Gegnerbetrachtung: Mainz 05 bei Hannover 96

Neu im Blog: die Gegnerbetrachtung. Vor den Auswärtsspielen des 1. FSV Mainz 05 spreche ich künftig mit Journalisten, Podcastern und Bloggern darüber, was die 05er in der Fremde erwartet. Über Hannover 96 habe ich mit Klaas Reese gesprochen, der beim Deutschlandfunk arbeitet und mit Alex Feuerherdt den Podcast Collinas Erben betreibt.

Klaas (links) und Alex prosten ihren Hörern zu. (Foto: Collinas Erben)

Klaas (links) und Alex prosten ihren Hörern zu. (Foto: Collinas Erben)

Hallo Klaas. Du bloggst, wenn auch aktuell nicht sehr regelmäßig, unter Reeses Sportkultur, bist ein Teil des Schiedsrichter-Podcasts „Collinas Erben“ und blickst für „11 Freunde“ unter dem Motto „GIF mich die Kirsche“ auf jeden Spieltag in GIFs zurück. Da steckt deutlich mehr Fußballbegeisterung drin als die Liebe zum eigenen Verein. Wie hat die sich entwickelt?
Die Fußballbegeisterung wurde schon in ganz frühen Jahren geweckt. Mein Bruder war hier schon früh das große Vorbild und wir waren früher fast täglich draußen und haben mit den Kids aus der Nachbarschaft gespielt und auch später im Verein die komplette Jugend durch gespielt. Mit dem Studium in Köln wuchs dann merkwürdiger Weise die Begeisterung für 96, weil auch mein Bruder und ein paar Freunde an den Rhein zogen und wir fortan fast alle Spiele der Roten in der Umgebung besuchten – natürlich inklusive der Europapokalhighlights in Brügge, Kopenhagen und Sevilla. Leider ist die Leidenschaft für den Club Hannover 96 etwas geschwächt aktuell, weil ich mit dem Gebahren der Vereinsführung um Martin Kind meine Probleme habe. Aber die Begeisterung für den Fußball an sich ist geblieben und mit meinen GIF-Kolumnen versuche ich, das Fußballgeschäft etwas aufs Korn zu nehmen, denn oft sind mir die Diskussionen um das Spiel Fußball viel zu ernsthaft und zu dogmatisch.

Für die Deutsche Akademie für Fußballkultur sitzt du außerdem in der Jury für den Deutschen Fußball Kulturpreis in der Sparte „Fanpreis“. Was sind besonders spannende Projekte, die du dadurch in den letzten Jahren kennenlernen durftest?
Das sind tatsächlich zu viele, um sie hier alle aufzuzählen, aber ich bin nach wie vor ein großer Fan des „Textilvergehen“, einem Podcast- und Blogprojekt rund um Union Berlin. Außerdem find ich das Projekt zur Erinnerung an „Das Kreuzlinger Grenzland-Stadion“ von Daniel Kessler toll. Der Fußballhistoriker hat ein umfassendes Archiv zur Geschichte der einstigen Spielstätte seines Lieblingsvereins FC Kreuzlingen erstellt – und das, obwohl es das Stadion schon seit Jahrzehnten nicht mehr gibt.

War es sozusagen von langer Hand geplant, dass der Fußball mal einen so großen Teil deines Lebens einnehmen würde? Oder hat sich vieles davon auch zufällig ergeben?
Der Sportjournalismus hat mich schon immer interessiert. Dass ich jetzt beim Deutschlandfunk in der Sportredaktion arbeiten darf, ist aber dennoch immer wieder ein Grund, mich zu kneifen. Ich sehe es als großes Privileg an, in einer Redaktion zu arbeiten, die nicht nur 1-zu-0-Berichterstattung betreibt, sondern sich auch den unbequemen Themen der Sportwelt widmet – wie Doping, Korruption oder sexuellem Missbrauch. Ich finde es auch prinzipiell wichtig, dass sich unsere Sendungen nicht nur mit Fußball beschäftigen, sondern auch viel Raum für andere Sportarten bietet.

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Du bist – wie ich – ein großer Fan des sozialen Netzwerks Twitter. Obwohl sich das Vorurteil eines „Quatschmediums“ hartnäckig hält, finden sich hier – gerade zum Thema Fußball – Leute, die mit viel Interesse, Sachwissen und Leidenschaft den Austausch suchen. Was glaubst du, wieso passen Fußball und Twitter so gut zusammen?
Das Schöne an Twitter ist, dass selbst das langweiligste Fußballspiel der Welt mit diesem Sozialen Netzwerk auf dem Second Screen unglaublich unterhaltsam sein kann. Dazu ist der große Vorteil aus meiner Sicht, dass ich mich nicht stündlich durch alle möglichen Sportseiten klicken muss, die oft eh nur immer wieder dasselbe bieten von unglaubwürdigen Transfergeschichten oder verbalen Ergüssen von irgendwelchen Pseudoexperten. Durch Twitter bekomme ich oft Hinweise auf spannende Geschichten abseits des Mainstreams und außerdem ist das Medium viel schneller als jede Nachrichtenapp. Das gibt einem die Möglichkeit, sich in die Medien zu stürzen, birgt aber auch immer die Gefahr, lange am Tablet, Rechner oder Smartphone hängen zu bleiben.

Privat bist du Fan von Hannover 96. Nach einem Jahr Abstinenz ist dein Verein zurück in der 1. Liga. Wie zufrieden bist du unterm Strich mit eurer Hinrunde?
Sportlich äußerst zufrieden. Ich habe 96 ehrlich gesagt als Abstiegskandidaten Nummer 1 bis 2 zusammen mit dem FC Augsburg gesehen, weil ich dachte, dass der Kader zu schwach für die 1. Liga sei. Natürlich ist 96 noch nicht durch und kann noch in Abstiegsgefahr geraten, aber die Hinrunde hat gezeigt, dass die Mannschaft mithalten kann, dass sie den Teamspirit aus der 2. Liga mit ins Oberhaus gerettet hat und dass André Breitenreiter es versteht, seine Mannschaft taktisch schlau und variabel aufs Feld zu schicken. Ich bin da tatsächlich positiv überrascht worden.

