Mainz 05: Spielentwicklung unter Bo Svensson

Wer nach Abpfiff der Partie des 1. FSV Mainz 05 gegen den SC Freiburg in die Gesichter der Mainzer Spieler schaute, konnte ihre Freude über den späten Siegtreffer von Robin Quaison gar nicht übersehen. So, wie vieles an der Entwicklung der nun knapp drei Monate unter dem neuen Chefcoach Bo Svensson nicht zu übersehen ist. Der gute Teamgeist dieser einst abgeschriebenen Truppe. Die kämpferische Einstellung, zu der auch überragende Werte in Sachen Laufleistung gehören. Eine neue Giftigkeit in den Zweikämpfen. Der entschlossene Kampf um die zweiten Bälle, die Bereitschaft, immer füreinander einzustehen.

All das ist deutlich erkennbar und gibt in der Summe die berechtigte Hoffnung, bis zum Schluss um den Klassenerhalt mitzuspielen. Aber inwieweit lassen sich die positiven Eindrücke auch durch Zahlen belegen – und wo zeigen diese vielleicht noch Luft nach oben auf?

Mit Fußballdaten aller Art beschäftigt sich Mats Beckmann und Quirin Sterr, die Gründer von CREATE FOOTBALL. Mit dem Start-up möchten sie das hierzulande noch eher vernachlässigte Thema Datenscouting vorantreiben. Sie erheben die Zahlen nicht selbst, sondern beziehen sie von Anbietern wie InStat oder Wyscout* und interpretieren sie für Beiträge in ihrem Podcast, Blog und bei Instagram. Um einen genaueren Blick auf die Entwicklung der Mainzer Mannschaft zu werfen, habe ich ihnen einen Fragenkatalog zu den Spieldaten der 05er zukommen lassen, die sie daraufhin für mich zusammengetragen haben. Wichtig war mir, nicht nur im Vergleich mit den Spielen unter Jan-Moritz Lichte auf kurzfristige Effekte seit dem Dienstantritt von Bo Svensson zu schauen, sondern auch den Vergleich zu ziehen mit der Zeit unter Achim Beierlorzer.

Etwas überraschend ist zunächst vielleicht die Feststellung, dass die Passgenauigkeit unter Bo Svensson schlechter geworden ist. Lag sie mit Achim Beierlorzer an der Seitenlinie noch bei 78 Prozent und war unter Nachfolger Jan-Moritz Lichte mit 78,5 nahezu identisch, liegt sie derzeit im Schnitt bei 73 Prozent. Besonders schlecht war sie beispielsweise bei der Heimniederlage gegen Wolfsburg mit lediglich 64,3 Prozent. Allerdings zeigen die Vergleiche direkt, dass Statistiken im Fußball nun mal nicht alles sind: Auch bei der Partie gegen Borussia Mönchengladbach lag die Mainzer Passquote mit 67 Prozent niedrig – gewonnen haben die 05er dennoch. Zum Vergleich, die Passquote der Gladbacher lag bei 85,7 Prozent.

In Sachen Pässe spielt eben nicht nur die Genauigkeit eine Rolle, sondern auch, wo und wohin auf dem Feld sie gespielt werden, also was nach dem – bestenfalls gelungenen – Pass geschieht. Der niedrige Wert hat aber auch mit Svenssons Spielansatz zu tun, der gefährliche Pässe durchaus in Kauf nimmt, weil, vereinfacht gesagt, auch davon immer mal einer ankommt; und womöglich der entscheidende. Etwas ruhiger war das Spiel übrigens zuletzt mit Boëtius statt Latza eben gegen den SC Freiburg, was die verbesserte Passquote und der vergleichsweise hohe Ballbesitz belegen.

Auch bei der Interpretation des Spielstils können die Daten Aufschluss geben und hier sticht besonders der Wert der Balleroberungen ins Auge. Der lag unter Beierlorzer bei 81,3 pro Spiel (Lichte 78,5), seit Amtsantritt von Svensson liegt der Durchschnittswert hier bei 93,5 pro 90 Minuten. Zum Vergleich, bei Union Berlin liegt dieser Wert in der bisherigen Saison bei 85,4 und Arminia Bielefeld weist ein Balleroberungsmittel von 79 pro Spiel auf. In den letzten drei Spielen lag Mainz beim Balleroberungswert in den Top Fünf in der Liga, gegen Schalke sogar auf Rang 2.

