Vier Gründe, Mainz 05 und meinen Job zu lieben

Unfassbare Dinge geschehen. Zum Beispiel, dass ich hier in den letzten Wochen nicht einmal die aktuelle Videokolumne Wortpiratin rot-weiß verlinkt habe, die ich nun schon seit fast einem Jahr für die Allgemeine Zeitung produziere. Dabei hatte ich so wunderbare Gesprächspartner!

Als da waren: Eva Federhenn, die Abteilungsleiterin Handball, mit der ich in der Trainingshalle bei fast 40 Grad Heizungsluft um die Wette geschwitzt habe. Martin Heininger, der Spanischflüsterer, der den Spielern die Anweisungen des Trainers übersetzt.

Udo Seyfarth, den Vorsitzenden der 05-Supporters und zudem Mitglied in der Wahlkommission des FSV. Und, ganz aktuell: Ich sag Bum Bum, ihr sagt Babatz – wir haben die 05er Fußballschule besucht und Christof Babatz getroffen. Es waren vier ganz unterschiedliche, aber famose Drehs mit tollen Leuten. Ich liebe meinen Job.

Folge #18

mit Eva Federhenn, Abteilungsleiterin Handball

Folge #19

mit Martin Heininger, Journalist & Übersetzer

Folge #20

mit Udo Seyfarth, Supporters-Vorsitzender

Folge #21

mit Christof Bum Bum Babatz, 05-Legende

Reverend Dabeler in Mainz: Liebe, Musik und Tränen

„Es ist immer noch ein bisschen komisch auf der Bühne, ohne Almut.“ Der Satz fällt in den Raum und schmerzt alle, die er trifft. Ein wenig unbeholfen steht Reverend Dabeler da im schummerigen Licht der Dorett Bar, das lange Ende seines Gürtels baumelt ihm zwischen den Beinen. Und für einen Moment ist dieses Bild fast zu viel, zu nah, zu persönlich: Eben weil er ohne Almut Klotz dort oben steht. Um ihre gemeinsamen Lieder zu singen. Alleine, denn seine Frau ist ja tot. Gestorben im August 2013, kurz bevor das famose zweite Album der beiden, „Lass die Lady rein“, veröffentlicht wurde. Doch dann beginnt Christian Dabeler zu singen, und die Befangenheit im Publikum, die Unsicherheit – wohin den Blick, wohin die Hände – löst sich auf in seinem Lied: Keine Zeit.

Ein Reverend im Auftrag der Liebe.

Ein Reverend im Auftrag der Liebe.

Es ist ein Song von der ersten Platte, obwohl eigentlich die zweite angekündigt war. Ganz gleich. Die plötzlich doch unaufgeregte Art und Weise, wie der Reverend Worte und Töne mit dem Mikrofon über den dunklen Raum ergießt, lässt kein Herz unberührt. Und er singt nicht nur, sondern erzählt auch die Geschichten zu ihren Platten, wie vor Sommerlied: „Es war der letzte Song, den wir aufgenommen haben.“ Er habe dabei schon so ein komisches Gefühl gehabt. Die Stimme, belegt. „Wir lassen uns treiben / wie die Blätter im Wind / doch bald / lässt der Sommer / uns allein.“ So viel Gefühl erschöpft Künstler und Zuhörer gleichermaßen. Nach zwei Liedern ist fürs Erste schon wieder Schluss.

Immerhin, im Mittelpunkt des Abends soll ein Text ganz ohne Musik stehen: Almut Klotz hat ein Buch hinterlassen, unfertig, aber mit dem Wunsch, es möge veröffentlicht werden. Über ihre Liebe zu Christian Dabeler, „Fotzenfenderschweine“ heißt es, und wer dieses seltsame Wortungetüm verstehen will, der sollte ihre ungewöhnliche Liebeserklärung kaufen. Dabei aber wissen, man muss das aushalten können, die absolute Offenheit, in der Klotz auch die Unzulänglichkeiten ihres Liebsten, die eigenen Unsicherheiten und die Schwierigkeiten auf dem Weg zueinander in Worte kleidet. Liebe ist Arbeit und Liebe ist wunderschön, Liebe tut weh und lässt uns alles aushalten. Beides beschreibt Almut Klotz eindrücklich.

Andenken, in Worte gegossen.

Andenken, in Worte gegossen.

Aus diesem Buch liest Rev. Dabeler nicht selbst, sondern hat die Hamburger Künstlerin Frau Kraushaar dabei, mit der seine Frau Almut sich gut verstand. Die eine liest ein wenig so, wie die andere geschrieben hat, und irgendwie macht es das stimmig. Und doch ist es auch ein Warten durch die Texte hindurch, auf mehr Lieder, die kommen, zum Glück.