Ist es hinderlich für euch, dass Hannover in der Wahrnehmung der anderen Vereine kein klassischer Aufsteiger ist? Was macht das mit der Erwartungshaltung im Umfeld?
Ich habe das Gefühl, dass die meisten in diesem Jahr schon demütig genug sind, um nicht zu hohe Erwartungen an das Team zu stellen. Den allermeisten ist bewusst, dass 96 gegen jedes Team in der Liga verlieren kann und die meisten sind froh, dass Hannover überhaupt wieder in der 1. Liga spielt.

Die Mainzer Kurve in Hannover. (Foto: Meenzer on Tour)

Die Mainzer Kurve in Hannover. (Foto: Meenzer on Tour)

Gegen Ende der Hinrunde kam mächtig Unruhe in den Verein, weil Hannover plötzlich Horst Heldt an den Ligakonkurrenten Köln zu verlieren drohte. Heldts Kommunikation wirkte dabei auf Außenstehende nicht immer schlüssig. Wie siehst du seine Rolle in der Causa?
Seine Aussagen waren ja eindeutig und ich denke, dass er nicht damit gerechnet hat, dass Martin Kind hier sein Veto einlegt. Ich war nicht sonderlich begeistert, als die Verpflichtung von Heldt in Hannover bekannt wurde, muss aber zugeben, dass er einen ordentlichen Kader auf die Beine gestellt hat. Dass solche Arbeit Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen auslöst ist normal, vor allem, wenn man sich in einer solchen Krise befindet wie der 1. FC Köln. Wie die ganze Sache dann in der Öffentlichkeit diskutiert wurde, war kein Ruhmesblatt – für keinen der Beteiligten –, passt aber zur Außendarstellung beider Vereine in dieser Saison.

Und wie beurteilst du Heldts Rolle im Verein? Bist du froh, dass ihr ihn gehalten habt?
Im Endeffekt ja, denn mitten in der Saison einen neuen Sportdirektor zu präsentieren ist nicht leicht, auch wenn ich nichts gegen eine Rückkehr von Jörg Schmadtke gehabt hätte…

Als Daniel Stendel im März 2017 bei Hannover 96 beurlaubt wurde und André Breitenreiter seinen Platz einnahm, kam das fürs Umfeld nicht mehr überraschend. Aus der Ferne wirkte die Art und Weise wie eine unnötige Demontage. Wie hast du das damals wahrgenommen?
Martin Kind und Horst Heldt haben damals wohl befürchtet, dass 96 unter Stendel die Luft ausgehen würde und der Aufstieg gefährdet werden könnte. Die Verpflichtung von Breitenreiter war nicht ohne Risiko, aber schlussendlich haben die Verantwortlichen wohl alles richtig gemacht. Nichtsdestotrotz war der Umgang mit Stendel nicht in Ordnung. Er hatte 96 in einer Phase im Abstiegskampf übernommen, die aussichtsloser nicht sein konnte. Damals wollte wohl kein anderer Coach 96 trainieren und Stendel ging das Risiko ein, sich mit diesem Engagement seinen Namen zu ruinieren. Er hat dann sogar dafür gesorgt, dass 96 mit positiven Emotionen und einigen Achtungserfolgen aus der Saison gekommen ist. Sein Anteil am Wiederaufstieg ist deshalb nicht von der Hand zu weisen.

Arbeitsplatzsituation: All Cats Are Beautiful… (Foto: Collinas Erben)

Arbeitsplatzsituation: All Cats Are Beautiful… (Foto: Collinas Erben)

Welches Ansehen genießt André Breitenreiter bei den 96-Anhängern?
Ich denke, dass er bei den meisten mittlerweile wohlgelitten ist. Nicht nur, weil er der Aufstiegstrainer ist, sondern auch, weil er aus Hannover kommt und sich komplett mit Stadt und Verein identifiziert. Er hat seine Chance bei 96 genutzt und zeigt, dass er über mehr taktisches Verständnis und Talent zur Mannschaftsführung verfügt, als im viele Experten innerhalb und außerhalb von Hannover zugetraut haben.

Das Verhältnis zwischen der aktiven Fanszene und Präsident Martin Kind war in den letzten Monaten nicht gerade rosig. In der Saison 2014/15 blieben die Ultras zeitweise den Spielen der 1. Mannschaft fern, letztes Jahr gab es erneut einen Stimmungsboykott. Wie beurteilst du die Auseinandersetzung und kannst du etwas zum aktuellen Stand sagen?
Der aktuelle Stand ist, dass sich vor Kurzem mehrere hundert Fans trafen und entschieden haben, dass der Stimmungsboykott fortgesetzt wird. 96 hat es einfach in den letzten Jahren geschafft, das Verhältnis zur aktiven Fanszene nachhaltig zu zerstören. Es gibt keinerlei Vertrauen in die Aussagen von Martin Kind, weil er in der Vergangenheit wiederholt mit Beschimpfungen und Aussagen gegenüber der Fanszene deutlich gemacht hat, wie unwichtig ihm die Meinung der Fans ist. Er zieht sein Ding, die Übernahme des Traditionsvereins Hannover 96, durch – und erwartet, dass Fans nur ins Stadion kommen, um für Stimmung zu sorgen. Eine kritische Teilhabe am Vereinsleben ist nicht gewünscht. Oft wird – das haben 96 und Mainz 05 wohl gemeinsam – von außerhalb recht harsch über die Fans von 96 geurteilt und schnell auf die Ultras als einzig Verantwortliche für die schlechte Stimmung im Verein gezeigt. Dass der Auslöser dieser Konflikte im Präsidium des Vereins sitzt wird dabei zu oft unterschlagen und eine kritische Auseinandersetzung mit der Gesamtproblematik findet zu oft nicht statt.

