AZ-Kolumne: Ein Leuchtturm gegen das Vergessen

Das Haus des Erinnerns in der Mainzer Flachsmarktstraße. (Foto: Clemens Hess)

Das Haus des Erinnerns in der Mainzer Flachsmarktstraße. (Foto: Clemens Hess)

Es gibt die Unbelehrbaren, die behaupten, Sport und Politik hätten nichts miteinander zu tun. Man kann sie auch als bequem bezeichnen, weil sie sich davor scheuen, Themen, die uns als Gesellschaft bewegen, anzuerkennen und sich damit auseinanderzusetzten. In Mainz herrscht zum Glück ein ganz anderes Klima und diesem ist es zu verdanken, dass der 15. Erinnerungstag im deutschen Fußball am 27. Januar nicht nur an diesem Datum selbst begangen wird, sondern als „Mainzer Erinnerungswochen“ auch mit einigen begleitenden Veranstaltungen.

Und so war am 15. Januar auf Einladung von Ente Bagdad, dem Fanprojekt Mainz und Mainz 05 im Bündnis „!Nie wieder“ Zvi Cohen Gast im „Haus des Erinnerns“ in der Flachsmarktstraße. Diesem bewegenden Abend habe ich mich in meiner wöchtenlichen Kolumne für die Allgemeine Zeitung gewidmet, die hier nachzulesen ist.

Zvi Cohen spielt auf seiner Mundharmonika. (Foto: Clemens Hess)

Zvi Cohen spielt auf seiner Mundharmonika. (Foto: Clemens Hess)

Was damals passiert ist, wissen wir – und wissen doch nicht. Wir haben darüber gehört und gelesen, in der Schule, als Kinder und junge Erwachsene. Trotzdem ist es nicht zu begreifen und der Schrecken, den die brutale Wahrheit dieser Jahre wieder und wieder ganz neu in uns auslöst, wenn sie von einem erzählt wird, der daran so unbeschreiblich gelitten hat, darf unseren Seelen niemals verloren gehen. Diese Geschichte darf sich nie wiederholen.

Danke an alle, die diesen Abend möglich gemacht haben.

05-Gegnerbetrachtung: Den VfB-Brustring eng schnüren

Die Gegnerbetrachtung ist zurück. Vor jedem Auswärtsspiel des 1. FSV Mainz 05 spreche ich mit PodcasterInnen, JournalistInnen oder BloggerInnen aus dem Umfeld des gastgebenden Vereins. Diesmal beantwortet Jannick von Rund um den Brustring meine Fragen zum kriselnden VfB.

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Hallo Jannick, du schreibst und podcastest bei Rund um den Brustring zusammen mit vier KollegInnen über den VfB Stuttgart. Wie häufig veröffentlicht und sendet ihr? Habt ihr feste Formate? Und wie organisiert ihr euch untereinander? (Und wie überlebst du als Fußballfan eigentlich ohne Twitter-Account? Ich dachte, sowas gibt es gar nicht.)

15781262_1408290589195078_5620868780721062921_nServus Mara, erst einmal vielen Dank für deine Einladung. Wir nehmen alle zwei Wochen während der Saison einen Podcast auf. Geschriebene Berichte erscheinen nach jedem Spieltag. Zu aktuellen Themen rund um den Verein, wie zum Beispiel Transfers, auch in kürzeren Abständen. Unter anderem ist Lennart auch bei Amazon diese Saison als „VfB-Reporter“ nach den Spielen zu hören. Dies wird dann auch auf unserer Seite verlinkt. Des Weiteren gibt es auch mal ein „Special“, wie den doch sehr lesenswerten Hinrundenrückblick meiner Kollegin Jenni. Untereinander organisieren wir uns, da wir alle verteilt über den Südwesten leben, über soziale Netzwerke Whatsapp, Skype, Facebook – oder auch mal klassisch übers Telefon. Und ja, meine Kollegen haben das (mit Twitter) auch schon angemahnt. Irgendwie bin ich bisher um diesen „Twitterhype“ ganz gut rumgekommen, indem ich mir meine Infos für das Fandasein und Podcasten über andere Quellen wie verschiedenen Apps, Facebook oder Transfermarkt einhole. Und außerdem besitze ich auch noch, ganz old school, ein Kicker Print-Abo.

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In der Rückrunde habt ihr mit drei weiteren Fan-Podcasts die Viererkette veröffentlicht, angekündigt als größten VfB Stuttgart-Podcast aller Zeiten. Wer ist auf die Idee gekommen, die Kräfte hierfür zu bündeln? Wie kam das Experiment bei den HörerInnen an? Und wie bewertest du es in der Rückschau?

Die Idee für solch ein Projekt kam in einem Gespräch mit den Verantwortlichen der anderen Podcasts auf. Man kam da recht schnell auf einen gemeinsamen Nenner und sie war geboren. Die Hörer, mit denen ich gesprochen und kommuniziert habe, waren sehr positiv angetan! Besonders aufgrund der geballten Meinungsvielfalt. Auch fanden Sie, dass – trotz der schwierigen Situation rund um den VfB – in dieser Aufnahme die Objektivität gewahrt wurde. Das kann ich, obwohl ich leider hier nicht aktiv mitwirken konnte, ebenfalls bestätigen und so unterschreiben.

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Hinter jedem Podcaster/Blogger steht natürlich eine persönliche Fangeschichte. Wie lautet deine?

Wenn du hier in der Region aufwächst (Böblingen, circa 30 km vom Stadion entfernt), kommst du an diesem Verein gar nicht vorbei. Dennoch gibt es bei mir auch eine Initialzündung, ausgelöst, wie bei den Meisten, durch den Vater: Meine Fangeschichte beginnt im Herbst 2003, als ich quasi heimlich mit Hilfe meines Vaters (ebenfalls seit vielen Jahren VfB-Fan) das Champions-League Spiel gegen Manchester United im Fernsehen schauen durfte. Davor hatte ich bereits schon sporadisch den VfB, so gut es damals ging, verfolgt, meistens am Samstagnachmittag übers Radio. Das besagte Spiel gewann der VfB bekanntermaßen völlig überraschend 2:1! Es wird heute noch von vielen Fans als das beste Spiel aller Zeiten gesehen. Nach dem ich schon zuvor gewisse Sympathien gehegt hatte, war nach Werner Hanschs legendärem Jubel am Mikro („Ein bisschen Wiesenromantik“) klar, dass der VfB mein Verein ist! Es sollte aber dennoch 3 Jahre dauern, bis ich dann endlich zu meinem ersten Spiel ins Stadion gehen durfte. Das war das zweite Heimspiel gegen Dortmund in der Meistersaison 2006/2007. Man muss sagen, ich hatte in meinen ersten Fanjahren sehr viel Glück und Freude mit dem VfB!

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In der Kurzbiografie auf eurer Homepage ist über dich zu lesen, dass du es dir zur Aufgabe gemacht hast, „die Historie des Vereins, aber auch der Fankultur genauer zu ergründen“. Was reizt dich an gerade diesen Themen und welche Erkenntnisse hat die Beschäftigung schon zutage befördert?

