Mensch, Frau Nora: Wir sprechen über digitale Gewalt

Manchmal greifen Themen und Geschehnisse fast organisch ineinander: Am 6. März haben wir unseren neuen Podcast FRÜF – Frauen reden über Fußball vorgestellt. Die Reaktionen darauf waren überwältigend positiv. Bis zu dem Moment, als ein paar Männer in ihrem Podcast darüber sprachen, wen von uns Frauen sie wie attraktiv finden, ob dicke Frauen nun fickbar sind oder nicht und dass sie mich gern mal in einer Turnhalle wegzimmern würden. Wie reagiert man auf sowas? Schweigen? Rückzug? Öffentlichkeit? Wir haben uns entschieden, über das Thema zu sprechen, weil wir das, was da passiert – digitale Gewalt gegen uns Frauen – nicht hinnehmen wollen.

In den Tagen darauf schrieb ich unter anderem mit Nora Hespers, einer wunderbaren Kollegin aus Köln, zu den Vorkomnissen. Sie empfahl mir eine aktuelle Podcast-Folge von NETZPOLITIK.ORG zum Thema „Digitale Gewalt“. Zu Gast bei Chris Köver waren Netzpolitik-Expertin Anne Roth und Anna Hartmann vom Dachverband der Frauenberatungsstellen. Roth hat sich mit dem Thema der digitalen Gewalt speziell gegen Frauen auch in ihrem sehr empfehlenswerten Talk beim 35. Chaos Communication Congress beschäftigt.

In der Kommunikation wurde Nora und mir schnell klar, das Thema beschäftigt und betrifft uns auf eine Art und Weise, die wir nicht hinter verschlossenen Türen halten möchten. Das hat sehr viel damit zu tun, dass wir beide daran glauben, Menschen müssen Gegengewichte setzen und sein, wenn digitale Gewalt geschieht. Und zwar völlig unabhängig davon, wen sie (be-)trifft. Deswegen war ich zu Gast in Noras tollem Podcast Mensch, Frau Nora und wir haben darüber gesprochen, warum digitale Gewalt nicht losgelöst ist von analoger, warum sie Männern anders begegnet als beispielsweise Frauen oder Transmenschen und warum es wichtig ist, sie zu thematisieren.

[Quelle Video: Mensch, Frau Nora]

report München macht Stimmung gegen Fußballfans

Das selbsternannte Politikmagazin report München zeigt einen Film über vermeintlich alltägliche Zustände in deutschen Fußballstadien, der vor gefährlichem Halbwissen nur so strotz. Diese Art der Kriminalisierung von Fußballfans ist nicht neu, dass sie ausgerechnet im öffentlich rechtlichen Fernsehen derart massiv geschieht, halte ich für äußerst bedenklich. Eine Kritik.

Immer wieder gibt es in und vor den Stadien der Bundesliga Ärger mit Hooligans. Sie provozieren, zündeln und prügeln.

Gewagte Anmoderation, die der Beitrag natürlich nicht einlöst. Zunächst geschieht der gängigste Fehler: Ultras, Hooligans und hier sogar Nazis werden vermischt. Zu Beginn des Beitrags geht es dann um die Vorfälle beim Chemnitzer FC (Infos dazu beim MDR). Was da passiert ist, darf nicht toleriert werden, eine Aufarbeitung ist dringend nötig. Aber report München tut so, als stehe das Ereignis exemplarisch dafür, was in Stadien passiert.

Was gänzlich fehlt ist ein Hinweis darauf, wie deutlich viele Fanlager die Aktion verurteilt haben. Auch das Engagement etlicher Vereine und ihrer Angänger gegen Rechts ist dem Beitrag keine Silbe wert. Stattdessen die Behauptung: „Pyrotechnik, Hass, Krawalle: Oft Alltag im deutschen Fußball.“ Und weiter: „Einige Ultras und Hooligans kapern den Sport. Feiern sich im Internet mit Videos. Haben ihre eigene Agenda.“ Ich formuliere es mal so: Eine eigene Agenda scheinen auch diejenigen zu haben, die diesen Filme verantworten. Oder landen darin zum Beispiel Ultras und Hooligans aus Unwissenheit in einem Topf?

Auszüge aus der Anfrage an die Vereine (Screenshot).

Auszüge aus der Anfrage an die Vereine (Screenshot).

Eine andere Frage, die ich mir stelle: Im Vorfeld werden als Teil der Recherche 150 Vereine der 1. bis 4. Liga zu „Problemen mit gewaltbereiten Fans, Ultras und Hooligans“ befragt. Der Beitrag thematisiert Vorfälle unter anderem beim Chemnitzer FC und dem Bischofswerdaer FV 08, beide Regionalliga Nordost. Wieso fragt man dort nicht gezielt nach diesen Vorkommnisen? Man hätte sich beispielsweise mit rechten Tendenzen innerhalb der Gesellschaft und ihren Ausprägungen in verschiedener Regionen des Landes beschäftigen können, um dann der Frage nachzugehen, ob eben diese in den Stadien fortbestehen. Das wäre ein wichtiges und lohnendes Thema gewesen, doch stattdessen werden Fans generell in eine Ecke gestellt, von der sich etliche Szenen mit viel Engagement abgrenzen.

Im Beitrag werden schließlich noch Zahlen zu Verletzten im Stadion genannt, leider geschieht dies völlig ohne Kontext. Die 1213 Verletzten innerhalb der benannten Saison (aus: ZIS Jahresbericht 2017/18) kommen auf 21 Millionen Stadionbesucher im selben Zeitraum. Ja, jede|r Verletzte ist eine⁄r zu viel, darüber müssen wir nicht diskutieren. Dennoch ein Vergleich zur Rezeption dieser Zahlen bei unterschiedlichen Themen: 6,3 Millionen Besucher und 3333 Verletzte gab’s 2018 auf dem Oktoberfest. Da ist hinterher aber nicht von Krawallen Gewaltbereiter die Rede, vielmehr ziehen Polizei, Veranstalter und Medien eine positive Bilanz.

