Podcastliebe: Fußball aus dem Hinterhof

Der geneigte 05-Fan auf Twitter rubbelte sich in den letzten Wochen verwundert die Augen: Da ploppte plötzlich ein neuer Account auf, folgte allen aus dem Umfeld des Vereins, quatschte Fans und Journalisten von der Seite an und tickerte die Auswärtsspiele. Der Name des Neulings, „Die Hinterhofsänger“, gab ebenfalls Rätsel auf. Wer sind die Menschen zu diesem Account? Und was haben sie vor? Ein Gespräch über Fußball, Kultur und was das alles miteinander zu tun hat.

AccountHallo ihr drei! Auf Twitter nennt ihr euch Buddi, Berts und Boos. Verratet ihr, wer sich hinter diesen Spitznamen versteckt? Und was ist ihre Bedeutung?
Felicitas: Grundlegend stammen die Spitznamen von unseren Nachnamen, wobei nur meiner nicht verniedlicht wurde. Also: Bene Engel-berts, Jan Budde und Felicitas Boos.

Wie ist euer Bezug zu Mainz und dem Verein? Und woher kennt ihr euch untereinander?
Bene: Felicitas und ich sind gebürtig aus Rheinland-Pfalz, Jan hingegen kommt aus Wuppertal. Wie der hierhin gekommen ist, fragen wir uns eh immer wieder. Wir haben uns im R-Block beim Streiten kennengelernt, damals noch über die Leistung von Júnior Díaz. Seitdem standen wir jedes Mal zusammen und haben uns schließlich angefreundet. Jan und Felicitas studieren beide in Mainz und sind deswegen auch hierhin gezogen.

Logo? Logo! (Design: Jan Budde)

Logo? Logo! (Design: Jan Budde)

Jan, Felicitas, ihr studiert beide Buchwissenschaften. Wie lang müsst ihr denn noch? Wie seht ihr die Verbindung zwischen Kultur und Fußball? Und was macht Bene eigentlich?
Felicitas: Wir müssen beide noch unsere Masterarbeit schreiben.
Jan: Kultur wird von vielen immer mit Bildung gleichgesetzt, aber das sehen wir drei nicht so. Kultur hat was mit der Lebensart jedes einzelnen zu tun. Auch Fußball ist für uns Kultur – unabhängig von Status und Herkunft. Felicitas und ich stammen ja aus der Buch- respektive Kulturbranche. Da lernt man zwangsläufig, mit bescheidenen Mitteln das Maximum aus seinen Möglichkeiten zu machen. Mainz 05 geht es nicht anders und den FSV macht diese Tatsache auch so interessant. Bene hat ja schon erwähnt, dass ich aus Wuppertal stamme. In Nordrhein-Westfalen gibt es im Gegensatz zu Rheinland-Pfalz riesige freie Szenen. Mainz ist diesbezüglich leider kulturelles Ödland. Das hat viel mit kreativem Freiraum in der Stadt, mit Mieten und einigem mehr zu tun. So blieb uns eigentlich nur dieser Online-Kanal, bei dem keine Kosten entstehen, um kulturell aktiv zu werden. Und da ist Bene als Informatiker unser Hausherr.
Bene: Gut, dass du nicht Hausmeister gesagt hast (lacht). Ich arbeite bei einem Anbieter für geförderte Weiterbildung in Wiesbaden. Wie Jan gerade schon gesagt hat, ist Fußball für uns Kultur – und so wie wir uns kennengelernt haben, steht er eben auch für Streitkultur.

Wie seid ihr auf den Namen „Die Hinterhofsänger“ gekommen? Der Untertitel „Wenn Klatschpappen reden könnten“ erscheint ja schon fast selbsterklärend …
Felicitas: Die Hinterhofsänger sind ja eigentlich nicht nur wir drei, sondern ein Freundeskreis aus dem R-Block. Wir haben wahnsinnig viel Spaß, machen allerlei Spökes und unterhalten immer alle in unserer näheren Umgebung. Der Name ist ganz klar an die Mainzer Hofsänger angelehnt und wir 90er-Kids haben Fußball noch in Hinterhöfen und nicht nur an der Konsole gespielt. Außerdem: Hinterhof ist genau das Gegenteil von höfisch vornehm. Du siehst, hier findet sich auch wieder unser Verständnis von Fußball als Kultur wieder.

Klatschpappen können zwar nicht reden, treffen aber manchmal trotzdem eine Aussage. (Foto: WP)

Klatschpappen können zwar nicht reden, treffen aber manchmal trotzdem eine Aussage. (Foto: WP)

Im Vorfeld der ersten Sendung habt ihr bereits fleißig euren Twitter-Account befüllt, Spiele getickert oder nachverfolgt, was ehemalige 05er in ihren Vereinen so treiben. Was ist euer Ansatz? Wie oft wollt ihr produzieren? Und trefft ihr euch dafür, oder nehmt ihr online auf?
Jan: Wir degustieren die Heimspiele.
Bene: Exakt. Generell ist alles, was um Mainz 05 herum passiert, für uns interessant, aber auch, was die Stadt angeht. Dadurch, dass wir uns die Heimspiele vorknöpfen, wird es wohl mehr oder weniger ein Zwei-Wochen-Rhythmus. Wir treffen uns in der Innenstadt und bereiten die Spiele nach. Wie die Profis brauchen wir halt einen Tag Regenerationspause und müssen noch verarbeiten, was wir erlebt haben. Der Folgetag ist dann kommunikatives Ausradeln, das heißt spielen wir samstags, erscheinen wir montags.

In eurer Twitter-Bio schreibt ihr: „Der Hinterhofsänger-Talk, die Super Slow-Mo unglücklicher Zusammenpralle unter den Talks, ab Oktober online“. Was genau habt ihr inhaltlich vor? Und ist euer Ansatz eher Zahlen & Statistik oder Spaß & Emotion – oder beides?
Jan: Sowohl als auch und noch viel mehr. Wir greifen auf unseren Erfahrungsschatz zurück. So wird es unter anderem auch eigene Hörspiel-Sequenzen geben. Zahlen und Statistiken verwenden wir nur dann, wenn es auch Sinn ergibt. Dass wird halt ein lustiger Haufen sind, wird sich wohl kaum verschweigen lassen. Wir wollen das Heimspiel besprechen. Das beinhaltet Kritik, Emotion und reicht von der eigenen Haustür über die Stadionwurst bis hin zum Pressespiegel.

