Piroska: Cat Mom of Chania

Es existiert ein Video von der Studienfahrt meines Jahrgangs nach Griechenland, auf dem ich unter anderem dabei zu sehen bin, wie ich auf einem Zeltplatz ein Kätzchen beschmuse. Das wusste ich nicht mehr, aber als ich den Ausschnitt vor wenigen Jahren wieder mal gesehen habe, dachte ich: passt. Katzen waren als Thema immer da.

Zwei Jahre später war ich zum ersten Mal auf Kreta, mit zwei Freundinnen aus dem Studium. Die beiden zogen nachts mit anderen Urlaubern durch die Hotelanlage, ich adoptierte an Tag zwei die Poolkatze, die fortan jede Nacht in unserem Dreierzimmer schlief.

Im Sommer 2019 waren wir als Familie auf Kreta und die Katzen waren überall. Glückliche, schmale, unruhige, gepflegte, hungrige, ausgesetzte, verschmuste. Am liebsten hätte ich jede einzelne von ihnen mit nach Hause genommen. Und mit der Idee bin ich nicht alleine.

Es gibt viele Organisationen, die sich um das Wohl der Straßenkatzen auf Kreta kümmern. Die Initiative geht in den meisten Fällen von Einzelpersonen aus, die sich mit der Zeit ein Netzwerk bauen. In Chania ist Piroska eine dieser Menschen. Seit vielen Jahren hat sie ihre Leben fast vollständig den streunenden Kätzchen der Insel verschrieben.

Rund einhundert sind es, um die Piroska sich bei ihren täglichen Fahrten kümmert. Wer rund um Chania unterwegs ist, findet ihre Hinweiszettel an den Futterplätzen der verschiedenen Kolonien. Kurze Informationen zur Fütterung der Tiere sind das, und wo Piroska und ihre Fellschützlinge in den sozialen Medien zu finden ist, falls jemand Kontakt aufnehmen möchte. Beispielsweise, um ein Tier zu adoptieren.

Wo es möglich ist, stattet Piroska die Futterstellen so aus, dass das Fressen dort wettergeschützt ist und eine Möglichkeit für die Tiere besteht, sich auch mal unterstellen zu können. Jeden Tag ist sie mit dem Lastenrad unterwegs, bringt den Tieren Futter, schaut nach ihrem Wohlergehen und spürt ausgesetzte Kitten auf. Offensichtlich kranke oder verletzte Kätzchen nimmt Piroska mit zu dem Tierarzt, mit dem sie arbeitet, kümmert sich auch um Kastrationen und Sterilisationen, damit die Tiere sich nicht ungebremst vermehren.

Im Sommer gehe es den Katzen meistens gut, erzählt Piroska bei einem Treffen. Sie sitzt auf der dunklen Bank bei einer der Kolonien, die Tiere streifen um sie herum, beobachten interessiert die Menschen, die da sitzen und sich unterhalten, streifen ihrer Beschützerin um die Beine oder lassen sich auf ihrem Schoß nieder. Ein Stück den Hang hinab, im kleinen Eckladen, gibt es Produkte aus Olivenöl – und das Besitzer*innenehepaar unterstützt Piroska, wenn diese Hilfe braucht.

Sie streichelt die Vierbeiner*innen, spricht flüsternd mit ihnen. Da ist eine große Zärtlichkeit in der Stimme der Frau, die im Mittel mit sechs bis acht ihrer Fellfindelkinder zusammenlebt, bis sie für die Kätzchen Adoptivfamilien gefunden hat. Während sie erzäht, stellt Piroska jedes Tier, das sich auf sanften Pfoten nähert, mit Namen vor. Denn Namen haben sie alle: Eine Familie eben.

Zurück zu den Jahreszeiten.