Unterm Strich bleibt festzuhalten: Ja, es gibt auch gewaltbereite Fans und es gibt schwierige Fan-Szenen. Probleme müssen offen benannt und angegangen werden, keine Frage. Das Bild aber, das dieser Beitrag bewusst oder aus Unwissenheit zeichnet, ist unverantwortliche Stimmungsmache. Dieser Art von Berichterstattung sollte die ARD keine Bühne bieten.

05-Gegnerbetrachtung: Das Ende einer Bayern-Ära?

Die Gegnerbetrachtung ist zurück. Vor jedem Auswärtsspiel des 1. FSV Mainz 05 spreche ich mit PodcasterInnen, JournalistInnen oder BloggerInnen aus dem Umfeld des gastgebenden Vereins. Vor der Partie in München erzählt mir Max Ost vom Rasenfunk, was er am Spiel der 05er mag – und wieso in das Aus der Bayern in der Champions League nicht überrascht hat.

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Hallo Max, wie schön, dass du Zeit für meine Fragen hast. Seit 2014 betreibst du mit Frank Helmschrott den Rasenfunk, einen Sender mit bisher drei Formaten. Für die Handvoll Leute, die euch tatsächlich nicht kennen: Was macht ihr da und wieso tut ihr das?
Wir reden mit tollen Gästen über Fußball. In der „Schlusskonferenz“ über den vergangenen Bundesligaspieltag, im „Kurzpass“ über alles Mögliche aus der Welt des Fußballs und im „Tribünengespräch“ ausführlich über ein Thema. Von der Geschichte der Fußballtaktik bis zu biographischen Rückblicken mit Profis auf ihre Karriere und den Football Leaks – bei uns wird ein breites Spektrum abgedeckt. Dabei versuchen wir, möglichst sachlich und fundiert zu sein.

Max und Frank sind die Macher hinter dem Rasenfunk. (Foto: Rasenfunk)

Max und Frank sind die Macher hinter dem Rasenfunk. (Foto: Rasenfunk)

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Im Oktober seid ihr von der „Deutschen Akademie für Fußballkultur“ als bester Podcast mit dem Fanpreis des Jahres 2018 ausgezeichnet worden. Wer von euch beiden durfte den Pokal eigentlich mit heimnehmen und was hat sich seither für euch und das Projekt verändert?

Der Pokal steht bei mir im Büro, Frank hat ihn mir überlassen und so halte ich ihn in Ehren. Durch den Preis können jetzt mehr Menschen außerhalb der Podcast-Filterblase etwas mit dem Rasenfunk anfangen. Gefühlt hilft uns das bei Gästeanfragen. Wir bekommen zwar immer noch viele Absagen, aber nur nette. Und es war einfach etwas Besonderes, nach so viel Arbeit mal einen Abend lang so viele Schulterklopfer zu bekommen. Das ist ein guter Antrieb.

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Stichwort Finanzierung: Der Rasenfunk ist werbefrei, wer eure Arbeit unterstützen möchte, kann dem Supporters Club beitreten. Verrätst du da Zahlen? Wie viele SupporterInnen sind aktuell an Bord und wie weit trägt deren monetarisierte Liebe für euren Podcast?

Genaue Zahlen möchten wir nicht nennen, weil sie ohne Bezug zu unseren Kosten nicht arg viel aussagen. Und in meinem Fall betreffen die Kosten private Dinge wie Miete, Kindergartengebühr und so weiter. Aber: Seit Beginn der Bundesligasaison lebe ich nur vom Rasenfunk und komme damit über die Runden. Wir haben viele Unterstützerinnen und Unterstützer, die meist einen kleinen Eurobetrag pro Monat überweisen. Manche auch wesentlich mehr. Im Grunde ist es völlig irre, mit freiwilligen Kleinbeträgen seinen Alltag finanziell zu stemmen. Das will mir manchmal nicht in den Kopf, so selten und grandios das ist.

Wer den Rasenfunk finanziell unterstützen möchte, kann das im Supporters Club tun. (Logo: Rasenfunk)

Wer den Rasenfunk finanziell unterstützen möchte, kann das im Supporters Club tun. (Logo: Rasenfunk)

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Du bist Podcaster, Fußballbegeisterter, Social-Media-Crack, Zwillingspapa von Mädchen und Fan der Münchner Bayern. Erste Frage, wie bekommst du das zeitlich unter einen Hut? Dann will ich natürlich von dir wissen, wie du eigentlich Bayernfan geworden bist – und ob es auch Momente gibt, in denen dir das deine Arbeit am Rasenfunk schwermacht?

Zwei Faktoren sind wichtig: 1. Mein Leben besteht zu großen Teilen aus dem Rasenfunk und den Kindern. Eine ganze Reihe von anderen Dingen kommt zu kurz. 2. Viel Arbeit am Rasenfunk findet nachts statt. Und zum Fandasein: Ich komme aus einer Gegend, in der es eigentlich nur Club-Fans gab. Der Platzwart meines Dorfvereins war aber Bayernfan und hat es geschafft, meine drei Brüder und mich anzustecken. Ich gehe vor allem deshalb offen mit meiner Fanleidenschaft um, damit die Hörerinnen und Hörer sich ihr eigenes Bild machen können. Spricht da jetzt jemand durch die Bayernbrille oder nicht? Ich verstehe nicht, warum nicht mehr Journalistinnen und Journalisten offen mit ihrem Herzensverein umgehen. In den meisten Fällen sehe ich Dinge bei Bayern sogar kritischer als andere. Ich hoffe deshalb auch, dass es meine Arbeit nicht schwerer macht. Manche Leute hören deshalb nicht in den Rasenfunk rein, vielleicht finden ihn manche deshalb auch doof. Aber die hätte ich anders ja auch nicht überzeugt bekommen, also ist das einfach so. Verstellen könnte ich mich bei so vielen Sendungen sowieso nicht.

