Podcastliebe: Fußball aus dem Hinterhof

Der geneigte 05-Fan auf Twitter rubbelte sich in den letzten Wochen verwundert die Augen: Da ploppte plötzlich ein neuer Account auf, folgte allen aus dem Umfeld des Vereins, quatschte Fans und Journalisten von der Seite an und tickerte die Auswärtsspiele. Der Name des Neulings, „Die Hinterhofsänger“, gab ebenfalls Rätsel auf. Wer sind die Menschen zu diesem Account? Und was haben sie vor? Ein Gespräch über Fußball, Kultur und was das alles miteinander zu tun hat.

AccountHallo ihr drei! Auf Twitter nennt ihr euch Buddi, Berts und Boos. Verratet ihr, wer sich hinter diesen Spitznamen versteckt? Und was ist ihre Bedeutung?
Felicitas: Grundlegend stammen die Spitznamen von unseren Nachnamen, wobei nur meiner nicht verniedlicht wurde. Also: Bene Engel-berts, Jan Budde und Felicitas Boos.

Wie ist euer Bezug zu Mainz und dem Verein? Und woher kennt ihr euch untereinander?
Bene: Felicitas und ich sind gebürtig aus Rheinland-Pfalz, Jan hingegen kommt aus Wuppertal. Wie der hierhin gekommen ist, fragen wir uns eh immer wieder. Wir haben uns im R-Block beim Streiten kennengelernt, damals noch über die Leistung von Júnior Díaz. Seitdem standen wir jedes Mal zusammen und haben uns schließlich angefreundet. Jan und Felicitas studieren beide in Mainz und sind deswegen auch hierhin gezogen.

Logo? Logo! (Design: Jan Budde)

Logo? Logo! (Design: Jan Budde)

Jan, Felicitas, ihr studiert beide Buchwissenschaften. Wie lang müsst ihr denn noch? Wie seht ihr die Verbindung zwischen Kultur und Fußball? Und was macht Bene eigentlich?
Felicitas: Wir müssen beide noch unsere Masterarbeit schreiben.
Jan: Kultur wird von vielen immer mit Bildung gleichgesetzt, aber das sehen wir drei nicht so. Kultur hat was mit der Lebensart jedes einzelnen zu tun. Auch Fußball ist für uns Kultur – unabhängig von Status und Herkunft. Felicitas und ich stammen ja aus der Buch- respektive Kulturbranche. Da lernt man zwangsläufig, mit bescheidenen Mitteln das Maximum aus seinen Möglichkeiten zu machen. Mainz 05 geht es nicht anders und den FSV macht diese Tatsache auch so interessant. Bene hat ja schon erwähnt, dass ich aus Wuppertal stamme. In Nordrhein-Westfalen gibt es im Gegensatz zu Rheinland-Pfalz riesige freie Szenen. Mainz ist diesbezüglich leider kulturelles Ödland. Das hat viel mit kreativem Freiraum in der Stadt, mit Mieten und einigem mehr zu tun. So blieb uns eigentlich nur dieser Online-Kanal, bei dem keine Kosten entstehen, um kulturell aktiv zu werden. Und da ist Bene als Informatiker unser Hausherr.
Bene: Gut, dass du nicht Hausmeister gesagt hast (lacht). Ich arbeite bei einem Anbieter für geförderte Weiterbildung in Wiesbaden. Wie Jan gerade schon gesagt hat, ist Fußball für uns Kultur – und so wie wir uns kennengelernt haben, steht er eben auch für Streitkultur.

Wie seid ihr auf den Namen „Die Hinterhofsänger“ gekommen? Der Untertitel „Wenn Klatschpappen reden könnten“ erscheint ja schon fast selbsterklärend …
Felicitas: Die Hinterhofsänger sind ja eigentlich nicht nur wir drei, sondern ein Freundeskreis aus dem R-Block. Wir haben wahnsinnig viel Spaß, machen allerlei Spökes und unterhalten immer alle in unserer näheren Umgebung. Der Name ist ganz klar an die Mainzer Hofsänger angelehnt und wir 90er-Kids haben Fußball noch in Hinterhöfen und nicht nur an der Konsole gespielt. Außerdem: Hinterhof ist genau das Gegenteil von höfisch vornehm. Du siehst, hier findet sich auch wieder unser Verständnis von Fußball als Kultur wieder.

