05-Liebe (4) | Mit Niederlagen leben lernen

Das hier ist für alle, die FÜR etwas sind – nämlich unsere 05er –, und die das auch zeigen möchten. Lasst uns das Netz mit ganz viel Liebe für den Verein fluten. Lasst uns laut sein gegen die negative Stimmung. Lasst uns wieder fest zusammenstehen. #05liebe

Zu Beginn der Fußballliebe häufen sich, wie zu Beginn jeder Liebe, die ersten Male. Denen, Hermann Hesse und so, eben ein ganz besonderer Zauber innewohnt – etwas, das nie wiederkommt; eine Magie, die schwer in Worte zu fassen ist. So weit, so Poesiealbum. Ein erstes Mal, das 05-Fans gleich welchen Alters im August 2011 erleben können, ist der Besuch der neuen Arena. Für den Zauberneffen fällt der erste Abstecher in die Bretzenheimer Felder auf einen Nachmittag im September, an dem die TSG Hoffenheim in Mainz gastiert.

Eigentlich fängt der Tag gut an, die Sonne brennt auf die Felder und bald gleicht die allgemeine Gesichtsfarbe dem Anstrich des Stadions. So aufgehitzt wie knallrot, so aufgeregt wie glücklich, nuckeln wir bei 30 Grad Plus an unserem kühlen Colaeis und freuen uns auf das Spiel. Im Stadion, das wie ein Ufo vom Mars im satten Gold der Getreidefelder thront, die völlig berechtigte Nachfrage: Wer sind wir, sprich, welche Trikotfarbe ist heute unsere – rot!

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Beim ersten Tor noch kurze Verwirrung, wer hat’s geschossen? Nein, nicht wir, die anderen. Das zweite braucht dann keine Erklärung: „Gell, das waren wir nicht“, erkennt Jakob, sichtlich betrübt, als der Elfer im Tornetz zappelt. Es ist vielleicht sein viertes Heimspiel, bislang haben die Mainzer Buben in seiner Anwesenheit noch jeden Kick gewonnen, heute sieht es bislang nicht danach aus. Und die ungewohnte Situation der drohenden Niederlage schlägt dem Kind spürbar aufs Gemüt, er ist quengelig und unleidig, zoppelt und zerrt an den Umstehenden und mosert – kurz: Er verhält sich so, wie man es selbst gerne täte, hielten einen die verdammten Umgangsregeln nicht davon ab.

Es fällt das 3:0, Jakob weigert sich, auf der Box zu stehen, die ihn in die richtige Höhe bringt, um das Spiel zu sehen. „Was ist denn los?“, die Frage kommt von mir, ebenso wie von einigen Umstehenden, die offenbar einen Hitzeschlag vermuten. Der Zwerg stampft, Tränen der Wut in den Augen, mit den Füßen auf: „Ich will nicht verlieren!“, erklärt er leidenschaftlich und setzt die Frage nach, die jeden Fan ein Leben lang begleitet: „Wieso machen die nichts?“ Gute Frage, nächste Frage. Dazu die trotzige Feststellung: „Ich gehe erst heim, wenn wir gewonnen haben.“ Mh, ja, das könnte ein langer Nachmittag werden.

Und schließlich fällt das nächste Tor, Jakob springt auf, klatscht in die Hände, strahlt: Ein Tor, schau nur, ein Tor: für uns. „Äh, ne, das war für Hoffenheim.“ Ungläubigkeit, Wut, noch mehr Trotz: „Aber es war doch einer im roten Trikot.“ Mhm, ja. Es ist dies die bittere erste Lektion in Sachen Eigentor. Das Spiel taugt mittlerweile wirklich nur noch, um Verkettungen der ungünstigsten Möglichkeiten zu erläutern.

Am Ende steht es also 4:0 für die SAP-Jünger, das Kind futtert nach dem Spiel den kompletten Kühlschrank leer mit der Erklärung: „Immer, wenn wir verlieren, habe ich so Hunger“ – was, angesichts des Saisonverlaufs bis zu diesem Zeitpunkt, allenthalben Ernährungswissenschaftler auf den Plan rufen sollte.

Am Ende, müde, aber doch halb versöhnt, offenbart sich, dass auch ein solcher Grottenkick wieder dazu beiträgt, das Spielverständnis voranzutreiben. „Weißt du“, erklärt Jakob, „ich bin jetzt sehr traurig. Aber das Gute ist, die Fans von der anderen Mannschaft, für die ist es ein schöner Tag.“ Woher soll ein Fünfjähriger auch wissen, dass Hoffenheim keine Fans hat…

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