Die Woche am Bruchweg (46/19)

Die feine Ader an der Schläfe von Danny Latza leistet harte Arbeit. Der Kapitän des 1. FSV Mainz 05 beantwortet die Fragen der Journalist*innen geduldig. Einer muss ja, da trifft es ihn in seiner Rolle nicht überraschend. Leicht kann ihm das kaum fallen, am Trainingstag eins nach Sandro Schwarz – aber es gehört nun mal zu seinem Job, voranzuschreiten. „Es wirkt natürlich noch ein bisschen nach, auf jeden Fall, aber es muss jetzt weitergehen“, gibt er zu Protokoll. Es sei für ihn persönlich ja nicht der erste Trainerwechsel. „Trotzdem war es für mich auch sehr emotional. Ich glaube, jeder wusste, was er am Trainer hatte.“

Künftig nicht mehr an der Seitenlinie: Sandro Schwarz. (Foto: Malino Schust)

Die Mannschaft müsse sich „vieles“ vorwerfen, bewertet Latza, der am Samstag von der Bank aus keine Chance hatte, das Drama mit abzuwenden. „Die Mannschaft hat sich, die Spieler haben sich in diese Situation gebracht. Jeder sollte sich hinterfragen, ob er wirklich alles gegeben hat, glaube ich, auch selbstkritisch sein.“ Die Ader arbeitet, während er einen Moment überlegt. Man müsse „trotzdem“ weitermachen, versucht die Nummer 6 den Blick von der Trainerentlassung in die Zukunft zu wenden. Müsse versuchen, etwas Positives aus der Situation mitzunehmen. Jeder wisse nun noch mehr, worum es gehe.

Die Mannschaft hat sich in diese Situation gebracht. Jeder sollte sich hinterfragen, ob er wirklich alles gegeben hat.

05-Kapitän Danny Latza

Latza ist nicht zu beneiden in diesem Moment. Die Fragen nach einem Wunsch in Sachen neuem Trainer schlägt er aus. Was soll er dazu auch sagen, außer, dass es jetzt Rouven Schröders Sache ist, den Weg vorzugeben. Jan-Moritz Lichte habe noch einige Worte an die Mannschaft gerichtet vor der Einheit am Morgen. Und alles Weitere? „Wir werden es sehen in den nächsten Tagen.“ Er, die Journalist*innen – und alle anderen. Für den Moment bleibt nur, abzuwarten, weiterzuarbeiten, bis eine Entscheidung steht.

Trübes Wetter, undefinierte Stimmung. (Foto: WP)

Zum Training zuvor hat sich eine Handvoll 05-Anhänger*innen eingefunden. Sie diskutieren den Auftritt von Torwart Robin Zentner im SWR am Sonntag und gehen gedanklich Trainer durch, die gerade zu haben sind. Bruno Labadia, finden einige, wäre – zumindest für den Moment – genau der Richtige. Wie es langfristig weitergeht auch da: Man wird es sehen.

Die Trainingsgruppe ist, bedingt durch die Länderspielpause, klein. Die Spieler wirken anfangs, als hätten sie am Morgen ein Memo bekommen, dass sie auf eine positive Ausstrahlung achten sollen, balgen sich wie kleine Jungs. Bald schon gehen sie aber konzentriert zur Sache. Jan-Moritz Lichte spricht viel mit dem Team, eine Hand in der Hosentasche unterstreicht er mit den ruhigen Gesten der anderen seine Worte. Normalität nicht nur zu vermitteln, sondern auch in die Köpfe und Beine hineinzubekommen, danach sieht jede Bewegung des Mannes aus, der in der aktuellen Situation gerne im Hintergrund bleiben möchte.

Klare Anweisungen, ruhige Einstellung: Jan-Moritz Lichte. (Foto: WP)

Als die Spieler schließlich in Kleinteams gegeneinander antreten, vermittelt das die Normalität erstmals an diesem Vormittag tatsächlich, zumindest ein wenig. Vieles ist da wie immer: Robin Zentner, der aus dem Tor mit lauten Worten seine Kollegen animiert. Alexandru Maxim, der sich auch im Training jede vergebene Chance zu Herzen nimmt. Florian Müller, der kurze Kommando auf Englisch gibt. Natürlich spüren die auf dem Feld jene, die am Rand stehen und beobachten, zumal auch das Presseaufkommen nochmal höher ist als in normalen Trainingswochen. Aber sie müssen sich davon freimachen, wie auch von allem anderen, was da gerade noch passiert.

Die Verantwortung für die veränderte Situation anzunehmen, wie Kapitän Danny Latza es fordert, ist das klare Ziel. Ihren nun ehemaligen Coach hat die Mannschaft am Ende im Stich gelassen, auch wenn sie das reichlich offensichtlich nicht wollte – die Erkenntnis vermittelt Latzas kurzer Auftritt sehr deutlich. Nun müssen sie gemeinsam wieder Verantwortung für den Verein übernehmen und endlich zu den 100 Prozent zurückkehren, die sie zuletzt nicht erreicht haben. Nach den Worten ihres Kapitäns zu urteilen, ist die Botschaft definitiv angekommen. Beim Testspiel am Freitag gegen Darmstadt 98 kann das Team dies erstmals wieder auch auf dem Platz unter Beweis stellen.