Ich habe mich schon in der Schule sehr für Geschichte interessiert. Geschichte ist ja mehr als nur irgendwelche Fakten, finde ich. Sie ist vor allem Identität und hat in ihren verschiedenen Stationen den Verein zu dem gemacht, was er jetzt ist. Eben das zu ergründen und die Auswirkungen auf die heutige Zeit, finde ich sehr spannend. Man findet dabei auch immer wieder Neues heraus und lernt sehr viel über seinen Verein! Auch finde ich es wichtig, besonders den jüngeren Fans – zu denen ich ja gehöre – die Historie nahe zu bringen, damit sie diese verstehen und ein Stück weit auch verinnerlichen. Besonders letztes Jahr, als wir 125 Jahre VfB gefeiert haben! Und vor allem in der heutigen Zeit der Kommerzialisierung. So geht auch die Bodenhaftung nicht verloren!
Wenn man sich mit der Geschichte eines Vereins wie dem VfB beschäftigt, muss man natürlich auch die Fankultur mit in Betracht ziehen. Das ist quasi „unsere eigene Geschichte“. Auch aus gesellschaftsgeschichtlicher Sicht, von klassischen Fans, über „Kutten“, Hools, und letztendlich zu Ultras, der momentan größten Jugendbewegung in Deutschlands. Zutage gefördert wurden zum Beispiel kleinere Anekdoten von Zeitzeugen aus den goldenen 50ern, als der VfB zwei Mal Deutscher Meister und zwei Mal Pokalsieger wurde. Wie die Mannschaft in Stuttgart empfangen wurde, wie man sich als kleiner Junge unter dem Mantel des Vaters damals ins Stadion schleichen konnte. Ich finde, genau diese Geschichten, diese kleinen Auszüge, machen doch einen Verein letzten Endes so liebenswert. Aber auch düstere Kapitel, wie das damals sehr aufgeschlossene Verhältnis zum NS-Regime, welches der VfB in einem eigenen Buch, mit Hilfe eines Historikers aufgearbeitet hat.

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Lange gehörte der VfB wie Mainz 05 zur Riege der letzten reinen Fußballvereine. Seit 2017 ist damit Schluss, die Lizenzspielerabteilung wurde ausgegliedert. Wie war deine Meinung vor der Ausgliederung, hat sich daran seit der Umsetzung etwas geändert und was hat sich im Fußballbereich des VFB seither getan? Sehen die Macher selbst eine Erfolgsgeschichte?

Ich war davor und bin jetzt danach prinzipiell für die Ausgliederung, da sich die Zeiten im Profifußball leider insofern geändert haben, als es ohne diese Öffnung für potenzielle Investoren kaum noch möglich ist, konkurrenzfähig zu sein. Die Frage ist nur das Wie. Da gibt es ja verschiedene Rechtsformen und Möglichkeiten, bei uns wurde die AG ausgewählt, und auch als einziges Mittel der Wahl propagiert, was meiner Meinung nach zu dieser teilweise doch scharfen Atmosphäre zwischen den Lagern innerhalb der Fanszene geführt hat. Dieser Bruch ist leider bis heute noch nicht richtig gekittet.
Nun, die Umsetzung des Projektes startete recht bescheiden, bald waren zwei der „Gesichter“ dieser Kampagne, nämlich Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf, nicht mehr im Amt. Ich möchte jetzt nicht polemisch werden, aber bisher bin ich doch etwas enttäuscht. Der erste große Investor war Daimler, welcher mit einer Summe von knapp 41,5 Millionen Euro einstieg. Dieses Geld wurde in Transfers, unter anderem in diesem Sommer und Winter, gesteckt – bekanntermaßen bisher keine Erfolgsstory. Ein weiterer Teil ging in die Förderung des Nachwuchsbereiches und soll weiterhin für dessen Entwicklung genutzt werden. Auch wurde davor bereits unser Nachwuchsleistungszentrum ausgebaut. Die Förderung dieser sehr wichtigen Säule des Vereins sehe ich bisher als einzigen positiven Punkt. VfB-Präsident Wolfgang Dietrich als Schirmherr dieser Kampagne sieht der Zukunft sehr positiv entgegen und ist auch nach wie vor überzeugt davon. Zu mindestens gibt er dies öffentlich so weiter. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht und ob die momentan handelnden Personen die Früchte, die Sie versprochen haben, ernten dürfen.

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Die Hinserie des VfB verlief alles andere als planmäßig. Letztlich musste der Verein mit nur 14 Punkten auf dem Relegationsplatz überwintern. Worin siehst du die größten Probleme der Hinrunde und war der Trainerwechsel die richtige Entscheidung?

Spulen wir mal etwas zurück, in die Zeit vor Saisonbeginn. Man hatte noch vor Beginn der Vorbereitung den Kader soweit beisammen: Namhafte erfahrene Spieler wie Gonzalo Castro (über 370 Bundesligaspiele) oder auch unser verlorener Sohn Daniel Didavi wurden verpflichtet. Dazu kamen noch hochtalentierte Spieler aus dem Ausland dazu, wie zum Beispiel Pablo Maffeo oder auch Borna Sosa. Dazu die Vertragsverlängerung mit Holger Badstuber, welcher einer der Schlüsselspieler in der abgelaufenen Saison war. Viele waren sich einig, das kann etwas werden. Auf dem Papier stand da eine richtig gute Bundesliga-Mannschaft. Eine riesige Euphorie machte sich breit im Umfeld. Äußerlich ließen sich die Mannschaft und die Verantwortlichen nichts anmerken. Dann ging es los, wir flogen aus dem Pokal, das Unheil nahm seinen Lauf. Achtung, jetzt wird’s metaphorisch. Es braute sich ein ganz ungutes Gemisch zusammen, bestehend aus folgenden Zutaten: 1. Der falsche Trainer für das geplante Spielsystem (Trotzdem an dieser Stelle, Danke Tayfun Korkut! Und um auf deine Frage zu antworten: Ja, der Trainerwechsel war richtig! Hier muss aber auch nochmals die Art und Weise der Entlassung stark hinterfragt werden!) 2. Eventuell eine falsche Erwartungshaltung innerhalb der Mannschaft. 3. Teilweise eine falsche Einstellung auf dem Platz. Dazu kommen dann noch spieltechnische Faktoren: fehlende Durchschlagskraft in der Offensive, eine mangelhafte Defensive, Verletzungspech und Spieler, welcher ihr Potenzial nicht auf den Platz bekommen haben, was zu einem eklatanten Qualitätsmangel geführt hat. Leider kommen einem als VfB Fan diese Punkte aus den letzten Jahren sehr bekannt vor!

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Markus Weinzierl ist trotz reichlicher Vorschusslorbeeren durch Michael Reschke auch nicht mit dem erhofften Erfolg gestartet. War das Pech, Unvermögen, die Schuld der Mannschaft oder eine Mischung aus allem? Wie viele Hoffnungen setzt du in ihn als Trainer?

