„Vergiftete Hoffnung“ – Mainz 05-Krimi mit Jo Zinn

Mein neues Buch ist da! Fünf Wörter – und darin eine ganze Welt. Klingt pathetisch? Mag sein, aber es ist ein sehr großes Gefühl, das sich da in einem ausbreitet. Eine sanfte Verwunderung darüber, die eigenen Gedanken auf Papier gedruckt zu sehen. Unfassbare Erleichterung, es tatsächlich geschafft zu haben. Ein bizzeliges Glück, Raum gefunden zu haben für die Worte. Und der Wunsch nach drei Monaten Winterschlaf, um die Batterien wieder aufzuladen. Stattdessen ruft der Schreibtisch laut, weil immer irgendetwas liegengeblieben ist, gerade während des Romanschreibens.

Ich versuche, dem Schreibtisch gerecht zu werden, aber auch dem Glück – und der Müdigkeit. Mich zu freuen, das aufzusaugen, was gerade passiert. Wieder (m)einen Arbeitsrhythmus ohne die Figuren zu finden, die mir so ans Herz gewachsen sind. Sie loszulassen und darauf zu vertrauen, dass die Leser*innen des Krimis ihre Geschichte gerne verfolgen werden. Die Zeit rund um das Erscheinen eines Buches birgt einen ganz bestimmten Zauber. Ich will ihn nicht verpassen, denn er ist immer wieder neu alles andere als selbstverständlich.

Etwa 60 Exemplare des Buches habe ich bereits als Geschenke und auf Bestellung in die Welt geschickt. Oft erreichen mich ähnliche Fragen und die möchte ich deshalb einmal gesammelt in diesem Beitrag beantworten.

Wo kann ich den Krimi kaufen?
„Vergiftete Hoffnung“ ist im Societäts-Verlag erschienen. Das Buch kann auf der Homepage des Verlags bestellt werden. Eine tolle Möglichkeit ist online außerdem der Shop der Autorenwelt, die für jedes Exemplar einen extra Betrag an Autor*innen abführen. Außerdem bekommt ihr den Krimi in jeder normalen Buchhandlung. Natürlich findet ihr ihn online auch bei Amazon, schöner wäre aber, ihr unterstützt eine der anderen Stellen

Kann ich den Krimi auch bei dir bestellen?
Ja, gerne. Schreibt mir einfach eine Mail an flaschenpost@wortpiratin.de. Die Bezahlung erfolgt via Paypal oder Überweisung, auf Wunsch kann ich eine Rechnung ausstellen. Da die Post seit dem letzten Buch die klassische Büchersendung zur Bücher- und Warensendung gemacht hat, die deutlich teurer ist, muss ich das Porto leider mitberechnen. Es sind 1,90* Euro für Buchversand oder 2,70 Euro für den normalen Versand. Bitte bedenkt das bei der Bestellung. (Ich hatte mich bei den ersten Bestellungen vertan und 2,20 Euro genutzt, tatsächlich sind es bei in Größe 1,90 Euro.)

Spendest du wieder an die DKMS?
Ja. Wie bereits bei Im Schatten der Arena will ich die DKMS mit dem Buch unterstützen. Für jede Bestellung, die bis zu meinem Geburtstag (22.9.) bei mir eingeht, spende ich 50 Cent. Wenn ihr Fotos vom Buch in den sozialen Netzwerken postet und mich verlinkt, 10 Cent pro Bild. Gezählt wird ein Foto pro Netzwerk. Ihr müsst das Buch dafür nicht bei mir gekauft haben.

Wie kann ich dich mit dem Buch unterstützen?
Wenn euch der Krimi gefällt, freue ich mich sehr, wenn ihr Werbung dafür macht, indem ihr zum Beispiel anderen davon erzählst. Was auch ganz wunderbar ist: Rezensionen. Die auch sehr gerne bei Amazon, weil sich viele Menschen hier vor einem Kauf informieren. Eine andere sehr schöne Möglichkeit dafür ist Lovelybooks. Das muss auch gar kein Roman sein, ein, zwei Zeilen dazu, was euch an dem Buch gefällt, reichen vollkommen aus. Dafür vorab ganz herzlichen Dank!