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Vorm Heimspiel der Bayern gegen Wolfsburg kam Joachim Löw nach München, um Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng mitzuteilen, dass sie unter ihm nicht mehr in der Nationalmannschaft spielen werden. Wie schätzt du die Wirkung dieser Entscheidung auf den FCB ein und kannst du sie sportlich nachvollziehen?

Für den FC Bayern ist sie mittelfristig positiv. Die Spieler konzentrieren sich auf den Verein, bekommen Auszeiten, wollen es sich und anderen nochmal beweisen. Und – so viel Wahrheit gehört dazu – alle drei sind auch im Verein nicht mehr gesetzt. Ich kann die Endgültigkeit, den Zeitpunkt und die Form der Entscheidung nicht nachvollziehen. Betrachtet man die Art und Weise, wie Joachim Löw in der Vergangenheit gehandelt hat, kann einen das aber auch nicht überraschen. Er tut sich damit sehr schwer, Spieler auszusortieren und das sauber abzuwickeln.

Für jeden was dabei: Die Podcast-Landschaft in Sachen Sport wächst und wächst. (Montage: Rasenfunk)

Für jeden was dabei: Die Podcast-Landschaft in Sachen Sport wächst und wächst. (Montage: Rasenfunk)

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Eine Zeitlang sah es so aus, als bleibe der Meisterschaftskampf diese Saison länger spannend. Für Außenstehende war das ehrlich gesagt eine Wohltat. Nun stehen die Bayern dank besserer Tordifferenz wieder vor dem BVB. Wurde in München zuletzt sehr viel richtiggemacht – oder profitiert der FCB von einer Schwächephase des BVB, denen Marco Reus schmerzlich fehlte?

Wer von den letzten 13 Spielen 12 gewonnen hat, kann nicht so viel falsch gemacht haben. Das allein hat den FC Bayern aber nicht wieder an die Tabellenspitze gebracht, die Punktverluste der Dortmunder gehören dazu. Im Grunde kann aber beides nicht überraschen: Dortmund hat nicht die Kaderbreite, um einen Ausfall wie den von Reus oder Formschwächen von Hakimi und Sancho aufzufangen, der FC Bayern wiederum hat durch seinen irrsinnigen Etat einen so großen Wettbewerbsvorteil, dass Siege die Regel und nicht die Ausnahme sind.

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Zu Beginn der Saison hat Niko Kovač das Traineramt in München übernommen. Zu Anfang stand er enorm in der Kritik und wenn es nicht wunschgemäß läuft, werden schnell Stimmen laut, die sagen, er sei für diesen Verein nicht der Richtige. Wie beurteilst du seine bisherige Arbeit in München, was gefällt dir an seinem Führungs- sowie Trainingsstil und wo würdest du ihm in einem Zwischenzeugnis noch Nachholbedarf bescheinigen?

Wie so oft ist es bei den Bayern schwierig, die Arbeit des Trainers mit der Qualität des Kaders aufzuwiegen. Wer hat welchen Anteil am Erfolg? Was mir an Niko Kovač gefällt, ist seine souveräne Art im Umgang mit den Medien. Er bietet nicht allzu viele Knallerzitate an, ist aber dennoch relativ offen im Austausch mit Journalisten. Das ist eine für alle Seiten funktionierende Konstellation. Und es gibt hier auch eine Parallele zu seinem Umgang mit den Spielern: So, wie er die Journalisten von der Qualität seiner Arbeit überzeugen musste, war das auch bei den Profis der Fall. Hier hatte er zu Beginn der Saison eine Idee, die wesentlich auf Rotation in einem ansonsten kleinen Kader beruhte, von der er aber nach der sportlichen Talfahrt und wie man hört offenen Gesprächen mit dem Mannschaftsrat dann abgerückt ist. Seitdem gibt es wieder eine klarere Startelf, die Spieler wissen eher, wo sie stehen. Und so lange der FC Bayern gewinnt, geht das auch gut. Nachholbedarf sehe ich im Positionsspiel im Ballbesitz sowie beim Erarbeiten kreativer Zugänge in den gegnerischen Strafraum.

Und wann kehrt Giovane Élber zum FC Bayern zurück? Im Rasenfunk war er schon. (Foto: Rasenfunk)

Und wann kehrt Giovane Élber zum FC Bayern zurück? Im Rasenfunk war er schon. (Foto: Rasenfunk)

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Für den Sommer haben die Verantwortlichen des FC Bayern zuletzt mehrfach einen großen Umbruch angekündigt. Ist das eine Aufgabe, die du Hasan Salihamidžić zutraust? Irgendwie wirkt er seit Beginn seiner Münchner Zeit leicht angezählt, das macht es schwer, seine Arbeit inhaltlich zu beurteilen. Und wie stehst du zur immer wahrscheinlicher werdenden Rückkehr von Oliver Kahn?

