Manchmal, wenn ich morg
ens die Augen aufschlage u
nd an dich denke – dann bri
cht eine Wut aus mir heraus,
wie nur du sie auslösen kan
nst. Geboren. Im Schmerz.
Ich sehe die alten Bilder, die mich au
ch nach all der Zeit nicht loslassen. Ic
h spüre den halbtoten Muskel in mein
er Brust schwach aufzucken, wie im M
aul eines Frettchens zwischen kleinen, scharf
en Zähnen gefangen. Ich möchte alle Tränen, die mi
r noch die Wangen aufblähen, aus mir herausheulen und hinte
rherrotzen, was mich viel zu oft blockiert: aber du sitzt mir auf d
en Tränendrüsen, mit spöttisch verzogenem Mund. Ich möchte
dich hinunterschubsen, dass du vor mir auf den Boden kullerst,
wo dich die Unterseite meines Absatzes trifft. Damit du eine Ah
nung bekommst von dem Schmerz, den du anderen Menschen
bereitest.
Ich möchte die Bilder aus meinem Kopf nehmen und
in Rahmen pressen, die ich in deinem Haus aufhänge, damit si
e dich umgeben und in die Raserei treiben.
Ich übe mich jeden Tag darin dich zu vergessen.
Übe mich darin, dir die Bedeutung zu nehmen, in der du wie ein
großer Heißluftballon seit dem Tag meiner Geburt über meinem
Kopf schwebst. Ich übe mich darin, niemals so zu werden wie du,
auch nicht im Ansatz – so dass ich darüber manchmal vergesse,
einfach so zu sein wie ich.
Weil ich dich aber nicht vergessen kann, habe ich
versucht dich zu hassen – und bin doch nur wieder
gescheitert – weil mein Herz sich nicht verbrennen
möchte an der giftigen Regung. Und auch nicht dich.
Sechs Buchstaben schwimmen in der Suppe, die meinem Herzen
noch immer den Hals verbrennt, weil es nicht aufhört, heimlich von
ihr zu kosten, während ich schlafe. Weil darin auch das deine noch
schlägt – und so kleben sie mir am Ende nur beide am Absatz.
Fleisch am Stiel.