Gibt es eine Premierenlesung?
Ja! Auch in Zeiten von Corona wird es die glücklicherweise geben – und das an der frischen Luft –, nämlich am Freitag, 11. September, um 18.30 Uhr, im gemeinsamen Biergarten von KUEHN KUNZ ROSEN und dem Kick’n’Rush & Fanhaus Mainz, in Kooperation mit dem tollen Fanprojekt Mainz. Ich bin sehr glücklich, so eine wunderbare Location mit so großartigen Leuten für die Premiere gefunden zu haben. Achtung: Wir haben den Beginn um eine halbe Stunde vorverlegt, weil am selben Abend der 1. FSV Mainz 05 im DFB-Pokal antritt. Das Spiel beginnt um 20.45 Uhr und es gibt im Fanhaus die Möglichkeit, es nach der Lesung zu sehen.

Muss ich mich zur Lesung anmelden?
Nein, eine Anmeldung ist kein Muss. Das bedeutet vor allem, dass ihr auch spontan kommen könnt. Wenn ihr aber relativ sicher wisst, dass ihr dabei sein werdet, helft ihr den Veranstalter*innen mit einer Anmeldung, da sie so besser planen können, gerade in Corona-Zeiten… Schickt dafür einfach eine Mail an info@kuehnkunzrosen.de, damit habt ihr dann auch einen Platz sicher.

Apropos Corona: Was, wenn die Zahlen weiter steigen?
Sollte sich in Sachen Platzbeschränkung bis zu der Lesung etwas ändern, was Auswirkungen auf den Abend hat, informieren wir euch darüber in der Facebook-Veranstaltung. Dasselbe gilt auch, sollte das Wetter nicht mitspielen für einen Abend im Biergarten.

Ich bin Journalist*in | Blogger*in | Podcaster*in und möchte gern etwas zum Krimi machen. Wie funktioniert das am besten?
Schreibt mir in diesem Fall gern eine Mail an wortpiratin@marapfeiffer.de, dann organisiere ich ein Belegexemplar. Wenn ihr ein Interview mit mir führen möchtet oder Bücher verlosen, wendet euch ebenfalls gern an mich.

Ganz lieben Dank für euer Interesse!
Mara

Rezension und mehr: Ein Hoch auf den Meenzer on Tour

Bereits auf der ersten Seite von „Zu Gast. In vielen Ecken dieser Welt“ haben zwei der Themen einen kurzen Auftritt, die im Leben von Autor Christoph Kessel eine große Rolle spielen: Reisen und Fußball. Da heißt es wörtlich: „Dank meiner Eltern hatte ich seit meiner frühesten Kindheit mehrmals im Jahr die Gelegenheit zu reisen.“ Weiter erfahren die Leser*innen, der Autor hat der Überlieferung nach am Tag des WM-Finales Deutschland gegen Holland 1974 das Laufen gelernt. „Während mein Vater in der Kneipe des Gasthauses den WM-Sieg von Kaiser Franz & Co. am Fernseher sah, schaute mir im Obergeschoss meine Mutter auf dem Flur zu, wie ich die ersten Schritte ohne Hilfe hinbekam.“

Wunderbare Strandlektüre, die sich aber auch fürs Sofa eignet. (Foto: WP)

Ein drittes Herzensthema Kessels folgt nur eine Seite später, da nämlich geht es nicht nur ums Reisen an sich, sondern auch dessen Nachhaltigkeit. Jene Nachhaltigkeit, längst nicht nur bezogen auf Flugbewegungen, nimmt seit geraumer Zeit einen großen Platz in den Gedanken und im Wirken des Autors ein, der seinen Follower*innen auch als Meenzer on Tour bekannt ist – so nämlich lautet sein Username auf den Plattformen Facebook, Twitter und Instagram, auf denen er sich rund um seine selbstgewählten Schwerpunkte bewegt.

