Mainz 05: Spielentwicklung unter Bo Svensson

Wer nach Abpfiff der Partie des 1. FSV Mainz 05 gegen den SC Freiburg in die Gesichter der Mainzer Spieler schaute, konnte ihre Freude über den späten Siegtreffer von Robin Quaison gar nicht übersehen. So, wie vieles an der Entwicklung der nun knapp drei Monate unter dem neuen Chefcoach Bo Svensson nicht zu übersehen ist. Der gute Teamgeist dieser einst abgeschriebenen Truppe. Die kämpferische Einstellung, zu der auch überragende Werte in Sachen Laufleistung gehören. Eine neue Giftigkeit in den Zweikämpfen. Der entschlossene Kampf um die zweiten Bälle, die Bereitschaft, immer füreinander einzustehen.

All das ist deutlich erkennbar und gibt in der Summe die berechtigte Hoffnung, bis zum Schluss um den Klassenerhalt mitzuspielen. Aber inwieweit lassen sich die positiven Eindrücke auch durch Zahlen belegen – und wo zeigen diese vielleicht noch Luft nach oben auf?

Mit Fußballdaten aller Art beschäftigt sich Mats Beckmann und Quirin Sterr, die Gründer von CREATE FOOTBALL. Mit dem Start-up möchten sie das hierzulande noch eher vernachlässigte Thema Datenscouting vorantreiben. Sie erheben die Zahlen nicht selbst, sondern beziehen sie von Anbietern wie InStat oder Wyscout* und interpretieren sie für Beiträge in ihrem Podcast, Blog und bei Instagram. Um einen genaueren Blick auf die Entwicklung der Mainzer Mannschaft zu werfen, habe ich ihnen einen Fragenkatalog zu den Spieldaten der 05er zukommen lassen, die sie daraufhin für mich zusammengetragen haben. Wichtig war mir, nicht nur im Vergleich mit den Spielen unter Jan-Moritz Lichte auf kurzfristige Effekte seit dem Dienstantritt von Bo Svensson zu schauen, sondern auch den Vergleich zu ziehen mit der Zeit unter Achim Beierlorzer.

Etwas überraschend ist zunächst vielleicht die Feststellung, dass die Passgenauigkeit unter Bo Svensson schlechter geworden ist. Lag sie mit Achim Beierlorzer an der Seitenlinie noch bei 78 Prozent und war unter Nachfolger Jan-Moritz Lichte mit 78,5 nahezu identisch, liegt sie derzeit im Schnitt bei 73 Prozent. Besonders schlecht war sie beispielsweise bei der Heimniederlage gegen Wolfsburg mit lediglich 64,3 Prozent. Allerdings zeigen die Vergleiche direkt, dass Statistiken im Fußball nun mal nicht alles sind: Auch bei der Partie gegen Borussia Mönchengladbach lag die Mainzer Passquote mit 67 Prozent niedrig – gewonnen haben die 05er dennoch. Zum Vergleich, die Passquote der Gladbacher lag bei 85,7 Prozent.

In Sachen Pässe spielt eben nicht nur die Genauigkeit eine Rolle, sondern auch, wo und wohin auf dem Feld sie gespielt werden, also was nach dem – bestenfalls gelungenen – Pass geschieht. Der niedrige Wert hat aber auch mit Svenssons Spielansatz zu tun, der gefährliche Pässe durchaus in Kauf nimmt, weil, vereinfacht gesagt, auch davon immer mal einer ankommt; und womöglich der entscheidende. Etwas ruhiger war das Spiel übrigens zuletzt mit Boëtius statt Latza eben gegen den SC Freiburg, was die verbesserte Passquote und der vergleichsweise hohe Ballbesitz belegen.

Auch bei der Interpretation des Spielstils können die Daten Aufschluss geben und hier sticht besonders der Wert der Balleroberungen ins Auge. Der lag unter Beierlorzer bei 81,3 pro Spiel (Lichte 78,5), seit Amtsantritt von Svensson liegt der Durchschnittswert hier bei 93,5 pro 90 Minuten. Zum Vergleich, bei Union Berlin liegt dieser Wert in der bisherigen Saison bei 85,4 und Arminia Bielefeld weist ein Balleroberungsmittel von 79 pro Spiel auf. In den letzten drei Spielen lag Mainz beim Balleroberungswert in den Top Fünf in der Liga, gegen Schalke sogar auf Rang 2.