Auch wenn nicht alles, was Tourist*innen an die Vierbeiner verfüttern, wirklich geeignet ist für die Kätzchen, sind diese doch im Sommer besser versorgt als in den Wintermonaten, wenn die Insel sich leert. Das gilt auch in Sachen Schmuserei, denn viele Urlauber*innen bleiben bei den Tieren stehen, streicheln sie, spielen mit ihnen, bevor sie weiterziehen zum Strand oder ins Restaurant. Die Katzen genießen die Kuscheleinheiten und kommen gerne mit zu den Kneipen der Insel, in der Hoffnung, dass beim Abendessen etwas für sie abfällt.

Piroska erzählt von ihrer großen Müdigkeit. Sie trägt eine enorme Verantwortung, sagt sie, die sie natürlich selbst aufgenommen hat, aus der aber längst eine feste Verpflichtung erwachsen ist, die ihr bleiben wird. Manchmal macht sie sich Gedanken, was aus den Kätzchen werden soll, wenn sie mal nicht mehr kann. Zudem ist das, was sie tut, auch eine finanzielle Verantwortung, denn nicht nur das Futter kostet Geld, auch die Besuche beim Veterinär.

Ihre Katzenpflege finanziert Piroska komplett über Spenden. Die investiert sie ausschließlich ins direkte Wohl der Tiere. In diesem Spätsommer musste sie außerdem sammeln, um ihr Rad wieder instand zu setzen: Ohne den Drahtesel wäre es nicht möglich, all die Kolonien regelmäßig zu versorgen oder aber die Katzen zum Tierarzt zu bringen. In einer Gruppe auf Facebook teilt Piroska all solche Themen, das Feedback ist meist sehr zahlreich, nicht immer folgt aber auch praktische Hilfe für sie und die betreuten Katzen.

Adoptionen organisiert Piroska in enger Abstimmung mit der neuen Familie der Tiere. Sie hat sehr gute Kontakte nach Österreich, Finnland und in die Schweiz, auch einige nach Deutschland. Wenn eines ihrer Schützlinge ein Zuhause findet, ist das ein Feiertag, sagt die Griechin. Wichtig ist ihr, zu wissen, wo die Tiere landen, um zu sehen, dass sie einen liebevollen Ort gefunden haben. Über Fotos der Kätzchen in ihrem neuen Heim freut sie sich deshalb sehr. Vor alle aber freut die Katzenmama aus Chania sich über Unterstützung.

Wer selbst Katzen heiß, weiß, diese verhungern im Schnitt dreimal täglich. Für die Versorgung der Tiger ist Piroska auf Spenden angewiesen. Nur so kann sie sich weiterhin gut um die Kätzchen kümmern. Wer zu Weihnachten noch eine gute Tat für Tiere in Not tun möchte, kann sie hier via Paypal unterstützen.

Qatar 2022: Dürften wir bitte einen Protest anzetteln?

„Da werden wir genau hingucken, was morgen passiert.“ Einen Tag nach der Aussage von DFB-Präsident Bernd Neuendorf in der ARD ist es nun kein Kunststück mehr, seine Worte zur „One Love“-Kapitänsbinde zu interpretieren: Wenn Wales, England und die Niederlande bei ihren Spielen am Montag damit durchkämen, trüge die Manuel Neuer sie zwei Tage später vielleicht auch. Klingt wie eine Unterstellung? Mitnichten. Aber der Reihe nach.

Politische Symbole sind auf dem großen Fußballparkett in Katar verboten. Das ist nichts Neues und mitnichten eine spezielle Problematik dieses Turniers. Die großen Verbände möchten ihren Sport gerne klinisch sauber halten. Botschaften, die auf negative Themen rund um Vergabe, Austragungsländer oder eben die Verbände selbst abzielen, sind nicht erwünscht. Wie Verbände und Spieler damit umgehen, dafür gibt es keine Anleitungen.

Und so hatten sich zehn europäische Nationalverbände im Vorfeld der WM 2022 geeinigt, mit einer selbstgewählten Symbolik – nämlich besagter Binde – ins Turnier zu gehen: Neben Deutschland waren das die Niederlande, England, Belgien, die Schweiz, Wales, Frankreich, Dänemark, Schweden und Norwegen. Da die beiden Letztgenannten sich nicht für die WM qualifiziert haben, war das Feld bereits auf acht geschrumpft, bevor auch noch Frankreich ausscherte: Kapitän Hugo Lloris kündigte an, die Binde nicht zu tragen – und begründete das mit Respekt vor den Regeln des Gastgeberlandes.