Es ist schwierig, das Handeln von Salihamidžić zu bewerten. Das liegt an seinem Auftreten in der Öffentlichkeit, aber auch an dem Korsett, in dem er sich bewegt: An dessen einer Schnur zieht Uli Hoeneß, an der anderen Karl-Heinz Rummenigge. Salihamidžić bekommt dabei mal mehr, mal weniger Spielraum, sich selbst zu entfalten. Da sich in den Strukturen unter Salihamidžić (Scouting vor allem) nichts geändert hat, ist ihm der Umbruch durchaus zuzutrauen. Was Sportdirektoren unter Rummenigge und Hoeneß aber immer gemein bleiben wird, ist die Frage, wer dann eigentlich die Entscheidungen getroffen hat und für Erfolge wie Misserfolge verantwortlich ist. Oliver Kahn ist die logische Nachbesetzung von Rummenigge und vielleicht hat er sich dadurch, dass er sich zwischenzeitlich aktiv vom Verein entfernt hat (auch in der Rhetorik), sogar noch attraktiver gemacht. Jeder, der nach Hoeneß und Rummenigge kommt, steht vor einem Mount Everest an Erwartungen. Ich traue Kahn mehr als anderen Kandidaten zu, mit dieser Erwartungshaltung gut umzugehen.

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In der Champions League war gegen Liverpool im Achtelfinale Schluss. Wie überrascht bist du? Ist das einfach eine verlorene Partie oder, wie Tobias Escher schreibt, das Ende einer Ära? Und werden die Bayern jetzt in Liga und Pokal umso unerbittlicher?

Nein, überrascht hat mich das nicht. Ein Weiterkommen gegen Liverpool ist immer schwierig und wer ein paar Spiele beider Mannschaften dieses Jahr gesehen hatte, der wusste, was für eine Mammutaufgabe da auf die Bayern wartete. Erfolgreiche Zeiten von Mannschaften enden selten in einem Spiel, ich glaube aber schon, dass wir in ein paar Jahren den Endpunkt der erfolgreichen Heynckes/Guardiola-Zeit mit seinen positiven Nachwirkungen bis heute mit dem Liverpool-Spiel markieren werden. Tut mir leid, Fortuna Düsseldorf. Ihr wart nah dran. Der FC Bayern wird in der nächsten Saison ein deutlich verändertes Gesicht haben. Mal sehen, wie gut es sich anschauen lässt. Auf die Reaktion in Pokal und Liga bin ich sehr gespannt. Der Reflex müsste eigentlich wütender Wille sein, aber das hätte man auch schon nach dem 1:2 gegen Liverpool so erwarten können und sah davon nichts.

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Am Wochenende muss das Team gegen Mainz wieder den Bundesliga-Alltag annehmen. Die Mannschaft von Trainer Sandro Schwarz hat aktuell mit einer akuten Abschlussschwäche zu kämpfen. Auch über den Ballbesitz werden die 05er in München wohl nichts holen, eher kann ihre zuletzt stark verbesserte Laufleistung ein Pfund werden. Wie wird Kovac seine Elf gegen diese Mainzer aufstellen? Was für ein Spiel erwartest du und hast du einen Ergebnistipp?

Es wird sehr interessant sein zu sehen, wie die Spieler auf das Aus in der Champions League reagieren. Im letzten Jahr hallte die Halbfinalniederlage gegen Real noch bis ins DFB-Pokalfinale nach. Ich erwarte wütende Bayern, die sich jedoch nicht an Kreativität überbieten werden. Tendenziell schlagen die Münchner unter Kovac sehr viele Flanken und gerade damit können Bell und Niakhaté (wer auch immer davon spielt) sehr gut umgehen. Ich bin gespannt, ob Mainz wieder mit Raute aufläuft und wie häufig sich die im Ballbesitz auch formieren kann. Gegen den Ball kriegt man damit das Zentrum schnell dicht, das wird sicher wichtig sein. Aber die Frage ist eben, wie oft Mainz Entlastung schaffen und längere Ballbesitzphasen einstreuen kann. Verwundbar sind die Bayern dann vor allem über Umschaltsituationen. Ich tippe auf ein 3:1 für Bayern.

Alles im Blick: Arbeitsplatz von Rasenfunker Max Ost (Foto: Rasenfunk)

Alles im Blick: Arbeitsplatz von Rasenfunker Max Ost (Foto: Rasenfunk)

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Du beobachtest durch den Rasenfunk ja regelmäßig alle Bundesligisten- Wie gefällt dir die Spielweise der 05er, auch im Vergleich zur Vorsaison, und was traust du ihnen im weiteren Verlauf der Serie noch zu? Und wie beurteilst du den Ansatz von Sandro Schwarz?