Mit diesem Werten lässt sich bestätigen, was auch auf dem Feld erkennbar ist: Svensson setzt stark auf das Spiel gegen den Ball. Dafür spricht auch der so genannte PPDA-Wert, bei dem die Anzahl der gegnerischen Pässe erfasst wird, bevor Mainz 05 Druck auf den Ball beziehungsweise Gegenspieler erzeugt. Er liegt in Svenssons Amtszeit bei 11,5 Pässen – unter Beierlorzer lag er bei 14, unter Lichte sogar bei 15,3 Pässen. Die Mainzer Spieler bauen also deutlich früher Druck auf ihre Gegner auf, seit Svensson am Ruder ist.

Lohnenswert ist in Sachen Daten auch der Blick auf die Entwicklung einzelner Spieler. Moussa Niakhaté steht aktuell zwar in einzelnen Werten etwas schlechter da als unter Beierlorzer oder Lichte, bei dem er im Schnitt 2,4 erfolgreiche Tacklings hatte (aktueller Wert: 1,7). Allerdings weist er unter Svensson die deutlich beste Zweikampfquote von 75% auf – unter Beierlorzer lag diese fast 10 Prozent niedriger (66%). Spielmacher Kevin Stöger konnte den Wert der von ihm kreierten Torchancen unter Svensson von 0,4 (Lichte) auf 0,88 mehr als verdoppeln. Seine erfolgreichen Schlüsselpässe liegen nun bei 0,29 (0 unter Lichte).

Spannend ist auch die starke Entwicklung der Leihspieler aus Frankfurt, verglichen mit den Werten beim abgebenden Verein. So kommt Danny da Costa bei Mainz 05 im Vergleich zu den Einsätzen bei der Eintracht auf 28 (22,2) erfolgreiche Aktionen und 0,87 (0,56) kreierte Torchancen pro Spiel. Dominik Kohr glänzt mit 10 (5,8) Balleroberungen sowie 12,5 (6,5) erfolgreichen Zweikämpfen.

Bestätigen lässt sich mit den Zahlen zudem der Eindruck, dass Stefan Bell auf seine alten Tage die Saison seines Lebens spielt – zumindest fast. Lediglich 2017/18 wies Bell seit Beginn dieser Form der Datenaufzeichnung 2013/14 bessere Werte auf als in der laufenden Saison. Gemessen an den Top-5-Ligen sind seine Werte allesamt überdurchschnittlich, besonders auffällig sind die im Schnitt 14,2 Balleroberungen pro Spiel und die 3,7 Klärungsaktionen. (Für letztere weist opta sogar einen noch höheren Wert auf.) Und es gibt noch einen weiteren 05er, der bei dieser Kennzahl auffällig ist: Alexander Hack. Auch die neugewonnene defensive Stabilität des Teams unterstreichen die Zahlen demnach deutlich. Weiteren Nachholbedarf hat Mainz hingegen in der Qualität des Angriffsspiels. Zwar spielt 05 unter Svensson nach vorne aktiver, kann aber zu selten Nutzen daraus ziehen.

Fußball ist ein Puzzle, das sich aus vielen Teilen zusammensetzt, auf dem Feld ebenso wie in der Bewertung. Der Eindruck einer positiven spielerischen Entwicklung der Mainzer unter Svensson lässt sich anhand der Daten zu den Spielern und Partien bestätigen. Das ist gerade dann ein gutes Zeichen, wenn die Punkte mal ausbleiben sollten. Das Ziel, mit dem Team zum einen kurzfristig zu punkten, zum anderen aber eine spielerische Entwicklung zu schaffen, ist eines, dem sich die 05-Mannschaft gemeinsam mit dem Trainerteam Schritt für Schritt nähert.

*Bekannt ist vielen als Quelle für Daten sicher opta, deren Zahlen beispielsweise sky, DAZN oder der kicker nutzen. Vergleicht man die Daten, weichen die absoluten Zahlen bei den drei Anbietern durchaus voneinander ab, die Tendenzen sind aber vergleichbar.
**Quellen für die Fotos: Bo Svensson: 1. FSV Mainz 05 | Achim Beierlorzer, Jan-Moritz Lichte & Michael Falkenmayer: Malino Schust für Wortpiratin rot-weiß | Danny da Costa, Dominik Kohr: 1. FSV Mainz 05

Feministisches Couchgespräch in der Landesschau

Am Weltfrauentag 2021, dem feministischen Kampftag am 8. März, war ich in der Landesschau Rheinland-Pfalz eingeladen. Im „Couchgespräch“ mit Holger Wienpahl ging es unter anderem um meinen 05-Krimi „Vergiftete Hoffnung“ und meine Arbeit als Sportjournalistin, aber auch um mein Verständnis von Feminismus und wieso der für mich einen festen Platz im Fußball hat.