Ohne Fans verliert der Fußball seine Seele. (Foto: Meenzer on Tour)

Ohne Fans verliert der Fußball seine Seele. (Foto: Meenzer on Tour)

Die DFL wird vermutlich auf ihrer nächsten Sitzung über den Ausnahmeantrag Kinds von der 50+1-Regelung entscheiden. Der Präsident möchte Hannover 96 komplett übernehmen. Wie würde das den Verein aus deiner Sicht verändern? Und was wären die Auswirkungen auf das Umfeld, gerade auch im Hinblick auf die Fans?
Ich kann das nur schwer einschätzen, weil ich nicht in Hannover wohne, kann mir aber gut vorstellen, dass eine Übernahme dazu führt, dass viele Fans 96 den Rücken kehren, um einen eigenen Verein zu gründen. Vorbilder für diesen Prozess gibt es ja in Manchester und Hamburg. Außerdem würde sicherlich prozessiert und die Gerichte müssten dann entscheiden, ob alles rechtens gewesen ist bei der Übernahme, die der Präsident Kind ja mit dem Käufer Kind quasi selbst verhandelt hat und deren Vorteile für den Club fraglich sind. Der größte Teil wird das aber einfach hinnehmen und irgendwann werden auch wieder Fans in der Kurve stehen, die die Kommanditgesellschaft auf Aktien lautstark unterstützen. Richtig unruhig würde es dann, wenn Kind entgegen seiner Versprechen den Verein doch irgendwann an einen Investor verkauft. Es wird also auf Dauer spannend bleiben an der Leine und es wird stets vom sportlichen Erfolg abhängen, wie laut die Debatte geführt wird.

Der Kroate Josip Elez ist der einzige Winterzugang der 96er. Ist der Kader wirklich so ausgewogen, dass es keine weitere Verstärkung braucht, oder siehst du das kritisch?
Oft ist es ja ein schlechtes Zeichen, wenn im Winter viele Transfers getätigt werden müssen, weil das zeigt, dass der Kader vor der Saison nicht ordentlich zusammengestellt war oder dass es viele Verletzungen gab. Der 96-Kader hat in der Hinrunde weitestgehend überzeugt und ich denke, dass es richtig ist, den Spieler das Vertrauen für die Rückrunde zu geben.

Hannover 96 beginnt die Rückrunde mit einem Heimspiel. Bei der Partie in Mainz hattet ihr einen Verbündeten im schweigenden Videoassistenten. Was erwartest du dir am Samstag vom Rückspiel?
Ich denke, der Videoassistent wird das auch im Rückspiel wieder regeln…Scherz beiseite: ich erwarte ein ausgeglichenes Spiel und bin vor allem gespannt auf die Mainzer Neuverpflichtungen. De Jong und Ujah sind ja alte Bekannte, die dem Mainzer Spiel geben können, was in der Hinrunde etwas gefehlt hat: eine gewisse Körperlichkeit in den Zweikämpfen und eine extrovertierte Leidenschaft. Dennoch denke ich, dass 96 aufgrund des Heimvorteils leicht favorisiert in die Partie geht.

Die Mainzer im Februar 2016 beim Auswärtsspiel in Hannover. (Foto: Meenzer on Tour)

Die Mainzer im Februar 2016 beim Auswärtsspiel in Hannover. (Foto: Meenzer on Tour)

Worauf müssen sich die Mainzer bei der Partie einstellen?
Auf eine Mannschaft, die das Spiel des Gegners quasi kopiert und eine aggressive Manndeckung spielt. 96 kommt mit einer hohen Laufbereitschaft auf den Platz und lässt dem Gegner wenig Raum, um sein eigenes Spiel zu entfalten.

Wie intensiv hast du dich mit der bisherigen Saison der 05er beschäftigt? Und wie schätzt du sie unter dem neuen Trainer Sandro Schwarz ein?
Ich habe wenige Spiele über die komplette Spielzeit gesehen, bin aber beruhigt, dass Mainz unter Schwarz weniger lange Bälle in die Spitze spielt als im letzten Jahr. Das hat sicherlich mit dem Abgang von Jhón Cordoba zu tun und es bleibt abzuwarten wie Ujah jetzt eingebaut wird und wie man ihn in das Spiel einbinden will. Ich denke, dass es prinzipiell gut ist, dass Mainz wieder mehr spielerische Lösungen sucht, denn der Fußball der letzten Saison war deutlich unansehnlicher als unter dem neuen Coach. Auf lange Sicht wird sich dieser Weg sicher eher auszahlen als das Spiel mit dem „langen Hafer“.

Was ist dein Tipp fürs Spiel?
Ich tippe auf ein 3 zu 1.

Vielen Dank für das Gespräch!
Sehr gern.

|| Mit großem Dank an Meenzer on Tour für die zur Verfügung gestellten Fotos. ||

Wortpiratin zum Fünften

Es gehört zu den gar nicht so geheimen Geheimnissen des Älterwerdens, dass die Zeit immer schneller verstreicht, denn sie muss ja… Beim diesjährigen Jahreswechsel aber habe ich den Kalender doch besonders lange angeschaut. Nicht nur, dass da ein Jahr wie zehn hinter mir liegt, mit den wunderbarsten Glücksmomenten – wie großartig ist denn bitte heiraten? – ebenso wie unglaublich schmerzhaften Abschieden. Nein, dieses anbrechende 2018 schien mir noch etwas Anderes signalisieren zu wollen. Irgendwann begriff ich, verrückt: Ich starte damit in das fünfte Jahr meiner Selbständigkeit.

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Im Frühsommer 2013 hatte ich mich nach einem jobtechnisch komplizierten halben Jahr noch ganz selbstverständlich in einen echten Bewerbungsmarathon geworfen. Nebenher schrieben Christian Karn und ich an „111 Gründe, Mainz 05 zu lieben“ und ich nahm den einen oder anderen Auftrag an, der ganz von selbst bei mir landete. Aber Freiberuflerin zu werden, dieser Gedanke war so weit weg, dass er nicht einmal als vage Idee taugte.

Irgendwann im Herbst sollte sich das ändern und ich erinnere mich noch gut an den Moment, oder besser, die beiden Momente. Zunächst fuhr ich mal wieder von einem Vorstellungsgespräch nach Hause, bei dem ich das ungute Gefühl bekommen hatte, um den Job zu kriegen, müsste ich mich kleinmachen. „Sie sind auf dem Gebiet schon extrem kompetent“, das hatte ich mehr als einmal wie einen Vorwurf von potentiellen Chefs gehört, die sich damit sichtlich unwohl fühlten. Ich war aber nicht bereit, mich kleinzumachen. Ich wollte mich strecken, wachsen, ich wollte das einbringen, was ich kann, ohne mir Gedanken machen zu müssen, damit an Egos zu kratzen. Ich war genervt.

