Die Woche am Bruchweg (22/36): Die Grätsche ausgepackt

Heute müsste die Rubrik für diesen Text eigentlich heißen „Die Wochen am Bruchweg“, also Plural, denn zuletzt ist der Beitrag durch meine Reise nach Doha nicht zustande gekommen. Also Re-Live, was bei Pressekonferenzen immer so eine Sache ist: Nachträglich sind da leider keine Fragen mehr möglich. In manchen Phasen lässt die Termindicht es aber nur so zu.

Bo Svensson bei der PK nach dem Sieg in Mönchengladbach. (Bild: Mainz 05/Screenshot)

Das Heimspiel gegen Leverkusen scheint nun schon eine kleine Ewigkeit zurückzuliegen, das Fußballgeschäft ist nun mal in schneller Drehung begriffen. Überschrift im Rückblick? Mit den eigenen Waffen geschlagen. Bo Svensson hat es in der PK ja bestätigt, dass er und sein Staff mit der in der Partie vorgetragenen Spielweise der Bayer-Elf (u. a. Umstellung auf 3er-Kette) kein bisschen gerechnet hatten.

Letztlich darf Mainz sich das als Kompliment anheften, wenn ein Gegner sich so auf sie einstellt; wobei es für Gerardo Seoane nach zuvor drei verlorenen Spielen zum Saisonstart natürlich auch ganz generell um eine bessere Absicherung ging. Und plötzlich lief es auch vorne, allerdings dank freundlicher Unterstützung der Mainzer Abwehr.

Gegen Gladbach standen Hack und Leitsch wieder in der Startelf, was ich für das richtige Signal halte. Fehler gehören im Fußball nun mal dazu, ebenso wie die Chance, sie wieder gutzumachen. In den drei ersten Spielen der Saison haben beide überdies wirklich solide Leistungen gezeigt. Darauf sollte der Fokus liegen, denn mit dem Abgang von Niakhaté wurde zuvor ein großes Loch gerissen – und Abläufe müssen neu etabliert werden. (St. Juste lasse ich an dieser Stelle mal außen vor, da er vergangenen Saison so wenig gespielt hat.)

In Mänchengladbach zeigte das Team von der ersten Minute an, dass ein Auftritt wie in der Vorwoche sich nicht wiederholen sollte. Yann Sommer im Tor der Borussia hatte gut zu tun, gefordert war gerade bei den Kontern auch die Mainzer Defensive. Sehenswert nach einer erneut unglücklichen Aktion von Leitsch war dabei die Grätsche von Dominik Kohr. Ich juchze bei Spielen selten vorm Fernseher, aber in dem Fall musste es raus.

Ein besonders schöner Moment war dann nicht nur fußballerisch das Tor von Aarón (55.) per Freistoß (nach Notbremse an Onisiwo). Niemand geht vermutlich gern damit in die Geschichte des Vereins ein, den legendären Elfmeterrekord beendet zu haben, was dem Spanier aber just in Augsburg unterlaufen war. Nach diesem Traumtor kann er die Geschichte hoffentlich abhaken; die Verantwortlichen haben das bereits getan.

Viel wird nun über die „neue Auswärtsstärke“ der 05er gesprochen. Klar ist allerdings, die Spiele in der Fremde waren letzte Saison oft besser, als die Ergebnisse es vermuten ließen, in 50/50-Situationen lief zuhause mehr für Mainz, auf gegnerischen Plätzen mehr gegen sie. Ich beobachte zumindest nicht, dass sich das Leistungsverhältnis Heim/Auswärts komplett gedreht hätte.

Sowohl zuhause als auch auswärts richtig gut drauf haben sich in den ersten beiden Spielen der Saison die #SCHOTTgoes05-Frauen gezeigt. Am ersten Spieltag feierten sie bei ihrer Heimpremiere gegen Wormatia Worms einen 6:0-Sieg, der zweite Spieltag brachte einen Auswärtserfolg, ebenfalls mit 6:0-Toren.

Bei der nächsten Heimpartie empfängt das Team am 18. September um 14 Uhr den 1. FC Riegelsberg. Wer nicht, wie ich, um diese Zeit ein Patenkind übers Taufbecken zu halten hat, sollte unbedingt zum Spiel kommen.

