Benefizlesung mit Lotto zugunsten der DKMS

Stell dir einmal vor, du bekommst mit dem, was du tust, ein bisschen Aufmerksamkeit. Was ist da naheliegender, als sie für den guten Zweck zu nutzen? Keiner von uns kann die Welt retten, aber wir alle können sie im Kleinen verbessern – und genau das möchte auch ich tun, wann immer sich die Möglichkeit dazu bietet. Ein Thema, das mir dabei sehr am Herzen liegt, ist laut zu sein gegen Rechts, gegen Nazis, gegen Ignoranz in allen Teilen der Gesellschaft. Ein zweites ist die Arbeit der DKMS, die ich schon seit vielen Jahren persönlich unterstütze.

Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein.

Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein.

Als ich mit Dirk Martin, Prokurist bei Lotto Rheinland-Pfalz, vor einiger Zeit beruflich zu tun hatte, da stand die Veröffentlichung meines Mainz 05-Krimis „Im Schatten der Arena“ kurz bevor. Wir kamen ins Quatschen, stellten fest, dass wir in vielen Dingen einen gemeinsamen Nenner finden und so war die Idee in der Welt, zusammen eine Benefiz-Lesung zugunsten der DKMS in der Loge von Lotto im Mainzer Stadion auf die Beine zu stellen. Als Autorin kann ich dazu vor allem zwei Dinge beisteuern: mich und meine Bücher. Mich in diesem Fall ohne das übliche Honorar, um die gute Sache zu unterstützen. Mein Buch eben im Rahmen der Lesung.

Gute Stimmung auch auf der Bühne.

Gute Stimmung auch auf der Bühne.

Lotto steuerte nicht nur die eigene Loge dabei, sondern lud zum Imbiss auch in die des Vereins, was für die anwesenden Fans wirklich eine sehr schöne Sache war. Und eine dritte Loge wandelten sie gemeinsam mit der DKMS ins „Stäbchen-Hauptquartier“ um, in dem die anwesenden Gäste sich nach dem bekannten Motto „Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein“, für die DKMS registrieren konnten. Torsten Zimmermann machte großartige Fotos von der Veranstaltung, Malino Schust drehte einen tollen kleinen Film und der Societäts-Verlag war unter anderem durch Verlagsleiter René Heinen erneut ganz wunderbar präsent. Die Mitarbeiter von Lotto organisierten sowohl im Vorfeld der Veranstaltung als auch am Abend selbst ganz famos, namentlich sei hier Jennifer Jonas fürs Veranstaltungsmanagement erwähnt. Clemens Buch moderierte sehr sympathisch und die DKMS war vertreten durch Ralf Peters, der auch einige Worte zur Arbeit der Organisation sagte.

So, wie ich vor der Lesung ein paar persönliche Worte zu Toni Marino sagen konnte, der wir diesen Abend gewidmet haben. Als ich mein 11. Schuljahr in Mississippi verbrachte, lernte ich dort Lacy Marino kennen. Toni, die Tochter meiner Highschool-Freundin, ist 2016 nach langem und tapferem Kampf gegen die Krankheit an Leukämie gestorben. Zuvor hatte Toni mehrfach Knochenmark erhalten, zum einen von ihrem Bruder Kam, aber auch eine Fremdspende. Für ihre Familie ist jeder Tag wertvoll, den sie dadurch mit ihr gewinnen konnten.

Ein wunderbar interessiertes Publikum mit bekannten und unbekannten Gesichtern. (Fotos: Torsten Zimmermann)

Ein wunderbar interessiertes Publikum mit bekannten und unbekannten Gesichtern. (Fotos: Torsten Zimmermann)

Die Lesung gerade im Stadion, mit dem Blick aufs Spielfeld, war natürlich ein sehr schönes Ereignis. Das große Interesse der Gäste am Buch ließ sich auch daran ablesen, dass ich mit einer prallvollen Bücherkiste anreiste und nur drei Restexemplare wieder mit nach Hause nahm. Die Stimmung war gut und ich denke, alle hatten ihren Spaß an dem Abend. Und das ist schließlich das Wichtigste.