Es geht weiter mit der zweiten Platte und „Tausendschön“, über einen, der im Grunde seines Wesens ein schmutziger Charakter ist, aber: „Im Grunde meines Wesens fand ich’s sehr, sehr schön. Im Grunde wäre es wohl, das Beste gewesen, wir hätten uns nie geseh’n.“ Das schöne Gefühl, diese Zeilen schreiben Liebende, wenn sie wissen, natürlich wäre es nicht das Beste gewesen, augenzwinkernd. Es sei, erzählt der Reverend, ohnehin seltsam, so ohne Almut nach Mainz zurückzukehren: Im hiesigen Ventil Verlag veröffentlichte das Paar zwei Bücher, hier sind sie häufiger gewesen. Und singt: „Erinnerst du dich noch?“ (Liebeslied).

Make some noise. (Fotos: WP)

Make some noise. (Fotos: WP)

Man möchte nicht auftauchen aus der wohligen Blase, die der Abend wie ein Schaumbad um seine Gäste gebildet hat – und zum Glück singt und erzählt der Reverend immer noch ein wenig weiter. Schließlich auch einen Song, der auf dem Album ganz seiner Frau gehört: „Oh, wann kommst du?“ Und wie vielen Liedern an diesem Abend gibt er auch diesem einen neuen Dreh, einen anderen Ton und es steckt so nicht nur ihr Andenken darin, sondern ebenso ein Aufbruch, eine Hoffnung auf das, was kommt.

Eben diese tröstliche Verbindung steckt auch in der Zugabe, als Christian Dabeler zunächst das Pink Floyd-Cover „Wish you were here“ in der deutschen Version ihrer ersten Platte „Menschen an sich“ spielt, wobei die Wehmut nochmals hart um sich greift. Dann aber endet er diesen Auftritt mit der launigen Bemerkung, Almut, die Cover nie wirklich mochte, sei vielleicht auch einiges erspart geblieben: Meatloaf zum Beispiel. Spricht’s, und verabschiedet sich mit der „Rocky Horror Picture Show“. Der Abend war alles andere als das. It was a night to remember.

Talk mit dem Fanprojekt: Ein Haus für alle 05er

Für die aktuelle Wortpiratin-Videokolumne rund um Mainz 05 habe ich mit Thomas Becki Beckmann und Markus Delnef über das Fanprojekt Mainz gesprochen. Deren großes Vorhaben 2017 ist das neue Fanhaus, das auf dem Gelände des Alten Rohrlagers entstehen wird. Dabei können sich die Fans mit Ideen ebenso einbringen wie mit echter Handarbeit, sprich, Wände streichen, Kisten schleppen, renovieren und aufhübschen. Das wird sicher eine prima Sache!

Übrigens, das Fanprojekt arbeitet unabhängig vom Verein – die Zusammenarbeit ist aber eine positive. Auch gut zu wissen: Das Fanhaus hat nichts zu tun mit den Plänen der 05er, an der Arena für ein bisschen Gemütlichkeit zu sorgen. Das wird ganz gerne mal verwechselt, ist aber eine komplett andere Baustelle.

Ciao 2016, hej there 2017!

Jahreswechsel

Tschüss, 2016. Es war nicht immer einfach mit dir.
Aber die guten Momente waren groß. Danke! ❤️

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Rasenfunk is coming home

Rasenfunk Royal

Make Winterpause great again: Man kann inzwischen glaube ich mit Fug und Recht von einer Tradition sprechen, wenn der Rasenfunk in der Sommer- und Winterpause die royale Ausgabe präsentiert. Unfassbar, welche Arbeit Max-Jacob Ost sich mit seinem Baby macht – und ihr alle solltet unbedingt dem Supporters Club beitreten, damit er diesen tollen Job weitermacht, ohne dabei verhungern zu müssen. Eingerahmt von vielen großartigen Kollegen hatte ich einmal mehr das Vergnügen, über den FSV Mainz 05 zu sprechen.

Die Themen waren diesmal nicht nur sportlicher Natur. Wir sind der Frage nachgegangen, wie die Ära nach Christian Heidel in Mainz bislang läuft, welche Fortschritte die Strukturreform macht, warum ich es so wichtig finde, dass alle, die den Verein lieben, wieder an einen Tisch zurückkehren – und wieso es sich all jene zu einfach machen, die bei aktive Fanszene lediglich an Ultras und bei Ultras ausschließlich an Pyrotechnik denken. Hört doch mal rein – natürlich auch in die anderen Teile, die nämlich sogar dann sehr interessant sind, wenn es nicht den eigenen Verein betrifft.

Nachzureichen aus dem alten Jahr habe ich außerdem die aktuelle Folge der 05-Videokolumne Wortpiratin rot-weiß. Diesmal mit einem (wie ich finde) sehr launigen Dialog zwischen mir und dem lieben Michael Bopp, der vor 15 Jahren das bekannte und beliebte Forum Kigges ins Leben gerufen hat. Ihr habt Fragen, Anregungen, Kritik? Oder Wünsche für kommende Gäste? Mailt mir! Ich freue mich über euer Feedback.