Wortpiratin meets… Nachwuchs und 05-Oldie

Auch im November sind bei der Allgemeinen Zeitung wieder zwei meiner Videokolumnen rund um Mainz 05 online gegangen. Zunächst habe ich mich mit Lilja und Anton getroffen, die ein Casting des 05er-Kidsclubs für sich entscheiden konnten und gemeinsam mit Klaus Hafner beim Heimspiel am 24. September die Spieler des FSV ankündigen durften.

Mainz ist ein Verein, der jetzt nicht so viel Geld hat, und dann machen sie Spieler immer sehr gut. Wie Karius, der kam ablösefrei von Manchester – und mit der Zeit wurde er immer besser. | Anton, 9 Jahre |

Mit den beiden war ich heimlich ausgerechnet in Wiesbaden schaukeln, wo uns die Herbstsonne verwöhnte und Kamerammann Sergej Metzger die Arbeit erschwerte. Die Nachwuchssprecher haben das wirklich klasse gemacht.

Außerdem war ich mit Jürgen Girtler vom PlanitzerProjekt verabredet. Der hat nicht nur allen Spätgeborenen erklärt, warum der Name seiner Band keinesfalls sinnfrei ist, sondern auch von legendären Spielen und unvergessenen Spielern geschwärmt. Allerdings habe ich verpasst, mir abschließend etwas von ihm vorspielen zu lassen, aber wozu gibt die Band schließlich Konzerte?

Jürgen war übrigens im Vorfeld von sich aus mit der Frage auf mich zugekommen, ob wir nicht eine Folge der Kolumne gemeinsam gestalten könnten. Mein Wunsch für das neue Jahr wäre, dass auch ein paar 05-affine Frauen seinem Beispiel folgen, die bekomme ich bislang nämlich selten bis gar nicht vor die Kamera gequasselt.

Wo wir schon beim Thema sind – im künftigen Vorstand und Aufsichtsrat der 05er dürften für meine Bedürfnisse unbedingt auch einige Damen sitzen. Wer weiß, vielleicht wären dann auch solche Eskalationen wie in dieser Woche eher zu vermeiden.

#nurderFSV

Basteltipp: Adventskalender

Ich bin ein großer Fan von Adventskalendern und mag besonders jene Ausführungen, an denen die Präsente ganz klassisch hängen. Vor einigen Jahren habe ich zum Verschenken eine Tanne gekauft und diese mit 24 Nikolaussocken dekoriert. Eigentlich mochte ich diesen Kalender, in die Socken passten jedoch größenmäßig weder CDs noch DVDs, weswegen ich im Jahr darauf neu überlegte.

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Als Basis dieses neuen gebastelten Adventskalenders diente mir ein Komplement-Aufhänger von IKEA. In den 27 Kringeln lassen sich normalerweise Krawatten oder Schals sortieren, ich trennte die untersten drei Kreise ab, um auf adventliche 24 zu kommen. Anschließend dekorierte ich den Aufhänger mit einer Tannengirlande und Kugeln weihnachtlich.

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Besonders praktisch am Komplement ist der Kleiderhaken, mit dem sich der Kalender an jede Tür hängen lässt. Da mein Kalender für mehrere Personen sein sollte, schnitt ich mit Plätzchenformen verschiedenfarbige Kartonfiguren aus, die jeweils klar machen, wer an diesem Tag dran ist: Grüne Schneemänner stehen für eine Person, orangefarbene Sterne für eine andere. Außerdem besorgte ich unterschiedliche Sorten von Geschenkpapier – und verpackte alle Türchen für eine Person in der jeweils selben Farbe.

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Bei den Ideen für die kleine Präsente hinter den Kringeltürchen sind natürlich keinerlei Grenzen gesetzt. Man kann sowohl wertigere Überraschungen wie Bücher oder CDs darin verstecken, die vielleicht sogar das große Weihnachtsgeschenk ersetzen, oder kleine Präsente wie Schokolade, Gutscheine und Pröbchen darin verpacken.

Auch die kleine Tanne mit den Weihnachtssocken leistet mir übrigens nach wie vor gute Dienste als Kalender, den ich immer mal wieder an eine andere mir nahestehende Person verschenke.

