1. FSV Mainz 05 Fußballfibel: Liebe ist ein Tuwort

Dieses Buch führt zu den Wurzeln des 1. FSV Mainz 05. Es erzählt Geschichten über Orte, die mit dem Verein bereist wurden, über Personen, die ihn geprägt haben und über Spiele, die die Fans nicht vergessen. Es sind Geschichten von Freude und Trauer, von Liebe und Freundschaft – und der tiefen Verbundenheit der Menschen mit einer Stadt, die ohne ihren FSV nicht komplett wäre.

Als wir dem Verlag im September 2019 die Zusage gaben, die Fußballfibel zum FSV Mainz 05 zu machen, saß Sandro Schwarz auf der Trainerbank, die Mannschaft hatte gerade zuhause Hertha BSC geschlagen und nach einem grauenhaften Start in die Saison schien es, als wäre das Schlimmste bald geschafft. Einige Probleme, mit denen der Verein zum Zeitpunkt der Abgabe im November 2020 kämpft, hatten sich da schon angedeutet, mit der Trainer-Entlassung wenig später waren sie brutal offensichtlich geworden. Bis dahin hatten wir uns die Zuversicht erhalten, es würde sich schon alles finden. So, wie es das bei Mainz 05 immer getan hat.

Die Neuerscheinungen der Fußballfibel zum Jahresbeginn. (Foto: CULTURCON)

Und mit „immer“ meinen wir natürlich: in den letzten 20 Jahren, in denen die unglaubliche Erfolgsgeschichte dieses Vereins geschrieben wurde. Denn auch wenn in der Saison 2020/21 die Stimmen lauter werden, die beklagen: „So schlimm stand es noch nie um Nullfünf!“, hat es schlechte und sehr schlechte Phasen, sportliches Gewürge und sich abwendende Fans immer wieder gegeben. Statt aber die letzten 20 Jahre als das Privileg zu begreifen, das sie sind – und Kraft daraus zu ziehen für den Weg durch dieses Tal – zerlegten sich die Beteiligten im und um den Verein in der jüngeren Vergangenheit in loser Reihenfolge selbst.

Wie soll man denn da eine Liebeserklärung schreiben? Ist eine Abrechnung nicht die bessere Alternative? Ein frustgeschwängertes Pamphlet, nach dem früher doch alles besser war? Wenn früher bedeutet vor Corona, war eines in Sachen Fußball tatsächlich besser, nämlich, dass wir ihn gemeinsam im Stadion erleben konnten. Die Krise schmerzt auch deshalb besonders, weil wir uns hilflos fühlen, nicht näher heranrücken können, zum Zusehen verdammt sind. Wir vermissen unseren Block, vermissen jene Menschen, mit denen wir die Spiele gemeinsam sehen, nach Abpfiff mit einem Bier in der Hand besprechen, mit denen wir Frust und Begeisterung teilen. Die Corona-Pandemie hat uns gezwungen, die Begegnung zu verlegen – statt in der Kurve haben wir uns auf Papier getroffen und diese Fibel geschrieben.

Herausgeber Oliver Heil und Herausgeberin Mara Pfeiffer (Foto: privat)

Viele haben wir dafür angesprochen, einige konnten in der aktuellen Situation ihre Muse nicht finden. Die meisten aber hatten Lust, sich auch und gerade jetzt mit dem Verein zu beschäftigen. Dem nachzuspüren, was sie einst zu Mainz 05 und ins Stadion gebracht hat, nachzudenken, wo Brüche waren, Menschen einen Text für die Fibel zu widmen, ohne die der Verein nicht da wäre, wo er ist – zwölf Spielzeiten hintereinander in der Ersten Liga, als einer von 18 Clubs im Oberhaus.

Wir haben Anhänger*innen aus dem Block gefragt und solche, mit denen wir vor Jahren das Fanzine DIE TORToUR geschrieben haben, wir haben Journalist*innen um Beiträge gebeten, die den FSV schon lange begleiten, haben Verantwortliche aus seinem direkten Umfeld angeschrieben und Menschen, die wir persönlich mit dem Verein verbinden. Dabei sind ganz unterschiedliche Beiträge herausgekommen, die uns in die Vergangenheit des Clubs führen, an Orte, die wir mit ihm bereist haben, zu Personen, die ihn geprägt und Spielen, die wir nicht vergessen haben. Als roter Faden schimmert durch die Texte eine unerschütterliche Zuneigung zum Verein.

Als wir im Corona-Frühling 2020 mit der Arbeit an der Fibel anfingen, waren wir uns nicht sicher, wie es mit Mainz 05 weitergehen würde in dieser herausfordernden Zeit. Die Frage können wir selbst jetzt, da das Buch erschienen ist, nicht beantworten. So viel aber ist gewiss: Wir werden den FSV weiter auf seinem Weg begleiten, wohin auch immer er führen mag. Weil wir gar nicht anders können. Liebe ist ein Tuwort.

Die Fibel ist erschienen bei Culturcon medien im Buchhandel sowie online erhältlich.

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