Visionär für Mainz 05: Erinnerungen an Wolfgang Frank

Als Mainz 05 am 5. Spieltag der Saison 2013/2014 zuhause gegen Schalke 04 spielt, trägt die Stehtribüne würdiges Schwarz. Der Verein und seine Fans trauern um Wolfgang Frank, der eine Woche zuvor mit nur 62 Jahren für immer eingeschlafen ist; im Mai 2013 war bei Frank ein Gehirntumor diagnostiziert worden. Am 7. September stirbt der Fußballlehrer in seiner Wahlheimat Mainz.

Mainz bleibt deins

An diesem Spieltag nun scheint der Blick des zweimaligen 05-Trainers achtsam auf allen zu ruhen, die zur Spielstätte in die Bretzenheimer Felder gekommen sind. Mit stoischer Entschlossenheit schaut er scheinbar aus dem Bild, das bei den Kondolenzbüchern angebracht ist, seitlich heraus. Nicht einfach geradeaus, sondern nach vorn! Das war schließlich stets seine Richtung: voraus, vorausschauend, seiner Zeit voraus.

Überlebensgroß in den Maßen, aber gefühlt genau passend für seine Bedeutung im Verein, wird Wolfgang Frank anschließend über der Tribüne entfächert. „Mach’s gut, Napoleon“, ist auf einem Spruchband hinter dem Tor zu lesen. Und, vielleicht wichtiger noch: „Mainz bleibt Deins.“

Mainz bleibt seins, also im Geiste Wolfgang Franks, weil er den Verein entscheidend geprägt hat. Sein sportlicher Einfluss ist so bekannt wie unumstritten. Frank übernimmt die Mainzer im scheinbar aussichtslosen Abstiegskampf 1995/1996, krempelt im Verein auf so ziemlich allen Ebenen mehr oder weniger alles um und traut sich im sportlichen Bereich zu, die Viererkette gerade in ein Team zu implementieren, von dem fast alle überzeugt sind, es wird der Liga nicht mehr lange erhalten bleiben. Und erreicht damit genau dies, das vermeintlich Unmögliche.

RIP

Klassenerhalt. Nicht einfach so, sondern mutig und modern. Eben: seiner Zeit voraus. Ein Satz, der Frank – wie alle, auf die er zutrifft – natürlich erst nach seiner Zeit adeln wird … Und doch. Die Formulierung beschreibt den klugen Visionär trefflich. Die Früchte seiner Arbeit ernten heute andere. Ehemalige Spieler, die seine Idee vom Fußball aufgenommen und für sich weiterentwickelt haben: Jürgen Klopp, der Frank stets als Mentor bezeichnete, Torsten Lieberknecht, Christian Hock, Sven Demandt. Die Liste ist lang.

Der sportliche Erfolg allein aber ist es nicht gewesen, der Wolfgang Frank in Mainz unsterblich gemacht hat. Er verlässt seinen aufblühenden Verein im Frühjahr 1997 auf eigenen Wunsch und verpasst so den, nun, verpassten Aufstieg am Ende der Saison. Klopp wird rückblickend über ihn sagen, er sei „für uns alle mehr als ein Trainer“ gewesen. Vermutlich fasst das die Bedeutung des Schwaben perfekt zusammen – nicht nur für jene, die mit Frank arbeiteten.

WF

Denn Wolfgang Frank bleibt auch für die Fans mehr als ein Trainer, obschon er am Ende seiner erfolgreichen ersten Mainzer Zeit hinwirft, wenngleich er den Erfolg seiner frühen Jahre an der Seitenlinie der 05er nicht wiederholt, als er noch einmal versucht, dem Verein zu Hilfe zu eilen.

Im Stadionheft zum ersten Spiel der Mainzer nach dem Tode Wolfgang Franks wird Christian Heidel mit folgenden Worten zitiert:

„Der viel zu frühe Tod von Wolfgang Frank geht mir sehr nahe. Er war nicht nur ein besonderer Trainer. Er war auch ein ganz besonderer Mensch, dessen Ansichten und Gedanken mich bis zum heutigen Tag beschäftigen und prägen. Mainz 05 verliert einen der Wegbereiter seines heutigen Erfolges. Ich verliere einen langjährigen Wegbegleiter und Freund.“

In der Arena sind an diesem Tag viele Menschen, die genau spüren, was diese Worte bedeuten. Am heutigen Tag ist Wolfgang Frank fünf Jahre tot. Seine Bedeutung für den Verein, sein Mut, die Ziele und das Mainzer Spiel, leben weiter. Er wird hier nie vergessen werden.

|| Mit herzlichem Dank an Rheinhessen on Tour für die zur Verfügung gestellten Fotos. ||

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