Eine neue Zeitrechnung

Im April 2017 kassierte Mainz 05 im Spiel gegen den SC Freiburg die fünfte Niederlage in Folge. Groß waren da die Fragezeichen hinter der weiteren Zukunft des damaligen Trainers Martin Schmidt. Sportdirektor Rouven Schröder vermied zunächst ein klares Bekenntnis. Am Morgen danach stellte er sich vor die Presse und verkündete, man werde die Saison mit Schmidt weitermachen. Mainz sicherte sich an deren Ende mit 37 Punkten auf Platz 15 den Klassenerhalt. Erst dann trennten sich die Wege von Trainer und Verein.

Bruchweg: The Times They Are-A-Changing. (Foto: WP)

Ich erinnere mich sehr gut an die damalige Situation, weil sie für mich einen Grundstein gelegt hat in meinem eigenen Verständnis. Die Auftritte der Mannschaft in den besagten fünf Spielen hatten bei mir die Überzeugung reifen lassen, es brauche den berühmten neuen Impuls von außen, um die Klasse noch zu halten. Schröders Entscheidung, die dem Vernehmen nach nicht zuletzt geprägt war von der Haltung des da noch amtierenden 05-Präsidenten Harald Strutz, war für mich schwer nachvollziehbar. Klar hatte man an Kloppo immer festgehalten, aber war das nicht eine gänzlich andere Situation? Ich weiß aber ebenso genau, dass ich im Verlauf des Tages sinngemäß schrieb: Entscheidung gefallen, egal wie, jetzt müssen sich alle wieder hinter den Verein stellen. Schon damals war dies meine feste Überzeugung, dass es zur Natur der Anhängerschaft gehören muss, hinter ihrem Verein zu stehen. Was sollte sonst ihre Rolle sein?

Prägend war dieser Apriltag aber aus anderen Gründen, die sich erst in der Nachbetrachtung herauskristallisierten. Aus dieser heraus hatten Rouven Schröder und die weiteren beteiligten Verantwortlichen nämlich die richtige Entscheidung getroffen, weil Mainz 05 die Klasse hielt – ohne sich dem zu unterwerfen, was gemeinhin als die „Regeln des Geschäfts“ betitelt wird. Dieser Moment war deshalb so wichtig, weil man unter neuer Regie den alten, in den vergangenen zwei Jahrzehnten etablierten inneren Gesetzen treu geblieben war – und damit Erfolg hatte. Für mich bleibt es deswegen einer, der viel aussagt über das Wesen des Vereins zu diesem Zeitpunkt, auch über Rouven Schröder, weil er bereit war, das Risiko einzugehen, sich in diese Tradition zu stellen. Und der dafür belohnt wurde. Das Credo, der Verein steht über allem, bedeutet demnach, die für den Verein definierten Werte stehen über allem – und zu diesen Werten gehört es, sich nicht kirre machen zu lassen von Erwartungen, die von außen an einen herangetragen werden. Im Zweifel: Die Regeln des Geschäfts zu ignorieren.

Rouven Schröder äußert sich im Vereinskanal zur Trennung von Schwarz. (Quelle: Mainz 05)

Man kann das anachronistisch finden, romantisch, verklärt. Es ist aber die Herangehensweise, die ich in jenem April 2017 für mich verinnerlichte als eine, die den Mainzer Weg weiter ausmachen würde – daran hat sich nichts geändert. Geändert hat sich aber, was seitens der Verantwortlichen als aktueller Weg angesehen wird und als Resultat gaben diese am Tag nach der Niederlage gegen Union Berlin die Trennung von Chefcoach Sandro Schwarz bekannt. Vorerst wird nun Co Jan-Moritz Lichte das Training leiten, gesucht wird derweil ein neuer Trainer, zu dessen Profil Rouven Schröder am Sonntag noch nicht viel sagen wollte, nur dies: Er werde vermutlich von außen kommen. Dies ändere nichts daran, dass man von den Trainern im Verein überzeugt sei, erklärte der Sportvorstand, aber es sei der Zeitpunkt gekommen, auch mal anders zu schauen, als es zuletzt üblich gewesen ist. Dieser Ansatz ist, da man den Trainer nun mal entlässt, sicher nachvollziehbar: Wenn schon anders, dann auch ganz und gar – und nicht bloß die halbe Strecke.