Mit diesem Werten lässt sich bestätigen, was auch auf dem Feld erkennbar ist: Svensson setzt stark auf das Spiel gegen den Ball. Dafür spricht auch der so genannte PPDA-Wert, bei dem die Anzahl der gegnerischen Pässe erfasst wird, bevor Mainz 05 Druck auf den Ball beziehungsweise Gegenspieler erzeugt. Er liegt in Svenssons Amtszeit bei 11,5 Pässen – unter Beierlorzer lag er bei 14, unter Lichte sogar bei 15,3 Pässen. Die Mainzer Spieler bauen also deutlich früher Druck auf ihre Gegner auf, seit Svensson am Ruder ist.

Lohnenswert ist in Sachen Daten auch der Blick auf die Entwicklung einzelner Spieler. Moussa Niakhaté steht aktuell zwar in einzelnen Werten etwas schlechter da als unter Beierlorzer oder Lichte, bei dem er im Schnitt 2,4 erfolgreiche Tacklings hatte (aktueller Wert: 1,7). Allerdings weist er unter Svensson die deutlich beste Zweikampfquote von 75% auf – unter Beierlorzer lag diese fast 10 Prozent niedriger (66%). Spielmacher Kevin Stöger konnte den Wert der von ihm kreierten Torchancen unter Svensson von 0,4 (Lichte) auf 0,88 mehr als verdoppeln. Seine erfolgreichen Schlüsselpässe liegen nun bei 0,29 (0 unter Lichte).

Spannend ist auch die starke Entwicklung der Leihspieler aus Frankfurt, verglichen mit den Werten beim abgebenden Verein. So kommt Danny da Costa bei Mainz 05 im Vergleich zu den Einsätzen bei der Eintracht auf 28 (22,2) erfolgreiche Aktionen und 0,87 (0,56) kreierte Torchancen pro Spiel. Dominik Kohr glänzt mit 10 (5,8) Balleroberungen sowie 12,5 (6,5) erfolgreichen Zweikämpfen.

Bestätigen lässt sich mit den Zahlen zudem der Eindruck, dass Stefan Bell auf seine alten Tage die Saison seines Lebens spielt – zumindest fast. Lediglich 2017/18 wies Bell seit Beginn dieser Form der Datenaufzeichnung 2013/14 bessere Werte auf als in der laufenden Saison. Gemessen an den Top-5-Ligen sind seine Werte allesamt überdurchschnittlich, besonders auffällig sind die im Schnitt 14,2 Balleroberungen pro Spiel und die 3,7 Klärungsaktionen. (Für letztere weist opta sogar einen noch höheren Wert auf.) Und es gibt noch einen weiteren 05er, der bei dieser Kennzahl auffällig ist: Alexander Hack. Auch die neugewonnene defensive Stabilität des Teams unterstreichen die Zahlen demnach deutlich. Weiteren Nachholbedarf hat Mainz hingegen in der Qualität des Angriffsspiels. Zwar spielt 05 unter Svensson nach vorne aktiver, kann aber zu selten Nutzen daraus ziehen.

Fußball ist ein Puzzle, das sich aus vielen Teilen zusammensetzt, auf dem Feld ebenso wie in der Bewertung. Der Eindruck einer positiven spielerischen Entwicklung der Mainzer unter Svensson lässt sich anhand der Daten zu den Spielern und Partien bestätigen. Das ist gerade dann ein gutes Zeichen, wenn die Punkte mal ausbleiben sollten. Das Ziel, mit dem Team zum einen kurzfristig zu punkten, zum anderen aber eine spielerische Entwicklung zu schaffen, ist eines, dem sich die 05-Mannschaft gemeinsam mit dem Trainerteam Schritt für Schritt nähert.