Wird es auch Gäste in der Sendung geben?
Bene: Ja …
Felicitas: Nein, es wird noch nichts verraten.

Kultur braucht Raum. Der kann auch virtuell sein. (Foto: WP)

Kultur braucht Raum. Der kann auch virtuell sein. (Foto: WP)

Welche Podcasts hört ihr selbst? Gibt es klassische Vorbilder? Und wo ordnet ihr euch in der Szene ein?
Felicitas: Klassische Vorbilder gibt es in dem Sinne nicht. Unser Ziel ist es, unterhaltsam zu sein, ohne langatmig zu werden. Ich finde das furchtbar, wenn man Menschen 60 Minuten lang nur beim Denken zuhört, obwohl ich persönlich gerne „Fest und Flauschig“ höre. Aber ich meine, dass ein Talkformat unheimlich davon profitiert, wenn es aus drei Personen besteht. Wir wollen kompakt, kommunikativ und unterhaltsam sein, und da Jan und ich unter anderem für RPR1 gearbeitet haben, wollen wir uns mehr am Radio als am typischen Podcast orientieren.

Wie informiert ihr euch über den Verein? Gibt’s schon eine Rückmeldung zu eurem Tun?
Bene: Wir informieren uns vielfältig: in der Tageszeitung, beim Online-Lesen, beim Radio-Hören oder wie letztens, als wir unseren neuen Marketing-Chef in der Innenstadt gesehen haben. Aber klar, auch in Gesprächen mit Fans und Freunden.
Jan: Die Rückmeldungen sind bisher tatsächlich durchweg positiv und wir stoßen auf großes Interesse. Das freut uns natürlich mega, aber erhöht auch den Druck für die Premiere. Uns hat vor kurzem eine Expertin und Kolumnistin irgendwelche Fragen per Twitter zugeschickt …
Felicitas: Kennst du die … Moment, hier steht’s irgendwo: Wortpiratin?
Bene: Mir kein Begriff.
Jan: Egal.

Haha. Jetzt verstehe ich das auch mit dem lustigen Hauf… Äh. Apropos Rückmeldungen: Wie erreicht man euch und können die Hörer Fragen stellen, die ihr in der Sendung aufgreift?
Felicitas: Klar, schreibt uns, merkt was an oder wenn ihr eine Idee habt, meldet euch unter horschemol@hinterhofsaenger.de
Jan: Kritik landet im Spamordner.
Bene: Neben Twitter und Soundcloud geht hoffentlich ab dem 8. Oktober dann auch unsere Internetseite online.
Jan: Hört einfach ab Montag rein.

Vielen Dank für das Gespräch und ganz viel Erfolg mit dem Auftakt!

Der Fall Özil: Blaupause für den Zustand des Landes

Die Fußball-Europameisterschaft 2024 wird in Deutschland ausgetragen und so richtig weiß der geneigte Fan aktuell nicht, was er davon halten soll. Zwar bemühten sich die Verantwortlichen im Vorfeld redlich, zu betonen, wie sehr der Fußball uns alle vereine. Doch der WM-Sommer 2018 mit unter anderem der Debatte um und dem Rücktritt von Mesut Özil wirkt bei vielen nach. Den DFB mag das nicht kümmern, weil Vereinsfans und die Fans der Nationalmannschaft nicht zwangsläufig dieselben Menschen sind und es unter den hardgesottenen N11-Anhängern durchaus einige gibt, die froh sind, dass Özil weg ist. Doch über den Zustand des Landes sagt das, was im Spätsommer passiert ist, einiges aus und so manchem Fußballfan grüßte beim Bewerbungsvideo für die EM der Kaffee rückwärts im Halse.

Nur wenige Wochen nach der Weltmeisterschaft in Russland legte Dietrich Schulze-Marmeling im VERLAG DIE WERKSTATT ein Buch zum Scheitern der deutschen Nationalmannschaft und den Geschehnissen um Mesut Özil vor, Titel: „Der Fall Özil. Über ein Foto, Rassismus und das deutsche WM-Aus“. Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, das Thema bewegt die Menschen in diesem Land weiter. In dem Buch während einer Bahnfahrt, im Café oder sonstwie öffentlich zu lesen, löste in aller Regel sehr emotionale Reaktionen aus. Die meisten richteten sich klar gegen den Spieler von Arsenal London, der am 22. Juli 2018 erklärt hat, seinen Dienst im Trikot der deutschen Nationalelf zu quittieren, so lange er weiter das Gefühl haben muss, dort schlagen ihm Rassismus und Respektlosigkeit entgegen. Erstaunlich viele Fans fühlen sich von Özils Haltung angegriffen und vergessen dabei zweierlei: Die Angriffe, die der in Gelsenkirchen geborene Spieler seitens türkischer Fans aushalten musste, als er sich für den DFB entschied. Und die Tatsache, dass Özil selbst sich angegriffen fühlte durch die Behandlung, die er seitens Fans und Verbandes erfahren hat. Eine Kränkung, die natürlich sein weiteres Handeln mitprägte.

Schulze-Marmeling hat ein Buch mit klarer Haltung geschrieben und das tut dem Thema nicht nur gut, es ist dafür sogar notwendig. Seine Abhandlung bleibt dabei auch deshalb unabhängig von der eigenen Meinung sehr gut lesbar, weil der Autor klar differenziert, sprich, im Detail unterschiedlich wertet, indem er beispielsweise den Fototermin des Spielmachers mit Recep Tayyip Erdoğan klar kritisiert, gleichzeitg aber nicht durchgehen lässt, welch unverhohlener Rassismus Özil dafür teils entgegenschlug. Wie bigott die Haltung vieler Kritiker ist, macht er unter anderem daran fest, dass der in Wetzlar geborene Cenk Tosun, der ebenfalls bei dem Termin war, sich – anders als Özil und İlkay Gündoğan – keinerlei Kritik für das Foto gefallen lassen musste. Mutmaßlich, weil er für die türkische Nationalmannschaft spielt und deswegen die deutschen Fans bei ihm keinen „Verrat“ witterten – oder er sie ohnehin nicht interessiert.

