Die Woche am Bruchweg (22/8): Eine starke Bank

Nach dem Sieg der Nullfünfer gegen Bayer Leverkusen hat Martin Schmidt gesagt, man habe „das Spiel gedreht über die Bank“ und wer wollte ihm da bei zwei Jokertoren widersprechen. Die Entscheidung der Verantwortlichen, den Kader bewusst kleinzuhalten, hat positive Seiten ebenso wie Tücken und letztere zeigten sich in Phasen, in denen von der Bank nur bedingt nachgelegt werden konnte. Besonders auffällig ist das, wenn man die englischen Wochen gegen Bielefeld und Bochum in Pokal und Liga vergleicht.

Im Pokal gegen Arminia wechselte Bo Svensson in der 66. Minute den späteren Siegtorschützen Marcus Ingvartsen für Jonathan Burkardt ein, Barreiro (ab der 66. für Lee) und Stach brachten Frische, Szalai Körperlichkeit in eine wichtige Phase des Spiels. Im Ligaspiel wenige Tage darauf startete Lee ohne die Gefahr müder Beine – und erzielte prompt ein Tor. Gegen Bochum konnte hingegen der eingewechselte Paul Nebel in der Ligapartie kaum Akzente setzen, im Pokal Tage später wurde Burkardt zu Beginn geschont, Kevin Stöger arbeitete hart fürs Spiel, konnte das Sturmtalent aber nicht adäquat vertreten – seine Stärken liegen anderswo. Doch Szalai stand ebenso wenig zur Verfügung wie Ingvartsen. Inzwischen hat sich diese Situation geändert und die Breite auch im kleinen Kader ist gut.

System folgt Qualitäten

Bo Svensson bei der PK vor dem Spiel gegen Union Berlin. (Foto: Screenshot/Mainz 05)

Im Mittelfeld hat Svensson sogar die Qual der Wahl mit Lee, Kohr, Barreiro, Stach, Boëtius und Stöger, um nur den Kreis der erweiterten Stammkräfte zu nennen. „Das sind viele Spieler, wo du sagen würdest, mit denen kannst du ohne Soge gegen jeden Bundesligisten spielen“, betont der Trainer. Und da alle Genannten unterschiedliche Qualitäten haben, kann er seinen Kader, so er das möchte, konkreter an den Anforderungen ausrichten, vor die ihn Gegner stellen. Viel spannender ist aber, wie Svensson selbst unter der Woche darüber gesprochen hat, wonach er sich in Sachen System und Taktik unter anderem richtet – nach den Stärken des Kaders. Seine Aufgabe sei es, Spieler auf die für ihre Qualitäten beste Position zu bringen, erklärte der Coach. Das System erachte er dabei als zweitrangig: Es richte sich nach den Spielern, nicht umgekehrt.

The way we want to play here has been very good for me. (…) For my position and qualities, this is much better.“

Marcus Ingvartsen über seine Zeit bei Mainz 05

Für Stach gab es auf die Nachfrage zu seiner Entwicklung ein Extralob: „Ich bin sehr zufrieden mit seiner Entwicklung.“ Seine Rolle als zunächst Ergänzungsspieler habe der in Fürth zuvor gesetzte 23-Jährige gut akzeptiert und für seine Chance gearbeitet. „Ich glaube, die Entwicklung von Anton ist lange nicht beendet und der wird nur besser.“ In Sachen Kohr ließ Svensson sich entlocken, dass hinter den Kulissen bereits gesprochen werde. Der Spieler selbst hat keinerlei Zweifel daran gelassen, dass er gern in Mainz bleiben möchte. Das betonte unter der Woche auch Ingvartsen, für den laut kicker bei Klassenerhalt eine Kaufpflicht greift. Auf die Frage nach dem wahrscheinlichen Verbleib sagte der Däne unter der Woche: „It was my plan from the beginning.“ Schließlich kann der bei Union im Mittelfeld eingesetzte Däne hier seine Lieblingsposition im Sturm spielen.

Marcus Ingvartsen im Pressegespräch. (Mainz 05)

Sein Cheftrainer zeigte sich zufrieden mit der Trainingswoche, lobte die Leistung und ließ auch die gute Stimmung im Team nach den letzten Erfolgserlebnissen nicht unerwähnt. Zum Biss in den Einheiten, die noch ohne die Corona-positiven Stephan Kuhnert und Patrick Kaniuth ablaufen müssen, erklärte Svensson: „Das brauchen wir auch.“ Mit Berlin wartet zwar ein Gegner, der seit dem Abgang von Max Kruse dreimal tor- und sieglos geblieben ist, aber über den Saisonverlauf betrachte ist die Mannschaft von Urs Fischer sehr stabil, hat eine klare Spielstruktur und die Alte Försterei zu einer ähnlichen Festung gemacht wie Mainz die Arena in den Bretzenheimer Feldern. Es dürfte eine interessante Partie werden, die Mainz 05 erneut in den Fastnachtstrikots bestreitet. Begleitet werden die Nullfünfer von 500 Fans.

Starke Torwartschule

Auf der Bank sitzen wird dann erneut Lasse Rieß, der den verletzten Finn Dahmen vertritt. Dahmen hat zuletzt medial Abschiedsgedanken geäußert, da seine Rolle als Nummer 2 für ihn nicht zufriedenstellend sei. Sein Trainer kann das nachvollziehen und sagte unter der Woche: „Er ist ein guter Torhüter und ein sehr, sehr guter Mensch.“ An einer tollen Karriere des Mainzer U21-Europameisters habe er keine Zweifel. Doch die Position des Torhüters ist nun mal undankbar, was das Thema Wechsel von Spiel zu Spiel angeht, insofern muss der Verein mit Blick auf die neue Saison eine gute Lösung für alle Beteiligten finden.

Gute Laune beim Training unter der Woche. (Foto: Screenshot/05-Bruchwegbericht)

Die Stärke der 05-Torwartschule sorgt aber dafür, dass der Ausfall von Dahmen nun niemandem Bauchweh bereitet. „Lasse hat seine Chance bekommen im Profikader und sehr gut gearbeitet mit Kuhni“, erklärte Svensson. „Er hat Schritte nach vorne gemacht, sich in U23-Spielen als sicherer Rückhalt gezeigt und ist nur besser geworden.“ Es ist eine gute Entwicklung, wie zuverlässig die Torwartposition in Mainz mittlerweile über den eigenen Nachwuchs besetzt wird.

Zum Abschluss noch eine kleine Anekdote, für meine Frank-Biografie habe ich unter anderem viel mit Jan Visser geschrieben, der AZ Alkmaar als Archivar begleitet und alle Spieler, die jemals für den Club aufgelaufen sind, gezeichnet hat. In seinen Unterlagen hat er nun nach einer frühen Begegnung mit Mainz 05 gesucht, an die er sich vage erinnern konnte – tatsächlich traten Mainz 05 und Alkmaar’54 in einem Freundschaftsspiel nach der Oberligasaison 1961/62 am 8. Mai 1962 gegeneinander an. Die Partie in Alkmaar endete 1:0 für die Niederländer, oder wie Jan schreibt: „It’s a pity for you!“

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