. Wie verletzend sowas sein kann, können wohl nur Fans verstehen. Umso mehr enttäuscht es mich letztlich, wenn andere Fans das machen. Das ist einfach nicht meine Art, über Fußball zu reden. Das soll aber nicht heißen, dass ich Witze über uns oder andere Vereine doof finde – da kann ich herzlich drüber lachen.

Begegne den Spöttern doch mal mit harten Zahlen: Wie sah es bei euch in der letzten Saison mit der Stadionauslastung aus, kannst du das beantworten? Und wie viele Anhänger waren im Schnitt auswärts dabei?
Unser Stadion wurde 2002 eröffnet. Damals spotteten viele, dass 30.000 Plätze viel zu viele wären für eine Stadt mit nur 125.000 Einwohnern (immer noch hat in der 1. Bundesliga nur Sinsheim weniger) und vermeintlich ohne Tradition. Am Anfang waren im Schnitt auch nur ungefähr 2/3 der Plätze besetzt. Spätestens seit der Meistersaison 2008/09 haben wir uns aber auf eine über 90%ige Auslastung eingependelt, letzte Saison 92%, um es genau zu nehmen; sechs Spiele waren ausverkauft. Was mich aber ehrlich gesagt viel mehr interessiert, ist die Stimmung im Stadion und im Speziellen in der Nordkurve. Und die war letzte Saison – trotz ja wirklich teilweise echten Spielen zum Haare raufen – hervorragend! Viel Gesang bis zur Heiserkeit, unfassbare Motivation, wenig Auspfeifen. Ich habe mich sehr wohlgefühlt, und man hat einfach gemerkt, dass die Extremsituation der Abstiegsangst Fans und Verein noch mehr zusammengeschweißt hat. Das war schon was Besonderes. Das kennt ihr ja vielleicht auch.
Auswärtsfahrer*innen musste ich ehrlich gesagt selbst nachlesen, ich stecke da in den Zahlen nicht so drin. Es waren wohl im Schnitt 1.400 und gegen Ende der Saison wurden es verständlicherweise mehr, eben auch wegen dem, was zwischen Verein und Fans passiert ist. In Hamburg am letzten Spieltag waren wir 6.000, das war schon eine tolle gemeinschaftliche Stimmung, die ich sehr genossen habe. Bis zu Luca Waldschmidt

Flutlichtatmosphäre im Stadion des VfL. (Foto: Fanfotos.net)

Flutlichtatmosphäre im Stadion des VfL. (Foto: Fanfotos.net)

Du bist Konfliktforscherin. Was denkst du dir bei Szenen wie dem Platzsturm in Kiel letzte Woche und was würdest du – solche Chaoten ausgenommen – Fans und Verbänden raten, um wieder in einen dauerhaft konstruktiven Dialog zu kommen?
Zufällig war ich an dem Dienstag in Kiel, hatte aber keine Karten mehr bekommen und war deshalb nicht im Holstein-Stadion, wie ich es eigentlich geplant hatte. Von außen betrachtet war der Platzsturm unsinnig, unvernünftig und Spieler gefährdend, das geht eigentlich gar nicht. Gerade weil mir Holstein als Verein am Herzen liegt, hat mich das ein bisschen traurig gemacht – auch weil ich befürchte, dass das mal wieder das Bild des Ultras™ und der wichtigen Arbeit, die in Ultra-Szenen für die Vereine – aber auch gegen Rechts etc. – geleistet wird, verwischen wird.
Und jetzt soll ich Fans und Vereinen etwas raten, ja? Ein ganz schön schwerer Auftrag – auch und gerade für eine Konfliktforscherin. Ist ja nicht so, dass keine Dialoge zwischen Fans und Vereinen stattfinden würden. Und wir dürfen auch die DFL als dritten Player hier nicht vergessen, die ja gerade aktuell für einen Großteil der aufgeheizten Stimmung verantwortlich ist. Ich bin grundsätzlich ein Fan von Protest, auch kreativ, und finde es wichtig, die Stimmen der Fans zu hören, wenn es um die aktuellen Entwicklungen im Fußball allgemein und in den einzelnen Vereinen geht. Wäre es nicht schön, wenn Fans und Vereine sich gemeinsam gegen bestimmte Entwicklungen positionieren würden? Ach, ich drifte schon wieder in Utopien ab. Du siehst, es bleibt schwierig. Und so lange möchte ich alle Fans nur ermutigen, sich Gehör zu verschaffen.