Mit zwei Niederlagen ist dagegen die Tischtennis-Abteilung in die Saison gestartet. Auswärts beim TTC Schwalbe Bergneustadt unterlagen die 05er am ersten Spieltag 1:3. Erwähnenswert: Der Mainzer Luka Mladenovic (Weltranglistenplatz 261) konnte den zweimaligen Olympiateilnehmer Omar Assar (Ägypten, Weltranglistenplatz 21) in drei Sätzen deutlich besiegen (11:7, 13:11, 11:8). In den folgenden drei Spielen mussten seine Teamkollegen sich aber geschlagen geben.

Im ersten Heimspiel empfingen das Team von Tomasz Kasica dann den amtierenden Meister Borussia Düsseldorf, allerdings ohne Fahnenträger Timo Boll (Oberschenkelprobleme). Die Mainzer verloren ihre Matches 0:3, Mladenovic und Carlo Rossi konnten in ihren Partien aber je einen Satz für sich entscheiden. Mladenovic gelang das sogar gegen den amtierenden Europameister im Einzel, Dang Qiu. Chancenlos werden diese Mainzer nicht sein bei ihrem Abenteuer 1. Liga.

Ihre nächste Auswärtspartie bestreitet das Team am 12. September (18.30 Uhr). Bereits am Samstag, 10. September, starten die Meenzer Dynamites um 19 Uhr zuhause gegen HC Rödertal in ihre Zweitligasaison. Dann gilt es für die 05er*innen wieder: Auf in die Halle. Ich kann das nur wiederholen: Alle Abteilungen haben Unterstützung verdient. Wer flott ist, schafft es zum Handball auch im Anschluss an eine Fahrt nach Hoffenheim.

Wir lesen uns.

Die Woche am Bruchweg (22/31): Summer’s almost over

Schon lustig. Nach der letzten Saison habe ich gen Sommer geschaut und gedacht, wochenlang kaum Fußball. Das wird auch mal schön. Dann kam die Nations League, die mich zwar nicht allzu sehr interessiert, aber bei deutscher Beteiligung doch wieder vor den TV gelockt hat, raschelten erste Gerüchte über Wechsel durch den Blätterwald und begeisterte die EM in England, während hierzulande schon der DFB-Pokal ausgetragen wurde.

Und nun ist die Sommerpause so richtig vorbei, am Wochenende startet auch die 1. Liga, für Mainz 05 geht es nach Bochum. Passenderweise gab es am Mittwoch eine Medienrunde mit Maxim Leitsch, der es als ein wenig schicksalhaft beschrieb, im ersten Ligamatch für die 05er zu seinem alten Verein zu reisen. Vom legendären 6:2, das Mainz dort einst erzielte, hat der Ex-Bochumer übrigens auch schon gehört.

Ich werde die richtige Kabine finden.“

Maxim Leitsch über die Partie in Bochum

Ganz so hoch wird das Ergebnis am Samstag wohl nicht ausfallen, aber wie schnörkellos sich die 05er gegen einen komplizierten Gegner im DFB-Pokal durchsetzten, war schon ein zarter Fingerzeig, dass auch mit prominenten Abgängen nicht alles auseinanderbrechen wird bei Mainz. Nichtmal in der Abwehr.

Dort wird natürlich besonders Moussa Niakhaté fehlen und ich bin ehrlich, ein wenig hatte ich zum Ende der letzten Saison gehofft, ein Jahr werde er noch ranhängen bei 05. Übel nimmt ihm den Wechsel hier sicher niemand, schade aber, dass Nottingham in der Saisonvorbereitung bei Union Berlin spielte und nicht in Mainz. So eine Verabschiedung wäre eine feine Sache gewesen und für einen Spieler, der hier so gereift ist und sich in Verein und Verantwortung eingebracht hat, auch durchaus verdient.

Bevor ich heute den schnellen Kehraus mache noch einige Tipps. Zum einen hat Nils Friedrich mit einigen Mitstreiter*innen zum 40. Jubiläum der Amateurmeisterschaft ein wirklich tolles Heft auf die Beine gestellt, das ich netterweise vorab lesen durfte. Ihr solltet es unbedingt bestellen. Jede historische Aufarbeitung rund um den Verein sollte unterstützt werden, auf ein Museum warte ich noch.

Zweitens sind die Frauen des TSV SCHOTT Mainz, bekannterweise ab dieser Saison per Kooperation mit dem FSV verbandelt, in der Saisonvorbereitung. Infos zu Spielen sollen bald auch auf der 05-Homepage eingebunden sein, einstweilen findet ihr sie hier. In die Saison starten die Frauen am Sonntag, 20. August, zuhause gegen die Wormatia. Sie haben Unterstützung verdient.