Schröder wirkte in der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz sichtlich niedergeschlagen, wie die meisten Vereinsmitarbeiter*innen, die bei Ankunft der Presse am Bruchweg waren. Natürlich sei das eine Situation, die „emotional auch weh tut“, sagte der Sportvorstand. Ein „sehr gutes, emotionales und einvernehmliches Gespräch“ sei der Entscheidung vorausgegangen, in dem Sandro Schwarz klar signalisiert habe, diesen Weg mitzugehen. Die Nachfragen blieben natürlich nicht aus, ob der Coach den Schritt von sich aus angeboten habe oder die Entscheidung vom Verein gekommen sei. Dazu sagte Schröder: „Es ist kein Frage-Antwort-Spiel. Es ist grundsätzlich so, dass wir als Verein natürlich den Takt vorgeben, dass wir die Verantwortung auch haben, zu sagen: So, es ist das Gefühl, dass wir uns trennen.“ Mehrfach betonte er, dieser Schritt sei eine Niederlage, die alle Verantwortlichen betreffe, nicht zuletzt die Mannschaft, die er sehr deutlich in die Pflicht nahm. „Wir wollten definitiv nicht diesen Mechanismus bemühen. Und trotz allem war es jetzt für uns in letzter Instanz der richtige Schritt.“

Bis zuletzt den Verein gelebt und geliebt: Sandro Schwarz. (Quelle: Mainz 05)

Einer, der – das war deutlich herauszuhören – auch dem Gefühl geschuldet ist, das Umfeld in der aktuellen Konstellation nicht mehr weiter hinter den Verein bringen zu können: „Nach und nach bekommst du ein Gefühl für die Situation. Sind wir noch in der Lage, in der Konstellation weiter zu arbeiten. Bekommen wir diese Geschlossenheit – auch im gesamten Umfeld – wieder hin. Auch mit negativen Erlebnissen, das ist ja wichtig, gibt’s da eine Toleranzgrenze oder ist das grundsätzlich negativ behaftet.“ In Teilen des Umfelds war, das muss man leider so klar sagen, die Personalie Sandro Schwarz von Anfang an negativ behaftet. Bemühungen, dies zu ändern, wurden einerseits unternommen – Beispiel die Gesprächsrunde mit Trainer und Fans – blieben aber andererseits Strohfeuer. Mit der Reaktion der Fans beim Spiel gegen Union Berlin scheint nun der Punkt erreicht, an dem die Sorge, das Umfeld vollständig zu verlieren für den gemeinsamen Weg, bei den Verantwortlichen zu groß wurde. Das ist, gerade für Mainz, schon ein bemerkenswerter Vorgang. Spannend ist dabei vor allem die Frage, wer nun derjenige sein soll, der dieses Umfeld von der Seitenlinie aus wieder hinter den Verein bringen soll.

„Ich verstehe das so in meinem Beruf, dass man seinem Trainer bedingungslos zur Seite steht und mit ihm in guten wie in schlechten Zeiten die Dinge bestreitet.“
Rouven Schröder

Zumal Schwarz im Verein selbst, bei den Menschen, die täglich mit und unter ihm arbeiteten, eine sehr hohe Anerkennung genossen hat. Das wird in Gesprächen immer wieder deutlich, weil diese Leute es deutlich machen, betonen, wie groß sein Anteil war an ihrer Entscheidung, sich Mainz 05 anzuschließen. Seine Entlassung berührt viele Punkte, die von außen gar nicht sichtbar sind und inwiefern das Nachbeben bedeutet, bleibt abzuwarten. Schröder jedenfalls hielt am Sonntag ein letztes Plädoyer für seinen Trainer: „Viele im Umfeld glaube ich wissen es immer noch nicht, wie leidenschaftlich Sandro diesen Verein gelebt und geliebt hat. Seine Spieler gelebt und geliebt hat. Jeden Tag sich den Arsch aufgerissen hat für die Nummer. Und es ist einfach so, dass mir das auch nahegeht, weil einfach der eine oder andere Spieler das in der Form nochmal deutlicher auch hören musste von meiner Seite, dass es für uns alle eine Niederlage ist. Das ist ein Punkt, wo sich jeder noch mal deutlich hinterfrage muss, wie die Reise weitergeht. Denn der Charakter wird entscheidend bleiben, auch für die Zukunft.“

Diese Zukunft zu gestalten ist nun sein dringlichster Auftrag. Erste Berater*innen hätten ihre Trainer nur Sekunden nach der Mitteilung über das Aus von Sandro Schwarz bereits bei ihm angeboten, sagte Schröder, ein Seufzen im Blick. So ist nun mal das Geschäft. Und mit der Entscheidung vom Sonntag ist Mainz 05 fürs Erste ein ganz normaler Bestandteil dieses Geschäfts geworden. So kam nach den emotionalen Einblicken von Rouven Schröder in die Vorgänge seit dem Abpfiff vom Samstag denn auch seine deutliche Ansage: „Es gilt jetzt, den Blick nach vorne zu richten, denn das ist unsere Aufgabe, und im Sinne des Vereins eine gute Lösung zu finden.“

Die Woche am Bruchweg (45/19)

Das Training am Bruchweg in der Woche nach dem 0:8 in Leipzig beginnt ruhig. Auf dem Platz schleichen die Spieler anfangs noch merklich, doch im Laufe des Vormittags wird ihr Gang in der herbstlichen Sonne aufrechter. Zunächst aber scheint es, als laste die Anwesenheit der Kiebitze auf ihnen, das Wissen um die vielen Augenpaare, die auf ihnen ruhen, die Frage, was denken die Menschen am Spielfeldrand, was fühlen sie. Später wird Sandro Schwarz in der Medienrunde sagen: „Du schämst dich. Auch jetzt noch. Null zu acht zu verlieren, das ist brutal. Alles tut weh.“ Genau diesen Eindruck vermittelt sein Team um kurz nach zehn an diesem Dienstagmorgen.