Im wunderbaren Podcast Rasenfunk hast du mit Max Ost in der Sommerpause auf die letzte Saison zurückgeblickt. Da war ganz viel Erleichterung zu spüren, aber auch Optimismus. Jetzt gab’s nach nur vier Spieltagen den Trainerwechsel. Warum musste Jonker so schnell gehen?
Ich bin halt eine unverbesserliche Optimistin (und das, obwohl eines meiner Podcastprojekte „Die Kulturpessimisten“ heißt, lustig oder?) und natürlich war ich nach der frisch überstandenen Relegation auch wirklich ausgesprochen erleichtert und gewillt, das Positive zu sehen. Tatsächlich ist die Meinung zur frühen Entlassung von Jonker nun sehr gespalten unter den Fans. Ich gehöre zu denen, die ziemlich traurig und unzufrieden mit der Entscheidung waren und ihm gerne noch mehr Zeit gegeben hätten. Er hat eine positive Geschichte mit dem VfL und hat eigentlich sehr gut zu uns gepasst, genauso wie sein Co-Trainer Ljungberg, der ja auch gehen musste. Der relativ schlechte Saisonbeginn hatte natürlich auch damit zu tun, dass unsere komplette Innenverteidigung längerfristig ausgefallen ist und wir nun in diesem ohnehin in der vergangenen Saison schon wackeligen Mannschaftsteil mit relativ jungen und unerfahrenen Spielern antreten mussten.
Wie ich schon angedeutet habe, gibt es aber auch andere Stimmen. Unser Spiel hat sich unter Jonker nicht weiterentwickelt, das System war unflexibel und so konnte wenig auf die Spieler, die der Trainer tatsächlich zur Verfügung hatte, reagiert werden. So hat sich beispielsweise in den ersten Saisonspielen die Befürchtung bestätigt, dass unsere Flügel eine echte Schwäche darstellen. Vielleicht ging da auch in der Transferperiode schon etwas schief – Jonker und Rebbe haben uns eher im Zentrum verstärkt. Und so musste Jonker nun vermutlich auch gehen, um Platz für ein neues System zu machen.

Gestatten, ich bin der Neue. (Foto: Fanfotos.net)

Gestatten, ich bin der Neue. (Foto: Fanfotos.net)

Euer neuer Trainer heißt Martin Schmidt. Der Schweizer hatte bei uns in Mainz seine erste Station als Profitrainer in der Bundesliga. Wie sehr hat dich die Personalie überrascht?
Was heißt überrascht. Ich hatte ihn natürlich auf dem Zettel als einen, der jetzt frei war. Aber ganz oben stand er nicht auf meiner Liste. Vielleicht ist es aber genau das, was ihn zu einer guten Wahl macht: Er ist anders als Jonker, und er ist anders als viele VfL-Trainer vor ihm. Er steht dafür, über Emotionen zu kommen und Fußball zu leben, er steht für Mannschaften, in denen jeder für jeden fightet, und nicht zuletzt für eine fannahe Kommunikation – was alles ganz hervorragend zum Slogan „Arbeit Fußball Leidenschaft“ passt, den der VfL dieses Jahr von einem inoffiziellen Fan-Motto zum Status eines offiziellen Vereinsmottos aufgewertet hat. So mögen wir unseren VfL! Vielleicht ist Martin Schmidt also bei aller Überraschung auch der logische Schritt, der nach einigen Misserfolgen mit bewährten Strategien jetzt anstand.

In den ersten beiden Spielen unter dem Neuen habt ihr zwei Punkte geholt – einen davon wohlgemerkt in München. Wie ist dein bisheriger Eindruck von Schmidt und was hat er in der Mannschaft verändert?
Ich bin positiv gestimmt, was vor allem an teilweise sehr klugen Interviews von Schmidt liegt. Nach dem Spiel gegen Bremen mit einer guten ersten und einer katastrophalen zweiten Halbzeit hat er ehrlich die Schwächen und Fehler der Mannschaft benannt, ohne zu versprechen, dass das alles von jetzt auf gleich geändert werden kann. Er redet nicht drumrum und schafft es, auch ohne Phrasendrescherei eine Aufbruchsstimmung zu vermitteln.
Diese Aufbruchsstimmung zeigte sich dann sehr schön im Spiel gegen Bayern. Welche Mentalität und Haltung die Mannschaft dort gezeigt hat, nach einem 2:0-Rückstand in München zurückzukommen! Dafür war der Mut nötig, den Schmidt schon in den Tagen vor dem Spiel ausgestrahlt hatte, Und dabei gingen sie geordnet und zielgerichtet vor, spielten kluge Pässe, und ja, sogar über unsere Flügel ging was. Man merkt schon jetzt, dass Schmidt sich Gedanken zu den Schwächen im System macht, das bisher auf Flanken auf den Spitzenstürmer Gomez angewiesen war und wenig andere Möglichkeiten zu erfolgreichen Angriffen bot. Das macht Lust darauf, ihm dabei zuzuschauen, was er noch für Ideen für die Mannschaft in petto hat.

