Wenn Tod Verbindungen schafft

Carmen Mayer arbeitet als Trauerbegleiterin und beschäftigt sich mit Trauer im Fußball. Sie ist überzeugt, dessen Rituale schaffen Halt und geben Trost.

Carmen Mayer im Stadion von Turbine Potsdam. (Foto: marwi)

„Ich hab’ mir das ja nicht in dem Sinne vorgenommen, mit Tabus zu arbeiten.“ Carmen Mayer lacht ihr einnehmendes, herzliches Lachen, während sie ihre Tasse abstellt. Dann ergänzt sie: „Für den Fußball stimmt es auch nicht. Das ist ja das Schöne.“ Sie lächelt jetzt. Der Tod, das ewige Tabuthema, es ist ihr ganz selbstverständlich geworden. Wenn Mayer redet, ist da überall Verbindung. Es beginnt mit ihrer Sprache, aus der die erste Heimat Freiburg ebenso klingt wie ihr Zuhause Berlin. Eine warme, ungewöhnliche Mischung ist das, die sie an beiden Orten fest verankert. Verbindung ist auch herauszuspüren, wenn sie über andere spricht, mit großer Herzenswärme, die alle Menschen mit an den Tisch bringt, von denen sie erzählt. Und Verbindung wird zuletzt deutlich in „ihren“ Themen, die jedes für sich stehen und dabei doch alle in den Fußball hineinreichen. Auch ihre Arbeit als Trauerbegleiterin, gerade die, sogar ihre persönlichen Verluste, mit denen alles irgendwie begann.

September. Es ist nochmal so heiß geworden, dass die Menschen in einer Seitenstraße nahe des Frankfurter Bahnhofs in kurzen Röcken und leichten Hemden an dem italienischen Restaurant vorbeiflanieren. Mayer lebt in Berlin, ist auf dem Weg zu ihrer Mutter nahe Freiburg. Dort ist sie aufgewachsen, war jugendliche Umweltaktivistin, wie sie beinah erstaunt erzählt. „Das fällt mir jetzt erst wieder ein.“ Autofreie Städte, Atomkraft, nein danke. Die Themen der frühen 90er setzen etwas in ihr in Gang, keine klassische Politisierung, aber ein Gefühl für Ungerechtigkeit, ein Bedürfnis, dieser Wut entgegenzusetzen, etwas zu bewegen in der Welt.

Treffen sich zwei und reden über Trauer und Fußball. (Foto: WP)

Mayer, Jahrgang 1974, macht eine Ausbildung zur Jugend- und Heimerzieherin, arbeitet in der offenen Jugendarbeit, in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen. Immer nah dran, immer von und mit dem Herzen dabei. Bis irgendwann der Kopf so voll ist mit Eindrücken, dass ein Tapetenwechsel nötig wird. Die damals 25-Jährige zieht nach Berlin, studiert Geschichte und Bibliothekswissenschaft, arbeitet nebenher im Archiv der Jugendkulturen. „Für mich hat das immer alles zusammengepasst.“ Sie lässt den Blick schweifen, scheint das Gesagte für sich abzuwägen, nickt. Das Verbindende ist sie selbst, sind ihre Interessen, ist ihre Offenheit.

In Berlin lernt Mayer ihren Mann kennen, wird Mutter. Im Frühjahr 2006 erwarten die Eltern ein Geschwisterchen. Berlin summt mit Lebendigkeit in jenem März. Die Männer-Fußball-WM steht vor der Tür, Menschen aus aller Welt entdecken das Land neu, die Vorbereitungen für das als Moment der Völkerverständigung geplante Ereignis laufen. Doch für Carmen Mayer und ihre Familie senkt sich dunkle Schwere mitten in diese flirrende Euphorie. Ihr Kind kommt in einer Stillgeburt tot auf die Welt. Sie spricht mit großer Ruhe über dieses Erlebnis – und mit unendlicher Zärtlichkeit über den Sohn. Es ist auch das Ergebnis intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema, die tastend und suchend während dieses Turniers begann.

Die Rituale im Fußball machen Trauer möglich. (Foto: marwi)

„Wir hatten damals einen Untermieter aus der Schweiz bei uns, mit ihm habe ich viel Fußball geguckt in dieser Zeit.“ Mayers Erzählung ist halb erinnernd, halb routiniert. Diesen Teil ihrer Geschichte hat sie schon häufig erzählt, denn er ist gewissermaßen Ausgangspunkt auch für berufliche Veränderungen, für eine Verlagerung in ihren Interessen. Gleichzeitig wählt sie ihre Worte ganz bewusst, denn sie möchte das Private schützen, auch für ihre Familie, nur die Teile preisgeben, die sie für ihren Weg wichtig findet. Fußball also, vielleicht etwas überraschend, mitten in der Trauer. Als Kind habe sie mit ihrem Papa regelmäßig die Sportschau gesehen, erinnert sie sich lachend. „Mein Vater hat jeden Samstag beim Autoputzen das Bundesligaradio gehört und die Nachbarn damit genervt bis aufs Messer.“ Sie grinst breit über dieses erfüllte Klischee, mit dem sie viele schöne Erinnerungen verbindet. „Er fand den Waldhof gut.“

