Benefizlesung mit Lotto zugunsten der DKMS

Stell dir einmal vor, du bekommst mit dem, was du tust, ein bisschen Aufmerksamkeit. Was ist da naheliegender, als sie für den guten Zweck zu nutzen? Keiner von uns kann die Welt retten, aber wir alle können sie im Kleinen verbessern – und genau das möchte auch ich tun, wann immer sich die Möglichkeit dazu bietet. Ein Thema, das mir dabei sehr am Herzen liegt, ist laut zu sein gegen Rechts, gegen Nazis, gegen Ignoranz in allen Teilen der Gesellschaft. Ein zweites ist die Arbeit der DKMS, die ich schon seit vielen Jahren persönlich unterstütze.

Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein.

Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein.

Als ich mit Dirk Martin, Prokurist bei Lotto Rheinland-Pfalz, vor einiger Zeit beruflich zu tun hatte, da stand die Veröffentlichung meines Mainz 05-Krimis „Im Schatten der Arena“ kurz bevor. Wir kamen ins Quatschen, stellten fest, dass wir in vielen Dingen einen gemeinsamen Nenner finden und so war die Idee in der Welt, zusammen eine Benefiz-Lesung zugunsten der DKMS in der Loge von Lotto im Mainzer Stadion auf die Beine zu stellen. Als Autorin kann ich dazu vor allem zwei Dinge beisteuern: mich und meine Bücher. Mich in diesem Fall ohne das übliche Honorar, um die gute Sache zu unterstützen. Mein Buch eben im Rahmen der Lesung.

Gute Stimmung auch auf der Bühne.

Gute Stimmung auch auf der Bühne.

Lotto steuerte nicht nur die eigene Loge dabei, sondern lud zum Imbiss auch in die des Vereins, was für die anwesenden Fans wirklich eine sehr schöne Sache war. Und eine dritte Loge wandelten sie gemeinsam mit der DKMS ins „Stäbchen-Hauptquartier“ um, in dem die anwesenden Gäste sich nach dem bekannten Motto „Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein“, für die DKMS registrieren konnten. Torsten Zimmermann machte großartige Fotos von der Veranstaltung, Malino Schust drehte einen tollen kleinen Film und der Societäts-Verlag war unter anderem durch Verlagsleiter René Heinen erneut ganz wunderbar präsent. Die Mitarbeiter von Lotto organisierten sowohl im Vorfeld der Veranstaltung als auch am Abend selbst ganz famos, namentlich sei hier Jennifer Jonas fürs Veranstaltungsmanagement erwähnt. Clemens Buch moderierte sehr sympathisch und die DKMS war vertreten durch Ralf Peters, der auch einige Worte zur Arbeit der Organisation sagte.

So, wie ich vor der Lesung ein paar persönliche Worte zu Toni Marino sagen konnte, der wir diesen Abend gewidmet haben. Als ich mein 11. Schuljahr in Mississippi verbrachte, lernte ich dort Lacy Marino kennen. Toni, die Tochter meiner Highschool-Freundin, ist 2016 nach langem und tapferem Kampf gegen die Krankheit an Leukämie gestorben. Zuvor hatte Toni mehrfach Knochenmark erhalten, zum einen von ihrem Bruder Kam, aber auch eine Fremdspende. Für ihre Familie ist jeder Tag wertvoll, den sie dadurch mit ihr gewinnen konnten.

Ein wunderbar interessiertes Publikum mit bekannten und unbekannten Gesichtern. (Fotos: Torsten Zimmermann)

Ein wunderbar interessiertes Publikum mit bekannten und unbekannten Gesichtern. (Fotos: Torsten Zimmermann)

Die Lesung gerade im Stadion, mit dem Blick aufs Spielfeld, war natürlich ein sehr schönes Ereignis. Das große Interesse der Gäste am Buch ließ sich auch daran ablesen, dass ich mit einer prallvollen Bücherkiste anreiste und nur drei Restexemplare wieder mit nach Hause nahm. Die Stimmung war gut und ich denke, alle hatten ihren Spaß an dem Abend. Und das ist schließlich das Wichtigste.