Die Kolleg*innen arbeiten dort nun schon seit vielen Monaten unter Corona-Bedingungen mit ungewohnten Abläufen und machen das wirklich famos. Special Shoutout an Annette Dany, die vom Vorgespräch über den Einspieler und die Betreuung vor Ort ganz wunderbar war.

Und natürlich herzlichen Dank für die Einladung!

1. FSV Mainz 05 Fußballfibel: Liebe ist ein Tuwort

Dieses Buch führt zu den Wurzeln des 1. FSV Mainz 05. Es erzählt Geschichten über Orte, die mit dem Verein bereist wurden, über Personen, die ihn geprägt haben und über Spiele, die die Fans nicht vergessen. Es sind Geschichten von Freude und Trauer, von Liebe und Freundschaft – und der tiefen Verbundenheit der Menschen mit einer Stadt, die ohne ihren FSV nicht komplett wäre.

Als wir dem Verlag im September 2019 die Zusage gaben, die Fußballfibel zum FSV Mainz 05 zu machen, saß Sandro Schwarz auf der Trainerbank, die Mannschaft hatte gerade zuhause Hertha BSC geschlagen und nach einem grauenhaften Start in die Saison schien es, als wäre das Schlimmste bald geschafft. Einige Probleme, mit denen der Verein zum Zeitpunkt der Abgabe im November 2020 kämpft, hatten sich da schon angedeutet, mit der Trainer-Entlassung wenig später waren sie brutal offensichtlich geworden. Bis dahin hatten wir uns die Zuversicht erhalten, es würde sich schon alles finden. So, wie es das bei Mainz 05 immer getan hat.

Die Neuerscheinungen der Fußballfibel zum Jahresbeginn. (Foto: CULTURCON)

Und mit „immer“ meinen wir natürlich: in den letzten 20 Jahren, in denen die unglaubliche Erfolgsgeschichte dieses Vereins geschrieben wurde. Denn auch wenn in der Saison 2020/21 die Stimmen lauter werden, die beklagen: „So schlimm stand es noch nie um Nullfünf!“, hat es schlechte und sehr schlechte Phasen, sportliches Gewürge und sich abwendende Fans immer wieder gegeben. Statt aber die letzten 20 Jahre als das Privileg zu begreifen, das sie sind – und Kraft daraus zu ziehen für den Weg durch dieses Tal – zerlegten sich die Beteiligten im und um den Verein in der jüngeren Vergangenheit in loser Reihenfolge selbst.

Wie soll man denn da eine Liebeserklärung schreiben? Ist eine Abrechnung nicht die bessere Alternative? Ein frustgeschwängertes Pamphlet, nach dem früher doch alles besser war? Wenn früher bedeutet vor Corona, war eines in Sachen Fußball tatsächlich besser, nämlich, dass wir ihn gemeinsam im Stadion erleben konnten. Die Krise schmerzt auch deshalb besonders, weil wir uns hilflos fühlen, nicht näher heranrücken können, zum Zusehen verdammt sind. Wir vermissen unseren Block, vermissen jene Menschen, mit denen wir die Spiele gemeinsam sehen, nach Abpfiff mit einem Bier in der Hand besprechen, mit denen wir Frust und Begeisterung teilen. Die Corona-Pandemie hat uns gezwungen, die Begegnung zu verlegen – statt in der Kurve haben wir uns auf Papier getroffen und diese Fibel geschrieben.

Herausgeber Oliver Heil und Herausgeberin Mara Pfeiffer (Foto: privat)

Viele haben wir dafür angesprochen, einige konnten in der aktuellen Situation ihre Muse nicht finden. Die meisten aber hatten Lust, sich auch und gerade jetzt mit dem Verein zu beschäftigen. Dem nachzuspüren, was sie einst zu Mainz 05 und ins Stadion gebracht hat, nachzudenken, wo Brüche waren, Menschen einen Text für die Fibel zu widmen, ohne die der Verein nicht da wäre, wo er ist – zwölf Spielzeiten hintereinander in der Ersten Liga, als einer von 18 Clubs im Oberhaus.

Wir haben Anhänger*innen aus dem Block gefragt und solche, mit denen wir vor Jahren das Fanzine DIE TORToUR geschrieben haben, wir haben Journalist*innen um Beiträge gebeten, die den FSV schon lange begleiten, haben Verantwortliche aus seinem direkten Umfeld angeschrieben und Menschen, die wir persönlich mit dem Verein verbinden. Dabei sind ganz unterschiedliche Beiträge herausgekommen, die uns in die Vergangenheit des Clubs führen, an Orte, die wir mit ihm bereist haben, zu Personen, die ihn geprägt und Spielen, die wir nicht vergessen haben. Als roter Faden schimmert durch die Texte eine unerschütterliche Zuneigung zum Verein.

