Mainz 05: Svensson als Schlüssel für eine neue Einheit

Lerby, Olsen, Arnesen, Hjulmand. Jede*r Fußballbegeisterte in Dänemark kann mit diesen Namen etwas anfangen – es sind die dänischen Trainer, die es auf mindestens ein Spiel als Chefcoach in der deutschen Fußballbundesliga gebracht haben. Nun ist es Bo Svensson, der als fünfter Däne gerade bei Mainz 05 diese Position übernimmt. Eine von vielen Klammern bei der Pressekonferenz, in der die Verantwortlichen den neuen Trainer vorstellten. Svenssons durchaus emotionale Reaktion auf die Fragen seines Landsmannes Søren Lissner (Politiken) zeigt indes, welche Bedeutung der liebevoll-stolze Blick aus der Heimat für den neuen Chefcoach des Tabellen-Siebzehnten hat.

Gut gelaunt und motiviert: Bo Svensson bei der PK am Dienstag. (Foto: Screenshot/Mainz 05)

Eine zweite Klammer sind die Trainer, unter denen Bo Svensson hier gespielt hat. Der Balanceakt zwischen dem nachvollziehbaren Blick zurück, welcher gerade aus den Fragen der Presse folgt, und dem notwendigen Blick nach vorn gelingt Svensson dabei gut. Natürlich habe er von allen Trainern etwas mitgenommen: Jürgen Klopp und Thomas Tuchel hätten in ihm, der nach der Profikarriere durchaus auch satt war vom Fußball, Lust auf den Trainerjob geweckt. Christian Heidel, mit dem er gegen Karriereende regelmäßig auf der Bank gefachsimpelt hat, habe ebenfalls einen Anteil daran. Martin Schmidt hat Svensson als Spieler erlebt und war sein Co in dessen erster Halbserie als 05-Profitrainer. Auch Kasper Hjulmand, von dem Schmidt bekanntlich übernahm, erwähnt Svensson stets: Bei ihm hat er als Assistent im Trainerteam erste Schritte gewagt.

Dänische Trainer in der 1. Bundesliga

Als sein Telefon an Heilig Abend Heidels Nummer zeigte, habe er zwei und zwei zusammenzählen können, sagt Svensson. Die Aufgabe reizt den Dänen, der Mainz als Verein und Stadt im Herzen trägt – seine Familie ist hiergeblieben, als er zum FC Liefering in die zweite österreichische Liga wechselte. „Es ist eine besondere Entscheidung für mich.“ Und eine mit Tragweite, denn Heidel macht deutlich, wie elementar Svenssons Ja auch für sein eigenes war. „Ich habe immer gesagt, der Trainer ist die wichtigste Person im Club“, betont er, und: „Bo Svensson müssen wir Mainz 05 nicht erklären.“ Man wolle mit ihm ein neues Projekt bei Mainz 05 starten, davon zeuge der langfristige Vertrag (3,5 Jahre) mit Gültigkeit in beiden Ligen.

„Bo ein wichtiger Mosaikstein.“ (Foto: Screenshot/Mainz 05)

Überhaupt, Christian Heidel. Ebenfalls einer, der Balance sucht – und sie findet in diesen ersten Auftritten nach der Rückkehr zu seinem Verein. Natürlich erklärt er die Entscheidung pro Bo, gibt aber auch Sportdirektor Martin Schmidt Raum, um Themen zu behandeln. Er besinnt sich und die Zuschauer*innen auf den Mainzer Weg, Trainer zu berufen, denen man die Bundesliga zutraut und ihnen Gelegenheit zu geben, sich zu entfalten. Er baut Brücken aus der Vergangenheit ins Jetzt und lässt Svensson und Schmidt als wesentliche Akteure diese Brücken aus dem Jetzt in die Zukunft entwerfen. All das macht er gelassen – und gut. Es ist richtig, festzuhalten, Fußball wird auf dem Platz gespielt und wie die Veränderungen der letzten Wochen dort ankommen, muss sich erst noch weisen. Es ist aber ebenso wichtig, aufzuzeigen, wie gut die Balance dieser neuen, alten Akteure untereinander ist und wie erkennbar sie an einem Strang ziehen, in eine Richtung miteinander losmarschieren. In und mit dieser Einheit kann viel bewegt werden.

Wir wollen mit Bo Svensson ein neues Projekt bei Mainz 05 starten.

Christian Heidel, Vorstand Strategie, Sport, Kommunikation

Dazu wird auch gehören, die Fehlerkultur zurückkehren zu lassen. Wer Trainer beruft, die in ihrer Entwicklung am Anfang stehen, muss bisweilen Geduld haben – und sie seinem Umfeld beibringen. Man stelle sich nur mal vor, wie Christian Heidel reagiert hätte auf den oft hässlichen Umgang, den etliche Fans hier mit Sandro Schwarz pflegten, der bereits für all das stand, was nun auch Svensson verkörpert. Wobei das keine Schuldzuweisung an die damals Handelnden ist, mehr ein Fingerzeig auf die ungute Gemengelage, in der Schwarz Trainer wurde, ein letztes Bedauern über den Gang der Dinge seinerzeit, aber auch der Hinweis: Dies ist die zweite Chance mit einer Idee, die zu dem Zeitpunkt durchaus schon eine ähnliche war. Nur dass offenbar niemand diese Ideen in Mainz so gut verkaufen kann wie Christian Heidel. Man muss das so sagen: Der Mann könnte in der Helau-Hochburg vermutlich Alaaf-Buttons anbieten und sie würden ein Renner. Ein Phänomen.

„Wir gucken, wo wir intern diese (Falkenmayers) Qualität zuführen können.“ (Foto: Screenshot/Mainz 05)

Bo Svensson jedenfalls, der seinen Co Babak Keyhanfar mit zurück nach Mainz bringt (Michael Falkenmayer wird zunächst freigestellt), sagt in wohltuender Ruhe die richtigen Dinge. Es gehe in dieser Lage um kurzfristige Erfolge, na klar. Es gehe aber auch um eine langfristige Strategie, um ein Konzept für Spiel und Verein. „Ich stehe für die Mainzer Tugenden“, dieser Satz geht Svensson ebenso selbstverständlich über die Lippen wie der, dass NLZ und Profis unter seiner Ägide noch enger verzahnt werden sollen. Er spricht vom notwendigen Respekt, vom Durchgreifen, davon, wie wichtig es sei, als Team geschlossen aufzutreten und zugleich Spieler individuell zu betrachten. „Wir müssen knallhart daran arbeiten, das Ding zu drehen“, aber: „Auf unsere Art und Weise.“

Der Weg, der vor dem Verein samt seinem Umfeld liegt, wird nicht einfacher dadurch, dass die drei Verantwortlichen auf dem Podium kluge Dinge sagen. Aber er wird klarer. Und klar ist auch, dass dieses Trio sich komplett einig ist darin, wie dieser Weg auszusehen hat. Kurzfristig ebenso wie als langfristige Strategie. Für diese Strategie ist Svensson als Trainer der Schlüssel. Es ist deshalb eine verdammt gute Nachricht, dass er zurück ist bei Mainz 05.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.