Mainz 05: Die nächste peinliche Vorstellung

Bei den Überlegungen, wie man den 1. FSV Mainz 05 (wieder einmal) neu aufstellen kann, ist den Verantwortlichen des Vereins speziell im Aufsichtsrat offenbar lediglich eine Sache eingefallen: Zurück in die Zukunft. Das hieß entsprechend, für das hinter verschlossenen Türen schon länger diskutierte „Projekt 2030“ (…) Christian Heidel um Mithilfe zu bitten.

Detlev Höhne sucht Erklärungen. (Screenshot: PK Mainz 05)

Auch wenn Aufsichtsratschef Detlev Höhne (li.) und Vorstandsvorsitzender Stefan Hofmann bei der kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Dienstagabend erkennbar bemüht waren, zu versichern, es sei dabei um einen vierten Vorstandsposten gegangen, der in keinerlei Konkurrenz zu dem bisherigen Sportvorstand Rouven Schröder gestanden hätte: Dem ist das Ganze zuletzt offenbar zu blöd geworden. Anders lässt sich kaum erklären, warum Schröder um eine vorzeitige Auflösung seines Vertrages gebeten hat. Denn dass jener Schröder den von ihm über Jahre gelebten Verein in einer Situation wie der gegenwärtigen verlässt, ist eine derart abwegige Nummer, dass Druck und Frust enorm gewesen sein müssen.

Detlev Höhne und Stefan Hofmann sprachen in besagter PK von der wirtschaftlich und sportlich schwierigen Lage des Vereins. Das eigentliche Dilemma, nämlich der komplette Verlust einer Vereinsidentität in den vergangenen Jahren, war gar kein Thema, was vermuten lässt, diese Problematik ist den handelnden Personen nach wie vor überhaupt nicht bewusst. Und auch nicht, wie intensiv gerade an einem Standort wie Mainz das eine mit dem anderen zusammenhängt. Nach Sandro Schwarz verheizt dieser Club, verheizt dieses Umfeld binnen gut eines Jahres die zweite Person, die den Verein mit jeder Faser gelebt hat. Und letztlich ist diese zweite Trennung in gewisser Weise auch eine Spätfolge der ersten im November 2019.

Natürlich lässt sich an beiden, Schröder und Schwarz, Kritik äußern, man muss nicht mit allem einverstanden sein, was sie angefasst haben und ja, es sind auch Fehler passiert. Von all den Schritten aber, die der Verein nach dem Abschied von Heidel unternommen hat, waren diese Personalien die mit dem größten Potential. Zumal bei Schröder zuletzt sehr deutlich erkennbar war, dass er aus komplizierten Situationen und diskutablen Entscheidungen der unmittelbaren Vergangenheit, zum Beispiel in Sachen Kader, Lehren gezogen hat, die nur unter Corona nicht so schnell umsetzbar waren, wie er das gewollt hätte.

Wie es an einem Standort wie Mainz, einst Insel der Glückseligkeit, möglich geworden ist, einen sportlich Verantwortlichen, der mehrere Abwerbeversuche abgewehrt hat, in der öffentlichen Wahrnehmung so negativ dastehen zu lassen, gehört zu den Geheimnissen, die dieser Club in den letzten Jahren angehäuft hat. Kein einziges Problem ist mit diesem Schritt jetzt gelöst, ganz im Gegenteil. Und was als nächstes passiert, steht vollkommen in den Sternen.

Die Pressekonferenz hat in ihrer kläglichen Hilflosigkeit an ähnliche öffentliche Auftritte der letzten Zeit angeknüpft. Zusammengefasst weiß gerade niemand, wie es weitergehen soll, alle hoffen ein bisschen auf Christian Heidel, dessen künftige Rolle aber auch völlig unklar ist, den Trainerposten möchte man natürlich nicht anfassen, bevor die sportliche Verantwortung nicht geklärt ist und wie es mit dieser verunsicherten Mannschaft nach dem nächsten Paukenschlag weitergehen soll: Nichts Genaues weiß man nicht. Was für ein Armutszeugnis.

Man muss das so deutlich sagen, mit Rouven Schröder verlässt der Mensch den Verein, der ihn in den letzten Jahren am intensivsten gelebt hat. Dieser Moment ist der letzte Beweis dafür, dass im Umfeld von Mainz 05 offenbar niemand eine Chance bekommt, der nicht Christian Heidel heißt. Jener hätte heute als Neuzugang in sportlicher Verantwortung selbst keine Chance mehr: „Der Autoverkäufer passt nicht zu uns“, würden die Expert*innen ins Internet schreiben und irgendwem nachheulen, der irgendwann vorher mal da war.

Es bleibt dabei, dass dieser Verein nach dem Abgang von Christian Heidel neue Strukturen brauchte. Das Chaos in den Jahren seither liegt auch darin begründet, dass in seiner Zeit alles an einer Person hing – so lässt sich heute kein Verein mehr führen. Strukturen allein sind aber keine Lösung, sie müssen auch mit den richtigen Personen gefüllt werden. Das hat Mainz 05 unterm Strich bis heute nicht geschafft. Die Aussichten sind sehr düster und wenn die Verantwortlichen immer noch glauben, der drohende Abstieg sei ihr größtes Problem, gilt das umso mehr.

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