Als wir im Corona-Frühling 2020 mit der Arbeit an der Fibel anfingen, waren wir uns nicht sicher, wie es mit Mainz 05 weitergehen würde in dieser herausfordernden Zeit. Die Frage können wir selbst jetzt, da das Buch erschienen ist, nicht beantworten. So viel aber ist gewiss: Wir werden den FSV weiter auf seinem Weg begleiten, wohin auch immer er führen mag. Weil wir gar nicht anders können. Liebe ist ein Tuwort.

Die Fibel ist erschienen bei Culturcon medien im Buchhandel sowie online erhältlich.

„Vergiftete Hoffnung“ – Mainz 05-Krimi mit Jo Zinn

Mein neues Buch ist da! Fünf Wörter – und darin eine ganze Welt. Klingt pathetisch? Mag sein, aber es ist ein sehr großes Gefühl, das sich da in einem ausbreitet. Eine sanfte Verwunderung darüber, die eigenen Gedanken auf Papier gedruckt zu sehen. Unfassbare Erleichterung, es tatsächlich geschafft zu haben. Ein bizzeliges Glück, Raum gefunden zu haben für die Worte. Und der Wunsch nach drei Monaten Winterschlaf, um die Batterien wieder aufzuladen. Stattdessen ruft der Schreibtisch laut, weil immer irgendetwas liegengeblieben ist, gerade während des Romanschreibens.

Ich versuche, dem Schreibtisch gerecht zu werden, aber auch dem Glück – und der Müdigkeit. Mich zu freuen, das aufzusaugen, was gerade passiert. Wieder (m)einen Arbeitsrhythmus ohne die Figuren zu finden, die mir so ans Herz gewachsen sind. Sie loszulassen und darauf zu vertrauen, dass die Leser*innen des Krimis ihre Geschichte gerne verfolgen werden. Die Zeit rund um das Erscheinen eines Buches birgt einen ganz bestimmten Zauber. Ich will ihn nicht verpassen, denn er ist immer wieder neu alles andere als selbstverständlich.

Etwa 60 Exemplare des Buches habe ich bereits als Geschenke und auf Bestellung in die Welt geschickt. Oft erreichen mich ähnliche Fragen und die möchte ich deshalb einmal gesammelt in diesem Beitrag beantworten.

Wo kann ich den Krimi kaufen?
„Vergiftete Hoffnung“ ist im Societäts-Verlag erschienen. Das Buch kann auf der Homepage des Verlags bestellt werden. Eine tolle Möglichkeit ist online außerdem der Shop der Autorenwelt, die für jedes Exemplar einen extra Betrag an Autor*innen abführen. Außerdem bekommt ihr den Krimi in jeder normalen Buchhandlung. Natürlich findet ihr ihn online auch bei Amazon, schöner wäre aber, ihr unterstützt eine der anderen Stellen

Kann ich den Krimi auch bei dir bestellen?
Ja, gerne. Schreibt mir einfach eine Mail an flaschenpost@wortpiratin.de. Die Bezahlung erfolgt via Paypal oder Überweisung, auf Wunsch kann ich eine Rechnung ausstellen. Da die Post seit dem letzten Buch die klassische Büchersendung zur Bücher- und Warensendung gemacht hat, die deutlich teurer ist, muss ich das Porto leider mitberechnen. Es sind 1,90* Euro für Buchversand oder 2,70 Euro für den normalen Versand. Bitte bedenkt das bei der Bestellung. (Ich hatte mich bei den ersten Bestellungen vertan und 2,20 Euro genutzt, tatsächlich sind es bei in Größe 1,90 Euro.)

Spendest du wieder an die DKMS?
Ja. Wie bereits bei Im Schatten der Arena will ich die DKMS mit dem Buch unterstützen. Für jede Bestellung, die bis zu meinem Geburtstag (22.9.) bei mir eingeht, spende ich 50 Cent. Wenn ihr Fotos vom Buch in den sozialen Netzwerken postet und mich verlinkt, 10 Cent pro Bild. Gezählt wird ein Foto pro Netzwerk. Ihr müsst das Buch dafür nicht bei mir gekauft haben.

Wie kann ich dich mit dem Buch unterstützen?
Wenn euch der Krimi gefällt, freue ich mich sehr, wenn ihr Werbung dafür macht, indem ihr zum Beispiel anderen davon erzählst. Was auch ganz wunderbar ist: Rezensionen. Die auch sehr gerne bei Amazon, weil sich viele Menschen hier vor einem Kauf informieren. Eine andere sehr schöne Möglichkeit dafür ist Lovelybooks. Das muss auch gar kein Roman sein, ein, zwei Zeilen dazu, was euch an dem Buch gefällt, reichen vollkommen aus. Dafür vorab ganz herzlichen Dank!