Aus der Entfernung betrachtet wirkt es, als fehle bei VfL-Sportchef Olaf Rebbe die klare Linie. Valérien Ismaël wurde erst gestärkt, dann gefeuert, mit Jonker geht man in die neue Saison, nur um ihn nach vier Spielen zu entlassen. Tue ich ihm Unrecht? Wie siehst du seine Rolle?
Ja, ich glaube, du tust ihm ein bisschen Unrecht. Ismaëls Vertrag als langfristiger Cheftrainer war das „Abschiedsgeschenk“ von Klaus Allofs an den VfL und in meinen Augen neben der Nichtfreigabe von Julian Draxler im letzten Sommer die größte Fehlentscheidung der letzten Saison. Aber es war eben auch Allofs’ Fehlentscheidung. Rebbe musste dann schauen, wie er mit der Situation umgehen sollte, dass kurz vor seinem Amtsantritt ein neuer Cheftrainer installiert worden war. Nicht nur ich war sehr dankbar, dass die Zusammenarbeit mit Ismaël dann doch recht bald beendet wurde, denn da lief so einiges schief, was ich jetzt gar nicht alles aufzählen kann. In der Situation Jonker zu holen, hat sich letztendlich bewährt, auch wenn es vielleicht nicht die langfristige Lösung für den Verein war. Aber nach dem Trainer, der jeglichen Rückhalt bei den Fans und scheinbar auch bei großen Teilen der Mannschaft verloren hatte, einen zu holen, mit dem viele schon positive Emotionen verknüpften, war – gerade für den Abstiegskampf – ein guter Schachzug. Wir werden sehen, ob sich die Schmidt-Entscheidung jetzt bewährt. Ich bin gewillt, Rebbe zu vertrauen, sich etwas bei den Entscheidungen der letzten Wochen gedacht zu haben; er ist ein sehr strategisch denkender Mensch, der es in kurzer Zeit geschafft hat, sich trotz seines jungen Alters ein gewisses Standing im Verein zu erarbeiten.

Jung und ambitioniert: Olaf Rebbe. (Foto: Fanfotos.net)

Jung und ambitioniert: Olaf Rebbe. (Foto: Fanfotos.net)

In den letzten zwölf Monaten saßen beim VfL vier Trainer auf der Bank. Was spricht dafür, dass nun Kontinuität einkehrt? Und als wie chaotisch hast du selbst diese Zeit empfunden? Manchmal sieht es von außen ja schlimmer aus als in der Binnensicht.
Wie ich schon geschrieben habe, kam es mir gar nicht unbedingt chaotisch vor. Ich würde eher unsicher als charakterisierendes Attribut für das letzte Jahr wählen. Viele Entscheidungen nach Allofs erscheinen sehr bedacht – aber klar, du hast Recht, wenn du sagst, dass sie nicht gerade zu Kontinuität geführt haben. Das sorgt für Unsicherheitsgefühle bei allen: Fans, Spielern, Beobachter*innen von außen. Wird nun Kontinuität einkehren? Ich bin ehrlich, ich habe keine Ahnung. Vielleicht ist es auch noch ein bisschen zu früh, um zu beurteilen, wie gut es zwischen dem VfL und Schmidt auf Dauer funktionieren wird. Tatsächlich wird die VfL-Führungsetage vielleicht ein bisschen schneller nervös als die anderer Vereine, wenn die Leistungen sich nicht fix genug in Richtung des Anspruchs entwickeln. Mein Wunsch wäre ja, hier ein bisschen mehr Gelassenheit an den Tag zu legen und Entwicklungen zuzulassen. Die Entscheidung für Schmidt interpretiere ich als einen Schritt in diese Richtung, lässt man sich mit ihm doch auf etwas ganz Neues ein.
Unsicher über die Zukunft des VfL bin ich immer noch, daran hätte gerade vermutlich keine spontane Entscheidung etwas ändern können. Dafür ist mein Vertrauen, dass es am Ende schon irgendwie klappen wird, in der letzten Saison doch reichlich erschüttert worden. Damit stehe ich auch nicht alleine da, wenn ich mich in der Fanszene so umschaue. Dieses Vertrauen jetzt wieder aufzubauen, wird auch eine der Aufgaben von Schmidt sein.