Zeitweise war der Fußball von Mainz nicht mit der Vorsaison vergleichbar. Wesentlich passsicherer, strukturierter und mit einer offensiv ausgerichteten Positionierung. Mir gefällt an Mainz die Besetzung des Zehnerraums sowie die Nachrückbewegungen der Achter, sobald der Ball mal auf dem Flügel ist. Dadurch ergeben sich immer wieder Ballkontakte vor dem gegnerischen Strafraum. Wenn Mainz jetzt noch die Distanzschüsse durch Steckpässe, Verlagerungen oder Lupfer ersetzen würde… Ebenfalls gut finde ich die Interpretation der Außenverteidigerposition von Brosinski und Aarón. Gerade Letzterer ist immer so ein bisschen der Seismograph dafür, wie gut Gegner auf Mainz eingestellt sind. Kommt er selten hinter die Abwehr oder kann isoliert ins Dribbling gehen, dann fehlt dem Spiel der 05er eine wichtige Komponente, die am ehesten durch Vorrückbewegungen von Kunde, Gbamin oder Latza ersetzt werden kann.
Wo ich noch Verbesserungspotenzial sehe, sind die Bewegungen der ein bis zwei Spieler innerhalb des Strafraums im offensiven Ballbesitz. Bei Flanken passt das meistens (einer kurz, einer lang – wenn es zwei sind), da ist der Rückraum aber nicht immer besetzt (eventuell auch aus Respekt vor dem Konter) und wenn Mainz zentral vor dem Strafraum den Ball hat, gibt es fast gar keine diagonalen Bewegungen, die einen Pass mit gutem Winkel für die Annahme ermöglichen. Ich glaube dieser Punkt hat aber auch damit zu tun, dass die Besetzung der Offensive nicht final geklärt ist und die Rollen je nach Gegner anders verteilt werden. Ich mag den Ansatz von Sandro Schwarz aber, mit Mainz erst offensiv und dann defensiv zu denken. Dieser Mut passt nicht nur zum Verein und seiner Geschichte, er bietet vor allem den jungen Spielern auch eine attraktive Perspektive. Sich im Offensivspiel auszuzeichnen ist leichter als in der Defensive zu glänzen. Und hinten steht ja traditionell ein starker Torhüter sowie mit Bell und Niakhaté zwei richtig Gute. Pro Saison sehe ich um die 150 Spiele in voller Länge – über Spiele von Mainz freue ich mich in diesem Jahr.

KOMPAKT
Der FC Bayern ist der beste Club der Welt, weil … er es nicht ist. Leider gibt es den perfekten Fußballklub nirgendwo.
Was ich an unserem Stadion besonders liebe, ist … der C12-Stand. Ich bin nicht mehr oft im Stadion, aber das Gefühl, dort immer Freunde und Bekannte zu treffen, egal bei welchem Spiel, ist durch nichts zu ersetzen.
Mein ewiger Lieblingsspieler ist eindeutig … Miroslav Klose. Und er wird ein großartiger Trainer werden.
Wer München besucht, sollte unbedingt … ins Stadion an der Schleißheimer Straße und dort Fußball schauen, was trinken und essen.
Besonders lecker essen Gästefans … neben dem Stadion an der Schleiß im Obacht nebenan oder im Fraunhofer an der Fraunhoferstraße.

Vielen Dank für das Gespräch!

LETZTE WORTE
WebEs gibt jetzt einen neuen Podcast: FRÜF – Frauen reden über Fußball. Dahinter steht ein stetig wachsendes Kollektiv fußballbegeisterter Frauen, die künftig einmal im Monat in wechselnder Besetzung über alles sprechen, was sie am Fußball interessiert. „Wir sind Fans, Journalistinnen, Spielerinnen – und manche von uns sogar alles davon. Wir sind diskussionsfreudig, aber solidarisch. Uns interessieren fußballerische Trends, der Diskurs über 50+1 und die gesellschaftliche Relevanz von Antirassismus-Kampagnen des DFB genauso wie die Unterschiede im Umgang mit Frauen- und Männerfußball, die weibliche Fußballsozialisation und der Umgang mit Sexismus im Stadion.“ – Und ich bin Teil dieser wunderbaren Gruppe. Die Nullnummer könnt ihr euch hier anhören. Abonniert uns und verbreitet die frohe Kunde!

FRÜF – Frauen reden über Fußball. Weil wir es können!

Web

Wann passt der Aufschlag eines Podcasts, in dem ausschließlich Frauen über Fußball reden, besser, als in der Woche, die am Freitag mit dem internationalen Frauentag endet? Das haben wir uns auch gedacht und unser Podcast-Baby FRÜF – Frauen reden über Fußball am 6. März der Öffentlichkeit präsentiert. Hinter dem Projekt steht ein stetig wachsendes Kollektiv fußballbegeisterter Frauen, die von Rebecca Görmann und Kristell Gnahm zusammengebracht worden sind. Die Initialzündung liegt eigentlich schon fast ein Jahr zurück, wie ein alter Tweet verrät.

Nun haben wir uns bei FRÜF tatsächlich zusammengetan, denn: Wir sind viele. Und wir sind laut. Das bedeutet natürlich nicht, dass im Podcast wild herumgeschrien wird. Aber uns alle verbindet nicht nur die Liebe zum Fußball, sondern auch die Wahrnehmung, die wir als Frauen auf diesen Sport haben und die Tatsache, dass wir als Frauen innerhalb der Fußballszene auf eine spezielle Art und Weise wahrgenommen und behandelt werden. Als weiblicher Fan ebenso wie als Journalistin, Aktivistin, Spielerin oder Ehrenamtliche. Darüber werden wir künftig einmal im Monat sprechen, und natürlich auch über den Fußball selbst, der uns zusammenbringt – und in dem wir alle diese Themen erfahren. Oder wie es in unserer Selbstbeschreibung so schön heißt:

„In FRÜF steckt, was der Name verspricht: Frauen reden über Fußball. Hinter FRÜF steckt ein stetig wachsendes Podcast-Kollektiv von Frauen, für die Fußball mehr ist als nur eine Sportart.
Wir sind Fans, Journalistinnen, Spielerinnen – und manche von uns sogar alles davon. Wir sind diskussionsfreudig, aber solidarisch. Uns interessieren fußballerische Trends, der Diskurs über 50+1 und die gesellschaftliche Relevanz von Antirassismus-Kampagnen des DFB genauso wie die Unterschiede im Umgang mit Frauen- und Männerfußball, die weibliche Fußballsozialisation und der Umgang mit Sexismus im Stadion. Über solche Fragen sprechen wir in wechselnder Besetzung in unserer monatlichen Sendung.“

Etwas überrollt wurden wir dann alle von der großen Liebe am Launch-Tag. Keine doofen Sprüche, stattdessen viel Zustimmung und Wohlwollen. Jetzt liegt die Messlatte für die erste echte Sendung natürlich hoch, aber das würden wir gar nicht anders wollen. Wir werden, da bin ich mir sicher, viel Freude haben bei der gemeinsamen Arbeit an diesem Herzensprojekt.

