Wieheißtdunochgleich?

Eigentlich würde ich von mir selbst behaupten, ein relativ gutes Gedächtnis zu haben. Das geht sogar so weit, dass sich manche Dinge hartnäckig dort oben festsetzen, die ich eigentlich überhaupt nicht behalten möchte. Es sei denn, es geht um Namen – da bin ich aufgeschmissen. Und damit meine ich nicht alleine die regelmäßigen Aussetzer bei Filmtiteln, Songs, Prominenten oder Vereinsnamen außerhalb der Fußballbundesliga…

I know I love your music, but what's your name again? (Foto: Presse – Tex Perkins)

I know I love your music, but what’s your name again? (Foto: Presse – Tex Perkins)

Namensdemenz 1: Menschen – allgemein
Wenn Leute sagen, sie vergessen kein Gesicht, leuchtet mir das ein: Ich weiß bei der Begegnung mit Menschen normalerweise auch sofort, ob ich sie vorher schon mal getroffen habe. Schwieriger – aber zu meistern – ist dann, denjenigen zuzuordnen. Steht er oder sie beim Fußball neben mir im Block? Ist mit meiner besten Freundin zur Schule gegangen? Oder arbeitet bei der örtlichen Postfiliale? Besteht ein direkter Bezug zu der Person, folgt die Grübelei nach deren Namen – das kann dauern… Und wird erst von peinlichem Schweigen, später dann Schweißausbrüchen begleitet. Denn wie bekommt man sein Gehirn dazu, eine Information preiszugeben, die man in der Situation noch nicht einmal eingrenzen kann? Da bleibt nur, hektisch durchs Alphabet zu stolpern, und es mit einem lächelnden, „Na, du“ zu versuchen.

Namensdemenz 2: Menschen – Verwechslung
Mein persönliches Waterloo ist das permanente Durcheinanderwerfen bestimmter Namen. Die für alle außerhalb meines eigenen Oberstübchens gar nicht mal klingen, als ob sie irgendetwas gemein hätten. Paradebeispiel: Nils und Jens. Wobei das weniger im direkten Gespräch passiert, als wenn ich mich über Leute unterhalte und sie beispielsweise grüßen lasse – was unter Umständen Irritation bei der Partnerin auslöst. „Grüß Jens lieb von mir!“ „Wer ist Jens?“ „Äh…“ Ebenfalls das Zeug zum Klassiker haben Inge und Christel, zwei Namen, die nun wirklich komplett verschieden sind, immerhin aber die Gemeinsamkeit teilen, beide zu einer meiner Tanten zu gehören. Und relativ neu aber schon recht fest etabliert in der Hitliste: Thorsten und Carsten.

Namensdemenz 3: Menschen – Endungen
Diese spezielle Form der Namensdemenz hat mich schon in handfeste Streitereien verwickelt – und ist zugleich jene, über die ich im Alltag am häufigsten peinlich errötend stolpere. War der richtige Name des Kollegen nun Christoph oder vielleicht doch Christopher? Und im Umkehrschluss, heißt der Freund der besten Freundin dann (auch) Christoph(er)? Da fällt ja, ganz ernsthaft, auch irgendwann die Möglichkeit weg, sich noch mal höflich zu erkundigen, was denn nun stimmt. Hieß der Walter jetzt Ulbrich oder Ulbricht, bin ich verknallt in die Musik von Tex Perkin oder Tex Perkins und heißt Frankfurts Heribert Bruchhage oder Bruchhagen? Alles Namen, mit denen ich doch seit Jahren hantiere, aber jede Eselsbrücke, die ich mir je geschaffen habe, ist irgendwie nicht bis zum Ende schlüssig oder einfach umkehrbar – und hinterlässt mich ratlos.

Was hilft ist einzig, auf die Toleranz der Menschen um mich herum zu hoffen – und zumindest im Fall drei ab und zu ein bisschen zu nuscheln. Tröstlich immerhin die Beinahe-Gewissheit, dass es sich bei meiner Namensdemenz um eine erbliche Angelegenheit handelt. Schließlich hat mein Vater früher familiäre Frühstücke damit belustigt, mich mit dem Namen meiner großen Schwester anzusprechen, die kleine mit meinem – und von der großen wiederum mit dem Namen seiner Jüngsten zu reden. Verschont vom väterlichen Namenskarussell blieb damals lediglich mein Bruder, aber der heißt auch Jörg und das würde nicht einmal ich mit irgendetwas verwechseln…

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