„Zu Gast“ ist nicht Kessels erste Buchveröffentlichung, zuvor ist von ihm bereits „Nächster Halt: Darjeeling-Hauptbahnhof – Eine Weltreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln“ erschienen. Beiden gemein ist der ganz persönliche, sehr nahbare Erzählansatz, der die Leser*innen direkt mitnimmt in das beschriebene Geschehen und die Gedankenwelt des stets reflektierten Autors. Dabei geht es um Themen wie Ökotourismus in der Karibik, warum Alleinreisen nichts mit Einsamkeit zu tun hat, den längsten Flug eines Lebens versus den kürzesten Aufenthalt in einem Land, die Aufzucht von Elefanten-Waisenkindern in Sri Lanka und Spiele von Mainz 05 in der Oberliga Südwest. Letzteres im Rückblick auf die glanzlose eigene Fußballsozialisation in den 1980ern, denn natürlich ist Kessel nicht nur Fan irgendeines Vereins, sondern hält es mit dem besten Club der Welt, dem 1. FSV Mainz 05. Und das schwingt auch in seinen Büchern mit.

Ein Narrenreich für einen Turnbeutel! (Foto: Christoph Kessel)

Kessels Stärke ist es, mit Buchstaben Nähe und Überzeugung herzustellen. Wer seine Texte liest, spürt deren innere Wahrheit, das gilt auch dann, wenn Fernreisen beispielsweise nicht zu den eigenen Hauptinteressen zählen. Die Tatsache stellt kein Hindernis dar bei der Lektüre, im Gegenteil: Durch diese vermittelt sich das Gefühl, die fernen Orte auch von der heimischen Couch aus kennengelernt und, mehr noch, eine Beziehung zu ihnen entwickelt zu haben. Wer selbst viel und gerne in fremden Ländern unterwegs ist, dürfte die Gedankenreise zwischen den Buchdeckeln vermutlich sogar noch mehr genießen im Abgleich der eigenen Erfahrung.

Seine positive Wucht entfaltet das Buch aber nicht nur auf den beschriebenen Seiten, sondern auch durch die Haltung Kessels im Umgang mit seinen Worten und der Welt. Wer das Buch beim Autor selbst kauft, stellt damit sicher, dass ein Euro jedes verkauften Exemplars an eine von drei der darin beschriebenen Organisationen geht, nämlich im Einzelnen: „Tacugama“ in Sierra Leone, den „Sheldrick Wildlife Trust“ in Kenia oder „Helfende Hände für Nepal Mainz“. Nähere Informationen dazu, wie das Geld jeweils vor Ort eingesetzt wird, finden sich hier.

Meenzer für Mehrweg: die Soulbottle. (Foto: Christoph Kessel)

Diese Form der Unterstützung hat Kessel sich längst universell auf die Fahne geschrieben, oder eher: den Beutel und die Flasche. Auch mit seinem aus Bio-Baumwolle unter dem Fairtrade Logo produzierten „Meenzer on Tour“-Turnbeutel unterstützt er die wichtige Arbeit der Organisationen für Waisenkinder, Elefantenbabys und Selbsthilfe in Nepal. Außerdem bietet er seit einiger Zeit auf seiner Homepage wiederverwendbare Soulbottles als Alternative zu Wegwerf-Trinkflaschen an. Mit dem Erwerb unterstützen Käufer*innen WASH-Projekte, Viva Con Agua de St. Pauli e.V. und die Welthungerhilfe. Wer die von Kessel erdachten und vertriebenen Produkte als Foto über die sozialen Netzwerke teilt, sorgt dafür, dass er jeweils erneut 50 Cent an die vorgeschlagenen Organisationen spendet, wobei di*erjenie, di*er das Bild veröffentlicht, die Spendenempfänger festlegen kann.

Lang andauernde Verbindung. (Foto: Malino Schust)

Was beim kurzen Überfliegen klingen mag, wie ein Werbeblock, ist eine von Herzen kommende Handreichung einer Überzeugungstäterin zum anderen: Ich kenne Christoph Kessel aus dem Umfeld des FSV Mainz 05 seit vielen Jahren und verfolge mit einer hohen Anfangsbegeisterung, die über die Jahre immer weiter gewachsen ist, das, was er tut und bewegt. Für einen Verein wie Mainz 05 finde ich es sehr wichtig und positiv, einen Menschen wie ihn im Umfeld zu haben.