Unterwegs bekam ich einen Anruf: „Die Autorenexemplare unseres Buchs sind da!“ Zum ersten Mal ein eigenes Buch in den Händen zu halten, das war unbeschreiblich. (Und ich ahnte damals noch nicht, wie viel besser sich das erste alleinige fühlen würde.) Plötzlich hatte ich das Gefühl, nein, ich wusste: Ich kann alles schaffen.

Meine Bücher

Ich stürzte mich in die Vorbereitungen. Was auch immer das Arbeitsamt an Publikationen zum Thema Selbständigkeit veröffentlicht hat, ich habe es gelesen. Ich belegte Kurse (in denen leider nur die Inhalte eben jener Publikationen wiedergekäut wurden), ich besorgte Formulare, ich las mich ein. Ich erkundigte mich bei Verbänden und Organisationen, ich erduldete ein Gespräch, in dem die Beraterin mir sagte, ich sei „zu ambitioniert und unter Strom“, um mich selbständig zu machen: „Da schalten Sie ja nie ab.“

Ich zweifelte, ich hinterfragte meinen eingeschlagenen Weg. Ich dachte an meinen Paps, der seine Selbständigkeit geliebt hatte. Würde er mir helfen können, meine nagenden Zweifel zu zerstreuen? Ich begriff, dass ich meine Entscheidung ja längst getroffen hatte. Ich suchte mir Hilfe und fand sie im Businessplan einer befreundeten Kollegin, der mich gerade in jenen Belangen, die mir selbst schwerfielen, als Leitfaden durch die nächsten Wochen begleitete.

Ich beantragte einen Gründungszuschuss und legte den 30. Dezember als das Datum fest, an dem alles ganz offiziell beginnen sollte. Ich machte mitten im Chaos Urlaub, stellte einfach Arbeit und Vorbereitungen ein, weil Kopf und Körper eine Pause brauchten, weil ich das von Anfang an üben wollte, auch abzuschalten (ich übe es noch immer, mit wechselndem Erfolg). Ich kehrte zurück an meinen Schreibtisch und realisierte, was noch alles zu tun war. Ich ließ mir ein wunderbares Logo basten und grübelte über eine Homepage, ich leierte alte Kontakte an und begann endlich, endlich zu schreiben. Und damit habe ich seither nicht aufgehört.

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Ich habe vor fünf Jahren Mut gefasst und seither sehr viel Glück gehabt. Es war einerseits sicher jenes der Tüchtigen, es war aber auch das große Glück, Menschen zu finden, die ihr Vertrauen in mich setzen, die Lust haben, mit mir zu arbeiten, die mir Freiräume geben, die mit Ideen auf mich zukommen und mich seitdem auf meinem Weg begleiteten. Ihnen gelten mein Dank und meine Verbundenheit: You know who you are. Ich habe Texte geschrieben, Aufgaben übernommen und Projekte gestaltet, an die ich vor fünf Jahren niemals gedacht hätte. Ich habe meinen Job immer gerne gemacht, aber heute liebe ich ihn auf eine Weise, die ich in den Jahren zuvor nicht kannte, die mich erfüllt und glücklich macht. Auf die nächsten 50 Jahre. I am ready.

DKMS: Dein Feuerwerk fürs Leben | Always Team Toni

Während die meisten von uns im üblichen Weihnachtsendstress langsam auch Vorfreude auf das Fest verspüren, steht zugleich für viele Menschen das erste Weihnachten ohne einen geliebten Angehörigen vor der Tür. Gerade in den letzten Tagen denke ich viel darüber nach, von wem auch ich mich in den letzten zwölf Monaten verabschieden musste – und an deren allerengste Liebste, für die diese Zeit besonders schwierig und traurig ist.

Großes Kämpferherz: We will always be Team Toni.

Großes Kämpferherz: We will always be Team Toni.

Dabei wandern meine Gedanken auch zu Toni Macaroni, die am 26. Dezember des letzten Jahres ihren tapferen, langen Kampf gegen die Leukämie verloren hat. Ihre Mama Lacy, mit der ich seit meinem Austauschjahr in Mississippi Mitte der Neunziger verbunden bin, hat kürzlich auf ihrer Facebook-Seite beschrieben, wie sie nun, ein Jahr später, erstmals die Kraft gefunden hat, Tonis Krankenhaustasche aus dem letzten Dezember auszuräumen.

Es gibt viele Abschiede, an denen wir nichts ändern können; uns bleibt nur, Wege zu finden, um damit zu leben. Kraft zu sammeln, um weiterzumachen. Im Kampf gegen Blutkrebs aber können wir alle gemeinsam und jeder Einzelne von uns einen Part übernehmen. Es ist so einfach, sich bei der DKMS als Spender zu registrieren – und jede Registrierung gibt Menschen, die gegen diese Krankheit kämpfen, Hoffnung, weil ihr Ergebnis eine lebensrettende Spende sein kann.

Deswegen unterstütze ich die Arbeit der DKMS und freue mich über jeden, der sich ebenfalls dazu entschließt. Für das ausgehende Jahr hat die Organisation sich eine besondere Aktion ausgedacht, und unter anderem darüber habe ich mit Magdalena Misiura gesprochen.

Spende statt Böller: Ein Feuerwerk fürs Leben.

Spende statt Böller: Ein Feuerwerk fürs Leben (Foto: DKMS/Pixabay).

Liebe Magdalena, vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst für meine Fragen. Wenn ich mit Leuten über eine Registrierung als Stammzellspender bei der DKMS spreche, werde ich oft gefragt, wieso dabei Geld eine Rolle spielt und ihr Spenden einwerbt. Kannst du das kurz erklären?
Die Bestimmung der Gewebemerkmale, auch HLA-Typisierung genannt, ist eine aufwändige Laboruntersuchung, so dass der DKMS für jede Neuaufnahme eines potenziellen Lebensspenders Kosten in Höhe von derzeit 35 Euro entstehen. Die Krankenkassen in Deutschland übernehmen die Kosten für die Aufnahme neuer Stammzellspender nicht. Sie vergüten ausschließlich Leistungen und Behandlungskosten für einen konkreten Patienten. Aus diesem Grund sind wir für den weiteren Ausbau unserer Datei selbst verantwortlich. Wir möchten jedem Menschen, der die finanziellen Möglichkeiten nicht hat, die Registrierung ermöglichen. Daher bitten wir auch in unserer Öffentlichkeitsarbeit um finanzielle Unterstützung.

