Die Woche am Bruchweg (23/4): 4x Yay, 2x Uff, Happy-End

Man könnte das Spiel von Mainz 05 gegen Bochum aufgrund der guten Bilanz gegen den VfL darauf verkürzen, zu sagen, es sei der richtige Gegner zur rechten Zeit gewesen. Das würde der Leistung der Rot-Weißen, die zum Auftakt der Rückrunde einen 5:2-Sieg einfuhren, aber nicht gerechnet. Die zeigten nämlich endlich mal nicht nur eine, sondern in der Summe zwei sehr stimmige Halbzeiten – und schienen ihre Lehren gezogen zu haben aus dem späten Nackenschlag gegen Borussia Dortmund.

Ein Faktor war dabei definitiv Stefan Bell als zentraler Innenverteidiger. Edimilson Fernandes hat unter Bo Svensson zwar eine tolle Entwicklung gemacht, doch die zentrale Rolle liegt ihm, zumindest bislang, weniger. Hier haben Bell oder Alexander Hack die bessere Präsenz. Auch der nach Gelbsperre zurückgekehrte Dominik Kohr wirkte mit seiner Energie als deutlicher Stabilisator. Wie wichtig er für das 05-Spiel ist, war unter der Woche schmerzhaft zu spüren – und am Samstag gut zu beobachten.

Interessant war, wie früh Svensson in dieser Partie wechselte. Die englische Woche mag ein Faktor gewesen sein dabei, Aymen Barkok und Anton Stach schon nach einer Stunde für Jae-Sung Lee und Leandro Barreiro zu bringen. Wie viel Schwung die Neuen dem Spiel gaben, darf dem sonst eher spät zur Ersatzbank greifenden Coach aber gern als Anregung dienen, generell eher zu rotieren.

In der Pressekonferenz am Freitag hatte der Trainer Barkok auf Nachfrage ein Sonderlob dafür ausgesprochen, dass dieser die richtigen Schlüsse aus einer für ihn enttäuschenden ersten Phase der Saison gezogen habe. Barkok und Barreiro seien die fittesten Spieler im Team, verriet er.

Bo Svensson in der Pressekonferenz am Freitag. (Screenshot: 05-YouTube-Kanal)

Der zweite Doppelwechsel indes – Maxim Leitsch und Danny da Costa kamen für Stefan Bell und Kapitän Silvan Widmer – brachte das Spiel fast zum Kippen. In der direkten Folge verkürzte der VfL Bochum mit Toren durch den Ex-Mainzer Kunde Malong und den eingewechselten Erhan Mašović auf 4:2, weil die 05-Abwehr noch unsortiert war.

Insbesondere die Herausnahme von Bell verwunderte im Spiel, Svensson klärte jedoch in der Pressekonferenz nach dem Spiel auf, dass der Verteidiger Probleme angezeigt hatte und er ihn sonst nicht ausgewechselt hätte. Die Rückkehr von Leitsch nach einer monatelangen Ausfallzeit durch eine körperliche und mentale Erschöpfung war ein emotionaler Augenblick an diesem Nachmittag, der nicht arm war an Gefühlsmomenten. Für Leitsch selbst dürfte es eine besondere Rolle gespielt haben, gerade gegen seinen Heimatverein zurückzukehren.

Mit dem 5:2 endete die längste Sieglosphase der Mainzer unter Bo Svensson (sechs Spiele, zuletzt gewann man am 11. Spieltag gegen Köln) – wie beim letzten Sieg, ebenfalls zuhause, schoss die Svensson-Elf fünf Tore. Dabei ragte einer sogar noch besonders heraus: Karim Onisiwo. Mit drei Toren (3:0, 4:0. 5:0) und einem Assist (vorm 2:0 durch Widmer) belohnte der nimmermüde Kämpfer und Läufer sich und sein Team gleichermaßen.