Anfangsverkrampfung: Zu Beginn des Trainings wirken die Spieler gehemmt. (Fotos: WP)

Anfangsverkrampfung: Zu Beginn des Trainings wirken die Spieler gehemmt. (Fotos: WP)

Es wird das einzige öffentliche Training in dieser Woche bleiben. Eine regelmäßige Beobachterin erzählt, dass sie vor der Einheit mit Jean-Paul Boëtius gesprochen hat. „Ich habe ihm gesagt, wie weh das tut.“ Der Niederländer habe erwidert, für niemanden tue es ihnen, den Spielern, so leid, wie für die treuen Fans. Weder Mannschaft noch Verantwortliche weichen dem Kontakt mit den Anhänger*innen aus. Niemand verkriecht sich. Als Sandro Schwarz später gefragt wird, ob er sich anschaue, was derzeit in den sozialen Medien abgehe, ist seine Haltung klar. Natürlich bekommt er das zugetragen und: „Dass alle unzufrieden sind, das kann ich doch nachempfinden.“ Seine Räume aber sind andere, betont er – und dort ist er auch ansprechbar. „Wenn sie zum Training kommen und mich jemand darauf anspricht, dann können wir sehr gerne über diese Dinge sprechen.“ Das spüren auch die Autogrammjäger, die an diesem Tag vor Ort sind.

Eingrooven auf die wichtige Einheit.

Eingrooven auf die wichtige Einheit.

Vor Ort ist in einer Woche wie dieser auch deutlich mehr Presse als sonst. Alle wollen sich einen Eindruck machen, wie der Umgang zwischen dem Team auf und dem neben dem Platz wirkt. Unter den Fans ist anfangs vor allem Niko Kovac Thema. Hat er tatsächlich hingeworfen? Oder nicht? Soll man neidvoll auf diese Entwicklung in München schauen oder ist man froh über die hiesige Stabilität in Personalfragen? Auch Rouven Schröder hat schließlich die Mannschaft gefordert – und nicht etwa den Trainer infrage gestellt.

Zuversicht zurückerarbeiten.

Zuversicht zurückerarbeiten.

Dieser wehrt sich vehement gegen die Formulierung, das Team sei durch Schröders Aussage angezählt, und verteidigt seine Spieler leidenschaftlich. „Das mache ich nicht mit. ‚Diese Mannschaft!‘ ‚Diese Spieler!‘ Nein, nein, nein.“ Kopfschütteln untermalt seine Worte. „Da sitzt niemand und denkt sich: ‚Ich habe mit der ganzen Sache nichts am Hut.‘“ Wie eng die Spieler und das Trainerteam zueinanderstehen, ist auf dem Trainingsplatz zu beobachten. Schwarz feuert nicht nur, wie sonst, lautstark an, er ist auch ständig selbst an der Linie in Bewegung, als wolle er seine Worte zu den Spielern tragen.

Die kommunizieren sehr viel untereinander. Robin Zentner ist dabei abermals auffällig, Boëtius fungiert als leidenschaftlicher Lautsprecher und zudem immer wieder als Übersetzer. Deutlich ist zu spüren, wie Niakhatés Präsenz Spielzüge verändert. Die Intensität auf dem Feld nimmt zu und es scheint, als hätten die Trainierenden sich ein wenig von der Last des Wochenendes freigelaufen. Schwarz bestärkt und lobt seine Spieler. Aufbauarbeit nennt sich das wohl, für konstruktive Kritik bleibt diese Woche noch genug Zeit, ohne das fremde Augen und Ohren über die Kommunikation auf dem Platz wachen.

Meine Spieler geben mir Hoffnung.
Sandro Schwarz, Cheftrainer

Schwarz beschönigt nichts, als er später mit den Journalist*innen spricht. Er macht deutlich, wie beschissen sich der Samstag für alle Beteiligten angefühlt hat, wie peinlich und beschämend das Ergebnis für sie sei. In einer solchen Situation gebe es zwei Möglichkeiten, so der Trainingsleiter: Alles in Schutt und Asche legen, die Spieler an die Wand nageln und alles infrage stellen – für ihn der falsche Ansatz. Das erste Gegentor? Vermeidbar. In den ersten 25 Minuten sei danach viel so gelaufen, wie sich die Mannschaft das vorgenommen habe.

Gemeinsames Auslaufen nach dem Training.

Gemeinsames Auslaufen nach dem Training.

Ab dieser 25 Minute lautet sein Fazit: katastrophal. „Die größte Entschuldigung, die wir bringen können, ist die Leistung auf dem Platz.“ Wem sollten noch mehr Worte helfen? „Leistung. Das ist der einzige Weg, um alle zufriedenzustellen.“ Das schlechte Gefühl wollten sie schließlich auch selbst loswerden. „Die Entschuldigung muss man uns ansehen.“

Die krachende Niederlage in Leipzig vergleicht der Coach mit der 1:6-Pleite am dritten Spieltag gegen Bayern München. „Da kannst du die Schablone drauflegen.“ Jede Erkenntnis helfe dabei, gemeinsam weiterzuarbeiten. „Ich bleib dabei, wir haben zu viele Spiele verloren. Aber ich werde nicht sagen, sie sind nicht lernfähig. Sie verlieren den Kopf, ja.“ Da spiele auch der Faktor „junge Mannschaft“ mit hinein, gleichwohl Schwarz den nicht als Entschuldigung heranziehen mag.

