Die merkwürdigen Erinnerungen des Thomas Penman

Thomas Penman ist ein Junge von 13 Jahren mit abstehenden Ohren. Und das ist nur einer der Gründe, warum er es nicht leicht hat im Leben. Wenn Thomas nervös wird, scheißt er sich in die Hose. Einen großen, dicken Haufen. Weil ihm das peinlich ist, versteckt er die verschissene Unterwäsche hinterher an den unmöglichsten Orten, sei es im Haus seiner Eltern oder im Turnbeutel eines Klassenkameraden während der Sportstunde. Der Arzt, der ihm deswegen in den Hintern leuchtet, kann keine organische Ursache für sein Verhalten feststellen und beruhigt die geplagten Eltern, es würde sich verwachsen. Tatsächlich sieht Thomas plötzlich einen Grund, die Scheißerei zu lassen – und das ist seine aufflammende Liebe zur Schulschönheit Gwendolin, deren Herz zu erobern urplötzlich die höchste Priorität in seinem Leben einnimmt. Und es scheint, als könne sein Werben erfolgreicher sein als zunächst angenommen.

Foto: Verlag

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Seine Probleme aber fangen da erst an. Zum einen wäre da sein Vater zu nennen, der heimlich die Gattin betrügt. Daraus resultieren Wutanfälle der genannten, die sich aber ebenso gut gegen ihren im Grunde unschuldigen Sohn wie den schuftigen Gatten richten können. Dem Gatten rückt sie mit einem Privatdetektiv zu Leibe, was einige Verwirrung stiftet – und um ihn zu quälen, wenn er satt und glücklich von seiner Geliebten kommt, zwingt sie ihn, Unmengen von Fleisch in sich hineinzustopfen, die sie den lieben langen Tag für ihn zubereitet. Und dann ist da Thomas’ Großvater Walter, der einzige Mensch, von dem der Junge sich geliebt und verstanden fühlt. Der liegt im Sterben, was seinen Enkel vor mehrere Probleme gleichzeitig stellt. Zum einen konfrontiert ihn der nahende Tod mit großen Verlustängsten, die er bisher nicht gekannt hatte – der Gedanke, seinen Großvater, dem er sich so nahe fühlt, zu verlieren, erschreckt den Heranwachsenden. Zum anderen sorgt er sich um die Pornosammlung des Alten, deren Existenz ihm zwar bekannt ist, von der er aber nicht weiß, wie er sie sicher in seinen Besitz bringen soll.

Alleine die unzähligen skurrilen Situationen, in die Thomas auf der Jagd nach besagter Pornosammlung kommt oder der Moment, als er Fotos entdeckt, auf denen einer jungen Frau ein „Flugtier“ im Hintern steckt – und diese schließlich als seine Großmutter identifiziert – machen diese Kindheitserinnerungen der völlig anderen Art schon lesenswert. Herrlich lakonisch, nie ohne einen gewissen kindlichen Ernst und immer hinreißend und vergnüglich entführt uns Bruce Robinson in die Geschichte seines jungen Helden. Das hat stets eine sehr eigene Note und wird bis zum überraschend zu Herzen gehenden Ende nie langweilig.

Bruce Robinson
Die merkwürdigen Erinnerungen des Thomas Penman
347 Seiten
Goldmann
Preis variiert (gebraucht erhältlich)

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