Der ewige Gärtner

Das, was uns zerbrochen hat, rumorte zuerst lange tief in meinem Inneren verborgen – dann aber suchte es sich von dort seinen Weg an die Oberfläche, wo es schmatzend zerplatzte. Gleich einer eitrigen Wunde, die man hart gegen die Wand schlägt, nur einmal noch. Doch dort unten war es nur zu seinem giftigen Leben erwacht, nicht aber geboren worden. Hatte es nicht seinen Ursprung, sondern ward es bloß eingepflanzt. Von zitternden Händen, deinen. Denn du bist der Gärtner gewesen, der meine Zweifel gesät hat. Und sich dann darüber beschwerte, dass er sie ernten sollte. Eine einzige Wunde bin ich an dir geworden. Ich hatte das Tor zum Garten meiner Seele nicht fest genug verschlossen gehalten, als du dereinst mit deinem Päckchen feinster Zweifelsamen hindurch wolltest. Und so bist du hineingehuscht, im nackten Schatten einer gemeinsamen Nacht, weil mein „nein“ nur ein Flüstern gewesen ist. Nicht aber der eindringliche Schrei, den es zur Verteidigung meiner eigenen Haine gebraucht hätte.

Von der Nähe, die uns verband, ließ ich mir Sonnenblumen wachsen. (Foto: Lupo/pixelio.de)

Von der Nähe, die uns verband, ließ ich mir Sonnenblumen wachsen. (Foto: Lupo/pixelio.de)

Von der Nähe, die uns verband, ließ ich mir Sonnenblumen wachsen. Von den Zweifeln, die uns trennten, ließ ich mir den Seelenbrunnen ausgießen. Es schien, als hätten wir die beiden unterschiedlichen Pole eines Magneten verschluckt. Die zogen uns schon zueinander, immer betörend heftig, brennend leidenschaftlich, unfassbar unvernünftig – und am Ende. Stets unvermeidbar, der tödliche Zusammenprall. Doch neigten wir uns jeder nur ein wenig in die andere Richtung, dann begannen die beiden Magnethälften sich plötzlich heftig abzustoßen – und da, wo wir gerade noch aneinander festgewachsen waren, riss sich eine hässliche Wunde. Zwischen uns, ins blutrote Weltenfleisch. Und jede Anziehung verschlang immer noch inniger. Und jede Abstoßung schmerzte immer noch blutiger.

Es waren allein deine Zweifel, deren Samen uns trennten. Deren Wüchse mir zuerst die Sicht nahmen, bevor sie mich aufklaffen und bluten ließen. Doch du verstreutest sie stets aufs Neue. Damit du ihnen zuschauen konntest beim Wachsen. Nur an einem anderen Ort, als deinem eigenen, zitternden Seelenherzen, wo sie immer wieder neu hervorbrachen. Und dich damit tief verstörten. Sie aber hinter meinen Augen dunkel emporranken zu sehen, schien dich seltsam zu beruhigen. Denn niemand ist gerne allein. Schon gar nicht verrückt. Die Wunden noch zu heilen bedeutete, ein Ende in die Rinde meiner Herzkastanie zu ritzen, mit den Messern meines Verstands. Und dies Ende fragte nicht nach Grenzen und Zäunen, es überrollte die Gärten ganz. Es mähte die Wiesen und Parks mit seinen Klingen und löschte jede Spur, mit der du dir den Heimweg kennzeichnen wolltest. Auf deiner Flucht in den Wald. Dort suchst du nun, nach Herzkastanien. Doch du wirst sie nicht finden.

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