Na, fast: Auch die Spendendose für die DKMS konnte sich am Ende sehen lassen. Hier nochmal ein besonders großes Dankeschön an Lotto, die die Kosten für alle Registrierungen an diesem Abend übernahmen. Schön, wenn man solche Partner hat.

Im Schatten der Arena: Stand jetzt

Es ist nun einen Monat her, dass Im Schatten der Arena ausgeliefert worden ist. Seither kann man das Buch überall im lokalen Handel, aber natürlich auch auf der Homepage des Societäts-Verlags oder dem Shop der Autorenwelt kaufen. Ich bin ja mehr für die Buchstaben verantwortlich als für die Zahlen, aber der Verlag ist zufrieden damit, wie der Verkauf angelaufen ist.

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Persönlich habe ich inzwischen etwa 100 signierte Bücher an Interessierte verschickt, die bei mir direkt bestellt habe. Außerdem häuft sich das Feedback, was für mich als Autorin natürlich super ist. Ob es nun erste, sehr wohlwollende Rezensionen auf Amazon sind, klassische Zeitungsartikel, Fotobeiträge mit dem Buch auf Instagram, Twitter und Facebook oder Mails an mich direkt, ich sauge alles mit großer Freude und Begeisterung auf. Deswegen an dieser Stelle ein ganz großes DANKESCHÖN an alle, die sich die Zeit dafür nehmen.

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Dramatik und Spannung wurden hier sehr bildhaft und ideenreich geschaffen. Eine kleine Hommage an die Stadt Mainz und unseren
Verein. Großartig!

Fabrizio Hayer

Auch einige Podcasts haben sich inzwischen mit dem Buch beschäftigt. Tobias Migge hat in seinem sehr feinen Podcast 2 READ or not 2 READ eine total schöne Besprechung aufgenommen, in der er einen Schwerpunkt auf die Trauerarbeit der Protagonistin Jo nach dem Tod ihres besten Freundes legt. Unbedingt reinhören! Außerdem war ich bei Andreas Thies auf Mein Sportradio zu Gast und habe ein bisschen über das Buch geplaudert und mit Sascha Rebiger habe ich in seinem wirklich empfehlenswerten Podcast mit dem großartigen Namen Bälle und Bücher unter anderem über die Entstehung des Krimis gesprochen.

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Der Verlag hat sich nun entschieden, 15 Bücher für eine Leserunde bei Lovelybooks zur Verfügung zu stellen, die ich begleiten werde. Dafür kann man sich bis Freitag, 8. Juni, bewerben. Bereits am Donnerstag, 7. Juni, steht die mittlerweile dritte Lesung aus dem Krimi an. Nach der Premiere im Hugendubel und einer kleineren Lesung im Neustadtladen in Mainz folgt nun eine Benefizlesung gemeinsam mit Lotto Rheinland-Pfalz in deren Loge in der Opel Arena. Die Veranstaltung steht ganz im Zeichen der DKMS, für die an diesem Abend Spenden gesammelt werden. Außerdem ist ein Team der gemeinnützigen Organisation vor Ort und die Gäste können sich vor und nach der Lesung registrieren: Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein.