Gibt es eine Premierenlesung?
Ja! Auch in Zeiten von Corona wird es die glücklicherweise geben – und das an der frischen Luft –, nämlich am Freitag, 11. September, um 18.30 Uhr, im gemeinsamen Biergarten von KUEHN KUNZ ROSEN und dem Kick’n’Rush & Fanhaus Mainz, in Kooperation mit dem tollen Fanprojekt Mainz. Ich bin sehr glücklich, so eine wunderbare Location mit so großartigen Leuten für die Premiere gefunden zu haben. Achtung: Wir haben den Beginn um eine halbe Stunde vorverlegt, weil am selben Abend der 1. FSV Mainz 05 im DFB-Pokal antritt. Das Spiel beginnt um 20.45 Uhr und es gibt im Fanhaus die Möglichkeit, es nach der Lesung zu sehen.

Muss ich mich zur Lesung anmelden?
Nein, eine Anmeldung ist kein Muss. Das bedeutet vor allem, dass ihr auch spontan kommen könnt. Wenn ihr aber relativ sicher wisst, dass ihr dabei sein werdet, helft ihr den Veranstalter*innen mit einer Anmeldung, da sie so besser planen können, gerade in Corona-Zeiten… Schickt dafür einfach eine Mail an info@kuehnkunzrosen.de, damit habt ihr dann auch einen Platz sicher.

Apropos Corona: Was, wenn die Zahlen weiter steigen?
Sollte sich in Sachen Platzbeschränkung bis zu der Lesung etwas ändern, was Auswirkungen auf den Abend hat, informieren wir euch darüber in der Facebook-Veranstaltung. Dasselbe gilt auch, sollte das Wetter nicht mitspielen für einen Abend im Biergarten.

Ich bin Journalist*in | Blogger*in | Podcaster*in und möchte gern etwas zum Krimi machen. Wie funktioniert das am besten?
Schreibt mir in diesem Fall gern eine Mail an wortpiratin@marapfeiffer.de, dann organisiere ich ein Belegexemplar. Wenn ihr ein Interview mit mir führen möchtet oder Bücher verlosen, wendet euch ebenfalls gern an mich.

Ganz lieben Dank für euer Interesse!
Mara

Fußball und Feminismus: Das Private ist politisch

Zu irgendeinem anderen Zeitpunkt hätte ich diesen Text vermutlich mit dem Satz begonnen: Heute war ein seltsamer Tag. Aber sind gerade nicht alle Tage irgendwie seltsam? Zumindest beim Blick nach draußen, in die Welt, die sich durch Corona permanent verändert. Und mit ihr die Menschen, wir alle, auf unterschiedlichste Arten und Weisen.

Also lasse ich den Satz an der Stelle sein, weil er seine Bedeutung für den Moment verloren hat. So ist das, in einer globalen Pandemie. Manche Dinge verlieren für einen Augenblick ihre Bedeutung, manche auch länger – und das ist völlig okay. Andere aber verlieren ihre Bedeutung nicht, bekommen nur durch die Pandemie sehr viel weniger Aufmerksamkeit. Und das ist leider nicht okay. Aber der Reihe nach.

Jede*r Mensch, di*er feministisch denkt und handelt, kennt den Moment, indem si*er sich die Frage beantwortet: Möchte ich das unter diesem Begriff tun? Feminist*in? Nein, ganz so verpönt wie ehemals Emanze ist der nicht, aber schon ein Kampfbegriff und vielen daher ein rotes Tuch.

Ich habe mal in einem Interview gesagt, dass ich über die Tat zum Wort gekommen bin und genau das ist damit gemeint. Irgendwann ging es aber einfach nicht mehr ohne. Wenn mich Menschen fragen, ob ich Vegetarierin bin, sage ich: „Ich esse kein Fleisch.“ Was ich mir aber (noch) nicht abgewöhnt habe, sind Gummibärchen. Das ist zu groß, um mich mit dem Wort Vegetariern wohlzufühlen. Mit dem Feminismus ist es genau umgekehrt: Irgendwann habe ich mich ohne den Begriff nicht mehr wohlgefühlt.

Das ist bislang alles nur Vorgeplänkel. Ich könnte mich dafür entschuldigen. Aber ich habe keine Lust mehr, mich zu entschuldigen. Es ist sehr befreiend.