Mit einem perfekten Wert von 10,0 avancierte er (nicht nur bei) WhoScored zum Man of the Match. Das ist dem Österreicher auch deshalb so zu gönnen, weil seine unfassbare Bedeutung für das Spiel der 05er bei etlichen Beobachter*innen in anderen Partien viel zu kurz kommt; doch Offensivspieler zeichnen sich eben nicht nur durch ihre Tore aus …

Ich bin froh, dass ich das jetzt mal zusammengebracht habe.“

Karim Onisiwo über seinen ersten Hattrick

Vor dem Anpfiff stand der Spieltag in Mainz und anderswo ganz im Zeichen des Erinnerungstages im deutschen Fußball. Die Initiative „!Nie wieder“ erinnert damit alljährlich an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945. Dieses Jahr stehen besonders die Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Fokus. In Mainz finden, wie schon in den letzten Jahren, ganze „Erinnerungswochen“ statt, die unter anderem von Ente Bagdad organisiert werden. In deren Rahmen werde ich am Donnerstag, 2. Februar, im Haus am Dom die Podiumsdiskussion „Widerstand, Erinnerungskultur und Kurvenengagement“ mit Nora Hespers, Freddy Mo Wenner und Felix Tamsut moderieren.

Weltweit können Frauen immer noch nicht gleichberechtigt am Sport teilhaben. Auch im Fußball mussten und müssen sich die Frauen ihre Räume erst mühsam erarbeiten. Deshalb ist es wichtig, dass auch Aktive, Funktionäre und Fans Stellung beziehen, denn Fußball hat eine große gesellschaftliche Wirkung.“

Cäcilia Alsfasser, Aufsichtsratsmitglied 1. FSV Mainz 05

Nach dem Spiel wurde dann gleich doppelt und sogar mit Livemusik gefeiert: Bereits am Freitag hatte der Verein verkündet, dass die Partnerschaft zwischen Mainz 05 und der profine GmbH, die ursprünglich noch bis 2024 gesichert war, vorzeitig bis 2027 verlängert wurde und profine mit der Marke Kömmerling Hauptsponsor des FSV bleibt. Beide Parteien lobten die freundschaftliche und vertrauensvolle Partnerschaft, mit der auch eine enorme Planungssicherheit einhergehe. Das Bekenntnis zueinander bot Anlass für ein besonderes Fest, das Spiel brachte die Laune zuvor auf Betriebstemperatur.

Die Woche am Bruchweg (23/3): Baby it’s cold outside

Rückrunde, Baby! Ach nein: Restrunde, denn das Jahr 2023 beginnt natürlich mit der Fortsetzung der Hinrunde, in der noch zwei Partien zu spielen sind. Und das nach der (nur) gefühlt längsten Winterpause der Welt. Es sei fast ein wenig wie nach einer kompletten Sommervorbereitung, nun wieder zu starten, fasste ein gut gelaunter Bo Svensson bei der Pressekonferenz seine eigene Gefühlslage zusammen. Die Mannschaft sehe er in einer guten Verfassung, mutmaße aber, die Trainer der anderen Teams dürften das von ihren Truppen wohl ähnlich sehen. Zeit genug, um ein Themen zu beackern, Dinge neu zu justieren und Spieler zu verpflichten gab es jedenfalls in den zurückliegenden Wochen.

Trainer Bo Svensson in der Pressekonferenz am Donnerstag. (Screenshot: 05-Youtube-Kanal)

Bei Mainz 05 hat sich Neuzugang Andreas Schjølberg Hanche-Olsen laut seines Trainers in den ersten Tagen schon gut eingelebt. Die Ankunft des norwegischen Innenverteidigers in Mainz bescherte der Pressekonferenz am Donnerstag den Besuch eines Journalisten aus Hanche-Olsens Heimatland, der Svensson erstmal zur Verpflichtung eines norwegischen Spielers für die 05er gratulierte. Der Coach beschrieb ihm seinen neuen Spieler so: „He’s really a defender. He’s aggressive, he’s fast. (…) He’s certainly a player who doesn’t walk away from responsibility.“ Zudem sei Hanche-Olsen spürbar, dass es sein ausdrücklicher Wunsch war, nach Mainz zu kommen, erklärt der Coach, und skizziert den Verteidiger als intelligenten Jungen, offen und wissbegierig.

He’s certainly a player who doesn’t walk away from responsibility.