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Der Abend ist Toni Marino gewidmet. Ich freue mich sehr, dass Lotto unter besonderer Mitwirkung von Dirk Martin die Veranstaltung für die gute Sache ermöglicht. Eine weitere Lesung wird es nach der Sommerpause auch im neuen Fanhaus des Fanprojekts Mainz geben. Die Details dazu verrate ich dann zu gegebener Zeit. Euch und Ihnen allen vielen Dank – fürs Interesse, fürs Feedback, fürs Mitfiebern und Weiterverbreiten. Alleine wäre das alles nur halb so schön. Danke, von Herzen.

|| Danke für die Fotos an Frühes Vogerl, Christian Viering, Pollux, Jochen Weicker, Flachlandknipse, Ajnor Rethcotrebuär, Hoppipolla und Genderbeitrag. ||

FAQ: Im Schatten der Arena

Seit 11. Mai ist „Im Schatten der Arena“ im Handel. Das ist nicht nur mein erster Krimi, sondern nach bislang drei Sachbüchern auch mein erster Roman und alles ist neu und aufregend. In den vergangenen Tagen habe ich schon rund 60 Bücher auf die Reise geschickt, der Verlag versendet Rezensionsexemplare und ich bin sehr neugierig, wie die Geschichte aufgenommen wird. Weil mich dazu immer ähnliche Fragen erreichen, hier mal eine Zusammenfassung der Antworten.

Im Schatten der Arena

Wo sollen wir den Krimi kaufen, damit du am meisten davon hast?
Wer das Buch signiert oder mit einer Widmung möchte, kann es gerne per Mail direkt bei mir bestellen. Generell freue ich mich, wenn ihr es der Buchhandlung eures Vertrauens besorgt, um den lokalen Handel zu unterstützen. Wer gerne online bestellen will, kann das zum Beispiel im Shop der Autorenwelt tun, die sehr fair abrechnen – oder auf der Homepage des Verlags.

Bekomme ich für mein/e/n Blog/Podcast/Zeitung ein Rezensionsexemplar?
Meldet euch gerne direkt bei mir, ich leite die Anfragen an den Verlag weiter. Grundsätzlich freuen wir uns natürlich über jede Besprechung und die meisten Anfragen sind machbar.

Im Schatten der Arena

Wird es Lesungen geben?
Aber klar! Die Premiere ist am Freitag, 18. Mai, um 17.30 Uhr im Hugendubel Mainz (Filiale Am Brand). Ich freue mich schon sehr darauf und hoffe, es kommen viele Zuhörer. Bringt Familie und Freunde mit! Natürlich könnt ihr im Hugendubel an dem Abend auch Bücher erwerben.
Die zweite Lesung findet am Dienstag, 22. Mai, um 19 Uhr im SPD-Neustadtladen statt. Auch hier gibt es die Möglichkeit, Bücher zu kaufen.
Am Donnerstag, 7. Juni, findet in der Loge von Lotto Rheinland-Pfalz eine Benefizlesung zugunsten der DKMS statt. Der Abend ist Toni Marino gewidmet. Weitere Infos folgen.

Wie kann ich dich unterstützen?
Ich freue mich über jeden, der einfach Lust hat, mein Buch zu lesen. Wer zusätzlich eine kleine Rezension – zum Beispiel bei Amazon oder LovelyBooks – hinterlässt oder anderswo trommelt, macht mir natürlich eine besondere Freude. Sehr schön finde ich auch, wenn mich per Mail oder über die sozialen Netzwerke Bilder davon erreichen, wo der Krimi überall unterwegs ist.

Zum Abschluss noch ein kleiner Programmtipp: Am Mittwoch, 16. Mai, bin ich von 15 bis 17 Uhr in der Sendung Radio-Illustrierte bei Radio Rheinwelle 92,5 zu Gast. Hört doch mal rein.

Vielen lieben Dank für euer Interesse!

Zauberworte auf harmonischem Niveau

Es ist unmöglich, im Blog von Andrea Harmonika länger als ein paar Momente zu verweilen, ohne sich in die Autorin zu verlieben. Diese Einleitung in meine Besprechung ihres Buches „Jedem Anfang wohnt ein verdammter Zauber inne“ darf gut und gerne als Warnhinweis verstanden werden. Von einer wie dieser Harmonika, die im echten Leben übrigens ganz anders heißt, kommt man nicht mehr los. Und frau sowieso nicht. Sie ist witzig, warmherzig, klug und schafft es, dem überstrapazierten Modewort authentisch seine einstmals positive Bedeutung zurückzugeben. Sie ist offen und nahbar, ohne sich auf eine Art zu entblößen, die akutes Fremdschämen auslöst, sie ist meinungsstark und politisch, ohne den moralischen Feigezinger* zu heben und steht zu den Pleiten und Verfehlungen ihres alltäglichen Lebens, ohne sich dafür zu schämen, denn wieso sollte sie?