Na, fast: Auch die Spendendose für die DKMS konnte sich am Ende sehen lassen. Hier nochmal ein besonders großes Dankeschön an Lotto, die die Kosten für alle Registrierungen an diesem Abend übernahmen. Schön, wenn man solche Partner hat.

Im Schatten der Arena: Stand jetzt

Es ist nun einen Monat her, dass Im Schatten der Arena ausgeliefert worden ist. Seither kann man das Buch überall im lokalen Handel, aber natürlich auch auf der Homepage des Societäts-Verlags oder dem Shop der Autorenwelt kaufen. Ich bin ja mehr für die Buchstaben verantwortlich als für die Zahlen, aber der Verlag ist zufrieden damit, wie der Verkauf angelaufen ist.

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Persönlich habe ich inzwischen etwa 100 signierte Bücher an Interessierte verschickt, die bei mir direkt bestellt habe. Außerdem häuft sich das Feedback, was für mich als Autorin natürlich super ist. Ob es nun erste, sehr wohlwollende Rezensionen auf Amazon sind, klassische Zeitungsartikel, Fotobeiträge mit dem Buch auf Instagram, Twitter und Facebook oder Mails an mich direkt, ich sauge alles mit großer Freude und Begeisterung auf. Deswegen an dieser Stelle ein ganz großes DANKESCHÖN an alle, die sich die Zeit dafür nehmen.

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Dramatik und Spannung wurden hier sehr bildhaft und ideenreich geschaffen. Eine kleine Hommage an die Stadt Mainz und unseren
Verein. Großartig!

Fabrizio Hayer

Auch einige Podcasts haben sich inzwischen mit dem Buch beschäftigt. Tobias Migge hat in seinem sehr feinen Podcast 2 READ or not 2 READ eine total schöne Besprechung aufgenommen, in der er einen Schwerpunkt auf die Trauerarbeit der Protagonistin Jo nach dem Tod ihres besten Freundes legt. Unbedingt reinhören! Außerdem war ich bei Andreas Thies auf Mein Sportradio zu Gast und habe ein bisschen über das Buch geplaudert und mit Sascha Rebiger habe ich in seinem wirklich empfehlenswerten Podcast mit dem großartigen Namen Bälle und Bücher unter anderem über die Entstehung des Krimis gesprochen.

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Der Verlag hat sich nun entschieden, 15 Bücher für eine Leserunde bei Lovelybooks zur Verfügung zu stellen, die ich begleiten werde. Dafür kann man sich bis Freitag, 8. Juni, bewerben. Bereits am Donnerstag, 7. Juni, steht die mittlerweile dritte Lesung aus dem Krimi an. Nach der Premiere im Hugendubel und einer kleineren Lesung im Neustadtladen in Mainz folgt nun eine Benefizlesung gemeinsam mit Lotto Rheinland-Pfalz in deren Loge in der Opel Arena. Die Veranstaltung steht ganz im Zeichen der DKMS, für die an diesem Abend Spenden gesammelt werden. Außerdem ist ein Team der gemeinnützigen Organisation vor Ort und die Gäste können sich vor und nach der Lesung registrieren: Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein.

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Der Abend ist Toni Marino gewidmet. Ich freue mich sehr, dass Lotto unter besonderer Mitwirkung von Dirk Martin die Veranstaltung für die gute Sache ermöglicht. Eine weitere Lesung wird es nach der Sommerpause auch im neuen Fanhaus des Fanprojekts Mainz geben. Die Details dazu verrate ich dann zu gegebener Zeit. Euch und Ihnen allen vielen Dank – fürs Interesse, fürs Feedback, fürs Mitfiebern und Weiterverbreiten. Alleine wäre das alles nur halb so schön. Danke, von Herzen.

|| Danke für die Fotos an Frühes Vogerl, Christian Viering, Pollux, Jochen Weicker, Flachlandknipse, Ajnor Rethcotrebuär, Hoppipolla und Genderbeitrag. ||

FAQ: Im Schatten der Arena

Seit 11. Mai ist „Im Schatten der Arena“ im Handel. Das ist nicht nur mein erster Krimi, sondern nach bislang drei Sachbüchern auch mein erster Roman und alles ist neu und aufregend. In den vergangenen Tagen habe ich schon rund 60 Bücher auf die Reise geschickt, der Verlag versendet Rezensionsexemplare und ich bin sehr neugierig, wie die Geschichte aufgenommen wird. Weil mich dazu immer ähnliche Fragen erreichen, hier mal eine Zusammenfassung der Antworten.