Für all jene Organisationen, die Kessel sich als Ziel seiner nimmermüden Unterstütung ausgesucht hat, sind seine Aktivitäten ein Geschenk. Und als solches gehören seine Produkte auch unter jeden Weihnachtsbaum. Nicht nur, weil er sie mit Liebe und Herzblut erdenkt und umsetzt, sondern weil sie Sinn stiften und Freude geben.

„Im Schatten der Arena“ unterm Weihnachtsbaum

Kurz nach der Veröffentlichung von „Im Schatten der Arena“ im Mai hatte ich bereits ein FAQ rund um den Krimi verfasst. Pünktlich zur Vorweihnachtszeit gibt’s eine kleine Aktualisierung für alle, die Interesse daran haben, den Krimi beispielsweise am 24. Dezember unter den geschmückten Baum zu legen. Mit ein bisschen Mühe passt er vielleicht sogar in den Nikolausstiefel…

Im Schatten der Arena

Wo sollen wir den Krimi kaufen, damit du am meisten davon hast?
Wer das Buch signiert oder mit einer Widmung möchte, kann es gerne per Mail direkt bei mir bestellen. Für alle Bestellungen, die mich bis zum 17. Dezember erreichen, spende ich 50 Cent an die DKMS Deutschland, die ich schon länger unterstütze. Generell freue ich mich, wenn ihr es der Buchhandlung eures Vertrauens besorgt, um den lokalen Handel zu unterstützen. Wer gerne online bestellen will, kann das zum Beispiel im Shop der Autorenwelt tun, die sehr fair abrechnen – oder auf der Homepage des Verlags.

Bekomme ich für mein/e/n Blog/Podcast/Zeitung nach wie vor ein Rezensionsexemplar?
Meldet euch gerne direkt bei mir, ich leite die Anfragen an den Verlag weiter. Grundsätzlich freuen wir uns natürlich über jede Besprechung und die meisten Anfragen sind machbar.

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Wird es weitere Lesungen geben?
Aber klar! Die Premiere war am 18. Mai im Hugendubel Mainz. Seither war ich mit dem 05-Krimi schon unter anderem in der Loge von Lotto Rheinland-Pfalz, auf der Buchmesse oder im Fanhaus zu Gast. Am Donnerstag, 15. November, lese ich auf Einladung von Mainz 05 hilf e.V. in der Arena, Voranmeldungen bitte an classics@mainz05.de. Tags darauf ist Vorlesetag und im Rahmen der Aktion „Mainz liest bunt“ besuche ich das Schlossgymnasium. Auch für diese Lesung wird um Voranmeldung per Mail (sekretariat@verwaltung.schloss-online.de) gebeten.

Wie kann ich dich unterstützen?
Ich freue mich über jeden, der einfach Lust hat, mein Buch zu lesen. Wer zusätzlich eine kleine Rezension – zum Beispiel bei Amazon oder LovelyBooks – hinterlässt oder anderswo trommelt, macht mir natürlich eine besondere Freude. Sehr schön finde ich auch, wenn mich per Mail oder über die sozialen Netzwerke Bilder davon erreichen, wo der Krimi überall unterwegs ist.

Vielen lieben Dank für euer Interesse!

Ein Blog, ein Buch, ein Brunnen: Rebellenlesung in Mainz

Würde man eine Lesung der Wochenendrebellen vorab inszenieren wollen, wäre das eine heikle Angelegenheit. Die Einsätze! Das Timing! Die Gags! Die Regie hinter der Bühne käme vermutlich ziemlich ins Schwitzen. Doch es gibt keine Inszenierung, ergo auch keine Regie und bei der Lesung im Fanhaus Mainz nicht mal eine Bühne, da ohne mehr Interessierte ins Kick’n Rush, die ureigene Kulturkneipe, passen. Stattdessen einen Tisch, an dem Jason sich ausgebreitet und Vater Mirco (s)ein Eckchen zugewiesen hat, damit „das Setting hier gleich mal die Hierarchie in der Familie klarmacht“, wie Letzterer schmunzelnd verkündet. Und es gibt natürlich Regeln, unter anderem die, dass der Sohnemann bestimmen darf, wie es läuft.