Nun ja, Weinzierl kam und musste binnen weniger Tage eine verunsicherte Mannschaft gegen den damals noch ungeschlagenen Tabellenführer Borussia Dortmund aufstellen. Danach folgten ein Auswärtsspiel gegen die TSG Hoffenheim und eine Woche später empfing man zuhause Eintracht Frankfurt. Alle drei Spiele gegen diese Top-Mannschaften verlor man sehr deutlich, was dann eben auch nochmals offenbarte, dass die momentane Qualität der Spieler nicht für höhere Ziele ausreicht. Dann, muss man allerdings sagen, fing sich die Mannschaft so ein bisschen. Man gewann auswärts überzeugend gegen Nürnberg, einem direkten Konkurrenten im Abstiegskampf, verlor aber im Gegenzug wieder bei Mannschaften aus dem oberen Tabellendrittel (Gladbach, Leverkusen, Wolfsburg). Unterm Strich war es wieder eine Mischung aus den genannten negativen Faktoren. Ich setze sehr viel Hoffnung in Weinzierl, da ich von ihm als Trainer schon vor seinem Amtsantritt durchaus überzeugt war. Er hat in Augsburg bewiesen, dass er das absolute Maximum aus einer Mannschaft herauskitzeln kann. Auch sehe ich ihn als taktisch sehr versiert an, mit einem Händchen für junge Spieler. Man hat auch den Eindruck, dass er eine durchaus sehr positive Energie auf die Mannschaft ausstrahlt. Diese Einschätzung hat sich auch bei meinem letzten Trainingsbesuch bestätigt.

Die Auswärtspleite der 05er aus der Vorsaison soll sich, wenn es nach den Mainzern geht, nicht wiederholen. (Foto: Rheinhessen on Tour)

Die Auswärtspleite der 05er aus der Vorsaison soll sich, wenn es nach den Mainzern geht, nicht wiederholen. (Foto: Rheinhessen on Tour)

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In der Winterpause wurde verkündet, dass Benjamin Pavard (der am Wochenende gegen Mainz vermutlich verletzungsbedingt fehlen wird) im Sommer zu den Bayern wechselt. Schmerzt der Abgang den Verein, oder sind die 35 Millionen kolportierte Ablöse ein guter Deal für den VfB? Ist schon Ersatz für den Weltmeister-Verteidiger in Sicht?

Sicherlich schmerzt es, wenn ein solch herausragender Spieler wie Benji geht. Wobei man sich ja in diesem Fall darauf einstellen konnte, denn nach seiner starken Leistung bei der WM war der Abgang quasi schon beschlossene Sache und nur noch eine Frage der Zeit. So ist das Geschäft, und ich kann durchaus verstehen, dass ein Spieler mit solch großem Potenzial nach Höherem strebt. Dass es dann ausgerechnet die Bayern sind, ist nicht ganz so einfach für den leidenschaftlichen Brustingträger. Genauso hat die durchaus aus meiner Sicht gefahrene Ego-Schiene bei der Verkündung des Transfers durch „Brazzo“ ein Gschmäckle, wie man bei uns im Ländle sagt. Die 35 Millionen sind durchaus ein brauchbares Trostpflaster, das aber bei einem Verkauf im Sommer oder jetzt sicherlich höher ausfallen würde. Wie ich gelesen habe, wären die Bayern einem Wintertransfer nicht abgeneigt. Warten wir mal die nächsten Tage noch ab …
Der Nachfolger wurde ganz frisch vor ein paar Stunden präsentiert: Mit Ozan Kabak (18) wechselt eines der momentan begehrtesten Talente im europäischen Fußball zu uns nach Cannstatt und unterschreibt einen Vertrag bis 2024. Er spielt wie Pavard auf der Innenverteidiger Position, hat in dieser Saison sein Debüt in Süper Lig und Champions-Legaue gefeiert. In der Türkei wird er als kommender A-Nationalspieler gesehen, in der U-18 ist er bereits Stammspieler. Sicherlich eine Investition in die Zukunft, die ihre Nachhaltigkeit letztendlich auch unter Beweis stellen muss. Der Spieler hat meiner Meinung nach auf jeden Fall das Zeug dazu, ein würdiger Nachfolger von Pavard zu werden. Gleichzeitig stellt man einen neuen Transferrekord auf: 11,5 Millionen hat man vom Neckar an den Bosporus zu Galatasaray Istanbul überwiesen. Dies zeigt vielleicht auch nochmals, welcher Druck bei den Verantwortlichen lastete, eine solch große Summe im Winter aufzubringen.

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Für die Rückrunde wurden zuvor bereits Alexander Esswein und Steven Zuber geliehen. Wie sehr können die beiden tatsächlich helfen? Und was hältst du grundsätzlich von den Leihen? So richtig in die Zukunft des Kaders wurde in der Pause (neben Kabak) ja nicht investiert. Wie ist generell deine Meinung zu Michael Reschke?

Ich denke, kurzfristig gesehen können beide die Durchschlagskraft in der Offensive erhöhen und auch Weinzierl mehr Spielraum und Flexibilität ermöglichen. Auch entsteht so eine neue Konkurrenzsituation, welche bei den vorhandenen Spielern noch die letzten fehlenden Prozent herauskitzelt. Wie sehr Sie dann beide tatsächlich helfen in Form von Toren und Scorerpunkten, bleibt abzuwarten, da lehne ich mich nach dem Sommer nicht mehr zu sehr aus dem Fenster. Positiv zu sehen ist, dass beide Spieler bereits Erfahrung in der Bundesliga vorweisen, und somit auch keine lange Eingewöhnungszeit benötigen. Dass der Wintertransfermarkt immer sehr schwierig ist, speziell für Vereine wie uns, ist ja kein großes Geheimnis. Wir waren ja an vielen dran, unter anderem auch Hermann von Gladbach oder Solanke, wo es dann letztendlich nicht geklappt hat. Bei Esswein haben wir eine Kaufoption eingebaut. Bei Zuber war es leider aufgrund seines noch laufenden Vertrages bis 2020 erstmal nicht möglich. Natürlich wäre es schöner, Planungssicherheit zu haben, da aber erst einmal der Saisonverlauf abgewartet werden muss, ist die Leihe ein durchaus sinnvolles Werkzeug, um kurzfristig seine neu gesteckten Ziele zu erreichen.
Mit Kabak geht man ja schon in die Richtung Zukunft des Kaders. Des Weiteren haben wir zwei Jungs aus der eigenen Jugend, Aidonis und Dajaku, beide 2001er Jahrgang, welche auch nach ersten Aussagen längerfristig an den Club gebunden werden sollen und bereits ihr Debüt in der Liga feiern durften. Ich denke, dieses Thema sollte man auch erst angehen, wenn man genau weiß, wohin die Reise führt. Generell halte ich von Herrn Reschke sehr viel, da ich seine Kompetenz besonders im Bereich Spielerscouting sehe. Seine Außendarstellung ist leider manchmal nicht die Beste, weshalb er sich selbst auch oft ein wenig um Kopf und Kragen redet und bei vielen Fans Sympathiepunkte einbüßt. Man muss aber sagen, dass er sich an dem jetzigen, nochmals optimierten Kader messen lassen muss. Daher wird seine Zukunft sehr eng verknüpft mit der Leistung der Mannschaft in der Rückrunde sein.

Markus Weinzierl bei seiner ersten Trainingseinheit in Stuttgart. (Foto: Jeollo von VfB-exklusiv.de - Own work, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73518164)

Markus Weinzierl bei seiner ersten Trainingseinheit in Stuttgart. (Foto: Jeollo von VfB-exklusiv.de – Own work, CC BY 3.0)

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In den Artikeln zum Trainingslager und dem Rückrundenauftakt ist immer wieder die Rede davon, Markus Weinzierl wolle „mit Wucht“ spielen lassen. Wie siehst du seinen Ansatz als Trainer? Glaubst du, mit einem Team, das künftig auch nach seinen Vorstellungen gebildet wird, kann er eine langfristige Lösung für den VfB sein?

