Hummeln schießen keine Elfmeter

Thomas Tuchel wartet zwar in Dortmund offensichtlich noch auf sein Essenspaket, übersteht aber mit dem neuen Team die Vorvorrunde der Europa League. Mainz 05 tritt am Sonntag mit Cottbus gegen ein Team an, von dem wieder zu viele Randbetrachter behaupten, das sei eine sichere Sache. Christian Wetklo trägt inzwischen blau-weiß, Elkin Soto immer noch die Mainzer Farben, und knallgrün-schwarz trägt zum Glück niemand mehr. Ich freue mich auf die Saison und muss seit Tagen mit einem nostalgischen Seufzgrinsen an dieses Elfmeterschießen denken…

Grund 94
Weil wir wie dicke Hummeln aus Europa geflogen sind

Europa, das kennen wir ja seit der Saison 2005/06 – damit kann man in Mainz niemanden hinterm Ofen vorlocken. Es sei denn… Der Verein findet sich in völlig neuen Sphären wieder und die Qualifikation lockt nicht etwa dank eines ominösen Lostopfes, sondern aus eigener Kraft. So reiben wir uns am Ende der zweiten Tuchelsaison verwundert die Augen, weil unser Team plötzlich Rang fünf belegt – oder vielmehr gar nicht so plötzlich, eigentlich bewegten wir uns über den ganzen Saisonverlauf zwischen Platz eins und fünf, übrigens als einzige Mannschaft der Liga. So richtig damit gerechnet, uns am Ende für Europa zu qualifizieren, haben wir irgendwie trotzdem nicht.

111 GRÜNDE, MAINZ 05 ZU LIEBEN - Mara Braun - 3D-Cover - highres

Es wird ein denkbar kurzer Ausflug. Das Hinspiel gegen Gaz Metan Mediaş in der Coface Arena, die noch so neu riecht, dass wir uns nicht zuhause fühlen (es ist das erste Pflichtspiel in den Bretzenheimer Feldern) verlieren wir 1:1 – so fühlt es sich zumindest an; daran ist auch, aber nicht nur, der schottische Schiedsrichter schuld. Macht aber nichts, gewinnen wir eben das Rückspiel – denkste. An einem schönen Sommertag im August reist die Mannschaft samt ein paar Fans nach Rumänien, um alles klarzumachen. Nach der regulären Spielzeit steht es wieder 1:1 – so langsam wird man an den heimischen Fernsehgeräten nervös. Nach der Verlängerung müssen wir trotz 44:4 Torschüssen in diesen 210 Minuten ins Elfmeterschießen. Dreimal legen die Mainzer vor, dreimal ziehen die Spieler von Gaz Metan nach. Den Schuss von Sami Allagui wehrt der überragende Răzvan Pleşca ab. Macht aber wieder nichts, denn im Anschluss hält auch Christian Wetklo – alles ist also weiter offen.

Was folgt ist ein großes Gekreische in etlichen Mainzer Kneipen, als ausgerechnet Soto als nächstes zum Elfmeterpunkt kommt. Soto, Held, der er ist, keine Frage – aber einen Elfmeter? Da hätte man doch lieber noch den bereits ausgewechselten Andreas Ivanschitz auf dem Platz. Der kann aber nur noch zusehen, als Pleşca ein zweites Mal hält; Wetklo anschließend leider nicht.

Europa, wir kommen doch nicht; und an diesem Tag kann man guten Gewissens noch nicht einmal den Schiri verantwortlich machen – also schieben wir es auf das absurd hässliche, gestreifte Trikot, das die Spieler in Rumänien anhatten.

Mara Braun & Christian Karn
111 Gründe, Mainz 05 zu lieben
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag
ISBN 978-3862652709

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