*Bekannt ist vielen als Quelle für Daten sicher opta, deren Zahlen beispielsweise sky, DAZN oder der kicker nutzen. Vergleicht man die Daten, weichen die absoluten Zahlen bei den drei Anbietern durchaus voneinander ab, die Tendenzen sind aber vergleichbar.
**Quellen für die Fotos: Bo Svensson: 1. FSV Mainz 05 | Achim Beierlorzer, Jan-Moritz Lichte & Michael Falkenmayer: Malino Schust für Wortpiratin rot-weiß | Danny da Costa, Dominik Kohr: 1. FSV Mainz 05

Vergiftete Hoffnung: Eine Katze für Luca

Ein halbes Jahr ist es her, dass Vergiftete Hoffnung im Societäts-Verlag erschienen ist. Es war ein halbes Jahr, in dem ich keine Lesungen halten konnte, in dem das Buch deshalb auch viel weniger sichtbar war, als 2018 der Vorgänger Im Schatten der Arena. Im März veröffentliche ich deshalb vier Ausschnitte aus dem 05-Krimi. Begleitet werden diese von den eingelesenen Kapiteln.

„Mama?“
„Was denn, Cookie?“
„Möchtest du ein Mädchen oder einen Jungen?“
„Ich bin mit dir ganz zufrieden.“
„Orrr. Mama. Ich meine die Katze.“
„Da bin ich mit Obama ganz zufrieden.“
„Mama. Du bist unmöglich.“
Jo betrachtet den zappelnden Luca im Rückspiegel und muss über seine offensichtliche Ungeduld lachen.

„Hör mal, Cookie. Ich habe dir das mit der Katze noch nicht fest versprochen, okay? Es ist also nicht gesagt, dass wir da gleich mit einem neuen Mitbewohner aus dem Tierheim rausgehen.“ „Es ist aber auch nicht gesagt, dass wir es nicht machen.“
Jo grinst.
„Also, willst du ein Mädchen oder einen Jungen, Mama?“ „Ich bin mit meinem Jungshaushalt eigentlich ganz zufrieden. Du, Obama und ich – das klappt ganz gut, was meinst du?“

„Und Hans.“
„…“
„Mama?“
„Hm?“
„Warum hast du ein eigenes Zimmer und ich habe ein eigenes Zimmer und Hans hat kein eigenes Zimmer? Er weiß gar nicht, wo er seine Sachen hintun soll, wenn er bei uns ist.“
„Hat er das gesagt?“
Luca grübelt angestrengt.
„Cookie?“
„Du darfst nicht mit ihm schimpfen.“
„Wieso sollte ich mit Hans schimpfen?“
„Er sagt, du bist sauer, wenn er ein eigenes Zimmer will.“
„Sagt er das, hm.“
Nicken.
„Schau mal, Luca, als wir in die Wohnung gezogen sind, da gab es Hans doch noch gar nicht. Erinnerst du dich?“
„Ja. Da gab es Jonas.“
Jo beißt sich heftig auf die Unterlippe. „Stimmt, da gab es Jonas.“

Die plötzliche Erwähnung ihres besten Freundes versetzt ihr einen Stich. Sie macht eine mentale Notiz, in den kommenden Tagen zu seinem Baum im Friedwald zu fahren.
„Jonas hatte auch kein eigenes Zimmer, Mama.“
„Nein. Er hatte eine eigene Wohnung. Genau wie Hans.“ „Hast du ein Zimmer in Hans’ Wohnung?“
„Nein. Die ist dafür auch viel zu klein.“
„Und unsere ist zu klein für ein Hans-Zimmer.“
„Stimmt.“
Luca zwirbelt mit den Haaren in seinen Locken.
„Mama.“
„Was denn, Cookie?“
„Hättest du gerne eine andere Wohnung?“
„Wie meinst du das?“
„Eine für uns alle. Mit Hans?“
„Hättest du das denn gerne?“

Jo fährt auf den Stellplatz neben dem Tierheim und dreht sich zu ihrem Sohn um. Luca betrachtet angestrengt seine Nägel, von denen die dunkelgrüne Farbe schon fast vollständig abgeblättert ist. Sie macht eine weitere gedankliche Notiz, schwarzen Lack zu besorgen. Den hat er sich als nächstes gewünscht und sie weiß, der Zwerg wird sie an die alte Farbe nicht ranlassen, ohne, dass sie neue besorgt hat, die sie ihm anschließend aufträgt.