Ich sehe diesen Ansatz als sehr positiv an. Als schwächste Offensive der Liga darfst du auch eigentlich keinen anderen haben. Die zweite Frage baue ich gleich mit ein, zu dieser Aussage passen ja auch Zuber und Esswein sehr gut. Beides sind Spieler mit „Wucht“ beziehungsweise verkörpern diesen Typus. Somit ist dies der erste, wenn auch kleine Schritt in Richtung Teamoptimierung nach Weinzierls Geschmack. Und mehr ist auch meines Erachtens erstmal nicht möglich. VfB und langfristige Lösung auf der Trainerposition? Ein ziemlicher Widerspruch. Darum lass uns mal in einem Jahr nochmals sprechen, dann kann ich dir bestimmt eine bessere Antwort geben.

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Auf was sollten sich die Mainzer beim Spiel in Stuttgart am Wochenende einstellen? Was ist dein Tipp für die VfB-Taktik und wie wird das Spiel ausgehen?

Auf einen Gegner, der mit dem Rücken schon ein bisschen zur Wand steht und alles raus hauen wird um vor heimischen Publikum, die Aufholjagd zu starten. Es wird sehr viel über den Kampf gehen, da beide Mannschaften nicht gerade für ihre filigrane Spielweise bekannt sind. Taktisch wird es hinten sehr wahrscheinlich auf eine kompakte Viererkette hinauslaufen, zuletzt war das Ganze dann in einem 4 2 3 1 oder auch einem 4 1 4 1 angeordnet. Diese Spielformen wurden auch im vergangenen Trainingslager hauptsächlich einstudiert. Ich denke in dieser Hinsicht wird sich Weinzierl auf keine Experimente einlassen. Mein Tipp lautet: ein knappes, schwer erkämpftes 2:1 für den VfB!

KOMPAKT
Der VfB Stuttgart ist der beste Club der Welt, weil … er nie langweilig wird und zu Stuttgart gehört, wie die Fastnacht und Ernst Neger zu Mainz!
Was ich an unserem Stadion besonders liebe, ist … natürlich die Cannstatter Kurve! Ihre Atmosphäre, ihr Duft und ihre Menschen!
Mein ewiger Lieblingsspieler ist eindeutig … Sami Khedira!
Wer Stuttgart besucht, sollte unbedingt … den Fernsehturm (Schwindelfreiheit vorausgesetzt), den Schlossplatz mit unseren beiden Schlössern, die Grabkapelle auf dem Württemberg und das Mercedes-Benz oder Porsche Museum besuchen!
Besonders lecker essen Gästefans … im Palm Beach oder PSV. Beides unmittelbar in Stadionnähe!

Vielen Dank für das Gespräch!

LETZTE WORTE
Wenn es um die Torwartposition geht, hat Mainz 05 ein echtes Luxusproblem. Mit Florian Müller und Robin Zentner hüteten in der Hinrunde gleich zwei Talente aus der eigenen Jugend den Kasten, Jannik Huth und U23-Keeper Finn Dahmen stehen ebenfalls jederzeit bereit und dann gibt es da auch noch den verletzten, ehemaligen Nazionaltorwart René Adler. Nach der Verletzung von Flo Müller rotierte bekannterweise Robin Zentner ins Tor und machte seine Sache dort ebenfalls verdammt gut, insofern stellte sich vor dem Rückrundenauftakt die Frage, wem das Trainerteam den Vorzug geben würde. Das steht nun fest und wurde in der Pressekonferenz am Donnerstag auch bereits verkündet: Die Trainer bleiben bei ihrer Entscheidung aus dem Sommer und gehen mit Florian Müller als neuer, alter Nummer Eins in die zweite Saisonhälfte.

Interview: Mainz 05-Krimi „Im Schatten der Arena“ – Homosexualität im Fußball darf kein Tabu mehr sein

Vor genau einem Jahr bist du in die letzte intensive Schreibphase an deinem Mainz-05-Krimi Im Schatten der Arena gestartet. Was ist seither passiert?
Viele wunderbare Dinge. Zum einen habe ich den Roman vier Wochen später abgegeben, so dass er am 5. Mai erscheinen konnte. Im Hugendubel in Mainz am Brand fand die Premiere statt und das war ein wirklich schöner Abend. Auch insgesamt waren die Lesungen in den letzten Monaten ganz speziell, sei es die tolle Veranstaltung mit Lotto Rheinland-Pfalz zugunsten der DKMS, der Abend mit Mainz 05 hilft e.V. und den Classics in der Opel Arena oder die Lesung im Fanhaus Mainz. Das waren viele besondere Begegnungen und ich habe tolle Rückmeldungen bekommen.

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Dein Buch ist in der Sparte Regionalkrimi verortet. Welche Vorteile siehst du darin – und was können wiederum Nachteile sein?
Ein Vorteil ist definitiv, dass Regionalkrimis ein bestimmtes Publikum haben. Wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob die ein Buch mit Fußballbezug auch so selbstverständlich lesen. Beim Schreiben ist es einfach schön, sich bewusst durch eine vertraute Umgebung zu bewegen und reale Orte einzubeziehen in die Handlung – eben diese Wiedererkennungseffekte sind für viele Leser auch ein Reiz bei Regionalliteratur. Ein Nachteil ist umgekehrt wohl, dass es schwieriger ist, Leute zu erreichen, die weder mit Mainz noch mit den 05ern so viel am Hut haben, obwohl im Buch auch noch ganz andere Themen stecken.

Es wäre verfehlt, ‚Im Schatten der Arena‘ schlicht als Fußball-Krimi mit Lokalkolorit ins Regal zu sortieren. Mara Pfeiffer schafft es, mit den Mitteln des Genres und einer fluffig schnörkel- und hemmungslosen Schreibe ein nach wie vor großes gesellschaftliches Tabu zu thematisieren: Homosexualität im Profifußball.
Meike Kolodziejczyk, Frankfurter Rundschau

Welche sind das? Und warum hast du dich für genau diese Schwerpunkte entschieden?
Dafür muss ich ein bisschen ausholen. Die Idee für den Mainz-05-Krimi gab es im Societäts-Verlag ja schon, bevor klar war, dass ich die Autorin sein würde. Das hat sich dann in den Gesprächen zwischen mir und Verlagsleiter René Heinen herauskristallisiert. Ich habe mir also erst nach der Zusage konkrete Gedanken gemacht, was mir im Roman wichtig ist. Da waren einige Dinge sehr schnell klar, zum Beispiel, dass ich eine starke weibliche Hauptfigur erschaffen möchte. Das war eine ganz bewusste Entscheidung, auch, weil Frauen nach wie vor viel zu wenig stattfinden als zentrale Figuren, wie generell im Literaturbetrieb und den Medien (Lese-Empfehlungen dazu hier und hier). Außerdem hat sich für mich sehr schnell herauskristallisiert, dass ich mich dem Thema Homophobie im Fußball widmen möchte.