Derzeit geistert die Meldung durch die Medien, Edin Džeko könne sich nach dieser Saison erneut den Wölfen anschließen. Spricht daraus die Sehnsucht nach der erfolgreichen Zeit des VfL? Džeko ist ein Gesicht der Meistermannschaft.
Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehnsüchtig ich und auch andere nach der erfolgreichen Zeit sind. Und damit meine ich gar nicht unbedingt Titel, sondern schlicht das Gefühl, dass im Verein gerade alles richtig läuft, dass toller Fußball gespielt wird, dass ich nicht schon 48 Stunden vor dem Spieltag mit Bauchschmerzen zu Hause sitzen und mich fragen muss, was dieses Mal wieder schiefgehen wird. Immer wenn es mir wegen des VfL schlecht geht, schaue ich mir das Meisterschaftsspiel gegen Bremen 2009 oder das Pokalfinale 2015 gegen Dortmund an, das ist so ein bisschen zu meiner persönlichen Wohlfühl-Therapie geworden, auch wenn ich mir natürlich bewusst bin, dass da ganz viel Verdrängung mitspielt. Ich glaube, niemand würde laut „Nein“ schreien, wenn sich die Gerüchte um Džeko bestätigen würden. Wir hatten eine tolle und erfolgreiche Zeit miteinander, natürlich schwingt da ganz viel Nostalgie mit, und man muss sich dessen bewusst sein, dass er nicht mehr der Spieler von vor sieben Jahren ist und sich auch das Setting drum herum geändert hat. Gleichzeitig kann aber von der Verpflichtung eines solchen Spielers, der sich immer mit der Mannschaft identifiziert hat und mit dem sich auch die Fans identifiziert haben, eine Aufbruchsstimmung ausgehen, die wir gut gebrauchen könnten.

Meisterlich: Die VfL-Damen.

Meisterlich: Die VfL-Damen.

Stichwort Meistermannschaft: Die VfL-Damen feiern seit Jahren national und international große Erfolge. Weil die Männer die Relegation noch vor der Brust hatten, durften sie aber ihre Meisterschaft erstmal nicht feiern. Wie hast du das empfunden?
Ich versuche, mein Leben nach feministischen Prinzipien auszurichten, engagiere mich in diesem Feld und mache jetzt auch einen Podcast zu feministischen Themen. Zudem finde ich Frauenfußball extrem spannend und bin öfter bei Turbine Potsdam im Stadion zu den Heimspielen, wahrscheinlich auch am Sonntag gegen die Hoffenheimerinnen. Natürlich hat mich das auch aufgeregt – zumal davon auszugehen ist, dass das andersherum nicht passiert wäre. Die vorgeschobene Begründung, man hätte gewollt, dass die Frauen die volle Aufmerksamkeit bekommen, hat es nicht besser gemacht. Gleichzeitig möchte ich aber in zwei Punkten relativieren – was nichts daran ändert, dass die Aktion unüberlegt und falsch war, aber den Diskurs in eine Richtung verschiebt, die mir wichtig wäre:
1. Die Damenmannschaft musste nicht auf ihre Meisterinnenfeier verzichten, weil die Herren die Relegation noch vor der Brust hatten. Vielmehr war die Feier für den gleichen Tag wie das Relegationsspiel in Wolfsburg angesetzt (für dessen Ansetzung der VfL nichts kann) und aufgrund der Brisanz der Konstellation mit Braunschweiger Auswärtsfans in der Stadt wurde auch aus Sicherheitsgründen dagegen entschieden, die Feier stattfinden zu lassen. Wenn ich mir anschaue, wie die Situation für Wolfsburger Fans in Braunschweig beim Rückspiel war (die sich teilweise kaum aus dem Stadion heraus getraut haben), dann zeigt sich, dass Sicherheitsgründe durchaus ein relevantes Argument sein können. Wohlgemerkt: können, nicht müssen. Vielleicht hätte es andere Lösungen gegeben.
2. Ich bin mir sicher, dass das bei jedem anderen Verein genauso gelaufen wäre. Was hier passiert ist, ist kein VfL-Problem, sondern ein Problem des Fußballs und der Fußballverantwortlichen genauso wie der Fanszenen: Sexismus ist einfach präsent und zieht sich als Muster durch. Die Ungleichbehandlung des Frauenfußballs in eigentlich allen relevanten Punkten ist unsäglich und muss sich meiner Meinung nach dringend ändern. Dafür ist aber eine Bewusstmachung und ein Eingestehen bei Verantwortlichen wie bei Fans notwendig – und kein Ablenken dahingehend, dass das ja „typisch für einen bestimmten Verein“ sei. Wir müssen das strukturell und gemeinsam und selbstkritisch angehen. (Diesbezüglich kann ich euch sehr Karstens Artikel „Männerfußball“ bei Halbfeldflanke ans Herz legen.)