Stattdessen, Einzelgespräche, weil jeder Spieler anders ist, auch in seinen Bedürfnissen. „Der eine braucht vielleicht mehr den Zuspruch, das Positive.“ Ein Beispiel hierfür ist Ronaël Pierre-Gabriel (21), der bei drei Startelfeinsätzen bisher ausgerechnet die Spiele bei den Bayern und RaBa Leipzig miterlebte und zudem in der Partie gegen Wolfsburg bereits nach einer Stunde vom Feld musste.

Trainerbesprechung.

Trainerbesprechung.

„Weil er diese zwei Extremerfahrungen gemacht hat, wenn du mit ihm in die Analyse gehst, macht es jetzt sicher wenig Sinn, ihm nochmal alles aufzuzeigen, wie schlecht das ist, sondern du musst die Dinge inhaltlich aufarbeiten und ihm zeigen, warum er hier ist und was für ein Potential er hat.“ Dazu gehöre auch die notwendige Geduld. „Der kann das, zu einhundert Prozent.“

Im Glauben an jeden einzelnen Spieler, mit dem er und sein Team arbeiten, zeigt Sandro Schwarz sich ungebrochen und beantwortet die Frage, was ihm in der aktuell schwierigen Situation die meiste Hoffnung mache, mit Nachdruck und großer Klarheit. „Meine Mannschaft. Meine Spieler geben mir Hoffnung.“ Am Samstag haben sie die Gelegenheit, diese Hoffnung auch bei der Anhängerschaft wieder zu entfachen.

Mainz 05: Where do we go from here?

Das hat gesessen. Mainz 05 verliert 0:8 in Leipzig und kassiert damit die höchste Bundesliga-Niederlage der Vereinsgeschichte. Es ist ein Tag, an dem die sachliche Analyse schwerfällt, weil jede*r, di*er dem Verein irgendwie verbunden ist, ganz selbstverständlich (auch) emotional auf das reagiert, was da auf dem Platz passiert ist. Es war ehrlich gesagt schwer genug, sich das bis zum Ende anzuschauen – die betretenen Gesichter der Protagonisten nach dem Spiel, halfen dann auch nicht weiter. Der Versuch ist aber umso wichtiger, weil Emotionen, so relevant sie im Fußball sind, hier einfach nicht weiterhelfen. Aber der Reihe nach.

05-Coach Sandro Schwarz in der Pressekonferenz nach dem Spiel. (Quelle: Screenshot)

05-Coach Sandro Schwarz in der Pressekonferenz nach dem Spiel. (Quelle: Screenshot)

Die Startelf
Gegen eine Mannschaft wie RaBa Leipzig, die unter der Woche den VfL Wolfsburg in deren Stadion mit 6:1 überrollt hat, geht jeder Coach am liebsten mit eingespieltem Innenverteidiger-Duo. Diese Möglichkeit war Sandro Schwarz aber leider durch die fünfte gelbe Karte gegen Moussa Niakhaté im Heimspiel gegen Köln genommen. Da zudem Stefan Bell langzeitverletzt ausfällt und Ahmet Gürleyen, das junge Talent auf dieser Position, aufgrund eines grippalen Infekts unter der Woche kaum trainieren konnte, stellte sich Alexander Hack quasi von selbst auf.

Für die Rechtsverteidigerposition hatte Sandro Schwarz im Vorfeld zwei Optionen und er entschied sich für Ronaël Pierre-Gabriel statt Daniel Brosinski. Nachvollziehbar, da Brosinski zwar einer ist, der um jeden Meter kämpft, Pierre-Gabriel unter der Woche im Training aber einen sehr guten Eindruck gemacht hat und das Trainerteam ihm in Sachen Geschwindigkeit vermutlich eine bessere Leistung unterstellte als seinem um zehn Jahre älteren Konkurrenten. Im Mittelfeld vertraute der Trainer wie zuletzt gegen Köln Jean-Paul Boëtius, Levin Öztunali, Kunde Malong und Ridle Baku, im Sturm Robin Quaison und – vielleicht auch aufgrund der gemeinsamen Vergangenheit mit RaBa-Coach Julian Nagelsmann – Ádám Szalai.

Startelf als Reaktion auf die Trainingsleistungen unter der Woche.

Startelf als Reaktion auf die Trainingsleistungen unter der Woche.