Die gute Nachricht ist, die Kosten der Registrierung sind über die Jahre immer weiter gesunken: von anfangs 600 Mark auf heute 35 Euro. Wodurch war das möglich?
Ja, wir haben uns sehr gefreut, im September zu verkünden, dass die Registrierungskosten erneut gesenkt wurden. Durch labortechnische Innovationen und die stetige Weiterentwicklung des Typisierungsprozesses durch unser DKMS Life Science Lab konnten wir die Kosten pro Neuregistrierung in den letzten Jahren extrem senken. Wir hoffen, dass diese Entwicklung so weitergeht.

Lukas ist der 50.000 DKMS-Spender. (Foto © DKMS/Patric Fouad)

Lukas ist der 50.000 DKMS-Spender. (Foto: DKMS/Patric Fouad)

Woran liegt es, dass nur ein Drittel der Blutkrebspatienten Spender innerhalb der Familie finden? Und welche Faktoren sind ausschlaggebend dafür, dass ein Spender passt?
Um als Spender für einen bestimmten Patienten in Frage zu kommen, müssen die HLA-Merkmale – das sind Gewebemerkmale – von beiden übereinstimmen. Innerhalb der Familie ist die Wahrscheinlichkeit einer Übereinstimmung am größten, da die Gewebemerkmale vererbt werden. Ein Kind erhält die Gewebemerkmale je zur Hälfte von Vater und Mutter. Eltern sind im Regelfall nur haploidente Spender, das heißt ihre Gewebemerkmale passen nur zur Hälfte. Die Wahrscheinlichkeit der Übereinstimmung unter Geschwistern ist hingegen am höchsten, daher werden diese in der Familie zuerst als mögliche Spender getestet. 30 Prozent der Patienten finden auf diese Weise den geeigneten Familienspender. Der Großteil ist somit auf einen fremden Spender angewiesen. Entscheidend für die Passgenauigkeit von Spender und Empfänger sind mindestens zehn Gewebemerkmale. Die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Spender außerhalb der Familie zu finden, liegt bei 1:20.000 bis zu 1:mehreren Millionen. Daher ist es stets etwas Besonderes, wenn beispielsweise ein deutscher Spender einem indischen Patienten helfen kann. Wir sprechen deswegen metaphorisch auch von der Nadel im Heuhaufen.

Wie kann ich mir die Suche nach einem geeigneten Spender vorstellen? Vermutlich werden zu Beginn die relevanten Daten durch eure Systeme geschickt, richtig? Wie geht’s dann weiter?
Wenn der Arzt eines Patienten sich für eine allogene Transplantation entscheidet, erteilt er gemeinsam mit der Transplantationsklinik dem Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschland (kurz ZKRD) in Ulm den Auftrag zur Fremdspendersuche. Beim ZKRD sind alle deutschen Spenderdaten (auch die von DKMS-Spendern) anonym erfasst. Um einen potentiellen Spender zu finden, müssen die Gewebemerkmale von Spender und Patient verglichen werden. Du kannst Dir sicherlich vorstellen, dies ist ein sowohl organisatorisch als auch EDV-technisch äußerst komplexer Vorgang. Mit Hilfe eines Spenderauswahlprogramms werden dann mögliche Spender für einen Patienten ermittelt und zusammengefasst. Die Spenderliste wird täglich aktualisiert und enthält neben den HLA-Daten noch weitere Auswahlkriterien wie das Alter und das Geschlecht des Spenders. Kommt ein DKMS-Spender für einen Patienten in Frage, bekommen wir eine Info vom ZKRD und kontaktieren den Spender. Erst nachdem wir Aufklärungsgespräche geführt und alle notwendigen Termine mit dem Spender gemacht haben beginnt das Transplantationszentrum mit der Vorbereitung des Patienten auf die Transplantation.

Die DKMS hat inzwischen fünf Standorte. Welche sind das und wie funktioniert international die Zusammenarbeit? Macht es einen Unterschied, ob Patient und Spender aus demselben Land kommen?
Wir arbeiten daran, die Situation für Blutkrebspatienten weltweit zu verbessern, aus diesem Grund sind wir auch seit vielen Jahren international tätig. Heute sind wir in Deutschland, USA, Polen, Spanien und UK aktiv. Wir haben eine internationale Abteilung, die dafür verantwortlich ist, dass an allen DKMS-Standorten die gleichen Standards herrschen. Trotzdem gehen wir auf die Herausforderungen wie auch die kulturellen Unterschiede so individuell wie möglich ein. Wir haben früh erkannt, dass bei der Bekämpfung von Blutkrebs eine länderübergreifende Zusammenarbeit unabdingbar und Vielfalt besonders wichtig ist. Durch die Mobilität der letzten Jahrzehnte hat sich in vielen Regionen der Welt ein regionaler Mix ergeben. Oft ist es so, dass die Elternteile unterschiedlicher Herkunft sind und diese Genetik-Kombinationen auch an ihren Nachwuchs weitergeben. Das ist auch der Grund, warum wir bei der Registrierung auch die ethnische Herkunft abfragen. Oft ist ein Mensch mit der gleichen Abstammung eher als Stammzellspender für einen Blutkrebspatienten geeignet als ein Mensch mit einer anderen Herkunft. Aber wie schon vorhin erwähnt kann es auch vorkommen, dass dein genetischer Zwilling am anderen Ende der Welt wohnt. Bis heute haben über 67.000 DKMS-Spender Patienten auf der Welt eine neue Lebenschance gegeben.

Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein. (Foto: © DKMS/Valéry Kloubert)

Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein. (Foto: DKMS/Valéry Kloubert)

Es gibt neben der Registrierung und der Geldspende weitere, super einfache Wege, um die DKMS zu unterstützen. Das geht zum Beispiel bei jedem Einkauf über Amazon oder andere Onlineshops. Kannst du das System kurz erklären?
Was ist schöner, als online shoppen zu gehen und dabei gleichzeitig etwas Gutes zu tun? Für jeden Einkauf, den man über unsere Seite startet und abschließt, erhalten wir automatisch eine Geldspende von bis zu 10%. Für den Online-Shopper bedeutet das keinen Cent Mehrkosten. Einfach Lieblingsshop auswählen, ganz normal einkaufen und damit ganz easy etwas Gutes tun. Viele wissen auch nicht, dass sie Payback Punkte für eine gute Tat einsetzen können. Über diese Seite kann man die Punkte (1 Punkt = 1 Cent) an uns spenden.

Zum Jahreswechsel habt ihr euch eine besondere Aktion ausgedacht, um Aufmerksamkeit für die DKMS zu schaffen. Sie läuft unter dem Stichwort „Dein Feuerwerk fürs Leben!“
Was ist dabei die Idee?

Dieses Jahr geben Menschen im Schnitt etwa 37 Euro für Silvesterfeuerwerk aus. Das ist fast genauso viel wie uns die Finanzierung einer Registrierung kostet (€ 35). Wir möchten mit unserer Aktion „Dein Feuerwerk fürs Leben!“ Menschen motivieren, das Geld an die DKMS zu spenden, anstatt es für Böller und Raketen auszugeben. Alles rund um die Aktion findet ihr hier.

Vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg weiterhin!

Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr aus dem Wortpiratin-Büro. (Foto: privat)

Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr aus dem Wortpiratin-Büro. (Foto: privat)

Was bleibt?

Ich wünsche allen, die in diesem Jahr meine Beiträge gelesen haben, ein frohes Fest und einen guten Rutsch. Und ich hoffe, der eine oder die andere hat sowohl Lust als auch die Möglichkeit, zum Ende des Jahres die Aktion der DKMS zu unterstützen. Es würde ja für die meisten von uns nicht heißen, die Böller stattdessen steckenzulassen, wenn das persönliche Silvesterfeuerwerk eben dazu gehört. Aber man kann die 37 Euro zweimal ausgeben, um etwas Gutes zu tun.

Und sich im neuen Jahr gleich noch registrieren lassen.

Für dieses unbekannte 2018 wünsche ich euch und uns allen nur das Beste, schöne Momente, wertvolle Begegnungen und natürlich: Gesundheit. Wir lesen uns.

Gegnerbetrachtung: Mainz 05 bei Werder Bremen

Neu im Blog: die Gegnerbetrachtung. Vor den Auswärtsspielen des 1. FSV Mainz 05 spreche ich künftig mit Journalisten, Podcastern und Bloggern darüber, was die 05er in der Fremde erwartet. Diesmal spreche ich mit Johanna Göddecke, deren Herz grün-weiß angestrichen wurde, als sie vom Sauerland nach Bremen zog.

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Liebe Johanna, schön, dass du Zeit für die Gegnerbetrachtung hast. Du beschreibst dich selbst als „Leuchtturm aus dem Sauerland, nach Bremen versetzt | Grün-weiße Werder-Seele“. Seit wann lebst du in Bremen und wie hat Werder dein Herz gewonnen?
Die Zeit nehme ich mir sehr gerne! Ich wohne seit Juli 2013 in Bremen. Werder-Fan bin ich seit 2006. Nach der WM hatte ich Bock, weiter Fußball zu schauen und kam dann durch Klose, Borowski und Co. zum SV Werder. Es war wahrscheinlich mein Glück, dass Diego, Mertesacker, Fritz usw. in dem Sommer zu Werder wechselten und die Mannschaft einfach einen wunderbaren Fußball gespielt hat.

Neugierige Nachfrage: Leuchtturm wegen deiner Größe? Wir haben uns beim Auswärtsspiel eurer Buben in Mainz mal kurz getroffen und zu dir muss ich fast hochsehen. Passiert mir bei Frauen eher selten!
Ich wurde tatsächlich schon oft wegen meiner Größe und den roten Haaren als Leuchtturm bezeichnet. Das ist sehr hilfreich, wenn meine Leute uns in der Ostkurve oder den Gästeblöcken der Republik suchen. :D Ich fand es übrigens auch angenehm, mal nicht zu jemandem runter schauen zu müssen. :D

Du bist im Weserfunk-Team für meinsportradio.de am Podcast-Mikrofon. Wie oft nehmt ihr die Sendung auf? Was motiviert dich, Zeit in ein solches Projekt zu stecken?
Wir versuchen schon, regelmäßig wöchentlich aufzunehmen. Es macht einfach Spaß, mit den drei Jungs, mit denen ich den Weserfunk zusammen mache, und unseren Gästen über Werder und alles drumherum zu fachsimpeln. Vor allem, wenn man positive Resonanz bekommt.

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Außerdem bist du Mitglied im Fanclub WFC TWERDER. Aus euren Reihen wurde die Aktion „Green White Wonderwall“ gestartet, mit der Werder im Kampf um den Klassenerhalt so spektakulär unterstützt wurde, dass es dafür sogar eine 11Freunde-Trophäe gab. Was war da genau los?
Das fragen wir uns bis heute, was da eigentlich los war. Wahnsinn! Wir hatten damals einfach das Gefühl, irgendwas machen zu müssen, um die Fans wieder komplett hinter die Mannschaft zu bekommen, da die Stimmung kippte. Was dann wochenlang in der Stadt abging, war unglaublich. Im Endeffekt haben wir den Klassenerhalt geschafft, das Ziel war erreicht. Unvergesslich.

Es gehört zum Geheimnis einer jeden Fanseele, den eigenen Verein, aber auch die eigenen Supporter, für etwas Besonderes zu halten. Werder ist aber, so scheint mir, ein Verein, auf den sich – außerhalb der norddeutschen Rivalitätshochburgen – viele einigen können. Was hat Bremen also, was andere nicht haben?
Die Sympathien reichen bestimmt noch aus den Jahren des tollen Offensivfußballs her. Hier gab es nie Skandale, wir sind hanseatisch cool außerdem ist Bremen einfach Werder und Werder ist Bremen. Die Verbindung zwischen Fans, Stadt und Verein ist schon sehr besonders. Ob es wirklich so einzigartig ist, wie es uns vorkommt, mag ich nicht zu beurteilen, dafür habe ich zu wenig Einblick bei den anderen Vereinen.