Als sie ihren Sohn verliert, leben die Fußballerinnerungen auf, vor allem aber ermöglicht ihr die Konzentration aufs Spiel „einfach mal abzuschalten. Ich musste 90 Minuten an gar nichts denken, auch nicht an die Trauer.“ Das wirkt erleichternd, nicht nur für Mayer. „Unsere Freunde haben das im Nachhinein bestätigt. Man hatte einen Grund, sich zu treffen – die Spiele. Und musste kein Programm machen, denn das Programm war ja: Fußball.“ Der ermöglicht ihr, mit der Trauer über den Verlust einfach zu sein, sich nicht anstrengen zu müssen und dennoch zugehörig zu fühlen. „Es gab so einen positiven Grund, sich zu treffen. Du triffst dich nicht zum Weinen, aber du darfst jederzeit losheulen und alle sind um dich herum.“

Trost und Erinnerung, Ablenkung und Glück: alles trifft sich im Fußball. (Foto: marwi)

Mayer beginnt erstmals, sich mit der Verbindung von Fußball und Trauer zu beschäftigen. Sie arbeitet in einer Therapie zu ihrem Verlust, beginnt eine Weiterbildung zur Trauerbegleiterin – und wird erneut schwanger. „Ich habe selbst keine Geschwister und wollte das gern für unser Kind.“ Die Tochter sei „eine Stramplerin“ gewesen, erzählt Mayer, und wieder ist da große Zärtlichkeit in ihrer Stimme. „Sie war mit bei vielen Fußballspielen.“ Die nehmen immer größeren Raum ein im Leben der damals 34-Jährigen.

Mai 2008. Die EM in Österreich und der Schweiz steht vor der Tür, als Carmen Mayer auch ihre Tochter in einer Stillgeburt tot auf die Welt bringt. „Danach wurde klar: nie wieder.“ Sie stellt die Worte ruhig in die Hitze des Septembernachmittages. Ihre Art, über die Verluste zu sprechen, schafft Raum für Nachfragen, für Unbefangenheit. Mayer betont, ihre eigene Geschichte dürfe im Job als Trauerbegleiterin keine Rolle spielen und doch ist offensichtlich, sie tut das im besten Sinne: Weil es durch die Arbeit, die sie an sich selbst geleistet hat, so einfach ist, mit ihr über Themen zu sprechen, die sonst in unserer Gesellschaft oft schweigend behandelt werden – eine Stille die Betroffene schmerzt und hilflos macht.

Erneut kommt dem Fußball eine besondere Rolle zu in der Zeit der ersten Trauer. „Es waren wieder die Spiele, klar. Und dann habe ich eine ganz besondere Verbindung gespürt zu Frank Lampard, der im April 2008 seine Mutter verloren hatte.“ Wie der heutige Trainer des Chelsea FC über diesen Verlust spricht, lässt etwas in Mayer wiederklingen. Noch einem weiteren Spieler fühlt sie sich in ihrem Schmerz verbunden: Khalid Boulahrouz, dessen Tochter im Juni zu früh zur Welt kommt und kurz darauf stirbt. „Es war sehr wertvoll, wie seine Kollegen damals damit umgegangen sind, auch öffentlich“, findet Mayer, die von „sozial nicht anerkannter Trauer“ spricht. „Das Kind hat für das Umfeld ja nicht gelebt, niemand hat es kennengelernt – für viele ist der Verlust deswegen nicht greifbar.“ Erneut macht sie die Beobachtung: „Der Fußball hat innerhalb seiner Rituale besondere Wege gefunden, mit dem Tod umzugehen.“

Tröstliche Erinnerung und unbelastete Freude: Im Stadion ist Platz für beides. (Foto: marwi)

Im Sommer 2012 eröffnet Mayer ihre eigene Praxis. Heute gibt sie ihre Erfahrungen auch als Dozentin im Ambulanten Hospiz-und Familienbegleitdienst der Johanniter weiter. Derweil schreitet im Bereich der Trauerbegleitung die Professionalisierung weiter voran, es gibt einen Bundesverband. Um anerkanntes Mitglied zu werden, macht sie eine erneute Weiterbildung, die sie mit einer Arbeit über den Zusammenhang von Trauer und Fußball abschließt. Erneut kommt sie auf das Thema Rituale zu sprechen: „Der Umgang mit Verlust und Trauer ist im Stadion oft sehr natürlich.“ In der Kurve werden verstorbene Fans mit Bannern geehrt, rivalisierende Ultras sind bei dem Thema respektvoll, bei Union Berlin wird im Stadion an verstorbene Fans erinnert und Hertha-Fans organisieren jedes Jahr den „Remember Benny-Cup“, um die Erinnerung an einen von ihnen aufrecht zu erhalten.