Der Fall Oezil

Schulze-Marmeling und der Verlag mussten sich bei der Veröffentlichung des Buches von einigen Seiten die Kritk gefallen lassen, wie es möglich sei, so schnell nach der Weltmeisterschaft eine Veröffentlichung zu dem Thema vorzulegen. Die Frage ist einfach beantwortet, einmal ist der Autor kein Neuling der Materie, sondern beschäftig sich bereits länger mit einzelnen Aspekten des neuen Buches. Zum anderen behandelt er nicht nur die so genannte Causa Özil, sondern spürt der besonderen Rolle jener Spieler für die Nationalmannschaft nach, deren Familien einst aus der Türkei kamen, die aber selbst in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Dabei benennt und kritisiert er sehr deutlich, das, was in Deutschland als Hass oder Ablehnung gegenüber Ausländern gelte, habe in Wahrheit immer die Türken gemeint, als die erste größere Bevölkerungsgruppe, die neben einer fremden Kultur auch einen anderen Glauben pflegte. Sehr deutlich beschreibt er, wie vorschnell viele von uns über eine Situation urteilen, die uns doch gänzlich unbekannt ist: Als Kind zweier Welten, Kulturen und Länder aufzuwachsen, mit dem unbedingten Wunsch, beiden gerecht zu werden und im Wissen darum, mit jeder Entscheidung eine der beiden Seiten zu verprellen. All das nutzt der Autor jedoch nicht, um Verhaltensweisen zu entschuldigen, sondern vielmehr, um Versäumnnisse bei der Integration zu illustrieren, die wir uns letztlich alle zuzuschreiben haben.

„Der Fall Özil“ ist ein wichtiges, unaufgeregtes, ein sehr klares und schlüssiges Buch geworden. Abgerundet wird es nicht nur durch viele Zitate von unter anderem Journalisten während des Turniers in Russland, sondern auch durch Beiträge von Sportwissenschaftler Diethelm Blecking, Migrationsforscher Robert Claus und İlker Gündoğan, dem Bruder von Ilkay Gündoğan, der als Doktorand an der Ruhr-Universität Bochum aktuell den Forschungsschwerpunkt politische und wirtschaftliche Entwicklungen im chinesischen Fußball betreibt. Insgesamt ein absolut wichtiger Debattenbeitrag, dem viele Leser zu wünschen sind.

|| Disclaimer: Der Autor zitiert im Buch an zwei Stellen aus meinen Kolumnen in der Allgemeinen Zeitung rund um die WM 2018, weshalb der Verlag mir ein kostenloses Exemplar zur Verfügung gestellt hat. Diese Tatsache hat meine Besprechung in keinster Weise beeinflusst. ||

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne: 05-Verliebung

Acht Jahre kommt der Zauberneffe jetzt schon mit zum Fußball. Mit der Partie gegen Schalke 04 steht am Samstag nach den Kurztrips zu Darmstadt 98 in deren Erstligajahren nun die erste große Auswärtsfahrt an. Vom Beginn einer großen Liebe.

„Fünf!“, sagt meine Schwester. Fünf Jahre soll Jakob alt sein, beim ersten Stadionbesuch. Doch die Sache hat einen gewaltigen Haken, denn dann wird er den Bruchweg nicht mehr erleben, nie erzählen können, wie er an der altheiligen Heimspielstätte seine ersten Spiele gesehen hat. Also gibt sich die Mama geschlagen, das erste Spiel wird der Saisonauftakt 2010/11 gegen Stuttgart, der Bub ist vier Jahre und zwei Monate alt.

Da plötzlich, Nervosität: Was, wenn es ihm nicht gefällt, es ihm zu voll ist, zu laut? Wenn er, kaum angekommen, verkündet, er wolle wieder heim? Wenn das Stadion ihn nicht beeindruckt, wenn all das, was mich dort begeistert, nicht auf ihn überspringt? Was, wenn Fußball im Allgemeinen, wenn Mainz 05 im Speziellen, ihn einfach doch nicht interessiert?

Liebe auf den ersten Blick. (Foto: WP)

Liebe auf den ersten Blick. (Foto: WP)

Am Vorabend des Spiels: eine Familienfeier; natürlich in Hessen. Jakob, der allen Gästen mit Aufregung in der Stimme erzählt: „Morgen gehen wir zum Fußball! Ins Stadion in Mainz!“ Erstaunen in den Gesichtern des Freundeskreises. „Zu welcher Mannschaft?“ „Mainz Fünf!“, verkündet Jakob, Gelächter, er korrigiert sich: „Mainz Null Fünf. Da spielen wir.“

Das ist nach wie vor nicht aus ihm herauszubekommen, da sind alle Erklärungen nutzlos und auch eine Stippvisite im leeren Stadion, erste heimliche Schritte auf dem Rasen, haben nicht geholfen. „Sie spielen Fußball?“, fragt ein Gast interessiert. „Nein, wir schauen nur zu.“ „Und die Mara schießt nie ein Tor“, ergänzt Jakob, mit leichtem Vorwurf in der Stimme.

Am nächsten Tag aber ist es endlich soweit, der Zwerg steckt in seinem Trikot und verkündet: „Ich hatte mich schon gefragt, wann du mich endlich mal mitnimmst ins Stadion.“ Die letzten Schritte zum Bruchweg gehen nur Huckepack, es ist heiß. „Willst du das Trikot lieber ausziehen?“ – Kopfschütteln, energisch. Vorm Stadion, allgemeine Begrüßung, Jakob macht große Augen: So viele Leute!