Das Kick'n Rush ist die Kulturkneipe im Fanhaus Mainz. (Foto: WP)

Das Kick’n Rush ist die Kulturkneipe im Fanhaus Mainz. (Foto: WP)

Jason erkundigt sich denn auch direkt selbstbewusst nach der Gästeliste, da es aufgrund einer aktuellen Grippewelle einige kurzfristige Absagen bei der von der Fanabteilung des FSV Mainz 05 organisierten Lesung gegeben hat. Die Namen wolle er auf seine Hassliste setzen, erklärt er, wobei es ihm am liebsten wäre, Papsi würde vorher überall anrufen, um zu klären, wer begründet und wer gedankenlos abgesagt hat. Denn er hasst zwar Unzuverlässigkeit – Ungerechtigkeit ist ihm aber gleichfalls zuwider. Ein paar der Gäste wirken verunsichert. Ist das jetzt ein Scherz? Doch Jason verzieht keine Miene, stattdessen liest er die Einführung aus Wir Wochenendrebellen, dem Buch, das Vater und Sohn gemeinsam geschrieben haben.

Darin geht es um die gemeinsamen Fußballreisen der beiden, in deren Mittelpunkt Jasons Suche nach „seinem“ Fußballverein steht. Daneben erzählt das Buch die Geschichte einer Familie, zu der neben Vater und Sohn auch Mutter Fatime und Tochter Lani gehören, von der großen Liebe, die sie verbindet, der Herzenswärme, die sie einander entgegenbringen.

Die Rebellen bei einem früheren Mainz-Besuch. (Foto: WP)

Die Rebellen bei einem früheren Mainz-Besuch. (Foto: WP)

Und es geht auch um etwas, was Jason selbst für sein Leben als „Behinderung und Behilflichkeit“ beschreibt: Er ist Asperger-Autist. Für die Lesung liefert diese Tatsache zahlreiche Anekdoten über die Erfahrungen, die sie als Familie bereits mit der Presse gemacht haben. Mirco erzählt davon, wie schwierig es sei, die gängigen Klischees aufzubrechen und zu verhindern, dass Jason als skurriler Sonderling porträtiert wird, der am Leben leidet, Zahlen jongliert und in seiner eigenen Welt lebt. „Er lebt in derselben Welt wie wir.“

Zwar ist Autismus eine Diagnose, aber man spricht weder von Krankheit noch von Behinderung, sondern einem „Spektrum“. Es gibt übereinstimmende Merkmale, doch letztlich ist jeder Autismus anders. Man unterscheidet zwischen frühkindlichem und atypischem Autismus, der Autismus-Spektrum-Störung und eben: Asperger-Autismus. „Entwicklungsstörung“, schreibt Mirco im Buch und es ist spürbar, wie seine Stirn unwillige Falten schlägt. „Ein Fachbegriff, der nicht nur meine Frau und mich ratlos zurücklässt. Wir sehen da nichts Störendes in seiner Entwicklung.“

Die Rebellen bitten um ihr Handzeichen! (Foto: WP)

Die Rebellen bitten um ihr Handzeichen! (Foto: WP)

Jason selbst erklärt dem Publikum in Mainz, er hätte gerne einen Bruder wie sich und will von Papsi wissen, wie der das sieht. Dass sie die geplante Abstimmung im Publikum zu der Frage am Ende der Lesung vergessen haben, dürfte ihn später noch geärgert haben. Aber immerhin wird darüber abgestimmt, welche Kapitel an dem Abend vorgetragen werden und zum Glück gehört dazu jenes, in dem das Duo zunächst im Nachtzug unterwegs ist und dann ein Spiel auf St. Pauli sieht. Die Beschreibung des Vaters über das Glück der ungewohnten Nähe mit seinem Sohn, der Körperkontakt meidet, wo es geht, im engen Schlafwagen-Bett, gehört zu den berührendsten Stellen im Buch. Die Pinkel-Problematik auf dem Stadionklo wiederum macht schmerzhaft klar, welche Hindernisse der Alltag oft stellt.

