Aus dem Adlerinnenhorst (22/13): Teamgedanke stärken

Im Grunde lässt sich die Heimniederlage der Frankfurterinnen gegen den VfL Wolfsburg vom Samstag mit den Zitaten nacherzählen, die hinterher aus dem Eintracht-Lager kamen. Und das ist eine gute Nachricht: Allen war direkt nach Abpfiff klar, wo die Probleme im Spiel gelegen hatten. Torhüterin Merle Frohms, die bekanntlich nach der Saison zum gegnerischen VfL wechselt, erklärte: „Wenn wir Wolfsburg so viel Raum geben wie bei den Gegentoren, ist es ein Leichtes für sie, die Tore auch zu machen.“

Das trifft im Prinzip auf alle vier Treffer zu, die samt und sonders in der ersten Halbzeit fielen. Eigentlich kam die Eintracht zunächst gut ins Spiel, aber bereits in der 9. Minute schlug Wolfsburg durch die Niederländerin Jill Roord zu – da wirkte die Frankfurter Hintermannschaft schon sehr unsortiert, zusätzlich fälschte Sjoeke Nüsken unglücklich ab.

Wir nehmen mit, dass man auf diesem Niveau in jeder Situation hellwach sein und sich in jeden Zweikampf schmeißen muss.“

Cheftrainer Niko Arnautis

Cheftrainer Niko Arnautis sagte anschließend: „Wir wussten um die körperliche Präsenz des VfL und müssen uns deshalb vorwerfen, nicht konsequent genug verteidigt zu haben.“ So auch beim 2:0, als Lena Lattwein die Ecke von Nationalspielerin Svenja Huth per Bogenlampe im Tor der Adlerinnen versenkte. Überhaupt glänzte Wolfsburg durch starke Standards, so fiel das 3:0 nach einem Freistoß von Felicitas Rauch, den abermals Roord verwandelte.

Spiel in Halbzeit eins verloren

Die Frankfurterinnen waren nicht chancenlos, aber nach einem schönen Konter von Nicole Anyomi gelang es Verteidigerin Leticia Santos nicht, Almuth Schult (hier im Podcast Flutlicht an! zu hören) im gegnerischen Kasten zu tunneln. Die Torhüterin, die den Verein am Saisonende verlassen wird, entschärfte anschließend auch einen Kopfball von Nüsken ohne erkennbare Probleme. Und so kam noch vor der Pause erneut der VfL zum Torerfolg: Pauline Bremer erhöhte auf 4:0.

„Bislang haben wir gegen alle Topmannschaften super Leistungen gezeigt, deshalb werden wir uns auch nach dem Spiel heute nicht sagen, dass es uns an Qualität fehlt“, gab sich SGE-Kapitänin Laura Freigang nach der Partie kämpferisch. Und Géraldine Reuteler, die in Spiel zwei nach ihrer langen Verletzung das deshalb emotional umjubelte, einzige Tor für Frankfurt erzielte, bekannte: „Vielleicht waren wir ein wenig zu nervös.“

Vom Rückschlag nicht beirren lassen

Diese Nervosität freilich müssen die Frankfurterinnen, die nach den Niederlagen gegen Bayern München und die Wolfsburgerinnen auf Rang fünf zurückgefallen sind, ablegen, wenn sie im Kampf um Platz drei erneut angreifen wollen. Die Chancen sind da, denn ja: Beide Spiele gegen die Spitzenteams verloren die Adlerinnen. Aber aufrichten können sie sich am Sieg im direkten Duell gegen die TSG Hoffenheim, denn ein ähnlicher Erfolg gegen die weiter Drittplatzierte Turbine Potsdam am 21. Spieltag könnte entscheidend werden.

Erstmal steht nun aber bereits am Freitag die Auswärtspartie gegen die Tabellenletzten aus Jena an. Hier können die Adlerinnen den Beweis antreten, dass sie in der Lage sind, Niederlagen schnell abzuschütteln und den Blick wieder nach vorne zu richten. Dabei dürfte ihnen neben der guten Selbsterkenntnis aus der Partie vom Samstag helfen, dass es in diesem Team einfach stimmt, eine Erkenntnis, die im Saisonendspurt noch weit tragen kann.

Nicole Anyomi im Trikot der Nationalmannschaft. Foto: Steffen Prößdorf/CC BY-SA 4.0

Humor als Basis für Beziehung

Über das gute Gefüge im Teamverbund spricht Angreiferin Nicole Anyomi auch in der aktuellen Folge des offiziellen SGE-Podcasts Eintracht vom Main. Die Stürmerin, über die Coach Arnautis sagt, sie wisse gar nicht, wie gut sie sei, bekennt darin: „Ich bin eher so ein Typ, die immer hadert.“ Außerdem blickt sie zurück auf ihre Verletzungsphase, aus der sie im Positiven eine feste Routine mitgenommen hat, spricht über Humor als Basis ihrer sehr guten Beziehung mit Shekiera Martinez und nennt den Polen Robert Lewandowski (Bayern München) und die Niederländerin Vivianne Miedema (Arsenal London) als Beste ihres Fachs.

„Ich bin eher so ein Typ, die immer hadert.“

Nicole Anyomi

Anyomi, die ihr erstes Bundesligaspiel im Dienste der SGS Essen mit nur 16 Jahren gegen Potsdam absolviert hat, spielt seit der U15 im jeweiligen Nationalmannschaftsteam und spricht darüber, wie stolz es sie mache, nun auch zur Auswahl von Martina Voss-Tecklenburg zu gehören. Spannend fand ich besonders ihren Blick darauf, was sie mitgenommen hat dabei, als Mädchen lange mit Jungs im Verein zu kicken – und wie sie die Unterschiede diesbezüglich einschätzt. Hörenswert!

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