In der Diskussion: One-Love-Kapitänsbinde. (Screenshot: Google)

Nun muss man, und das passiert rund um dieses Turnier leider viel zu selten, klar trennen zwischen Respekt vor kulturellen Unterschieden einerseits und dem Wegducken vor Themen, die nun mal nicht verhandelbar sind, auf der anderen Seite. Wenn ein muslimisch geprägtes Land bei einem sportlichen Großereignis keinen oder nicht in dem Maße Alkohol anbieten möchte, wie das andernorts üblich ist, so hat das etwas mit der Kultur zu tun. Wenn Katar hingegen die Rechte der LSBTIQA*-Community nicht achtet, greift „Kultur“ nicht mal im Ansatz als Argument.

Von Frankreich hätte man sich gewünscht, dass Trainer Didier Deschamps einfach einen neuen Kapitän ernennt; vielleicht aber war der Coach froh, dass Lloris bei diesem Thema die öffentliche Prügel bezog, nachdem Verbandspräsident Noël Le Graët geäußert hatte, er wünsche sich, besagte Binde käme beim französischen Team nicht zum Einsatz. Fans in Deutschland verteilten derweil nachvollziehbarerweise Prügel für eben jene Binde, die als Wegducken vor Verband und Gastgeberland interpretiert wurde.

Immerhin hat Manuel Neuer in der Vergangenheit bereits die Regenbogenbinde getragen, die auch an vielen Bundesligastandorten längst üblich ist. Die „One Love“-Binde wirkte dagegen wie ein lächerlich verwaschenes Pseudosymbol, mit dem gegen alles so ein bisschen protestiert wurde, ohne dabei aber allzu deutlich zu werden.

In der Bredouille: DFB-Boss Neuendorf (Screenshot: ARD)

Bis schließlich die FIFA die Binde ungewollt mit einer größeren Bedeutung auflud, indem der Verband nur 48 Stunden vor Beginn des Turniers mit „einem eigenen Vorschlag“ ums Eck kam, wie Neuendorf in der ARD erklärte. Der DFB-Präsident zeigte sich dabei irritiert: „Wir fanden es schon sehr befremdlich, dass wir diese Binde vor Monaten bekanntgegeben haben der FIFA, dass wir sie tragen wollen als europäische Verbände. Und die FIFA hat darauf nicht reagiert. Sie hat nicht gesagt: Wir verbieten es ausdrücklich, oder: Wir genehmigen es.“

Scheint, als habe die FIFA auf Zeit gespielt, so, wie das gerade rund um die WM bei mehreren Themen den Anschein macht. Kurz vor Turnierbeginn war jedenfalls klar, der Verband würde gegebenenfalls zu Strafen greifen, wenn die Kapitäne mit der Binde auflaufen. Ein ursprünglich wachsweiches Statement hatte so plötzlich Gewicht bekommen: Wie gut das tat.

Ganz besonders jenen Fans, die seit Monaten Proteste rund um das Turnier organisieren. Denn ehrlich? Was ist aus dem vermeintlichen Volkssport Fußball geworden, wenn ein wahllos buntgestreiftes Herz als erdachtes Symbol gegen jede Form der Diskriminierung, eine Art „Toleranz für alle und alles“, schon so aneckt beim Verband und seinem Gastgeberland, dass Sanktionen ins Spiel gebracht werden?

Mit dem Festhalten an der Binde hätte ein minimales Zeichen gesetzt werden können, dass der Fußball noch nicht komplett verdorben und verloren ist – und Menschenrechte sportlichem Erfolg stehen. Was hätte passieren können? Sperren der sieben Kapitäne nach jeweils zwei Spielen? Was für ein Zeichen wäre das gewesen! Ein Ausschluss der beteiligten Nationen vom Turnier? So.Fucking.What.