Bo Svensson über Andreas Hanche-Olsen

Der Neuzugang selbst hatte in der Medienrunde unter der Woche erklärt: „I would describe myself as a fighter.“ Den ersten Kontakt mit Svensson gab’s telefonisch bereits im Sommer, damals kam der Wechsel noch nicht zustande. An Mainz 05, so Hanche-Olsen, möge er das Familiäre und das der Club für etwas stehe. Mit Stürmer Burkardt trifft er zudem auf einen Spieler, dem er auf dem Feld schon gegenüberstand: In einer U21-Begegnung Deutschland gegen Norwegen. Sofern er sich erinnere, habe Norwegen gewonnen, erzählte der Neue heiter.

Neuzugang Hanche-Olsen im Interview auf dem Vereinskanal. (Screenshot: 05erTV)

Während also in der Verteidigung der erhoffte Neuzugang realisiert wurde, dünnt sich die Offensive gerade verletzungsbedingt selbst aus. Marlon Mustapha ist noch nicht zurück, Jonathan Burkardt kommt in der Reha laut Svensson voran, aber nicht so rasch, wie erhofft, Delano Burgzorg ist ebenfalls verletzt. Mit Blick auf mögliche Neuzugänge bleibt in einer solchen Situation freilich zu bedenken, dass die Spieler allesamt zurückkommen werden und der Kader auch dann noch ausgeglichen sein sollte.

Angesprochen auf die Frage, inwieweit in dieser Lage die jungen Spieler aushelfen können, erklärte Svensson, die Thematik ginge über den Ansatz hinaus, jemanden einfach mal so reinzuschmeißen. Die Nachwuchskicker haben unterschiedliche Stärken, so der Coach, und stünden an sehr verschiedenen Punkten ihrer Entwicklung. Fragen, die diese betreffen, seien im Zweifel wichtiger als ein momentaner Ausfall älterer Spieler, der im Kader ohnehin immer kompensierbar sein müsse. „Das zeigt ein bisschen, wie kompliziert das Thema ist.“

Die anstehenden englischen Wochen machen dem Trainer kein Kopfzerbrechen, gleichwohl er natürlich mit fünf Spielen in 14 Tagen besonders sorgfältig planen muss. Für den Aufbau der jeweiligen Woche mache es einen großen Unterschied, ob zwischen den Partien drei oder vier Tage liegen, erläuterte Svensson. Je nach dem falle der freie Tag mal aus oder sei gerade wichtig, liege der Schwerpunkt auf Training, Regeneration oder seien die Physios besonders gefragt. Die dürften derzeit auch noch an Robin Zentner arbeiten: Ob der Keeper am Samstag zwischen den Pfosten stehen kann, ist derzeit unklar.

Klar ist hingegen, es geht (endlich!) wieder los. Also alle auf in die Arena. Wir sehen und lesen uns.

Die Woche am Bruchweg (22/43): Auf nach München!

Wir schreiben gerade mal Ende Oktober und doch ist in drei Monaten das Fußballjahr in Sachen Bundesliga bereits vorbei. Mit dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt am 13. November war es das für 2022. Angesichts der Tatsache, dass es bislang im Stadion noch nicht einmal unangenehm zugig war diese Saison, scheint das schwierig vorstellbar.

Doppelpass incoming. (Foto: Sport1/Montage: Wortpiratin)

Am Samstag geht es indes erstmal zum Rekordmeister nach München. Ich bin ehrlich: In dem Stadion war ich noch nie. Es wird eine Premiere, die vor allem deswegen zustande kommt, weil ich Sonntagmorgen im Sport1-Doppelpass sein werde, neben unter anderem 05-Sportdirektor Martin Schmidt und Heribert Bruchhagen. Ich bin gespannt auf die Runde. Zum ersten Mal jedenfalls gab es bereits vorab Liebesbriefe von Menschen, die finden, Frauen hätten in derlei Sendungen nichts zu suchen. Ich lösche da mittlerweile routiniert.