Die Autorin in einer typischen Alltagspose. (Foto: Bastian Sander)

Die Autorin in einer typischen Alltagspose. (Foto: Bastian Sander)

Kurz, in einer von Instagram-Filtern dominierten und doppelt belichteten Onlinewelt ist Andrea Harmonika genau das, was fehlte – zumindest bis 2014. Seither veröffentlicht sie Texte in ihrem Blog, wobei dessen selbstgewählte Einordnung „Unterhaltung auf mittlerem Niveau“ natürlich eine irreführende Koketterie ist. Und wer nun mit den Augen rollt, weil er oder sie das Internet für eine überflüssige Erfindung hält, die sich nicht durchsetzen wird, hat dennoch Grund zur Freude, denn neuerdings gibt es alles, was Frau Harmonika die Herzen seit Jahren im Netz zufliegen lässt, wie erwähnt auch endlich zwischen zwei Buchdeckeln.

In meinem Exemplar beginnt die Wortzauberei mit einer wunderbaren Widmung, die ich allerdings für mich behalte. Da steht nämlich „für Mara“, nicht „fürs ganze Internet“ und manche Zauber sollte man behüten. Verraten kann ich aber, dass sich ein wirklich hervorragender Musikgeschmack der Autorin daraus ablesen lässt, die mit ihren beiden Söhnen sowie dem Ehemann – und neuerdings einer tierarztintensiven Katze – in Norddeutschland lebt. In ihrer spärlichen Freizeit beklebt sie gerne Alltagsgegenstände mit Wackelaugen oder geht schwimmen, was besonders hervorzuheben ist, weil sie erst im hohen Alter das Seepferdchen nachgeholt hat. Und das nach einem Sprung vom Einmeterbrett, für den sie drei Jahrzehnte Anlauf brauchte – was die „Arschbombe“, wie der Text zum Erfolgserlebnis heißt, umso schöner macht.

Wie viele seiner kurzweiligen Kollegen ist der herrlich komisch, aber eben nicht nur das. Daneben steckt auch viel Weisheit in Harmonikas Worten, darüber nämlich, wie Kinder zweifeln und Erwachsene verzweifeln, sich dabei munter abwechseln und wie die Dötze angstfrei lernen, ohne das Gefühl zu bekommen, irgendwer nimmt ihnen am Ende immer alles ab, worauf sie keinen Bock haben. Das parabelt sie ganz wunderbar um ihre eigene, fiese Sportlehrerin und die souveräne Schwimmtrainerin ihres Sohnes herum und nimmt dabei jeden mit, der irgendwie mit Kindern zu tun hat, seien es eigene oder angeheiratete oder die, denen man im Berufsalltag begegnet.

Sowieso bleibt ihre Kinderbetrachtung nicht ausschließlich bei der eigenen, mütterlichen Sicht, sondern blickt sie als „Fisimatante“ auch zurück auf die Juxereien mit den Neffen, bevor sie selbst Mama wurde, und lässt ihre LeserInnen teilhaben an der Beziehung zu ihrer Mutter und nach und nach dem ganzen Familienclan. Wobei die Frauen durchaus eine besondere Rolle spielen, denn schreiben soll man schließlich über das, was man kennt. Und obwohl die Autorin zuhause lediglich katzenseitig weibliche Unterstützung hat, ist sie eben selbst eine Frau und glücklicherweise eine, die sich mit den Themen, die ihre Geschlechtsgenossinnen beschäftigen, auseinandersetzt.