Wir werden uns nicht immer einig sein, es wird Sendungen geben, an denen sich der eine oder die andere stößt. Und das ist vollkommen okay. Denn wir werden gemeinsam immer weiter planen, aushecken und: einfach machen. Vor allem aber werden wir über Fußball reden, ernsthaft, liebend, kritisch, aufgeregt, intensiv, augenzwinkernd, kontrovers, fair. Darauf freuen wir uns wie Bolle.

05-Gegnerbetrachtung: Alte Dame in neuem Glanz

Die Gegnerbetrachtung ist zurück. Vor jedem Auswärtsspiel des 1. FSV Mainz 05 spreche ich mit PodcasterInnen, JournalistInnen oder BloggerInnen aus dem Umfeld des gastgebenden Vereins. Diesmal erzählt Henry Cieslarczyk vom Podcast „Damenwahl Berlin“ von der Saison der Hertha.

1
Hallo Henry, danke, dass du dir die Zeit für meine Fragen nimmst. Ich habe gelesen, du bist zur Hertha gekommen, weil du im Herbst 1996 mit Kumpels Fußball schauen wollest und ein Spiel im Olympiastadion das Beste war, was der Abend hergab. Erzähl uns von diesem ersten Stadionbesuch und warum du wiedergekommen bist.

HenryHm, was habe ich da denn erzählt? Naja, ganz falsch ist es ja nicht. Vereinsfußball fand für mich in Berlin Anfang bis Mitte der Neunziger praktisch nicht statt. Der BFC, zu dem ich manchmal in den 80ern noch gegangen bin, war für mich nicht mehr erträglich, zu Union hatte ich noch nie eine Beziehung, und der Rest der Berliner Vereine war irgendwie nicht wahrnehmbar.
Aber anders als deine Frage andeutet, bin ich schon gezielt ins Stadion gegangen. Ich weiß allerdings nicht mehr, wer der Gegner war. Was ich allerdings noch weiß ist, dass Hertha gewonnen hat und dass vielleicht 10.000 Zuschauer im Stadion waren. Vielleicht nur zur Erinnerung die Namen von zwei, drei Spielern, die auch überregional noch einen kleinen Bekanntheitsgrad haben könnten: der Stürmer Axel Kruse, der Keeper Christian Fiedler und der zum Verteidiger umgeschulte Jolly Sverrisson. Sowie ein gewisser Michael Preetz.
Offensichtlich war es kein sonderlich erinnerungswürdiger Kick. Aber immerhin hat er dafür gesorgt, dass ich wiederkommen wollte. Und das tat ich dann auch, regelmäßig. Und ich konnte zusehen, wie sich die Besucherzahl Schritt für Schritt immer weiter erhöhte. Das Ganze gipfelte dann in der für alle Herthaner inzwischen legendären Partie gegen den 1. FC Kaiserslautern, einem Montagsspiel, bei dem auch lange nach Anpfiff dem Ansturm der Massen folgend Block um Block geöffnet wurde, bis das Stadion restlos gefüllt war. 74.000 sahen einen 2:0 Heimsieg, der die Tür zum Aufstieg weit aufstieß. War eine geile Saison.

Herthaner würden die alte Dame wählen. (Foto: HS)

Herthaner würden die alte Dame wählen. (Foto: HS)

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Zusammen mit Steffen und Micha betreibst du den Podcast „Damenwahl Berlin“. Als Grund hast du mal in einem Interview angegeben, du warst es leid, die herablassenden Berichte über den Hauptstadtclub in überregionalen Medien zu lesen. Wie berichtet ihr über den Club? Und woher kennt ihr Drei euch ursprünglich?

Wir berichten so, wie sich Fußballfans auch am Stammtisch unterhalten: mal analytisch, mal emotional, mal ganz sachlich, dann wieder extrem subjektiv, mal ruhig, mal aufgeregt. Hoffentlich jedoch nie langweilig. Aber eigentlich ist es wohl öfter als notwendig so eine Art Schmerztherapie. Gegenseitiges Wundenlecken und Rückenkraulen.
Kennengelernt haben Steffen und ich uns auf dem Twitterstammtisch Berlin, dem #tpber. Zuerst waren Steffen und ich alleine, etwas später ist Michael dazu gestoßen. Auch er war vorher ein ständiger Gast auf dem Twitterstammtisch. Dazu laden wir uns regelmäßig Gäste ein: andere Herthaner, Fans anderer Vereine, aber auch Journalisten und Vereinsvertreter.

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In der Fußnote eurer Homepage steht das wunderbare Zitat: „Irgendwann wird mich dieser Verein noch ins Grab treiben“ – anonymer Fußballfan. Wunderbar, weil es auf jeden Club übertragbar ist. Und dann finde ich „treiben“ auch so viel deutlicher als „bringen“. Warum geht es trotzdem nicht ohne die alte Dame und den Fußball?

Wat willste machen? Nützt ja nüscht. Muss ja. Ohne Hertha isses ja ooch scheiße.