Wer das große Vergnügen hatte, die zwei schon häufiger zu erleben, sieht an einem Abend wie diesem, welchen Weg Jason und mit ihm die Familie schon gegangen ist. Er wirkt recht vergnügt, hat das Spiel mit dem Publikum durchaus verstanden und genießt es, Papsi zur Verzweiflung zu bringen, indem er immer wieder verzögernde Elemente bringt. Das Publikum wiederum fremdelt anfangs kurz, ist dann aber vollends gefangen von der Show-Lesung der beiden, die sich auf die Suche nach einem Verein für Jason machten und dabei so viel mehr gefunden haben als das.

Es ist ganz viel Liebe unterwegs an diesem Abend im Fanhaus, der mit Mircos Appell endet, sich dem Guten zuzuwenden. Aufrecht zu sein und klar in Worten und Taten, sich dem, was in dieser Gesellschaft aktuell schiefläuft, entschieden entgegenzustellen.

Schon 56 Brunnen in Gemeinden und 57 Brunnen inklusive Sanitäranlagen an Schulen hat die Stiftung realisiert. (Foto: Screenshot)

Schon 56 Brunnen in Gemeinden und 57 Brunnen inklusive Sanitäranlagen an Schulen hat die Stiftung realisiert. (Foto: Screenshot)

Die Welt zu verbessern, das ist auch ein Wunsch des Sohnemanns, und deshalb unterstützen die Wochenendrebellen die Neven Subotic Stiftung. Insgesamt 25.000 Euro für eine Sanitäranlage wollen sie am Ende spenden, über 16.000 Euro sind schon zusammen. Wer kann, sollte die beiden und den ehemaligen Mainzer Spieler unterstützen. Worte sind wichtig, Taten bringen uns (noch) weiter. Und natürlich dabei nicht vergessen, „Wir Wochenendrebellen“ zu kaufen, zu lesen und am besten noch zehn bis zwanzig Mal zu verschenken. Ein wichtiges Buch, das zu berühren vermag.

Der Fall Özil: Blaupause für den Zustand des Landes

Die Fußball-Europameisterschaft 2024 wird in Deutschland ausgetragen und so richtig weiß der geneigte Fan aktuell nicht, was er davon halten soll. Zwar bemühten sich die Verantwortlichen im Vorfeld redlich, zu betonen, wie sehr der Fußball uns alle vereine. Doch der WM-Sommer 2018 mit unter anderem der Debatte um und dem Rücktritt von Mesut Özil wirkt bei vielen nach. Den DFB mag das nicht kümmern, weil Vereinsfans und die Fans der Nationalmannschaft nicht zwangsläufig dieselben Menschen sind und es unter den hardgesottenen N11-Anhängern durchaus einige gibt, die froh sind, dass Özil weg ist. Doch über den Zustand des Landes sagt das, was im Spätsommer passiert ist, einiges aus und so manchem Fußballfan grüßte beim Bewerbungsvideo für die EM der Kaffee rückwärts im Halse.

Nur wenige Wochen nach der Weltmeisterschaft in Russland legte Dietrich Schulze-Marmeling im VERLAG DIE WERKSTATT ein Buch zum Scheitern der deutschen Nationalmannschaft und den Geschehnissen um Mesut Özil vor, Titel: „Der Fall Özil. Über ein Foto, Rassismus und das deutsche WM-Aus“. Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, das Thema bewegt die Menschen in diesem Land weiter. In dem Buch während einer Bahnfahrt, im Café oder sonstwie öffentlich zu lesen, löste in aller Regel sehr emotionale Reaktionen aus. Die meisten richteten sich klar gegen den Spieler von Arsenal London, der am 22. Juli 2018 erklärt hat, seinen Dienst im Trikot der deutschen Nationalelf zu quittieren, so lange er weiter das Gefühl haben muss, dort schlagen ihm Rassismus und Respektlosigkeit entgegen. Erstaunlich viele Fans fühlen sich von Özils Haltung angegriffen und vergessen dabei zweierlei: Die Angriffe, die der in Gelsenkirchen geborene Spieler seitens türkischer Fans aushalten musste, als er sich für den DFB entschied. Und die Tatsache, dass Özil selbst sich angegriffen fühlte durch die Behandlung, die er seitens Fans und Verbandes erfahren hat. Eine Kränkung, die natürlich sein weiteres Handeln mitprägte.

