Jobcheck: Wortpiratin – Fragen & Antworten

Im Frühjahr habe ich Christian Einsiedel von creativeminds ein Interview über meinen Joballtag gegeben. Mittlerweile ist die Seite mit der schönen Reihe Jobcheck leider down, weshalb ich den Text nun hier im Blog veröffentliche.

Wie sieht Dein Berufsalltag aus?
Alltag meint ja routinemäßige Abläufe, die gibt es bei mir eigentlich (fast) nicht. Das liegt zum einen daran, dass ich in unterschiedlichen Bereichen arbeite – als Autorin, Journalistin und momentan häufig auch Texterin – die zwar ähnlich, aber eben nicht identisch sind. Und zum anderen sind diese Bereiche jeder für sich schon sehr vielfältig. Es kommt vor, dass ich morgens früh in einem Meeting sitze, andere Tage beginnen mit dem Abarbeiten von Mails, wieder andere auf der Autobahn, unterwegs zu einem Gesprächspartner. Oder ich bin vor elf nicht zu erreichen, weil ich bis in die frühen Morgenstunden an einem aktuellen Buchprojekt gesessen habe – und erstmal Schlaf nachholen muss. Im Prinzip sieht jeder Tag anders aus.

Büro at home. (Foto: Saja Seus)

Büro at home. (Foto: Saja Seus)

Auf welche Fähigkeiten kommt es an?
Strukturell definitiv Flexibilität und Organisationstalent. Und Disziplin, gerade nach langen Schreibnächten ist der Gedanke verlockend, den Tag einfach im Bett zu verbummeln… Mut, Begeisterung, Fleiß und Selbstvertrauen, um den Berg immer neu zu erklimmen. Das ist die eine Seite. Die andere ist das Handwerk. Talent schadet natürlich nicht, aber eine Ausbildung ist gut und wichtig, auch wenn es den klassischen Weg in viele schreibende Berufe nicht gibt. Ich möchte mein Zeitungsvolontariat jedenfalls nicht missen, es hat mir den Blick geschärft, meine Belastungsgrenze an Orte verschoben, von denen ich damals noch nichts wusste und – Stichwort Vernetzung – viele der Kontakte aus dieser Zeit pflege ich bis heute.

Was sind Sonnen- und Schattenseiten?
Ich liebe meinen Job, und die Zufriedenheit, die das mit sich bringt, ist fantastisch. Muss sie auch sein, denn der Stress ist auf der anderen Seite oft genug enorm. Aber da unterscheidet sich meine Bilanz wahrscheinlich nicht von der anderer Selbständiger: Manchmal meint die viel zitierte Freiheit dieses Arbeitsmodells eben, sieben Tage in der Woche am Schreibtisch zu verbringen. Und dann wieder das großartige Gefühl, niemanden um Erlaubnis fragen zu müssen, wenn heute einfach etwas anderes wichtiger ist als die Arbeit. Das möchte ich nicht missen – und ich glaube, dieses Freiheitsbedürfnis ist für viele Selbständige ein Antrieb.

Wie bist Du geworden was Du bist?
Ich wollte immer schreiben – aber die Vorstellung darüber, wie das genau aussehen soll, hat sich über die Jahre immer weiter verändert oder vielleicht: konkretisiert. Meine große Liebe in Sachen Job ist definitiv der Journalismus, einfach als Form. Und es macht mir unglaublich viel Freude, Menschen zu treffen, ihre Geschichten zu erzählen. Auch an meine Bücher, die ja Sachbücher sind, gehe ich journalistisch ran, und als Texterin lege ich auf Recherche ebenso viel Wert wie in anderen Bereichen. Bei allen Veränderungen in den Branchen, in denen ich unterwegs bin, ist es natürlich immer schwieriger, die perfekte Nische für sich zu finden. Ich denke, beruflich bin ich sicher auf der Suche nach dieser persönlichen Nische das geworden, was ich heute bin, und die wird vermutlich ein Leben lang weiter gehen und dabei mich und meine Arbeit auch immer wieder und weiter verändern.

Welche Tipps hast Du für Einsteiger?
Einfach machen! Für manche Dinge im Leben gibt es den perfekten Zeitpunkt eben nicht, das gilt ganz sicher auch bei der Frage: Selbständigkeit – ja oder nein. Wobei das kein Aufruf zur Planlosigkeit ist, im Gegenteil, mir hat es sehr geholfen, mich im Vorfeld hinzusetzen und mir zu überlegen: Was will ich machen, wie soll ich mich aufstellen und wo möchte ich eigentlich hin? Ansonsten glaube ich an das Credo, wer gut schreiben will, muss immer auch lesen, und wer besser schreiben will, muss vor allem eins: schreiben, schreiben und noch mal schreiben.

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