Das erste Heimspiel in der neuen Arena. (Foto: Sebastian Gölz)

Das erste Heimspiel in der neuen Arena. (Foto: Sebastian Gölz)

Ist das Einbildung, oder wirkt er ein wenig ehrfürchtig, als er das Stadion betritt? Im Block sitzt er auf dem vordersten Geländer. Aufmerksam blickt er auf den Rasen, dabei zählt er leise und verkündet schließlich strahlend: „Wir haben schon fünf Tore geschossen!“ Tatsächlich hat das Spiel noch nicht angefangen, der Torwart wird bloß warmgesmacht.

In die anderthalb Stunden bis Spielbeginn passen viele Fragen, über die Trikotfarben der Teams, warum manche Fans sitzen und andere stehen, wieso es zwei Tore gibt. Während Klaus Hafner die Aufstellung verkündet, schweigt Jakob andächtig; als die Spieler schließlich nach und nach aus dem Tunnel auf den Rasen perlen, juchzt er vor Freude: „Es geht los!“

Und dann lässt er sich tatsächlich mitreißen vom Spiel, drückt sich die Nase am Absperrgitter platt und ist beim Strafstoß gegen Wetklo nicht zu halten: „Der darf nicht ins Tor, sonst verlieren wir!“, fleht er – und hüpft und schreit vor Begeisterung, als Wetti hält. Als das 1:0 fällt, tanzt Jakob auf dem Geländer, lacht und jubelt: „Wir haben gewonnen!“ Ein paar Details also sind noch zu klären, aber der Einstand ist wundervoll und schreit nach mehr…

Und als ich den Zwerg später durch die Wohnsiedlung nahe des Bruchwegs zum Auto trage, flüstert er müde: „Hier würde ich gerne wohnen!“ „Warum?“ „Weil das ganz nah bei dir ist, und wir dann immer zum Fußball gehen könnten.“ Herz, was willst du mehr?

05-Gegnerbetrachtung: (K)Ein Aufbaugegner für Schalke

Die Gegnerbetrachtung ist zurück. Vor jedem Auswärtsspiel des 1. FSV Mainz 05 spreche ich mit PodcasterInnen, JournalistInnen oder BloggerInnen aus dem Umfeld des gastgebenden Vereins. Diesmal beantwortet Nele Hüpper meine Fragen zum FC Schalke 04.

1
Liebe Nele, herzlichen Dank, dass du dir die Zeit für die Gegnerbetrachtung nimmst. Du studierst in Marburg und arbeitest nebenher bereits als Sportjournalistin, unter anderem für das Magazin Philipp und die Webseite des DFB. Wann war dir klar, dass du diesen Weg gehen möchtest?

Nele HuepperSehr gerne doch! Über Bekannte habe ich die beiden Gründerinnen des Philipp-Magazins kennengelernt. Zu dem Zeitpunkt habe ich Germanistik auf Lehramt studiert, da lag es nahe, mich an dem Projekt zu beteiligen. Ich mochte Wörter, Katha und Leo mochten, wie ich schrieb – und so wurde ich Teil einer wunderbaren studentischen Redaktion. Über die Monate entwickelte sich ein unfassbar tolles Projekt, noch viel wichtiger war aber der Umstand, dass ich mich mit beiden sehr gut anfreundete, mit Katha zog ich schließlich auch zusammen. In meinem dritten Semester bekam ich mehr und mehr Probleme mit meinem Lehramtsstudium und haderte damit, mein Leben komplett im Bildungsbetrieb zu verbringen. Angetrieben durch das Philipp-Magazin schrieb ich inzwischen auch für Handball-World, ein Handball-Online-Magazin. Katha, die schon immer den Wunsch hegte, Journalistin zu werden, weckte irgendwas in mir, wenn sie von ihren Praktika erzählte. Also entschied ich mich, mein Lehramtsstudium hinter mir zu lassen und in Marburg Kulturwissenschaft zu studieren. Vergleichende Kultur- und Religionswissenschaft, um genau zu sein. Durch Glück, Zufall, Karma oder was auch immer bekam ich ein Jahr, nachdem ich mein Lehramtsstudium geschmissen hatte, ein erstes journalistisches Praktikum beim Radiosender NDR 1 Niedersachsen. Während der Olympischen Spiele 2016 habe ich den gesamten August im Landesfunkhaus in Hannover verbracht, und wenn ich nicht zu diesem Zeitpunkt schon verrückt genug nach „irgendwas mit Sportmedien“ gewesen wäre, spätestens nach diesem Praktikum war es um mich geschehen.

Arena auf Schalke: keine Waffen, keine Nazis. (Foto: Rheinhessen on Tour)

Arena auf Schalke: keine Waffen, keine Nazis. (Foto: Rheinhessen on Tour)

2
Frauen gelten im Sportjournalismus immer noch als Exotinnen, obwohl sich da in den letzten Jahren für mein Empfinden einiges getan hat. Du hast zur WM 2018 an einem Workshop der taz teilgenommen, der sich speziell an Frauen im Sportjournalismus richtete. Was hast du in dieser Zeit für dich mitnehmen können?

Das ist interessant, dass sich deiner Ansicht nach in dem Punkt etwas getan hat. Die „nackten Zahlen“ sagen etwas anderes: Beim Verband Deutscher Sportjournalisten sind laut JournalistInnenbund 10 Prozent der Mitglieder weiblich. Ein Wert, der sich von 2004 bis 2018 nicht verändert hat. Männer schreiben nun mal über Männer. Und Fußball. Was ich beim Workshop der taz gelernt habe (und was sich wahrscheinlich mit deiner Einschätzung deckt): Es geht vor allem um Sichtbarkeit und darum, sich gegenseitig zu unterstützen. Egal, ob als Frauen oder Männer. Ich habe das Gefühl, dass Sportjournalistinnen mehr in die Öffentlichkeit gehen, einfach sichtbarer werden und sich dadurch die Wahrnehmung verändert. Außerdem habe ich neben diesen Erkenntnissen neun andere, großartige Journalistinnen an verschiedenen Punkten ihrer Laufbahnen kennenlernen dürfen. Allein dafür hat der Workshop sich gelohnt. Über unsere Erfahrungen und Biographien zu reden war fast noch ein bisschen interessanter, als das Schreiben der Sonderbeilage. Natürlich war es auch schön, mal wieder ein Printprodukt zu produzieren.

