Die Woche am Bruchweg (45/19)

Das Training am Bruchweg in der Woche nach dem 0:8 in Leipzig beginnt ruhig. Auf dem Platz schleichen die Spieler anfangs noch merklich, doch im Laufe des Vormittags wird ihr Gang in der herbstlichen Sonne aufrechter. Zunächst aber scheint es, als laste die Anwesenheit der Kiebitze auf ihnen, das Wissen um die vielen Augenpaare, die auf ihnen ruhen, die Frage, was denken die Menschen am Spielfeldrand, was fühlen sie. Später wird Sandro Schwarz in der Medienrunde sagen: „Du schämst dich. Auch jetzt noch. Null zu acht zu verlieren, das ist brutal. Alles tut weh.“ Genau diesen Eindruck vermittelt sein Team um kurz nach zehn an diesem Dienstagmorgen.

Anfangsverkrampfung: Zu Beginn des Trainings wirken die Spieler gehemmt. (Fotos: WP)

Anfangsverkrampfung: Zu Beginn des Trainings wirken die Spieler gehemmt. (Fotos: WP)

Es wird das einzige öffentliche Training in dieser Woche bleiben. Eine regelmäßige Beobachterin erzählt, dass sie vor der Einheit mit Jean-Paul Boëtius gesprochen hat. „Ich habe ihm gesagt, wie weh das tut.“ Der Niederländer habe erwidert, für niemanden tue es ihnen, den Spielern, so leid, wie für die treuen Fans. Weder Mannschaft noch Verantwortliche weichen dem Kontakt mit den Anhänger*innen aus. Niemand verkriecht sich. Als Sandro Schwarz später gefragt wird, ob er sich anschaue, was derzeit in den sozialen Medien abgehe, ist seine Haltung klar. Natürlich bekommt er das zugetragen und: „Dass alle unzufrieden sind, das kann ich doch nachempfinden.“ Seine Räume aber sind andere, betont er – und dort ist er auch ansprechbar. „Wenn sie zum Training kommen und mich jemand darauf anspricht, dann können wir sehr gerne über diese Dinge sprechen.“ Das spüren auch die Autogrammjäger, die an diesem Tag vor Ort sind.

Eingrooven auf die wichtige Einheit.

Eingrooven auf die wichtige Einheit.

Vor Ort ist in einer Woche wie dieser auch deutlich mehr Presse als sonst. Alle wollen sich einen Eindruck machen, wie der Umgang zwischen dem Team auf und dem neben dem Platz wirkt. Unter den Fans ist anfangs vor allem Niko Kovac Thema. Hat er tatsächlich hingeworfen? Oder nicht? Soll man neidvoll auf diese Entwicklung in München schauen oder ist man froh über die hiesige Stabilität in Personalfragen? Auch Rouven Schröder hat schließlich die Mannschaft gefordert – und nicht etwa den Trainer infrage gestellt.

Zuversicht zurückerarbeiten.

Zuversicht zurückerarbeiten.

Dieser wehrt sich vehement gegen die Formulierung, das Team sei durch Schröders Aussage angezählt, und verteidigt seine Spieler leidenschaftlich. „Das mache ich nicht mit. ‚Diese Mannschaft!‘ ‚Diese Spieler!‘ Nein, nein, nein.“ Kopfschütteln untermalt seine Worte. „Da sitzt niemand und denkt sich: ‚Ich habe mit der ganzen Sache nichts am Hut.‘“ Wie eng die Spieler und das Trainerteam zueinanderstehen, ist auf dem Trainingsplatz zu beobachten. Schwarz feuert nicht nur, wie sonst, lautstark an, er ist auch ständig selbst an der Linie in Bewegung, als wolle er seine Worte zu den Spielern tragen.

Die kommunizieren sehr viel untereinander. Robin Zentner ist dabei abermals auffällig, Boëtius fungiert als leidenschaftlicher Lautsprecher und zudem immer wieder als Übersetzer. Deutlich ist zu spüren, wie Niakhatés Präsenz Spielzüge verändert. Die Intensität auf dem Feld nimmt zu und es scheint, als hätten die Trainierenden sich ein wenig von der Last des Wochenendes freigelaufen. Schwarz bestärkt und lobt seine Spieler. Aufbauarbeit nennt sich das wohl, für konstruktive Kritik bleibt diese Woche noch genug Zeit, ohne das fremde Augen und Ohren über die Kommunikation auf dem Platz wachen.

Meine Spieler geben mir Hoffnung.
Sandro Schwarz, Cheftrainer

Schwarz beschönigt nichts, als er später mit den Journalist*innen spricht. Er macht deutlich, wie beschissen sich der Samstag für alle Beteiligten angefühlt hat, wie peinlich und beschämend das Ergebnis für sie sei. In einer solchen Situation gebe es zwei Möglichkeiten, so der Trainingsleiter: Alles in Schutt und Asche legen, die Spieler an die Wand nageln und alles infrage stellen – für ihn der falsche Ansatz. Das erste Gegentor? Vermeidbar. In den ersten 25 Minuten sei danach viel so gelaufen, wie sich die Mannschaft das vorgenommen habe.

Gemeinsames Auslaufen nach dem Training.

Gemeinsames Auslaufen nach dem Training.

Ab dieser 25 Minute lautet sein Fazit: katastrophal. „Die größte Entschuldigung, die wir bringen können, ist die Leistung auf dem Platz.“ Wem sollten noch mehr Worte helfen? „Leistung. Das ist der einzige Weg, um alle zufriedenzustellen.“ Das schlechte Gefühl wollten sie schließlich auch selbst loswerden. „Die Entschuldigung muss man uns ansehen.“

Die krachende Niederlage in Leipzig vergleicht der Coach mit der 1:6-Pleite am dritten Spieltag gegen Bayern München. „Da kannst du die Schablone drauflegen.“ Jede Erkenntnis helfe dabei, gemeinsam weiterzuarbeiten. „Ich bleib dabei, wir haben zu viele Spiele verloren. Aber ich werde nicht sagen, sie sind nicht lernfähig. Sie verlieren den Kopf, ja.“ Da spiele auch der Faktor „junge Mannschaft“ mit hinein, gleichwohl Schwarz den nicht als Entschuldigung heranziehen mag.

Stattdessen, Einzelgespräche, weil jeder Spieler anders ist, auch in seinen Bedürfnissen. „Der eine braucht vielleicht mehr den Zuspruch, das Positive.“ Ein Beispiel hierfür ist Ronaël Pierre-Gabriel (21), der bei drei Startelfeinsätzen bisher ausgerechnet die Spiele bei den Bayern und RaBa Leipzig miterlebte und zudem in der Partie gegen Wolfsburg bereits nach einer Stunde vom Feld musste.

Trainerbesprechung.

Trainerbesprechung.

„Weil er diese zwei Extremerfahrungen gemacht hat, wenn du mit ihm in die Analyse gehst, macht es jetzt sicher wenig Sinn, ihm nochmal alles aufzuzeigen, wie schlecht das ist, sondern du musst die Dinge inhaltlich aufarbeiten und ihm zeigen, warum er hier ist und was für ein Potential er hat.“ Dazu gehöre auch die notwendige Geduld. „Der kann das, zu einhundert Prozent.“

Im Glauben an jeden einzelnen Spieler, mit dem er und sein Team arbeiten, zeigt Sandro Schwarz sich ungebrochen und beantwortet die Frage, was ihm in der aktuell schwierigen Situation die meiste Hoffnung mache, mit Nachdruck und großer Klarheit. „Meine Mannschaft. Meine Spieler geben mir Hoffnung.“ Am Samstag haben sie die Gelegenheit, diese Hoffnung auch bei der Anhängerschaft wieder zu entfachen.