„Wenn du mich fragst, was Leute sagen, worunter sie nach dem Tod eines geliebten Menschen besonders leiden, ist es das Gefühl: Er wird vergessen. Der Fußball vergisst nicht, er hat eine Erinnerungskultur, die unheimlich tröstlich ist.“ Daneben ist Fußball Ablenkung, das Stadion – für Carmen Mayer das von Turbine Potsdam – ein Ort, um einfach zu sein, Tod und Trauer zu vergessen. „Ich kann vorm Spiel jemanden Fragen beantworten, wie Hospizunterbringung abläuft und dann 90 Minuten an gar nichts denken. Beides passt da rein und das ist ganz wunderbar.“

Ihren Themen widmet sich Mayer in einem außergewöhnlichen Fanzine. (Foto: marwi)

Im Herbst 2018 wagt sich Mayer mit der Verbindung ihrer Herzensthemen nochmal ganz neu an die Öffentlichkeit. Sie geht mit ihrer Webseite zu Trauer und Fußball online und startet einen Account bei Twitter. Dort teilt sie fast tagesaktuell Informationen, erinnert an deren Todestagen an verstorbene Spieler oder Fans und begleitet das Thema, unterstützt von einem kleinen Team, nahbar und intensiv. Mittlerweile wird sie regelmäßig für Vorträge gebucht und ist dank ihrer Arbeit Mitglied in der Deutschen Akademie für Fußballkultur. „Manchmal kann ich kaum glauben, wie sich das alles entwickelt hat.“ Sie lächelt offen – und ehrlich erstaunt. „Da bin ich schon oft sehr dankbar.“

Kürzlich hat sie sich nun einen Traum erfüllt und mit Kolleginnen ein Fanzine zum Thema Trauer und Fußball veröffentlich, klassisch geklebt und aus ihrer Wohnung heraus vertrieben. „Das Echo war überwältigend, wir haben das ja kaum beworben.“ Sie selbst, sagt Mayer, habe keine Angst vor dem Tod. „Ich habe das Gefühl, ich habe alles gemacht. Klar wäre es jetzt zu früh, weil ich mir wünsche, dass es so noch lange bleibt. Aber ich fürchte mich nicht.“ Sie hat dem Tod auf eine besondere Weise einen Platz eingeräumt in ihrem Leben. Jeder Verlust bleibt dabei zwar schmerzhaft, doch sie hat ihn seiner langen Schatten beraubt. „Es ist schon so, dass ich mit dem Thema mittlerweile auch viele sehr schöne, berührende Momente erlebt habe und das hat natürlich etwas an meinem Blick verändert.“ Der Tod, dem anhaftet, er kappe alle Verbindungen, er schafft in Carmen Mayers Leben ganz besondere Beziehungen.

Mainz 05: Mit Jan-Moritz Lichte zurück in die Zukunft

Es schadet sicher nichts, sich Spieler und Verantwortliche eines Fußballvereins ab und an als das zu vergegenwärtigen, was sie am Ende des Tages sind: Menschen, die einfach einem Job nachgehen, für den sie sich entschieden haben. Und die dabei, wie wir alle in unserer Arbeit, auch Fehler machen. Vielleicht hilft das, diese Fehler nicht immer mit jener Härte zu bewerten, die im Fußball längst üblich geworden ist. Das bedeutet keinesfalls, dass keine Kritik erlaubt ist. Aber wer Menschlichkeit, Fairness und Werte in diesem Geschäft mit Recht fordert, sollte sie in Handeln und Bewertungen auch selbst zeigen, um glaubhaft zu sein.

Erneuter Neustart: Die Spieler beim Dienstagstraining. (Foto: WP)

Die Spieler des FSV Mainz 05, die am Dienstag um kurz vor halb elf mit dem dritten Chefcoach binnen zwölf Monaten auf den Trainingsplatz kamen, dürften sich dessen bewusst gewesen sein, dass dort mehr Journalist*innen als sonst auf sie warten. So ist das eben, an einem Standort wie Mainz: Das Interesse ist nur dann besonders groß, wenn alles gerade eher nicht so läuft, wie die Verantwortlichen sich das wünschen. Jan-Moritz Lichte, der neue Cheftrainer, wird später in der Pressekonferenz sagen: „Das hat die Mannschaft sich selbst zuzuschreiben, dass sie jetzt als schwierig gilt.“ Die Spieler, denen die Trennung von Sandro Schwarz im November 2019 teilweise extrem zusetzte, wissen, dass sie nach der Lesart des Geschäfts nun den zweiten Übungsleiter auf dem Gewissen haben.

Es ist aber keine allzu steile These, dass die aktuelle Entlassung bei ihnen weniger Spuren hinterlassen wird. Natürlich sollte man sich angesichts einer Einheit wie der am Dienstag davor hüten, allzu viele Interpretationen anzustellen. Trotzdem fällt auf, wie gelöst die Truppe wirkt, wie konzentriert das Trainerteam mit den Spielern arbeitet und welch enorme Ruhe gerade Lichte dabei ausstrahlt. „Ich werde es so machen, wie ich bin“, erklärt der später seine Herangehensweise. Wer sich bislang mit dem gebürtigen Baunataler nicht näher beschäftigt hat, dem mag er in der PK zunächst blass vorgekommen sein. Aber es wäre ein Fehler, die Ruhe des Übungsleiters damit zu verwechseln, dass Lichte nichts zu sagen hat – oder ihn generell zu unterschätzen.