Jedem Anfang wohnt ein verdammter Zauber inne. (Foto: WP)

Jedem Anfang wohnt ein verdammter Zauber inne. (Foto: WP)

Der Text „Deine Mudda – Ein Pressedrama“, in dem sie sich bereits im Blog mit den Anforderungen an Frauen im Allgemeinen und Mütter im Speziellen beschäftigte, ist einer der stärksten auf den 252 Seiten ihres Buches. Doch auch die leisen Töne beherrscht Andrea Harmonika, zum Beispiel, wenn sie über die Tochter schreibt, deren Herz in der 14. Schwangerschaftswoche aufgehört hat zu schlagen – und sie ganz entschieden daran erinnert, dass Familienplanung Privatsache ist, kein Smalltalk-Thema. Oder wenn sie sich dem Gefühl der mütterlichen Überforderung widmet, über das Frauen endlich miteinander sprechen, statt sich in ihren Versagensängsten noch gegenseitig aufzuputschen.

Nach den leisen Tönen kommen natürlich wieder laute, im Zweifelsfall aus der geneigten Leserin, die auf dem Sofa begeistert prustet bei der Lektüre der „Pfadfinder-Leistungskategorieren“, angepasst ans Leben mit Kindern, beim neu aufgelegten „Krieg und Frieden“, diesmal zwischen Geschwisterkindern, oder dem Wiedereinstieg ins Partyleben unter dem herrlichen Titel „Nicht ganz bei Prost“. Insgesamt gibt’s für den verdammten Zauber eine verdammte Leseempfehlung mit Sternchen und wieder und weiter ganz viel Liebe für die wunderbare Andrea Harmonika.

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*Das muss natürlich Zeigefinger heißen, aber ich fand, der Verschreiber hat einen gewissen Charme, darum habe ich ihn erhalten.

Leseliebe: Wir Wochenendrebellen

Wenn es um das Internet geht, ist gerne mal von so genannten Blasen die Rede. Damit ist gemeint, dass jeder von uns sich online in einem bestimmten eigenen Umfeld – der Blase – bewegt. In erster Linie sind die thematisch gebunden, in zweiter Linie ergeben sich daraus natürlich Kontakte, die mit der Zeit oft bedeutsamer werden als die Themen, aus denen sie ursprünglich entstanden sind. So wird das Netz tatsächlich zu einem sozialen Ort, an dem man bei jedem Besuch Menschen wiedertrifft, denen man sich längst verbunden fühlt.

In meiner Blase ist – speziell auf Twitter – Fußball eines der beherrschenden Themen. Dabei spielt es interessanterweise gar keine Rolle, welchem Verein die Menschen, denen ich unter den Flügeln des blauen Birdys begegne, die Treue halten. Man versteht einander auch dann, wenn das beim Kontakt im Stadion vermutlich ganz anders gelaufen wäre. Fast könnte man sagen, Twitter versaue den natürlichen Abneigungstrieb gegnerischer Fans – aber nur fast.

Jason und Mirco. (Pressefoto: Sabrina Nagel)

Jason und Mirco. (Pressefoto: Sabrina Nagel)

An diesem speziellen Ort nun, der Menschen so zusammenbringt, dass ihre Vereinsfarben im Grunde keine Rolle spielen im geteilten Moment, hat es (in meiner digitalen Blase) ein Junge zu gewisser Berühmtheit gebracht, dessen Wunsch diesem Twitter-Prinzip quasi gegenläufig ist: Jason möchte herausfinden, zu welchem Fußballverein er gehört.