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Abschied von Leonard Cohen

Leonard Cohen ist tot und damit ist ein Tag gekommen, vor dem ich mich immer gefürchtet habe. Ich weiß, dass seine Musik und Worte uns bleiben und bin unglaublich dankbar dafür. Trotzdem trifft mich sein Tod und ich empfinde Trauer und Verlust, wie sie so sonst für den Abschied von Menschen reserviert sind, die ich persönlich kenne. Immerhin, einmal hatte ich das große Glück, ihn live zu sehen, und die Ehre, darüber schreiben zu dürfen: Wiesbaden, September 2010.

Leonard Cohen

Cohen verzaubert Wiesbaden

Es ist beinahe elf Uhr, als Leonard Cohen die Bühne vor dem Kurhaus für eine erneute Zugabe betritt. „I tried to leave you, I don’t deny“, haucht der Altmeister der musikalischen Poesie mit kratziger Stimme ins Mikrofon – und die knapp Zehntausend, die ihn eben nicht gehen lassen wollen, lachen; sind beinahe selig, dass er noch immer da ist: Tänzelnden Schrittes zurückkehrt in den Kreis seiner Musiker. Er zieht den Hut, verneigt sich tief vor seinem Publikum und stimmt einen weiteren Song an – dieser tatsächlich sein letzter; doch nur für heute: „Until we meet again“, verabschiedet sich Cohen – bis wir uns wieder treffen. Während er endgültig von der Bühne geht, wird der Nachthimmel über der Kurstadt von einem Feuerwerk erhellt: Ein perfekter Moment – nicht der einzige an diesem Abend.

Es ist kurz nach sieben, als Leonard Cohen das Konzert mit „Dance me to the end of love“ eröffnet. Er wirkt beinahe selbstvergessen, wie er sich so mit gesenktem Blick, die Hände stets nah vor seinem Gesicht, rückwärts zur Musik über die Bühne bewegt. Auf zwei großen Bildschirmen wird jede Bewegung des 75-Jährigen übertragen, der sein Publikum als „dear friends“ anspricht, sich aufrichtig bedankt, für das herzliche Willkommen, und mit jedem Wort, jeder Bewegung große Bescheidenheit ausstrahlt.

Hinterm Nassauer Hof geht langsam die Sonne unter, am Himmel zeigen sich Farbspiele, wie sie nur in diesen wenigen Tagen zwischen Sommerende und Herbstanfang vorkommen. Rosa und orange hängen die Wolken wie süße Berge von Zuckerwatte über dem Bowling Green, Cohen singt „Bird on the wire“ – und just in diesem Moment kreisen unter lautem Geschrei Vögel über dem Park: Als fühlte sich nicht nur jedes zaghaft schlagende Herz im Publikum angesprochen von den Liedern des kanadischen Poeten, seiner magischen Ausstrahlung, sondern jedes Wesen, das atmet und lebt.

Who by fire“, singt Cohen, „who by sunshine, who by nighttime“, während der Tag langsam in die Nacht übergeht und seine Stimme auf dem Klang einer Harfe durch die Reihen schwebt. Es sind exzellente Musiker, mit denen der singende Dichter auf Tour ist – darunter Sharon Robinson, die etliche Songs mit ihm geschrieben hat. Kurz vor der Pause, zu den hymnischen Klängen von „Anthem“, stellt er sie dem Publikum vor, teilt den Applaus – doch was wirkt wie ein Konzertende ist zum Glück erst die Halbzeit.

Ein Abend wie dieser sei ein seltenes Ereignis, während die Welt immer weiter im Chaos versinke, philosophiert der Liedermacher, der sich immer wieder für die „freundliche Aufmerksamkeit für unsere Songs“ bedankt. Zum zweiten Teil kehrt er mit Sonnebrille auf die vom Dunkel umgebene Bühne zurück, eröffnet mit der persönlichen Ballade „Tower of song“ und erntet jubelnden Applaus für die Textzeile, „I was born with the gift of a golden voice“.

Well my friends are gone and my hair is grey
I ache in the places where I used to play.

Längst spielt es keine Rolle mehr, wie nah oder fern der Bühne man sitzt, weil alles erfüllt ist von seiner Musik, den zarten Weisheiten dieses klugen Poeten. Und als Cohen schließlich mit ruhiger, klarer Stimme, auf den Knien, sein unbeschreibliches „Hallelujah“ anstimmt, da ist es, als rücke die ganze Stadt unter seiner Musik zusammen.

Ein großer Künstler – und ein wahrhaft unvergesslicher Konzertabend.

My coffee tastes of tears today. How are we supposed to live in a world without Leonard Cohen? His music has been my shelter and light in the darkest of hours. Thank you, for so much more than I’ll ever be able to find the words for. I am grieving a true companion.