Es kann doch bitte nicht der Ernst von DFB und anderen Landesverbänden sein, dass sie für Freiheit und Sicherheit Menschen verschiedener Nationen, Gender, Herkünfte, Sexualitäten, Hautfarben und Religionen nicht mal bereit sind, eine gelbe Karte oder Sperre in Kauf zu nehmen. Are you fucking kidding me.

Die Spieler der iranischen Nationalmannschaft, die sich vor dem Spiel gegen England im stummen Protest gegen die Zustände in ihrer Heimat weigerten, die Nationalhymne mitzusingen, haben sich damit wirklich in Gefahr begeben – zu einem Ausmaß, dass etlichen Menschen in der Sicherheit Europas vielleicht niemals klarwerden wird. DFB & Co. haben sich derweil weggeduckt und so final lächerlich gemacht. Ein Protest, der Genehmigungen abwartet, ist kein Protest. Auch und gerade im Sport ist die Geschichte voll von Menschen, die für ihre politische Haltung die Konsequenzen getragen haben.

Die mangelnde Haltung der nationalen Verbände ist absolut beschämend, und darauf kann gar nicht oft genug hingewiesen werden. Egal, wie weit diese Länder im Turnier kommen, sie stehen bereits jetzt als die ganz großen Verlierer da. Alle, denen der Fußball etwas bedeutet, müssen, pardon, das ganz große Kotzen kriegen, angesichts dieses Einknickens.

Im Regenbogen, mit Haltung: ZDF-Reporterin Neumann. (Screenshot ZDF/Florian Reis)

Wobei anzumerken wäre, Spielern die „Eier“ abzusprechen oder sie als „Waschlappen“ zu titulieren, ist auch in der nachvollziehbaren Wut problematisch, da gerade weiche Hoden Teil eines problematischen Männlichkeitsbildes sind, das den Fußball erst dahin gebracht hat, wo er heute gegen Probleme von Macht und Ohnmacht kämpft. Fehlender Mut oder fehlende Konsequenz tun es deutlich besser.*

Apropos bemüht, Einsatz zeigten unter anderem zwei Journalistinnen im Angesicht der FIFA-Shitshow: Alex Scott kommentierte mit One-Love-Binde am Spielfeldrand, Claudia Neumann in einem Shirt mit Regenbogen und der Regenbogen-Binde. Beide sind vor Ort und gehen damit ein persönliches Risiko ein. Man kann ihnen das nicht hoch genug anrechnen. Menschen, die den Fußball lieben, brauchen Hoffnung und Vorbilder, die beiden und die mutigen iranischen Spieler dürfen als solche gelten.

*In einer früheren Version des Textes wurde die Formulierung fehlendes Rückgrat genutzt. Die ist allerdings ableistisch und wurde deswegen ersetzt. Ich bitte, das zu entschuldigen. Zudem war fälschlicherweise die USA als Gegner des Iran genannt, es war aber natürlich das Spiel gegen England. Erwähnenswert dazu: Die englischen Spieler sind vor dem Spiel auf die Knie gegangen.

Die Woche am Bruchweg (22/33): In Zahlen geliefert

Es gab zuletzt mehrere Pressekonferenzen, in denen 05-Trainer Bo Svensson durchblicken ließ, dass er wenig von der manchmal recht eindimensionalen Bewertung seiner Stürmer hält. Schließlich sind diese nicht nur durch ihre Tore wertvoll für die Mannschaft. Dennoch wird oftmals an Scorer-Punkten alleine festgemacht, ob ein Offensivspieler positiv auf sich aufmerksam machen kann – oder eben nicht.

Karim Onisiwo kann davon ein Lied singen. Gerade der kritische Blick aus Teilen des Fanlagers auf den Österreicher wirkt häufig sehr getrübt. Auch die Leistung von Marcus Ingvartsen ist oft besser, als eine oberflächliche Draufsicht das erahnen lässt. Doch seine Startelfeinsätze in Spielen, die durchaus kompliziert sind für die Offensive – wie vergangene Saison gegen Wolfsburg oder letzte Woche gegen Union Berlin – mögen dazu beitragen, dass Ingvartsens Wert für sein Team von außen vielfach unterschätzt wird.