Diese Entscheidung kann Jason aber nicht aus dem Bauch heraus treffen, er muss dafür im Vorfeld gewissermaßen Daten erheben, weshalb er seinem Papsi nach dem eher zufälligen ersten gemeinsamen Stadionbesuch das beherzte Versprechen abgenommen hat, mit ihm „alle Stadien zu befahren und alle Vereine zu besuchen, die notwendig sind, bis er Fan eines oder besser seines Vereins“ wird. Über diese Fußballreisen von Vater und Sohn bloggt Mirco von Juterczenka, alias Papsi, seit 2011 im Blog Wochenendrebell, der 2017 in der Kategorie „Kultur und Unterhaltung“ mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde.

„Krieg im Kopf: Oft habe ich alle möglichen Dinge im Kopf. Diese rasenden Gedanken überfordern mich.“

„Krieg im Kopf: Oft habe ich alle möglichen Dinge im Kopf. Diese rasenden Gedanken überfordern mich.“

Wer schon einmal in dem wunderbaren Blog gestöbert hat, weiß, dass es noch einen bisher unerwähnten Aspekt zu den Reisen von Jason und seinem Vater gibt: Der heute 12-Jährige ist Asperger-Autist. Das ist für die Geschichte der beiden einerseits ganz ohne Belang und andererseits unglaublich bedeutsam. Ohne Belang, weil Jasons Autismus „keinesfalls ein Grund (ist), in den Mitleidsmodus zu verfallen“, wie Mirco sachlich feststellt. Und: „Jegliche Form von Betroffenheit ist fehl am Platz. Wir haben den besten Sohn der Welt.“ Bedeutsam ist diese Tatsache, weil Jason auf den Fußballreisen permanent mit Dingen konfrontiert wird, die ihm aufgrund seines Asperger furchtbar zuwider sind – laute Umgebungen, unerwartete Situationen, Menschenmengen, Kinder –, er sie aber im Kontext seiner Vereinssuche und als Faktor dieser Reisen akzeptiert und darüber auch ein Stück weit lernt, damit umzugehen.

Entwicklungsstörung. Ein häufig verwendeter Fachbegriff vermeintlicher Autismus-Experten, der nicht nur meine Frau und mich ratlos zurücklässt. Wir sehen da nichts Störendes in seiner Entwicklung.

Unter dem Titel „Wir Wochenendrebellen“ haben Vater und Sohn nun ein Buch über ihre Reisen geschrieben, das bei Benevento Publishing, einer Marke der Red Bull Media House GmbH, erschienen ist. In Sachen Vermarktung passieren da, so ist zumindest mein Gefühl, gleich mehrere Katastrophen auf einmal: Fußballfans könnten sich aus gutem Grund davon abschrecken lassen, etwas in die Hand zu nehmen, was unter der Flagge von Red Bull läuft. Menschen, die mit Fußball nichts am Hut haben, könnten annehmen, ein Buch, das diesen Sport vermeintlich in den Mittelpunkt stellt, könne für sie ohne Belang sein. Grundsätzlich könnte man auch eine Art Betroffenheitslektüre vermuten, die nur für Eltern interessant ist, die ebenfalls ein Kind mit Asperger-Autismus haben. All diese Ansätze liegen völlig daneben und ich kann nur jedem offenen, interessierten Menschen raten, das Buch zu lesen.

„Andere Menschen sind sehr komisch. Deswegen habe ich beschlossen, mich auf mich zu konzentrieren.“

„Andere Menschen sind sehr komisch. Deswegen habe ich beschlossen, mich auf mich zu konzentrieren.“

„Wir Wochenendrebellen“ stellt letztlich weder den Fußball noch Jasons Entwicklungsstörung in den Vordergrund, sondern entwirft seine Erzählung lediglich vor der Kulisse eines Fußballfeldes. Der Sport dient quasi als die Leinwand, auf der von Juterczenka mit rohen, nahen und voller Liebe geführten Strichen die Geschichte seiner Familie zeichnet, zu der seine Frau, Sohn Jason, dessen kleine Schwester und in zweiter Instanz die Großeltern der Kinder gehören. Und diese Liebe, so kitschig das klingen mag, ist der Grund, warum das Buch so wahnsinnig lesenswert geworden ist. Es mag einem als naives Gutmenschentum ausgelegt werden in Zeiten wie diesen, wenn man Liebe und Verständnis, Respekt und Einfühlungsvermögen als Antworten gibt auf die Fragen, wie wir als Gesellschaft vorankommen können. Das Buch zeigt aber, was passiert, wenn man sich von genau diesen Werten leiten lässt und wenn man sie in seiner Familie lebt.