Warum war dir das so wichtig? Gab es konkrete Anlässe oder Personen, die als eine Art Vorbild dienten?
Ich finde die Diskussion um homosexuelle Liebe insgesamt aberwitzig und im Fußball nach wie vor zugespitzt katastrophal. Wir schreiben das Jahr 2019 und einige diskutieren ernsthaft darüber, ob Frauen auch Frauen oder Männer auch Männer lieben dürfen, das kann ich nicht nachvollziehen. Die Vorstellung, dass Menschen das Gefühl vermittelt wird, sie dürften einen elementaren Teil ihres Wesens nicht ausleben, dieses aufgezwungene Versteckspiel, generell das gesellschaftliche Ansinnen, da Vorschriften zu machen oder die Arroganz, sich ein Urteil zu erlauben, wenn es um die natürlichste Sache der Welt geht, das kotzt mich alles komplett an. Bewegt haben mich in den letzten Jahren dazu zwei konkrete Anlässe, zum einen das Coming-Out von Thomas Hitzlsperger im Januar 2014. Zum anderen der Song „Der Tag wird kommen“ auf der Soloplatte von kettcar-Sänger Marcus Wiebusch, der das Thema großartig behandelt.

Hattest du mit den beiden im Vorfeld Kontakt?
Tatsächlich habe ich Marcus Wiebusch kontaktiert, um zum einen abzuklären, ob ich seinen Song im Buch verwenden darf. Zum anderen habe ich ihn für ein Interview angefragt, das im Krimi eine Rolle spielt bei den Recherchen der Hauptfigur Jo. Beidem hat er glücklicherweise zugestimmt, wofür ich ihm sehr dankbar bin.

Wie sind denn die Reaktionen auf den Krimi ausgefallen?
Insgesamt habe ich sehr viel positives Feedback bekommen, was mich ehrlich freut. Unter anderem habe ich eine Leserunde bei Lovelybooks veranstaltet, auf Amazon finden sich einige Rezensionen und es gab Besprechungen in verschiedenen Blogs und Zeitungen. Kritik gab es vor allem an einem Punkt, nämlich, dass gegen Ende alles etwas zu schnell geht. Das war tatsächlich auch mein Gefühl, ohne, dass ich es im Schreibprozess konkret fassen konnte. Letztlich ist das (m)ein Lernprozess in Bezug auf weitere Bücher, den ich aus der Erfahrung dieses ersten Romans mitnehme. Insgesamt hatte ich mir ehrlich gesagt erhofft, gerade das Thema Homophobie im Fußball würde rund um das Buch etwas intensiver diskutiert, weil ich die Auseinandersetzung nach wie vor unfassbar wichtig finde. Auf der anderen Seite gibt es wunderschöne Besprechungen, in denen Details aufgegriffen sind, die mich echt baff machen, wie im Podcast „2 READ or not 2 READ“, der dem Thema Trauer im Roman sensibel nachspürt. Meike Kolodziejczyk hat den Krimi für die FR wunderbar analysiert, im Literatur-Podcast Feuilletöne gab es eine wunderbare Kritik und je länger ich darüber nachdenke, umso mehr schöne Beispiele fallen mir ein.

Am allerbesten finde ich, dass endlich das Thema Homosexualität im Fußball aufgenommen wird. Ich arbeite jeden Tag mit Jugendlichen zusammen und die brauchen Vorbilder (…) und die Gewissheit, dass es okay ist, dass sie sind, wie sie sind. Und wenn sie transgender oder homosexuell oder bisexuell sind, dann muss das genauso normal sein. Und das muss vorgelebt werden. Nicht nur von Menschen in ihrem Umfeld, sondern auch von berühmten Persönlichkeiten. Die dazu stehen. Und die kein Problem haben, darüber zu sprechen. Danke als Lehrerin, dass Du das Thema ansprichst.
Eva Gehrlein

Also hinterlässt dich das, was rund um den Krimi passiert ist, wunschlos glücklich?
Fast. Ich würde mir unbedingt wünschen, dass wir gesellschaftlich nicht weitermachen mit der Rolle rückwärts, die sich in einigen Bereichen in den letzten Monaten angedeutet hat, sondern gemeinsam einstehen für ein gutes Miteinander, eine offene Gesellschaft ohne Vorurteile und Mauern im Kopf. In Sachen Roman dürften gerne die Verkaufszahlen noch ein bisschen steigen. Insofern freue ich mich, wenn alle, die das Buch mochten, schamlos dafür trommeln. Wer weiß, vielleicht bekommt die Geschichte dann sogar eine Fortsetzung…

[Was noch zu fragen war: Selbstinterview.]

Flutlicht statt Gegnerbetrachtung zum Jahresausklang

Flutlicht

Normalerweise findet sich an dieser Stelle zwei Tage vorm Auswärtsspiel die Gegnerbetrachtung, also das Interview mit JournalistInnen, BloggerInnen oder PodcasterInnen aus dem Umfeld des gegnerischen Vereins. Da vor Weihnachten die englische Woche, ein hohes Arbeitspensum und letzte Vorbereitungen fürs Fest auch noch mit einer fiesen Erkältung zusammenfallen, habe ich mir erlaubt, das Interview zum Spiel in Hoffenheim ausfallen zu lassen. Möglicherweise hole ich das vorm letzten Spiel der Saison nach, jetzt steht aber nach einem bunten, schönen, auch sehr vollen Jahr erstmal der Weihnachtsurlaub an. Mit meiner Online-Kolumne bei der Allgemeinen Zeitung geht es am 10. Januar weiter, die Videokolumne Wortpiratin rot-weiß kehrt am 16. Januar zurück.

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Einen großen Termin gibt es aber noch vor dem Fest: Am Sonntag, 23. Dezember, bin ich ab 21.45 Uhr im SWR Flutlicht zu Gast. Thema dort wird die Bedeutung der Fans für den Fußball sein. Mit mir im Studio ist Frederik Paulus von Der Betze brennt, es moderiert Christian Döring. Mailt mir gerne auch schon vorab eure Meinung und schaltet am Sonntagabend ein.

Frohe Weihnachten!

05-Gegnerbetrachtung: Politik und Fußball bei RB Leipzig

Die Gegnerbetrachtung ist zurück. Vor jedem Auswärtsspiel des 1. FSV Mainz 05 spreche ich mit PodcasterInnen, JournalistInnen oder BloggerInnen aus dem Umfeld des gastgebenden Vereins. Diesmal erzählt mir Levi vom Fanzine Seelenbinder, wie er Fan von RB Leipzig wurde und warum Politik und Fußball für ihn und die Red Aces nicht zu trennen sind.

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Hallo Levi. Wir wollen heute über das Spiel des FSV Mainz 05 am Wochenende in Leipzig und über deinen Verein sprechen. Danke, dass du dir die Zeit dafür nimmst. Zusammen mit anderen Fans veröffentlichst du das Fanzine Seelenbinder. Wie habt ihr euch gefunden und was sind eure inhaltlichen Schwerpunkte?

