Mainz 05 – Das Gebot der Stunde lautet: Vertrauen

Hinter allen, die den 1. FSV Mainz 05 im Herzen tragen, liegt ein sehr gutes Wochenende. Die Aufholjagd gegen den VfB Stuttgart am Samstag war Balsam für die Fanseele und hat mal wieder gezeigt, was Mainz 05 ausmacht. Die von Coach Sandro Schwarz ausgerufene Kampfwoche mündete in das versprochene Kampfspiel, die wichtigen drei Punkte blieben daheim, vor einer Kulisse, die bei Schneeregen in Zahlen mäßig, im Auftritt aber lautstark und leidenschaftlich war. Ein Nachmittag, der sich einfach gut angefühlt hat.

Gut angefühlt hat sich auch das Ergebnis bei der Wahl zum neuen Präsidenten von Mainz 05. Im ersten Wahlgang einen mehrheitlichen Kandidaten zu finden, damit hatte wohl niemand so wirklich gerechnet. Genau die dadurch demonstrierte Geschlossenheit ist es aber, die der Verein aktuell so dringend braucht. Dass knapp 1300 Fans den Weg in die Halle 45 gefunden haben, ist ein starkes Bekenntnis zum Verein. Immerhin gab es in den letzten Monaten viele Versammlungen, bei denen die Fans gefragt waren. Dass dieser demokratische Prozess mit einer außerordentlichen Mitgliederversammlung endet, zu der mehr Menschen als bei den bisherigen Zusammenkünften gekommen sind, ist ein starkes Zeichen. Der Verein und die Mitglieder können stolz sein auf das, was gemeinsam gestemmt wurde. Inhaltlich fängt die Arbeit, das hat der neue Präsident Stefan Hofmann bereits betont, nun aber erst an.

Stefan Hofmann, der neue Präsident des FSV Mainz 05. (Quelle: Mainz 05)

Stefan Hofmann, der neue Präsident des FSV Mainz 05. (Quelle: Mainz 05)

Trotz dieser positiven Nachrichten liegt mir noch etwas negativ auf dem Herzen, und es ist mir wichtig, das auch anzusprechen. Die Art und Weise, wie in den letzten Wochen teilweise mit Bewerberin Eva-Maria Federhenn umgegangen wurde, ist wahrlich kein Ruhmesblatt. Und ich meine damit das Verhalten einiger Fans. Abgesehen von bereits thematisierten Undingen wie der Tatsache, dass sich eine Frau im Jahr 2018 noch die Frage gefallen lassen muss, was sie eigentlich von Fußball versteht, finde ich es schon erstaunlich, wie bereitwillig jede Behauptung und jedes Gerücht über die Kandidatin aufgenommen wurde. Die teilweise fast schon genüssliche Diskussion um Federhenn war geprägt von persönlichen Angriffen auf ihre Person und die Tatsache, dass sie als Frau und eben als Kandidatin des Aufsichtsrates antritt. In der gespannten Erwartungshaltung auf die nächste „Enthüllung“ hatte das schon etwas von Katastrophentourismus.

Bitte nicht falsch verstehen, generelle kritische Nachfragen ebenso wie die zu ihrer Rolle als AR-Kandidatin sind absolut in Ordnung, wenn nicht geboten. So, wie auch die anderen drei Kandidaten sich kritische Nachfragen gefallen lassen mussten. Meinungsbildung gehört zur Demokratie und es ist löblich, wie intensiv die BewerberInnen den Austausch in der Kürze der Zeit zugelassen haben. Die Angriffe gegen Federhenn haben vielfach aber die Grenzen des Anstands weit hinter sich gelassen. Ihren traurigen Abschluss fand diese Aggression in der Mitgliederversammlung, als sie sich nach der Vorstellungsrunde aller vier BewerberInnen hitzig vorgetragene Vorwürfe gefallen lassen musste, die nur schlecht als Fragen getarnt waren.

Aufsichtsratsmitglied Eva Federhenn. (Foto: Malino Schust)

Aufsichtsratsmitglied Eva Federhenn. (Foto: Malino Schust)

Laut wurden da ihre Qualifikation und Integrität in Frage gestellt, wurden Behauptungen dürftig in Frageform gekleidet – all das in einem Ton, der einfach daneben waren. Die Mitglieder reagierten darauf glücklicherweise sensibel. Je lauter das Geschrei in Richtung Podium wurde, umso lauter wurde auch das Plenum. Ziemt es sich normalerweise nicht, Fragesteller bei einer Versammlung auszubuhen, war es in dieser Situation genau richtig. Ein solches Verhalten ist einfach unfassbar. Schwer zu glauben, dass ein Mann, sei er auch Bewerber des Aufsichtsrats, sich genauso hätte attackieren lassen müssen. Zur Erinnerung: Eva Federhenn gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten zum Verein, engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich und hat sich für Mainz 05 schon – Pardon my French – an Stellen den Arsch aufgerissen, von deren Existenz diese Krakeeler vermutlich gar nichts wissen.

In den letzten Wochen ist zurecht viel von Identifikation, von Einigkeit und Gemeinsamkeit in unserem Verein geschrieben und gesprochen worden. Ich füge dem noch das Wort Vertrauen hinzu und bitte alle Mitglieder und Fans, davon wieder ein bisschen mehr zu entwickeln.

Mit Stefan Hofmann ist heute ein Präsident gewählt worden, der sich selbst im Vorfeld der Wahl immer wieder als unabhängig beschrieben hat. Darauf sollten wir nun vertrauen. Wir sollten auch darauf vertrauen, dass der – übrigens von den Vereinsmitgliedern selbst gewählte, just saying – Aufsichtsrat den Verein nicht ins etwa Chaos stürzen will und die Mitglieder einige der ihm nicht zwangsläufig zugeteilten Aufgaben in den letzten Monaten vielleicht einfach auch übernommen haben, weil das bekannte Vakuum in der Verantwortung bestand. Wir sollten darauf vertrauen, dass Eva Federhenn ihre Arbeit im Aufsichtsrat weiter verantwortungsvoll ausführen wird, weil völlig unstrittig ist, dass in ihrer Brust ein 05-Herz schlägt.

All das bedeutet keineswegs, dass wir unkritisch sein sollten oder unaufmerksam damit, was in unserem Verein geschieht. Aber wir sollten die Ruhe, die wir fordern, auch geben: Indem wir die Gremien sich nun finden und ihre Arbeit aufnehmen lassen. Das wird sicher schwierig genug, denn es gibt viel zu tun. Allen Beteiligten wünsche ich dabei Mut, Kraft, Ausdauer und ein glückliches Händchen. #nurderFSV

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