Wollte ich eine Überleitung erzwingen, würde ich sagen: Genauso routiniert, wie Bo Svensson die Fragen in der Pressekonferenz beantwortet. Beim Aufzählen der Münchner Spieler, denen sein Team in Sachen Verteidigung die volle Aufmerksamkeit widmen müsse, kam er jedenfalls nicht aus dem Tritt. Es ist natürlich allen bewusst, dass ein eigener Sahnetag einem schächeren der Bayern begegnen muss, um gerade in München eine Chance zu haben. Aber schön wäre so ein Dreier in der bayerischen Fremde ja schon mal wieder.

Etwas haspelig kam in der PK derweil Svenssons kurze Einlassung zu den Ereignissen beim Spiel gegen Köln am letzten Freitag rüber – und so, als habe er sich nicht intensiver damit befasst. Zwar sind seine Aufgaben vor allem sportliche, nach derart einschneidenen Vorfällen kann aber in der PK immer eine Nachfrage kommen und dann wäre es nicht ganz doof, das Vereinsstatement zu kennen. Zumal daran sehr viel zu loben ist, was ich in meiner aktuellen Kolumne für die AZ deswegen auch tue.

Pausiert haben zuletzt die #SCHOTTgoes05-Frauen, am Sonntag treten sie auswärts in Ober-Olm an. Es ist das erste Spiel unter ihrem neuen Trainer Takashi Yamashita, dem Torjägerin Nadine Anstatt unter der Woche beim Dreh zu meiner Videokolumne für die Allgemeine Zeitung (VÖ 9.11.) eine sehr gute Ansprache und die nötige Balance zwischen fordern und fördern attestierte. Die Entwicklung des Teams bleibt spannend zu beobachten.

Geschlagen geben mussten sich am vergangenen Wochenende die Meenzer Dynamites beim Bundesligaabsteiger HL Buchholz 08-Rosengarten. Trainerin Niki Nagy sagte hinterher über die Partie: „Das Ergebnis ist zum Schluß etwas zu hoch aufgefallen, denn bis zur 55. Minute haben wir zwei gleichwertige kämpferische Mannschaften gesehen.“ Mit dem 26:24 in der 51. Minute wurde es sogar noch mal richtig spannend, letztlich waren die Gegnerinnen an diesem Tag aber doch zu abgezockt.

Ein richtig starkes Statement hat die Sportliche Leiterin der Dynamites, Eva-Maria Federhenn, im Namen der ganzen Abteilung zu den Berichten um André Fuhr und Übergriffe im deutschen Handball abgegeben. Es ist sehr wichtig, dass Vereine sich in dieser Causa deutlich positionieren. Hier muss dringend aufgearbeitet werden. Es ist furchtbar, dass Vorfälle dieser Art im Sport immer wieder passieren. Und es ist umso wichtiger, dass sie ans Licht kommen, Aufarbeitung erfahren, dass Betroffene geschützt und Täter bestraft werden. Es braucht eine Kultur des Hinsehens, von allen, die sich dem Sport allgemein verbunden fühlen.

In diesem Sinne: Wir lesen uns.

Die Woche am Bruchweg (22/42): Vorfreude aufs Flutlicht

Wenn es um seine Spieler geht, ist Bo Svensson eher selten schmallippig. In dieser Woche aber schon, als ihm nämlich Fragen nach der erneuten Suspendierung von Delano Burgzorg gestellt wurden. Laut kicker sind die „disziplinarischen Gründe“ wiederholtes Zuspätkommen – dass Burgzorg seinen Coach gegen sich aufgebracht hat, war offensichtlich. Svensson ist sicher niemand, der seinen Spielern zweite Chancen verwehrt. Wer sie nicht nutzt, nun ja.

Apropos Chancen, am Freitagabend bietet sich die nächste auf den ersten Heimsieg der Saison. Unter Flutlicht, bei aufklarendem Wetter, gegen Köln. Das könnte ein richtig heilsamer Abend werden, der die guten Ergebnisse der Englischen Woche abrundet.