Umso schöner für Onisiwo, dass der neuerdings auch zuverlässig mit Zahlen glänzen kann. Dank seiner nun bereits drei Treffer in den ersten Spielen der neuen Saison hat er in der Vereinschronik Yunus Malli in Sachen Scorerpunkten in der 1. Liga überflügelt – und liegt jetzt auf einem alleinigen ersten Platz. Schöne Grüße an die Kritiker.

Sicht aufs Spielfeld aus dem Aussichtsblock. (Foto: Oliver Heil)

Das Tor zum 1:0 nach langem Abschlag von Robin Zentner und Doppelpass mit Angelo Fulgini unterstrich den guten Riecher sowie den unbedingten Willen des Österreichers. Und „Wille“ war für das Spiel gegen Augsburg ohnehin ein gutes Stichwort, den davon zeigten die 05er unbändig viel.

Während Onisiwo einen neuen Rekord aufstellte, gab Aarón Martín einen aus der Hand, den der FSV seit 36 Strafstößen gehalten hatten: Zum ersten Mal seit 2013 Ádám Szalai gegen Raphael Schäfer scheiterte wieder ein 05er vom Punkt. Ein bisschen weh tat das schon, zumal auch Onisiwo den Ball gerne geschossen hätte. Einen Vorwurf wollte Aarón hinterher aber niemand machen, was wiederum für dieses Team spricht.

Der Kommentierung, wonach der Siegtreffer ein wenig aus dem Nichts gekommen sei, kann ich mich deswegen nicht anschließen. Ich hatte bis zum Schluss das Gefühl, dass dieses 2:1 noch sehr deutlich in der Luft lag. Wie schnell Delano Burgzorg schaltet und wie aufmerksam Jae-Sung Lee vollendete, war dann wunderschön anzusehen.

Ob der Ball vor Burgzorgs schnell ausgeführter Ecke nun völlig still lag oder nicht, ist dabei rückblickend quasi unerheblich, wie Alex Feuerherdt von Collinas nach dem Spiel sowohl bei sky als auch auf Twitter geduldig erklärte. In den Regeln steht, dass der VAR in diesem Falle nicht eingreift, weil es sich nicht um eine „mach changing decision“ handelt. Die Augsburger, deren Coach sich in der Pressekonferenz nach dem Spiel als schlechter Verlierer zeigte, hätten da vielleicht mehr spielen und weniger meckern sollen. Edit: Ein bisschen Regelkunde hierzu von Lutz Wagner in der Allgemeinen Zeitung.

Was der Siegtreffer auch zeigt ist, die 05er sind mit ihrer Offensivbesetzung in dieser Saison insgesamt flexibler und variabler als im Vorjahr. Diese Tatsache kann in den nächsten Monaten noch zu einem Faktor werden, gerade, wenn es darum geht, mit Wechseln nicht nur frischen Wind zu bringen, sondern die Gegner auch vor überraschende neue Aufgaben zu stellen. Insgesamt war dieser erste Sieg in Augsburg seit gefühlter Ewigkeit zwar fußballerisch noch kein echter Leckerbissen (hust), hat aber durchaus Spaß gemacht und Lust auf mehr.

Zwei Siege in der Fremde nach der Pestserie diesbezüglich in der Vorserie sind ebenfalls eine schöne Momentaufnahme. Stefan Bell hat in der vergangenen Saison mal richtigerweise angemerkt, zuhause laufe vieles zusammen, auswärts fehle das entscheidende Quäntchen Glück. Sowohl gegen Bochum als auch in Augsburg lief es in den entscheidenden Momenten auch mal für Mainz. Sowas kennt man schon gar nicht mehr, aber gerne mehr davon.

Fußballerisch etwas geboten war auch beim Auswärtssieg der U23, die ebenfalls den dritten Spieltag absolvierte. Die #SCHOTTgoes05-Frauen gehen am Sonntag um 17 Uhr hingegen ins letzten Vorbereitungsspiel auf die neue Saison, Gegnerinnen sind die Frauen vom OFC. Es gilt wie immer, support your local Lieblingsverein. Bald ist das auch wieder im Tischtennis und Handball möglich.