3
In Sachen Verband stellt sich natürlich die Frage, ob alle Frauen, die über Sport schreiben, auch Mitglieder werden. Aber gehen wir einen Schritt weiter: Wie würdest du deine Erfahrungen im Job bislang beschreiben? Empfindest du den Sportjournalismus tatsächlich als Männerdomäne? Wie gehen KollegInnen mit dir um, wie die Vereine, Auftraggeber oder Interviewpartner?

Tatsächlich habe ich noch nie wirklich schlechte Erfahrungen gemacht. Es fühlt sich komisch an, bei Pressekonferenzen die einzige Frau zu sein. Sportjournalismus ist eine Männerdomäne. Punkt. Was auch daran liegt, dass der Großteil des, ich sag mal, „interessanten“ Sports von Männern betrieben wird. Wenn wir über die Nationalmannschaft schreiben, meinen wir die der Männer im Fußball. Ich nehme mich da nicht raus, obwohl mein Interesse am Sportjournalismus ja eigentlich auch aus einer Randsportart kommt.
Von allen Kollegen wurde ich in meinen bisherigen Praktika stets mit Respekt behandelt. Auch von den Kolleginnen. Egal ob im Verein oder bei Interviews: Schlechte Erfahrungen habe ich noch nicht bewusst wahrgenommen. Oh, doch, da fällt mir etwas ein: Nach einem Handball-Bundesligaspiel wollte ich einen O-Ton von einem Nationalspieler holen, wie nach jedem Spiel. Ein älterer Print-Kollege stand schon da und hat fleißig mitgeschrieben, Fragen gestellt und Antworten bekommen. Bevor ich meine Frage stellen konnte, hat der Spieler mir auf die Schulter geklopft und ist einfach abgehauen. In der Situation habe ich mich vor allem über mich selbst geärgert, dass ich nicht etwas resoluter darauf gepocht habe, auch eine Frage stellen zu können. Solche Erfahrungen gehören dazu, daran muss man wachsen. Ein Kollege einer anderen Zeitung hat mir im Nachhinein erzählt, dass er ebenfalls von diesem Spieler stehengelassen wurde, am selben Spieltag wie ich.

Vier Tage, zehn Frauen: Journalistinnen-Workshop bei der taz. (Foto: Screenshot)

Vier Tage, zehn Frauen: Journalistinnen-Workshop bei der taz. (Foto: Screenshot)

4
Deine Auslegung in Sachen „interessanten“ Sports finde ich total ungewöhnlich. Ich empfinde das anders und glaube, das hat viel mit Gewohnheit zu tun. Wer legt denn fest, was interessant ist und was nicht? Letztlich geht es auch da um Wahrnehmung. Und was die betrifft, steht die Bundesliga der Männer hoch im Kurs. Da gehört deine Liebe dem FC Schalke 04. Wie ist die Verbindung entstanden und was macht für dich den besonderen Reiz aus?

04 Worte zu Schalke: Heimat. Nordkurve. Familie. Bottrop. Okay, vielleicht noch ein paar Worte mehr: Schalke hat diesen tollen Werbeslogan. „FC Schalke 04. Wir leben dich.“ Das passt einfach, zum Verein und zum Umfeld. Meine Familie ist tief im Ruhrgebiet verwurzelt, obwohl ich mich selbst immer als „norddeutsches Kind“ bezeichne. Aus Hannover, wie ein Freund an dieser Steller gern zu sagen pflegt, aber für mich zählt das zu Norddeutschland. Genauso zählt für mich die Geschichte meiner Familie. Meine Großeltern wurden in Essen geboren, ein Großteil der Verwandtschaft wohnt in Bottrop. Die sind Schalke-Fans. Ich würde gern sagen, dass ich keine andere Wahl hatte, aber ich bin die einzige aus dem „Niedersachsen-Teil“, die sich überhaupt für Fußball interessiert. Als Kind mochte ich die Farbe blau am liebsten, also wurde ich Schalke Fan, weil ich wusste, ein Teil meiner Familie ist es auch. Meine Oma fand das gut, weil mein Opa RWE-Sympathisant war. So banal kann das manchmal sein.
Wirklich „angefixt“, es gibt kein besseres Wort dafür, wurde ich dann 2013. Ich weiß nicht mehr, welches Spiel das genau war, ich weiß nur noch, es war März und arschkalt. Ich saß mit zwei Freundinnen aus München (beide Bayern-Fans, aber Fußball generell nicht abgeneigt) im Oberrang, schräg gegenüber der Nordkurve, es hat gezogen wie Hechtsuppe. Der Nordkurve beim Singen zuzusehen, war fast noch toller, als zu versuchen, die kleinen Menschen auf dem Rasen zu identifizieren. Ich glaube, an dem Punkt war es endgültig um mich geschehen. Schalke hat dieses gewisse „je ne sais quoi“, von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt kann man in einer Saison alle Emotionen mitmachen. Oder auch in einem Sommertransfer-Fenster. Mehrfach. Ich lebe diesen Verein. Mal mehr, mal weniger. Auch die Reise zum Europa League-Spiel nach Nizza 2016 gehörte dazu. Ich hab eine Karte ergattert, meine Freunde konnten oder wollten nicht mit. Also bin ich alleine nach Nizza. Aber so kitschig es klingen mag: Als Schalke- und als Fußball-Fan ist man niemals allein. Vor allem nicht bei Auswärtsfahrten.

5
Schalke galt über Jahre als Synonym für Chaos. Als bekannt wurde, dass man den Mainzer Christian Heidel nach Gelsenkirchen holen will, gab es neben Zustimmung auch Gelächter, nach dem Motto: Was hat der schon geleistet. In Mainz wussten wir natürlich, diese Stimmen sind ahnungslos. Aber wie hast du das damals empfunden?