Mainz 05: Where do we go from here?

Das hat gesessen. Mainz 05 verliert 0:8 in Leipzig und kassiert damit die höchste Bundesliga-Niederlage der Vereinsgeschichte. Es ist ein Tag, an dem die sachliche Analyse schwerfällt, weil jede*r, di*er dem Verein irgendwie verbunden ist, ganz selbstverständlich (auch) emotional auf das reagiert, was da auf dem Platz passiert ist. Es war ehrlich gesagt schwer genug, sich das bis zum Ende anzuschauen – die betretenen Gesichter der Protagonisten nach dem Spiel, halfen dann auch nicht weiter. Der Versuch ist aber umso wichtiger, weil Emotionen, so relevant sie im Fußball sind, hier einfach nicht weiterhelfen. Aber der Reihe nach.

05-Coach Sandro Schwarz in der Pressekonferenz nach dem Spiel. (Quelle: Screenshot)

05-Coach Sandro Schwarz in der Pressekonferenz nach dem Spiel. (Quelle: Screenshot)

Die Startelf
Gegen eine Mannschaft wie RaBa Leipzig, die unter der Woche den VfL Wolfsburg in deren Stadion mit 6:1 überrollt hat, geht jeder Coach am liebsten mit eingespieltem Innenverteidiger-Duo. Diese Möglichkeit war Sandro Schwarz aber leider durch die fünfte gelbe Karte gegen Moussa Niakhaté im Heimspiel gegen Köln genommen. Da zudem Stefan Bell langzeitverletzt ausfällt und Ahmet Gürleyen, das junge Talent auf dieser Position, aufgrund eines grippalen Infekts unter der Woche kaum trainieren konnte, stellte sich Alexander Hack quasi von selbst auf.

Für die Rechtsverteidigerposition hatte Sandro Schwarz im Vorfeld zwei Optionen und er entschied sich für Ronaël Pierre-Gabriel statt Daniel Brosinski. Nachvollziehbar, da Brosinski zwar einer ist, der um jeden Meter kämpft, Pierre-Gabriel unter der Woche im Training aber einen sehr guten Eindruck gemacht hat und das Trainerteam ihm in Sachen Geschwindigkeit vermutlich eine bessere Leistung unterstellte als seinem um zehn Jahre älteren Konkurrenten. Im Mittelfeld vertraute der Trainer wie zuletzt gegen Köln Jean-Paul Boëtius, Levin Öztunali, Kunde Malong und Ridle Baku, im Sturm Robin Quaison und – vielleicht auch aufgrund der gemeinsamen Vergangenheit mit RaBa-Coach Julian Nagelsmann – Ádám Szalai.

Startelf als Reaktion auf die Trainingsleistungen unter der Woche.

Startelf als Reaktion auf die Trainingsleistungen unter der Woche.

Die Anfangsphase
Klingt mit dem Wissen um die ganze Partie witzig, ist aber so: Die 05er sind besser in die ersten Minuten gekommen, als die Heimmannschaft. Das war auch die Kritik, die ihr Coach nach dem Spiel auf hohem Niveau in der Pressekonferenz äußerte. Weil aber Boëtius Rückpass nicht beim Mitspieler ankommt, stattdessen Timo Werner aus dem Mittelfeld Marcel Sabitzer bedient, der von St. Juste nicht entscheidend genug und von Hack gar nicht gestört wird, liegt die Schwarz-Elf bereits nach fünf Minuten mit 0:1 hinten. Damit ist der Matchplan erstmal hinfällig.

Die Psychologie
Egal, wie sehr man sich als Team auch vornehmen mag, ein Ergebnis wie jenes der Leipziger unter der Woche für das eigene Spiel außen vor zu lassen, so ganz kann das kaum gelingen. Bei einem so frühen Gegentor dürften die Alarmglocken dann also erst Recht angehen. Das gilt für Spieler wie Hack oder Pierre-Gabriel, die ihre Chance unbedingt nutzen wollen, besonders. Das Alter eines Profis ist nicht per se eine Begründung für eine schwache Leistung, es gehört in der Betrachtung aber dennoch dazu, weil eben auch jene Profis am Ende des Tages nur Menschen sind – und Pierre-Gabriel ist gerade mal 21 Jahre alt. Dass dieser jungen Spieler, der bereits das Debakel gegen die Bayern auf dem Platz miterlebte, beeindruckt war vom Druck der Leipziger, schien offensichtlich. Die erhoffte Geschwindigkeit brachte er so kaum auf den Platz.

Auch für Hack (26) ist es bezogen auf die wenigen bisherigen Einsätze ein Déjà-vu, so schnell und effektiv überrannt zu werden, gehörte er doch ebenfalls zur Startelf in München. Dasselbe gilt für Boëtius (25), Baku (21) und Aarón (22). Auf solche Ansätze zum Verständnis der Partie folgt häufig die Erwiderung, das sei „keine Entschuldigung“. Damit habe ich ehrlich gesagt so recht nie etwas anfangen können. Es geht doch vielmehr darum, einer derart schlimmen Niederlage so auf den Grund zu gehen, dass sie künftig vermieden wird. Fans mögen zwar nach einer Entschuldigung dürsten, was sicher verständlich ist. Für die Analyse taugt sie als Ansatz aber kein bisschen.

Die Aufstellungen der beiden Teams in Leipzig. (Quelle: Mainz 05)

Die Aufstellungen der beiden Teams in Leipzig. (Quelle: Mainz 05)

Der weitere Spielverlauf
In der ersten halben Stunde hatten die 05er in Person von Hack und dem erneut starken Öztunali sogar die Chance, noch auszugleichen. Weil das nicht gelang und RaBa sich anschließend in einen echten Torrausch spielte, stand es nach 39 Minuten bereits 4:0 für Leipzig. Schwarz reagierte noch vor der Pause, brachte Kapitän Danny Latza für den blass gebliebenen Szalai und stellte um auf ein 5-4-1. Dem Team fehlte zunächst weiter komplett der Zugriff und das 5:0 fiel noch vor der Pause. Zum Vergessen waren auch die ersten Minuten der zweiten Hälfte, in denen die Mannschaft das 6:0 und das 7:0 kassierte. Sollte es an diesem Tag zweistellig werden?

Nein. Denn nach den unsicheren ersten Minuten in Halbzeit zwei fingen sich die 05er – endlich. Dabei half zwar, dass Leipzig nun einen Gang herunterschaltete, die Abstimmung innerhalb des Teams funktionierte jetzt aber auch besser, speziell nachdem Schwarz in der 54. Minute Brosinski für den völlig indisponierten Kunde Malong brachte. Als der Ball nach einem guten Schuss von Quaison im Netz zappelte, keimte gar kurz Hoffnung auf, man könnte das Ergebnis vielleicht von dieser Seite ein bisschen korrigieren. Doch der Linienrichter zeigte Abseits an – es sollte nur aus Leipziger Sicht noch ein Treffer zum 8:0 fallen.

Seine Einwechslung zahlte sich aus: 05-Veteran Daniel Brosinski. (Foto: Malino Schust)

Seine Einwechslung zahlte sich aus: 05-Veteran Daniel Brosinski. (Foto: Malino Schust)

Die Grundsatzfrage
Die Feldreporter*innen hatten nach der Partie nur eine Frage an die Spieler der 05er: War es nicht ein Fehler, mit einer so mutigen und offensiven Aufstellung ins Spiel gegen Leipzig zu gehen? Doch die wurde reihenweise verneint und Robin Zentner brachte den Grund dafür auf den Punkt: „Das ist es, wie wir Fußball spielen wollen.“ Es schmerzt nach einem Nachmittag wie diesem natürlich, klar ist aber auch, genau dieser mutige Ansatz hat Mainz 05 im Heimspiel der Saison 2017/18 den 3:0-Sieg gegen Leipzig beschert, den Auswärtssieg gegen Dortmund am Spieltag darauf – und mit diesen beiden Partien den Klassenerhalt.