Dárdai als Spieler der Hertha. (Foto: Steindy / CC BY-SA 3.0)

Dárdai als Spieler der Hertha. (Foto: Steindy / CC BY-SA 3.0)

4
In den 2010er Jahren ging es im Hauptstadtclub noch eher turbulent zu: Auf- und Abstiege, das wohl bekannteste Relegationsspiel der Neuzeit und öffentlicher Zoff zwischen Manager Michael Preetz und diversen Trainern. Seit Pál Dárdai als Trainer übernommen hat, scheint Ruhe eingekehrt zu sein. Was macht der Trainer richtig? Und was hat sich im Hintergrund verbessert, wie haben die Verantwortlichen sich gefangen?

Eigentlich gab es nur mit einem Trainer richtig Zoff. Das war Markus Babbel. Diese Koryphäe der Trainerzunft kann seine überragenden Qualitäten nun in der australischen Liga unter Beweis stellen. Über die Umstände des Machtwechsels von Manager Dieter Hoeneß zu Preetz im Sommer 2009 und die dramatische finanzielle Schieflage, die der Manager hinterlassen hat, ließen sich Bände füllen. Holprig waren der Übergang und die ersten Jahre auf jeden Fall. Der alte Manager hat kein geordnetes Haus übergeben und dem neuen Manager, der damals auch zielsicher in einige Fettnäpfchen trat, fehlten zu Beginn Erfahrung und Mittel, das Desaster abzuwenden. Es dauerte zwei Abstiege und zwei Aufstiege, bis sich das System wieder gefangen hatte.
Pál Dárdai kam dann zum genau richtigen Zeitpunkt. Dárdai, im Januar 1997 mit gerade mal 20 Jahren nach Berlin gewechselt, steht wie kaum ein anderer derzeit für Hertha BSC. Nach seiner aktiven Karriere begann er seine Trainerlaufbahn. Er befolgte den Rat seines Vaters, der auch Trainer war: „Beginne mit den Kindern.“ Also startete er seine Trainerlaufbahn in der Jugendabteilung von Hertha BSC. Zum Zeitpunkt seines Wechsels zum Cheftrainer stand er gerade dem Jahrgang vor, der derzeit die Augen vieler Herthaner leuchten lässt: den 99ers. Und die zieht er jetzt Schritt für Schritt hoch in den Männerbereich. Im Hintergrund hat Preetz nach der One-Man-Show Hoeneß die Strukturen verändert, ein neues Betriebsklima geschaffen, andere Verantwortlichkeiten gesetzt. Das war ein andauernder Prozess, der eigentlich auch nie ein Ende findet.

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Bei der Mitgliederversammlung im November konnte Finanzgeschäftsführer Ingo Schiller sowohl den ersten Gewinn nach Steuern seit 2014 verkünden, als auch, dass der eingetragene Verein Hertha BSC den Finanzinvestor KKR ausbezahlt hat und nun wieder 100 Prozent der Anteile der Hertha BSC & Co. KGaA hält. Was bedeutet die Loslösung vom Investor für den Verein und wie ist die finanzielle Stabilisierung gelungen?

Der Investor KKR war für Hertha ein Glücksgriff. Vom ersten Tag bis zum endgültigen Ausscheiden war von KKR nicht ein einziges Wort in der Öffentlichkeit über das Engagement bei Hertha zu hören. KKR hat geholfen, als die Hilfe nötig war, und sie sind mit dem verzinsten Einsatz ihres Investments wieder aus der Teilhaberschaft entlassen worden. Was will man mehr? Diese Jahre konnte Finanzchef Schiller nutzen, die finanzielle Sanierung des Vereins fortzusetzen. Einfach ist das nicht, und es werden derzeit auch wieder Schulden gemacht. Wollen wir mal hoffen, dass nicht wieder der alte Schlendrian einreißt.
Derzeit gehören wieder alle Anteile der KGaA dem Verein Hertha BSC. Die Geschäftsführung ist aber auf der Suche nach einem neuen Investor, der dann für das neue Paket einen wesentlich höheren Preis zahlen müssen wird, als es KKR damals getan hat.

6
Beim Auswärtsspiel in Dortmund im Dezember wurden im Fanblock Bengalos abgebrannt. Die Polizei ist in den Block gegangen, was sehr ungewöhnlich ist, es kam zweifellos zu unschönen Szenen, die aber ebenso zweifellos im Nachhinein extrem hochgespielt wurden. Der Verein hat sich, so das Gefühl vieler Fans, damals gegen die Szene gestellt und im nächsten Heimspiel Fahnen und Banner verboten. Wurde die Geschichte aufgearbeitet und wie ist die Stimmung zwischen Verein und Fans aktuell?

Nach jenem Wochenende droschen sich beide Seiten, Vereinsführung und Fans, erstmal ihre gegenseitige Abneigung um die Ohren. Es waren keine schönen Tage. Aber nicht lange später taten sie das einzig Vernünftige: Sie trafen sich an einem ruhigen Ort und redeten miteinander. Seitdem hat sich die Stimmung wesentlich gebessert. Es hat auf beiden Seiten ein Einsehen gegeben, dass es keine Lösung sein kann, gegeneinander zu agieren. Zum Wohle des Vereins haben sie sich zusammengerauft.

7
Die Hertha ist richtig gut in die Saison gestartet: In den ersten fünf Spielen gab es drei Siege, ein Unentschieden und erst am fünften Spieltag eine Niederlage gegen Bremen. Dann gelang ein Sieg gegen die Bayern, auf den mit einer Serie von Unentschieden und Niederlagen eine Delle folgte. Erst am 13. Spieltag gab’s wieder einen Dreier. Was lief in der Phase schief?