Gleiches gilt für die Handballerinnen, denen im Herzschlagfinale der letzten Saison der Klassenerhalt in der 2. Liga gelungen ist. Infos zum Kader, Spielen und mehr findet ihr hier. Und dann wären da noch die Tischtennis-Spieler der 05er, die in dieser Saison in der 1. Liga antreten. Klar, alle Teams zu unterstützen wäre ein Vollzeitjob – zumal in Sachen Fußball die U23 ebenso wie sämtliche NLZ-Teams sehenswert aufspielen – aber eine feste Station neben der Ersten Mannschaft darf es schon sein.

Als kleinen Bonus gibt es hier heute den Text über das angesprochene 6:2 in Bochum aus 111 Gründe, Mainz 05 zu lieben. Das Buch ist in der 2. Neuauflage erhältlich. Viel Spaß.

So ganz zu verstehen ist es nicht, warum sich Peter Neururer vor dem Spiel seines VfL Bochum gar so ekelhaft auf den Gegner aus Mainz einschießt. In Bochum gibt’s in dieser Saisonphase freilich nichts zu lachen, im Spätherbst noch hatte der Verein die europäische Bühne bespielt, dann war aber zuerst Schluss mit dem Europapokal und inzwischen hat man es sogar mit dem Abstiegskampf zu tun.

In selbigem stecken selbstverständlich auch die Bundesliganeulinge aus Mainz, nur dass uns dabei die Würde nicht derart abhanden kommt wie Peter Neururer, der vor dem Spiel bei jeder sich bietenden Gelegenheit darauf hinweist, man werde Mainz schlagen, natürlich hoch, und überhaupt so tut, als seien die Verhältnisse erst wieder hergestellt, wenn Mainz zurück ist in Liga zwei, Bochum hingegen gerettet.

Die ganze Albernheit gipfelt in einem leidlich originellen Comic im Stadionheft, der Neururer vor einer Anzeigetafel mit der Aufschrift „Bochum – Mainz 6:2“ sagen lässt: „Und alle sechs Jahre schießen wir mal sechs Tore in einem Spiel.“ Sehr viel origineller ist aus Mainzer Sicht das Spiel selbst, in dessen Verlauf tatsächlich acht Tore fallen, und auch die prophezeite Verteilung stimmt – Endstand 6:2. Nur halt nicht für Bochum, sondern für den FSV, der damit schon so gut wie sicher seinen Verbleib in der 1. Liga feiern kann.

„Es ist super, wenn der Trainer des Gegners so spricht, als würde er gegen eine F-Jugend antreten“, bedankt sich Michael Thurk im Fernsehinterview später indirekt bei Peter Neururer für dessen großzügige Aufbauhilfe. Da feiern die Mainzer noch lange in ihrem Block und sogar von den Rängen des VfL kommt Applaus für dieses Spiel. Alle paar Jahre kassiert Bochum eben auch mal sechs Tore.

SCHOTT goes Mainz 05: In Wörrstadt mehr erhofft

„Enttäuschendes 1:1 gestern, aber we keep going.“ Mit diesen Worten kommentierte Kapitänin Heiðrún Sigurðardóttir in ihrer Instagram-Story das Unentschieden der #SCHOTTgoes05-Frauen am Sonntag gegen TuS-Wörrstadt. Das Heimteam war in der 50. Minute vor etwa ebenso vielen Zuschauer*innen sogar in Führung gegangen, als Lina Immesberger einen Strafstoß verwandelte.

Der Ausgleich gelang dem TSV in der 83. Minute durch Maren Michelchen. Einen umstrittenen Elfmeter für SCHOTT konnte Lisa Gürtler dann gegen Wörrstadts Torhüterin Theresa Kehl nicht verwandeln.

Spielerisch waren wir die bessere Mannschaft. Wir hätten gewinnen müssen.“

Trainerin Nadine Kreß

Auswärts gegen die Tabellen-Achten der ersten Saisonhälfte hatte das Team von Nadine Kreß sich mehr erhofft als ein Unentschieden, mit dem der TSV in der zweiten Partie der Abstiegsrunde die Tabellenführung vorerst an TuS Issel abgeben muss.