Denn das ist der Deal: In einer Weiterentwicklung des Fußballs, der bei Mainz 05 unter Wolfgang Frank und Jürgen Klopp gespielt wurde, erweitert um Elemente des Tuchel-Fußballs, lässt Schwarz mutig und mit Lust am Ballbesitz spielen. Das ist mal mehr und mal weniger erfolgreich – und wenn es nicht erfolgreich ist, tut es bisweilen auch richtig weh.

Wenn also nun nach einem Spiel wie dem in Leipzig an etlichen Stellen wieder die Trainerfrage gestellt wird, so ist das eigentlich Unsinn, weil es nicht um eine Personenfrage geht. Es geht im Verein vielmehr um eine Systemfrage: Für welchen Fußball will Mainz 05 stehen?

Wir brauchen auch das Thema Trainer nicht in Frage stellen. Das ist ganz klar eine Thematik, bei der wir die Mannschaft in die Pflicht nehmen. Wir stehen als Verein zusammen. Und der Trainer bleibt der Chef der Mannschaft, da werden wir gemeinsam arbeiten, um die Mannschaft aufzurütteln. Der Trainer ist im Moment der ärmste, der die Mannschaft in der Woche und auch vor dem Spiel sehr gut eingestellt hat.
Rouven Schröder, 05-Sportvorstand

Klar kann man in ein Spiel wie das gegen RaBa auch mit der maximalen Mauertaktik reingehen, natürlich kann man die Tore ausschließlich mit hohen Bällen auf einen nun wieder vorhandenen Stoßstürmer einleiten. Auch das hat es in den vergangenen Jahren in Mainz phasenweise schon gegeben. Schön anzusehen war es nicht. Der Fußball, den die Mannschaft aktuell spielt, tut an Tagen wie diesem Samstag in Leipzig, wenn nichts daran funktioniert, weh. Und ja, Schmerzen dieser Art gab es im bisherigen Saisonverlauf bereits mehrfach. Aber soll die Schlussfolgerung daraus tatsächlich sein, vom eigenen Weg abzuweichen?

Nochmal: Es geht nicht konkret um die Person, die den Trainerposten aktuell besetzt. Es geht um das Konzept, mit dem Mainz 05 diese Besetzung seit Jahren vornimmt. Rouven Schröder hat stets betont, Sandro Schwarz wurde nicht etwa zum Trainer gemacht, weil er 05er ist, sondern weil die sportlich Verantwortlichen im Verein in ihm das sehen, was sie sich auf der Position wünschen. Und nur darauf kommt es an. Viele 05-Anhänger*innen ziehen aktuell gerne den Vergleich mit dem SC Freiburg, der sich als ähnlich gelagerter Verein im oberen Drittel der Tabelle tummelt. Sie blenden dabei aber aus, dass man in Freiburg bereit war, mit Christian Streich in die 2. Liga zu gehen und ihm vertraute, nach dem Abstieg die Mission Wiederaufstieg zu schaffen. Dieses Vertrauen hat Streich zurückgezahlt und nebenher junge Spieler behutsam entwickelt.

Nahm nach der Niederlage das Team in die Pflicht und stellte sich hinter den Trainer: Rouven Schröder. (Quelle: Mainz 05)

Nahm nach der Niederlage das Team in die Pflicht und stellte sich hinter den Trainer: Rouven Schröder. (Quelle: Mainz 05)

Parallel dazu sind Vereine wie Hannover 96 oder Stuttgart in den letzten fünf Jahren jeweils zweimal abgestiegen, Köln sitzt ohnehin im Fahrstuhl fest und die Aufsteiger der letzten Jahre konnten sich alle nicht langfristig in der 1. Liga halten. Mainz hingegen gelingt das Jahr für Jahr aufs Neue, aber noch immer genießen die Verantwortlichen dafür durchwachsenen Kredit bei Teilen der Anhängerschaft. Wieso diese sich so auf Sandro Schwarz einschießt, habe ich bis heute nicht verstanden… Und das wiedergekäute Argument, dass er damals mit der U23 aus der 3. Liga abgestiegen ist, kann ich nicht gelten lassen, wenn ich mich umgekehrt daran erinnere, wie eine ganze Fangemeinschaft den ihr damals noch unbekannten Jørn Andersen gegen Presseangriffe verteidigte, obwohl der gerade mit Offenbach abgestiegen war.

Die Konsequenz
Was also tun, nach der höchsten Niederlage der Vereinsgeschichtein der Bundesliga? Weiterarbeiten. Das klingt vielleicht zu einfach, ist nach einer Klatsche dieser Größenordnung aber schwierig genug. Doch damit allein ist es aktuell nicht getan, denn bei allem Verständnis, bei aller Psychologie und aller Nachsicht mit diesem jungen, in der Entwicklung begriffenen Team, muss tatsächlich auch ein Ruck durch die Mannschaft gehen. Der Kampf, den die Spieler gegen Köln auf den Platz gebracht haben, darf keine Eintagsfliege sein sondern muss Alltag werden.

Die Spieler müssen, auch abseits vom Sportlichen, ein Gefühl dafür (vermittelt) bekommen, wo sie sind, für wen sie spielen, was es bedeutet, ein 05er zu sein. Diese Mentalität kann das Trainerteam zwar vorgeben, aber offenbar genügt das alleine nicht. Also müssen die 05-Verantwortlichen sich andere Wege überlegen, um die DNA des Vereins bei den Spielern einzupflanzen. Und ansonsten die Ruhe bewahren, auch wenn der Sturm gerade heftig tobt. In Mainz ist man nie den Gesetzen dieses Business gefolgt. Jetzt wäre ein ziemlich dummer Zeitpunkt, um damit anzufangen.

Edit: In einer früheren Version des Textes stand die höchte Niederlage der Vereinsgeschichte, das Wort Bundesliga wurde ergänzt.

Die Woche am Bruchweg (44/19)

„Tut mir leid, dass ich überzogen habe.“ Sandro Schwarz eröffnet die wöchentliche Medienrunde gut gelaunt. Er bringt sozusagen die Stimmung vom Training mit, wo die Spieler nach dem Heimsieg gegen den 1. FC Köln – der 100. in der Bundesliga – fokussiert, aber auch deutlich gelöst schienen. Dabei waren sie viel im Dialog miteinander und wirkten hungrig auf Tore und Trainingssiege. Zum Abschluss der Einheit spielte Robin Quaison quasi seinen wuchtigen Schuss vom Freitag nach. Gut habe sich das angefühlt, bestätigt Schwarz das Offensichtliche. „Da gilt es jetzt, dranzubleiben.“

Gelöste Stimmung beim Training.

Gelöste Stimmung beim Training.

Das gute Gefühl des Trainers lässt sich mit Zahlen belegen: Wurden bei der Auswärtspartie in Düsseldorf noch gerade 15 Verteidiger überspielt, waren es gegen Köln 55. „Kompliment an alle, wie wir mit dem Rückstand umgegangen sind“ betont Schwarz, der das 1:0 des FC aber nicht als Weckruf empfunden hat. Man habe auch in den ersten Minuten Zug zum Tor entwickelt und nicht etwa „nur hinten drin gestanden“.

Im Schatten des Bruchwegs.

Im Schatten des Bruchwegs.