Klatschpappen können zwar nicht reden, treffen aber manchmal trotzdem eine Aussage. (Foto: WP)

Klatschpappen können zwar nicht reden, treffen aber manchmal trotzdem eine Aussage. (Foto: WP)

Im Vorfeld der ersten Sendung habt ihr bereits fleißig euren Twitter-Account befüllt, Spiele getickert oder nachverfolgt, was ehemalige 05er in ihren Vereinen so treiben. Was ist euer Ansatz? Wie oft wollt ihr produzieren? Und trefft ihr euch dafür, oder nehmt ihr online auf?
Jan: Wir degustieren die Heimspiele.
Bene: Exakt. Generell ist alles, was um Mainz 05 herum passiert, für uns interessant, aber auch, was die Stadt angeht. Dadurch, dass wir uns die Heimspiele vorknöpfen, wird es wohl mehr oder weniger ein Zwei-Wochen-Rhythmus. Wir treffen uns in der Innenstadt und bereiten die Spiele nach. Wie die Profis brauchen wir halt einen Tag Regenerationspause und müssen noch verarbeiten, was wir erlebt haben. Der Folgetag ist dann kommunikatives Ausradeln, das heißt spielen wir samstags, erscheinen wir montags.

In eurer Twitter-Bio schreibt ihr: „Der Hinterhofsänger-Talk, die Super Slow-Mo unglücklicher Zusammenpralle unter den Talks, ab Oktober online“. Was genau habt ihr inhaltlich vor? Und ist euer Ansatz eher Zahlen & Statistik oder Spaß & Emotion – oder beides?
Jan: Sowohl als auch und noch viel mehr. Wir greifen auf unseren Erfahrungsschatz zurück. So wird es unter anderem auch eigene Hörspiel-Sequenzen geben. Zahlen und Statistiken verwenden wir nur dann, wenn es auch Sinn ergibt. Dass wird halt ein lustiger Haufen sind, wird sich wohl kaum verschweigen lassen. Wir wollen das Heimspiel besprechen. Das beinhaltet Kritik, Emotion und reicht von der eigenen Haustür über die Stadionwurst bis hin zum Pressespiegel.

Wird es auch Gäste in der Sendung geben?
Bene: Ja …
Felicitas: Nein, es wird noch nichts verraten.

Kultur braucht Raum. Der kann auch virtuell sein. (Foto: WP)

Kultur braucht Raum. Der kann auch virtuell sein. (Foto: WP)

Welche Podcasts hört ihr selbst? Gibt es klassische Vorbilder? Und wo ordnet ihr euch in der Szene ein?
Felicitas: Klassische Vorbilder gibt es in dem Sinne nicht. Unser Ziel ist es, unterhaltsam zu sein, ohne langatmig zu werden. Ich finde das furchtbar, wenn man Menschen 60 Minuten lang nur beim Denken zuhört, obwohl ich persönlich gerne „Fest und Flauschig“ höre. Aber ich meine, dass ein Talkformat unheimlich davon profitiert, wenn es aus drei Personen besteht. Wir wollen kompakt, kommunikativ und unterhaltsam sein, und da Jan und ich unter anderem für RPR1 gearbeitet haben, wollen wir uns mehr am Radio als am typischen Podcast orientieren.

Wie informiert ihr euch über den Verein? Gibt’s schon eine Rückmeldung zu eurem Tun?
Bene: Wir informieren uns vielfältig: in der Tageszeitung, beim Online-Lesen, beim Radio-Hören oder wie letztens, als wir unseren neuen Marketing-Chef in der Innenstadt gesehen haben. Aber klar, auch in Gesprächen mit Fans und Freunden.
Jan: Die Rückmeldungen sind bisher tatsächlich durchweg positiv und wir stoßen auf großes Interesse. Das freut uns natürlich mega, aber erhöht auch den Druck für die Premiere. Uns hat vor kurzem eine Expertin und Kolumnistin irgendwelche Fragen per Twitter zugeschickt …
Felicitas: Kennst du die … Moment, hier steht’s irgendwo: Wortpiratin?
Bene: Mir kein Begriff.
Jan: Egal.

Haha. Jetzt verstehe ich das auch mit dem lustigen Hauf… Äh. Apropos Rückmeldungen: Wie erreicht man euch und können die Hörer Fragen stellen, die ihr in der Sendung aufgreift?
Felicitas: Klar, schreibt uns, merkt was an oder wenn ihr eine Idee habt, meldet euch unter horschemol@hinterhofsaenger.de
Jan: Kritik landet im Spamordner.
Bene: Neben Twitter und Soundcloud geht hoffentlich ab dem 8. Oktober dann auch unsere Internetseite online.
Jan: Hört einfach ab Montag rein.

Vielen Dank für das Gespräch und ganz viel Erfolg mit dem Auftakt!

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