Jan-Moritz Lichte in der Pressekonferenz am Dienstag. (Screenshot)

Das Scheitern der externen Lösung mit Beierlorzer muss indes nicht heißen, dass in Mainz nur interne Lösungen funktionieren. Dennoch ist es für den Moment das Beste, keinen Unbekannten in die sehr verfahrene Situation zu holen. Sportvorstand Rouven Schröder ist dabei aber wichtig, die mediale Andeutung zu entkräften, die Wahl sei nur auf den seit 2017 in Mainz als Co-Trainer tätigen Fußballlehrer gefallen, weil sich die 05er mit Schwarz und Beierlorzer auf der Payroll keine andere Variante leisten können. „Die Überzeugung ist absolut da.“ Eine B-Lösung auf diesem Posten sei schon deshalb nicht denkbar, weil der Cheftrainer der wichtigste Angestellte eines Vereins sei. Lichte übernimmt die Rolle in einem Moment, in dem das Bild des Clubs nach außen so schlecht ist wie ewig nicht. Natürlich ist er davon nicht unberührt, wirkt aber authentisch, wenn er sagt, er wolle sich mit dem Team auf die Inhalte konzentrieren. Und beweist Selbstbewusstsein, wenn er gleich mehrfach erklärt, er könne sich seine neue Rolle als Dauerlösung vorstellen.

Interessant für die Wahl ist durchaus, dass Lichte seinen Fußballlehrer nicht nur als der Jahrgangsbeste, sondern auch in einer Klasse mit dem Vereinsvorsitzenden Stefan Hofmann gemacht hat. Neben Schröder, der Lichtes Arbeit durch die Nähe zum sportlichen Alltag ohnehin gut einschätzen kann, dürfte auch der 05-Boss seine Meinung dazu eingebracht haben. Eine Entscheidung aus gemeinsamer Überzeugung ist ein guter Anfang, um die zurückliegenden Tage hoffentlich bald vergessen zu machen. Dazu aber bedarf es einer Aufarbeitung, die mit dem Trainerwechsel erst ihren Anfang genommen hat.

Raus aus der Krise geht es nicht mit einem großen, sondern in vielen kleinen Schritten. Einer davon ist bereits etwas scheinbar Unbedeutendes, wie die Pressekonferenz nicht nach der Bekanntgabe der Trennung von Achim Beierlorzer am Montag abzuhalten, sondern sich Zeit zu nehmen bis tags darauf. Derart unsortiert wie bei der PK am vergangenen Donnerstag wollte der Club sich kein zweites Mal präsentieren. Auch die Ankündigung, Stefan Hofmann werde als Vereinsvorsitzender in der kommenden Zeit Gespräche mit den Spielern führen, zeigt einen solchen Lernprozess auf. Rouven Schröder verfolgt da ein wenig der Fluch der guten Tat. Weil er im Verein beginnend mit der Posse um Johannes Kaluza von Anfang an mehr Verantwortung übernommen hat, als die sportliche, schien es offenbar allen nur zu natürlich, das beizubehalten.

Das hat die Mannschaft sich selbst zuzuschreiben, dass sie jetzt als schwierig gilt.

Jan-Moritz Lichte

Ihm in der aktuellen Situation die Kommunikation mit der Mannschaft in Sachen Gehaltsverzicht zu überlassen, erweist sich dabei rückblickend als Fehler. Gerade, da er im sportlichen Alltag seit dem Ende der letzten Saison sehr eng ans Team gerückt ist, war das keine gute Lösung: Es geht dabei um mehr als Vertragsangelegenheiten, es geht um eine Ausnahmesituation des gesamten Vereins durch Corona, die es verlangt, dass der Vorsitzende mit den Spielern klärende Gespräche abseits des rein Monetären führt. Zur internen Aufarbeitung gehört, gemeinsam Trennschärfe in die jeweiligen Aufgabenbereiche zu bringen. Eine neue Struktur mit zusätzlichen Gremien hilft niemandem, wenn letztlich alle alles machen. (Weshalb auch infrage gestellt werden muss, wieso der Aufsichtsratsvorsitzende Detlev Höhne nun bei Gesprächen mit den Spielern dabei sein soll, der mit dem operativen Geschäft nun mal qua seines Amtes rein gar nichts zu tun hat.)

Interview mit Lichte und Falkenmayer zu ihrer Arbeit als Co-Trainer im April 2019.

Die aktuelle Krise hat sich bereits seit einiger Zeit auf mehreren Ebenen angedeutet. Immer wieder geht es dabei um Kommunikation. Weder Fans, von denen einige das zuletzt in einem offenen Brief äußerten, noch offenbar Spieler fühlten sich von dem, was die Verantwortlichen taten, stets auf Augenhöhe mitgenommen. Diese müssen sich deshalb nun kritisch mit ihren eigenen Fehlern auseinandersetzen und das dürfte auch angekommen sein. Die Spieler haben ein Recht darauf, sich als mündige Mitarbeiter zu präsentieren. Der Coach und sein Staff haben ein Recht darauf, mit Respekt behandelt zu werden. Die Verantwortlichen haben ein Recht darauf, Entscheidungen zu präsentieren. Die Fans haben ein Recht darauf, gewisse Haltungen und Werte einzufordern. All das ist am besten gemeinsam und mit sehr viel Dialog zu erreichen, aber auch unter Einhaltung der angesprochenen Trennschärfe.

