Die Woche am Bruchweg (50/19)

Später hell, früher dunkel, das ist die Formel, mit der sich die Lichtverhältnisse im Winter zusammenfassen lassen. Fürs Training kurz vor der Winterpause gebe es Untersuchungen, die deswegen den Ansatz nahelegen, in dieser Zeit eher eine große Trainingseinheit pro Tag anzusetzen, als zwei kleine über den Tag, erklärt Achim Beierlorzer den Journalist*innen bei der kleinen Medienrunde im Pressecontainer. So kommt es, dass die 05er am Dienstag nach der Niederlage in Augsburg von zwei bis etwa halb sechs zusammenarbeiten.

Später Trainingsbeginn am Bruchweg. (Fotos: WP)

Das Programm: Videoanalyse, Athletikt in der Halle, Training auf dem Platz bei einsetzender Dunkelheit. „Wenn wir so ein Spiel gut nachbereiten wollen, dann dauert das natürlich seine Zeit“, spricht Beierlorzer und nimmt einen Schluck von seinem Tee. Ingwer, wie bei seinem Kollegen Felix Magath, ist aufgrund der Farbe auszuschließen, eine leicht härtere Gangart in den Einheiten seit der letzten Partie scheint es dennoch gegeben zu haben. Denn so ganz kann Beierlorzer sich selbst noch keinen Reim darauf machen, wieso die Mannschaft im dritten Spiel unter seiner Verantwortung nicht mit demselben Biss zu Werke gegangen ist, wie in den ersten beiden Partien in Hoffenheim und gegen Frankfurt.

„Es waren schon einige Aspekte, wo wir es nicht so gut gemacht haben und auch zeigen müssen, wo die Konsequenz ist“, betont der Fußballlehrer, der mit dem Team eine intensive Videoanalyse absolviert hat. „In der ersten Hälfte, das muss man ganz klar so festhalten, waren wir chancenlos“, gibt er freimütig zu und es ist spürbar, dass ihm das so gar nicht schmeckt. Es geht dabei nicht nur um eine verlorene Partie, sondern um das Gesicht der Mannschaft. „In der zweiten war es ein Spiel auf Augenhöhe“, resümiert Beierlorzer, der über die Episode mit dem Videoschiedsrichter – Gott sei Dank – nicht mehr reden möchte. Lieber spricht er über die Themen Aktivität und Passivität und widmet sich der Fragestellung, wieso die Mannschaft nicht das auf den Platz gebracht hat, was sie dem neuen Trainer in den ersten beiden Spielen anbieten konnte.

Anrennen gegen die Dunkelheit.

Da ist sie also wieder, nach dem dritten Spiel unter Achim Beierlorzer, die Frage nach der Mentalität dieses Teams – und nein, da wird keine Phrase bemüht, sondern am Kern einer Problematik gerührt, die in Mainz nicht neu ist. Der Coach wird sich zwingend damit auseinandersetzen müssen, wieso diese Mannschaft den Anschein macht, als ob ein, zwei Siege schon eine gewisse Selbstzufriedenheit einkehren lassen in ihrer Mitte, die dazu führt, dass die Spieler nicht mehr an ihre Grenzen gehen – geschweige denn darüber hinaus. An der Vorbereitung auf die Partie in Augsburg könne das kaum gelegen haben, denn: „Eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass sie von der Spielweise überrascht waren, weil wir ihnen da wirklich alles mitgegeben haben.“

Also doch: Ursachenforschung. Training. Und: Gespräche. „Überheblichkeit, glaube ich, haben wir nicht. Also, da kenne ich die Mannschaft noch zu wenig. Aber dazu sind wir gar nicht in der Lage.“ Trotzdem habe er ein Gesicht des Teams erlebt, das er bislang in der Arbeit mit ihnen noch nicht gesehen habe, räumt Beierlorzer ein. Es geht also um Konstanz, nicht nur in der Leistung, sondern auch in Sachen Einsatzbereitschaft, Aufmerksamkeit und Willen. „Wir müssen natürlich an der Persönlichkeit jedes einzelnen arbeiten. Das ist vielleicht auch ein Problem, das in jedem selbst liegt“, überlegt der Trainer laut. Diese Seite der Mannschaft habe ihn überrascht. „Die Passivität, verbunden mit diesem Aufmerksamkeitsdefizit, müssen wir bearbeiten. Da muss jeder Spieler für sich letztlich auch die Fokussierung auf die Ausgaben finden“, sagt der Coach, der dennoch betont, es liege nicht an der Einstellung seiner Spieler.

Abschlussbesprechung.

Vermutlich wäre das dann auch zu einfach: Die Stellschrauben, die Achim Beierlorzer mit seinem Trainerteam („Ich kann mich über alle hier nur lobend äußern“) finden – und bearbeiten – muss, scheinen tiefer zu liegen. Es sind, so scheint es, dieselben, an denen sein Vorgänger mit der jungen Mannschaft gescheitert ist. Beierlorzers Aufgabe wird nun sein, mit seinem noch immer frischen Blick auf die Situation und zugleich der gewachsenen Erfahrung seines Trainerteams im Umgang mit diesen Spielern neue Wege zu finden, um die Aufmerksamkeitsspanne der Truppe für mehr als zwei Spiele am Stück aufrecht zu erhalten.

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