Schwierig. Ich war sehr überrascht. Genauso überrascht war ich übrigens, als Jens Keller im Oktober 2014 entlassen wurde. Ein sehr großer Fehler, zumindest empfinde ich das immer noch so. Vor allem wegen Roberto Di Matteo… Nun ja. Mit Christian Heidel konnte ich nicht viel anfangen, als er 2016/2017 zu Schalke gekommen ist. Wahrscheinlich, weil ich die Entwicklung von Mainz 05 so gut wie gar nicht auf dem Schirm hatte. Doch wenn man sich die unter Heidel anschaut, kann man mitnichten davon sprechen, dass er nichts erreicht hat.
Heidel entpuppte sich meiner Ansicht nach als Glückstreffer für S04, vor allem nach den doch erfolgreichen Jahren mit Horst Heldt. Auf „Hotte“ halte ich übrigens immer noch große Stücke, aber manchmal ist Veränderung richtig, für beide Seiten. Es kommt mir vor, als ob das alles gerade erst gestern passiert ist. Und doch fühlt es sich so an, als wäre Heidel schon immer da und würde alles in die richtigen Bahnen lenken. Heidel regelt halt.

Schalke-Vorstand Christian Heidel. (Foto: Karsten Rabas - Own work, CC BY-SA 3.0)

Schalke-Vorstand Christian Heidel. (Foto: Karsten Rabas – Own work, CC BY-SA 3.0)

6
Das Gerücht wurde Realität und Heidel sagte Schalke zu. Eine seiner ersten Amtshandlungen war es, André Breitenreiter zu entlassen und Markus Weinzierl zu verpflichten, der nach nur einer Saison wieder gehen musste. Beerbt wurde er von Domenico Tedesco. Wie sortierst du die schnellen Wechsel nachträglich ein?

Uff. Wie nennt man dieses Karussel? Schalkig? Es passt zum Chaos-Mythos. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass alles gutgegangen ist. Wobei ich schon traurig über die Entlassung von Breitenreiter war. Er ist ein guter Trainer, der meiner Ansicht nach auch gut zu Schalke gepasst hat. Sehr offen, ehrlich im Umgang mit Medien und Spielern. Zumindest sah es von außen so aus. Der erste „Heidel-Trainer“ Markus Weinzierl macht aktuell durch Nachtreten gegen Schalke auf sich aufmerksam. Nun ja. Auch Weinzierl ist mit fünf Niederlagen in seine Bundesliga-Saison gestartet und er musste am Ende der Saison gehen. Es wäre schön, wenn sich mal so etwas wie Kontinuität auf dem Schleudersitz namens Trainerstuhl auf Schalke einstellt. Ich denke, mit Tedesco haben wir diese Kontinuität gefunden, trotz der fünf Bundesliga-Niederlagen zu Beginn.

7
In der ersten Saison unter Tedesco wurde Schalke Vizemeister. Die blauweiße Welt schien in Ordnung und viele bescheinigten Heidel, er ernte nun die Früchte seiner Arbeit. Aber wie gut waren die Transfers wirklich? Und wurde der zweite Platz nicht auch dadurch möglich, dass alle anderen unfassbar patzten?

Zu Beginn war ich super kritisch. Wie Fußball- und insbesondere Schalke-Fans es halt sind. Naldo? Zu alt. Stambouli? Bankdrücker bei PSG. Embolo? Schweizer Talent. Mehr auch nicht. Burgstaller? Zweitligastürmer, wie soll der uns in der Bundesliga helfen? Tja. Ich wurde und werde immer noch eines besseren belehrt. Die Entwicklung dieser Spieler, die ich jetzt exemplarisch genannt habe, hat mich sehr beeindruckt. Und ich hoffe, denke, bete, dass sich die Transfers der Saison 18/19 ähnlich entwickeln. Hamza Mendly und Suat Serdar passen in das Profil von Tedesco: jung und hochtalentiert. In der meiner Ansicht nach guten Mischung mit gestandenen Profis wie Oczipka, Naldo und Sané liegt die Stärke der Mannschaft von 18/19. Ich finde es auch ziemlich gut, dass Baba nach seiner Verletzung noch mal auf Leihbasis eine Chance auf Schalke bekommt. Natürlich merkt man wegen dieser Verletzten und wegen des Abgangs von Goretzka, dass irgendwas bei Schalke nicht mehr stimmt. Auch ein Thilo Kehrer fehlt. An dieser Stelle kann man durchaus auch Heidel und Tedesco kritisieren, dass der Kader vielleicht doch nicht breit genug ist.
In der Saison 2016/17 landete RaBa Leipzig mit insgesamt 67 Punkten, also 15 Punkten Abstand hinter den Bayern, auf dem zweiten Tabellenplatz, 2013/14 wurde der BVB mit 71 Punkten und 19 Punkten Abstand Zweiter hinter den Bayern. Ich denke, dass Schalke in der vergangenen Saiso, als man mit 63 Gesamtpunkten und 21 Punkten Abstand Vizemeister wurde, natürlich auch von Ausrutschern der Gegner profitierte. Wie alle anderen Vizemeister zuvor. Das ist einfach eine Entwicklung in der Bundesliga, an der nicht die Schalker Schuld sind, aber bei 04 wird es so hochstilisiert. Das mag an der Art und Weise gelegen haben, also wenig Offensivfußball und dreckige 1:0-Siege. Aber hey, mal wieder einen Titel zu gewinnen tut uns Schalkern gut. Auch wenn es nur die Vizemeisterschaft und „der schlechtester Zweiter aller Zeiten“ ist.

Mainzer Fans in der Arena auf Schalke. (Foto: Rheinhessen on Tour)

Mainzer Fans in der Arena auf Schalke. (Foto: Rheinhessen on Tour)

8
In der neuen Saison läuft es bisher maximal schlecht für den Verein. Nach fünf Spieltagen ist man mit null Punkten Tabellenletzter. Worin siehst du die Gründe für den Fehlstart? Wie viel Pech ist dabei, wie viel eigenes Unvermögen? Hat sich das in Vorbereitung irgendwie abgezeichnet, dass diese Saison Tedesco vor besondere Probleme stellen könnte?