Den Verantwortlichen im Verein steht dabei sehr viel Arbeit bevor. In die aktuelle Krise haben sie sich selbst hineinmanövriert, auch, weil es an der einen oder anderen Stelle Beratungsresistenzen gab. Doch die Situation ist längst nicht aussichtslos. So, wie man in weiten Teilen selbstverschuldet hineingeraten ist, gibt es nun auch die Möglichkeit, aus eigener Kraft wieder herauszukommen. Bei der Aufarbeitung jeder Stein umzudrehen, bedeutet aber nicht, dass ein personelles Tabula rasa hilft. Rouven Schröder hat sicher Fehler gemacht, er ist aber in der Lage, (sich) die einzugestehen und wird deshalb daraus lernen. Das ist ein Recht, auf das jede*r von uns im eigenen Job besteht.

Muss nun beweisen, dass er aus den Fehlern der Vergangenheit lernt: Rouven Schröder.

Ihm dieses abzusprechen, wäre auch deshalb falsch, weil er den Verein tatsächlich lebt – und gestalten will. Die ständigen Vergleiche seiner Arbeit mit der von Christian Heidel sind weder zielführend noch fair. Der Don konnte, so ehrlich muss man bei aller Wertschätzung sein, schalten und walten, sich Fehler anders erlauben, weil er keine Entlassung durch einen Aufsichtsrat fürchten musste – und hat vor seiner Entdeckung der Ausnahmetrainer Klopp und Tuchel nun wirklich auch einige Übungsleiter eingestellt und vor die Tür gesetzt. Die Werte des Vereins, die in der Zeit unter Heidel entstanden sind und manifestiert wurden, sind wichtig und müssen wieder mehr Beachtung finden. Aber der rückwärtsgewandte Personenkult muss mal ein Ende haben, wenn die Anhänger*innen nicht emotional ewig in der Vergangenheit festhängen wollen. Dafür ist in Rheinland-Pfalz doch eigentlich ein drittklassiger Verein zuständig.

Ich werde nicht aufgeben, ich werde mich weiter einsetzen für diesen Verein, für die Mannschaft, für die Mitarbeiter. Das kann ich mit 100%iger Überzeugung sagen. Ich bin ein Kämpfer, das war ich schon immer und den Fokus werde ich nicht verlieren.

Sportvorstand Rouven Schröder

Als Jan-Moritz Lichte in der PK gefragt wird, ob sein Vorbild eher Thomas Tuchel oder Jürgen Klopp sei, erklärt er, „Kloppo“ als Vorbild zu nennen, das sei vermessen, weil „Vorbild“ immer bedeute, man glaubt, dasselbe erreichen zu können. Fast andächtig verweist der neue Trainer darauf, was Klopp der Stadt und dem Verein alles gegeben hat. Es ist schön, dass er sich dessen bewusst ist und in diesem Geiste wirken möchte. Es ist aber wichtig, dass die Anhänger*innen auch bereit sind, anzunehmen, dass andere, neue Verantwortliche dem Club ebenfalls etwas geben wollen – und dass sie eine zukunftsfähige Lust darauf entwickeln.

Ich glaube nicht daran, dass Mainz 05 dauerhaft ein Verein geworden ist wie jeder andere. Es mag im Moment den Anschein machen und das Risiko ist groß, in diesem Zustand zu verharren. Aber in der Situation liegt auch eine Chance, das zu tun, was in Mainz immer besonders gut funktioniert hat: zusammenzurücken. Es allen zu zeigen. Aus einer scheinbar unmöglichen Situation gestärkt hervorzugehen. Niemand hat Mainz 05 aktuell in dieser Saison für etwas Anderes auf dem Zettel, denn als Schlagzeilenlieferant. Wenn gerade jetzt intern und mit dem Umfeld der Schulterschluss gelingt, kann der Verein aber mal wieder alle überraschen. Der Weg dahin ist lang und steinig, aber nicht unmöglich.

Mainz 05: Warum es wichtig ist, dass Ridle Baku bleibt

Das Thema Identifikation war in den vergangenen Jahren bei Mainz 05 häufig ein paradoxes. Nach dem Abgang von Christian Heidel und dem Abschied des Altvorstands um Harald Strutz blieb bei einigen Fans das Gefühl zurück, alle Verbindungen seien gekappt. Dass mit Sandro Schwarz nach wie vor ein Trainer an der Seitenlinie agierte, der für Stadt und Verein stand, wie es wohl niemand absehbar wieder tun wird, dass mit Michael Thurk eine Legende zu dessen Staff gehörte und dass Vorstandsvorsitzender Stefan Hofmann ein alter Hase im Verein ist – diese Tatsachen kamen bei etlichen Anhänger*innen nicht an. Ebenso wenig, wie sie einen emotionalen Bezug zu den vielen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs herstellen konnten, die regelmäßig im Profikader stehen.

Unterschrieb im August 2017 seinen ersten Profivertrag bei 05: Ridle Baku. (Foto: Mainz 05)

Wohl erst mit der Trennung von Schwarz setzte beim Verein die Erkenntnis ein, es genügt nicht, sportliche Anerkennung für die Eigengewächse zu bekommen, sie müssen den Fans auch nahbar gemacht werden. Klar, Identifikation ist mehr als der ausbildende Verein – und Spieler wie Daniel Brosinski und Danny Latza spielen hier ebenfalls eine Rolle. Aber um etwas Besonderes entstehen zu lassen zwischen den 05-Fans und den vielen Spielern, die durch die eigene Nachwuchsschule gegangen sind, müssen diese Spieler tatsächlich auch anders präsentiert werden. Weil nicht jede*r Fan sich intensiv damit beschäftigt, wie ein junger Spieler eigentlich im Verein und dann Kader gelandet ist, wo er herkommt, welche Werte er vertritt.

