Dollbohrer-Alarm, oder: Elkin ist schuld!

„Geh doch zurück nach Kolumbien. So Penner wie du können wir hier nicht brauchen.“ Mal ganz abgesehen von der fragwürdigen grammatikalischen Konstruktion, markierte dieser verbale Auswurf den negativen Höhepunkt eines Nachmittages, der etwas überraschend zur Geduldsprobe in Sachen Selbstbeherrschung geworden war. Schon klar, Menschen sind verschieden, sie denken, fühlen und artikulieren sich unterschiedlich. Und geschenkt, dass man vielleicht an manchen Tagen empfindlicher auf vermeintliche Scherze reagiert als an anderen, sich Beleidigungen, die man eigentlich vorab schon einkalkulieren konnte, zu sehr zu Herzen nimmt.

Ich will deswegen auch gar nicht darüber klagen, was man sich im Vorfeld eines Spiels beim Verkauf der TORToUR, ihres Zeichens 05-Fanzine, so alles anhören darf. Höchstens darüber, wie wenig originell die Sprüche speziell der Gästefans zumeist sind. „Du bist aber billig“ als Reaktion auf den ausgerufenen Verkaufspreis von 1,50 Euro – ehrlich, mehr fällt euch nicht ein? Und den Satz „Eine Tortour erlebt ihr gleich noch im Stadion“ (an die Verkäufer) oder alternativ in eine Körperöffnung der Wahl (an die Verkäuferinnen) haben wir echt noch nie gehört! Aber okay, „du bist so hässlich, bei dir kaufe ich nichts!“, das war heute tatsächlich neu (wenngleich natürlich eine Unwahrheit, denn unsere Verkäuferinnen sind alle bildhübsch). Zu den modernen Klassikern gehört hingegen: „Euer Heft ist so scheiße wie euer Verein“ – gähn.

Eigentlich wollte ich ja bloß ein Heft verkaufen... (Foto: WP)

Eigentlich wollte ich ja bloß ein Heft verkaufen… (Foto: WP)

Was soll’s, solange es gegen einen selbst geht, hilft es, sich nicht so ernst zu nehmen, dazu einen Schuss Galgenhumor – überlebt. Viel schlimmer wird es, wenn die Häme andere trifft, natürlich vollkommen unverdient, und in der Art, dass diese sich nicht dagegen wehren können. Einem wie Wolfgang Frank wäre es vermutlich auch zu Lebzeiten egal gewesen, im Stadion auch Menschen zu wissen, die ihn nicht kennen. Seltsam ist es trotzdem, hinter sich auf die Frage, wieso die Mannschaft Trauerflor trägt die Antwort zu hören: „Da ist irgend so ein Trainer gestorben.“ Abgesehen davon, dass ich mich in dem Moment frage, ob die (grandiose!) Choreo eigentlich völlig an den beiden Dollbohrern vorbeigegangen ist: Wolfgang Frank? Irgend so ein Trainer? Gibt es wirklich Leute, die so dermaßen überhaupt nichts mitbekommen? Und ist die Annahme, man müsse doch mit den Menschen, die wie man selbst Wochenende um Wochenende ins Stadion pilgern, irgendetwas gemein haben, tatsächlich nicht mehr als ein Irrglaube?

Das Spiel läuft, wie solche Spiele eben manchmal laufen und die zwei Typen haben dafür auch schnell einen Schuldigen ausgemacht: Elkin Soto. Ausgerechnet. Elkin, der Musterprofi, einer der größten 05er seiner Generation, unbestritten auch menschlich einer der Allergrößten. Aber was interessiert das die Frustrierten? Schon klar, nicht alles, was im Stadion über die diversen Lippen rutscht klingt wie Musik und nein, Kritik zu üben ist nicht verboten. Aber lieber Gott, muss man dabei derart die eigene Würde ablegen und die des Kritisierten ignorieren? Nicht nur ist Elkin den beiden grundsätzlich zu lahm und stets am falschen Platz, er war zudem ohnehin ein Fehleinkauf, ist so überschätzt wie selten ein 05er – und wie man hört auch abseits des Fußballplatzes ein richtig doofer Typ. Mit seinen alten Knochen gehört er längst aufs Abstellgleis, peinlich, dass er Spielern wie Jo Geis den Platz versperrt; und dann rufen sie beide aus vollem Halse, „Elkin, du Penner, beweg deinen Arsch!“

Was sonst noch los war? Jede Menge Kriegsrhetorik… Das Ruhrgebiet gehört weggebombt, Schalke und seine Spieler werden mit verbalen Panzerfäusten vom Feinsten überzogen, die wiederzugeben ich mich hier aus guten Gründen weigere. Zwischendurch wird noch Ádám ausgepfiffen, der mit der für ihn auch schon in seiner Mainzer Zeit üblichen Theatralik über den Rasen rollt. Daran sind nicht nur diese zwei, sondern etliche weitere Dollbohrer beteiligt – und ich dachte, uns Mainzer zeichnet aus, dass wir genau so etwas nicht tun. All das mündet bei seiner Auswechslung in der Verabschiedung Sotos bis nach Kolumbien; damit hat die Quälerei zum Glück ein Ende. Und sollte der Vorwurf kommen, warum man zu so etwas schweigt, so ist er sicher berechtigt. Aber in manchen Momenten fehlen einfach die Worte, egal, wie lange sie andauern. Oder wie heißt das so schön: Some People just need a High Five. In the Face. With a Chair. Danke, bitte – dafür nicht.

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