Red AcesDa das Heft von den Red Aces (eine der aktiven Fangruppen) herausgebracht wird, mussten wir uns nicht wirklich zusammenfinden. Die Gruppe war schon da, man brauchte bloß allerhand Zeit zur Planung und Intensivierung des Vorhabens, was aber schlussendlich glückte, so dass wir nun seit knapp zwei Jahren jedes Heimspiel veröffentlichen. Klassische Themen sind natürlich Spielberichte zu den Heim- und Auswärtsauftritten, die Gegnerbetrachtung, Themen der Fanszene, Shortcuts zur Fußball- und Ultrawelt. Nicht selten geht es aber auch über den Tellerrand hinaus und wir widmen uns aktuell politischen und gesellschaftlichen Prozessen in den Stadien, der Stadt oder sonstigen Themen, zu denen wir uns gern äußern wollen. So erscheint der Seelenbinder in der Regel 18 bis 32 Seiten stark.

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Du hast mir netterweise einige Ausgaben geschickt und so weiß ich, dass ihr – wie du selbst sagst – weit über euren eigenen Tellerrand schaut. Im März hattet ihr Friedensaktivistin Clara Zetkin auf dem Cover, weil parallel zum Heimspiel in Leipzig die Frauenkampftagsdemo stattgefunden hat. Wie eng seht ihr die Verknüpfung von Sport und Politik und woher kommt die Bereitschaft zu einer so intensiven Auseinandersetzung, die ja (leider) nicht selbstverständlich ist?

Da wir mehr oder weniger alle in Sachsen aufgewachsen sind, manche auch in ländlichen Bereichen rund um Leipzig, sah man sich früh mit Themen wie Rechtsradikalismus und Rassismus konfrontiert. Man hat sie hautnah miterlebt und sicherlich hätte man sich der Verantwortung entziehen können, aber das kam für uns zu keinem Zeitpunkt in Frage. Wir sind nicht erst durch den Fußball politische Menschen geworden, allerdings hat er sicherlich dennoch zu unserer Politisierung beigetragen. Wir gehen fast alle von Anfang an zu Rasenballsport und der Verein stellt in puncto Publikum keine Ausnahme dar. Er lockt mitunter die gleiche Klientel an, die in Sachsen schon seit Jahrzehnten für Schlagzeilen sorgt. Da war es für uns recht früh klar, dass wir da, wenn nötig, gegensteuern, und uns offen für eine diskriminierungsfreie Kurve einsetzen, antirassistische Arbeit fördern und Projekte angehen.

Seelenbinder

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Benannt habt ihr euch nach dem in Stettin geborenen Ringer Werner Seelenbinder. Könnt ihr den meinen Lesern kurz vorstellen und euren Bezug zu seiner Person erklären?

Wenn man über die Leipziger Festwiese zu unserem Stadion schlendert, kommt man unweigerlich an einem großen Turm vorbei, der genau zwischen Stadion und Festwiese steht und den Panoramablick abrundet. Den meisten Leuten in der Stadt ist dieser Turm als „Glockenturm“ bekannt, wenngleich er eigentlich einen anderen Namen trägt, nämlich den des Ringers und Kommunisten Werner Seelenbinder. Die Namensgebung kommt selbstverständlich noch aus DDR-Zeiten. Als wir auf Namenssuche für unser Fanzine waren, kam uns die Geschichte wieder in die Köpfe. Werner Seelenbinder war, wie schon erwähnt, ein Ringer, Gewichtheber und Ikone des deutschen Arbeitersports. Bei den deutschen Meisterschaften im Ringen 1933 verweigerte er den Hitlergruß zur Siegerehrung. Für die Olympischen Spiele 1936 wollte Seelenbinder auf dem Podium zur Siegerehrung einen Appell gegen die NSDAP-Diktatur und den Faschismus halten, belegte schlussendlich allerdings nur Rang 4 und musste so von seinem Plan absehen. Er intensivierte in den weiteren Jahren seine Kontakte zu mehreren Untergrundzellen der KPD, wenngleich er unter ständiger Beobachtung der Gestapo stand. Schlussendlich flogen die Widerständler auf und Seelenbinder durchlebte zwei Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern und Zuchthäusern, ehe er 1944 enthauptet wurde. Wir wollen mit unserem Fanzine-Namen natürlich auch unweigerlich an seine Person, seine Geschichte und den Widerstand gegen die Nazis erinnern.

Geprägt von der Liebe zu unserer Stadt und zum Sport begaben wir uns freiwillig in die Fesseln der Gefangenschaft Rasenballs. Ohne dabei je den kritischen Umgang mit dem Verein und seiner besonderen Stellung im Bund der deutschen Fußballclubs außen vor zu lassen. Unser Engagement lebt vom Einsatz jedes Einzelnen, niemand ist mehr, niemand ist weniger. Jedoch verurteilen wir Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Sexismus aufs Schärfste.
aus dem Leitbild der Red Aces

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Ich gebe es zu: Wenn ich an RB Leipzig denke, sind da Dietrich Mateschitz, Brauseplörre und viel Unwillen gegenüber diesem Kunstprodukt im Fußball. Wie passt eure Fanarbeit zu genau diesem Verein, wann seid ihr Fans geworden und wie seid ihr innerhalb der Szene vernetzt?

Ich für meinen Teil war 2009 noch in der Schule und bin mit ein paar Leuten von dort in der ersten Saison immer mal nach Markranstädt rausgefahren, wo Rasenballsport damals gespielt hat. Die Besuche wurden schnell sehr regelmäßig, dann ging es für uns erst auswärts und auf einmal war man eigentlich mittendrin. Die Geschichten der meisten Leute aus unserem Kreis sind relativ deckungsgleich, würde ich meinen. Wir hatten die Möglichkeit, Strukturen von ganz unten auf komplett neu aufzubauen. Das war natürlich ein Faktor, der uns damals als Teenager extrem gereizt hat. Auf einmal hatte man da Verantwortung und die Möglichkeit, einfach mal was draus zu machen. Bis heute hat sich daran natürlich nicht allzu viel verändert, auch wenn wir alle ein paar Dinge mehr zu erzählen haben als damals und die Reisen mittlerweile quer durch Europa anstatt nach Meuselwitz und Bischofswerda gehen. Wir sind sicherlich einer der großen Motoren innerhalb der Szene geworden. Die Red Aces und ihre Jugendgruppe stellen die größte Ultragruppe, wenn man das so nennen mag. Ansonsten gibt es noch den rasenballisten e.V., der von einigen Leuten der genannten Gruppen und anderen Menschen aus einer Interessensgemeinschaft, die es bereits seit 2009 gab, im Jahr 2015 in einen e.V. umgewandelt wurde. Darüber organisieren wir unsere Auswärtsfahrten, betreiben einen Fanstand am Stadion und eine Vielzahl anderer Dinge werden ebenfalls darüber abgewickelt.

„Fußball ist und bleibt für uns weltoffen, bunt und vielfältig.“ – Red Aces Leitbild. (Foto: privat)

„Fußball ist und bleibt für uns weltoffen, bunt und vielfältig.“ – Red Aces Leitbild. (Foto: privat)

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Ein paar Details zu eurer Einstellung zum Fußball, Fanarbeit und dem Club kann man auf der Homepage der erwähnten rasenballisten e.V. nachlesen. Was sind die Schwerpunkte eurer Arbeit und wie viel Zeit investiert ihr neben dem Platz in den Fußball?