(Gar nicht gemeint ist damit übrigens, sich Entschuldigungen in ganz konkreten Konflikten abzugewöhnen. Sie taugen nur nicht als generelle Haltung, weil alles darin verschwimmt.)

Fußball. Ficken. Feminismus.

Gepostet von Scortesi Babelsberg am Sonntag, 6. Januar 2019

Wenn Menschen den Begriff Feminismus im Fußballkontext lesen, sorgt das bisweilen noch immer für Verwirrung. Wie passt das zusammen? Die Unsicherheit wird gern weggescherzt: „Willst du den Proleten in der Kurve Manieren beibringen, hihi?“ „Müssen wir uns jetzt auch noch im Stadion benehmen, haha?“ Schön wäre es ja. Genauso, wie ein wenig Grundbildung über Fans, deren Bild als eierkratzende, schwitzende, pöbelnde Proleten nämlich im Großen und Ganzen ziemlich aus der Zeit gefallen ist. Aber ich schweife ab.

Plötzlich gehört man also zwei Gruppierungen an, die einigen Teilen der Gesellschaft suspekt sind: Feministinnen und Fußballfans. Auch noch beides auf einmal. Da kann dem einen oder der anderen schon mal der Kopf platzen im Gespräch. Und nicht nur das. Ich für meinen Fall widme mich dem Fußball zudem als Journalistin: in der Zeitung, im Podcast „FRÜF – Frauen reden über Fußball“ und hin und wieder in meinem eigenen Blog. Da ist für manche schon die Grenze zur Zumutung überschritten.

Persönlich habe ich mich in all der Zeit mit dem Thema vor allem gewundert über so manche Reaktion. Darüber, wie wenig andere offenbar zusammenkriegen, was für mich so natürlich Hand in Hand geht. Aber letztlich ist der Blick von außen nicht mein Problem – oder doch?

An dieser Stelle wird es kompliziert, auch, weil wir mit Gewohntem brechen.

Ich habe ein Shirt und ich werde es benutzen.

Obwohl wir Frauen immer Teil der Fußballwelt waren und sich das weit in die Vergangenheit zurück belegen lässt, scheinen viele Männer den Bereich noch als eine Oase zu empfinden, in der sie gerne ihre Ruhe hätten vor den Weibern. Und auch davor, dass dieser Satz mit seiner eindimensionalen Betrachtung schon jede Menge Widerspruch auslöst. Männer und Frauen? Schwarz und weiß?

Wie stark wollen wir eigentlich themenübergreifend noch in Geschlechtern denken? Sind es nicht vielmehr männlich gelesene und weiblich gelesene Personen? Sind Zuschreibungen wie männlich und weiblich überhaupt weiterhin sinnvoll? Wo finden sich Enbys wieder, wenn in solchen Kategorien gesprochen und geschrieben wird?

Wurde es zunächst einfach kompliziert, regt sich nun bein manchen auch echter Widerspruch. Der kommt in ganz unterschiedlichen Gewändern daher. Völlige Ablehnung. Totale Zustimmung. Und dann der diffuse Zwischenraum, in dem Menschen die Wichtigkeit dieser Themen eigentlich für sich erkannt haben, aber mit ihrer Umsetzung zu kämpfen haben.

In diesem Zwischenraum bewegen wir alle uns von Zeit zu Zeit. Probleme im Umgang mit diesen Themen anzusprechen, heißt nicht etwa, selbst perfekt darin zu sein. Es bedeutet aber, sie wichtig genug zu nehmen, um etwas daran verbessern zu wollen. Auch, wenn es häufig zu metaphorisch blutigen Nasen führt, weil andere sich davon genervt fühlen.

Gendergerechter Sprache und ähnliches möchten nicht wenige Fans am liebsten von „ihrem Fußball“ fernhalten. Für andere ist der erste Affront schon, dass Frauen sich überhaupt zum rollenden Ball äußern. Sprechen wir an dieser Stelle der Einfachheit halber von Blasen – ich versuche sonst, das zu vermeiden – so habe ich natürlich keine Menschen in meiner Social-Media-Blase, die so denken (und in meinem Offline-Umfeld sowieso nicht). Das bedeutet aber nicht, dass mir ihre Meinung nicht aus Leserbriefen entgegenschlägt oder in Kommentaren zu meinen Beiträgen landet, die ja nicht nur Menschen lesen, mit denen ich im persönlichen Austausch stehe. Der Ton, der da meist angeschlagen wird, ist geringschätzig und belehrend.