Der Vergleich zwischen den Spielen bei der Fortuna und gegen Köln sei gut geeignet, um „den Jungs zu zeigen, was es bedeutet, wenn wir nicht den letzten Schritt machen in der Konsequenz.“ Abgesehen davon wolle er sich mit dem letzten Auswärtsspiel nicht mehr beschäftigen. „Das haben wir seriös aufgearbeitet.“ Man habe – nicht zum ersten Mal in der gemeinsamen Arbeit – bewiesen, dass die Mannschaft mit schwierigen Situationen umgehen und eine Reaktion darauf finden könne.

Unter Beobachtung.

Unter Beobachtung.

„Entscheidend für den Verein, unabhängig von den handelnden Personen, ist es, da nicht jedes Mal ein Krisenszenario aufzumachen“, sagt Schwarz. Diese Klarheit, bei den Verantwortlichen ebenso wie bei der Mannschaft, aber auch bei den Fans, sei enorm wichtig für den Club. „Das ist Mainz 05. Das dürfen wir nie vergessen. Es wird auch wieder schwierige Momente geben.“ Die Fans seien ein wichtiger Faktor gewesen, betont der Trainer, der eine klare inhaltliche Linie zieht von der Mitgliederversammlung am Anfang zum Spiel am Ende der Woche. „Mit dem Publikum im Kreuz, das ist einfach überragend. Genau das brauchen wir.“

Die Mannschaft steht nun mit neun Punkten aus neun Spielen auf Platz 13, exakt wie zum selben Zeitpunkt der Vorsaison, als allerdings die Tordifferenz mit -5 etwas besser war als heute (-9). Befragt nach den Unterschieden zwischen damals und heute erklärt Schwarz, der größte sei im Pokal zu finden, wo man in der Vorsaison mit zehn Mann die erste Runde überstand. Das habe eine ganz andere Stimmung gesetzt als nun das Pokalaus mit den bekannten Begleiterscheinungen in Kaiserslautern. „Und was uns im Vergleich fehlt, sind die Unentschieden.“ Die höhere Anzahl an Niederlagen habe sich in der Stimmung niedergeschlagen, bewertet er realistisch. Die zwei Siege aus den letzten drei Spielen sind da erste Schritte in die richtige Richtung.

Bällebad.

Bällebad.

Neben dem Platz
Stürmer Ádám Szalai hat einen Eintrag bei Facebook veröffentlicht, in dem er sich für eine Episode vom Wochenende entschuldigt. Bei einem Heimatbesuch in Ungarn war er nach eigenen Angaben nach dem Genuss eines Glas Weins mit 0,1 Promille auf einem E-Scooter gefahren und angehalten worden. Dafür musste er eine Strafe zahlen.

„Sorry sorry sorry sorry sorry sorry sorry sorry sorry“, schreibt der 05-Stürmer, der sich zugleich überrascht zeigt, wie die Sache an die Öffentlichkeit gelangt ist. Sandro Schwarz nahm es gelassen und witzelte, er behalte besser für sich, was er auf das „Geständnis“ erwidert habe, bevor er Szalai lobte: „Großartig, diese Offenheit, damit umzugehen. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, das ist kein Thema.“

05-Gegnerbetrachtung: Eintracht Frankfurt international

Das letzte Auswärtsspiel des 1. FSV Mainz 05 in dieser Saison bedeutet auch die vorerst letzte Folge der Gegnerbetrachtung. Diesmal beantwortet Stefan Groß von Polikick meine Fragen zu Eintracht Frankfurt.

1
Ich im FittiHi Stefan, danke, dass du Zeit hast für die Gegnerbetrachtung. Eigentlich wärst du gerade vermutlich lieber in London, richtig? Wieso hat das nicht geklappt?

Klar wäre ich gerne in London, aber ich wohne hinter Stuttgart, der Weg nach Frankfurt ist weit und aufwändig, für mich zu viel, um eine Dauerkarte zu haben. Ich bin zwar Mitglied, aber ohne Dauerkarte ist die Chance auf Tickets bei nur 2235 Karten natürlich nahezu null. Das macht aber nichts, ich möchte gar nicht den Fans, die die ganzen Auswärtsreisen mitmachen, eine Karte wegnehmen, die Eintrachtfans haben bisher immer für Stimmung gesorgt und werden das auch weiterhin hervorragend machen, auch ohne mich. Ich habe daheim einen Beamer, ich schaue Fußball auf 2×3 Metern Bildfläche und DAZN sei Dank wird die Stadionatmosphäre super eingefangen, ich kann mich nicht also beklagen. Nur meinen Hund muss ich gelegentlich aussperren, denn ich schreie gerne rum oder jubele laut und ich werde hier ausgeschimpft, dass ich doch den Hund nicht so erschrecken soll. Und übrigens, englisches Wetter haben wir hier gerade auch.

2
Nach einer überragenden Reise durch Europa ist für die Eintracht im Halbfinale leider Schluss. Ist das trotzdem die beste Saison, die du je mit deinem Verein hattest?

Natürlich ist das eine geile Saison, und gerade, weil es aktuell ist, könnte ich dazu neigen, diese Saison als die ultimative zu bezeichnen. Aber ich finde es schwer, verschiedene Saisons miteinander zu vergleichen. 1980 beim UEFA-Cup-Sieg habe ich zwar schon gelebt, aber ich war erst drei und habe das nicht mitbekommen. Aber Anfang der 90er, als die Eintracht den Fußball 2000 (Grüße an die Jungs beim Hessischen Rundfunk) gespielt hat, war natürlich auch eine tolle Zeit. Und im Teeniealter mit den Kumpels im alten G-Block zu stehen ist natürlich auch etwas Anderes, als jetzt auf der Couch zu sitzen. Ohne einen gewissen Alfons Berg aus Konz wäre das damals sicher die größte Saison ever gewesen, aber so würde ich sagen, liegen die beiden Saisons etwa gleichauf.

3
Bekanntlich sucht der Verein sich ja deine Fans. Wie und wann hat die Eintracht dich gefunden und für sich begeistert?

Bei mir ist das ganz simpel. Ich wohne erst seit drei Jahren in Stuttgart, geboren und aufgewachsen bin ich in Frankfurt, danach habe ich zwei Jahre in Langen gelebt und dann in Stuttgart. Ich bin also mit der Eintracht aufgewachsen, mein Vater ist auch großer Eintrachtfan und hat mich schon als ich noch klein war mit ins Stadion genommen. Klassische Lokalpatriotismus-Sozialisation – und spätestens in der Teeniezeit mit den Kumpels im Stadion ist einem die Eintracht für immer ans Herz gewachsen.

4
Auch über die Grenzen seines Vereins hinaus hat Peter Fischer in den letzten Monaten immer wieder Fußballfans begeistert, weil er Klartext spricht – auch politisch. Wie wichtig ist er für die Eintracht?

Peter ist eine absolute Identifikationsfigur. Dem Verein geht’s gut, die Mitgliederzahlen schießen in die Höhe und in viele Sportarten ist die Eintracht sehr erfolgreich. Die Eintracht ist Champions-League-Sieger! Okay, im Tischkicker, aber im Fußball sind wir ja auch auf einem guten Weg. Was aber natürlich toll ist, ist dass er oft Klartext redet. Die Fanszene in Frankfurt hat sich ja auch eher in eine linkere Richtung gedreht, da ist das natürlich super, wenn er dementsprechend auch seine Meinung so offensiv vertritt. Und Peter ist nicht der typische Funktionär. Ich schätze, bei euch ist das auch so, aber wenn ich Peter Fischer oder Fredi Bobic auf der Straße sehe, dann sind die beiden der Peter und der Fredi. Ich weiß nicht, wie das bei anderen Vereinen ist, aber ich kann mir bei Hopp oder Mintzlaff nicht vorstellen, dass die beiden der Dietmar und der Oliver sind. Der Peter, das ist eben einer von uns, wir sind alle die Eintracht und bei uns nimmt man es auch den Spielern ab, dass sie uns Fans geil finden. Wir sind einfach eine große Familie – und Peter hat mit Sicherheit einen großen Anteil daran.