Klappern gehört zum Geschäft, wie es so schön heißt, das ist auch bei den Verantwortlichen im Verein endlich angekommen – zum Glück. Die jungen Wilden werden deshalb seit einiger Zeit verstärkt in den Fokus gerückt, sei es bei der Präsentation neuer Trikots oder der Bewerbung für ein anstehendes Spiel. Auch die vielen lobenden Worte von Trainer Achim Beierlorzer in Richtung der eigenen Nachwuchsspieler fallen, so ehrlich sie im Kern sicher gemeint sein mögen, in dieser Häufung gewiss nicht zufällig. Der Verein hat erkannt, dieses Alleinstellungsmerkmal muss auch entsprechend kommuniziert, die Jungs müssen den Fans vermittelt werden.

Diese 11 schickt Achim in unser erstes Bundesligaspiel der Saison!Viel Erfolg, Jungs!💪

Gepostet von 1. FSV Mainz 05 am Sonntag, 20. September 2020

Als Anführer der jungen Garde wurde zuletzt klar Ridle Baku auserkoren – das ist nur logisch. Die Geschichte, wie er einst von der Autobahnraststätte aus zum Bundesliga-Debüt kam, ist einfach ganz wunderbar, wie auch seine Bedeutung für den Klassenerhalt in jener Saison 2017/18 durch Tore gegen Leipzig und in Dortmund. Diese Geschichten, zwei Euro ins Phrasenschwein, schreibt nur der Fußball – und im Idealfall erzählen sie die Fans noch in vielen, vielen Jahren, wenn sie sich an Ridle Bakus Mainzer Zeit zurückerinnern.

Denn dass einer wie er Begehrlichkeiten weckt, kann nun wirklich nicht verwundern, und es wäre eher eine Überraschung, wenn er über die gerade angelaufene Saison hinaus bei 05 spielen würde. Sein aktueller Vertrag läuft bis 2022, heißt, nach dieser Serie wird er wohl für eine angemessene Ablöse den im Fußball viel zitierten nächsten Schritt machen. Es wäre allerdings ein fatales Signal, wenn sein Abschied nun, wie aktuell kolportiert, schon in diesem Transferfenster und so mitten in den Beginn der Saison hinein stattfinden würde.

Es hat Mainz 05 mal ausgezeichnet, mit den Spielern ein sehr ausgeprägtes Geben und Nehmen zu praktizieren. Junge Talente, die für drei bis vier Jahre unterschreiben, wissen, sie haben bei dem entsprechenden Interesse gute Chancen, auch nach zwei Serien zu gehen. Dafür hauen sie sich in dieser Zeit aber rein und fangen nicht nach einem Jahr an, Abschiedsträume in ihren heimischen Medien zu formulieren. Dieser unausgesprochene Pakt ist brüchiger geworden, sei es bei Abdou Diallo, der nach einem Jahr bereits nach Dortmund verschwand, sei es JP Mateta, der aus seiner Verletzung heraus Wechselwillen bekundete – oder auch bei Baku selbst, der extrem früh damit begann, weitere Karriereschritte zu thematisieren.

Die Gier nach mehr ist nicht nur in Ordnung, sondern auch wichtig – sie treibt die Spieler an und ist ein Baustein ihrer Entwicklung. Entscheidend ist aber der Zeitpunkt und entscheidend ist auch, wie viel Bindung zuvor in Sachen Mainz 05 da ist. Denn wenn ein so junger Kerl wie Baku, der für seine mögliche große Zukunft noch alle Zeit der Welt hat, tatsächlich keine Lust darauf haben sollte, als ein Gesicht des Vereins eine ganze Saison als Stammspieler bei Mainz 05 zu bleiben, dann läuft die Kommunikation nicht auf Augenhöhe. Immerhin reden wir hier über einen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. Er muss in Mainz wahrlich nicht alt werden, aber wer, wenn nicht solche Jungs, sollten Bock darauf haben, mit diesem Verein etwas zu reißen?

Ein klares Bekenntnis des Spielers zu Mainz 05 wäre deshalb wichtig, um die Diskussion im Keim zu ersticken und den Fans des Clubs ebenso wie den anderen Nachwuchsspielern zu signalisieren: Die ferne Zukunft mag in der Fremde liegen. Die Gegenwart wird in Mainz erfolgreich gestaltet.

„Vergiftete Hoffnung“ – Mainz 05-Krimi mit Jo Zinn

Mein neues Buch ist da! Fünf Wörter – und darin eine ganze Welt. Klingt pathetisch? Mag sein, aber es ist ein sehr großes Gefühl, das sich da in einem ausbreitet. Eine sanfte Verwunderung darüber, die eigenen Gedanken auf Papier gedruckt zu sehen. Unfassbare Erleichterung, es tatsächlich geschafft zu haben. Ein bizzeliges Glück, Raum gefunden zu haben für die Worte. Und der Wunsch nach drei Monaten Winterschlaf, um die Batterien wieder aufzuladen. Stattdessen ruft der Schreibtisch laut, weil immer irgendetwas liegengeblieben ist, gerade während des Romanschreibens.