Wie sicherlich schon rübergekommen ist, nehmen der Fußball und unsere Gruppe extrem viel Zeit in Anspruch und stellen einen großen Teil unseres Lebens dar, zweifelsohne. Unsere Schwerpunkte liegen im Stadion, wir wollen die Szene besser aufstellen und möglichst guten Support schaffen, Leute vernetzen, begeistern und natürlich Spaß haben, uns ausleben! Dazu gehört natürlich auch der ständige Dialog mit anderen Fans und dem Verein. An anderen Stellen sind wir aber auch aktiv und bringen uns ein. Wir organisieren mindestens einmal im Jahr eine große Kleiderspende für bedürftige LeipzigerInnen, bringen jedes Jahr einen Soli-Kalender für einen guten Zweck raus, bei dem der letztjährige Gewinn beispielsweise an eine Geflüchtetenunterkunft ging, um diese vor Ort zu unterstützen. Anfang November beteiligten wir uns am Leipziger Büdnis „Initiativkreis 9. November“, der eine große Erinnerungsdemonstration anlässlich des 80. Jahrestages der Reichspogromnacht organisierte. Als der Leipziger Pegida-Ableger vor ein paar Jahren durch unsere Straßen zog, sind wir ebenfalls aktiv geworden und haben Dinge organisiert. Kurz gesagt, ist es uns schon extrem wichtig, was sich vor dem Stadion abspielt, wenn doch wir unsere Hauptaufgabe im Stadion und auf den Rängen sehen.

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Viele Fußballfans würden die Frage, ob Leipzig auf dem Weg dahin ist, ein Verein wie jeder andere zu werden, nach wie vor leidenschaftlich verneinen. Wie seht ihr selbst euren Club, welche Entwicklung erhofft ihr euch, auch neben dem Platz, für die kommenden Jahre?

Sicherlich ist Rasenballsport ein ganz schönes Kuriosum, das uns dennoch ganz schön fesselt. Die Entwicklung, die der Verein hingelegt hat, ist einerseits beachtlich und hinterlässt anderseits natürlich Spuren. Die Schattenseite des raschen sportlichen Erfolgs bekommt man als aktiver Fan relativ schnell zu Gesicht, ohne lange danach suchen zu müssen. Dadurch, dass die Fokussierung klar auf den sportlichen Erfolg ausgerichtet war, entstanden Defizite im CSR-Bereich, sowie im Aufbau einer gut arbeitenden Fanbetreuung. Da wurde dann ein Ex-Spieler auch mal schnell zum neuen Fanbeauftragten, ohne überhaupt Ahnung davon beziehungsweise Erfahrung in diesem Bereich zu haben. Es war teilweise schwierig, zwischen Fans und Verein zu vermitteln, da beide Seiten nicht so recht wussten, wie man Verständnis füreinander schafft. Häufig waren dabei die Fans die Leidtragenden. Für uns Fans war es schwierig, hinter der Vereinsarbeit eine gewisse Linie oder einen Stil zu erkennen, Absprachen wurden nicht eingehalten oder vergessen. Mittlerweile hat sich da aber auch etwas getan, es gibt einen offenen und ständigen Dialog, der von beiden Seiten gut angenommen wird. Für die kommenden Jahre hoffen wir natürlich, dass sich genau diese Sachen gut entwickeln, man auf einer gegenseitigen Vertrauensbasis arbeitet und gemeinsam Dinge in den Blick nimmt. Wir wollen beispielsweise auch eine „AntiDiskriminierungs AG“ ins Leben rufen, in der Fans und Verein zusammen für einen inklusiven und bunten Fußball und ein offenes Stadionklima arbeiten. In der Kurve wäre es natürlich ebenfalls optimal, wenn wir in diese Richtung weiterarbeiten und enger für gemeinsame Ziele zusammenrücken. Es gibt noch so viel zu tun bei uns in der Kurve, im Stadion, im Verein, das könnte man gar nicht alles aufzählen. Aber wir sind gewillt, Dinge anzupacken.

Leipziger Spruchbänder beim Spiel in Glasgow. (Foto: privat)

Leipziger Spruchbänder beim Spiel in Glasgow. (Foto: privat)

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Die Saison der Leipziger verläuft geprägt von Höhen und Tiefen. Der vierte Platz hinter den Borussen und München dürfte euch zufrieden stimmen, die Spielweise und -ergebnisse sind aber wechselhaft, was zuletzt die Niederlage in Freiburg zeigte. Wie beurteilt ihr insgesamt die bisherige Bundesligasaison des Vereins? Wohin kann die Reise noch gehen?

Eine gewisse Ambivalenz ist sicherlich nicht zu verneinen. Allerdings spielen wir durch die lästige EL-Quali und die damit einhergehenden sechs zusätzlichen Spiele auch schon ein wenig länger und die Mannschaft hat knapp 30 Pflichtspiele absolviert. Das verlangt den Spielern natürlich allerhand ab, gerade auch bei der schmalen Kaderstärke. Nachdem die Mannschaft mit einer Niederlage, einem Unentschieden und einem Sieg in die Saison gestartet war, kamen dann die Salzburg-Niederlage im Hinspiel und anschließend zehn Spiele ohne Niederlage. Das war schon beachtlich, was die Spieler da aus sich herausholten. Danach gab es zumindest auswärts keine Punkte mehr. Im Dreisamstadion in Freiburg geriet man dann völlig unter die Räder, den Spielern gelang es nahezu keinen einzigen Ball zu erobern. Dennoch sollten wir alle mit dem vierten Platz hochzufrieden sein und uns darüber freuen, dass wir so weit oben stehen. Ich glaube, dass wir nach dem 34. Spieltag nicht weiter oben stehen, aber hoffe doch, dass es dafür reicht, in der nächsten Saison wieder international zu spielen. Wer träumt nicht davon, quer durch Europa zu reisen?

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Vor der Saison hat man sich entschieden, mit Ralph Hasenhüttl nicht zu verlängern. Da der Wunschtrainer Julian Nagelsmann erst zur kommenden Spielzeit frei wird, sitzt in dieser nun Ralf Rangnick auf der Bank. Wie beurteilt ihr diesen Prozess und seine aktuelle Arbeit?

Das war schon ganz schön absurd, dass man eine Woche vor dem Trainingsstart in die neue Saison keinen Cheftrainer hatte. Nicht einmal die Spieler wussten, wer es denn werden würde. Ralph Hasenhüttl war ein absoluter Publikumsliebling, er war extrem beliebt und sein Abschied tat weh, sorgte in Teilen auch für Unverständnis und Wut. Als Sportdirektor ist Ralf Rangnick sicherlich unter den meisten Fans sehr beliebt, als Trainer scheint er allerdings nicht so recht anzukommen. Allerdings kam ja auch aus Mannschaftskreisen immer wieder die Aussage, dass man sich für das Übergangsjahr eine zentrale Rolle von Rangnick innerhalb des Teams wünscht. Dass Ralle am Ende selbst Cheftrainer wird, überrascht kaum. Mit Robert Klauß hat er einen aus der 2009er Mannschaft von Leipzig in die Position Co-Trainer behoben, das ist schon eine coole Sache. Klauß war zuvor U19 Coach und glänzte bei den Trainerlehrgängen als Klassenbester. Es sind eher Aussagen Rangnicks, die immer wieder für Unverständnis sorgen. Nach der Niederlage in der EL in Salzburg verriet Rangnick, dass sich innerhalb der Mannschaft gerade keiner mit der EL beschäftigen würde und sie quasi keine Bedeutung hätte. Nicht nur unglaublich arrogant gegenüber allen Clubs, die es einmal schaffen, international zu spielen, sondern auch ein Schlag ins Gesicht aller Fans, die ihre Mannschaft durch die Quali-Runden und die Gruppenphase hinweg begleiteten. Dass dann zum letzten Spieltag gegen Trondheim zuhause gerade einmal knappe 20.000 Menschen ins Stadion kommen, obwohl die Mannschaft noch weiterkommen kann, sollte ihn nicht allzu sehr wundern. Alles in allem sind wir relativ froh, wenn Rangnick wieder von der Trainerbank verschwindet und sind gespannt, wie die Ära Nagelsmann beginnt.