„Wolfgang Frank“ nominiert zum Fußballbuch des Jahres

Die Deutsche Akademie für Fußballkultur kürt jährlich das „Fußballbuch des Jahres“ und erstellt dafür im Vorfeld zunächst eine Shortlist mit elf Finalist*innen. Diese werden derzeit nach und nach bekannt gegeben. Seit dem 19. August steht fest: „Wolfgang Frank. Der Fußball-Revolutionär“ steht auf der magischen Liste.

Wie viel mir das bedeutet, vermag ich wirklich kaum in Worte zu fassen. Ich erinnere mich so intensiv an die einzelnen Schritt auf der Reise, die dieses Buch für mich bedeutet. Von Nicole Selmers Anfrage, ob ich für den ballesterer über Frank schreiben würde, über das erste Gespräch mit dessen älteren Sohn Sebastian (es gab Pommes) hin zu meiner Anfrage an Dietrich Schulze-Marmeling, ob er das Buch beim Verlag die Werkstatt sieht.

Die vielen, vielen Gespräche, die ich für das Buch geführt habe. Die Tränen, die dabei geflossen sind im heftigen Vermissen um Frank, der 2013 viel zu früh gestorben ist. Lange Gespräche über das Erlebte mit meinem Mann in unserer Küche. Mit der Besten im Feld. Frank ist überall dabei. Die Begegnung mit seinem jüngeren Sohn Benjamin, Austausch mit Basti und Benny gemeinsam. Nächtelange Recherchen, immer neue Quellen, immer neue Erkenntnisse.

Das Gerüst vor unserem Haus, Schreiben ohne Tageslicht. Der Januar, die Woche rund um den Todestag meines eigenen Paps’, das intensive Gefühl, dies ist auch ein Vaterbuch. Zweifel, wie sie jede*r kennt beim Schreiben. Schaffe ich das? Ist es der richtige Weg? Das richtige Wort? Gewichte ich so, wie ich sollte? Immer wieder die wichtigste Frage: Werde ich ihm gerecht? Überforderung, Schlafmangel. Erschöpfung. Und endlich: ein Buch.

Über das die wunderbare Stefanie Fiebrig jetzt schreibt:

Mit Mara Pfeiffers Buch wird ein Trainer herausgehoben, dessen fortgesetzte Wirkung über seinen Tod hinaus bisher kaum wahrgenommen wurde. Es wird ein Mensch vorgestellt, der im besten Sinne für den Fußball gelebt hat. Es ist kein unkritisches Buch, denn natürlich werden ganz grundsätzliche Fragen aufgeworfen, wird dem ‚Früher-war-alles-besser‘-Mythos eine klare Absage erteilt, wird Veränderung dokumentiert. Es ist keine Heldengeschichte, denn niemand ist ohne Fehler – auch nicht Wolfgang Frank. Es ist eine warmherzige Würdigung eines talentierten Unvollendeten. Die hat bis dahin gefehlt. Hier nun ist sie endlich!“

aus der Würdigung von Stefanie Fiebrig

Ich freue mich einfach unfassbar. Und ich bin sehr, sehr dankbar. Vor allem natürlich all den Menschen, die dieses Buch mit möglich gemacht haben. Das hier ist für euch.

Wortpiratin-Universum: Jahresausklang und Ausblick

Acht Jahre ist es diesen Winter her, dass ich über den Unterlagen für einen Gründungszuschuss saß. Der 30. Dezember 2013 ist der offizielle Start in meine Solo-Selbständigkeit, einige Projekte habe ich schon in der zweiten Jahreshälfte 2013 verwirklicht, darunter ein erstes Buch rund um den 1. FSV Mainz 05. Eigentlich war die Idee für meine Ausrichtung damals eine komplett andere: Kinderbücher. Aus verschiedenen Gründen ist es dazu (bislang) nicht gekommen und stattdessen intensivierte ich damals die Arbeit an dem Thema, das mich zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon jahrelang begleitete: Fußball.