Wer Cohens Stimme, seinen Witz und seine klugen Gedanken gerne ein wenig hören möchte an diesem Tag, dem empfehle ich dieses Audio aus The New Yorker. Es ist sein letztes Interview.

Komm, wir geh’n ins Neustadt-Kino

Am Donnerstag, 10. November, startet in Mainz Das Neustadtkino. Dahinter verbirgt sich eine Kinoreihe an einigen besonders schönen Plätzen der Mainzer Neustadt. Los geht’s – wie könnte es auch anders sein – im LUUPS, frei nach dem Motto, liebe deine Stadt, liebe die Neustadt, liebe diese Filme. Ich habe mit den Machern darüber gesprochen, was sie antreibt und welche Träume sie zum Thema Kino haben.

Im November startet in Mainz Das Neustadtkino als Veranstaltungsreihe. Was genau wird da passieren?
Feli: Da werden wir Filme an ungewöhnlichen Orten zeigen – also an Orten, die nicht unbedingt für Filmabende bekannt sind. Man kann da einfach hinkommen und wird von einem Film überrascht, der zur Location passt und besonders dann Spaß macht, wenn man ihn gemeinsam guckt. Manche Locations tragen auch auf ihre Weise zum Abend bei. In der Weinraumwohnung etwa werden wir passend zum Film Wein trinken… und im Klotz & Quer kann man etwas basteln, wozu der Film einen vielleicht inspiriert hat…

Das Team hinter dem Neustadtkino: Felicitas Pommerening, Mark Pommerening, Hanno Schmidt und Nadine Daschmann.

Das Team hinter dem Neustadtkino: Felicitas Pommerening, Mark Pommerening, Hanno Schmidt und Nadine Daschmann.

Wer sind die Menschen hinter der Idee dieses Wanderkinos? Und wie seid ihr zueinander gekommen?
Hanno: Wir sind vier Freunde… Beruflich machen wir alle etwas anderes. Aber wir haben ehrenamtlich schon andere Dinge gemeinsam gestemmt und als die Idee des Neustadtkinos im Raum stand, fanden wir es alle gleichermaßen cool und haben gedacht: Das müssen wir probieren!

Wie seid ihr bei der Wahl der Locations vorgegangen, was war euch wichtig?
Nadine: Sie sollten auf jeden Fall in der Neustadt sein und auch einen gewissen Bekanntheitsgrad haben. Wenn wir die Reihe wiederholen sollten, können wir uns auch Locations vorstellen, die normalerweise gar nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind, also in diesem Sinne vielen unbekannt wären. Aber für die erste Reihe wollten wir lieber erstmal dort sein, wo die Leute, die wir ansprechen wollen, sowieso ein- und ausgehen.

Welche technischen Voraussetzungen muss ein Inhaber erfüllen, der euch gerne einladen möchte?
Mark: Die Technik bringen wir mit, wenn sie nicht vorhanden ist. Daran würde es nicht scheitern. Wir freuen uns generell über Anfragen!

Bislang habt ihr nicht verraten, welche Filme ihr zeigen werdet… Lüftet ihr das Geheimnis vielleicht jetzt? Und haben die Zuschauer darauf künftig auch Einfluss?
Feli: Nein, das Geheimnis werden wir tatsächlich erst am Abend selbst lüften… Aber wir werden mit ein wenig Vorlauf Flyer in den Locations auslegen, auf denen man nachlesen kann, in welche Richtung der jeweilige Film geht. Und dann darf wild geraten werden! Zuschauer mitbestimmen zu lassen, fänden wir großartig, aber dazu müssten wir dann vermutlich einen anderen Rahmen organisieren. Ein Schritt nach dem anderen, würde ich sagen!

Worauf müsst ihr als Veranstalter eigentlich achten, um Filme öffentlich vorführen zu dürfen?
Hanno: Zu allererst müssen wir natürlich die Aufführungsrechte erwerben. Und dann gibt es bestimmte Vorschriften, an die wir uns halten müssen. Das ist gar nicht so einfach… Wir geben uns Mühe alles richtig zu machen, aber als Laie schüttelt man nicht so ohne Weiteres aus dem Ärmel, was da nun alles dazugehört – und Profis sind wir nun einmal nicht. Wir hoffen, dass wir nichts übersehen haben!

Kino ist wie Eis, es geht immer.

Kino ist wie Eis, es geht immer.