Eine Heimniederlage mussten am Sonntag die #SCHOTTgoes05-Frauen gegen den 1. FC Saarbrücken hinnehmen. Das 2:3 ist deshalb besonders ärgerlich, weil das Team zuvor 2:0 geführt hatte. Saarbrücken gab allerdings nicht auf, traf vor und zwischen den Toren zudem noch das ein oder andere Mal den physischen Kasten und holte sich, als es kurz vor Schluss nach einem leistungsgerechten Unentschieden aussah, den Sieg.

Wie groß der Ärger gerade bei den SCHOTT-Spielerinnen anschließend war, darf durchaus als positives Zeichen gewertet werden: Dieses Team hat an sich selbst den Anspruch, um den Aufstieg mitzuspielen.

Fest steht unterdessen auch, mit welchem Trainer das passieren wird. SCHOTT hat mit Takashi Yamashita eine Wunschlösung aus dem Hut gezaubert, die nur auf den ersten Blick überraschend ist. „Taka“, so der Spitzname des Fußballlehrers, hat als Spieler für den SV Gonsenheim und die U23 der 05er die Schuhe geschnürt.

Seit 2018 trainiert er den FC Basara Mainz, dessen Mitbegründer und Vorsitzender er ist. Auch Shinji Okazaki gehörte zum Gründungsteam, dritter Gründervater ist Babak Keyhanfar. Sein Team hat Yamashita mittlerweile bis in die Verbandsliga geführt, wo Basara nach zwölf Spielen derzeit auf Platz zehn steht.

Torben Schröder, Kenner der rheinhessischen Fußballszene und als Journalist unter anderem für die Allgemeine Zeitung unterwegs, hat nur Gutes über „Taka“ zu berichten. „Ich hielt ihn bislang für den unterschätztesten Amateur-Trainer der Region. Ein großartiger Ausbilder, der noch aus End-20ern mehr rausholt, als die in ihrer ganzen Karriere aus sich herausgeholt haben.“

Die sportliche Leiterin bei SCHOTT, Nadine Kreß, betont: „Wir sind glücklich, ihn für uns gewonnen zu haben. Er hat in und um Mainz ein sehr gutes Standing sowie Netzwerk.“ Yamashita selbst sagt in der AZ, er habe vor allem darüber nachdenken müssen, ob er „ein guter Trainer“ für den Fußball der Frauen sei. Letztlich hat er sich für das Angebot entschieden.

Journalist Schröder beschreibt den Coach als „recht streng“ und einen Disziplinfanatiker, „aber offenbar auch sehr gut in der Menschenführung, denn nicht mal die Spieler, die bei ihm nicht gespielt haben, sagen ihm was Schlechtes nach.“ Gute Noten für einen, der die Nachfolge von Kurzzeittrainer König antreten wird, der immerhin aufgrund von „Unstimmigkeiten“ mit dem Team seinen Hut nehmen musste. Torwarttrainer Felix Altmayer bleibt ebenso im Staff wie Co-Trainer Alexander Ulbrich, Yamashita bringt zudem Yuya Okuda als zweiten Co-Trainer mit.

Apropos Co-Trainer. Ein bemerkenswertes Interview mit 05-Co-Trainer Babak Keyhanfar haben hat der Verein für seine Medien geführt. Keyhanfar, dessen Eltern aus dem Iran nach Deutschland gekommen sind, der selbst aber hier geboren ist, macht derzeit in den sozialen Netzwerken sehr bemerkenswert auf die Situation im Heimatland seiner Eltern aufmerksam.

Im Interview sagt er dazu: „Ich möchte so als Sportler einen Teil dazu beitragen, die Realität widerzuspiegeln und mich so angemessen und authentisch wie möglich äußern.“ Eine Haltung, die im Fußball nicht selbstverständlich, aber umso wichtiger ist. Danke, Babak.

Die Woche am Bruchweg (22/40)

Manchmal ergeben sich im Fußball magische kleine Augenblicke, in denen die schillernde Hülle aufbricht und darunter etwas sehr Authentisches zum Vorschein kommt. So einen Moment gab es in der Pressekonferenz von Christian Streich und Bo Svensson nach dem Spiel der 05er in Freiburg, als Streich offen erklärte, wie sehr ihn der Sieg gegen Mainz 05 freue.