Im Schatten der Arena

Wo sollen wir den Krimi kaufen, damit du am meisten davon hast?
Wer das Buch signiert oder mit einer Widmung möchte, kann es gerne per Mail direkt bei mir bestellen. Generell freue ich mich, wenn ihr es der Buchhandlung eures Vertrauens besorgt, um den lokalen Handel zu unterstützen. Wer gerne online bestellen will, kann das zum Beispiel im Shop der Autorenwelt tun, die sehr fair abrechnen – oder auf der Homepage des Verlags.

Bekomme ich für mein/e/n Blog/Podcast/Zeitung ein Rezensionsexemplar?
Meldet euch gerne direkt bei mir, ich leite die Anfragen an den Verlag weiter. Grundsätzlich freuen wir uns natürlich über jede Besprechung und die meisten Anfragen sind machbar.

Im Schatten der Arena

Wird es Lesungen geben?
Aber klar! Die Premiere ist am Freitag, 18. Mai, um 17.30 Uhr im Hugendubel Mainz (Filiale Am Brand). Ich freue mich schon sehr darauf und hoffe, es kommen viele Zuhörer. Bringt Familie und Freunde mit! Natürlich könnt ihr im Hugendubel an dem Abend auch Bücher erwerben.
Die zweite Lesung findet am Dienstag, 22. Mai, um 19 Uhr im SPD-Neustadtladen statt. Auch hier gibt es die Möglichkeit, Bücher zu kaufen.
Am Donnerstag, 7. Juni, findet in der Loge von Lotto Rheinland-Pfalz eine Benefizlesung zugunsten der DKMS statt. Der Abend ist Toni Marino gewidmet. Weitere Infos folgen.

Wie kann ich dich unterstützen?
Ich freue mich über jeden, der einfach Lust hat, mein Buch zu lesen. Wer zusätzlich eine kleine Rezension – zum Beispiel bei Amazon oder LovelyBooks – hinterlässt oder anderswo trommelt, macht mir natürlich eine besondere Freude. Sehr schön finde ich auch, wenn mich per Mail oder über die sozialen Netzwerke Bilder davon erreichen, wo der Krimi überall unterwegs ist.

Zum Abschluss noch ein kleiner Programmtipp: Am Mittwoch, 16. Mai, bin ich von 15 bis 17 Uhr in der Sendung Radio-Illustrierte bei Radio Rheinwelle 92,5 zu Gast. Hört doch mal rein.

Vielen lieben Dank für euer Interesse!

Zauberworte auf harmonischem Niveau

Es ist unmöglich, im Blog von Andrea Harmonika länger als ein paar Momente zu verweilen, ohne sich in die Autorin zu verlieben. Diese Einleitung in meine Besprechung ihres Buches „Jedem Anfang wohnt ein verdammter Zauber inne“ darf gut und gerne als Warnhinweis verstanden werden. Von einer wie dieser Harmonika, die im echten Leben übrigens ganz anders heißt, kommt man nicht mehr los. Und frau sowieso nicht. Sie ist witzig, warmherzig, klug und schafft es, dem überstrapazierten Modewort authentisch seine einstmals positive Bedeutung zurückzugeben. Sie ist offen und nahbar, ohne sich auf eine Art zu entblößen, die akutes Fremdschämen auslöst, sie ist meinungsstark und politisch, ohne den moralischen Feigezinger* zu heben und steht zu den Pleiten und Verfehlungen ihres alltäglichen Lebens, ohne sich dafür zu schämen, denn wieso sollte sie?