„Ich mag Hans echt gerne, Mama.“
Sie drückt ihrem Sohn die feuchte Hand. „Ich auch.“
„Aber ist es okay, wenn ich keine andere Wohnung will? Auch, wenn Hans dann traurig ist?“
Jo quetscht sich so gut es geht zwischen den Sitzlehnen hindurch, um Luca zu umarmen. „Natürlich ist das okay, Cookie.“
Er schnieft.
„Und Hans ist auch gar nicht traurig.“
„Doch.“
„Nein. Mach dir keine Sorgen.“
„Aber er hat es mir gesagt.“
Jos Herz setzt einen Schlag aus. Sie nimmt das Gesicht ihres Sohnes in beide Hände. „Was hat er gesagt?“
„Dass er traurig ist, weil er nicht bei uns wohnen darf.“
Zähneknirschen.
„Als du weg warst.“
„Cookie. Das war nicht in Ordnung von Hans.“
„Du darfst nicht mit ihm schimpfen.“
Etwas in Jos Brust explodiert.
„Werde ich nicht, versprochen. Aber du darfst nicht mehr traurig sein, okay? Das ist ein Erwachsenenthema. Und Hans hätte nicht mit dir darüber sprechen dürfen. Ich rede mit ihm.“

„Mama, bist du sauer?“
„Auf keinen Fall.“
So viele Lügen. Und so viel Wut. Als Jo mit Luca an der Hand auf das Tor der Tierhelfer zustapft, ist ihr ein bisschen schwindelig. Sie könnte Hans umbringen für das, was er getan hat. Wie kann er es wagen, ihren Sohn in diese Diskussion hineinzuziehen? Das ist astreine Erpressung. Sie muss unbedingt mit ihm reden.
Als Jo die gusseiserne Klingel drückt, brummt ihr Handy. Sie zieht es ein Stück aus der Jackentasche, um aufs Display zu schauen. Es ist eine Nachricht von Adam. „Du fehlst.“
Mist.
Mist.
Mist.

Vergiftete Hoffnung, Kapitel 6

aus: Vergiftete Hoffnung, Mainz 05-Krimi | Kapitel 6

Das Buch kann über jede Buchhandlung bezogen werden. Online ist es u.a. erhältlich im Shop der Autorenwelt.

Vergiftete Hoffnung: Finn lässt nicht locker

Ein halbes Jahr ist es her, dass Vergiftete Hoffnung im Societäts-Verlag erschienen ist. Es war ein halbes Jahr, in dem ich keine Lesungen halten konnte, in dem das Buch deshalb auch viel weniger sichtbar war, als 2018 der Vorgänger Im Schatten der Arena. Im März veröffentliche ich deshalb vier Ausschnitte aus dem 05-Krimi. Begleitet werden diese von den eingelesenen Kapiteln.

Der Kaffee schmeckt nach Zuhause. Jo nippt vorsichtig, genießt dabei die Wärme in ihren Händen und den Geruch, der dampfend aus der Tasse aufsteigt. Die ersten beiden Seiten der Zeitung sind durch den Regen völlig verklebt. Sie schüttelt den Sport aus dem hinteren Teil und streicht die Seiten glatt, als er in ihren Schoß fällt. In diesem Moment klingelt ihr Handy auf dem Nachttisch.

„Was zur Hölle?“ Jo betrachtet ungläubig die Nummer. Es ist Finn. „Du traust dich ja was“, murmelt sie hinter zusammengebissenen Zähnen und lässt das Handy weiter klingeln.

Auf den Sportseiten überfliegt Jo die Berichte zu den anstehenden WM-Qualifikationsspielen gegen Nordirland und Aserbaidschan. Sie kann es nicht konkret begründen, aber die Nationalmannschaft interessiert sie aktuell kein bisschen. Schade, dass deren Spiele der Bundesliga gerade eine Pause verordnen, sie wäre gern mit Luca ins Stadion gegangen am Wochenende. So müssen sie sich eine Woche gedulden, dann steht ein Heimspiel gegen den Hamburger SV an. Wenigstens mal wieder eine ausverkaufte Partie. Sie seufzt und erschrickt, als im nächsten Moment ihr Handy piepst. Finn hat ihr eine Nachricht auf die Mobilbox gesprochen.

„Hey Jo.“ Pause „Darf ich dich überhaupt so nennen?“ Nervöses Lachen. „Es. Ich würde wirklich gerne mit dir sprechen.“ Sie kann ihn atmen hören, es klingt schwerfällig. „Schau, ich weiß, dass du auf mich nicht gut zu sprechen bist. Aber es geht nicht um mich. Jemand, der sie verdient hat, braucht deine Hilfe. Bitte melde dich doch mal bei mir. Du bist der einzige Mensch, der mir einfällt.“

Wütend schnaubt sie durch die Nase. Vor einem Jahr war Jonas der einzige Mensch, der ihm eingefallen ist. Und was hat das ihrem besten Freund gebracht? Den Tod. Was bildet sich dieser kleine, überbewertete Kicker eigentlich ein, sie mit seinem Schwachsinn zu belästigen? Das Handy piepst erneut. Eine SMS.