5
Du selbst bist auch politisch aktiv und hast unter anderem vor kurzem „Polikick – Der politische Fußballpodcast“ ins Leben gerufen. Gemeinsam mit drei Kollegen und einer bislang verschollenen Gastkollegin (hüstel) sprecht ihr über Fußball und Politik. Warum?

Fußball und Politik sind eigentlich völlig verschiedene Dinge – eines ist der Ernst des Lebens, das andere eine tolle Ablenkung davon –, aber es gibt auch viele Gemeinsamkeiten. Über beides lässt sich hitzig debattieren, es ist häufig sehr emotional und vor allem kann man sich hervorragend darüber aufregen. Für einen Podcast ist das ideal, allerdings möchten wir durchaus seriös sein. Vielleicht ähnlich wie die Tribünengespräche im Rasenfunk oder auch wie die Podcastkolleginnen bei FRÜF, nur eben mit politischem Bezug. Ein paar Beispielthemen für die nächsten Wochen: Auswirkungen auf den europäischen Fußball bei einem Brexit, Völkerverständigung im Fußball oder auch politisch-gesellschaftliche Themen wie Moral im Spitzenfußball, Stichwort Trainingslager in Doha und ähnliches.
Wir haben mit Ausnahme der verschollenen Gastkollegin (schnief) alle eine parteipolitische Vergangenheit, teilweise auch Gegenwart und vielleicht sogar Zukunft und sehen uns in der Lage, politische Zusammenhänge zu erkennen, zu deuten und zu erklären – und das deutlich über das normale Stammtischniveau hinaus. Und wir hoffen auch auf hochkarätige Gäste aus Politik und Gesellschaft, ob das klappt, werden wir sehen. Jedenfalls war Fußball auch immer schon politisch, ist meiner Meinung nach aber immer politischer, auch, weil jeder den Fußball für sich vereinnahmen will. Gerade jetzt, in Zeiten eines vermutlichen Rechtsrucks in Europa bei der kommenden Wahl, ist es wichtig, darüber zu reden. Ob „Spieltage gegen Rassismus“ seitens DFL und DFB nur Lippenbekenntnisse sind, weil da außer ein paar Bannern irgendwo nichts weiter passiert und sich bei diesem Thema ja auch gerne mal weggeduckt wird – Stichwort Freundschaftsspiel letztes Jahr in Tschechien glaube ich, als mitgereiste Deutsche mit Sieg Heil Rufen auffällig wurden, und zwar nicht gerade wenige. „Habe ich nicht gehört“ hieß es damals, was schon sehr peinlich ist. Im Gegensatz dazu lob ich mir einen Christian Streich und natürlich auch einen Peter Fischer, die sich ganz klar positionieren und sich nicht scheuen, den Mund aufzumachen. Aber bevor ich mich in Rage schreibe, schaut doch einfach mal auf polikick.de vorbei.

Durch und durch ein Podcast-Fan. (Foto: privat)

Durch und durch ein Podcast-Fan. (Foto: privat)

6
Vor dem Spiel der Eintracht gegen Donezk gab es im Stadion eine Durchsuchung der von Ultras genutzten Räumlichkeiten und einen Polizeieinsatz im Block, der vielfach kritisiert wurde. Man hat den Eindruck, die Polizei testet an Fußballfans oft sowas wie Grenzen des Machbaren aus: Wie weit können wir gehen ohne Gegenwind. Wie beurteilst du das?

Ich könnte jetzt wie oben beim Podcast erwähnt ganz seriös sagen, dass ich das kritisch sehe, aber ich bevorzuge in diesem Kontext eher: riesengroße Scheiße. Hier gibt es gleich zwei Sachen zu betrachten: Die Frankfurter Polizei arbeitet mit Hochdruck daran, ihren Ruf zu ruinieren. Das Verhalten bei Demonstrationen, z.B. illegales Kesseln (Blockupy ist nicht so lange her) oder aktuell NSU 2.0, Frankfurter rechtsradikale Polizisten, die ihr Amt ausnutzen – und von einer Aufklärung dessen hören wir vom zuständigen Hessischen Innenminister Peter Beuth: nichts. Stattdessen gab es diesen völlig überzogenen Polizeieinsatz. Das ist jetzt allerdings kein ausschließliches Frankfurter Problem, das gibt es ja überall. Und wer Polizeikräfte im Stadion oder auf einer Demo mal aus der Nähe gesehen hat, der weiß, als Normalmensch kann ich denen nichts anhaben, die sind so stark gepanzert, da verpufft alles. Dank der grünen Farbe werden sie ja auch gerne Ninja Turtles genannt. Völlig unverständlich wieso 30 Beamte gegen einen Fan mit Gewalt vorgehen müssen, nur weil der sich etwas in den Weg stellt.
Nun ist es bei Innenministern ja oft so, dass es absolute Hardliner sind, nahezu alle, nicht nur die von der CDU. Einige dämliche Zeitungen und auch die Politik stellt den Fußballfan an sich gerne als Chaot und Randalierer dar, Pyro ist das Gefährlichste, was es gibt – und man kann heutzutage ja nicht mehr mit seinem Kind angstfrei ins Stadion gehen. Das ist natürlich Bullshit, aber es gibt mehr als genug Leute, die nie im Stadion sind – und die das glauben. Als Innenminister liegt der Gedanke nahe, sich sicherheitspolitisch profilieren zu können, wenn gegen Fußballfans vorgegangen wird. Dass dabei Menschen teils schwer verletzt werden, wie bei dem Einsatz in Frankfurt, wird in Kauf genommen. Ich bin sehr froh, dass das ein richtig großes Thema geworden ist und es auch ordentlich Gegenwind für Peter Beuth gab.
Auch nicht ins Bild passen solche Einsätze wie beim Spiel Magdeburg gegen Darmstadt, als die Einsatzkräfte dort Gästefans drangsaliert haben, hauptsächlich Rentner, Kinder und Menschen mit Handicap. Ja, die gehen nämlich ins Stadion, ohne Angst vor den Fans, Angst vor der Polizei ist eher berechtigt. Ich finde es aber toll, dass bei aller Rivalität zwischen Fans und Vereinen alle Fans zusammenstehen und sich solidarisch mit den Fans anderer Vereine geben. Allein das zeigt doch schon, dass alle Horrorgeschichten über Stadionbesuche übertrieben sind.

In der aktuellen des Eintrachtpodcasts war ich zu Gast. (Foto: Screenshot)

In der aktuellen Folge des Eintrachtpodcasts war ich zu Gast. (Foto: Screenshot)

7
Zurück zum Fußball. Die Eintracht spielt eine beeindruckende Serie, mit einem Fußball, der wirklich toll anzuschauen ist. Hättest du vor der Saison damit gerechnet, dass es so gut läuft?

Ich war letztes Jahr beim Sommerfest des Eintrachtpodcasts und habe dort gesagt, der Pokalsieg ist so geil, das erlebt man nur alle 30 Jahre, ich wäre nicht mal böse, wenn die Mannschaft jetzt absteigt. Ich habe natürlich nicht mit einem Abstieg gerechnet, aber wer kann den ahnen, dass wir nach einer Pokalsiegsaison gleich nochmal eine Hammersaison hinlegen? Zumal mit dem Prince der Chef auf dem Platz weg ist und die ersten Ergebnisse im Supercup und Pokal nicht gerade positiv stimmten. Als Fan der Eintracht sind die Erwartungen immer hoch, aber wir sind auch Leiden gewohnt und zu oft sind unsere Hoffnungen enttäuscht worden, daher bleibt immer eine gewisse Skepsis. Umso geiler, wenn die Hoffnungen sogar deutlich übertroffen werden.