Natürlich ist es lachhaft, wenn nicht-männlich gelesene Personen darauf hingewiesen werden, sie hätten im Fußball vermeintlich nichts zu suchen. Trotzdem findet dabei ein gewisser Abnutzungsprozess statt, den Männer auf diese Art schlicht nicht erleben. Sie werden eben nicht daran erinnert, doch bitte bei ihren Leisten zu bleiben oder gleich die Fresse zu halten. Sie können – prominente Beispiele beweisen das – ihren Senf zum Fußball noch so unqualifiziert äußern, trotzdem gehören sie irgendwie dazu, und sei es als Folklore. Den Widerstand, den nicht-männlich gelesene Menschen auch heute noch oft erleben bei dem Thema, kennen sie nicht und können seine Wucht deshalb selten nachvollziehen.

Männer lesen Magazine, in denen andere Männer wiederum andere Männer zum Fußball befragen. Damit meine ich natürlich nicht die Spieler oder Funktionäre, die im Fußball der Männer eben genau das sind. Ich meine die Männer, die ihre Geschichten von prägenden Fußballmomenten erzählen, ihre Meinung und Sicht auf die Dinge vor Publikum ausbreiten, als könnte sich kein*e andere*r dazu äußern. In den letzten Monaten habe ich – bis auf den ballesterer – tatsächlich alle Fußballmagazine gekündigt, die ich teilweise für lange Jahre abonniert hatte. Einfach, weil es mich nicht mehr interessiert, immer diese ausschließlich männliche Perspektive darin vorgesetzt zu bekommen. In der Singularität langweilt mich das. Ich will das nicht mehr, oder besser: Ich will eben mehr.

Damit meine ich nicht nur die Stimmen von Frauen, ich mein eine generell höhere Diversität. Männer, Frauen, Enbys, Weiße, Schwarze, Behinderte, Hetero- und Homosexuelle. Ich habe die Nase voll davon, Interviews mit Behinderten nur zu lesen, wenn es um ihre Behinderung geht, mit nicht-deutsch Gelesenen primär zu Rassismus, mit Juden zu Antisemitismus, mit Frauen zu Familie, Pflege und Homeschooling. Ich möchte, dass all diese Menschen zu Wort kommen. Ich will nicht am Bild einer Muslimin mit Kopftuch erkennen, dass es im Text um Religion geht, sondern möchte sie über Basketball sprechen hören. Ich möchte, dass Juden von ihrer Liebe zum Kino erzählen, Schwarze über Homeschooling sprechen, Männer über Pflege. Ich habe es satt, in Schubladen gesteckt zu werden oder Texte zu lesen, die innerhalb dieser Schubladen gedacht sind. Und ich bin nun wirklich nicht die Einzige.

Damit sind wir zurück an dem Punkt, dass manche Themen in dieser Krise an Bedeutung verlieren – und andere nicht. Das Thema Diversität verliert garantiert nicht an Bedeutung. Dennoch versuchen viele Menschen, uns gerade das Gegenteil zu erklären. Und „uns“ meint in dem Fall auch ganz konkret: uns Feministinnen. Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft mir zuletzt die Frage gestellt wurde, ob ich auch in dieser Situation „mit dem Thema kommen“ wolle. Als hätte Corona nun alles abgeschafft oder der Bedeutung beraubt, Diversität, Feminismus, Sichtbarkeit. Die Antwort ist also klar: ja, ich will auch jetzt mit diesen Themen kommen. Weil ich und wir alle es müssen. Weil es keine Alternative gibt.

Und hier wird nun der große Bogen, den ich mit diesem Text geflogen bin, wieder kleiner, komme ich zurück zum Thema Fußball und der Sichtbarkeit von Frauen bei ganz konkreten Projekten, egal, wie klein oder groß sie sind.

Manch eine*r wird sich fragen, wieso wir diese große Schleife geflogen sind, um zu einem vermeintlich einfachen Thema zu kommen: Warum kritisiert eine Handvoll Frauen, wenn Blogger, die sie sehr schätzen, eine öffentliche Leserunde unter sich ins Netz stellen?

Die Frage nach der Schleife lässt sich für mich am besten so beantworten: Weil die meisten nicht-männlich gelesenen Menschen, die im Fußball unterwegs sind, Teile davon permanent fliegen. Weil sie ihren, weil wir unseren Umgang mit Fußball für uns als das Selbstverständlichste der Welt empfinden, aber von Teilen dieser Welt immer wieder aufs Neue gespiegelt bekommen, das sei nicht unser Tanzbereich. Weil es uns als jammern ausgelegt wird, das anzusprechen. Und weil uns das inhaltlich zwar auf der einen Seite am Boppes vorbeischwirrt – es aber trotzdem nervt. Abnutzt.