„Hast du die Nachricht abgehört?“
„Fick dich, Finn. Lass mich in Ruhe“, tippt Jo wütend.
„Okay, fair.“
„Was weißt du denn über Fairness?“
Finn Arscholch schreibt.
Online.
Online.
Finn Arscholch schreibt.
Online.
„Gib mir fünf Minuten.“
„Wieso sollte ich?“
Finn Arscholch schreibt.
Online.
Finn Arscholch schreibt.

Jo muss lachen. Nicht, weil sie Finn statt des Nachnamens in ihrem virtuellen Telefonbuch ein „Arschloch“ verpasst hat, sondern, weil sie beim Abspeichern seiner Nummer offenbar so neben sich stand, dass sie das Wort falsch geschrieben hat. Dann ploppt ein Foto im Chat auf: ein schwarzer Jugendlicher mit neugierigen Augen, im roten Trikot der aktuellen Saison des 1. FSV Mainz 05.

„Sagt er dir was?“
„Nein. Sollte er?“
„Das ist Ugonna Okorie.“
„Okaaay.“
„Er ist in Schwierigkeiten.“
„Und warum ist das mein Problem?“
Finn Arscholch schreibt.
Online.
Finn Arscholch schreibt.

Am Küchentisch schlägt Luca laut und vernehmlich sein Messer auf den Rand seines Tellers. „Maaaamaaa. Es gibt Früüüühstück.“ Jo lässt das Handy ohne einen weiteren Blick aufs Bett sinken und verlässt das Schlafzimmer. Sie hat keine Lust, sich mit Finn und dem, was ihn beschäftigt, auseinan- derzusetzen. Wie dumm von ihr, dass sie seine Nummer nicht schon vor Monaten gesperrt hat, dann könnte er sie jetzt ein- fach nicht erreichen. Sie beschließt, das nach dem Essen nach- zuholen, um die Verbindung zwischen sich und dem Spieler zu kappen. Denn Finn kann sie mal kreuzweise. Und Ugonna, dings, unbekannterweise auch.

Vergiftete Hoffnung, Kapitel 4

aus: Vergiftete Hoffnung, Mainz 05-Krimi | Kapitel 4

Das Buch kann über jede Buchhandlung bezogen werden. Online ist es u.a. erhältlich im Shop der Autorenwelt.

Feministisches Couchgespräch in der Landesschau

Am Weltfrauentag 2021, dem feministischen Kampftag am 8. März, war ich in der Landesschau Rheinland-Pfalz eingeladen. Im „Couchgespräch“ mit Holger Wienpahl ging es unter anderem um meinen 05-Krimi „Vergiftete Hoffnung“ und meine Arbeit als Sportjournalistin, aber auch um mein Verständnis von Feminismus und wieso der für mich einen festen Platz im Fußball hat.

Die Kolleg*innen arbeiten dort nun schon seit vielen Monaten unter Corona-Bedingungen mit ungewohnten Abläufen und machen das wirklich famos. Special Shoutout an Annette Dany, die vom Vorgespräch über den Einspieler und die Betreuung vor Ort ganz wunderbar war.

Und natürlich herzlichen Dank für die Einladung!

1. FSV Mainz 05 Fußballfibel: Liebe ist ein Tuwort

Dieses Buch führt zu den Wurzeln des 1. FSV Mainz 05. Es erzählt Geschichten über Orte, die mit dem Verein bereist wurden, über Personen, die ihn geprägt haben und über Spiele, die die Fans nicht vergessen. Es sind Geschichten von Freude und Trauer, von Liebe und Freundschaft – und der tiefen Verbundenheit der Menschen mit einer Stadt, die ohne ihren FSV nicht komplett wäre.

