report München macht Stimmung gegen Fußballfans

Das selbsternannte Politikmagazin report München zeigt einen Film über vermeintlich alltägliche Zustände in deutschen Fußballstadien, der vor gefährlichem Halbwissen nur so strotz. Diese Art der Kriminalisierung von Fußballfans ist nicht neu, dass sie ausgerechnet im öffentlich rechtlichen Fernsehen derart massiv geschieht, halte ich für äußerst bedenklich. Eine Kritik.

Immer wieder gibt es in und vor den Stadien der Bundesliga Ärger mit Hooligans. Sie provozieren, zündeln und prügeln.

Gewagte Anmoderation, die der Beitrag natürlich nicht einlöst. Zunächst geschieht der gängigste Fehler: Ultras, Hooligans und hier sogar Nazis werden vermischt. Zu Beginn des Beitrags geht es dann um die Vorfälle beim Chemnitzer FC (Infos dazu beim MDR). Was da passiert ist, darf nicht toleriert werden, eine Aufarbeitung ist dringend nötig. Aber report München tut so, als stehe das Ereignis exemplarisch dafür, was in Stadien passiert.

Was gänzlich fehlt ist ein Hinweis darauf, wie deutlich viele Fanlager die Aktion verurteilt haben. Auch das Engagement etlicher Vereine und ihrer Angänger gegen Rechts ist dem Beitrag keine Silbe wert. Stattdessen die Behauptung: „Pyrotechnik, Hass, Krawalle: Oft Alltag im deutschen Fußball.“ Und weiter: „Einige Ultras und Hooligans kapern den Sport. Feiern sich im Internet mit Videos. Haben ihre eigene Agenda.“ Ich formuliere es mal so: Eine eigene Agenda scheinen auch diejenigen zu haben, die diesen Filme verantworten. Oder landen darin zum Beispiel Ultras und Hooligans aus Unwissenheit in einem Topf?

Auszüge aus der Anfrage an die Vereine (Screenshot).

Auszüge aus der Anfrage an die Vereine (Screenshot).

Eine andere Frage, die ich mir stelle: Im Vorfeld werden als Teil der Recherche 150 Vereine der 1. bis 4. Liga zu „Problemen mit gewaltbereiten Fans, Ultras und Hooligans“ befragt. Der Beitrag thematisiert Vorfälle unter anderem beim Chemnitzer FC und dem Bischofswerdaer FV 08, beide Regionalliga Nordost. Wieso fragt man dort nicht gezielt nach diesen Vorkommnisen? Man hätte sich beispielsweise mit rechten Tendenzen innerhalb der Gesellschaft und ihren Ausprägungen in verschiedener Regionen des Landes beschäftigen können, um dann der Frage nachzugehen, ob eben diese in den Stadien fortbestehen. Das wäre ein wichtiges und lohnendes Thema gewesen, doch stattdessen werden Fans generell in eine Ecke gestellt, von der sich etliche Szenen mit viel Engagement abgrenzen.

Im Beitrag werden schließlich noch Zahlen zu Verletzten im Stadion genannt, leider geschieht dies völlig ohne Kontext. Die 1213 Verletzten innerhalb der benannten Saison (aus: ZIS Jahresbericht 2017/18) kommen auf 21 Millionen Stadionbesucher im selben Zeitraum. Ja, jede|r Verletzte ist eine⁄r zu viel, darüber müssen wir nicht diskutieren. Dennoch ein Vergleich zur Rezeption dieser Zahlen bei unterschiedlichen Themen: 6,3 Millionen Besucher und 3333 Verletzte gab’s 2018 auf dem Oktoberfest. Da ist hinterher aber nicht von Krawallen Gewaltbereiter die Rede, vielmehr ziehen Polizei, Veranstalter und Medien eine positive Bilanz.

Unterm Strich bleibt festzuhalten: Ja, es gibt auch gewaltbereite Fans und es gibt schwierige Fan-Szenen. Probleme müssen offen benannt und angegangen werden, keine Frage. Das Bild aber, das dieser Beitrag bewusst oder aus Unwissenheit zeichnet, ist unverantwortliche Stimmungsmache. Dieser Art von Berichterstattung sollte die ARD keine Bühne bieten.

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