Die Autorin in einer typischen Alltagspose. (Foto: Bastian Sander)

Die Autorin in einer typischen Alltagspose. (Foto: Bastian Sander)

Kurz, in einer von Instagram-Filtern dominierten und doppelt belichteten Onlinewelt ist Andrea Harmonika genau das, was fehlte – zumindest bis 2014. Seither veröffentlicht sie Texte in ihrem Blog, wobei dessen selbstgewählte Einordnung „Unterhaltung auf mittlerem Niveau“ natürlich eine irreführende Koketterie ist. Und wer nun mit den Augen rollt, weil er oder sie das Internet für eine überflüssige Erfindung hält, die sich nicht durchsetzen wird, hat dennoch Grund zur Freude, denn neuerdings gibt es alles, was Frau Harmonika die Herzen seit Jahren im Netz zufliegen lässt, wie erwähnt auch endlich zwischen zwei Buchdeckeln.

In meinem Exemplar beginnt die Wortzauberei mit einer wunderbaren Widmung, die ich allerdings für mich behalte. Da steht nämlich „für Mara“, nicht „fürs ganze Internet“ und manche Zauber sollte man behüten. Verraten kann ich aber, dass sich ein wirklich hervorragender Musikgeschmack der Autorin daraus ablesen lässt, die mit ihren beiden Söhnen sowie dem Ehemann – und neuerdings einer tierarztintensiven Katze – in Norddeutschland lebt. In ihrer spärlichen Freizeit beklebt sie gerne Alltagsgegenstände mit Wackelaugen oder geht schwimmen, was besonders hervorzuheben ist, weil sie erst im hohen Alter das Seepferdchen nachgeholt hat. Und das nach einem Sprung vom Einmeterbrett, für den sie drei Jahrzehnte Anlauf brauchte – was die „Arschbombe“, wie der Text zum Erfolgserlebnis heißt, umso schöner macht.

Wie viele seiner kurzweiligen Kollegen ist der herrlich komisch, aber eben nicht nur das. Daneben steckt auch viel Weisheit in Harmonikas Worten, darüber nämlich, wie Kinder zweifeln und Erwachsene verzweifeln, sich dabei munter abwechseln und wie die Dötze angstfrei lernen, ohne das Gefühl zu bekommen, irgendwer nimmt ihnen am Ende immer alles ab, worauf sie keinen Bock haben. Das parabelt sie ganz wunderbar um ihre eigene, fiese Sportlehrerin und die souveräne Schwimmtrainerin ihres Sohnes herum und nimmt dabei jeden mit, der irgendwie mit Kindern zu tun hat, seien es eigene oder angeheiratete oder die, denen man im Berufsalltag begegnet.

Sowieso bleibt ihre Kinderbetrachtung nicht ausschließlich bei der eigenen, mütterlichen Sicht, sondern blickt sie als „Fisimatante“ auch zurück auf die Juxereien mit den Neffen, bevor sie selbst Mama wurde, und lässt ihre LeserInnen teilhaben an der Beziehung zu ihrer Mutter und nach und nach dem ganzen Familienclan. Wobei die Frauen durchaus eine besondere Rolle spielen, denn schreiben soll man schließlich über das, was man kennt. Und obwohl die Autorin zuhause lediglich katzenseitig weibliche Unterstützung hat, ist sie eben selbst eine Frau und glücklicherweise eine, die sich mit den Themen, die ihre Geschlechtsgenossinnen beschäftigen, auseinandersetzt.

Jedem Anfang wohnt ein verdammter Zauber inne. (Foto: WP)

Jedem Anfang wohnt ein verdammter Zauber inne. (Foto: WP)

Der Text „Deine Mudda – Ein Pressedrama“, in dem sie sich bereits im Blog mit den Anforderungen an Frauen im Allgemeinen und Mütter im Speziellen beschäftigte, ist einer der stärksten auf den 252 Seiten ihres Buches. Doch auch die leisen Töne beherrscht Andrea Harmonika, zum Beispiel, wenn sie über die Tochter schreibt, deren Herz in der 14. Schwangerschaftswoche aufgehört hat zu schlagen – und sie ganz entschieden daran erinnert, dass Familienplanung Privatsache ist, kein Smalltalk-Thema. Oder wenn sie sich dem Gefühl der mütterlichen Überforderung widmet, über das Frauen endlich miteinander sprechen, statt sich in ihren Versagensängsten noch gegenseitig aufzuputschen.