Die Anfangsphase
Klingt mit dem Wissen um die ganze Partie witzig, ist aber so: Die 05er sind besser in die ersten Minuten gekommen, als die Heimmannschaft. Das war auch die Kritik, die ihr Coach nach dem Spiel auf hohem Niveau in der Pressekonferenz äußerte. Weil aber Boëtius Rückpass nicht beim Mitspieler ankommt, stattdessen Timo Werner aus dem Mittelfeld Marcel Sabitzer bedient, der von St. Juste nicht entscheidend genug und von Hack gar nicht gestört wird, liegt die Schwarz-Elf bereits nach fünf Minuten mit 0:1 hinten. Damit ist der Matchplan erstmal hinfällig.

Die Psychologie
Egal, wie sehr man sich als Team auch vornehmen mag, ein Ergebnis wie jenes der Leipziger unter der Woche für das eigene Spiel außen vor zu lassen, so ganz kann das kaum gelingen. Bei einem so frühen Gegentor dürften die Alarmglocken dann also erst Recht angehen. Das gilt für Spieler wie Hack oder Pierre-Gabriel, die ihre Chance unbedingt nutzen wollen, besonders. Das Alter eines Profis ist nicht per se eine Begründung für eine schwache Leistung, es gehört in der Betrachtung aber dennoch dazu, weil eben auch jene Profis am Ende des Tages nur Menschen sind – und Pierre-Gabriel ist gerade mal 21 Jahre alt. Dass dieser jungen Spieler, der bereits das Debakel gegen die Bayern auf dem Platz miterlebte, beeindruckt war vom Druck der Leipziger, schien offensichtlich. Die erhoffte Geschwindigkeit brachte er so kaum auf den Platz.

Auch für Hack (26) ist es bezogen auf die wenigen bisherigen Einsätze ein Déjà-vu, so schnell und effektiv überrannt zu werden, gehörte er doch ebenfalls zur Startelf in München. Dasselbe gilt für Boëtius (25), Baku (21) und Aarón (22). Auf solche Ansätze zum Verständnis der Partie folgt häufig die Erwiderung, das sei „keine Entschuldigung“. Damit habe ich ehrlich gesagt so recht nie etwas anfangen können. Es geht doch vielmehr darum, einer derart schlimmen Niederlage so auf den Grund zu gehen, dass sie künftig vermieden wird. Fans mögen zwar nach einer Entschuldigung dürsten, was sicher verständlich ist. Für die Analyse taugt sie als Ansatz aber kein bisschen.

Die Aufstellungen der beiden Teams in Leipzig. (Quelle: Mainz 05)

Die Aufstellungen der beiden Teams in Leipzig. (Quelle: Mainz 05)

Der weitere Spielverlauf
In der ersten halben Stunde hatten die 05er in Person von Hack und dem erneut starken Öztunali sogar die Chance, noch auszugleichen. Weil das nicht gelang und RaBa sich anschließend in einen echten Torrausch spielte, stand es nach 39 Minuten bereits 4:0 für Leipzig. Schwarz reagierte noch vor der Pause, brachte Kapitän Danny Latza für den blass gebliebenen Szalai und stellte um auf ein 5-4-1. Dem Team fehlte zunächst weiter komplett der Zugriff und das 5:0 fiel noch vor der Pause. Zum Vergessen waren auch die ersten Minuten der zweiten Hälfte, in denen die Mannschaft das 6:0 und das 7:0 kassierte. Sollte es an diesem Tag zweistellig werden?

Nein. Denn nach den unsicheren ersten Minuten in Halbzeit zwei fingen sich die 05er – endlich. Dabei half zwar, dass Leipzig nun einen Gang herunterschaltete, die Abstimmung innerhalb des Teams funktionierte jetzt aber auch besser, speziell nachdem Schwarz in der 54. Minute Brosinski für den völlig indisponierten Kunde Malong brachte. Als der Ball nach einem guten Schuss von Quaison im Netz zappelte, keimte gar kurz Hoffnung auf, man könnte das Ergebnis vielleicht von dieser Seite ein bisschen korrigieren. Doch der Linienrichter zeigte Abseits an – es sollte nur aus Leipziger Sicht noch ein Treffer zum 8:0 fallen.

Seine Einwechslung zahlte sich aus: 05-Veteran Daniel Brosinski. (Foto: Malino Schust)

Seine Einwechslung zahlte sich aus: 05-Veteran Daniel Brosinski. (Foto: Malino Schust)

Die Grundsatzfrage
Die Feldreporter*innen hatten nach der Partie nur eine Frage an die Spieler der 05er: War es nicht ein Fehler, mit einer so mutigen und offensiven Aufstellung ins Spiel gegen Leipzig zu gehen? Doch die wurde reihenweise verneint und Robin Zentner brachte den Grund dafür auf den Punkt: „Das ist es, wie wir Fußball spielen wollen.“ Es schmerzt nach einem Nachmittag wie diesem natürlich, klar ist aber auch, genau dieser mutige Ansatz hat Mainz 05 im Heimspiel der Saison 2017/18 den 3:0-Sieg gegen Leipzig beschert, den Auswärtssieg gegen Dortmund am Spieltag darauf – und mit diesen beiden Partien den Klassenerhalt.

Denn das ist der Deal: In einer Weiterentwicklung des Fußballs, der bei Mainz 05 unter Wolfgang Frank und Jürgen Klopp gespielt wurde, erweitert um Elemente des Tuchel-Fußballs, lässt Schwarz mutig und mit Lust am Ballbesitz spielen. Das ist mal mehr und mal weniger erfolgreich – und wenn es nicht erfolgreich ist, tut es bisweilen auch richtig weh.