In der Konsequenz haben sich Frauen, die im Fußball unterwegs sind, in den letzten Jahren verstärkt zusammengetan. Das ist bei „F_in – Frauen im Fußball“ ebenso passiert wie bei „FRÜF“ und vielen anderen Stellen. Diese Bande sind auch deshalb wichtig, weil sie die Selbstverständlichkeit, die wir empfinden, betont und nach außen trägt. Und es ist zum Glück auch nicht so, als würde sich gar nichts bewegen. Es ist nur noch lange nicht genug.

Die Antwort auf das „Warum“ in Bezug auf die Leserunde ist vielschichtig. Der erste Teil ist im Grunde ein Kompliment: Von vielen der Beteiligten hätten wir mehr erwartet. Weil wir mehr von ihnen gewohnt sind und sie zu der Blase gehört, die nicht nachfragt, ob Menschen sich weiblich oder männlich identifizieren. Leider ist das nicht gleichbedeutend damit, sich mit Geschlecht nicht auseinanderzusetzen. Überall, wo Ungleichheit herrscht, muss am Status quo geschraubt werden. So zu tun, als wäre daran irgendein Teil privat, ist schlicht und ergreifend Quatsch. Das Private ist längst politisch.

Natürlich steckt auch Verärgerung darin, darauf aufmerksam zu machen. Grund dafür ist auch die beschriebene Schleife. Die Abnutzung, der Frust darüber, denselben Themen immer wieder zu begegnen. Und damit, ja, irgendwann die Geduld zu verlieren. Ungläubig zu sein darüber, wie sich alles wiederholt. Auch bei Leuten, bei denen gegenseitige Wertschätzung da ist. In dieser Konstellation nervt und schmerzt es ehrlich gesagt besonders.

Negativer Höhepunkt, wie sich auch hier „Argumente“ wiederholen. Es waren keine Frauen zu kriegen, wir haben doch gefragt. Ihr beschwert euch ja auch nicht, dass keine Behinderten oder Ausländer dabei sind. Nervt nicht. Ihr macht uns alles kaputt. Hände hoch, wer das so schon erlebt hat. Die Kritiker*innen werden gleichzeitig zu Täter*innen („Ihr macht uns alles kaputt“) und Opfern („Jammert nicht“) gemacht. Alles innerhalb dieser Schleife wiederholt sich. Wieder. Und wieder. Und wieder. Es ist einfach unfassbar ermüdend.

Ja, wenn von 100 Menschen, die sich zu Fußball äußern, 90 Männer sind, dauert es länger, Frauen für eine Runde zu finden. Damit haben wir alle bei unseren Projekten Erfahrungen gemacht. Es bedeutet, eben länger und intensiver suchen zu müssen.

Aber das ist doch nur ein privater Gig. Ja, das ist auch wunderbar, aber wenn er am Ende im Internet steht, ist es eben doch eine öffentliche Veranstaltung. Die nächste, bei der nur eine Menge weißer Männer über Fußball spricht. Ganz ehrlich, wollt ihr Teil davon sein?

Aber ihr wart schon auch pampig. Möchte ich gar nicht ausschließen. Wir haben bei dem Thema ein gewisses Standgas. Wir gehen in unserer Blase aber auch davon aus, es ansprechen zu können, ohne dass Beteiligte die beleidigte Schildkröte geben – und in ihrem Panzer verschwinden, aus dem heraus sie dann mosern.

Dazwischen ganz viel Schweigen, das laut dröhnt. Von Menschen, die sich das leisten können, weil ihr Alltag nicht aus diesen Widerständen besteht.

Nichts davon ist schön. Zumal, weil im konkreten Fall eben Menschen aufeinandertreffen, die sich in weiten Teilen gegenseitig kennen und schätzen. Wenn Kommunikation und Verständnis in dieser Konstellation schon so schwierig sind, was sagt das dann über unser Gesellschaft als Ganzes? Vielleicht lieber gar nicht drüber nachdenken. Und die Hoffnung trotzdem nicht aufgeben.

Keine*r von uns steht morgens auf und nimmt sich vor, der Stachel im Fleisch der Gewohnheit anderer Menschen zu sein. Manchmal ist so ein Stachel aber das Einzige, was uns alle dazu bringt, innezuhalten. Weil irgendwas unangenehm ist. Weil wir deutlicher spüren als sonst, diese Gewohnheit funktioniert so nicht mehr. Weil wir im Angesicht des Stachels eben Dinge hinterfragen, die bis dahin ohne Gegenworte durchgerauscht sind. Weil uns allen Dinge durchrutschen. Weil wir alle von Zeit zu Zeit diese Stachel spüren müssen, um unseren Trott aufzubrechen.

Es gibt keine Veränderung, ohne Widerstand.