Zu Beginn der Saison konnte Hertha über das Zentrum ein sehr druckvolles Spiel aufbauen. Das wiederum entlastete die beiden Außen, die anders als in den Jahren zuvor nicht die Hauptlast der Offensive zu tragen hatten. Somit boten sich tolle Optionen im Angriffsspiel über die beiden Flügel.
Später konnte diese Spielweise nicht aufrechterhalten werden. Mangels Dominanz im Zentrum genügte es der gegnerischen Verteidigung meist, die Außen zuzustellen und damit das Angriffsspiel von Hertha wirksam zu behindern. Nicht zufällig fiel die Verletzung von Marko Grujic genau in diese Phase.

Blauweiße Berliner erwarten rotweiße Mainzer. (Foto: HS)

Blauweiße Berliner erwarten rotweiße Mainzer. (Foto: HS)

8
In der Rückrunde gab’s eine Niederlagen gegen Wolfsburg, Siege in Nürnberg und Gladbach, das Unentschieden gegen Bremen und nach dem Aus gegen die Bayern im Pokal nun auch in der Liga eine Niederlage, die aber vermeidbar schien. Wie bewertest du die bisherige Saison insgesamt? Sehen wir da ein Team in der Entwicklung oder eines, das bisweilen unter seinen Möglichkeiten bleibt?

Wir sehen ein Team in der Entwicklung, aber mit manchmal stotterndem Motor. Es hängt noch zu viel davon ab, ob alle Leistungsträger an Bord sind. Hertha ist – wie die meisten Mannschaften der Liga – nicht oder nur eingeschränkt in der Lage, Verletzungsausfälle kompensieren zu können.
Leider hängt aber auch viel davon ab, ob auf der anderen Seite des Platzes die Spitzenteams stehen oder die Schlusslichter. Gegen die Ligaführenden tut sich Hertha in dieser Saison wesentlich leichter. Muss eine Kopfsache sein.

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Aktuell steht Hertha BSC mit 32 Punkten auf Tabellenplatz zehn und damit zwei Zähler und eine Position vor Mainz 05. Wie zufrieden ist das Umfeld mit dem oft als Niemandsland der Tabelle ausgerufenen hinteren Mittelfeld und wo will Dárdai mit dieser Mannschaft hin?

Das Ziel war ein einstelliger Tabellenplatz. Nicht ausgesprochen, aber sicher angestrebt, möchte die Mannschaft sicherlich auch gerne einen Europapokalrang erreichen. Machbar ist das sicherlich. Das Umfeld scheint mir angesichts der deutlichen spielerischen Entwicklung dieses Jahr die Situation weitaus wohlwollender zu begleiten als in früheren Spielzeiten. Die spielerischen Ausschläge sind größer. Und es sind eben regelmäßig echte Highlights zu erleben. Das wird honoriert.

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Im Spiel gegen Mainz 05 am Samstag muss Dárdai auf Karim Rekik verzichten. Der hatte im Spiel gegen die Bayern Robert Lewandowski geschubst, nachdem der ihn zuvor mit dem Fuß am Kopf getroffen hatte. Lewandowski hat darauf mit der leider üblichen Theatralik reagiert. Wie sehr nervt einerseits dieser Reflex, sich sofort das Gesicht zu halten, als würden sonst alle Zähne auf den Rasen fallen? Und wie schwer wiegt die Sperre des Verteidigers?

Wir drei vom Podcast haben Lewandowski via Twitter gute und schnelle Genesung ob seiner schweren Gesichtsverletzung gewünscht. Hoffentlich werden sich keine dauerhaften Schäden einstellen. Come back stronger, Robi! Für ein Spiel werden wird Rekiks Ausfall hoffentlich kompensieren können. Aber der Mann ist eine Wucht. Leider wird wohl auch Jordan Torunarigha fehlen. Nicht schön, aber auch nicht zu ändern.

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Auch wenn es für die Hertha zuletzt eine Niederlage setzte, am Samstag stehen sich in Berlin zwei Mannschaften gegenüber, die aktuell gut drauf sind. Mainz kommt mit dem Rückenwind vom Sieg gegen Schalke und neun Punkten aus fünf Rückrundenspielen, die Berliner haben es gegen München gut gemacht, haben daheim aber seit dem 8. Dezember nicht mehr gewonnen. Was für ein Spiel erwartest du und wer wird als Sieger vom Platz gehen?

Ich erwarte nicht gerade einen fußballerischen Leckerbissen, sondern eher einen zähen Brocken. Die beiden Mannschaften haben in ihren Spielen gegeneinander Fußball immer mehr gearbeitet als zelebriert. Am Ende gewinnt natürlich Hertha. Es wird einfach mal wieder Zeit.

KOMPAKT
Die Hertha ist der beste Club der Welt, weil … Wer auf so eine Frage eine schlüssige Antwort weiß sammelt auch Briefmarken.
Was ich an unserem Stadion besonders liebe… sind die Erinnerungen, die ich damit verbinde.
Mein ewiger Lieblingsspieler ist eindeutig … Marcelinho. Über den Tellerrand gesehen wohl Zinedine Zidane.
Wer Berlin besucht, sollte unbedingt … den Marco-Polo-Reiseführer mit den „Geheimtipps“ verbrennen und einfach drauflosstiefeln.
Besonders lecker essen Gästefans … bei meiner Mutter. Aber ich sage nicht, wo sie wohnt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Alle als Clowns nach Berlin! (Quelle: Q-Block)

Alle als Clowns nach Berlin! (Quelle: Q-Block)

LETZTE WORTE
Für den FSV Mainz 05 hat es quasi schon Tradition: An Fastnacht spielen die 05er in aller Regel auswärts. Das hält natürlich niemanden davon ab, sich zu verkleiden. Erlaubt ist, was gefällt, der Q-Block ruft aber launig alle dazu auf, als Clowns nach Berlin zu kommen.
So oder so, wir sehen uns im Block!