Wenn also nun nach einem Spiel wie dem in Leipzig an etlichen Stellen wieder die Trainerfrage gestellt wird, so ist das eigentlich Unsinn, weil es nicht um eine Personenfrage geht. Es geht im Verein vielmehr um eine Systemfrage: Für welchen Fußball will Mainz 05 stehen?

Wir brauchen auch das Thema Trainer nicht in Frage stellen. Das ist ganz klar eine Thematik, bei der wir die Mannschaft in die Pflicht nehmen. Wir stehen als Verein zusammen. Und der Trainer bleibt der Chef der Mannschaft, da werden wir gemeinsam arbeiten, um die Mannschaft aufzurütteln. Der Trainer ist im Moment der ärmste, der die Mannschaft in der Woche und auch vor dem Spiel sehr gut eingestellt hat.
Rouven Schröder, 05-Sportvorstand

Klar kann man in ein Spiel wie das gegen RaBa auch mit der maximalen Mauertaktik reingehen, natürlich kann man die Tore ausschließlich mit hohen Bällen auf einen nun wieder vorhandenen Stoßstürmer einleiten. Auch das hat es in den vergangenen Jahren in Mainz phasenweise schon gegeben. Schön anzusehen war es nicht. Der Fußball, den die Mannschaft aktuell spielt, tut an Tagen wie diesem Samstag in Leipzig, wenn nichts daran funktioniert, weh. Und ja, Schmerzen dieser Art gab es im bisherigen Saisonverlauf bereits mehrfach. Aber soll die Schlussfolgerung daraus tatsächlich sein, vom eigenen Weg abzuweichen?

Nochmal: Es geht nicht konkret um die Person, die den Trainerposten aktuell besetzt. Es geht um das Konzept, mit dem Mainz 05 diese Besetzung seit Jahren vornimmt. Rouven Schröder hat stets betont, Sandro Schwarz wurde nicht etwa zum Trainer gemacht, weil er 05er ist, sondern weil die sportlich Verantwortlichen im Verein in ihm das sehen, was sie sich auf der Position wünschen. Und nur darauf kommt es an. Viele 05-Anhänger*innen ziehen aktuell gerne den Vergleich mit dem SC Freiburg, der sich als ähnlich gelagerter Verein im oberen Drittel der Tabelle tummelt. Sie blenden dabei aber aus, dass man in Freiburg bereit war, mit Christian Streich in die 2. Liga zu gehen und ihm vertraute, nach dem Abstieg die Mission Wiederaufstieg zu schaffen. Dieses Vertrauen hat Streich zurückgezahlt und nebenher junge Spieler behutsam entwickelt.

Nahm nach der Niederlage das Team in die Pflicht und stellte sich hinter den Trainer: Rouven Schröder. (Quelle: Mainz 05)

Nahm nach der Niederlage das Team in die Pflicht und stellte sich hinter den Trainer: Rouven Schröder. (Quelle: Mainz 05)

Parallel dazu sind Vereine wie Hannover 96 oder Stuttgart in den letzten fünf Jahren jeweils zweimal abgestiegen, Köln sitzt ohnehin im Fahrstuhl fest und die Aufsteiger der letzten Jahre konnten sich alle nicht langfristig in der 1. Liga halten. Mainz hingegen gelingt das Jahr für Jahr aufs Neue, aber noch immer genießen die Verantwortlichen dafür durchwachsenen Kredit bei Teilen der Anhängerschaft. Wieso diese sich so auf Sandro Schwarz einschießt, habe ich bis heute nicht verstanden… Und das wiedergekäute Argument, dass er damals mit der U23 aus der 3. Liga abgestiegen ist, kann ich nicht gelten lassen, wenn ich mich umgekehrt daran erinnere, wie eine ganze Fangemeinschaft den ihr damals noch unbekannten Jørn Andersen gegen Presseangriffe verteidigte, obwohl der gerade mit Offenbach abgestiegen war.

Die Konsequenz
Was also tun, nach der höchsten Niederlage der Vereinsgeschichtein der Bundesliga? Weiterarbeiten. Das klingt vielleicht zu einfach, ist nach einer Klatsche dieser Größenordnung aber schwierig genug. Doch damit allein ist es aktuell nicht getan, denn bei allem Verständnis, bei aller Psychologie und aller Nachsicht mit diesem jungen, in der Entwicklung begriffenen Team, muss tatsächlich auch ein Ruck durch die Mannschaft gehen. Der Kampf, den die Spieler gegen Köln auf den Platz gebracht haben, darf keine Eintagsfliege sein sondern muss Alltag werden.