Ich versuche, dem Schreibtisch gerecht zu werden, aber auch dem Glück – und der Müdigkeit. Mich zu freuen, das aufzusaugen, was gerade passiert. Wieder (m)einen Arbeitsrhythmus ohne die Figuren zu finden, die mir so ans Herz gewachsen sind. Sie loszulassen und darauf zu vertrauen, dass die Leser*innen des Krimis ihre Geschichte gerne verfolgen werden. Die Zeit rund um das Erscheinen eines Buches birgt einen ganz bestimmten Zauber. Ich will ihn nicht verpassen, denn er ist immer wieder neu alles andere als selbstverständlich.

Etwa 60 Exemplare des Buches habe ich bereits als Geschenke und auf Bestellung in die Welt geschickt. Oft erreichen mich ähnliche Fragen und die möchte ich deshalb einmal gesammelt in diesem Beitrag beantworten.

Wo kann ich den Krimi kaufen?
„Vergiftete Hoffnung“ ist im Societäts-Verlag erschienen. Das Buch kann auf der Homepage des Verlags bestellt werden. Eine tolle Möglichkeit ist online außerdem der Shop der Autorenwelt, die für jedes Exemplar einen extra Betrag an Autor*innen abführen. Außerdem bekommt ihr den Krimi in jeder normalen Buchhandlung. Natürlich findet ihr ihn online auch bei Amazon, schöner wäre aber, ihr unterstützt eine der anderen Stellen

Kann ich den Krimi auch bei dir bestellen?
Ja, gerne. Schreibt mir einfach eine Mail an flaschenpost@wortpiratin.de. Die Bezahlung erfolgt via Paypal oder Überweisung, auf Wunsch kann ich eine Rechnung ausstellen. Da die Post seit dem letzten Buch die klassische Büchersendung zur Bücher- und Warensendung gemacht hat, die deutlich teurer ist, muss ich das Porto leider mitberechnen. Es sind 1,90* Euro für Buchversand oder 2,70 Euro für den normalen Versand. Bitte bedenkt das bei der Bestellung. (Ich hatte mich bei den ersten Bestellungen vertan und 2,20 Euro genutzt, tatsächlich sind es bei in Größe 1,90 Euro.)

Spendest du wieder an die DKMS?
Ja. Wie bereits bei Im Schatten der Arena will ich die DKMS mit dem Buch unterstützen. Für jede Bestellung, die bis zu meinem Geburtstag (22.9.) bei mir eingeht, spende ich 50 Cent. Wenn ihr Fotos vom Buch in den sozialen Netzwerken postet und mich verlinkt, 10 Cent pro Bild. Gezählt wird ein Foto pro Netzwerk. Ihr müsst das Buch dafür nicht bei mir gekauft haben.

Wie kann ich dich mit dem Buch unterstützen?
Wenn euch der Krimi gefällt, freue ich mich sehr, wenn ihr Werbung dafür macht, indem ihr zum Beispiel anderen davon erzählst. Was auch ganz wunderbar ist: Rezensionen. Die auch sehr gerne bei Amazon, weil sich viele Menschen hier vor einem Kauf informieren. Eine andere sehr schöne Möglichkeit dafür ist Lovelybooks. Das muss auch gar kein Roman sein, ein, zwei Zeilen dazu, was euch an dem Buch gefällt, reichen vollkommen aus. Dafür vorab ganz herzlichen Dank!

Gibt es eine Premierenlesung?
Ja! Auch in Zeiten von Corona wird es die glücklicherweise geben – und das an der frischen Luft –, nämlich am Freitag, 11. September, um 18.30 Uhr, im gemeinsamen Biergarten von KUEHN KUNZ ROSEN und dem Kick’n’Rush & Fanhaus Mainz, in Kooperation mit dem tollen Fanprojekt Mainz. Ich bin sehr glücklich, so eine wunderbare Location mit so großartigen Leuten für die Premiere gefunden zu haben. Achtung: Wir haben den Beginn um eine halbe Stunde vorverlegt, weil am selben Abend der 1. FSV Mainz 05 im DFB-Pokal antritt. Das Spiel beginnt um 20.45 Uhr und es gibt im Fanhaus die Möglichkeit, es nach der Lesung zu sehen.

Muss ich mich zur Lesung anmelden?
Nein, eine Anmeldung ist kein Muss. Das bedeutet vor allem, dass ihr auch spontan kommen könnt. Wenn ihr aber relativ sicher wisst, dass ihr dabei sein werdet, helft ihr den Veranstalter*innen mit einer Anmeldung, da sie so besser planen können, gerade in Corona-Zeiten… Schickt dafür einfach eine Mail an info@kuehnkunzrosen.de, damit habt ihr dann auch einen Platz sicher.

Apropos Corona: Was, wenn die Zahlen weiter steigen?
Sollte sich in Sachen Platzbeschränkung bis zu der Lesung etwas ändern, was Auswirkungen auf den Abend hat, informieren wir euch darüber in der Facebook-Veranstaltung. Dasselbe gilt auch, sollte das Wetter nicht mitspielen für einen Abend im Biergarten.

Ich bin Journalist*in | Blogger*in | Podcaster*in und möchte gern etwas zum Krimi machen. Wie funktioniert das am besten?
Schreibt mir in diesem Fall gern eine Mail an wortpiratin@marapfeiffer.de, dann organisiere ich ein Belegexemplar. Wenn ihr ein Interview mit mir führen möchtet oder Bücher verlosen, wendet euch ebenfalls gern an mich.