Als wir dem Verlag im September 2019 die Zusage gaben, die Fußballfibel zum FSV Mainz 05 zu machen, saß Sandro Schwarz auf der Trainerbank, die Mannschaft hatte gerade zuhause Hertha BSC geschlagen und nach einem grauenhaften Start in die Saison schien es, als wäre das Schlimmste bald geschafft. Einige Probleme, mit denen der Verein zum Zeitpunkt der Abgabe im November 2020 kämpft, hatten sich da schon angedeutet, mit der Trainer-Entlassung wenig später waren sie brutal offensichtlich geworden. Bis dahin hatten wir uns die Zuversicht erhalten, es würde sich schon alles finden. So, wie es das bei Mainz 05 immer getan hat.

Die Neuerscheinungen der Fußballfibel zum Jahresbeginn. (Foto: CULTURCON)

Und mit „immer“ meinen wir natürlich: in den letzten 20 Jahren, in denen die unglaubliche Erfolgsgeschichte dieses Vereins geschrieben wurde. Denn auch wenn in der Saison 2020/21 die Stimmen lauter werden, die beklagen: „So schlimm stand es noch nie um Nullfünf!“, hat es schlechte und sehr schlechte Phasen, sportliches Gewürge und sich abwendende Fans immer wieder gegeben. Statt aber die letzten 20 Jahre als das Privileg zu begreifen, das sie sind – und Kraft daraus zu ziehen für den Weg durch dieses Tal – zerlegten sich die Beteiligten im und um den Verein in der jüngeren Vergangenheit in loser Reihenfolge selbst.

Wie soll man denn da eine Liebeserklärung schreiben? Ist eine Abrechnung nicht die bessere Alternative? Ein frustgeschwängertes Pamphlet, nach dem früher doch alles besser war? Wenn früher bedeutet vor Corona, war eines in Sachen Fußball tatsächlich besser, nämlich, dass wir ihn gemeinsam im Stadion erleben konnten. Die Krise schmerzt auch deshalb besonders, weil wir uns hilflos fühlen, nicht näher heranrücken können, zum Zusehen verdammt sind. Wir vermissen unseren Block, vermissen jene Menschen, mit denen wir die Spiele gemeinsam sehen, nach Abpfiff mit einem Bier in der Hand besprechen, mit denen wir Frust und Begeisterung teilen. Die Corona-Pandemie hat uns gezwungen, die Begegnung zu verlegen – statt in der Kurve haben wir uns auf Papier getroffen und diese Fibel geschrieben.

Herausgeber Oliver Heil und Herausgeberin Mara Pfeiffer (Foto: privat)

Viele haben wir dafür angesprochen, einige konnten in der aktuellen Situation ihre Muse nicht finden. Die meisten aber hatten Lust, sich auch und gerade jetzt mit dem Verein zu beschäftigen. Dem nachzuspüren, was sie einst zu Mainz 05 und ins Stadion gebracht hat, nachzudenken, wo Brüche waren, Menschen einen Text für die Fibel zu widmen, ohne die der Verein nicht da wäre, wo er ist – zwölf Spielzeiten hintereinander in der Ersten Liga, als einer von 18 Clubs im Oberhaus.

Wir haben Anhänger*innen aus dem Block gefragt und solche, mit denen wir vor Jahren das Fanzine DIE TORToUR geschrieben haben, wir haben Journalist*innen um Beiträge gebeten, die den FSV schon lange begleiten, haben Verantwortliche aus seinem direkten Umfeld angeschrieben und Menschen, die wir persönlich mit dem Verein verbinden. Dabei sind ganz unterschiedliche Beiträge herausgekommen, die uns in die Vergangenheit des Clubs führen, an Orte, die wir mit ihm bereist haben, zu Personen, die ihn geprägt und Spielen, die wir nicht vergessen haben. Als roter Faden schimmert durch die Texte eine unerschütterliche Zuneigung zum Verein.

Als wir im Corona-Frühling 2020 mit der Arbeit an der Fibel anfingen, waren wir uns nicht sicher, wie es mit Mainz 05 weitergehen würde in dieser herausfordernden Zeit. Die Frage können wir selbst jetzt, da das Buch erschienen ist, nicht beantworten. So viel aber ist gewiss: Wir werden den FSV weiter auf seinem Weg begleiten, wohin auch immer er führen mag. Weil wir gar nicht anders können. Liebe ist ein Tuwort.

Die Fibel ist erschienen bei Culturcon medien im Buchhandel sowie online erhältlich.