8
Am Sonntag gab es allerdings eine ordentliche Packung in Leverkusen. Viele Fans waren der Auffassung, Hütter hätte sich mit einer zu defensiven und zusammengewürfelten Aufstellung vercoacht. Siehst du das auch so, oder geht dem Team auf der Zielgeraden die Luft aus?

Beides, allerdings hat die Klatsche in Leverkusen nix mit der Puste zu tun. Konditionell von Anpfiff an nicht mithalten zu können, ist ausgeschlossen, wenn das so wäre, hätten wir in der 2. Halbzeit ja nochmal acht Stück fangen müssen. Der Fehler liegt hier klar bei Hütter, die Taktik und die Aufstellung waren diesmal ein Flop. Ob das generell keine Taktik für die Eintracht ist oder das schnelle erste Tor auch einfach mit daran schuld ist, dass alles im Chaos endete, kann ich schwer beurteilen. Aber ich geh davon aus, dass Hütter sich vor seine Mannschaft stellt und das auf seine Kappe nimmt und es aus den Köpfen der Spieler raus ist. Aber klar, in der Rückrunde haben wir in der Euroleague jetzt 8 Spiele gehabt, auf Dauer geht das an die Substanz. Der Kader ist dann doch nicht ganz so breit, um das aufzufangen. Auch, wenn die Eintracht insgesamt nicht so enorm viele Kilometer läuft, ist das Spiel doch oft sehr kraftraubend, das hohe Pressing und das Gegenpressing erfordern viele kurze schnelle Sprints, der lange Ausfall von Haller sorgt dafür, dass die anderen Stürmer mehr Spielminuten und weniger Regenration haben. Ich bin froh, dass jetzt noch ein paar Spieler zurückkommen und es wieder mehr Möglichkeiten in der Aufstellung gibt.

Mainzer Fans beim Auswärtsspiel der Saison 2016/17. (Foto: Meenzer on Tour)

Mainzer Fans beim Auswärtsspiel der Saison 2016/17. (Foto: Meenzer on Tour)

9
Weil im oberen Drittel der Tabelle alles recht eng ist, könnte im Saisonendspurt sogar die sicher geglaubte nächste Europasaison noch verspielt werden. Machst du dir Sorgen? Und wieviel von der aktuellen Traumsaison würde das emotional kaputtmachen?

Verstehe die Frage nicht, wir spielen doch gegen Mainz und in München, sind doch einfache 6 Punkte. Mal im Ernst, klar ist das möglich, und klar wäre das fürchterlich für uns Fans und den Verein (und für Fußballdeutschland, denn wenn wir raus sind bedeutet das ein Plastikverein mehr spielt dafür in Europa). Aber alle anderen müssen ebenfalls erstmal punkten und an uns vorbeigehen. Sich nicht zu qualifizieren, macht ja eher die nächste Saison kaputt, diese Saison mit der sensationellen Tour durch Europa kann uns keiner mehr nehmen.

10
Das Halbfinale der Europa League zu erreichen, war ein riesiger Erfolg, dennoch dürfte der Frust übers Ausscheiden tief sitzen. Was bedeutet das für das Spiel am Sonntag, werden die Spieler Mainz wütend niederrennen, oder geht jetzt einfach gar nichts mehr?

Die Enttäuschung über das unglaublich knappe Ausscheiden ist natürlich riesig. Die Aufgabe von Hütter ist es jetzt, den Spielern das aus dem Kopf zu reden und sie stolz auf das zu machen, was sie erreicht haben. Halbfinale! Gleichauf mit Chelsea, die zu den zehn besten Mannschaften der Welt gehören. Und dann die Mannschaft du motivieren, das nächstes Jahr einfach erneut zu erleben und nochmal alles zu geben.
Also eigentlich sind die Vorzeichen dieses Spiels ja langweilig. Vierter gegen Zwölfter, für eine Mannschaft geht es um nix mehr, klingt nach einem harmlosen 2:0 Sommerkick. Es ist nur kein Sommer. Und es ist ein Derby. Wir haben bei Dortmund gegen Schalke gesehen, was die schlechter platzierte Mannschaft leisten kann, wenn es ein Derby ist, auch wenn ich ein Spiel gegen Mainz jetzt nicht als das ultimative Derby ansehe. Ihr seid ja nicht die Kickers. Aus meiner Sicht wird da viel zu hoch bewertet, die jahrzehntelangen Duelle, die so ein Trara rechtfertigen, sind mir entgangen. In der einen oder anderen Saison hat man aus Frankfurt vielleicht auch neidisch geschaut, was bei euch mit geringeren Mitteln möglich war. Nichtsdestotrotz mobilisiert das immer Kräfte, auf beiden Seiten. Wir haben den Druck, erfolgreich sein zu müssen, ihr könnt befreit aufspielen. Wir sind am Ende von zwei englischen Wochen mit einer Verlängerung, ihr konntet euch die ganze Woche vorbereiten. Aber wir haben die weltweit besten Fans, wir sind #12gegen11. Es ist das letzte Heimspiel der Saison, da möchte die Mannschaft natürlich nochmal drei Punkte holen. Auch wenn die Beine müde sind, wir wissen ja, es sind nur noch zwei Bundesligaspiele, es kommt keine englische Woche mehr, jetzt nochmal richtig Dampf auf den Kessel geben, der Urlaub für die Spieler ist ja schon absehbar.
Ich erkenne aber auch Parallelen zur Hinrunde. Sowohl in Hin- als auch in der Rückrunde war die Partie gegen Augsburg ein Bruch in unserem Spiel. Stimmten in der Hinrunde zumindest noch die Ergebnisse, so haben wir in der Rückrunde doch gegen Augsburg und Hertha schon Punkte liegengelassen, die schon fast sicher die Champions League bedeutet hätten. Und ich erinnere mich an das Spiel bei euch, unser Punktgewinn beim 2:2 war doch etwas glücklich, teilweise habt ihr uns schwindelig gespielt. Aber in der Hinrunde hat auch Hasebe nicht gespielt – und wie ihr da gesehen habt, kommen wir auch nach Rückständen immer wieder zurück. Und selbst, wenn wir schlecht spielen, unsere Verrückten können da vorne jederzeit aus dem Nichts ein Tor schießen. Ich glaube es wird ein gutes und kämpferisches Spiel.

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In welcher Formation wird Adi Hütter die Mannschaft im letzten Heimspiel auf den Rasen schicken? Wie geht das Spiel aus und welchen Tabellenplatz belegt ihr am Saisonende?

