Would the real Shinji please stand up?

Heute war er denn endgültig gekommen, der Tag, an dem man sich fragte: Wie wäre es Kasper Hjulmand wohl in seinen ersten Mainzer Wochen ergangen, hätten die 05er sich nicht am letzten Spieltag der Vorsaison für die (unselige) Europa League qualifiziert? Denn mal ehrlich, ein Ausscheiden im DFB-Pokal gehört in Mainz ja schon fast zum guten Ton – und was die Mannschaft nach dem Scheitern in Europa in den mittlerweile ersten vier Spieltagen geleistet hat, lässt die Fans begeistert mit der Zunge schnalzen.

Der Nachmittag begann schon launig in der Stadionkneipe, wo die erste Halbzeit der 15.30-Partie auf Schalke von den Dortmundern begeistert gefeiert wurde, während in der zweiten die Mainzer übernahmen: In den 45 Minuten vor dem Halbzeitpfiff lagen bis kurz vor Schluss die von den BVB-Anhängern verhassten Schalker hinten, bevor ausgerechnet der Ex-Mainzer Choupo-Moting den Anschluss gegen die hier nicht gerade geliebten Frankfurter schoss (die überdies der nächste Mainzer Gegner sind) – das Spiel endete bekanntermaßen unentschieden.

So darf die Facebook-Timeline nach dem Spiel gerne aussehen. (Foto: Screenshot)

So darf die Facebook-Timeline nach dem Spiel gerne aussehen. (Foto: Screenshot)

Wie dem auch sei… Spätspiel in Mainz, der Regen verzieht sich so ziemlich genau für die notwendigen 90 Minuten und der Blitzeinschlag (?) in der Arena erfolgt glücklicherweise erst nach Abpfiff. Die Mannschaft kratzt und beißt und kämpft. Abgesehen von den üblichen Idioten auf den Rängen, die Dinge wie „Perl, du V…“ oder „Scheiß Eintracht Frankfurt“ rufen, ist es ein netter Spätsommerabend, der auf den Stehrängen so langsam das Gefühl aufkeimen lässt, heute könnte tatsächlich ein Unentschieden drin sein.

Bämm.

Would the real Shinji please stand up? Die Rückkehr von Sami Allagui ist emotional gesehen definitiv ein Höhepunkt der letzten Monate, spielerisch kam von der alten und neuen Nummer Neun heute leider nicht allzu viel. Nachvollziehbarer Wechsel also, Sami geht, Jairo kommt (ich behaupte an dieser Stelle noch mal frech, den habe ich aus dem Sommerurlaub in Andalusien mitgebracht) – und bereitet das Tor von Shinji Okazaki vor, ziemlich genau eine Minute, nachdem dessen Namensvetter Kagawa das Feld verlassen hat.

Okazaki? EINS!

Kagawa? NULL!

Mainz? EINS!

Dortmund? NULL!

Absehbar, dass kurz danach (wieder) ein Elfmeter gegen die 05er gepfiffen wird: Sowas passiert doch immer, wenn man gegen einen der Großen mal in Führung geht… Ach und, blickt bei den Handgeschichten eigentlich noch irgendjemand durch? Am besten, man lässt die während der 90 Minuten beide in der Hosentasche, dann kann auch nichts passieren.

Um es kurz zu halten: Karius pariert und hinterher fällt in einer Zusammenarbeit aus Jairo, Ginter und dem sympathisch um ein Tor gegen seinen ausleihenden Verein bemühten Hofman irgendwie das 2:0 – auch schon egal, wer den Fuß zuletzt dran hatte: Sieht aus, als würden wir das Ding am Ende gar gewinnen!

Und ja: Mainz 05 schlägt Dortmund zum ersten Mal seit dem Umzug in die neue Arena, doch auch das ist eigentlich kaum von Bedeutung. Was zählt: Mainz 05 schlägt Dortmund im zweiten Heimspiel unter Kasper Hjulmand. Der von der nationalen Presse zwischenzeitlich bereits fast aus dem Amt geschrieben war. Nun aber, in einer Mischung aus Demut und Freude, Begeisterung und Ungläubigkeit vor die Fans tritt und sich tief verbeugt, bevor er die Hand hebt zum Gruß, den die Tribüne bewegt erwidert. Und dem in dieser Sekunde alle Herzen, die bis dahin noch fest an ihrem Platz saßen, mühelos zufliegen.

Es gibt diese Spiele. In denen Karrieren von Akteuren entschieden werden. In denen ein Stadion lange nach der offizielen Eröffnung seine Einweihung feiert. In denen Kickern etwas schlicht Unvergessliches gelingt. Spiele, von denen du weißt, es sind solche für die Ewigkeit – und ja, das fühlt sich so pathetisch an, wie es klingt.

So ein Spiel haben die 05er an diesem Abend erlebt. Das Stadion wurde zu der vorgewärmten Badewanne, in die Kasper Hjulmand bei seiner Ankunft aus diversen Gründen, die in den letzten Wochen hoch und runter diskutiert worden sind, nicht springen konnte. Heute ist etwas passiert, an das wir uns viele Jahre lang erinnern werden. Das die Journaille immer wieder ausgraben wird, weil ein Sieg gegen die Dortmunder der letzten Serien einfach nie gewöhnlich ist. „Es war ein großer Abend für Mainz 05“, das hat Hjulmand in der Pressekonferenz nach dem Spiel gesagt. Es war aber noch viel mehr als das – die eigentliche, echte Ankunft des neuen Trainers in Mainz. Kein Fan, der ihm das nicht von Herzen gönnt.

Welcome, Coach.

PS: Man möchte sich gar nicht ausrechnen, wie das ursprünglich für Sonntag angesetzte Spiel ausgegangen wäre, hätten wir am Donnerstag am Arsch der Waldfee in der Euroleague antreten müssen. No regrets.

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