Was können die Herren denn von der erfolgreichen Damenmannschaft lernen?
Wie man mit Konstanz in der Arbeit und dem Dranbleiben an bestimmten Themen ohne Grundaufregung zum Erfolg kommen kann. Und natürlich die ausgezeichnete Symbiose von Mannschaft und Trainer. Ralf Kellermann und die VfL-Damen, das war einfach was ziemlich Großes – und das über neun Jahre hinweg und ohne Skandal bei seinem Wunsch, jetzt etwas Anderes zu machen. So etwas wünsche ich mir für die Herren auch.

Die Mainzer mussten nach einem starken Auftritt gegen Hoffenheim als Verlierer vom Platz, gegen Berlin gab es nach einem mäßigen Kick drei Punkte. Wie erwartest du das Team?
Ich bin ehrlich gesagt keine große Mainz-Beobachterin. Von den Hertha-Fans aus meinem Umfeld höre ich große Unzufriedenheit darüber, dass man am Wochenende gegen die Mainzer nicht zu mehr Chancen gekommen ist, weil beide sich nicht gerade als offensivstark gezeigt haben. Wenn das Mainzer Spiel nach vorne nicht so druckvoll ist, kommt das dem VfL und seinem System sicher entgegen, da unsere Abwehr so verletzungsgeschwächt ist. Das Hoffenheim-Spiel fand ich tatsächlich sehr stark, zumal mir Hoffenheim insgesamt eigentlich ausgesprochen gut gefällt bisher. Ich kann nur hoffen, eher das Mainz vom Wochenende zu erleben.

Lieber keine Prognosen wagen... (Foto: privat)

Lieber keine Prognosen wagen… (Foto: privat)

Und was erwartet umgekehrt die 05er beim Spiel in Wolfsburg? Welche Mannschaft siehst du nach der zurückliegenden englischen Woche in der Favoritenrolle?
Mit dem Spiel gegen die Bayern ist der Optimismus bei einigen von uns zurückgekehrt – und das gar nicht unbedingt wegen des erfreulichen Ergebnisses. Es war einfach schön zu sehen, wie die Mannschaft gut angefangen und sich nach dem unglücklichen Rückstand nicht hat hängen lassen. Sie haben weitergespielt, und sind zurückgekommen. Und sie haben Fußball gespielt! Dabei hat Schmidt, obwohl er erst drei Trainingseinheiten mit der Mannschaft hatte, von Beginn an mutige Entscheidungen getroffen, wie zum Beispiel den jungen Itter gegen Robben spielen zu lassen. Ich kann mir vorstellen, dass er auch gegen Mainz wieder eine Überraschung in petto hat. Mit dem Bayernspiel im Rücken und der Tatsache, dass das ja ein Heimspiel für uns ist, sehe ich uns am Samstag leicht in der Favoritenrolle. Ich tippe 1-0.

Wie lautet deine Prognose für die restliche Saison, fängt sich der VfL oder müsst ihr wieder bis zum Schluss zittern?
Meine Prognosen in den letzten Jahren waren immer ziemlich mies, von daher würde ich mir da nicht unbedingt vertrauen. Ich verkaufe es lieber als Hoffnung denn als Prognose: Ich hoffe, wir pendeln uns um Platz 10 herum ein, und bringen vor allem ein bisschen Ruhe in die ganze Situation. Einstellig wäre schön, aber eine Prognose traue ich mich diesbezüglich nicht abzugeben… Nach vier Trainern innerhalb von einem Jahr würde ein bisschen Durchatmen meinen Nerven jedenfalls sehr gut tun. Für den Anfang würde es aber auch eine Stabilisierung in der Abwehr tun. Spätestens mit der Rückkehr von Brooks und Bruma nach ihren Verletzungen muss es soweit sein!

Vielen Dank für das Gespräch!

|| Mit großem Dank an Fanfotos.net für die zur Verfügung gestellten Fotos. ||