Trapp im Tor ist klar, davor eine Dreierkette aus Hinti, Abraham und Falette. Kostić und da Costa sind auch klar, auf der Sechs spielen Fernandes und Hasebe, weil Rode ja scheinbar langfristig ausfallen könnte, Gaćinović auf der Zehn. Im Sturm beginnen Haller und Jović. Haller wird früh im Spiel Jović ein Tor auflegen, ihr gleicht früh in der 2. Halbzeit aus. In der 60. kommen Rebić und Paciência für Haller und Gaćinović, beides Spieler mit richtig Motivation und Kampfkraft, die nochmal die ganze Mannschaft mitziehen. In der 78. kommt de Guzmán für Fernandes, nochmal ein frischer Mann, mit starker Präsenz im Mittelfeld und besserem Spielaufbau als Fernandes. In der 94. Zeigt Hasebe sein neuestes Lieblingshobby und kratzt einen Schuss von Quaison mit der Brust von der Linie. Während die Mainzer Spieler noch fälschlicherweise Handspiel reklamieren läuft der Frankfurter Konter, den Paciência nach einer Flanke von Kostić mit einem Flugkopfball zum 2:1 abschließt. Danach wird nicht wieder angepfiffen. Während die Mainzer Fans schon zu Hause angekommen sind hallt es immer noch durchs Waldstadion: Europas beste Mannschaft, Europas beste Mannschaft, Europas beste Mannschaft SGE!
Die Bayern holen leider die Meisterschaft am 33. Spieltag und schalten wie üblich im bedeutungslosen Spiel vorm Pokalfinale 3 Gänge zurück, wir holen uns das Spiel mit einem 3:1 Auswärtssieg und haben somit Platz 4 gesichert, während Leverkusen wie im Vorjahr Rang 4 nur durch die schlechtere Tordifferenz verpasst. Jubel, Trubel, Heiterkeit und nächste Saison gewinnen wir in Barcelona!

KOMPAKT
Eintracht Frankfurt ist der beste Club der Welt, weil … Freud und Leid so nah beisammen sind und genau dieses emotionale den Fußball ausmacht. Außerdem: beste Fans weltweit!
Was ich an unserem Stadion besonders liebe, ist … dass es Deutschlands lautestes Stadion ist.
Mein ewiger Lieblingsspieler ist eindeutig … Uli Stein. Uli war einfach eine coole Sau, wie er früher einfach die Hand gehoben hat, wenn er gesehen hat ein Ball geht am Tor vorbei, auch wenn es sausauknapp war.
Wer Frankfurt besucht, sollte unbedingt … Zeit mitbringen. Der Verkehr! Der ÖPNV! Zu Hilf!
Besonders lecker essen Gästefans … Worscht. Im Stadion wird Worscht gegessen und damit basta. Worscht! WORSCHT!

Vielen Dank für das Gespräch!
Vielen Dank, dass sich jemand für mein ewiges Geschwafel interessiert!

Im Gespräch mit dem Trainer der Meenzer Dynamites, Thomas Zeitz. (Foto: Malino Schust)

Im Gespräch mit dem Trainer der Meenzer Dynamites, Thomas Zeitz. (Foto: Malino Schust)

LETZTE WORTE
In der aktuellen Folge meiner Videokolumne für die Allgemeine Zeitung Mainz spreche ich mit dem Trainer der Handball-Damen, Thomas Zeitz. Die Meenzer Dynamites stehen aktuell vor dem Auftsieg in die 1. Liga und haben dafür nun auch ganz offiziell die Lizenz erhalten. Glückwunsch!

05-Gegnerbetrachtung: Hannovers letzter Schuss

Die Gegnerbetrachtung ist zurück. Vor jedem Auswärtsspiel des 1. FSV Mainz 05 spreche ich mit PodcasterInnen, JournalistInnen oder BloggerInnen aus dem Umfeld des gastgebenden Vereins. Diesmal beantwortet Tobias Groebner vom Hannover-96-Fanblog The Walking Red meine Fragen.

Tobias GroebnerLieber Tobias, danke, dass du dir die Zeit für meine Fragen zu Hannover 96 nimmst. Zum Einstieg ein beliebter Klassiker: Wie bist du zu deinem Verein gekommen? Und kannst du dich daran erinnern, was dich damals fasziniert hat?
Ich bin so etwas wie der Prototyp eines Erfolgsfans. Mein Interesse an Hannover 96 entstand durch die Pokalsaison 1991/92. Besonders die Siege gegen den SV Werder Bremen im Halbfinale und gegen Borussia Mönchengladbach im Finale haben mein Interesse an Hannover 96, das vorher nicht sonderlich ausgeprägt war, geweckt. So war ich in der Saison 1992/93 das erste Mal bei einem Spiel im Niedersachsenstadion. Es war ein 3:1-Heimsieg gegen den damaligen Aufsteiger VfL Wolfsburg. Fasziniert hat mich sofort die Atmosphäre im Stadion. Ich fand es toll, wie tausende Menschen gemeinsam jubeln, singen oder auch enttäuscht sind. Seit dem Jahr war ich ein regelmäßiger Gast zu den Heimspielen. Die echte Liebe entstand dann 1996/97 in der Regionalliga.

Was sollte man neben deiner Leidenschaft für Fußball und den Verein über dich wissen, womit beschäftigst du dich im Leben neben dem Platz?
Neben dem Platz beschäftige ich mich vor allem mit Zahlen und Prozessen. Das bringt mein Job im Controlling mit sich. Bei dem ganzen trockenen Stoff, ist dann der Fußball am Wochenende der perfekte Ausgleich. Nebenbei versuche ich mich noch ein wenig mit der Schreiberei. So begleite ich Hannover 96 seit nunmehr vier Jahren auch als Blogger.

Geboren als Roter. (Cover: Verlag)

Geboren als Roter. (Cover: Verlag)

Im vergangenen Jahr hast du auch ein Buch über deinen Verein geschrieben: Geboren als Roter – Warum wir Hannover 96 lieben. Was sind für dich die wichtigsten Gründe?
Weil 96 einfach ein geiler Verein ist. Auch wenn sich in den letzten Jahren vieles zum schlechten verändert hat, haben wir doch am 23. März gezeigt, wozu eine Fanszene fähig ist – und uns einfach mal den Verein zurückgeholt.

Ein Thema, mit dem wohl jeder Fußballfan Hannover 96 assoziiert, ist die 50+1-Regel und Martin Kinds Versuche, eine Sondergenehmigung zu bekommen. Kannst du für die Leser meines Blogs, die sich nicht im Detail mit der Situation in Hannover beschäftigen, erklären, wie die aktuellen Entwicklungen aussehen und was Kind im Gegensatz dazu wollte?
Martin Kind möchte für Hannover 96 eine Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel erwirken. Dazu hat er gemeinsam mit der Profispielbetriebsgesellschaft, deren Geschäftsführer er ist, und dem Verein, dessen Vorstandsvorsitzender er bisher gewesen ist, einen Antrag bei der DFL gestellt. Um eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen, hätte er nachweisen müssen, den Verein über 20 Jahre hinweg erheblich gefördert zu haben. Diesen Nachweis blieb er schuldig. So hat die DFL den Antrag abgelehnt. Daraufhin hat Kind das Schiedsgericht des DFB angerufen, wo noch ein Verfahren anhängig ist. Mit der Mitgliederversammlung des Breitensportvereins am 23. März endete die Ära Kind. Der Aufsichtsrat, der den Vorstand beruft, wurde neu gewählt. Sämtliche Plätze gingen an Kandidaten, die sich gegen die Abschaffung von 50+1 in Hannover ausgesprochen haben und deswegen von der aktiven Fanszene unterstützt wurden.

Der etwas andere Fanblog. (Grafik: The Walking Red)

Der etwas andere Fanblog. (Grafik: The Walking Red)

Du schreibst bei The Walking Red über Hannover 96 und gehörst zum Supporters Club Rote Kurve. Wie hat es sich bei dir entwickelt, dass der Fußball nicht nur in dieser Clubliebe eine Rolle spielt, sondern du dich auch aktiv in die Vereinsarbeit einbringst?
Mit dem Schreiben über 96 habe ich im Jahr 2015 angefangen. Die Gründe dafür sind schnell erzählt: Ich konnte die sehr einseitige Presseberichterstattung in Hannover nicht mehr kommentarlos hinnehmen und wollte einen Gegenpol bilden. Fanthemen sollten einen Platz bekommen – und haben das dadurch. In der Roten Kurve fange ich gerade an, aktiv zu werden. Das hat sich alles am Abend nach der Mitgliederversammlung ergeben. Die Neuausrichtung des Vereins möchte ich gern unterstützen und mich einbringen.