Das ist jetzt nichts, was man nicht kennen würde, zum Beispiel aus der Weinzierl-Saison. Ich bin wirklich überfragt, warum es schon wieder nicht funktioniert. Die guten Menschen von FUMS haben zum Spiel in Freiburg getwittert Green Day habe angerufen: Wir sollten die Schalker mit aufwecken, wenn der September vorbei sei. Und sie haben einfach Recht. Natürlich ist da viel Pech dabei, trotzdem stimmt es in der Defensive nicht mehr, unsere eh nicht so stark besetzte Offensive kann das im Moment nicht auffangen. Wir haben in den ersten fünf Spielen so einige Treffer nach Standards kassiert. In der vergangenen Saison undenkbar. Und dann gegen Freiburg… Ralf. Ralle. Der ewige Fährmann, der Schalke im Blut trägt und der bei den Fans so hoch im Kurs steht, ausgerechnet dieser Ralf Fährmann, der Schalke in der vergangenen Saison so manches Mal den Hintern gerettet hat, der patzt. Und das in einer Situation, die wirklich unnötig war. Nicht nur aus dem Spiel heraus, auch in der der Gesamtsituation betrachtet. Ein 0:0 in Freiburg wäre nicht gut gewesen, aber besser als diese Niederlage.

Im Nachhinein ist es einfach, aus der Sommerpause dieses und jenes abzuleiten, ich bin kein Fan davon. Die Euphorie bei vielen Schalke-Fans (und bei mir persönlich) war mehr als vorhanden, inzwischen nehme ich alles mit Galgenhumor. Ganz wie Ikarus sind wir Fans einfach zu hoch in Richtung Sonne geflogen. Doch genug der Jammerei. Wenn jemand den Turnaround schafft, dann das Gespann Heidel/Tedesco. Davon bin ich fest überzeugt. Dass sie es mit dieser Mannschaft können, haben sie letzte Saison bewiesen, eine gute Platzierung werden sie auch diesmal schaffen. Und auch Ralf Fährmann wird gegen Mainz trotz des Patzers wieder im Tor stehen und gut sein. Wie immer, unser Ralf halt.

9
Liegt eine Mannschaft erstmal derart am Boden, wird auch der Kopf zum massiven Problem. Was muss Tedesco deiner Meinung nach tun, um die Spieler wieder aufzurichten? Traust du ihm diese Aufgabe zu? Was hältst du davon, dass einige Medien nun bereits schreiben, er sei „entzaubert“ und über seine Entlassung unken?

Domenico Tedesco (Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Domenico Tedesco (Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Wer, wenn nicht Tedesco? Der vor-der-Mannschaft-kniende-Derby-Unentschieden-Gewinner (Ich hätte Karten bekommen können und bin nicht hingegangen, ich ärgere mich heute noch) ist der Trainer, den Schalke braucht. Dass Tedesco entzaubert sei, halte ich für absoluten Quatsch. Ihn zu entlassen würde den Verein nur in Zeiten zurückwirbeln, die sich keiner wünschen kann. Ich bin trotz aller Unkenrufe überzeugt von Tedesco und der Mannschaft. Ich glaube nicht, dass in diesem Fall der Kopf das Problem ist. Wieder muss ich sagen: Es sieht von Außen nicht so aus, als würde in dieser Mannschaft etwas nicht stimmen. Keine Ahnung, was sich im inneren der Mannschaft und des Vereins abspielt. Die Mannschaft funktioniert als Ganzes neben dem Platz, das hat man im Trainingslager gesehen, als ein Fan Franco Di Santo beleidigt hat und die Mannschaft daraufhin reagiert hat. Auch der Ausraster von Di Santo nach dem Bayern-Spiel wurde intern aufgearbeitet und ist abgehakt. Jetzt muss diese positive Energie auch wieder auf dem Platz in Tore und Ergebnisse umgewandelt werden.
Die vergangene Saison hat gezeigt, dass Team und Trainer zusammenwachsen, ja sogar großartigen Offensivfußball spielen können, wie in Dortmund. Mentalität ist vorhanden und ich denke, Tedesco ist an dieser Stelle absolut richtig und gut für den Verein. Natürlich muss kritisch hinterfragt werden, warum dieser Fehlstart so (schon wieder) passiert. Und wenn sich nichts ändert müssen Konsequenzen gezogen werden. Doch der Auftritt gegen Porto und auch das Spiel in Freiburg mit vielen Chancen aber dem fehlenden Glück im Abschluss stimmen mich positiv. Schalke spielt wieder in der Champions League. Auch im DFB-Pokal sind wir nicht in der ersten Runde rausgeflogen. Natürlich kann das nicht der Anspruch eines Vereins wie Schalke 04 sein. Und trotzdem glaube ich, dass da von dieser Mannschaft noch einiges zu sehen sein wird.

10
Am Samstag ist Mainz zu Gast auf Schalke. Die 05er sind mit sieben Punkten aus drei Spielen gut in die Saison gestartet, mussten dann in Leverkusen eine Niederlage verkraften und haben sich zuhause gegen Wolfsburg ein Unentschieden erackert. Was für ein Spiel erwartest du von Schalke? Worauf müssen Sandro Schwarz und seine Jungs sich einstellen?

Vor allem auf eine volle, laute, kochende Veltins-Arena. Außerdem sollten die Mainzer sich auf eine kämpferische Schalker Mannschaft einstellen. Teams, die vermeintlich am Boden liegen (oder im Fall von Schalke auf dem letzten Tabellenplatz stehen) sind am gefährlichsten, denn sie haben am wenigsten zu verlieren. Ich denke nicht, dass es die spielerisch schönste Begegnung beider Mannschaften wird, ganz im Gegenteil. Ich rechne mit viel Kampf im Mittelfeld und zwei Mannschaften, die sich sehr beackern werden. Ich hoffe und bete, dass Tedesco irgendwas aus dem Hut zaubert, damit Schalke gewinnt.

