Auszug aus »Die TORToUR« #33 – We’ve got the Book!

Wir geben es ja zu – die TORToUR-Redaktion ist voreingenommen gegenüber »111 Gründe, Mainz 05 zu lieben«. Was sollen wir zu einem Buch sagen, in dem es auf 261 Seiten um nichts anderes geht als die Liebe zu unserem Verein? Das von zwei Kollegen geschrieben wurde, mit denen wir uns den Deckel beim Redaktionstreffen teilen, bei Wind und Wetter gemeinsam das schee Heftsche verkaufen und nichts lieber tun, als über Fußball im Allgemeinen und den FSV im Besonderen zu philosophieren: »Kauft das Buch nicht«? Also bitte, das kann man von uns nicht verlangen. Aber im Ernst: »111 Gründe« ist ein großer Spaß. Weil die Autoren die richtige Mischung aus unterhaltsamem Kokolores und wichtigen Meilensteinen der Vereinshistorie zusammengetragen haben. Weil die unendliche Geschichte, die in Mainz mit den Worten »Damals, als Noveski getackert wurde« beginnt, beim Leser unweigerlich Phantomschmerzen auslöst. Weil das Thurk-Denkmal in dreizehn Zeilen errichtet, umgekippt und wieder aufgestellt wird und die Innenministerkonferenz in gerade zehn Zeilen den Narhallamarsch gesungen bekommt: Mehr hätte sie auch nicht verdient.

Der Autor im Stadion... (Foto: privat)

Der Autor im Stadion… (Foto: privat)

Wer nicht den kompletten Backkatalog der TORToUR und die Vereinschronik auswendig gelernt hat, bekommt Momente der Überraschung, Geschichten zum Schmunzeln und Hintergrundwissen zum Klugscheißen beim Halbzeitgespräch geliefert. »Vieles ist normal geworden«, schreiben die Autoren im ersten Kapitel. »Spiele gegen Stuttgart sind nicht mehr per se Feiertage, wir haben uns an sie gewöhnt. Nach der traurigen Rückrunde (…) mussten wir uns die Frage stellen lassen, ob es überhaupt 111 Gründe gibt, Mainz 05 zu lieben, und ob wir unser Buch nicht lieber 111 Gründe, Mainz 05 geliebt zu haben nennen wollten.« Jeder Fan weiß, dass solche Gedanken die Sommerpause selten überleben und die neue Saison ja eh wieder bei Null losgeht. Für uns nicht: Wir haben schon 111 Punkte.

... die Autorin auf dem Weg dorthin. (Foto: Sebastian Gölz)

… die Autorin auf dem Weg dorthin. (Foto: Sebastian Gölz)

Der Buchtitel klingt nach einer Idee, die einem beim zweiten Schoppen einfällt. War es so?
Wo unser Verleger Oliver Schwarzkopf und unser Agent Dr. Martin Brinkmann die Idee ausgekaspert haben, trinkt man andere Dinge, aber grundsätzlich könnte es so gewesen sein.

Wollte eigentlich der Verlag 100 Gründe, Mainz 05 zu lieben, und Ihr habt auf 111 bestanden?
Genau genommen wollten wir zehnmal elf Gründe liefern und die letzte Seite leer lassen, damit unsere Leser ihren eigenen Grund eintragen können. Wir würden wirklich gerne behaupten, dass die Elf unsere Idee war, würden damit aber sehr schnell auffliegen. Der Verlag bringt schon seit Jahren Bücher in seiner 111er-Reihe heraus. Die Fußballbücher sind lediglich der neueste Streich. Wäre aber mal interessant, wie die damals eigentlich genau auf 111 gekommen sind. Hm… (Inzwischen wissen wir, auch dabei war Alkohol im Spiel…)

Ab welcher Zahl war es wirklich harte Arbeit, weil der Riesling leer und das Buch noch nicht voll war?
Schwierig wurde es ab der Nummer 136… Im ersten Brainstorming haben wir schon gemerkt, dass wir alleine mit Spielern, die wir gerne würdigen wollten, die 111 locker voll bekommen hätten. Es war harte Arbeit, uns auf 111 Gründe zu beschränken. Das Weglassen von Themen war schwieriger als das Schreiben der nun im Buch vertretenen Texte. Denn das hat Spaß gemacht. Wichtige Ereignisse und Menschen zu streichen, hat dagegen wehgetan. Und seit die neue Saison läuft, ist es richtig schlimm, weil wir dauernd weitere Texte über den tollen Start schreiben wollen, über den unfassbar grandiosen Choupo, die tollen Neuen, die Stimmung in der Schluss­phase des Wolfsburg-Spiels – und dann feststellen müssen: Mist, geht ja gar nicht mehr, das Buch ist längst voll!

Euer Grund Nummer 1 heißt »Weil wir nur ein Karnevalsverein sind«. Ist das der wichtigste – oder warum steht er am Anfang?
Die Karnevalsnummer ist einfach so verbunden mit Mainz 05, das ehemals verhohnepipelnde Gesinge der Gegner, das zum positiven Selbstbild wurde, dass es auf jeden Fall ganz weit vorne stehen musste. Und dann war es uns wichtig, einzusteigen mit dem Selbstverständnis, mit einem kleinen Charakterabriss, wie wir den Verein und uns als die Fans verstehen. Das passte natürlich alles bestens unter genau dieses Dach.

Wie einig wart ihr euch?
Was die Zusammenstellung der Gründe angeht, waren wir uns fast immer überraschend schnell einig. Auch wenn mal einer von uns ein Thema vorgeschlagen hat, das der andere erst nicht auf dem Schirm hatte, war es in aller Regel unkompliziert, sich dafür oder dagegen zu entscheiden. Was sicher hilft ist, dass wir häufig ähnliche Einschätzungen oder auch so kleine Schwächen haben. Wir bauen seit Jahren gemeinsam und heimlich ein Dimo-Wache-Denkmal. Wir finden Thomas Tuchel absolut sensationell und simsen uns bei jedem Gegentreffer dieser Saison, Wetti hätte den gehabt. Das war also leicht. Komplizierter wurde es eher bei den Texten selbst. Wir haben vieles gemeinsam verfasst und uns gegenseitig lektoriert, da gab es manchmal richtig Zoff. Auch, weil wir da gnadenlos waren miteinander, Sachen gestrichen haben, auf Kleinigkeiten rumgeritten sind. Da wurde es manch­mal sogar laut, aber selten blutig. Und am Ende gab es Eis und alles war wieder gut.

Bei welchem Punkt wird selbst der langjährige Allesfahrer sagen: Stimmt, war mir bisher gar nicht bewusst?
Hoffentlich bei ganz vielen, denn es hat ja einfach jeder andere Erinnerungen. Uns ging es auch so, wenn wir unsere Texte gegenseitig gelesen haben – man entdeckt dabei immer noch Neues. Und natürlich sind etliche Fakten drin, die man nicht alle ad hoc weiß oder vielleicht tatsächlich zum ersten Mal liest.

Text & Interview
Oliver Heil

THE Book!

THE Book! (Foto: Verlag)

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