Die Spieler müssen, auch abseits vom Sportlichen, ein Gefühl dafür (vermittelt) bekommen, wo sie sind, für wen sie spielen, was es bedeutet, ein 05er zu sein. Diese Mentalität kann das Trainerteam zwar vorgeben, aber offenbar genügt das alleine nicht. Also müssen die 05-Verantwortlichen sich andere Wege überlegen, um die DNA des Vereins bei den Spielern einzupflanzen. Und ansonsten die Ruhe bewahren, auch wenn der Sturm gerade heftig tobt. In Mainz ist man nie den Gesetzen dieses Business gefolgt. Jetzt wäre ein ziemlich dummer Zeitpunkt, um damit anzufangen.

Edit: In einer früheren Version des Textes stand die höchte Niederlage der Vereinsgeschichte, das Wort Bundesliga wurde ergänzt.

Die Woche am Bruchweg (44/19)

„Tut mir leid, dass ich überzogen habe.“ Sandro Schwarz eröffnet die wöchentliche Medienrunde gut gelaunt. Er bringt sozusagen die Stimmung vom Training mit, wo die Spieler nach dem Heimsieg gegen den 1. FC Köln – der 100. in der Bundesliga – fokussiert, aber auch deutlich gelöst schienen. Dabei waren sie viel im Dialog miteinander und wirkten hungrig auf Tore und Trainingssiege. Zum Abschluss der Einheit spielte Robin Quaison quasi seinen wuchtigen Schuss vom Freitag nach. Gut habe sich das angefühlt, bestätigt Schwarz das Offensichtliche. „Da gilt es jetzt, dranzubleiben.“

Gelöste Stimmung beim Training.

Gelöste Stimmung beim Training.

Das gute Gefühl des Trainers lässt sich mit Zahlen belegen: Wurden bei der Auswärtspartie in Düsseldorf noch gerade 15 Verteidiger überspielt, waren es gegen Köln 55. „Kompliment an alle, wie wir mit dem Rückstand umgegangen sind“ betont Schwarz, der das 1:0 des FC aber nicht als Weckruf empfunden hat. Man habe auch in den ersten Minuten Zug zum Tor entwickelt und nicht etwa „nur hinten drin gestanden“.

Im Schatten des Bruchwegs.

Im Schatten des Bruchwegs.

Der Vergleich zwischen den Spielen bei der Fortuna und gegen Köln sei gut geeignet, um „den Jungs zu zeigen, was es bedeutet, wenn wir nicht den letzten Schritt machen in der Konsequenz.“ Abgesehen davon wolle er sich mit dem letzten Auswärtsspiel nicht mehr beschäftigen. „Das haben wir seriös aufgearbeitet.“ Man habe – nicht zum ersten Mal in der gemeinsamen Arbeit – bewiesen, dass die Mannschaft mit schwierigen Situationen umgehen und eine Reaktion darauf finden könne.

Unter Beobachtung.

Unter Beobachtung.

„Entscheidend für den Verein, unabhängig von den handelnden Personen, ist es, da nicht jedes Mal ein Krisenszenario aufzumachen“, sagt Schwarz. Diese Klarheit, bei den Verantwortlichen ebenso wie bei der Mannschaft, aber auch bei den Fans, sei enorm wichtig für den Club. „Das ist Mainz 05. Das dürfen wir nie vergessen. Es wird auch wieder schwierige Momente geben.“ Die Fans seien ein wichtiger Faktor gewesen, betont der Trainer, der eine klare inhaltliche Linie zieht von der Mitgliederversammlung am Anfang zum Spiel am Ende der Woche. „Mit dem Publikum im Kreuz, das ist einfach überragend. Genau das brauchen wir.“

Die Mannschaft steht nun mit neun Punkten aus neun Spielen auf Platz 13, exakt wie zum selben Zeitpunkt der Vorsaison, als allerdings die Tordifferenz mit -5 etwas besser war als heute (-9). Befragt nach den Unterschieden zwischen damals und heute erklärt Schwarz, der größte sei im Pokal zu finden, wo man in der Vorsaison mit zehn Mann die erste Runde überstand. Das habe eine ganz andere Stimmung gesetzt als nun das Pokalaus mit den bekannten Begleiterscheinungen in Kaiserslautern. „Und was uns im Vergleich fehlt, sind die Unentschieden.“ Die höhere Anzahl an Niederlagen habe sich in der Stimmung niedergeschlagen, bewertet er realistisch. Die zwei Siege aus den letzten drei Spielen sind da erste Schritte in die richtige Richtung.

Bällebad.

Bällebad.

Neben dem Platz
Stürmer Ádám Szalai hat einen Eintrag bei Facebook veröffentlicht, in dem er sich für eine Episode vom Wochenende entschuldigt. Bei einem Heimatbesuch in Ungarn war er nach eigenen Angaben nach dem Genuss eines Glas Weins mit 0,1 Promille auf einem E-Scooter gefahren und angehalten worden. Dafür musste er eine Strafe zahlen.

„Sorry sorry sorry sorry sorry sorry sorry sorry sorry“, schreibt der 05-Stürmer, der sich zugleich überrascht zeigt, wie die Sache an die Öffentlichkeit gelangt ist. Sandro Schwarz nahm es gelassen und witzelte, er behalte besser für sich, was er auf das „Geständnis“ erwidert habe, bevor er Szalai lobte: „Großartig, diese Offenheit, damit umzugehen. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, das ist kein Thema.“