Issel, in dessen Jugendabteilung (m) einst 05er Dominik Kohr gegen den Ball kickte, gewann ebenfalls am Sonntag 4:1 gegen den SV Dirmingen und ist nun im Heimspiel am kommenden Wochenende Gegner der Schott-Frauen. Anpfiff der Begegnung ist am 15. Mai um 14 Uhr.

Unterstützung des 05-Anhangs

Dem Team ist zu wünschen, dass in den ausstehenden Heimpartien – auch am 29. Mai und 5. Juni treten die Frauen zuhause an – bereits ein paar Fans aus dem Lager des 05-Anhangs nach deren Saisonende ihre Unterstützung für die Spielerinnen zeigen, die über eine Kooperation künftig mit dem FSV verbandelt sind und ab der Saison 2023/24 ganz unters 05-Dach schlüpfen.

Umkämpfte Partie in Wörrstadt. (Spielfotos: Awfotos069/SCHOTT)

Mittlerweile steht auch fest, wer die #SCHOTTgoes05-Frauen dann trainieren wird: Die SCHOTT-Verantwortlichen rund um Nadine Kreß und Till Pleuger haben sich die Dienste von Nicolai König gesichert. Der 34-Jährige stand seit Dezember 2021 in Diensten des SC Dortelweil, wo er sich mit seinem Team in der Aufstiegsrunde der Verbandsliga Süd die Meisterschaft und somit den Aufstieg in die Hessenliga gesichert hat.

Neuer Trainer steht fest

Nadine Kreß und Till Pleuger (rechts) vom TSV Schott mit Nicolai König. Foto: TSV Schott

Einigen Spielerinnen des TSV ist König bereits bestens bekannt: Seit 2016 betreut er die Frauen-Fußball-Auswahl der Goethe-Universität Frankfurt am Mainz, der auch einige Spielerinnen des Mainzer Teams angehören, unter anderem Kapitänin Sigurðardóttir. Gemeinsam haben beide in der Vergangenheit bereits Titel sammeln können.

Neben seiner vorrangigen Verantwortlichkeit für das erste Team soll König die generelle Entwicklung der baldigen 05-Abteilung mit im Blick behalten.

SCHOTT goes Mainz 05 (22/16): Rundenstart geglückt

Mit einem souveränen 7:0 sind die Frauen des TSV SCHOTT Mainz am Sonntag, 24. April, gegen den saarländischen SV Dirmingen in die Abstiegsrunde der Regionalliga Südwest gestartet. Den Frust darüber, auf den letzten Metern den sechsten Platz – und damit die fast sicher geglaubte Berechtigung zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde für die 2. Liga – verpasst zu haben, hatte sich das Team schon in der 2. Runde des Verbandspokals Südwest vom Leib geschossen.

Dort gelang gegen die Wormatia aus Worms, die sich in der Liga an SCHOTT vorbei auf den 6. Platz geschoben hatte, am Ostermontag ein überzeugendes 9:3. Gegen den SV Dirmingen, vor der Partie mit fünf Punkten auf Rang 12 der Tabelle, knüpften die #SCHOTTgoes05-Frauen zuhause nahtlos an die torreiche Pokalpartie an. Bereits in der 12. Minute netzte Kapitänin Heiðrún Sigurðardóttir zur 1:0-Führung. Nur drei Minuten später erhöhte Lisa Gürtler auf 2:0.

Gürtler, im Pokalspiel am Montag noch Eigentorschützin ebenso wie Doppelschützin ins richtige Tor, gelang diesmal ein lupenreiner Hattrick, ihrem 2:0 ließ sie auch das 3:0 (17.) sowie das 4:0 (20.) folgen. Mit diesem Zwischenstand ging es nach einer überlegenen ersten Hälfte in die Pause.

In der 56. Minute wechselte das Trainerteam doppelt, für Inga Joest (12) und Aicha Dali (25) kamen Jana Loeber (5) und Lisa Hering (20) aufs Feld. Die optische Überlegenheit bestätigten die Frauen quasi zeitgleich mit dem 5:0 durch ein weiteres Tor: Maren Michelchen traf und verließ kurze Zeit später den Platz für Annabel Rink, die prompt das 6:0 besorgte (70.). Quasi mit dem Abpfiff schoss Jule Stendebach in der 90. Minute gegen chancenlose Gegnerinnen das 7:0. Glückwunsch!