Schulze-Marmeling hat ein Buch mit klarer Haltung geschrieben und das tut dem Thema nicht nur gut, es ist dafür sogar notwendig. Seine Abhandlung bleibt dabei auch deshalb unabhängig von der eigenen Meinung sehr gut lesbar, weil der Autor klar differenziert, sprich, im Detail unterschiedlich wertet, indem er beispielsweise den Fototermin des Spielmachers mit Recep Tayyip Erdoğan klar kritisiert, gleichzeitg aber nicht durchgehen lässt, welch unverhohlener Rassismus Özil dafür teils entgegenschlug. Wie bigott die Haltung vieler Kritiker ist, macht er unter anderem daran fest, dass der in Wetzlar geborene Cenk Tosun, der ebenfalls bei dem Termin war, sich – anders als Özil und İlkay Gündoğan – keinerlei Kritik für das Foto gefallen lassen musste. Mutmaßlich, weil er für die türkische Nationalmannschaft spielt und deswegen die deutschen Fans bei ihm keinen „Verrat“ witterten – oder er sie ohnehin nicht interessiert.

Der Fall Oezil

Schulze-Marmeling und der Verlag mussten sich bei der Veröffentlichung des Buches von einigen Seiten die Kritk gefallen lassen, wie es möglich sei, so schnell nach der Weltmeisterschaft eine Veröffentlichung zu dem Thema vorzulegen. Die Frage ist einfach beantwortet, einmal ist der Autor kein Neuling der Materie, sondern beschäftig sich bereits länger mit einzelnen Aspekten des neuen Buches. Zum anderen behandelt er nicht nur die so genannte Causa Özil, sondern spürt der besonderen Rolle jener Spieler für die Nationalmannschaft nach, deren Familien einst aus der Türkei kamen, die aber selbst in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Dabei benennt und kritisiert er sehr deutlich, das, was in Deutschland als Hass oder Ablehnung gegenüber Ausländern gelte, habe in Wahrheit immer die Türken gemeint, als die erste größere Bevölkerungsgruppe, die neben einer fremden Kultur auch einen anderen Glauben pflegte. Sehr deutlich beschreibt er, wie vorschnell viele von uns über eine Situation urteilen, die uns doch gänzlich unbekannt ist: Als Kind zweier Welten, Kulturen und Länder aufzuwachsen, mit dem unbedingten Wunsch, beiden gerecht zu werden und im Wissen darum, mit jeder Entscheidung eine der beiden Seiten zu verprellen. All das nutzt der Autor jedoch nicht, um Verhaltensweisen zu entschuldigen, sondern vielmehr, um Versäumnnisse bei der Integration zu illustrieren, die wir uns letztlich alle zuzuschreiben haben.

„Der Fall Özil“ ist ein wichtiges, unaufgeregtes, ein sehr klares und schlüssiges Buch geworden. Abgerundet wird es nicht nur durch viele Zitate von unter anderem Journalisten während des Turniers in Russland, sondern auch durch Beiträge von Sportwissenschaftler Diethelm Blecking, Migrationsforscher Robert Claus und İlker Gündoğan, dem Bruder von Ilkay Gündoğan, der als Doktorand an der Ruhr-Universität Bochum aktuell den Forschungsschwerpunkt politische und wirtschaftliche Entwicklungen im chinesischen Fußball betreibt. Insgesamt ein absolut wichtiger Debattenbeitrag, dem viele Leser zu wünschen sind.

|| Disclaimer: Der Autor zitiert im Buch an zwei Stellen aus meinen Kolumnen in der Allgemeinen Zeitung rund um die WM 2018, weshalb der Verlag mir ein kostenloses Exemplar zur Verfügung gestellt hat. Diese Tatsache hat meine Besprechung in keinster Weise beeinflusst. ||