Ich habe diese Schritte nie bereut. Weder jenen in die Selbständigkeit, noch den Schwerpunkt auf Fußball, und, ganz wichtig, seine Rolle in der Gesellschaft. Ob in meinen verschiedenen Kolumnen in geschriebender Form oder vor der Kamera, Podcasts solo ebenso wie mit der besten Crew, ob in meinen Büchern oder bei Veranstaltungen auf dem (digitalen) Podium und als Moderatorin: Bei all dem geht es nie um Fußball als eine reine Sportveranstaltung, sondern immer um die Verknüpfung damit, was unser Leben als soziale Wesen in der Gesellschaft ausmacht.

Die letzten beiden Jahre waren diesbezüglich sehr intensiv. Natürlich gilt das für viele Menschen, in bestimmten Berufsgruppen in einem Maße, das ich mir gar nicht vorzustellen vermag. Dennoch, der Wechsel zwischen der Sorge um die eigene Existenz und den sehr intensiven Phasen mit vielen Auftritten und Aufträgen hat mich ebenso gefordert, wie die inhaltlichen Aspekte meiner Arbeit. Damit, zu verstehen, wohin die Welt gerade steuert, haben wir sicher alle gut zu tun. Die Pandemie ist noch nicht vorbei und mal wieder ist auch jede*r Einzelne von uns gefordert.

In einer Hinsicht werde ich am Nikolaustag jedoch einen Schnitt setzen im Rhythmus dieses Jahres 2021: Rückzug. Die eben noch ausstehenden Veranstaltungen sind ohnehin abgesagt, parallel habe ich schon im Oktober beschlossen, die kommenden Folgen meines Sport1-Podcasts „Flutlicht an!“ und meiner Videokolumne „Wortpiratin rot-weiß“ (VRM) vorzuproduzieren. Beide Formate gehen im Winter in eine kurze Pause, was bedeutet, im gewohnten 14-Tages-Rhythmus setzen sie jeweils im Dezember und im Januar einmal aus. Am 15. Dezember erscheint die letzte Podcast-Folge des Jahres, am 19. Januar die erste Videokolumne 2022. Dazwischen: Ruhe.

Die ich nutzen werde, um zwei Monate nur an meinem Herzensprojekt zu arbeiten, nämlich der Biografie zu Wolfgang Frank, die im April 2022 im Verlag Die Werkstatt erscheint. Wer sich nun wundert, wo der zweite Monat dafür herkommt: Für die jeweils erste Folge meiner Formate im Februar ist ebenfalls bereits gesorgt; glücklicherweise gibt es im Fußball zeitlose Themen.

Nur eine kurze Pause macht hingegen meine wöchentliche Online-Kolumne rund um den 1. FSV Mainz 05. Viele Termine rund um den Verein habe ich zuletzt digital wahrgenommen statt vor Ort, etwas, was sich hoffentlich mit der Abgabe des Manuskripts Anfang Februar wieder ändern wird. Meine wöchentliche 05-Betrachtung Die Woche am Bruchweg hier im Blog soll ebenfalls im neuen Jahr wieder aufleben – danke für die Nachrichten des Vermissens.

Sollte ich in den kommenden Wochen in den sozialen Medien stiller sein als sonst, wäre das ein gutes Zeichen: Es würde bedeuten, dass ich in meiner Arbeit an Franks Biografie abgetaucht bin. Die Gespräche dazu sind nahezu abgeschlossen und es waren wunderbare Begegnungen, digital und analog. Im Frühjahr werde ich nach und nach etwas dazu posten, mit wem ich alles über ihn reden konnte. Ich bin allen, die sich die Zeit genommen haben, um mit mir über ihren Mitspieler, Freund, Trainer, Partner, Vater und Mentor zu sprechen, von ganzem Herzen dankbar. Die Arbeit an diesem Buch bedeutet mir sehr viel, die Gespräche die Welt. Danke.

Wir lesen uns! Bleibt gesund und passt auf euch und aufeinander auf.