Timo Werner hat Hunger. (Foto: privat)

Timo Werner hat Hunger. (Foto: privat)

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In der Europa League ist die Mannschaft in der Gruppenphase gescheitert. Zudem hat sie beide Spiele gegen RB Salzburg verloren. Wie sehr schmerzt das frühe Aus – und welche Lehren kann der Verein daraus ziehen?

Selbstverständlich ist es immer scheiße und tut weh, wenn man verliert oder ausscheidet, gar keine Frage. In unserer Gruppe vor allem ein überflüssiges und unnötiges Ausscheiden, das vermeidbar gewesen wäre. Allerdings haben wir ja diese Saison durch die Qualifikation bereits zwölf internationale Spiele gehabt. Es dürften gerne noch mehr sein, der Geldbeutel wird sich als einziger freuen, dass wir ausgeschieden sind. Die ganze internationale Saison war sicherlich für die Mannschaft extrem kräfteintensiv und anstrengend, es ging weit durch Europa und kreuz und quer. Gerade die Qualifikation spielte man ja am Stück in sechs Wochen runter. Die Lehre, die man daraus ziehen kann, ist sicherlich, dass es wesentlich stressfreier ist, sich direkt zu qualifizieren. ;)

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In der Liga hat Leipzig zuletzt wie angesprochen ungewöhnlich hoch gegen Freiburg verloren. Zuvor gab’s den souveränen Sieg gegen Gladbach, davor allerdings auch eine Niederlage in Wolfsburg. Würdet ihr dem Team eine Auswärtsschwäche attestieren? Woher kommen die aktuellen Wackler in der Defensive?

Auswärts scheinen wir diese Saison tatsächlich nicht so recht in die Spur zu kommen. Das fing ja schon zu Beginn der Saison an, als man keines der Auswärtsspiele während der EL-Quali gewinnen konnte und immer unentschieden spielte. In der Bundesliga gelang es nur in Berlin und Hoffenheim, zu gewinnen. Das sind dann natürlich aber auch gleich wieder sechs Punkte, mit denen du nicht unbedingt fest rechnen würdest. International konnte man einzig und allein das Spiel in Trondheim für sich entscheiden, dafür auch recht deutlich. In Glasgow und Salzburg gab es für die Rasenballer nichts zu holen. Ja, irgendwie scheint es auf den fremden Plätzen nicht so zu laufen, das lässt sich ja relativ schnell erkennen. Aber vielleicht läuft es ja in der Rückrunde besser und die Mannschaft bessert die Statistik auf. Dann können wir am Saisonende noch einmal darüber sprechen, ob man es nun Auswärtsschwäche nennt oder nicht. In der Bundesliga steht man allerdings mit den wenigsten Gegentoren da. Sicherlich auch ein großer Verdienst von Gulácsi, der gerade in dieser Saison noch einmal über sich hinauswächst, extrem stark spielt und in Leipzig der absolute Publikumsliebling ist. Die Wackler in der Defensive sind ja meistens auch auf ein schlechtes Individualverhalten zurückzuführen, wie man in Freiburg sehen konnte. Gerade auch das Comeback von Halstenberg nach seiner schweren Verletzung lief gut und er konnte sofort eine tragende und wichtige Rolle im Spiel übernehmen. Saracchi, der erst seit Beginn der Saison bei uns ist, spielte vor allem in der EL-Quali gut auf und zeigte ordentlich Einsatz und seine Stärken im offensiven Spiel. Wenn Upamecano und Konaté ihre volle Stärke abrufen und das Duo in der Innenverteidigung bilden, gehören sie für mich zu den stärksten auf ihrer Position in der Bundesliga. Bei beiden darf man auch nicht vergessen, dass sie zusammen immer noch jünger sind als Buffon alt ist – das nur am Rande. 

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Vor heimischem Publikum hat Leipzig die zurückliegenden drei Bundesligapartien gewonnen. Welche Spielweise erwartet ihr am Sonntag und worauf sollte 05-Coach Sandro Schwarz seine Mannschaft einstellen? Wie lautet euer Ergebnistipp?

Für die 05er wird es am Sonntag sicherlich eine schwere Nummer werden. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Leipziger ähnlich wie gegen Gladbach wieder im 4-3-3 starten, um die spielerische Dominanz zu übernehmen. Wenn das gelingen sollte und frühzeitig ein paar Tore fallen, ist es aber auch durchaus denkbar, dass Rangnick schnell umstellt. Hinten wird man alles darauf ausrichten, wieder einmal zu Null zu spielen und die Mainzer damit um den dritten Auswärtssieg in Folge zu bringen. Tippen wir mal ein schönes 2:0.

KOMPAKT
RB Leipzig ist der beste Club der Welt, weil… wir den Segen von Rainer Callmund haben! 
Was ich an unserem Stadion besonders liebe, ist… die unschlagbare und zentrale Lage mitten in der Stadt!
Mein ewiger Lieblingsspieler ist eindeutig… Jeremy Karikari!
Wer Leipzig besucht, sollte… das Flair der Stadt spüren und dafür am besten mittags ein Mettbrötchen am Lindenauer Markt genießen!
Besonders lecker essen Gästefans… in der Waffenverbotszone im Leipziger Osten oder bei Pizza Roma und Aspendos direkt auf der Jahnallee am Stadion.

Vielen Dank für das Gespräch!

Kerstin Weber hat den Namen „Schobbeschachtel“ vorgeschlagen. (Foto: Mainz 05)

Kerstin Weber hat den Namen „Schobbeschachtel“ vorgeschlagen. (Foto: Mainz 05)

LETZTE WORTE
Ist es ein Hasestall? Ist es die Narhalla? Es ist eine… Schobbeschachtel. Bitte was? Auswärtige Fußballfreunde werden sich vielleicht künftig verwundert die Augen reiben, wenn sie von der vorübergehenden kneip-esken Heimat der Fans in Mainz lesen. Schobbeschachtel?

Der Name für das Fanzelt passt aber irgendwie schon ziemlich perfekt, schließlich beschreibt er nicht nur die klassische Mainzer Weinschorle mit 4/5 Riesling und einem Schlückchen Wasser, er erinnert zudem an die schmerzlich vermisste Kultkneipe „Schachtel“ , in der jeder Stadiongänger über 35 in seiner wilden Jugend irgendwann einmal versackt ist.