Weil er weiß, er hat es mit einem gleichwertigen Gegner zu tun, den er mit seinem Team lange nicht mehr bezwingen konnte. Es sprach eine große Offenheit aus Streichs Worten, aber auch enorme Wertschätzung für sein Gegenüber. Ein schöner Moment war das, den man sich gern einrahmen würde für Tage, an denen Fußball mal wieder nur Business ist.

Das Grundgefühl nach der Partie gegen Streichs SC war schon jenes, dass ein Unentschieden verdient gewesen wäre. Zwar sah das in den letzten Minuten – wie immer, wenn diese mit viel Druck gespielt werden – ein wenig nach zu spätem Aufbäumen aus, eigentlich hatte das Team aber eine sehr gute zweite Halbzeit hingelegt.

Die Schwierigkeiten in der Defensive, die nun mal entstehen, wenn Schlüsselspieler den Verein verlassen und andere gesperrt sind oder krankheitsbedingt ausfallen, sollte man aus meiner Sicht nicht zu hoch hängen; was etwas völlig anderes ist, als sie nicht ernstzunehmen.

Niakhaté hat dieses Team in seinen letzten anderthalb Jahren in Mainz als einer der Anführer getragen. Aber die Zeit war das Ende einer Entwicklung und von Neuzugängen wie Leitsch zu erwarten, diese Fußstapfen sofort zu füllen (was ich insbesondere auf Fanseite teils wahrnehme) ist unfair. Das neue System braucht Zeit.

Wäre eine der grandiosen Vorlagen von Keeper Robin Zentner durch seine Vorderleute zum 2:2 verwandelt worden, die Gespräche über diese Partie würden völlig anders laufen. Womit wir beim Thema Torhüter wären, eines, das in Mainz seit jeher extrem emotional diskutiert wird.

Finn Dahmen hat nochmal mit Nachdruck klargemacht, dass er den Verein verlassen möchte. Angesichts der Tatsache, wie seine Wechselchance im Sommer verpuffte, ist das nachvollziehbar. Torhüter müssen für sich persönlich den Moment finden, an dem sie lange genug um den Aufstieg zur Nummer Eins gekämpft haben.

Für Dahmen ist der Moment gekommen – und das ist vollkommen in Ordnung. Es spricht fürs Mainzer NLZ und vor allem die Arbeit von Sven Hoffmeister, wie kompliziert die Entscheidung darüber, wer im Tor stehen soll, in den vergangenen Jahren immer war. Zentner hat sich aus gutem Grund bereits mehrfach durchgesetzt. Sein neuer Herausforderer wird Lasse Rieß sein, von dem Svensson sagt, er sei absolut bereit. Wer, wenn nicht sein Trainer, sollte das wissen.

Apropos Trainer. Für Außenstehende relativ überraschend erfolgte bei den #SCHOTTgoes05-Frauen die Trennung von Nicolai König. Beim 5:1-Heimsieg gegen den 1. FFC Niederkirchen am letzten Wochenende hatte bereits Nadine Kreß das Team betreut. König war erst im Sommer als neuer Coach zum Verein gestoßen, und das mit reichlich Vorschusslorbeeren, da er einige Spielerinnen bereits durch seine Trainertätigkeit an der Goethe-Uni Frankfurt kannte.

Dennoch hat es offenbar bereits seit einigen Wochen Unstimmigkeiten zwischen Trainer und Team gegeben, so dass die Verantwortlichen Nadine Kreß und Till Pleuger nun die Reißleine zogen. Kreß und Co-Trainer Alexander Ulbrich werden das Team vorerst betreuen, während bereits Gespräche mit möglichen Kandidat*innen für die Nachfolge laufen.

In der Regionalliga Südwest belegen die Frauen mit fünf Siegen aus fünf Spielen weiterhin Platz 1. Am Sonntag um 14 Uhr treten sie auswärts beim SC 13 Bad Neuenahr an.

Die Meenzer Dynamites, zuletzt im Stadtderby gegen Bretzenheim siegreich, sind bereits am Samstag auswärts gegen den TuS Lintfort gefordert. Im Tischtennis geht’s für die 05-Erstligisten erst Anfang November weiter.