Ganz lieben Dank für euer Interesse!
Mara

Die Woche am Bruchweg (26/20): Schröder als Gesicht

Es ist schon ein Weilchen her, dass Rouven Schröder so gelöst wirkte in der 05-Medienrunde wie am Montag nach dem Klassenerhalt. Kein Wunder, denn auch, wenn der Sportvorstand der 05er betonte, er habe nie gezweifelt, dürfte ihm gleich eine ganze Gebirgskette vom Herzen gefallen sein nach dem Sieg gegen Werder Bremen am Samstag. Deutlich wurde dies bereits bei seiner emotionalen Ansprache an das Team nach Abpfiff.

Da geht’s lang. Schröder, der Macher, nach der letzten Vertragsverlängerung. (Foto: Mainz 05)

Die letzten Wochen sind überhaupt symbolisch dafür, wie sehr der Sauerländer erneut in einem komplizierten Moment zum Gesicht des Vereins geworden ist. Denn natürlich gehört der Kampf um die Klasse in Mainz zum Kerngeschäft, diese Saison war er aber von besonderer Unruhe im und um den Verein begleitet. Doch wie schon in jener Phase, als es nach der Wahl von Johannes Kaluza zum Vereinsvorsitzenden nicht rund lief bei Mainz 05 und der gerade erst gelandete Schröder zu seinen Kernaufgaben die Repräsentation des Vereins übernahm (was diesem sehr gut tat), ging er auch um die letzten Spieltage besonders in die Verantwortung.

Schröder ist dabei keiner, der andere aus einem etwaigen Rampenlicht verdrängt oder redet, um gerade seine Stimme in die Welt auszusenden. Vielmehr bringt er, abseits von kleinen Momenten der Dünnhäutigkeit, die in dieser Situation durchaus verständlich sind, die notwendige Ruhe und Seriosität mit, um solche Phasen gut zu moderieren. Diese Konstante ist wertvoll für den Verein.

Klickt euch durch die Bilder vom Sieg über Bremen, der uns den Klassenerhalt in der Bundesliga gesichert hat! 👌

Gepostet von 1. FSV Mainz 05 am Sonntag, 21. Juni 2020

Ein Saisonfazit wollte der Sportvorstand freilich nicht ziehen, immerhin steht am Samstag noch eine letzte Partie gegen Bayer Leverkusen an, die nicht einfach zum Auslaufen genutzt werden soll. Er erinnerte diesbezüglich ans Saisonfinale gegen Werder Bremen vor zwei Jahren, vor dem einige den Klassenerhalt schon so ausgiebig gefeiert hatten, dass dieses Spiel unnötig verloren ging. Tatsächlich könnte Mainz 05 je nach Ergebnissen auch auf den anderen Plätzen am 34. Spieltag sogar noch Elfter werden – und bekanntlich bedeutet jeder gutgemachte Platz in der Tabelle Mehreinnahmen aus den TV-Geldern.

Schröder, der am Sonntag mit Lebensgefährtin zu den Kindern im Norden geflogen war, wo er mal nicht übers Transfergeschehen reden musste, wie er lachend erzählte, mochte zu diesem Thema auch am Montag noch nicht allzu viel sagen. Nur so viel, eine Bruma-Rückkehr nach Wolfsburg sei sehr wahrscheinlich, Stefan Bell und Daniel Brosinski hätten im Saisonendspurt noch mal stark angeschoben, Brosinski auf dem Platz, Bell von hinten, auch Gespräche mit Taiwo Awoniyi stehen natürlich an.

Wie die Transferphase unter Corona aussehen werde, sei derzeit noch schwierig einzuschätzen, aber als Mainz 05 stehe natürlich eine Analyse der Kaderzusammensetzung an. Zu der gehöre auch die Frage, ob im aktuellen Mix vielleicht ein, zwei Perspektivspieler zu viel sind, ließ der Macher sich ins Blatt schauen, betonte aber erneut die Identifikation seiner Truppe mit dem Verein. Und erinnerte in der Diskussion um die vermeintlich ständige Neu-Zusammensetzung des Teams daran, dass vor der aktuellen Saison mit Jean-Philippe Gbamin nur ein Stammspieler den Verein verlassen hatte.

Wie wird das Gesicht der Mannschaft aussehen? (Foto: WP)

Klar sei, eine Mainzer Mannschaft müsse all das, was in den letzten Spielen zu sehen war, in der Summe noch mehr ausstrahlen und immer alles abrufen. Klar ist demnach auch, die Analyse wird zwar noch nicht öffentlich geführt, hat aber intern natürlich längst begonnen und der Sportchef ist bereits dabei, Lehren aus der durchwachsenen Saison zu ziehen.

Dass die mit dem Klassenerhalt erfolgreich beendet werden konnte, wurde aufgrund der besonderen Situation nur im kleinen Rahmen gefeiert, wobei in Sachen Gefühlslage wohl Erleichterung der größte gemeinsame Nenner war; aber nicht nur. Daneben herrschte auch berechtigter Stolz auf die Leistung, nun zum zwölften Mal erstklassig zu spielen. Und das, so betonte Schröder, nächste Saison hoffentlich wieder vor Zuschauern.