Du bist unglaublich viel auswärts unterwegs. Organisierst du den Fußball in dein Leben oder dein Leben um den Fußball? Und wie hast du deine Werder-Familie gefunden, mit der du on tour gehst?
Ich muss gestehen, dass ich mein Leben um den Fußball organisiere. Natürlich vor allem an den Wochenenden bestimmt Werder den Ablauf. Aber da meine Freunde genau so verrückt sind, stellt das selten ein Problem dar. Tatsächlich kennen wir uns alle größtenteils über Twitter. Auch etwas verrückt.

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Als in der Abschiedsphase von Christian Heidel bei Mainz 05 die ersten Gerüchte aufkamen, Rouven Schröder könnte sein Nachfolger werden, warst du alles andere als glücklich. Welche Rolle hat Rouven, auch im Umgang mit den Fans, in Bremen gespielt und wie stark schmerzt sein Abschied nach wie vor?
Zu Rouven hatte ich einen besonderen Bezug, weil er auch aus dem Sauerland stammt. Deswegen haben wir das ein oder andere Mal geschnackt. Er war immer sehr fannah, direkt, offen und kam an sich menschlicher, nahbarer rüber als Thomas Eichin. Schmerzen tut der Abschied nicht mehr, das wäre das falsche Wort. Etwas vermissen tue ich ihn trotzdem. Ich möchte doch einfach nur meinen Quoten-Sauerländer wiederhaben!

Gibt es im Verein sowas wie einen menschlichen Nachfolger?
Da dieser besondere Bezug nur auf unserer Herkunft beruht, braucht es da gar keinen menschlichen Nachfolger in dem Sinne. Aber wir haben ja zum Glück genug tolle Menschen im Verein.

Apropos menschlich: Ein Grund, warum ich deine Beiträge auf Twitter so schätze ist, dass du Fußball ähnlich emotional angehst wie ich. Die Trainerwechsel der letzten Jahre haben dich immer nicht nur sportlich getroffen, sondern auch menschlich. Welche Spuren haben Viktor Skripnik und Alexander Nouri hinterlassen und wo fehlen sie heute?
Oh, das ist ja lieb von dir. Manchmal denke ich, ich bin fast zu emotional dabei. Skripnik ist einfach Werderaner durch und durch. Da berührt es einen schon sehr, wenn er – nach insgesamt 20 Jahren im Verein – gehen muss. Alex Nouri war erfrischend anders. Redegewand, egal, um welches Thema es sich handelte. Hinzu kam natürlich die verdammt gute, erste Saison unter ihm. Ob die beiden jetzt irgendwo fehlen, weiß ich nicht. Man vermisst vielleicht die eine oder andere Eigenart, aber da das Fußballgeschäft einfach so schnelllebig ist, gewöhnt man sich fix um.

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Aktuell zahlt Werder drei Cheftrainern Gehalt, auch wenn es in den Verträgen von Nouri und Skripnik Klauseln geben soll, nach denen ihre Bezüge mit einer Beurlaubung deutlich sinken. Trotzdem keine optimale Situation für einen Club, oder?
Das ist schon ziemlich dumm gelaufen, ja. Und wirft natürlich auch ein komisches Bild ab.

Klar, rückblickend weiß man immer mehr. Dennoch die Frage: Wie hätte Werder sich diese Situation aus deiner Sicht ersparen können?
So doof es vielleicht klingen mag, aber man hätte den Vertrag mit Skripnik nie verlängern dürfen. Völlig ohne Not. Ich glaube, Baumann wollte damals ein Zeichen setzen, was er danach ja selbst bereut hat.

Bei Nouri hatte man von außen betrachtet das Gefühl, seine Entlassung kam am Ende eine Woche zu früh. Seit Max Kruse wieder fest auf dem Platz steht, fallen wieder die dringend benötigten Tore. Das wäre auch ohne den Trainerwechsel passiert. Stimmst du zu oder ist das zu einfach gedacht?
Definitiv zu einfach gedacht. Klar, Max kam erst unter Kohfeldt und eben mit der Spielpraxis in Fahrt, aber er hat auch unter Nouri seine Spiele gemacht in dieser Saison. Dafür hat sich auch generell zu viel unter Kohfeldt geändert.

Im Boulevard hieß es dagegen, der Haussegen zwischen Nouri und einigen Spielern – unter anderem Kruse – habe schiefgehangen. Was gibst du auf solche Gerüchte?
Da gebe ich gar nichts drauf. Spannungen kann und wird es immer geben. Und ja, wahrscheinlich waren einige mit der defensiven Spielausrichtung unter Nouri nicht zufrieden, aber die Stimmung war trotzdem immer gut. Zudem hat Kruse letzt nochmal klargestellt, dass an all diesen Sachen nichts dran ist. Aber da soll jeder für sich selbst entschieden, wie viel er/sie davon glaubt.

Mit Florian Kohfeldt sitzt nun der ehemalige U23-Trainer auf der Profibank. Einen Mann aus dem Verein zu befördern ist eine Lösung, die wir Mainzer gut kennen und auch in Bremen ist das nicht neu. Gerade deswegen gab es aber auch Kritik, man hätte diesmal einen anderen Weg gehen müssen. Wie siehst du das Thema generell?
Auch wenn die Lösung jetzt im Endeffekt zweimal nicht geklappt hat, sollte man nicht vergessen, dass man sich sowohl unter Skripnik als auch unter Nouri zweimal fast für die Europa League qualifiziert hat. Es lief also nicht alles schief mit dieser Fahrweise. Ich find es auch zu einfach, das alles zu vergleichen. Und vor allem wird man Florian Kohfeldt nicht gerecht damit. Er genießt so ein hohes Ansehen im Verein, warum sollte man ihm dann nicht die Chance geben?