Nach den leisen Tönen kommen natürlich wieder laute, im Zweifelsfall aus der geneigten Leserin, die auf dem Sofa begeistert prustet bei der Lektüre der „Pfadfinder-Leistungskategorieren“, angepasst ans Leben mit Kindern, beim neu aufgelegten „Krieg und Frieden“, diesmal zwischen Geschwisterkindern, oder dem Wiedereinstieg ins Partyleben unter dem herrlichen Titel „Nicht ganz bei Prost“. Insgesamt gibt’s für den verdammten Zauber eine verdammte Leseempfehlung mit Sternchen und wieder und weiter ganz viel Liebe für die wunderbare Andrea Harmonika.

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*Das muss natürlich Zeigefinger heißen, aber ich fand, der Verschreiber hat einen gewissen Charme, darum habe ich ihn erhalten.

Casablanca: Liebeserklärung beim Poker

Als meine jüngere Schwester und ich kleine Mädchen waren, gab es beim Sonntagsfrühstück ein Spiel, an dessen Entstehung sich niemand aus der Familie erinnern kann: Wer zuletzt an den Tisch kam, lief im Kreis von Stuhl zu Stuhl und gab den anderen einen Kuss. Wir Mädchen machten uns einen Sport daraus, dass dies unser Paps war. Unter fadenscheinigen Gründen lockten wir ihn zurück in die Küche, wenn er bereits saß, nur um dann an ihm vorbei ins Esszimmer zu stürmen, uns hinzusetzen und lautstark zu fordern, er müsse die Kussrunde abhalten.

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Natürlich war ihm klar, was wir da trieben, doch er ließ sich immer darauf ein und hatte vermutlich ebensoviel Spaß wie wir. Ich erinnere mich daran, wie er bei einer dieser Kussrunden scherzhaft nach meinem Kinn griff und mit verstellter Stimme sagte: „Ich seh’ dir in die Augen, Kleines.“ Was? Er wiederholte den Satz, meine Schwester und ich sahen uns über den Tisch hinweg achselzuckend an: Was meint er? Mein Paps fiel aus allen Wolken: „Was, ihr kennt Casablanca nicht? Dann müssen wir den unbedingt schauen!“

Ich mag damals zehn, elf Jahre alt gewesen sein, meine Schwester entsprechend sieben oder acht und meine Eltern entschieden, sie war noch zu klein, um den Klassiker anzusehen. Ich aber sollte ihn kennenlernen und wir schauten ihn am nächsten Wochenende. An den Film erinnere ich mich weniger als an das gemeinsame Erlebnis und daran, dass ich absolut hingerissen war, wenn Rick (Humphrey Bogart) seiner Ilsa (Ingrid Bergman) den berühmten Satz so lässig zumurmelte.

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Meine Mutter freute es jedes Mal, wenn Sam „As Time Goes By“ spielte – und mein Vater war dem Glanz seiner Augen nach zu urteilen verknallt in Ingrid Bergman. Dass die am Ende mit Victor Laszlo (Paul Henreid) in den Flieger stieg, statt bei Bogart zu bleiben, war mir allerdings absolut unverständlich – wer steigt in irgendeinen Flieger, wenn die Alternative lautetet, mit Mister Superlässig zu leben?

Es sollten viele Jahre vergehen, bis ich den Klassiker erneut sah. Dabei feststellte, das gezeigte Casablanca wurde hauptsächlich im Studio zusammengebastelt. „As Time Goes By“ ist auf Dauer nicht halb so romantisch wie nervtötend – und viele Dialoge wirken arg zusammengeschustert. Eigentlich lebt der Film tatsächlich nur von der berühmten Zeile: „Ich seh’ dir in die Augen, Kleines.“ Und das gilt nur für die deutsche Fassung, denn das berühmte Zitat verdankt „Casablanca“ seinen Übersetzern – und einem Zufall.

Im englischen Original spricht Rick nämlich nicht davon, Ilsa in die Augen zu sehen, sondern sagt lediglich: „Here’s looking at you, kid“, ein Satz, den Bogart häufig benutzte, als er Bergman in den Drehpausen Poker beibrachte – und der erst nach einem improvisierten Take im Film landete.

(Aus: 111 Gründe, an die große Liebe zu glauben)