Meine Frau und ich sind es gewöhnt, eher als schwache, unfähige und freakige Eltern wahrgenommen zu werden.

Mirco von Juterczenka beschreibt eindrücklich, wie die Diagnose ihn und seine Frau aus der Bahn geworfen hat, ihnen aber auch etwas gab, woran sie sich halten konnten. Wobei ihre Hoffnung auf Orientierung zunächst nicht erfüllt wurde, im Gegenteil musste die Familie sich ihren Weg mit dieser Entwicklungsstörung nicht nur Schritt für Schritt selbst erarbeiten, sondern sich auch an Kritik aus dem Umfeld und von Fremden gewöhnen, der von ihnen gewählte Umgang mit ihrem Kind sei zu weich und nachgiebig. „Es zieht sich vermutlich wie ein roter Faden durch die Erziehung unseres Sohnes, dass wir ihm Rücksichtnahme beibringen möchten, indem wir rücksichtslos mit Teilen der Gesellschaft umgehen.“

„Es ist manchmal Behinderung und manchmal Behilflichkeit.“

„Es ist manchmal Behinderung und manchmal Behilflichkeit.“

Jasons Autismus fordert letztlich zwar niemanden mehr als den Jungen selbst, doch während er ihn längst als ebenso behindernd wie behilflich einstuft, treiben seine damit verbundenen Ausraster den Eltern mal die Schamesröte in die Wangen und sie dann in den Wahnsinn, von den gängigen Reaktionen Umstehender ganz zu schweigen. „Selten wurde uns so etwas wie Verständnis, hinnehmendes Mitleid oder völlige persönliche Ausgeglichenheit vonseiten der uns umgebenden Mitmenschen entgegengebracht“, konstatiert Juterczenka trocken. Und doch lautet sein Fazit: „Mein Sohn leidet nicht unter Autismus. Autisten leiden nicht unter Autismus. Sie sind es nur leid, dass ständig über sie und nicht mit ihnen gesprochen wird. Autisten leiden lediglich unter dem rücksichtslosen Umgang ihres Umfeldes mit ihnen.“ Was letztlich die Frage aufwirft, in welcher Gesellschaft wir eigentlich leben wollen und was wir alle dazu beitragen können, dass der menschliche Umgang miteinander nicht sofort hakt, wenn unser Gegenüber gewisse Erwartungen und Konventionen nicht erfüllt, erfüllen kann.

Grundsätzlich halte ich die Erwartungshaltung an Autisten, sie müssen doch wenigstens irgendein außergewöhnliches Kunststückchen vollbringen können, für sehr anstrengend.

„Wir Wochenendrebellen“ ist ein kluges, ein aufrichtiges, ein liebevolles und empathisches Buch geworden. Es ist nachdenklich und ziemlich witzig, es ist fordernd, überraschend und erzählerisch im besten Sinne unterhaltsam. Kurz und knapp, dieses Buch ist ein Spiegelbild seiner Autoren (und der beiden starken Frauen, die ihnen die Freiheit für ihre Reisen geben). Sie sollten es wirklich unbedingt lesen.

Mirco von Juterczenka mit
Jason (Einleitung & Glossar)

„Wir Wochenendrebellen
Ein ganz besonderer Junge und sein Vater
auf Stadiontour durch Europa“
Benevento Publishing
ISBN 978-3-7109-0017-4
Hardcover, 20 Euro

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