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Wie beurteilst du Kohfeldt grundsätzlich? Was hat er seit seinem Amtsantritt in der Mannschaft verändert?
Ich halte viel von ihm und halte ihn auch für die richtige Lösung für den Posten. Ich hätte ihn zwar auch gerne noch etwas länger mit der U23 in der 3. Liga gesehen, aber da sind wir wieder beim schnelllebigen Fußballgeschäft. Gefühlt hat sich schon ziemlich viel unter ihm geändert. Alleine die offensivere Ausrichtung bereitet mir endlich wieder Spaß, Fußball zu schauen. Es sind auch Kleinigkeiten. Er vermittelt den Jungs, dass ein Ballverlust nicht schlimm ist, weil sie sich den Ball dann eben wiederholen. Scheinbare Banalitäten, die aber zeigen, was wichtig ist. Warten wir mal die Wintervorbereitung unter ihm ab.

Frank Baumann wirkt von außen betrachtet immer leicht verunsichert. (Warum) Ist er dennoch der richtige Mann für Werder? Und wie ist sein Standing bei den Fans?
Baumann war noch nie der große Redner und wird es wahrscheinlich auch nie werden. Meiner Meinung nach macht er einen guten Job. Um den ich ihn wirklich nicht beneide. Baumi ist der ewige Kapitän bei Werder, der ein sehr hohes Ansehen hat. Deswegen werden Fehler auch schneller verziehen, vor allem, wenn er sie zugibt und doppelt so viel gute Dinge macht.

Wie geht es dir eigentlich, wenn du Pizarro im Kölner Dress siehst?
So oft konnte man ihn ja noch nicht darin bewundern. :D Scherz beiseite. Es war schon ein Stich ins Herz, ihn im fremden Trikot und nicht mit dem W zu sehen. Dennoch war es die richtige Entscheidung, ihm keinen neuen Vertrag zu geben. Sein Körper möchte einfach nicht mehr so, wie er will.

Und wie oft vermisst du Thomas Schaaf?
Gar nicht so oft, wir sehen ihn ja glücklicherweise oft genug hier. Aber wenn man ihn sieht, geht einem das Herz auf. Und sollte er tatsächlich bald in den Verein zurückkehren, schmeiße ich die nächste Balkonparty!

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Die Tendenz bei Bremen ist zuletzt eindeutig positiv: Sieg gegen Hannover, verschmerzbare Niederlage gegen Leipzig, Siege gegen Stuttgart und Dortmund, doofe Niederlage gegen Leverkusen. Seid aus dem Gröbsten raus? Gelingt der Klassenerhalt diesmal früher?
Gefühlt sind wir besser, als der Tabellenplatz es vermuten lässt. Aber wir stehen nun mal dort, wo wir stehen. Deshalb ist es zu früh gesagt, dass wir aus dem Gröbsten raus sind. Die Saison ist noch lang und wir haben in den letzten Jahren zu viel erlebt, als das wir uns auf irgendwas ausruhen. Na, letzte Saison haben wir den Klassenerhalt ja ziemlich früh geschafft, das würde ich gerne wieder nehmen. ;)

Ist Max Kruse eigentlich so unverzichtbar, wie er scheint?
Es scheint fast so, ja. Er ist einfach der Ausnahmespieler bei uns. Es ist ja bestimmt auch statistisch bewiesen, dass wir mit ihm mehr Punkte holen, als ohne ihn.

Was erwartest du dir vom letzten Spiel der englischen Woche? Und worauf sollten die Mainzer sich einstellen?
Da wir mit einem Sieg die Abstiegsränge verlassen könnten, wird das bestimmt noch mal Motivation mehr sein, gewinnen zu wollen. Das Weserstadion wird nochmal alles geben und Grün und Weiß nach vorne peitschen. Bei bestem Bremer Wetter, wie es scheint.

Was erwartest du umgekehrt von den 05ern? Und wie schätzt du sie diese Saison ein?
Gefühlt habe ich noch gar nicht so viele Spieler der Mainzer gesehen diese Saison. Aber ihr plagt euch ja auch mit einigen Verletzten rum, habe ich gehört. Mainz 05 ist für mich immer eine Wundertüte. Bei euch kann es gefühlt jederzeit in jede Richtung gehen.

Was glaubst du, wo beide Teams stehen werden, wenn wir uns in der Rückrunde wieder treffen? Klappt der doppelte Klassenerhalt auch diese Saison?
Ich hoffe sehr stark, dass wir beide mit einer schönen Weinschorle anstoßen können. Und zwar auf den doppelten Klassenerhalt, den beide Vereine schon frühzeitig unter Dach und Fach gebracht haben!

Danke für das Gespräch!

Fotochallenge: Love in black and white

In den sozialen Netzwerken wird derzeit zu einer Black-And-White-Fotochallenge aufgerufen und auch ich habe die Nominierung an- und daran teilgenommen. Obwohl die Bilder meist spontan entstanden sind (oder auch einfach mal nur entfärbt wurden) steckt ganz schön viel drin.

Liebe vor allem.

Zu der Heimat, die ich verlassen habe und der, in die ich aufgebrochen und in der ich angekommen bin. Zu dem Mann, dessen Ja für immer in meinem Herzen klingen wird und dem Ort, an dem wir es uns gegeben haben. Zur weltbesten Steppy, die mein Leben bereichert und zu unseren Tigern, die ich nie mehr missen möchte. Zu meinem Job und dem kulturellen Leben um uns herum. Manchmal entstehen Liebeserklärungen ganz ohne, dass man es geplant hatte.

Vielleicht sind sie dann am schönsten.

Day 1: Christmasmarket, Mainz. This town will always be special to me.
Tag 1

Day 2: Villa Clementine, Wiesbaden. Oh happy day. Forever in my heart. Homecoming.
Tag 2

Day 3: Sweet little devil. Shared custody wih Steppy. Love everywhere.
Tag 3

Day 4: Do what you love. Love what you do. Writing. Always.
Tag 4

Day 5: Troubled little loveboy. I chose your name wisely in every way.
Tag 5

Day 6: Let there be art. Always. Also, Wiesbaden. You’re good to me. Thanks.
Tag 6

Day 7: Move your body to rest your mind. I love being here.
Tag 7