Im kürzlich berufenen neuen Vorstand des Hannoverschen Sportvereins von 1896 e.V. sitzen auch zwei Ehemalige der Roten Kurve. Wie beurteilst du die Zusammensetzung des Gremiums und welche Konsequenzen erhoffst du dir dadurch, dass sich die Anti-Kind-Fraktion nun die Geschicke des Vereins leitet?
Zunächst würde ich nicht von einer Anti-Kind-Fraktion sprechen wollen. Es sind vielmehr engagierte Mitglieder, die sich für Transparenz und Mitbestimmung einsetzen. Ich begrüße sehr, dass der neue Vorstand in Ressorts aufgeteilt wurde, für die sich zukünftig Experten verantwortlich zeigen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Mit Sebastian Kramer, dem neuen Vorstandsvorsitzenden, ist der ehemalige Vorsitzende der Roten Kurve jetzt verantwortlich für den Breitensportverein. Basti ist echter 96er und liebt den Verein. Außerdem ist mit Robin Krakau ein ehemaliges Gründungs- und Aufsichtsratsmitglied der Roten Kurve ebenfalls in den Vorstand berufen worden. Ich erhoffe mir, dass der Antrag von Martin Kind auf Erteilung einer Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel gestoppt wird. Zumindest wurde er zunächst auf ruhend gestellt, um den Antrag einzusehen und zu prüfen.

Neuer Vorstand, neuer 5-köpfiger Aufsichtsrat. Neuanfang? (Foto: Pro Verein)

Neuer Vorstand, neuer 5-köpfiger Aufsichtsrat. Neuanfang? (Foto: Pro Verein)

Hannover 96 hat nach einem Jahr in der 2. Liga den direkten Wiederaufstieg geschafft, eine positive Erstligasaison hingelegt – und steckt in der zweiten Saison im Oberhaus aktuell im maximalen Schlamassel. Was genau ist da schiefgelaufen?
Wie viel Zeit hast du? Keine Sorge, man kann es relativ einfach runterbrechen: Leistungsträger wie Martin Harnik, Salif Sane und Felix Klaus haben 96 verlassen. Der Qualitätsverlust konnte mit den gut gemeinten Neuzugängen nicht ausgeglichen werden. Abgesehen von Hendrik Weydandt, den man aus der Regionalliga eigentlich für die zweite Mannschaft verpflichtete, hat kein Transfer gegriffen. So kommt dann eben so eine Gurkensaison bei raus.

Seit Januar sitzt Thomas Doll auf der 96-Trainerbank. Medial wirken seine Auftritte oft eher skurril, auch der erhoffte sportliche Erfolg hat sich nicht eingestellt. Hat dich seine Berufung damals überrascht? Und wie beurteilst du seine Arbeit mit dem Team?
Sie hat mich sogar schockiert. Das konnte nicht funktionieren. Mir geht es dabei aber vor allem um den Menschen, weniger um den Trainer. Im November 2018 hatte er einen unsäglichen Auftritt bei Sky, in dem er sich als Sexist präsentierte. Solche Geisteshaltung möchte ich nicht auf unserer Trainerbank sehen. Die Arbeit mit den Spielern spielgelt sich ziemlich gut in den Ergebnissen wieder. Er ist schlichtweg nicht gut genug.

Thomas Doll ist aktuell Trainer bei Hannover 96. (Foto: Frank Schwichtenberg – CC BY-SA 3.0)

Thomas Doll ist aktuell Trainer bei Hannover 96. (Foto: Frank SchwichtenbergCC BY-SA 3.0)

Der Abstieg ist trotz der desaströsen Saison für den Verein noch nicht besiegelt, das Spiel gegen Mainz am Samstag bietet die letzte Chance. Hast du noch Hoffnung? Und wäre die Rettung in letzter Minute überhaupt wünschenswert?
Ich habe keine Hoffnung mehr. Bei einem Sieg in Berlin und einem weiteren Erfolg gegen euch, wäre vielleicht noch was gegangen. So ist der Abstieg in meinen Augen aber besiegelt. Ich freue mich auch schon auf die interessanten Gegner in der zweiten Liga. Doll sollte die Rettung auch nicht gelingen, nachher darf er noch blieben. Bitte nicht.

Gehen wir also davon aus, Hannover 96 steigt am Ende der Saison erneut in die zweite Liga ab. Was muss sich ändern, damit an der Leine wieder Stabilität einkehrt? Der Wiederaufbau mit Thomas Doll wurde ja durchaus als Möglichkeit thematisiert. Wen würdest du gerne in Verantwortung sehen?
96 muss sich selbst eine Philosophie verpassen, ein tragfähiges Konzept entwickeln. Die Verzahnung mit dem Nachwuchsleistungszentrum muss deutlich intensiviert werden. Die Spielidee sollte von der U17 bis zu den Profis identisch sein. Ein Wiederaufbau mit Thomas Doll wäre eine Katastrophe. Mein Wunschtrainer ist Alexander Kiene, der all das verkörpert, was ich gerade skizziert habe. Kiene hat gerade seinen Fußballlehrer gemacht und war schon als Trainer in der Region bei Ober- und Regionallisten äußerst erfolgreich.

Alles spricht dafür, dass uns am Samstag ein Kampfspiel erwartet, zumindest, wenn das 96-Team diese letzte Möglichkeit nutzen will. Was glaubst du, wie Thomas Doll seine Jungs auf den Platz schickt? Und welches Ergebnis tippst du?
Er wird vermutlich wieder versuchen, den Bock umzustoßen. Verzeih, das ist mittlerweile ein Running Gag in Hannover. Ich denke, wir werden die Startelf aus dem Hertha-Spiel sehen. Eventuell darf Nicolai Müller wieder als zweite Spitze ran, damit Weydandt nicht allein auf weiter Flur ist. Ich tippe auf einen knappen 1:0-Heimsieg, der am Ende aber auch nichts ändern wird.

KOMPAKT
Hannover 96 ist der beste Club der Welt, weil … wir Fußballdeutschland gezeigt haben, dass sich Fans ihren Verein zurückholen können.
Was ich an unserem Stadion besonders liebe, ist … die Nähe zum Maschsee. Ich denke, kein anderes Bundesligastadion ist so zentral und idyllisch gelegen.
Mein ewiger Lieblingsspieler ist eindeutig … Jan Simak. Genialer Fußballer, leider mit den falschen Freunden
Wer Hannover besucht, sollte unbedingt … einen Moment am Nordufer des Maschsees verweilen. Genießt es.
Besonders lecker essen Gästefans … direkt in Stadionnähe ist das Julian’s. Ein Restaurant im Courtyard-Hotel direkt am Maschsee. Dort lässt es sich vor und nach dem Spiel besonders gut essen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Meinen Gegenbesuch im Blog The Walking Red könnt ihr hier nachlesen.

So ein Tag… (Foto: Mainz 05)

So ein Tag… (Foto: Mainz 05)

LETZTE WORTE
Gut Lachen hat das Vorstandstrio des 1. FSV Mainz 05: Der Verein hat von der Deutschen Fußball Liga die Lizenz für die kommende Bundesligaspielzeit 2019/2020 erhalten – und das erneut ohne wirtschaftliche Auflagen und Bedingungen. Ein toller Erfolg für den Verein, ebenso wie natürlich der am letzten Spieltag festgezurrte Klassenerhalt.