Ihr steckt viel Zeit und Liebe in das Projekt, von der Homepage bis zur eigentlichen Veranstaltung. Was für Ideen habt ihr, um auf den Kosten nicht sitzenzubleiben bzw. ab wann hofft ihr, mit dem Neustadtkino vielleicht auch Geld zu verdienen?
Mark: Im Moment ist das eine nicht-gewerbliche Veranstaltung. Wir bitten aber an den Abenden um eine Kostenbeteiligung. Damit wollen wir kein Plus machen, aber natürlich gerne minimieren, wie sehr wir „auf den Kosten sitzenbleiben“.

Tatortsonntage im Haddocks, Quizabende im Irish Pub, Kinoabende in der Neustadt – was glaubt ihr, woher kommt der Trend, ein Stück Privatheit im öffentlichen Raum auszuleben?
Feli: Also ich habe es schon immer geliebt, mit anderen Menschen Filme zu gucken und direkt im Anschluss über den Film zu reden, einen Film also gemeinsam zu erleben. Wenn wir damit jetzt im Trend liegen, umso besser! Aber daran haben wir gar nicht gedacht. Wir sind nur unserer eigenen Leidenschaft gefolgt.

Steckt hinter der Idee zum Neustadtkino auch der Traum, irgendwann ein tatsächliches Kino zu führen?
Hanno: Ja, schon. Aber im Moment steht das noch in den Sternen.

Neben den Abendterminen gibt es eine Familienvorführung. Ist das auch als eine spielerische Art und Weise zu sehen, um Kinder an die große Leinwand heranzuführen?
Nadine: Das haben wir uns dabei nicht auf die Fahnen geschrieben… Aber tatsächlich gehören wir jetzt nicht unbedingt zu den Eltern, die finden, Kinder sollten so lange wie möglich aus den Kinos rausgehalten werden. Wir finden Filme einfach toll und sehen nicht, dass man Kinder davor schützen müsste. Und wenn Familien sich jetzt mit uns erstmal wohler fühlen, und dadurch dann auch in andere Kinos gehen, freuen wir uns!

Apropos Familie: Ihr seid alle Eltern, alle berufstätig, und du, Feli, steckst auch noch hinter der Plattform Ich-Erzähler.de, die kürzlich den Mainzer Story-Slam ins Leben gerufen hat… und jetzt macht ihr noch das Neustadtkino. Wie schafft ihr das?
Feli: Also, Ich-Erzähler.de und auch das Neustadtkino, das sind ja so Herzensprojekte. Das ist ein bisschen wie mit Nachtisch, den man irgendwie doch noch essen kann, obwohl man von der Hauptspeise schon fix und fertig ist. Aber natürlich geht alles nur im Rahmen. Deswegen gibt es erstmal nur sechs Vorstellungen vom Neustadtkino – und dann eine kleine Pause. Aber wir würden uns riesig freuen, wenn es im nächsten Jahr weitergeht! Das hängt jetzt natürlich auch davon ab, wie die Abende laufen und wie die Sache überhaupt ankommt. Aber momentan sind wir zuversichtlich. Der bisherige Zuspruch war schon ziemlich überwältigend.

Danke für das Gespräch.

Das Neustadtkino
10. November: Premiere im LUUPS-Shop
17. November: Wein-Abend mit Film in der Weinraumwohnung
24. November: Dänischer Filmabend im hygge
1. Dezember: Gucken und Basteln im Klotz und Quer
4. Dezember: Familiennachmittag mit Kinderfilm im Neustadtzentrum
8. Dezember: Abschlussfilm mit Partylaune im Nelly’s

Tassenliebe

Vor längerer Zeit bekam ich mal eine Tasse mit dem wunderschönen Logo geschenkt, das mir Henry J. Wintherberg für meine offizielle Homepage erstellt hat. Inzwischen ist die ziemlich abgenudelt und ich hatte Lust auf eine neue.

Außerdem werde ich immer mal wieder gefragt, ob ich die Tasse auch verkaufe, wenn sie zum Beispiel auf meinen Instagram-Fotos auftaucht. Also habe ich Nägel mit Köpfen gemacht, will heißen, Tassen mit dem Mainzer Ring – sind die nicht wunderschön geworden?

Wer sich für eine der Schmuckstücke interessiert, kann mir seine Kaufabsicht per Mail mitteilen und ich melde mich mit den Details. Bei Facebook gibt es sie außerdem bis Montag zu gewinnen.

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