Ein Abend in der Löwenbadewanne

Es gibt Orte, die man das erste Mal besucht und sich anschließend fragt: Wie kann es sein, dass ich hier noch nie war? Es gibt Menschen, die man das erste Mal trifft und sich hinterher fragt: Wie ist es möglich, dass wir uns bisher nicht begegnet sind? So ging es mir am Sonntagabend bei meiner Lesung aus „111 Gründe, Mainz 05 zu lieben“ in der Mainzer Kneipe „Zum Löwen“. Dort war ich auf Einladung von Wolfgang „Wolfi“ Klein zu Gast, der bei der Begrüßung mit donnergrollendem R verkündet: „Ich frrreue mich, dass wir uns endlich kennenlernen.“ Ich mich auch, und als ich wenig später am Tresen sitze und einen Flammkuchen esse, der mit der simplen Bezeichnung „Flammkuchen“ absolut unter Wert verkauft ist (so lecker!) will ich bereits nicht mehr weg.

Wolfi entschuldigt sich, dass nicht mehr Leute gekommen sind und verspricht, bis zu Beginn der Lesung würde der eine oder andere Stamm-Fußballgucker noch eintrudeln. Einer davon, Klaus Carstens, in Mainz ebenfalls bekannt wie ein bunter Hund, ist schon da. Er ist es auch, der die Idee für meinen Besuch im Löwen hatte. Ich bin mit den am Ende rund 40 Gästen absolut glücklich, zumal ich mich auf dem Weg hierher gefragt hatte, wie hoch meine eigene Motivation wäre, zu einer Lesung über meine 05er ausgerechnet nach einer Niederlage gegen Eintracht Frankfurt an einem Sonntagabend noch das Haus zu verlassen.

Es gibt nur einen Mainzer Wolfi! (Foto: Anja Zerbe)

Es gibt nur einen Mainzer Wolfi! (Foto: Anja Zerbe)

Am Ende macht es beim Publikum ohnehin nicht die Menge (wobei, noch mal, 40 Leute wirklich toll sind) sondern nur die Frage, ob man hinter seiner Leselampe das Gefühl hat, die Leute haben einen schönen Abend, während sie da so sitzen und einem zuhören. Und das schien am Sonntag definitiv der Fall zu sein, der Zuspruch war schon in der Lesungspause nach 45 Minuten riesig und vor lauter Lob und Applaus im Laufe des Abends dürfte mein Kopf geleuchtet haben wie eine rote Ampel. Im Publikum griff umgekehrt eine leichte Schamesröte bei den Bejubelten um sich, als ich in Anwesenheit einiger Meenzer Metzger vortrug, wieso auch sie so eindeutig zu den Motiven beitragen, unseren Verein zu lieben.

Wer unsere „111 Gründe“ (und mit „uns“ meine ich natürlich Christian Karn und mich) gelesen hat weiß, ich greife in Sachen Wohlgefühl gerne zu Badewannenvergleichen: Der Löwe bekommt von mir in Sachen Kneipen fünf von fünf Wohlfühlwannen. Nach der Lesung herrscht trotz Sonntag und vorgerückter Stunde kein Massenaufbruch, die Leute bleiben sitzen, es wird geplaudert, Wolfi pendelt von Tisch zu Tisch, nennt eine Hälfte seiner Gäste „Hase“, die andere „Schatz“ und erzählt von seinen Jahrzehnten als Mainzer Kneipier. Als ich am Ende eines wunderbaren Abends den Löwen schließlich verlasse, stehen zwei Raucher draußen und verabschieden mich mit den Worten: „Nach der Pleite gegen die Eintracht hatte ich erst gar keine Lust zu kommen. Aber jetzt bin ich froh, denn der Abend hat mich wieder an so vieles erinnert, wofür ich meinen Verein liebe.“ Hach!

Danke an alle Beteiligten, es war einfach schee mit euch!

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