Flutlichtspiel der Mainzer auf Schalke in der Vorsaison. (Foto: Meenzer on Tour)

Flutlichtspiel der Mainzer auf Schalke in der Vorsaison. (Foto: Meenzer on Tour)

11
Wie ist dein Tipp fürs Spiel? Und wie der für den weiteren Saisonverlauf: Wird Schalke 04 die Liga überraschen und genug Geduld aufbringen, um mit Tedesco die Wende zu schaffen?

Weil ich ein positiver Mensch und Berufsoptimistin bin, tippe ich auf einen befreienden 3:0-Sieg, ähnlich wie am sechsten Spieltag 2016/17 gegen Gladbach. Da haben wir übrigens auch Zuhause gespielt. Ja, ich bin hoffnungslos optimistisch. Ikarus, Sonne und so. Zum weiteren Saisonverlauf: Wer, wenn nicht Tedesco?! Ein klares Ja. Ohne Einschränkungen. Diesen Vertrauensbonus haben er und die Mannschaft sich redlich erarbeitet. Jetzt müssen sie liefern. Und das werden sie.

KOMPAKT
Schalke 04 ist der beste Club der Welt, weil … Hey, es ist Schalke. Da stellt sich die Frage gar nicht.
Was ich an unserem Stadion besonders liebe, ist … dass es bald komplett dem Verein gehört. Zumindest rechtlich ab Anfang 2019, wenn die letzte Rate bezahlt ist. Außerdem: Wie cool sind bitte die beweglichen Teile wie Rasen, Dach oder Südtribüne?
Mein ewiger Lieblingsspieler ist eindeutig … Benedikt Höwedes. Oder Ralf Fährmann. Nein, beide!
Wer Gelsenkirchen besucht, sollte unbedingt … zur Zeche Nordstern fahren und sich den Nordsternpark angucken. Ich habe dort erst richtig verstanden, was „Glück Auf!“ für die Region und die Stadt der 1.000 Feuer bedeutet.
Besonders lecker essen Gästefans im … Süden der Stadt, im Steakhaus Witte. Aber auch rund um den Schalker Markt gibt es die ein oder andere kulinarische Entdeckung zu machen. Und sei es ein Veltins im Schalke-Ambiente.

LETZTE WORTE
Kaum startet dein Verein gut in die Saison, wird nach Abpfiff schon wieder auf deutlich höherem Niveau gemeckert. Gut und wichtig, dass Trainer Sandor Schwarz und seine Mannschaft nach dem torlosen Unentschieden gegen Wolfsburg unter der Woche in die selbstkritische Analyse gehen. Die Fans dürfen sich aber ruhig freuen über das Wissen, letzte Saison hätte man eine derartige Partie vermutlich in einem unachtsamen Moment verloren. Oder wie Jürgen Klopp einst eine Weisheit des ewigen Wolfgang Frank an seinen Spieler Schwarz übermittelte: Wenn man eine Partie schon nicht gewinnen kann, darf man sie zumindest nicht verlieren.

Gewonnen hat am Mittwochabend ganz offensichtlich ein junger Mann, der von Klaus Hafner während des Spiels aufgerufen wurde: Er ist Vater geworden. Glückwunsch an die ganze Familie!

|| Vielen Dank an Rheinhessen on Tour und Meenzer on Tour für die Fotos. || 

Ihr seid der Hammer: DKMS-Spende zum 40. Geburtstag

Dann bist du plötzlich 40, schaust dich um und es gibt so viele Gründe, DANKE zu sagen, dass die Worte fehlen. Ich hatte einen ganz fabelhaften Geburtstag mit den engsten Herzmenschen und sehr viel Liebe. Und hier und auf allen Kanälen sind die wunderbarsten Nachrichten und Wünsche eingeflattert, so bedacht und schön, ich bin echt platt. Von Herzen danke. Ich bin ein Glückskind.

rmat

Bereits vor meinem Geburtstag hatte ich beschlossen, das Glück, von dem ich weiß, dass es mir im Leben beschieden ist, zu diesem speziellen Anlass teilen zu wollen. Und zwar in Verbindung mit meinem Mainz 05-Krimi Im Schatten der Arena.

Für jedes Exemplar, dessen Kauf mir bis zu meinem runden Geburtstag nachgewiesen wird, wollte ich 40 Cent an die DKMS Deutschland spenden, weitere 40 Cent für jedes Foto des Buches in den sozialen Medien. Jeweils 10 Cent sollten es für jeden Retweet oder Share meiner entsprechenden Hinweise bei Twitter und Facebook sein.

DKMS US

Mit einer Facebook-Aktion habe ich außerdem für den US-Ableger der DKMS gesammelt. Und damit nicht genug: „Nach dem Motto In den Farben getrennt, in der Sache vereint”, meldete sich SGE-Fan Christoph Genz bei mir und kündigte an, bei der Aktion mitmachen zu wollen.

Anlässlich seines anstehenden 50. Geburtstags wollte er für jede der beschriebenen Aktionen um meinen Krimi 50 Cent an die DKMS spenden.

Spende

Am Ende waren es 237 Buchverkäufe, dir mir mitgeteilt wurden. Insgesamt 47 teils überragende Bilder mit dem Krimi haben mich erreicht und die Beiträge auf Twitter und Facebook wurden 189 beziehungsweise 53 mal geteilt. Für mich ergab sich so eine Spendensumme von 165,30 Euro, die ich auf 175 Euro aufgerundet habe, was fünf Registrierungen entspricht.

Christoph hat ebenfalls bereits gespendet, nämlich 263 Euro. Bei der Aktion auf Facebook sind überragende 1141 Euro zusammengekommen, damit hätte ich nie gerechnet. Insgesamt habt ihr alle geholfen, 1579 Euro für die DKMS zusammenzutragen. Das ist wirklich der Hammer und ich bin jedem einzelnen dankbar für seinen Beitrag.

Auf die nächsten 40 Jahre!